Geschrieben am 20.12.2017

Nicht nur Ärzte betroffen

BETRIFFT: »Kreistag sieht Grenzen überschritten« vom 12. Dezember

Die in den Kreistag gewählten Fraktionschefs sind sich selten einig: Man muss sich in der Politik nicht alles gefallen lassen, so der Tenor des offenen Briefes über den im SchwaBo am 12. Dezember 2017 berichtet wurde. Die Empörung der Fraktionschefs ist meines Erachtens nicht angebracht. Die anstehende, schwierige Entscheidung zur Neustrukturierung der Krankenhäuser Calw und Nagold ist schließlich von großer Tragweite für mehrere Generationen. Kranke Menschen und deren Angehörige müssen — je nach Ausgang der Entscheidung — ihre gewohnte heimatliche Umgebung verlassen, lange und stauträchtige Fahrzeiten auf sich nehmen und damit wird weder den der Rekonvaleszenzbedürfnissen noch dem Umweltschutz und erst Recht nicht der Nähe zu den Kranken und Angehörigen Rechnung getragen. Der Kreistag möge insbesondere die Auswirkungen der zusätzlichen Verkehrs- und Warenströme auf den ohnehin überlasteten Strecken rund um Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart bedenken. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen einer eventuellen Verlagerung werden den ohnehin bereits geschwächten ländlichen Raum weiter nachteilig beeinflussen. Bei diversen Konversationsmaßnahmen wurde erst im Nachgang deutlich, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich bei Handwerkern, Zulieferern und Servicedienstleister verloren gingen. Nicht nur Ärzte und Pfleger sind von einer Schließung betroffen! Zu den Gewinnern könnten Taxiunternehmen, soziale Fahrdienste oder Tankstellen zählen, nicht jedoch die Umwelt und erst recht nicht die Sorgen und Nöte älterer, behinderter und kranker Menschen. Für mich als ebenfalls politisch aktiver Bürger ist es verblüffend, zu beobachten, dass die gleichen Parteien und Personen, die heute die Verrohung der politischen Sitten und den Stilverlust im gegenseitigen Umgang beklagen, in jüngster Vergangenheit weit weniger empfindlich waren, als es darum ging, den neuen politischen Wettbewerber zu diskreditieren. Die gegenüber den Mitgliedern und demokratisch gewählten Mandatsträgern der AfD erhobenen Beleidigungen waren weit schwerwiegender als die Aussage »Altersstarrsinnigkeit «. Diese angebliche Beleidigung ist dem gegenüber als »peanuts« zu bewerten.

Von Günther Schöttle, Nagold-Emmingen

 Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 19.12.2017

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