Der Landrat bedankt sich ausdrücklich bei den Mitgliedern des Calwer Kreistags für ihre Unterstützung zu dem geplanten Klinikkonzept 3plus und sieht sich natürlich in dieser Sache bestätigt und in seiner knallharten 1:1‑Umsetzungsstrategie gestärkt. Es wundert den neutralen Beobachter jedoch nicht, dass die vielen Kreistagsmitglieder aus dem ›Oberamt‹ Nagold aus Eigennutz geschlossen hinter diesem Konzept stehen. Der Landrat bekräftigt in diesem Zusammenhang zwar, dass es sich hierbei ›um die Schaffung von modernen medizinischen Strukturen für den gesamten Landkreis handle’. Ich frage mich, ob es im Sinne einer Neuausrichtung der kreisweiten medizinischen Komplettversorgung richtig ist, ein Schwerpunkt-Krankenhaus am äußersten Zipfel des Kreises neu zu errichten und damit den überwiegenden Teil des restlichen Landkreises medizinisch abzuhängen. Diese sehr einseitige Festlegung kann doch kein Zukunftsprojekt für den gesamten Kreis sein. Man will rund 100 Millionen Euro in ein neues Klinikkonzept ausgeben, wohl wissend, dass keine Verbesserung, sondern eher eine Verschlechterung für die Kreissituation eintritt.

Die Orthopädiepatienten aus dem nördlichen und mittleren Kreisgebiet wären aufgrund der kürzeren Wege gezwungen, in Richtung Enzkreis oder Böblingen abzuwandern, mit der Folge, dass die besonders ertragsreichen Eingriffe somit dem Kreis Calw verloren gingen und das aktuelle Defizit von rund 7 Millionen Euro (wie viel fallen hierbei eigentlich einerseits auf Calw und andererseits auf Nagold?) tendenziell erheblich ansteigen würde. Das kann doch keine verantwortungsvolle Kreispolitik sein. Medizinischer Sachverstand wird bis jetzt unverständlicherweise im Grundsatz abgelehnt. Ich hoffe, dass jetzt noch nicht aller Tage Abend und das vorliegende Konzept nicht unumkehrbar ist, wenn doch , dann kann ich nur sagen: gute Nacht! Übrigens, eine Mehrzahl von Kreisräten hat doch erst vor ein paar Tagen ein Musterbeispiel ihrer Neutralität und Objektivität abgeliefert. Beispiel Kreisumlage. Kommunale Eigeninteressen stehen leider vielfach über den Kreisinteressen, was an der einseitigen Besetzung des Gremiums liegt und somit dem Gemeinwohl dienenden Lösungen erfolgreich verhindert werden. Diese Art von Kirchturmpolitik kann von der Allgemeinheit nicht akzeptiert werden.

Von Jochen Brackenhammer, Gechingen

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 27.12.2017