Geschrieben am 11.12.2017

Kaum ein Haus erreicht »Calwer Standard«

Das Calwer Krankenhaus ist baulich (auch in Bezug auf die Wohnqualität!) und funktional (Operationssäle, Herzkatheterlabor, Röntgenabteilung, physiotherapeutische Abteilung) in einem sehr guten Zustand. Im Auftrag medizinischer Fachgesellschaften habe ich in der Vergangenheit viele Krankenhäuser in ganz Deutschland besucht und nur wenige Krankenhäuser gefunden, die in einem so guten baulichen Zustand waren, und die mit so großzügigen Funktionsräumen ausgestattet waren, wie das alte Calwer Krankenhaus. Das sehen auch ehemalige und amtierende Calwer Chefärzte so. Bemerkenswert ist, dass mir kaum ein in neuerer Zeit gebautes Krankenhaus begegnet ist, das in Bezug auf Funktionsräume den »Calwer Standard« erreichte.

Bei fast allen Neubauten werden aus Kostengründen die so wichtigen Funktionsräume von den mit der Planung beauftragten Architekten zu knapp bemessen. Diese Kritik trifft in besonderer Weise für das vom Landrat und vom Kreistag beschlossene »Modell 2020« mit seinen 135 Betten zu. Die Umsetzung dieses Planungsmodells kann meines Erachtens nur dazu führen, dass viele akut erkrankte Patienten aus Calw den weiteren Weg in das vom Kreistag begünstigte Nagolder Krankenhaus oder in das (vom Landrat favorisierte?) in Planung befindliche Großklinikum in Böblingen wählen müssen.

Landrat und Kreistag scheinen noch nicht realisiert zu haben, dass sich seit November 2016 die gesetzlichen Grundlagen für die Planung von Krankenhäusern im ländlichen Bereich geändert haben. Der neue Paragraf 136c sieht sogar »Sicherstellungszuschläge« für Einrichtungen wie das Calwer Krankenhaus vor, damit sie für die Grund– und Regelversorgung erhalten bleiben.

Die logische Konsequenz aus der geänderten Gesetzeslage wäre, das Calwer Krankenhaus in seiner jetzigen Form für weitere zehn oder 20 Jahre zu er halten und dann ein neues Krankenhaus zwischen Calw und Nagold mit 300 bis 400 Betten zur Versorgung der Bevölkerung des gesamten Bereichs zu errichten. In Calw würde dieses Konzept zu einer akuten Entlastung der Steuerzahler um wahrscheinlich mehr als 50 Millionen Euro führen.

Dr. Rolf Johnen, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 04.12.2017

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