Geschrieben am 13.11.2017

Für eine funktionierende Klinik

Männerforum — Fronten in der Krankenhausdiskussion offenbar nicht mehr ganz so verhärtet

Offene und klare Worte fand Oberbürgermeister Ralf Eggert beim Männerforum in Heumaden zum Reizthema Calwer Krankenhaus. Bezug nehmend auf die Leserbriefe in unserer Zeitung, mahnte Eggert eine sachliche Diskussion an, »sonst zerfleischen wir uns intern« .

Calw-Heumaden.  Den Schulterschluss mit dem OB übten Bernd Neufang und Eberhard Bantel von der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw in dem gemeinsamen Ziel, dass es auch in Zukunft ein  funktionierendes Krankenhaus geben müsse. »Egal, ob im alten Gebäude oder einem Neubau «, so Neufang.

Dass das Thema Krankenhaus vielen Calwern unter den Nägeln brennt, zeigte das große Interesse an der Veranstaltung. Wolf gang Burkhardt vom Männerforum zählte rund 180 Teilnehmer und lobte das Küchenteam, dem »die wundersame Vermehrung« von 120 Portionen Kassler mit Sauerkraut gelang«. In seinem geistlichen Impuls forderte Pfarrer Dieter Raschko dazu auf, dem politischen Gegner mit Respekt zu begegnen und den Versuch zu wagen »einmal in die Haut des jeweils anderen « zu schlüpfen«.

Unter der Überschrift »Das Krankenhaus in Calw und die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum« gaben Neufang und Bantel einen Abriss über die Entwicklung seit 2004, als dem Oberender-Gutachten die provokante Aussage der Freien Wähler in Calw »Unser Krankenhaus — Sterben auf Raten? « sowie zahlreiche Bürgerproteste und die Gründung des Vereins »Pro Krankenhäuser Calw und Nagold« folgten. Mit der Gründung des Klinikverbunds Südwest und der Schwerpunktbildung in den Krankenhäusern Calw (Kardiologie, Neurologie) und Nagold (Bauch, Urologie) gab es eine zeitweilige Lösung. Die Einrichtung eines Linksherzkatheters in Nagold 2010 und ein Gutachten, das 2013 eine Reduzierung der Bettenzahl in Calw forderte, folgten weitere Einschnitte, die den Calwer Standort schwächten. Neufang sieht sowohl durch
die gesellschaftsrechtliche Struktur der Holding wie auch durch deren Unternehmenspolitik die Interessen Calws benachteiligt. Für den Klinikverbund Südwest sei das Krankenhaus Calw ein »Zulieferer« für die in Böblingen geplante »Flugfeldklinik«.

Neubau als Nebelkerze

Im Neubau eines Krankenhauses im Stamrnheimer Feld in Calw sieht Neufang »eine Nebelkerze«. Ein Widerspruch in sich sei die geplante Größe mit 135 Betten, während die Krankenkassen Häuser mit weniger als 200 Betten schließen wollen. Kontraproduktiv für den Erhalt der Calwer Klinik sieht Eberhard Bantel den Plan, die Orthopädie von Calw nach Nagold zu verlagern und die Zahl der Intensivbetten von acht auf vier zu kürzen: Bantel forderte, dass Calw und Nagold in der Krankenhausfrage wieder enger zusammenrücken und damit die politische Spaltung im Kreis gemindert werde.

Auch der OB will mehr als 135 Betten. »Aber dafür brauche ich Sie«, warb Eggert im Männerforum um Unterstützung: »Ich will das, was ich jetzt kriegen kann und für mehr kämpfen.« Nicht zukunftsfahig sei der Wunsch am alten Standort festzuhalten. Man habe Leerstände und die Brandschutzvorgaben könnten nicht erfüllt werden. Eggert: »Wir dürfen nicht den Fehler machen, alles zu wollen und am Ende mit leeren Händen dazustehen.«

Trendwende zu sehen

Auch wenn nach wie vor verhärtete Positionen deutlich wurden, hinterließ die Diskussion im Männerforum den Eindruck, dass es möglich sein könnte, in der öffentlichen Wahrnehmung zum Streitthema Calwer Krankenhaus eine Trendwende herbeizuführen. So sagte Wolfgang Kömpf, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Gemeinderat: »Wir müssen sehen, was machbar ist und die Fundamentalopposition aufgeben.« Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, den Krankenhausstandort Calw zu erhalten.
Von Annette Selter-Gehring

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 13.11.2017

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