Geschrieben am 19.01.2018

Option für eine innovative stationäre Versorgung

Es ist ein begrüßenswertes Novum, dass sich das Landratsamt im SchwaBo-Artikel vom 12.01.18 „Zentralklinik ist für den Landkreis keine Option“ inhaltlich in der Krankenhausdebatte äußert. Wie zutreffend bemerkt, untersuchte das GÖK-Gutachten 2013 die Möglichkeit, ein neues Zentralklinikum zu bauen. Wer am sog. “Bürgerforum“ teilnahm, wird sich noch an die Aussage des Gutachters erinnern, dass der Betrieb eines Zentralkrankenhauses ohne Defizite realistisch ist. Als relevantes Negativum wurde die Zinsbelastung durch das höhere Investitionskapital gegenüber dem Konzept 3 angeführt.

Was man damals noch nicht wissen konnte, ist, dass die Europäische Zentralbank zwischenzeitlich den Geldmarkt in einem Maße geflutet hat, dass Investitionskapital mit Zinsen knapp über 1 Prozent so billig ist wie noch nie. Auch für die öffentliche Hand ergibt sich daraus die Möglichkeit, sinnvolle Projekte – und dazu gehört sicherlich eine zukunftsfeste Krankenhausplanung – ohne Haushaltsschieflage zu finanzieren. Finanziell betrachtet lauten die Alternativen: Entweder auf unabsehbare Zeit durch unvermeidliche Betriebsdefizite und inadäquate Planung Geld verbrennen oder Betriebsdefizite durch eine standfeste und vor allem anforderungsgerechte Lösung vermeiden.

Wieder wird im o.g. Artikel auf den „Gesundheitscampus“ und dessen „innovatives Konzept“ hingewiesen, der jetzt erstmalig umrissartig dargestellt wird. Natürlich ist gegen eine derartige Planung nichts einzuwenden, aber sie sollte auch nicht als Nebelkerze ins Feld geführt werden, um eine unzureichende stationäre Versorgung in rosarotes Licht zu tauchen. Weder zur Behandlung einer akuten Appendizitis („Blinddarmentzündung“) noch bei komplexen Unfallverletzungen können eine psychosomatische Tagesklinik, eine Facharztansammlung oder ein AOK-Gesundheitszentrum einen Beitrag leisten. Die Kooperation dieser Einrichtungen wird längst exerziert, eine räumliche Nähe mag im einen oder anderen Fall von Vorteil sein, bleibt jedoch gegenüber einer adäquaten Grund- und Regelversorgung von untergeordneter Bedeutung.

So sind für eine medizinisch kompetente Versorgung nur zwei Optionen realistisch: Entweder es stehen jeweils eine Klinik in Calw und eine in Nagold zur Verfügung, die in Bezug auf Grund- und Regelversorgung symmetrisch aufgestellt sind, oder der Kreis beschreitet tatsächlich einen „innovativen“ Weg und schafft ein leistungsfähiges zentrales Klinikum als auch wirtschaftlich überlegene Lösung.

 Von Dr. Klaus Pichler, Zavelstein

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018

Hinterlassen Sie einen Kommentar

senden