Geschrieben am 20.02.2014

Schreiben und Stellungnahme an Herrn Landrat Riegger vom 17.02.14

Stellungnahme der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw zur derzeitigen Entwicklung

Sehr geehrter Herr Landrat ,

beigefügt wird die Stellungnahme der Bürgerinitiative übergeben. Wir möchten darauf hinweisen, dass dem GÖK-Gutachten die Basis entzogen wurde, wenn Chefarztstellen — sowie dies aktuell in Nagold der Fall ist — nicht besetzt werden. Die derzeitige Geschäftspolitik des Klinikverbundes Südwest durch die Nichtbesetzung von Chefarztstellen sowie kostenintensive Fehlentscheidungen zu Lasten der Kliniken Calw und Nagold zu treffen, ist vor dem Hintergrund unvertretbar, dass die Verluste der Krankenhäuser noch größer werden und diese vom Landkreis — und damit seinen Bürgern — zu tragen sind. Diese Geschäftspolitik stellt nach unserer festen Überzeugung den Klinikverbund in Frage.


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Axel Roth und Prof. Bernd Neufang


Stellungnahme der Bürgerinitiative zur derzeitigen Debatte über die Entwicklung der Kreiskliniken Calw Nagold und Klinikverbund Südwest

  1. Die vorhandenen medizinischen Versorgungsstrukturen an den Krankenhäusern Calw und Nagold müssen so lange unverändert bleiben, bis der Neubau in Calw fertiggestellt ist. Dies betrifft im Besonderen die Orthopädische Chirurgie in Calw.
  2. Unverändert bestehen größte Zweifel daran , ob ein Klinikum in Calw, das bei einem Neubau oder nach Umstrukturierung im Klinikverbund von vornherein mit einem jährlichen Defizit von 4,5 Millionen € kalkuliert wird, dauerhaft Bestand haben kann.
  3. Jede Klinik des Klinikverbundes Südwest, das heißt jeder einzelne Standort muss mindestens einen Schwerpunkt aufweisen. Dieser Schwerpunkt sollte quasi als Leuchtturm über das direkte Einzugsgebiet des Hauses eine Strahlkraft ausüben. Nur so lässt sich neben der Nutzung gewisser Synergieeffekte im Verbund der Standort sichern und eine betriebswirtschaftliche Selbständigkeit herstellen.
    Der Erhalt eines Standortes erscheint uns bei einer völligen betriebswirtschaftlichen Abhängigkeit von anderen Häusern des Klinikverbunds nicht gewährleistet. Dies gilt für alle Standorte im Klinikverbund gleichermaßen.
  4. Die Versorgungsschwerpunkte der einzelnen Häuser des Klinikverbundes sollten vorrangig erhalten bleiben. Dies dient vor allem der Markenbildung. Bestehende Marken, wie beispielsweise die Gefäßchirurgie in Leonberg, die Urologie in Nagold oder die Neurologie I Neurochirurgie in Calw dürfen nicht ohne Not aufgegeben werden.
  5. Die derzeitigen Probleme der wirtschaftlichen Situation und Entwicklung im Kreisklinikum Calw sehen wir mehr auf der Kostenseite als auf der Erlösseite. Mögliche Effizienzsteigerungen auf der Kostenseite und hier vor allem im Bereich der Verwaltungsstruktur des Klinikverbundes wurden vom GÖK-Gutachten nur unzureichend beleuchtet. Hier müssen weitere Überlegungen hinsichtlich einer effizienteren Verwaltung und einer Stärkung der Autonomie der einzelnen Häuser erfolgen.
  6. Wir halten das Konzept eines Hauses der Grund– und Regelversorgung, das sich darüber hinaus auf die Notfallversorgung zeitkritischer und lebensbedrohlicher Erkrankungen spezialisiert und entsprechend personell und technisch ausgestattet ist, für ländliche Räume generell für richtig.
    Solche Konzepte können allerdings nur verwirklicht werden, wenn die Notfallversorgung ausreichend vergütet wird.
    Solange dies noch nicht der Fall ist, müssen solche Häuser durch eine Angliederung elektiv arbeitender, gewinnbringender Spezialabteilungen gestärkt werden.

Ein Krankenhausneubau oder fachliche Neuausrichtung der bestehenden Einrichtung in Calw wird von der Bürgerinitiative nur dann akzeptiert, wenn die oben genannten Punkte Berücksichtigung finden, die Bettenzahl nicht unter ein kritisches Minimum angesetzt wird und wenn dieses neue Krankenhaus nicht — wie im “Szenario 3 plus” vorgesehen — von vorneherein mit einem Defizit belastet wird. Unter diesen Voraussetzungen unterstützt die Bürgerinitiative das Szenario 3 plus.

Die Bürgerinitiative ist gerne bereit, sich an einer detaillierten Ausarbeitung eines solchen Versorgungskonzeptes zu beteiligen. Dabei rufen wir neben den verantwortlichen Politikern vor allem Ärzte und Patientenvertreter unseres Einzugsgebietes zu Stellungnahmen auf.


Calw, den 17.02.2014

Prof. Bernd Neufang, Dr. Ewald Prokein und Dr. Axel Ulrich Roth


Brief als PDF

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