Geschrieben am 19.01.2018

Rund 200 Betten nötig!

Das Landratsamt spricht sich in dem Bericht noch einmal für das „Konzept 3plus“ aus und verweist u.a. auf „strukturpolitische Gründe“. Damit ist wohl gemeint, dass das Krankenhaus für die betroffene Bevölkerung möglichst rasch erreichbar sein soll. In der Tat wäre es schön, wenn für Calw ein Krankenhaus „direkt vor der Tür“ erhalten bliebe. Das müsste allerdings ein Krankenhaus sein, das den heutigen Anforderungen an die „Grund- und Regelversorgung“ entspricht, in dem also Menschen mit häufigen und dringend behandlungsbedürftigen Erkrankungen rasch behandelt werden können.

Im „Konzept 3plus“ sind folgende Bettenzahlen festgeschrieben: Innere Medizin 66, Allgemeine Chirurgie 9, Unfallchirurgie/Orthopädie 23, Neurologie 25, Frauenheilkunde 10 und HNO 1. — In der Fachwelt besteht ein weitgehender Konsens, dass eine Chirurgische Klinik den Anforderungen der „Grund- und Regelversorgung“ nicht mehr gerecht werden kann, wenn sie aus weniger als 2 Spezialabteilungen mit je mindestens 40 Betten besteht (z.B. Unfallchirurgie/Orthopädie und Viszeralchirurgie). Dasselbe gilt für die Innere Medizin; hier werden entsprechend große Abteilungen für Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie oder Geriatrie benötigt. Die beiden letztgenannten Spezialisierungen kommen in Betracht, weil in ihnen das gesamte Krankheitsspektrum der Inneren Medizin behandelt wird. — Die Fächerkombinationen sind notwendig geworden, weil es Abteilungen für Allgemeine Chirurgie und Allgemeine Innere Medizin an deutschen Krankenhäusern de facto nicht mehr gibt!

Ein neues Krankenhaus in Calw braucht also, um dem Versorgungsbedarf gerecht zu werden, und um ökonomisch konkurrenzfähig zu bleiben, allein für Chirurgie und Innere Medizin ca. 160 Betten und darüber hinaus weitere Betten für Neurologie, Frauenheilkunde und Intensivmedizin, also rund 200 Betten.

Das „Konzept 3plus“ kann das nicht leisten! – Das vielleicht wichtigste Argument gegen einen zu kleinen Krankenhausneubau liegt im übrigen in den ärztlichen Weiterbildungsmöglichkeiten. In Anbetracht des heutigen Ärztemangels lassen sich Assistenzärzte nur noch an Abteilungen binden, die die volle Weiterbildungsermächtigung besitzen – auch in einem weitverzweigten Klinikverbund.

Von Dr. Rolf Johnen, Calw

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018

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