Geschrieben am 15.01.2018

Nägel mit Köpfen machen!

 „OB (Eggert, Calw) pocht auf mehr Betten“ war am 8.1.18 auf der Frontseite des „Schwarzwälder Boten“ zu lesen, ein Signal für die Kreisgremien, dass die Debatte um die Kliniken nicht vom Tisch ist. Der Druck zu einer Neuausrichtung der stationären medizinischen Versorgung hat sich über Jahrzehnte aufgebaut, vor allem auf dem Boden von Unterfinanzierung und progressiv auflaufenden Verlusten von mehreren Millionen pro Jahr, die letztlich von allen Kreisbewohnern getragen werden müssen. Schon als ich 1975 meine ärztliche Tätigkeit in Calw begann, war eine rege Diskussion um die Krankenhauslandschaft des Kreises im Gang. Mit älteren Kollegen erinnere ich mich, dass bereits Ende der 60er-Jahre unter Landrat Pfeiffer ein zentrales Krankenhaus im Raum Wildbad favorisiert wurde, aber dafür der Kreisrat nicht zu gewinnen war. Als Resultat der Debatte entstand das Krankenhaus Nagold, das 1977 in Betrieb ging. Nun hatte der Kreis zwei Krankenhäuser samt allen damit verknüpften Problemen: unwirtschaftliche Doppelstrukturen, für eine optimale Aufstellung zu knappe Fallzahlen, Konkurrenzdenken, dazu – in Calw stärker als in Nagold – ortsgebundene bauliche Schwierigkeiten. Kurz: Die Entscheidung Ende der 60er-Jahre führte zu einem Rattenschwanz äußerst kostenträchtiger Investitionen, von denen längst fest steht, dass ein Großteil „für die Katz war“. Und heute? Wieder ist ein Konzept angedacht, das enorme Investitionen erfordert, das Kernproblem aber bestenfalls zementiert. Handelt es sich nicht um einen aberwitzigen Schildbürgerstreich, nochmals ein Krankenhaus zu errichten, das vom ersten Planungsstrich her auf Defizite programmiert ist und seiner Aufgabe unmöglich gerecht werden kann? Muss sich der Kreis Calw am gleichen heißen Eisen die Finger zweimal verbrennen? Steckt in der jetzigen Bredouille nicht der Aufruf, diesmal die Sache besser zu machen? Dabei haben schon vor 50 Jahren Landrat Pfeiffer, vor 5 Jahren alle Chefärzte der Krankenhäuser Calw und Nagold, sowie 2014 das GÖK-Gutachten ein Votum abgegeben: Nur ein zentrales, alle Bereiche abdeckendes Klinikum ermöglicht langfristig einen qualitativ anforderungsgerechten Betrieb und bietet eine realistische Chance für Wirtschaftlichkeit.

 

Von Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

abgedruckt im Schwarzwälder Boten Teil Calw vom 13.1.2018

 

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