Geschrieben am 17.04.2018

Schafft’s die Kuh vom Eis?

Betrifft: Klinik-Debatte

Als sich am Freitagabend, 13.4.18, die immer noch vom Geist des Hippokratischen Eids bewegten Ruheständler der Calwer Ärzte trafen, pendelte die Stimmung zwischen Resignation und Rebellion. Zu einem fast hörbaren Aufatmen führte der Bericht des SchwaBo vom folgenden Morgen: der Aufsichtsrat der Kreiskliniken habe sich zu einer Beibehaltung der 24-Stunden-Versorgung bei akuten internistischen Erkrankungen durch Infarkte und akuten Bauchproblemen sowie von Schlaganfällen, Unfällen und zur Beibehaltung von Geburtshilfe und Gynäkologie in Calw durchgerungen. Doch bleiben trotz dieser verheißungsvollen Wende Fragen und Enttäuschungen zurück.

Enttäuschung über die beschädigte Verlässlichkeit einer ganzen Reihe von Zusicherungen seitens der Gremien im Verlauf der Debatte. Unsere Gesellschaft braucht nicht nur die verlässliche Schule und verlässliche Öffnungszeiten von Dienststellen der öffentlichen Hand. Sie braucht auch dringend eine verlässliche zeitgerecht erreichbare stationäre Krankienversorgung. Vor allem braucht sie verlässliche Aussagen ihrer Entscheidungsträger. Nur dadurch findet Vertrauen eine Basis.

Enttäuschung bleibt zurück über das komplette Abtauchen der politischen Parteien. Keine hat sich der Problematik gestellt, keine sich positioniert. Und enttäuschend ist seit Jahren das dazu passende Mantra der hohen Politik, durch notorische Unterfinanzierung ohne Rücksicht auf Verluste die Bettenzahlen zur reduzieren.
Enttäuschend ist das Verhalten der „Gesundheitskassen“. Hohe Rücklagen sind offenbar wichtiger als der Einsatz für unverzichtbare Strukturen zur Bewältigung von krankheitsbedingten Schicksalsschlägen.

Es enttäuscht auch, dass die Jahrhundert-Chance des Kreises Calw zur Schaffung einer qualitativ und finanziell zukunftsfesten zentralen Einrichtung nicht wahrgenommen wird. Diese Chance wird sich in überschaubaren Zeiträumen kein zweites Mal bieten.

Nun hat die Kuh auf dem Eis immerhin mal in die richtige Richtung geäugt. So bleibt uns die Hoffnung, dass am 23.4.18 auch der Kreisrat herzhaft am Strick zieht, um das renitente Biest richtig zu dirigieren. Damit dieses nicht erneut auf Abwege gerät, ist dringend geboten, dass die Bürger des Raums Calw durch Präsenz bei der Sitzung 15 Uhr im Landratsamts sich den Vorgang nicht entgehen lassen.

Von Dr. Klaus Pichler, Zavelstein

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