Geschrieben am 26.01.2015

Infoveranstaltung zur Krankenhaus-Zukunft

Wie kann es weitergehen mit den Kliniken in Calw und Nagold? Die Planungsergebnisse zur Umsetzung des Szenarios 3plus sollen in einer Bürgerinformationsveranstaltung am kommenden Montag, 26. Januar, um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal (C400) des Landratsamts Calw einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zum Ablauf: Nach einer kurzen Begrüßung der interessierten Bürger durch Landrat Helmut Riegger tragen Gutachter Jörg Risse und Architekt Helmut Hauser die Planungsergebnisse zur Umsetzung des Szenarios 3plus vor. Ebenfalls werden die Anwesenden über die Idee, einen „Gesundheitscampus“ in Calw zu etablieren, informiert. Im Anschluss an die Präsentation besteht die Möglichkeit, Fragen zur Konzeption an den Gutachter, an Landrat Riegger oder die Geschäftsführerin des Klinikverbunds Südwest, Elke Frank, zu stellen. Oberbürgermeister Ralf Eggert und Bernd Neufang, der Sprecher der Bürgerinitiative Krankenhaus, rufen die Calwer Bevölkerung zu einer regen Teilnahme auf. An der Überlebensfähigkeit einer Klinik, die auf 105 Betten geschrumpft und eines großen Teils ihrer medizinischen Leistungsfähigkeit beraubt wird, wie es für Calw geplant ist – so soll zum Beispiel die sehr erfolgreiche Orthopädie nach Nagold verlagert werden –, haben die BI und der Calwer OB massive Zweifel. Die Zeit drängt, denn in der März-Sitzung des Kreistags steht das Szenario 3plus zur Abstimmung. Wird es beschlossen, sind damit Fakten geschaffen.

Wie geht es weiter mit den Kreiskliniken?

Mit einem großen Fragenkatalog sind die Vertreter der Bürgerinitiative Krankenhaus vergangene Woche im Landratsamt gewesen, um konkrete Antworten auf eine Vielzahl an offenen Fragen zu erhalten. Die von der BI gestellten Fragen sind im Internet auf der Homepage www.bi-krankenhaus hinterlegt.

Kreiskämmerer Reusch hatte im Namen des Landrats zur vorstehenden Besprechung eingeladen. Die BI in Begleitung von Oberbürgermeister Ralf Eggert hat diesen Termin gerne wahrgenommen. Außerdem war Dr. Elke Frank vom Klinikverbund Südwest mit anwesend. Leider hatte sich der Landrat wegen anderer Termine entschuldigen lassen.

Die BI bemängelt, dass es auf die Fragen keine konkreten Antwort gab. Es gab zwar das Eingeständnis, dass das Gutachten von GÖK durch Veränderungen der wirtschaftlichen Situation überholt sei; gleichwohl würde das Modell 3plus umgesetzt. Der sogenannte Gesundheitscampus sei nicht hinreichend konkretisiert, deswegen könne man darüber nicht diskutieren. Aus der Sicht der BI ist das GÖK-Gutachten schlicht falsch, weil die Fortführung der dem Gutachten zugrunde liegenden Zahlen zu anderen Ergebnissen zu Gunsten von Calw führen würden und ein geplanter Verlust in Calw mit vier Millionen Euro bei einem geplanten Überschuss in Nagold von fünf Millionen Euro völlig unrealistisch ist. Die Frage, ob es woanders ein so erfolgreiches Krankenhaus in der geplanten Größe von Nagold geben würde, blieb unbeantwortet. Gleiches galt in Bezug auf die Verlegung der Orthopädie. Dies begründet GÖK damit, dass in Nagold im Jahr 2020 2.000 Fälle erreichbar seien, eine Zahl, die derzeit in Calw nahezu erreicht wird. Warum soll dann eine erfolgreiche Orthopädie aus Calw verbannt werden? Unbeantwortet blieb auch, wie künftig nur 105 Betten ausreichen sollen, wo im Jahr 2014 von den derzeit 184 aufstellbaren Betten im Jahresdurchschnitt 135 belegt waren. Die BI ist der Auffassung, dass ein Haus mit 105 Akutbetten nicht wirtschaftlich geführt werden kann. Es wird zudem verkannt, dass das Krankenhaus in Calw eine hohe Akzeptanz hat, was sich in der höchsten Belegung aller Krankenhäuser des Verbunds im November 2014 wiederspiegelt.

GÖK hatte für Calw in seinem Gutachten einen Neubau mit 105 Akutbetten bei Verlegung der Orthopädie und Neurologie nach Nagold vorgesehen, dies war das Modell 3. Im Bürgerforum in Schönbronn ist dann das Modell 3plus vom Landrat zugesichert worden; d.h. die Neurologie mit 20 Betten bleibt in Calw. Nach dem jetzigen Willen des Landrats soll es aber anders kommen, nämlich die Neurologie bleibt in Calw, aber es bleibt bei 105 Akutbetten. Damit wird die Innere Medizin und Unfallchirurgie sowie allgemeine Chirurgie noch mehr geschwächt als im GÖK-Gutachten, denn sie verlieren nochmals 20 Betten. Übrigens sind für die Gynäkologie und Geburtshilfe gerade noch vier Stationsbetten vorgesehen und dies bei derzeit über 500 Geburten mit steigender Prognose. Folglich ist auch die Aussage, das Modell 3plus sichere den Standort Calw sowie die medizinische Grund — und Regelversorgung, unzutreffend. Denn Herzinfarkte, Schlaganfälle und Unfälle können nicht mehr im bisherigen Umfang in Calw behandelt werden! Die Antwort, was in Calw in Anbetracht der Situation nicht mehr behandelt wird, bleibt der Landrat und die Geschäftsführung schuldig.Das Ziel ist, Calw soll Betten nach Nagold und Böblingen abgeben. Deswegen fordert die Bürgerinitiative die Überprüfung des GÖK-Gutachtens durch einen unabhängigen und renommierten Gutachter unter Einbezug der aktuellen Zahlen des Jahres 2014.

Voraussichtlich will der Landrat über die Zukunft vom Krankenhaus in der nächsten Kreistagssitzung (23. März 2015) entscheiden lassen. Im Voraus wird jeweils in Calw und Nagold eine Bürgerinformationsveranstaltung stattfinden. Die BI lädt daher am Montag, den 26. Januar 2015 um 18 Uhr alle interessierten Bürgerinnen und Bürger in das Landratsamt zur Informationsveranstaltung ein, um selbst die Aussagen des Landrats, der Gutachter und der Geschäftsleitung des Klinikverbunds zu hinterfragen.

 

Calw Journal, vom 23.01.2015

 

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