Geschrieben am 26.05.2014

Statement Dr. Eberhard Bantel

Liebe Calwer Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Ich danke Herrn Gottfried Müller von der BI Unser Calw, im Namen der BI Krankenhaus, ein kurzes Statement abgeben zu dürfen.

Schon im Jahr 2004 luden die Freien Wähler zu einer Info-Veranstaltung ein mit der Überschrift: Unser Kreiskrankenhaus Calw — Sterben auf Raten?

Bereits damals sollte die vollstationäre chirurgische Abteilung nach Nagold verschoben werden. Im Kampf um den Erhalt der Krankenhäuser bildete sich die Verein Pro Krankenhäuser Calw und Nagold heraus. In Stammheim haben dann über 1000 Bürgerinnen und Bürger dem damaligen Kreistag die Rote Karte gezeigt. Als Konsequenz daraus kam es zur Bindung an den Kreis Böblingen und zur Bildung des Klinikverbunds Südwest.

Gegen den Widerstand von Leistungszahlern wurde im Calwer Krankenhaus ein Herzkatheter-Messplatz eingerichtet, der sehr erfolgreich war. In Nagold bekam man schon kalte Füße. Dann passierte etwas. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde die leitende Oberärztin und der Chefarzt der Inneren Abteilung sowie die leitende Fachkraft des Herzkatheterlabors zum Weggang gebracht und neues Fachpersonal teuer eingekauft. Über die fälligen Abfindungen kann nur spekuliert werden; in Calw kam es jedenfalls 2011 zu einem Personalkosten-Anstieg von 60 bis 80%.

Jetzt hat sich das Krankenhaus in Calw wieder erholt. Die Onkologie, integriert in die Innere Medizin, wird sehr gut angenommen. Es gibt Hals-Nasen-Ohren-OPs, eine Neurologie und Neurochirurgie. Die Gynäkologie und Geburtshilfe blüht auf und der Orthopädische Chefarzt kann mit einer weltweit einzigartigen Operationsmethode bei Knieprothesen aufwarten. Patienten von weit her nehmen die Entfernung für Wahleingriffe in Kauf. Doch dies erzeugt Missgunst!

In Sindelfingen kämpft ein Orthopädie-Chef mit sinkenden Patientenzahlen. Im Krankenhaus Nagold müssen 44 Millionen inklusive Brandschutz für das Nötigste investiert werden, z. B. für Flachdachsanierung oder Umwandlung von Dreibett- in Zweibettzimmer. Der Weggang von Professor Benz muss verkraftet werden, Professor Mörk folgt möglicherweise und die Geburtshilfe musste bereits aufgegeben werden. Weitere Millionen werden fällig, wenn Betten neu aufgebaut werden, davon spricht aber niemand.

Das Calwer Krankenhaus dagegen hat wesentlich weniger Investitionsbedarf. Es gibt einen neuen OP-Trakt, renovierte Stationen und Zweibettzimmer, eine neue Physiotherapie, eine ambulant/stationäre Radiologie mit zwei Kernspin- und zwei Computer-Tomographen, zwei Parkhäuser und ein Ärztehaus, die Möglichkeit für neuen Parkraum und die Chance auf einen S‑Bahn-Anschluss. Kein Wunder, dass man insgeheim auf Calw schaut.

Herausgekommen ist aber ein vom Land finanziertes Bürgerforum und nur 4 Tage vor Abschluss ein Gutachten, GÖK genannt. Etwa vier Wochen später wird aus Böblingen ein weiteres Gutachten bekannt namens Teamplan und man stellt fest: Beide Gutachten haben nichts miteinander zu tun, aber eines gemeinsam: Jedes Mal steht das Calwer Krankenhaus und damit die Calwer Bevölkerung als Verlierer da!

Calw wird in den Gutachten schlecht geredet und gerechnet. Angeblich ist die einzige Rettung, die Orthopädie und Unfallchirurgie zusammen mit dem einzigen chirurgischen Chefarzt nach Nagold zu verorten und die Innere Medizin stark zu reduzieren. Daraus soll sich angeblich das Einzugsgebiet derart vergrößern, dass ein Gewinn von mehr als 5 Millionen Euro herauskommt. Man muss schon naiv sein, um nicht die politische Absicht dahinter zu sehen. Der Landrat verspricht den Neubau eines Krankenhauses mit maximal 130 Betten, bei dem sich das Sozialministerium angeblich mit der Hälfte der Kosten beteiligt. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg aber spricht von “Überinterpretation” und schickt kurzerhand die leitenden Beamten des Sozialministeriums in den Ruhestand.

Die Bürgerinitiative fordert deshalb: 
Das Krankenhaus Calw muss an seinem Platz ausgebaut werden, weil dort die beste Chance besteht, die hochwertige medizinische Versorgung der älteren Bevölkerung zu erhalten. Das Haus ist eingebettet in eine gewachsene Infrastruktur, stadtnah und verkehrsgünstig gelegen, mit Anschlussmöglichkeit an die Hessebahn und den Tunnel, vor allem aber nicht mit der Hypothek belastet, jährlich viele Millionen an Verlusten einzuplanen.

