Geschrieben am 23.04.2018

Existenzielle Fragen bleiben offen

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Erfreulich ist in dem Zeitungsbericht vom 14. April die Zusage des Aufsichtrats der Kreiskliniken, dass für das Calwer Krankenhaus die »Vollversorgung rund um die Uhr« gewährleistet bleiben soll, womit das Haus weiterhin die gesetzlichen Vorschriften der Grund– und Regelversorgung zu erfüllen verspricht.

Aber die Ankündigung des Aufsichtsrats, die Chirurgische Orthopädie und eine »Basis-Unfallchirurgie« im Krankenhaus Calw zu belassen, erinnert mich an die listige Geschichte mit dem Trojanischen Pferd – ein Geschenk mit trügerischem Inhalt. Quasi als Preis dafür soll nämlich die neurologische Abteilung von Calw nach Nagold verpflanzt werden. Wie aber soll dann in Calw ohne neurologischen Sachverstand die heutzutage unabdingbare schnellstmögliche Schlaganfall-Behandlung rund um die Uhr weiterhin gewährleistet sein, wenn die neurologischen Fachkräfte nach Nagold abgezogen werden?

Zum anderen ist in dem Zeitungsbericht vom 14. April mit keinem Wort erwähnt, dass im Calwer Krankenhaus dank eines neurochirurgischen Belegarztes seit Jahren eine erfolgreiche Bandscheibenchirurgie betrieben wird. Diese setzt eine intensive prä– und postoperative neurologisch-neurochirurgische Zusammenarbeit voraus. Diese funktioniert im Calwer Krankenhaus, wie man immer wieder hört, vorzüglich. Soll das zerbrochen werden? Sollen Patienten mit operationswürdigem Bandscheibenvorfall dann wieder mit Wartezeiten in die entfernten (und wesentlich teureren) Kliniken in Tübingen und Stuttgart verlegt werden müssen?

Es bleiben also, meine ich, weitere existenzielle Fragen um die Zukunft des Calwer Krankenhauses offen. Dem Kreisrat wünsche ich bei seiner Sitzung am 23. April weise Entscheidungen. Und die Bevölkerung ist aufgerufen, ihn dabei durch Anwesenheit zu unterstützen.

Von Dr. Hermann Wulzinger, Bad Teinach-Zavelstein
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 21.04.2018

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