Geschrieben am 06.04.2018

Eggert und BI machen Front gegen Konzept

Calwer OB und Bürgerinitiative  verfassen Brief an Kreistagsmitglieder –  Landratsamt reagiert »irritiert«

Calws OB Ralf Eggert und die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw wenden sich öffentlich und gemeinsam gegen die im Raum stehende Reform der Klinikkonzeption und bitten die Kreisräte in einem Brief, dem neuen Konzept nicht zuzustimmen. Im Calwer Landratsamt ist man über Eggerts Vorgehen derweil »irritiert«.

Calw.
Was genau die Irritation im Calwer Landratsamt über das Vorgehen des Calwer OB ausgelöst hat, erklärt Landkreis-Pressesprecherin Anja Härtel: »Wenn Inhalte einer nicht-öffentlichen Aufsichtsratssitzung, zu denen es noch gar keinen Beschluss gibt, öffentlich im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Pressekonferenz diskutiert werden sollen, ist dies schon sehr verwunderlich«, so Härtel. »Zumal vor dem Hintergrund, dass es sich hier nicht um ein Krankenhaus der Stadt Calw, sondern um die Kreiskliniken handelt.«
Hintergrund dieser deutlichen Aussagen seitens des Landkreises ist, dass die Mitglieder des Kreistags in dieser Woche Post bekommen haben. Unter dem Briefkopf des Oberbürgermeisters der Stadt Calw machen der Calwer OB und die Bürgerinitiative deutlich, dass sie das im Raum stehende Konzept der Verlagerung der Neurologie nach Nagold und dem Verbleib der Orthopädie in Calw – in dem Schreiben »Medizinkonzept-Szenario 2021« genannt – sehr kritisch sehen. Damit würden »wesentliche für die Notfallversorgung des nördlichen Landkreises vom Kreistag zugesagte Leistungen wegfallen«, heißt es in dem Schreiben.
Eggert und die Bürgerinitiative gehen davon aus, dass es in Zukunft in Calw keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen geben, sondern nur noch zu den üblichen Tagesdienstzeiten operiert werden soll. Das widerspreche den bisherigen Zusagen, eine Akutklinik in Calw zu halten und sei »unzumutbar«. Deshalb fordert Eggert namens der Großen Kreisstadt und die Bürgerinitiative vom Landkreis, dass »wie bisher eine 24-stündige und an sieben Wochentagen in Calw bereitstehende unfallchirurgische Versorgung vorzuhalten ist«, wie es in dem Brief an die Kreisräte heißt.
Auch bei der Inneren Medizin sehen die Autoren des Schreibens eine eingeschränkte Behandlung von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr; denn nur im Tagesdienst an den Werktagen (ohne Wochenende) gebe es einen Notfall-Linksherzkatheter. Deshalb fordern Stadt und Bürgerinitiative einen Notfall-Linksherzkatheter für 24 Stunden an sieben Tagen für Calw. Der sei »unverzichtbar«.
Darüber hinaus regen die Autoren des Briefs den Ausbau der Geriatrie am Standort Calw an, doch dafür sei »eine fachärztliche und stationäre neurologische Versorgung notwendig«. Daher müsse »eine neurologische Versorgung des nördlichen Landkreises und des ZfP mit seinen Patienten durch eine neurologische Präsenz am Standort Calw sichergestellt werden«, fordern Ralf Eggert und die Unterzeichner der Bürgerinitiative Axel Ulrich Roth, Eberhard Bantel, Bernd Neufang und Ewald Prokein.
Darüber hinaus bringen die Autoren auch noch die Geburtshilfe und Gynäkologie am Calwer Krankenhaus ins Spiel. Sie sei »bundesweit medizinisch herausragend erfolgreich«, heißt es in dem Brief wörtlich. Sie werde sehr gut angenommen, biete eine »herausragende Qualität und sei zur Versorgung junger Familien im ländlichen Raum unverzichtbar«. Deshalb solle der Landkreis die Gynäkologie und Geburtshilfe in Calw erhalten. Der Brief schließt mit dem Appell der Unterzeichner an die Kreisräte »im Interesse der Bürger des gesamten Landkreises« dem überarbeiteten Medizinkonzept nicht zuzustimmen.
Zu diesem Thema hat der Calwer Oberbürgermeister eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt. Sie findet am Samstag, 7. April, statt, ist öffentlich und beginnt um 12.30 Uhr im Besprechungszimmer des Bauzentrums Kömpf. Unter dem Tagesordnungspunkt »Neues Krankenhauskonzept – Die massive Reduzierung der Notfallversorgung« wollen Eggert und die BI ihre Position ausführlich erläutern.
Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 06.4.2018

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