Geschrieben am 07.12.2017

Gäugemeinde bietet Grundstück für Klinikneubau an

Krankenhaus: Gäugemeinde bietet Grundstück für Klinikneubau an /  Calwer OB versteht die Entscheidung

Die Zukunft des Krankenhauswesens im Kreis Calw bietet weiter mehr als ausreichend Diskussionsstoff. Dafür sorgt jetzt ein Angebot der Gemeinde Althengstett, die im Fall der Fälle ein Grundstück für den Neubau eines Klinikums anbietet.

Manchmal kommt das Spannendste zum Schluss: Die aus Sicht der Verwaltung der Gäugemeinde mehr als überlegenswerte Option eines Neubaus im Gäu brachte Bürgermeister Clemens Götz am Ende der Gemeinderatssitzung unter dem vermeintlich unbedeutenden Tagesordnungspunkt »Verschiedenes « zur Sprache — den zufriedenen Mienen der Gemeinderäte nach zu urteilen mit deren Zustimmung.

»Wenn es in Calw zum Bürgerentscheid kommt und dieser zur Folge hat, dass die Stadt keinen Standort mehr für den Neubau eines Krankenhauses zur Verfügung stellt, sehe ich die stationäre Versorgung der Bevölkerung akut gefährdet«, äußerte sich der Althengstetter Rathauschef. Der Kreistag werde am alten Klinikstandort nicht festhalten. »Ich sehe uns in der Pflicht«, sagte Götz.

Die Gäugemeinde biete dann das Freigelände gegenüber des Althengstetter Feuerwehrhauses an der Simmozheimer Straße (K 4308) an — auch wenn psychologisch gesehen eher ein Standort in Calw gewollt sei. »Verkehrstechnisch wäre das neue Krankenhaus in Althengstett besser angeschlossen als im Stammheimer Feld, weil es an der künftigen S‑Bahnstation liegen würde«, betonte der Bürgermeister.

»Die Konsequenzen müssen von ihnen getragen werden«

Wie berichtet, arbeitet der ehemalige Calwer Oberbürgermeister Karl-Heinz Lehmann an einem Bürgerbegehren. Die unterzeichnenden Bürger könnten sich demnach dafür aussprechen, dass das ausgewiesene Gewerbegebiet Stammheimer Feld nicht in ein Sondergebiet für den Neubau eines Krankenhauses umgewandelt werden darf, sondern der Erweiterung des Gewerbegebiets dienen muss. Der Krankenhaus-Neubau könnte folglich gefährdet werden, weil die Stadt kein Grundstück für selbigen zur Verfügung stellt.

»Das Kreiskrankenhaus Calw versorgt nicht nur die Stadt Calw, sondern eine Region mit vielen Nachbargemeinden. Auch diese Bürger haben eine Meinung, ob der bisherige Standort in den kommenden Jahrzehnten gute Voraussetzungen bietet oder ob ein Neubau besser geeignet ist. Daher verstehe·ich die Entscheidung der Gemeinde Althengstett«, äußerte sich am Donnerstag der Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert gegenüber dem Schwarzwälder Boten.

Die Frage, ob ein Bürgerbegehren das geeignete Mittel sei, um Belange der Gesundheitsversorgung zu klären und selbige aufrecht zu erhalten, stelle sich für ihn nicht, so Eggert: »Ein Bürgerbegehren beziehungsweise Bürgerentscheid ist ein demokratisches Mittel. Damit geht natürlich auch eine Verantwortung der Initiatoren und der Bürger einher. Die Konsequenzen durch das Festhalten am alten Standort müssen von ihnen in der Zukunft getragen werdeli «. Denn zu glauben, wenn man im bisherigen Gebäude bleibe, behalte man das bisherige Leistungsspektrum, sei ein großer Irrtum. Das hätte Landrat Helmut Riegger und die Südschiene des Landkreises bereits klar gestellt.

Im Landratsamt war man auf Nachfrage unserer Redaktion bemüht, den Ball flach zu halten. Zeno Danner, Erster Landesbeamter, formuliert vorsichtig: »Die Tatsache, dass das Krankenhaus im Gemeinderat in Althengstett — wenn auch nur unter .>Verschiedenes< — besprochen wird, zeigt die Bedeutung eines auf den gesamten Kreis zugeschnittenen Medizinkonzepts.« Mehr wollte der Landratsstellvertreter dazu nicht sagen.

Von Marion Selent-Witowski, Althengstett/Calw.

 Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 01.12.2017

 

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