Geschrieben am 22.10.2019

Damit die Füße laufen wie geschmiert

Um einer Arthrose vorzubeugen, sollten Knorpelschäden im Fuß operativ behandelt werden. Ist der Schaden lokal begrenzt, lässt sich der Eingriff per Arthroskopie durchführen.

Stehen, laufen, hüpfen, sprinten, balancieren: Der menschliche Fuß mit seinen 26 Knochen und 33 Gelenken ist ein Multitalent. Dafür, dass jede Fußbewegung „wie geschmiert“ läuft, sorgt elastisches Knorpelgewebe. Es schützt die Gelenkflächen, federt Stöße ab und verhindert, dass Knochen auf Knochen reibt. Durch altersbedingte Abnutzung, aber auch durch Überlastung oder Verletzungen kann das Knorpelgewebe allerdings Schaden nehmen. Belastung und Bewegungen verursachen dann Schmerzen. Da Knorpel sehr zellarm und nicht durchblutet ist, heilt ein solcher Defekt nicht von selbst. Unbehandelt kann er langfristig zu einer Arthrose führen.

Was tun, um einer Arthrose vorzubeugen? Bei Verletzungen des Gelenkknorpels, beispielsweise nach Sportunfällen, empfiehlt Prof. Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Calw, den Knorpel mithilfe einer Operation zu reparieren: „Eine Knorpelregeneration funktioniert aber nur, wenn um den Schaden herum noch gesundes Knorpelgewebe vorhanden ist“, betont der Experte. Prof. Dr. Handel wendet z. B. bei der OP am Sprunggelenk unterschiedliche chirurgische Techniken an. „Bei kleineren Schäden, also 1 bis 2 cm², füllen wir die defekte Stelle mit einem Knorpelimplantat aus Kollagen auf“, berichtet der Chefarzt. Der Eingriff erfolgt per Arthroskopie, das heißt, es werden lediglich kleinste Schnitte angesetzt.

Prof. Handel erklärt die Vorteile einer Arthroskopie: „Im Vergleich zur offenen Gelenkoperation ist das Infektionsrisiko kleiner. Außerdem treten geringere Weichteilschwellungen auf, der Patient hat
weniger Schmerzen und ist schneller wieder fit.“ Ist die beschädigte Stelle größer und liegt im Bereich von 2 bis 6 cm², wendet Prof. Dr. Handel das sogenannte AMIC-Verfahren mit Einbringen einer
Kollagenmembran an. Dieses Verfahren wird zumeist über einen wenige Zentimeter langen Schnitt durchgeführt: Der Arzt entfernt das beschädigte Knorpelgewebe und bohrt dann kleinste Löcher in den Knochen. