Geschrieben am 21.12.2017

Lösung nicht zu erkennen

BETRIFFT: Krankenhaus

Was muss ein Krankenhaus leisten können? Das die Krankenhausplanung regelnde Sozialgesetzbuch (SGB, Fünftes Buch (V), Paragraf 136c) nennt drei Kriterien:

Erstens: Die Erreichbarkeit (Minutenwerte) für die Prüfung, ob die Leistungen durch ein anderes geeignetes Krankenhaus, das die Leistungsart erbringt, ohne Zeit-Zuschlag erbracht werden können.

Zweitens: Ob und wann ein geringer Versorgungsbedarf besteht.

Drittens: Für welche Leistungen die notwendige Vorhaltungen sicherzustellen sind.

Die ersten beiden Kriterien sind klar zu beantworten: Bei der Erreichbarkeit liegt die Messlatte bei maximal 30 Minuten. Das Kriterium »geringer Versorgungsbedarf« greift in Anbetracht der Bevölkerungsgröße des Calwer Raums nicht. Daraus ergibt sich, dass eine Schließung des Krankenhauses Calw mit den gesetzlichen Vorgaben nicht vereinbar ist.

Bei Kriterium drei ist die Antwort nicht so einfach. Als Aufgabe wird eine »Grund- oder Grund- und Regelversorgung« genannt. Beides ist nicht präzise definiert. Unstrittig ist, dass Akuterkrankungen und Unfälle, bei denen der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle spielt, entsprechend den medizinischen Leitlinien behandelbar sein müssen.

Aber die Abgrenzung gegenüber hoch spezialisierten Leistungen ist schwer zu treffen. Als wesentliche Faktoren sind gewachsene Strukturen und die Qualifikation der vor Ort arbeitenden Teams zu berücksichtigen. So muss sich der Begriff »Grund- und Regelversorgung« vor allem am faktischen Leistungsvermögen orientieren, das sich bedarfsgerecht herauskristallisiert hat. Entsprechend ist die Situation in Calw zu werten. Einfach ausgedrückt: Die existierenden Einrichtungen sind in Calw Basis der bewährten stationären Grund- und Regelversorgung. Sie können nicht zerstört werden, ohne dass die Versorgung gefährdende Lücken und Schwachstellen auftreten.

Darüber darf das Schlagwort von einem »Gesundheitscampus« nicht hinwegtäuschen. Ambulante und stationäre Versorgung ergänzen sich zwar, sind aber fundamental unterschiedlich strukturiert. Ob ambulante Leistungen in Krankenhausnähe oder sonst wo angeboten werden, spielt keine wesentliche Rolle. Zu berücksichtigen ist auch, dass insbesondere spezialisierte Ärzte eine Fülle von Menschen aus dem Umland anziehen, was in hohem Maße der Belebung der Innenstadt zugutekommt.

So muss das Augenmerk weiter auf der Leistungsfähigkeit der stationären Versorgung liegen. Diese wird durch eine drastische Reduktion der Bettenzahl drastisch reduziert. Hinzu kommt, dass kleine Häuser durchweg Probleme haben, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Je geringer die Leistungsbreite ist, desto unattraktiver wird eine Stelle. Ob dies mit dem Köder einer erhöhten Vergütung oder durch nicht in regulären Beschäftigungsverhältnissen tätige sehr teure »Leihärzte« ausgeglichen werden kann, bleibt fraglich und macht wirtschaftlich keinen Sinn. Eine solide Lösung ist in diesem Konzept nicht zu erkennen.

Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 21.12.2017

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