BETRIFFT: Klinikkonzept im Kreis Calw

Als Branchenfremder erlaube ich mir einen einfachen Meinungsbeitrag in der Klinikdebatte, die nun gefühlt ins sechste Jahr geht.

1. Die Einhäusigkeit scheint langfristig das geringste Übel zu sein. Gerade hat der Zollernalbkreis beschlossen, sowohl Balingen als auch Albstadt aufzugeben und in der Mitte ein Großklinikum zu realisieren, nachdem schon vor zehn Jahren Hechingen geschlossen wurde. Villingen-Schwenningen hat vor zwölf Jahren – bislang mit Erfolg – dasselbe gemacht. In der Struktur kann sich doch der Kreis Calw (weitflächig, ländlich, wenige Einwohner) hier vergleichen. Man darf den Kreistagen in Balingen und Villingen-Schwenningen vielleicht auch die nötige Urteilsfähigkeit zutrauen. Somit drängt sich die Einhäusigkeit auf.

2. Auf das Grundproblem hat der Landrat keinen Einfluss. Der Gesundheitsfonds hortet im Moment 21 Milliarden Euro. Dies hat mit »schwarzer Null« nichts mehr zu tun. Die Guthaben des Gesundheitsfonds sind natürlich die Defizite der Leistungserbringer wie Kliniken, Arztpraxen und Apotheker durch Sparen auf Kosten der Leistungserbringer. Hier kann nur die Bundespolitik nachsteuern, aber wir haben ja keinen Gesundheitsminister.

3. Die Logik der Betriebswirtschaft ist bei Krankenhäusern sowieso fragwürdig. Möchte man sich wirklich mehr Patienten, also ein Volk von Kranken wünschen?

4. Der buchhalterische Verschiebebahnhof zwischen Standort Nagold und Standort Calw überzeugt nicht. Dies zeigt gerade ein anderes Feld der Sozialpolitik. Die Rentenreformen früherer Jahre haben zwar als Ergebnis, dass die Rentenversicherung »eiserne Reserven« auffüllt. Heißt freilich auch, dass das untere Viertel der Rentner plötzlich mit Wohngeldanspruch dasteht. Der Erfolg der Rentenversicherung ist also weitgehend auf Kosten der Wohngeldkasse erkauft. 5. Ich sehe schon Landrat Riegger vor mir, wie er in wenigen Jahren gewohnt selbstbewusst seinen Schwenk in der Krankenhauspolitik den Menschen erläutern wird. Wie wenn es im Januar 2018 nicht erkennbar gewesen wäre.

Von Markus Heim, Nagold

Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Gäu vom 27.01.2018