Geschrieben am 22.03.2018

Externe Steuerung löst keine Probleme

Krankenhaus — Kreistag vergibt bei zehn Gegenstimmen Kostencontrolling und Vertragsrecht für den Klinikumbau in Nagold

Bereits im Dezember hatte der Kreistag ein externes Kostencontrolling für den Umbau und die Erweiterung des Nagolder Krankenhauses beschlossen. Nach kontroverser Diskussion wurde diese Aufgabe jetzt vergeben.

Calw.
Die Vergabesumme liege bei mehr als 300 000 Euro, sagte Dezernent Albrecht Reusch. Auf die europaweite Ausschreibung habe es vier Bewerbungen gegeben, mit drei davon wurden Gespräche geführt, bei denen sich die Firma Stein und Partner aus München als bester Anbieter herauskristallisiert habe. Die Komplexität der Baumaßnahme stelle besondere Anforderungen an die Planer, weshalb die Beauftragung einer externen Unterstützung für das Kostencontrolling und das Vertragsrecht sinnvoll und notwendig sei, so ist es aus der Sitzungsunterlage zu entnehmen. Gänzlich gegen das externe Kostencontrolling sprach sich dagegen Kreisrat Karl Braun (FDP) aus: »Ich wiederhole mich. Wir brauchen kein Kostencontrolling. Eine externe Projektsteuerung löst unsere Probleme nicht.« Dies zeige nur das Misstrauen gegen die beteiligten Firmen. Das koste nur 300 000 Euro zusätzlich und sechs Monate Zeitverzug. Viel wichtiger wäre, dass endlich ein Medizinkonzept verabschiedet werde. »Seit 2014 machen die Leute rum«, so Braun weiter, nun werde es Zeit, dass man wisse, »was wir denn jetzt wollen«. »Trotz allem Ärger, unsere Krankenhäuser funktionieren. Wichtig ist es jetzt, dass wir als Führungsmannschaft unseren Job machen«, sagte er. Außerdem müsse man der Firma 50 000 Euro mehr bezahlen, als sie ursprünglich angeboten habe. Dies bestätigte Albrecht Reusch. Man sei zunächst von Kosten in Höhe von rund 350 000 Euro ausgegangen und der Betrag dieses Bieters sei mit 250 000 Euro eigentlich viel zu niedrig gewesen, um die nötige Unterstützung beim Controlling und Vertragswesen leisten zu können. Deshalb habe man den Anbieter gebeten, er solle seinen Betrag noch einmal überdenken, was dieser dann auch gemacht und ein neues Angebot vorgelegt habe, so Reusch. Auch Karlheinz Kistner (Freie Wähler) zeigte sich skeptisch: »Ich bin nicht sicher, ob es Sinn macht, wenn wir noch nicht einmal wissen, was wir machen«, sagte er und betonte noch einmal, dass er große Zweifel habe, »ob wir wissen, was wir machen wollen«. Über diese Äußerung zeigte sich Landrat Helmut Riegger etwas verwundert und verwies auf die Sitzungsvorlage aus einer vergangenen Kreistagssitzung, in der das Konzept für Nagold erläutert worden sei. Bei 29 Ja-Stimmen, zehn Gegenstimmen und drei Enthaltungen stimmten die Kreisräte dann mehrheitlich für die Vergabe des Kostencontrollings an die Münchner Firma.
Von Bernd Mutschler
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 21.3.2018

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