Geschrieben am 28.07.2015

Klares Signal: Calwer Geburtsklinik bleibt

Kreis Calw — Knapp anderthalb Jahre nach der Schließung der Geburtsabteilung am Nagolder Krankenhaus ist nach Informationen unserer Zeitung auch der Bestand der Calwer Geburtsklinik in Frage gestellt worden. Am Montag wurden die betroffenen Mitarbeiter in einer Teil-Betriebsversammlung über die neuesten Entwicklungen informiert. Das wichtigste Signal kam aus dem Aufsichtsrat: Im Calwer Krankenhaus sollen weiter Babys zur Welt kommen können, auch wenn die Kosten sich nahezu verdoppeln werden.

Den Ball ins Rollen brachten – ähnlich wie damals in Nagold – die Belegärzte an der Calwer Geburtsabteilung. Nach Informationen unserer Zeitung kündigten sie vor einem halben Jahr ihre Verträge. Schon vor zwei Jahren hatte Elke Frank, Chefin des Klinikverbundes Südwest, davor gewarnt, dass personelle Ausfälle bei den Belegärzten auch in Calw kaum zu kompensieren seien.

Die Alternative zur Belegabteilung heißt “Hauptabteilung” – also der Aufbau einer eigenen Klinik mit eigenem Chefarzt und Oberärzten. Auch in Nagold wurde damals über diese Option nachgedacht, angesichts des Jahresverlustes von fast 800.000 Euro bei 239 Geburten pro Jahr aber wieder verworfen. Zudem ließen viele Mütter aus dem südlichen Bereich des Landkreises ihre Sprösslinge lieber in der nahen Geburtsklinik in Herrenberg statt in Nagold entbinden.

Zum Vergleich: In Calw kommen jedes Jahr 650 Kinder zur Welt – bei einem jährlichen Abmangel der Abteilung von 250.000 Euro. Und die Konkurrenz ist weit weg. Obgleich eine Hauptabteilung in diesem Bereich nahezu das Doppelte, nämlich bis zu 480.000 Euro kosten wird, hat sich der Aufsichtsrat in einer Sondersitzung zu dieser Lösung, die zum 1. Januar 2016 umgesetzt werden soll, durchgerungen. Der Kreis Calw ohne eigene Geburtsklinik – dieses Szenario wollte man sich offensichtlich ersparen.

Roland Buckenmaier, schwarzwaelder-bote.de vom 28.07.2015

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