Geschrieben am 20.06.2019

Kreistagswahl 2019– Eine Schlappe für viele Etablierte!

Sieht man sich die teilweise überraschenden Ergebnisse der Kreistagswahl 2019 an, so kommt man wohl zum Schluss, dass drei Themen die Bürger bewegt haben, nämlich die Sicherung der ärztlichen Versorgung im Landkreis, die Umweltfragen und die Flüchtlings– und Asylpolitik.

Ein Eckpfeiler einer zukunftsorientierten stationären Krankenversorgung hätte ein zentrales Krankenhaus zwischen Calw und Nagold sein können. Stattdessen hat die Kirchturmpolitik in Nagold gesiegt und es wird in Nagold mit hohem Aufwand das bestehende Krankenhaus saniert und in Calw soll ein neues Krankenhaus gebaut werden. Die insgesamt anfallenden Kosten übersteigen die Kosten eines Neubaus einer Zentralklinik. Nagold bleibt trotzdem ein Altbau und jedes Krankenhaus ist bezüglich der Bettenzahl an der untersten Grenze. Verfechter einer Zentralklinik in Nagold, die am Rande des Landkreises liegen würde und schon bisher zu einem hohen Prozentsatz Bürger aus den angrenzenden Landkreisen versorgt, waren insb. OB Großmann und Herr Kallfass. Sowohl OB Großmann, der bisher Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag war, als auch Herr Kallfass haben ihr persönliches Waterloo erlebt. Großmann liegt stimmenmäßig bei der CDU nur noch auf Platz 10 mit 3.758 Stimmen, Kallfass (1.234 Stimmen) hat den Einzug in den Kreistag nicht mehr geschafft.

Wie wichtig den Bürger die ambulante und stationäre ärztliche Versorgung ist, zeigen die Wahlergebnisse von Dr. Zoufaly stimmenmäßig auf Platz 2 (4.785) der CDU, Prof. Dr. Handel (4.468) auf Platz 2, Dr. Bantel (3.845) auf Platz 4, Dr. Walz (3.281) auf Platz 5, Dr. Jerges (3.266)auf Platz 6, Dr. Lang (3.127) auf Platz 8 jeweils bei den Freien Wählern sowie Frau Utters auf Platz 2 (2.900) bei der SPD. Damit ist klar, es ist ein Wählerauftrag alles zu tun, um die ambulante und stationäre Versorgung im Landkreis zu stabilisieren.

Das Modell der zwei Kliniken war ein politischer Kompromiss, weil eine Zentralklinik in Nagold wegen des Widerstands der Calwer nicht durchsetzbar war. Wären die Baumaßnahmen in Nagold nicht schon zu weit fortgeschritten, müsste dieser Klinikstandort zu Gunsten einer modernen Zentralklinik überdacht werden. Dies auch vor dem Hintergrund der langfristig defizitären Krankenhausstrukturen, die ihren Grund in der politisch gewollten Unterfinanzierung der Leistungen hat. Versorgt nämlich ein kommunales Krankrenhaus Patienten aus anderen Landkreisen, so führt dies zu einer Belastung des Landkreises über die Kreisumlage; gleichwohl sind diese Patienten im Hinblick auf die Fallzahlen und die Fixkostendegression notwendig.

Die Wahlergebnisse lassen hoffen und erwarten, dass der Einfluss der Ärzte ihren Niederschlag bei der Besetzung der Ausschüsse und der Aufsichtsräte des Krankenhauses, des Klinikverbunds Südwest und seiner Tochter-Gesellschaften findet. Dies war der Wählerwille!

Das Umweltbewusstsein kommt zum Ausdruck, indem die GRÜNEN nun sieben Sitze haben, während die AfD im dritten Komplex mit vier Sitzen die FDP überholt hat.

Prof. Bernd Neufang

Hinterlassen Sie einen Kommentar

senden