Geschrieben am 09.07.2018

Wiederaufnahme der Krankenhausdebatte?

BETRIFFT: Artikel “SPD im Richtungsstreit um die Kreiskliniken” von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 6.7.2018

Mit runden Augen entnahm ich am vergangenen Freitag (6.7.18) dem SchwaBo, dass der SPD-Ortsverband Nagold und insbesondere Kreisrat Prewo eine neue Diskussion über eine Einhaus-Lösung zur Krankenhaus-Planung fordert und die Bürger zum Mitdiskutieren einlädt. Ja, war da in den vergangenen Jahren nicht irgendetwas? War die Zündschnur überlang, dass jetzt, nachdem „der Käs gefressen ist“, zum Nachdenken und Disputieren aufgerufen wird? Schließlich fasste der Kreisrat am 23.4.18 den Beschluss, das Medizinkonzept 2015 umzusetzen, was somit derzeit Recht und Gesetz bedeutet. Patienten wie medizinisches Personal können – so die Zusagen eingehalten werden – damit leben, obwohl die Schwächen des Konstrukts ins Auge springen. In zahlreichen Beiträgen wurde darauf hingewiesen. Von einer neu aufzunehmenden Debatte kann somit nicht die Rede sein, wohl aber – vielleicht – zu einer Fortsetzung der vorausgegangenen. In dieser wurde auch sehr eindrücklich das Kostenargument beleuchtet: Ein Argument unter vielen, die nachdrücklich für die Einhäusigkeit sprechen. Der Druck der Sachargumente war es wohl, die Herrn Prewo und die SPD zum jetzigen Schritt veranlassten, eine Rolle rückwärts zu testen. Dennoch: Die verplanten (und vermutlich nicht ausreichenden)155 Millionen sind noch nicht unrettbar versenkt, noch könnte theoretisch ein Befreiungsschlag erfolgen. Die Zeit der Kleinkliniken ist in jeder Hinsicht abgelaufen, und die Chance für eine zukunftsfähige Lösung mit einer zentralen leistungsfähigen Einrichtung wurde sehenden Auges verdödelt. Das Narrativ von „einer Klinik an zwei Standorten“ hat nie funktioniert und kann auch im Klinikalltag nicht funktionieren. Auch das Mantra vom „Krankenhauscampus“ als wundersame Lösung der Probleme einer suffizienten stationären Versorgung kann nicht durch Wiederholungen überzeugen: Einen „Krankenhauscampus“ mit Gynäkologie/Geburtshilfe, Dialyse, Radiologie/Röntgen, Cardiologie haben wir in Calw seit Jahren. Natürlich wären zusätzliche Angebote möglich und Patientenwege mögen dadurch gelegentlich verkürzt werden. Aber die geographischen Standorte sind wenig relevant und könnten auch einem Zentralklinikum zugeordnet werden. Allerdings, verehrter Herr Prewo, es ist es schon reichlich denkwürdig, einerseits „Kirchturmpolitik“ zu geißeln und andererseits zu fordern, dass ein zentrales Spital „nur in oder um Nagold“ liegen könne. Als altgedientem lokalpolitischem Streitross ist Ihnen zweifellos klar, dass die Vertiefung von Gräben in einer derartigen Debatte kaum weiterhilft. Kompromissfähigkeit, Einbindung der anderen Hauptbetroffenen mit Brückenbau, wären signifikant überzeugender.

Von Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

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