Geschrieben am 17.07.2015

Die Zeit der Entscheidung ist gekommen

Kreis Calw — Klinikverbund und Landkreis haben die Ergebnisse der Aktualisierung des Klinik-Konzepts “3plus” nun offiziell vorgestellt und damit die bereits Anfang des Monats im Schwarzwälder Boten veröffentlichten positiven Zahlen bestätigt. Vor allem der Landkreis sieht nun die Zeit der Entscheidung, die Zeit der Umsetzung des Konzepts für gekommen.

Die Krankenhäuser im Kreis Calw entwickeln sich gut. Besser als viele – auch unter den Experten – gedacht haben. “Das hat uns keiner zugetraut”, sagt etwa Elke Frank, Geschäftsführerin des Klinikverbunds Südwest nicht ganz ohne Stolz. So verzeichnete man 2014 in der Urologie in Nagold gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 15 Prozent, in der Chirurgie in Calw ein Plus von 13 Prozent. Diese Entwicklung bleibt freilich nicht ohne Folgen für die Zukunftsplanungen des Klinikverbunds Südwest und des Landkreises im Zuge des Konzepts “3plus”.

Landrat Helmut Riegger hatte im Zuge der hitzigen Debatte über die Zukunft der Krankenhäuser zugesagt, dass man das Konzept mit den Zahlen aus dem Jahr 2014 auf einen aktuellen Stand bringen werde. Denn bisher fußte das Konzept auf Angaben aus den Jahren 2011 und 2012. Diese Einarbeitung der positiven Zahlen bringt folgerichtig auch eine deutlich bessere Zukunftsprognose mit sich.

So geht man in der aktualisierten Fassung von “3plus” nun davon aus, dass man bei der Umsetzung des Konzepts im Kreis Calw mit den Krankenhäusern schon 2022 schwarze Zahlen schreiben kann – und das inklusive der nötigen Investitionen. Der im Raum stehende Ausgleich von Verlusten der dann neu gebauten Calwer Klinik in Höhe von etwa vier Millionen Euro durch die Gewinne der Nagolder Klinik ist nun vom Tisch. Man gehe davon aus, dass Calw schon 2022 keine Verluste mehr machen werde.

Die medizinische Konzeption soll in ihren Grundzügen so bleiben wie in “3plus” vorgesehen. In Calw werde es im neuen Krankenhaus sowohl eine Schlaganfallversorgung und eine Versorgung von Herzinfarkten geben, kündigte Klinikverbund-Geschäftsführerin Elke Frank an. Die Allgemeinchirurgie werde ausgebaut, die Neurologie bleibe in Calw, so Frank weiter.

Leichte Änderungen wird es nach dem aktualisierten Konzept bei der umstrittenen Verlagerung der Orthopädie von Calw nach Nagold geben. So soll Calw nach 2020 auch orthopädische Leistungen anbieten, allerdings werde der Schwerpunkt und der Hauptsitz der Disziplin in Nagold sein, kündigte Frank an.

Mit den aktuellen Ergebnissen hat sich auch die anvisierte Bettenzahl an den beiden Kliniken – dem Neubau in Calw und dem sanierten Krankenhaus in Nagold – geändert. Statt wie ursprünglich geplant 254 soll es in Nagold dann 256 Betten geben – und das ausschließlich in Zwei-Bett-Zimmern. Das ursprüngliche Konzept hatte auch Drei-Bett-Zimmer vorgesehen.

In Calw plant man nun mit 135 statt mit 127 Betten. Die ursprünglich für die Kurzzeitpflege vorgesehenen 15 Plätze werden nun für andere Disziplinen verwendet. Das Thema Kurzzeitpflege soll im Rahmen des Gesundheitscampus gelöst werden. Bei dessen Konzeption gehe es voran, konnte Kreiskämmerer Albrecht Reusch vermelden. Man befinde sich in Sondierungsgesprächen mit sieben bis acht potenziellen Interessenten. Bis Ende des Jahres sei mit der Entscheidung zu rechnen, wer der Partner des Klinikverbunds beim Calwer Gesundheitscampus sein werde, so Reusch weiter.

Bei der Präsentation des aktualisierten Konzepts “3+” legten die Beteiligten auch die jüngsten Kostenkalkulationen vor. Aktuell geht man davon aus, dass man für die Sanierung in Nagold 38,4 Millionen Euro ausgeben muss. Für den Neubau in Calw plant man mit 36 Millionen Euro, “wobei da fünf Millionen Euro Sicherheitspuffer dabei sind”, wie Albrecht Reusch betonte. Als Zeitraum für die Umsetzung nannten Elke Frank und Landrat Helmut Riegger rund fünf Jahre, so dass man das ursprünglich anvisierte Ziel 2020 wohl halten kann.

Beim Landkreis fühlt man sich durch die Ergebnisse der Aktualisierung in seiner Haltung bestätigt und drängt nun auf eine zeitnahe Umsetzung der jetzt unter dem Namen “Medizinkonzept 2020” firmierenden aktuellen Version von “3+”. “Eine bessere Entscheidungsgrundlage als das in zwei Jahren mit umfangreicher Bürgerbeteiligung erarbeitete Konzept gibt es nicht”, ist Landratstellvertreter Frank Wiehe überzeugt und stellt die Haltung des Landkreises unmissverständlich klar: “Die Zeit für eine Entscheidung ist gekommen”, sagt Wiehe und wird in dieser Haltung von Landrat Riegger ausdrücklich bestärkt.

Eine erste Entscheidung wird am kommenden Montag der Calwer Kreistag treffen. Denn dann steht die Abstimmung über die Medizinkonzeption 2020 auf der Agenda des Kreisparlaments.

Grimms Märchen”

Das war alles wieder nur Grimms Märchen”, meint Bernd Neufang von der Bürgerinitiative (BI) “pro Krankenhaus Calw und Nagold”. Diese war am Vormittag über das überarbeitete Konzept informiert worden. Und sie hält nicht viel davon, wie Neufang sowie seine Mitstreiter Rosi Schaber, Werner Benz und Eberhard Bantel unserer Zeitung gegenüber erläuterten. Ihr Fazit: “Das Calwer Krankenhaus ist dem Untergang geweiht”. Die 135 Betten sind ihnen zu wenig. Ihnen fehlen 30 für die Kardiologie. In Sachen Orthopädie, die nach Nagold soll, sind ihrer Meinung nach die Zahlen falsch. Die neue Konkurrenzsituation mit Neuenbürg sei nicht berücksichtigt. Zudem werde so die Anästhesie geschwächt, und damit auch die Notfallversorgung und die Intensivmedizin. Die BI geht davon aus, dass die Neurologie künftig in Calw nicht voll funktionsfähig sein wird, weil es keine durchgängige 24-Stunden-Bereitschaft gibt. Dagegen werden die Bemühungen um die Gynäkologie begrüßt. Für Bernd Neufang und Kollegen ist die Zeit der Entscheidung übrigens noch nicht gekommen. Neufang begründet dies damit, dass Landrat Riegger bei der Infoveranstaltung im Februar in Stammheim gesagt hat, dass über den Standort der Orthopädie erst entschieden wird, wenn Näheres über den Umfang des ins Auge gefassten Reha-Zentrums im Stammheimer Feld in Calw bekannt ist. “Und hier gab es bis jetzt noch nicht einmal eine Ausschreibung”, so Neufang,

 

Sebastian Bernklau, schwarzwaelder-bote.de vom 17.07.2015

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