Geschrieben am 15.12.2017

Qualität ist entscheidend

BETRIFFT: Krankenhaus

Die Diskussion um die medizinisch-stationäre Versorgung kommt nicht zur Ruhe. Sie darf auch nicht zur Ruhe kommen, werden doch Weichen für eine unübersehbar lange Zeit gestellt. Es geht um einen zentralen Bestandteil der Daseinsvorsorge: die Krankenhäuser des Landkreises.

Laut SchwaBo vom 12. Dezember kündigt der Kreistag einen offenen Brief zur Krankenhausdebatte an. Sofern dieser sachlich zu den komplexen Fragen Stellung bezieht, wäre der Schritt zu begrüßen. Der bisherige Eindruck geht eher dahin, dass berechtigte Bedenken nicht erkennbar zur Kenntnis genommen werden.

Das sogenannte Bürgerforum hat vor drei Jahren eine Antwort auf die Frage versucht, ob hinreichende Versorgung in einem gegenüber dem Ist-Zustand wesentlich kleineren Haus zu leisten ist. Weit überwiegend setzte sich dieses aus Vertretern zusammen, die zwar das Bemühen einte, (unter Zeitdruck) zu einem Votum zu kommen, die aber ganz überwiegend weder über Sachkenntnisse noch Erfahrungen im medizinischen Versorgungswesen verfügten. So entstand die Chimäre »3 plus«. Der Alternativ-Entwurf Nr. 2 hätte einen Ersatz der bestehenden Häuser in Calw und Nagold durch ein zentrales Klinikum auf einer Wiese über der Nagold zwischen den beiden Städten bedeutet. Im Hinblick auf Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zweifellos die Lösung, die allen Zielvorstellungen am ehesten gerecht würde. Wie sich in der Debatte zeigt, wird die Tragfähigkeit der Lösung »3 plus« beziehungsweise — wie vom Kreistag beschlossen — dem »Konzept 2020« von politischen Entscheidungsträgern und Betroffenen vor Ort fundamental unterschiedlich eingeschätzt.

Dass praktisch alle Ärzte im Raum Calw das »Konzept 2020« ablehnen, ist nicht mit der Ahnungslosigkeit des gemeinen Bürgers, noch mit überbordenden Eigeninteressen zu erklären. Jeder von ihnen war über Jahre, oft Jahrzehnte Glied des Versorgungssystems. So bündelt sich in dieser Gruppe ein hohes Maß von Expertise und sie ist von Eigeninteressen frei.

Ohne in die Details zu gehen, muss klar festgestellt werden, dass die Vorhaltung einer Versorgung in Innerer Medizin (mit Kardiologie und Gastroenterologie), Chirurgie (mit Unfallchirurgie und zumindest Akutchirurgie bei Baucherkrankungen), Neurologie mit Stroke-Unit, Gynäkologie plus Geburtshilfe und die dafür notwendigen »Hilfs«-Disziplinen Anästhesie und Intensivstation eine Mindestgröße voraussetzen, unterhalb der ein Routinebetrieb über 24 Stunden an 365 Tagen faktisch nicht möglich ist. Dagegen bleibt der Standort zweitrangig und muss nach Praktikabilität und Finanzierbarkeit festgelegt werden. Darin ist den Gremien freie Hand zu lassen. Optionen sollten keinesfalls reduziert, sondern offen gehalten werden. In erster Linie sind Verfügbarkeit und Qualität der Versorgung entscheidend und beide stehen in engem Zusammenhang zur Kapazität.

Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

 Schwarzwälder Bote, Teil vom

 

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