Geschrieben am 20.01.2015

Keine Antwort auf die kritischen Fragen

Mit einem großen Fragenkatalog sind Vertreter der Bürgerinitiative Krankenhaus am Montag in ein Gespräch mit Vertretern der Landkreisverwaltung und des Klinikverbunds Südwest gegangen. Das Ergebnis war für BI-Sprecher Bernd Neufang jedoch ernüchternd: „Außer heißer Luft kam nichts heraus.“ Die Leitung des Klinikverbundes habe auf kritische Fragen oft keine Antwort gewusst. 

Insbesondere eine Frage blieb unbeantwortet im Raum stehen: Wo es in Deutschland ein 250-Betten-Krankenhaus gibt, das einen Überschuss von fünf Millionen Euro erwirtschaftet. Das ist in den Augen des Calwer Oberbürgerbürgermeisters Ralf Eggert aber der zentrale Knackpunkt an der Krankenhausplanung des Landkreises. Denn dieser satte Überschuss, den Nagold erwirtschaften soll, ist unbedingt notwendig, um den prognostizierten jährlichen Verlust des Calwer Krankenhauses in Höhe von rund vier Millionen Euro zu kompensieren.

Dann stellt sich die Frage, was passiert mit dem Calwer Verlust? Unternehmerisch liegt auf der Hand, dass der Verlustbringer geschlossen wird“, so Bernd Neufang, der daher auch in einem Neubau keine Bestandsgarantie für den Klink-Standort Calw sieht: „Es gibt ähnliche Fälle in Baden-Württemberg, wo ein Klinikneubau noch in der Bauphase umgenutzt wurde.“ Auch in den Augen von OB Eggert sichert ein Neubau nicht die Zukunft des Calwer Hauses: „Ein Krankenhaus mit einem geplanten Defizit von 4 Millionen Euro ist akut gefährdet.“ An der Überlebensfähigkeit einer Klinik, die auf 105 Betten geschrumpft und eines großen Teils ihrer medizinischen Leistungsfähigkeit beraubt wird (so soll zum Beispiel die sehr erfolgreiche Orthopädie nach Nagold verlagert werden), hat die BI und der Calwer OB indes massive Zweifel. BI und Rathausspitze haben dem Calwer Landrat Helmut Riegger daher das Angebot gemacht, einen renommierten Fachmann das sogenannte GÖK-Gutachten, auf dem die Krankenhaus-Planung beruht, von neutraler Warte aus begutachten zu lassen. Die Kosten würden sich BI und Stadt Calw teilen. Eine Antwort steht noch aus.

Die Zeit drängt, denn in der Märzsitzung des Kreistages soll die Bettenzahlen beschlossen und damit Fakten geschaffen werden. „Im März geht es um die Wurst. Wenn die 105 Betten beschlossen werden, ist das die Einleitung der Schließung des Calwer Krankenhauses“, so Neufang.

 

Info-Veranstaltung

Die Planungsergebnisse zur Umsetzung des Szenarios 3plus sollen in einer Bürgerinformationsveranstaltung am Montag, 26. Januar um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal (C400) des Landratsamts Calw einer breiten Öffentlichkeit zugänglich
gemacht werden. Nach einer kurzen Begrüßung durch Landrat Helmut Riegger tragen der Gutachter Jörg Risse und Architekt Helmut Hauser die Planungsergebnisse zur Umsetzung des Szenarios 3plus vor. Ebenfalls werden die Bürger über die
Idee, einen „Gesundheitscampus“ in Calw zu etablieren, informiert. Im Anschluss an die Präsentation besteht die Möglichkeit, Fragen zur Konzeption an den Gutachter, Landrat Riegger oder die Geschäftsführerin des Klinikverbunds Südwest, Elke Frank, zu stellen. OB Eggert und BISprecher Neufang rufen die Calwer Bevölkerung zu einer regen Teilnahme auf.

  • Info-Veranstaltung zur Zukunft des Krankenhauses:
    Montag, 26. Januar, 18 Uhr Landratsamt (Gr. Sitzungssaal C400)

 

Calw Journal, 16.01.2015

 

 

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