Die Orthopädie muss in Calw schon deshalb bleiben, weil sie nebenbei die unfallchirurgische und allgemeinchirurgische Versorgung rund um die Uhr sicherstellt zusammen mit der Anästhesie, Intensivstation, Physiotherapie und Radiologie. Auch die Chefärzte mit ihrer Kompetenz sind in beiden Häusern unersetzlich und der Flächenkreis Calw ist auf zwei starke Häuser angewiesen, da die Distanz von 30 km zu groß ist. Die Bürger erwarten von der Kreispolitik, dass sie sich gegenüber Böblingen durchsetzt.

Für einen Neubau erwartet die BI ein detailliertes Medizin- und für die Altlast ein Nachnutzungskonzept. Patientinnen und Patienten wollen wissen, was sie bei einem Neubau erwartet, was zum Beispiel aus der Radiologie, der Intensivstation, den OPs und dem Fachpersonal werden soll.

Es sollte weiterhin eine Geburtshilfe im Kreis Calw geben. Die Gynäkologen sind mit den vorhandenen Örtlichkeiten zufrieden und rechnen vor, dass ohne Geburtshilfe mit bis zu 20 Straßengeburten im Jahr zu rechnen ist. Wer möchte dies verantworten?

Im Krankhaus Calw könnten Bereiche aus der Altersmedizin wie Onkologie, Traumatologie, Frührehabilitation, interdisziplinäre Schmerztherapie und Kurzzeitpflege ausgebaut werden. Medizinische Fachzentren im Krankenhausbereich sind die Antwort auf die zunehmende Landflucht niedergelassener Ärzte.

Die Medizin wird bekanntlich zunehmend weiblich, deshalb ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anzustreben, zum Beispiel durch Verbesserung der Kinderbetreuung oder Förderung von Gemeinschaftspraxen.

Die im Calwer Krankenhaus integrierte Notfallambulanz der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird gut angenommen und ist auch für die Zukunft eine vielversprechende Einrichtung. Die Möglichkeit stationärer Weiterbetreuung internistischer, chirurgischer und intensivmedizinischer Art ist auch für die Zukunft wichtig.

Der jetzige Notarztstandort gewährleistet, dass in den allermeisten Fällen der Notarzt innerhalb 15 Minuten vor Ort ist und der Patient eine definitive Weiterversorgung im Krankenhaus Calw erfährt. Die Ausbildung und Rekrutierung von Notärzten muss weiterhin aus dem Krankenhaus Calw heraus geschehen. Die Alternative wäre sonst die Verpflichtung kostenintensiver Honorarärzte und Notfalltourismus.

Der Brandschutz im Krankenhaus Calw taugt nicht zur politischen Instrumentalisierung. Berücksichtigt man den Bestandschutz älterer Gebäude, sind die Brandschutzvorkehrungen derzeit in Ordnung und die absehbaren Nachbesserungen überschaubar. Anderslautende Aussagen sind zu belegen.

Der Krankenhausstandort Calw ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht wichtig. Als zweitgrößter Arbeitgeber mit 500 Arbeitsplätzen ist er unverzichtbar. Die Bürger der Stadt Calw empfinden die angedachte Verlagerung der Orthopädie und Unfallchirurgie quasi als feindliche Übernahme.

Die Aufsichtsratsgremien der gGmbHs erscheinen schwerfällig. Sie sind schlanker und effizienter zu gestalten. Es kann auch nicht sein, dass der Landkreis Calw in den Kreiskliniken nicht mehr Herr im eigenen Haus ist. Die Verträge zwischen Calw und Böblingen sind im Rahmen des Ausstiegs von Sindelfingen entsprechend anzupassen.

Das Gebilde “Gemeinsames Krankenhauses Calw und Nagold” ist zu überdenken. Es hat in der Vergangenheit Kostenträgern Möglichkeiten eröffnet, Vergütung von Leistungen in Frage zu stellen und in der Vergangenheit die Entwicklung der einzelnen Standorte eher zu hemmen. Derzeit wird das Medizinkonzept von Böblingen aus diktiert. Stattdessen sollten die Großen Kreisstädte wie Leonberg selbst Ausschau nach anderen strategischen Partnern halten. In Calw bietet sich die Kontaktaufnahme mit dem Klinikum Ludwigsburg an. Neuenbürg gehört bereits zu diesem Verbund. Nagold könnte die Fühler in Richtung Freudenstadt und Tübingen ausstrecken.

Die Bürgerinitiative gewinnt im Gespräch mit der Bevölkerung den Eindruck, dass sich der Kreistag von dem entfernt, was sie wünscht. Die Bürger fragen sich, warum man in ein Krankenhaus 60 Millionen Euro steckt, um es anschließend als Ruine zurück zu lassen, und warum die Verlagerung der Orthopädie nach Nagold plötzlich Millionen an Gewinnen abwerfen soll.

Deshalb hat die BI eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, bei der Passanten die Frage gestellt wird: “Sind Sie für den Erhalt des Krankenhauses in Calw am jetzigen Platz und Verbleib der Abteilungen einschließlich unserer Orthopädie?” Die meisten Menschen bestätigen sofort durch ihre Unterschrift, dass sie dafür sind.
Auch Sie können sich beteiligen. Deshalb liegen Unterschriftenlisten aus, in die Sie sich eintragen können.

Sehr verehrte Damen und Herren, gehen Sie zur Wahl von Gemeinderat und Kreistag und nehmen Sie so die Gestaltung Ihrer medizinischen Versorgung im Landkreis Calw mit in die Hand.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!


Dr. Eberhard Bantel vom 25.05.2014

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