Geschrieben am 04.05.2018

Bedenkliche Lücken

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Das jahrelange zähe Ringen der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw sowie des Vereins pro Krankenhäuser Calw und Nagold um die Gesundheitsversorgung und die Krankenhauskonzeption im Kreis Calw und die Anzeigen-Appelle eines großen Teils der Ärztinnen und Ärzte des Kreises haben einen wesentlichen Beitrag zu den Ergebnissen des Kreistagsbeschlusses vom 23. April geleistet.

Dieser Tatsache hätte Landrat Riegger ruhig Rechnung tragen können. Stattdessen hat er in bekannter Weise anders denkende Bürgerinnen und Bürger gerügt, die BI des Vertrauensbruchs bezichtigt und sich selbst als Opfer persönlicher Angriffe dargestellt. Eigentlich schade. Man hätte sich sein Eingangs-Statement auch anders vorstellen können.

Was bedeutet nun der Kreistagsbeschluss für die Gesundheitsversorgung des Kreises? In jedem Fall heben sich seine Ergebnisse deutlich positiv von der Konzeption 3plus des GÖK-Gutachtens ab. Besonders der Verbleib der Orthopädie in Calw und die Notfallversorgung bei den wichtigsten akuten Erkrankungen rund um die Uhr sind zu begrüßen.

Auf der anderen Seite weist der Beschluss noch einige bedenkliche Lücken auf: So muss die untrennbare Verbindung zwischen Orthopädie und Unfallchirurgie in Form eines Schwerpunktes für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw festgeschrieben werden. Die Organisation der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten in Calw muss sauber dargelegt werden. Und das Krankenhaus Calw muss verantwortlich in die Abläufe der notfallmäßigen Magen– und Darmspiegelungen eingebunden werden. Außerdem hält die BI die Aufnahme der in Calw gut verankerten ambulanten Onkologie in die Liste der medizinischen Angebote für notwendig.

Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes, Dr. Noetzel, hat diese noch weichen Punkte angemerkt und angekündigt, ihre Lösung mit Hilfe der Fachleute vor Ort in Angriff zu nehmen. Dazu bietet die BI ihre Mithilfe an. Sie bittet darum, dass dieser Prozess mit allen interessierten Gruppen besprochen und in der Öffentlichkeit transparent behandelt wird. Auf diese Weise erscheint das Wunschziel eines gut funktionierenden Krankenhauses in Calw und einer gesicherten und guten Gesundheitsversorgung im Kreis erreichbar.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 03.05.2018

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