Geschrieben am 16.04.2018

Versorgung rund um die Uhr geplant

Krankenhäuser — Aufsichtsrat stimmt mit großer Mehrheit für Fortschreibung der Medizinkonzeption

Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hat entschieden: Geht es nach dem Willen des Gremiums, wird es im geplanten Calwer Krankenhaus eine 24-Stunden-Versorgung bei Schlaganfällen, Herzinfarkten und in der Unfallchirurgie geben. Am 23. April ist nun der Kreistag am Zug.

Kreis Calw.
In jüngster Zeit herrschte in Calw und Umgebung große Aufregung wegen der möglichen Zukunft der Klinik in der Hesse-Stadt. Der Grund: Das kürzlich bekannt gewordene Medizinkonzept sah für den Standort keine 24-Stunden-Versorgung bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder unfallchirurgischen Eingriffen mehr vor. Laut einer Pressemitteilung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken Calw vom Freitagnachmittag soll es diese 24-Stunden-Versorgung nun allerdings doch geben. Das bestätigte Anja Härtel, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Pressemitteilung
Wörtlich heißt es in dem Schreiben: »Die angepasste Medizinkonzeption sieht vor, dass die Neurologische Klinik inklusive Stroke Unit an den Standort Nagold verlagert wird. Das breite internistische Spektrum mit Kardiologie, Gastroenterologie mit onkologischer Tagesklinik sowie die Allgemein– und Viszeralchirurgie und Urologie bleiben erhalten. Das unfallchirurgische Angebot wird erweitert.
Im Krankenhaus Calw soll es neben dem neuen Gesundheitscampus auch zukünftig eine starke Orthopädie mit Basis-Unfallchirurgie sowie eine Basis-Bauchchirurgie geben. Die vorhandene Innere Medizin/Kardiologie mit 24-Stunden-Notfall-Herzkatheterversorgung soll um geriatrische Angebote ergänzt und erweitert werden. Weiterhin sind neben einem neurologischen Dienst unter anderem zusätzliche Schmerzbetten geplant.« Darüber hinaus bleibe die Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie »weiterhin im stationären Angebot enthalten« – eine Forderung, die ebenso wie jene nach einer 24-Stunden-Versorgung zuletzt vor allem von zahlreichen Ärzten im Kreis, der Bürgerinitiative Krankenhaus sowie Calws OB Ralf Eggert geäußert worden war.
Sowohl in Calw als auch in Nagold soll außerdem auch künftig eine Intensivstation und Notaufnahme sowie eine OP-Bereitschaft rund um die Uhr vorgehalten werden.
Diesem Konzept habe der Aufsichtsrat laut der Pressemitteilung in einer Sondersitzung in dieser Woche mit großer Mehrheit zugestimmt und sich zudem nochmals eindeutig für den Erhalt beider Kliniken im Kreis ausgesprochen.
Stimmten nun noch der Kreistag in seiner Sitzung am 23. April sowie das Sozialministerium zu, könnten die Planungen für die Sanierung der Kliniken Nagold und den Neubau auf dem Stammheimer Feld in Calw mit Gesundheitscampus fortgeführt werden.
»Ein Konzept an veränderte Gegebenheiten anzupassen, um zukunftsfähig zu bleiben, ist nur konsequent«, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger. »Die Medizinkonzeption generell in Abrede zu stellen oder weiter auf Zeit zu spielen, schadet hingegen dem Gesamtprojekt zur Neuaufstellung der stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw.«
Der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Jörg Noetzel, erläuterte laut der Meldung den Hintergrund der Anpassung: »Die Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser haben sich massiv verschärft. Mindestmengen, Qualitätsvorgaben, Mindestbesetzungen und Fachkräftemangel sind die wesentlichen Herausforderungen, die mindestens so schwer wiegen wie ökonomische Fragestellungen und uns auch noch in Zukunft beschäftigen werden. Von daher ist es wichtig, die bestehenden Angebote so zu sortieren, dass beide Häuser neben der wohnortnahen Notfallversorgung auch ein profiliertes Spektrum anbieten.«
Durch die Einbettung des Neubaus der Kliniken Calw in den geplanten Gesundheitscampus würden stationäre und ambulante Angebote verzahnt. Mit der Neuordnung der Disziplinen an den Klinikstandorten Calw und Nagold sehen sowohl Riegger als auch Noetzel die stationäre medizinische Versorgung im Landkreis Calw für die Zukunft bestens aufgestellt.

Reaktionen
Die nun bekannt gewordenen Pläne des Aufsichtsrates sorgten bei Vertretern der Anzeigenärzte sowie der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus indes für »vorsichtigen Optimismus«. So erklärte Ewald Prokein auf Nachfrage unserer Zeitung, wenn nun alles so umgesetzt werde wie vom Aufsichtsrat empfohlen, »hört sich das recht positiv an«. Eine funktionierende Notfallversorgung sowie der Erhalt der Gynäkologie komme den Zielen der BI und der Ärzte entgegen. Denn: »Wir brauchen auf jeden Fall diese 24-Stunden-Versorgung«, betonte er.
Auch Eberhard Bantel erklärte, natürlich seien BI und Ärzte zufrieden, wenn deren zentrale Forderungen umgesetzt würden. Noch immer gebe es aber die Befürchtung, dass der Kreistag das Konzept kippen könne. »Deshalb brauchen wir auch weiterhin die Unterstützung der Bevölkerung«, so Bantel. Diese solle weiterhin präsent bleiben und auch zur Kreistagssitzung am 23. April kommen, um den »Forderungen Nachdruck zu verleihen«. Dazu zähle neben der Grundversorgung auch der Erhalt der Geburtshilfe.
Calws OB Ralf Eggert zeigte sich erleichtert über die Entwicklung und sprach von einer »guten Entscheidung« sowie einem »guten Konzept«. »Ich bin froh, dass der Aufsichtsrat zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die 24-Stunden-Versorgung erhalten bleiben soll«, sagte er. Diese Art der Versorgung sei es auch, die die Bevölkerung von einem Krankenhaus erwarte. Sein Dank gelte der Geschäftsführung der Kliniken, dem Aufsichtsrat und vor allem Landrat Riegger. Auch Eggert bittet die Bürger nun, zur Kreistagssitzung zu kommen sowie mit dem Landrat und den Kreisräten in Kontakt zu treten. So könne die Bevölkerung ihr Interesse daran bekunden, »dass dieses vom Aufsichtsrat nun in langer Sitzung mehrheitlich verabschiedete Ergebnis auch umgesetzt wird«.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.4.2018, Seite 25

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