Geschrieben am 11.12.2014

Kreistagssitzung am 15.12.2014– Fällt eine Entscheidung über das Krankenhaus in Calw?

Das Problem ist relativ einfach: Böblingen/Sindelfingen will ein Großklinikum! Der Bedarf in der bisherigen Struktur beträgt aber max. 550 Betten. Um das geplante Großklinikum mit über 700 Betten realisieren zu können, müssen die Krankenhäuser in Leonberg, Calw und Herrenberg Betten abgeben, obwohl diese eine höhere Auslastungen als die Kliniken in Sindelfingen und Böblingen haben.

Ob ein Großklinikum wirtschaftlich und medizinisch erfolgreicher ist, wird in Frage gestellt. Die Zahlen im Großklinikum Winnenden belegen das Gegenteil. Gerade der Durchschnittspatient, der ältere Bürger, fühlt sich in einem solchen Krankenhaus nicht „aufgehoben“ und bevorzugt die ortsnahe medizinische Versorgung.

Ein neues Klinikum der Maximalversorgung ist auch wirtschaftlich nicht vertretbar, denn das Land hat mit Millionen von Steuergeldern das Universitätsklinikum von Tübingen sowie die Kliniken in Stuttgart ausgebaut. Diese Kliniken liegen im Einzugsbereich der Kliniken des Klinikverbunds Südwest.

Gleichwohl möchte der Calwer Landrat Riegger die Veränderung der Krankenhausstruktur im Landkreis Calw in der Kreistagssitzung am 15.12.2014 vorstellen und durch ständiges Wiederholen seiner Position — ohne Beschlüsse des Kreistags — Fakten schaffen. Eine Abstimmung über seine Pläne und die des Klinikverbunds soll aber nicht erfolgen, um unbequeme Fragen zu vermeiden. Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw lehnt die Pläne des Calwer Landrats aus folgenden Gründen ab:

  • Die Beschlüsse des Kreistags von Calw vom 16.12.2013 wurden größtenteils nicht umgesetzt. Nach diesen Beschlüssen sind weitere Prüfungen und Berechnungen notwendig, denn das sog. GÖK-Gutachten ging noch von einer Verlegung der Neurologie nach Nagold aus. Dies wurde mit dem Modell 3+ revidiert. Dort wurde der Verbleib der Neurologie und 125 Akutbetten vom Landrat zugesichert. Unzutreffend ist auch die stetige Verlautbarung des Landrats, dieses Modell 3+ würde dem Willen des Bürgerforums in Schönbronn entsprechen, denn es gab dort keine Abstimmung oder Umfrage.
  • Ein Krankenhausneubau mit 105 Akutbetten, so wie es nun jetzt unter Abweichung des Modells 3+ mit ca. 125 Betten, geplant ist, ist nicht funktionsfähig und wird hohe Verluste erwirtschaften. Nicht nachvollziehbar ist, wie diese Bettenzahl bei einer Schwerpunktabteilung Neurologie und Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie sowie Geburtshilfe/Frauenheilkunde ausreichen soll. Die Unwirtschaftlichkeit liegt auf der Hand, denn Stationen mit 20 bis 30 Betten sind zu kostenintensiv. Aus der Sicht der BI sind mindestens 160 Betten notwendig. Nicht einbezogen in die Überlegungen können die Betten einer Kurzzeitpflege, die im Übrigen nicht vom Klinikverbund betrieben werden sollen.
  • Das jetzige Calwer Krankenhaus hat derzeit ca. 180 belegbare Betten und ist voll funktionsfähig und ausgelastet; was im November 2014 zu einer Belegung mit 82 % führte. Damit ist das Krankenhaus Calw im Monat November 2014 das am besten belegte Krankenhaus im Klinikverbund gewesen.
  • Es ist zu befürchten, dass die Pläne zum Krankenhausbetrieb in Calw später aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden und das Gebäude umgewidmet wird. Selbiges ist   B. in Horb in der Neubauphase des Krankenhauses geschehen, welches nun eine andere Verwendung hat.
  • Damit stellt der Neubau eines Krankenhauses in Calw die Verschwendung öffentlicher Mittel dar. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass in den letzten 10 Jahren ca. 60 Mio. € in das jetzige Gebäude investiert wurden.
  • Durch die zwangshafte Verlagerung der attraktiven und voll ausgelasteten Orthopädie unter der Leitung von Prof. Dr. Handel in Calw nach Nagold werden in Nagold — entgegen dem GÖK-Gutachten — keine Millionenüberschüsse (prognostiziert im GÖK-Gutachten werden 5 Mio. €) erwirtschaftet, zumal in Nagold weniger Betten in schlechteren Zimmern als in Calw für die Orthopädie zur Verfügung stehen. Es ist vielmehr zu befürchten, dass die Orthopädie und der Klinikverbund in Sindelfingen eine Konkurrenz im Verbund räumlich weiter weg verlagern wollen.
  • Ein Krankenhaus in Nagold, in das noch die Orthopädie „reingestopft“ wird, ist nicht attraktiv und wird daher keine Gewinne erzielen können. Vielmehr wird auch dieses Krankenhaus durch die Umfunktionierung von bisherigen Zweibettzimmern in Dreibettzimmer geschwächt.
  • Der Calwer Landrat gefährdet mit der Verlagerung der Orthopädie seine Pläne zum Gesundheitscampus in Calw, denn der ins Auge gefasste Investor betreibt u. a. auch eine orthopädische Rehabilitation. Aus der Sicht des heutigen Nachfragemarktes im Bereich der Rehabilitation ist neben der Orthopädie mit einem Schwerpunkt Altersmedizin zu rechnen. Sollten die Pläne in Bezug auf einen Gesundheitscampus ernsthaft sein, so kann im Hinblick auf die Vermeidung von unnötigen und kostenintensiven Doppelstrukturen das bisherige Leistungsspektrum des Calwer Krankenhauses nicht verändert werden.

Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw fordert deswegen den Kreistag auf, die Kreistagsvorlage zur Krankenhausneustrukturierung abzulehnen.

Die Bürger der Region Calw werden gebeten, als Zuhörer an der öffentlichen Kreistagssitzung teilzunehmen und damit dem Landrat und den Kreistagsmitgliedern zu verdeutlichen, dass sie die Pläne des Landrats ablehnen. Diese Sitzung findet am Montag, den 15.12.2014 um 15 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes statt.

 

Stellungnahme der BI Krankenhaus Calw

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