Geschrieben am 21.12.2017

Schöne Bescherung.

Als Vorsitzender des „Verein pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V“ verfolge ich die Entwicklung um die beiden Kliniken seit 14 Jahren. Ausgewiesene Experten im Verein ist es anfangs gelungen mit überzeugenden und schließlich medizinisch und wirtschaftlich erfolgreichen Konzepten das Projekt „eine Klinik an zwei Standorten“ mit Ärzten aus beiden Kliniken zu etablieren. Wir hatten anfangs in gemeinsamen Sitzungen ein offenes Ohr bei der damaligen Geschäftsführung im Klinikverbund. Mit dem Vertrauensbruch bei der Etablierung des Linksherzkatheters in Nagold und später der Entlassung führender Ärzte und des Geschäftsführers mit zu hinterfragenden Abfindungen, die die Wirtschaftlichkeit bis heute belasten, wurde der überaus konstruktive Dialog abgebrochen.

In der weiteren Entwicklung sehen wir uns in deutlich unterschiedlichen Auffassungen zum Klinikkonzept.

Die heutige Ausgangslage legt nahe, dass sich dieses nicht an den medizinischen Erfordernissen zur Sicherstellung einer öffentlichen Gesundheitsversorgung im östlichen Kreisgebiet orientiert, sondern nur ein Parameter im politischen Gestaltungsraum ist. Überzeugende Gegendarstellungen werden mit Totschlagargumenten wie „Kirchturmdenken“  abgetan. Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw hat akribisch und unwidersprochen nachgewiesen, dass das „GÖK-Gutachten“ in entscheidenden Details fehlerhaft ist. Es fußt ausschließlich auf den dem Gutachter zur Verfügung gestellten Daten. Sic!

Dennoch ist es die Basis für weitreichende Entscheidungen.

Eine weitere Überprüfung aus dem Landratsamt beauftragt, umschreibt das Ergebnis verklausuliert als „sehr ambitioniert“. Übersetzt heißt das „nicht zu verwirklichen.“ Bei allem Respekt vor den Kreisräten und ihren Entscheidungen, sind sie doch ihren lokalen Wählern des Vieltäler-Kreises verpflichtet, siehe Bad Herrenalb, und zumeist medizinisch fachfremd.

In der Konsequenz heißt das, dass die hervorragende und etablierte Orthopädie in Calw bleiben muss, eine neu zu bauende Klinik, an welchem Standort auch immer, eine wirtschaftlich sinnvolle Größe und medizinische Ausstattung erfordert, die aus sich heraus  primär in der Lage ist möglichst kostendeckend zu wirtschaften.

Kann man einen Neubau befürworten, der dann schon bei der Geburt am Tropf einer Subventionierungsflasche von geplanten vier Mio Euro hängt?  Das Wunschdenken gipfelt in der Annahme, dass das Schwesterhaus nach der Umstrukturierung eben dieses Minus erwirtschaftet. Kann man solch einen Irrsinn wirklich ernsthaft versuchen zu vermitteln, ja beschließen?

Der Campus ist wirtschaftlich völlig unabhängig vom Eigenbetrieb der Kreiskliniken zu sehen, er hat das Potential zur Augenwischerei und mag vielleicht lindern, aber den kranken Patienten nicht wirklich heilen. Für ein Umdenken ist es nicht zu spät, dazu bedarf es nicht zuletzt einer gewissen Größe zur Dialogbereitschaft.

Dr. Axel Roth, Unterlengenhardt

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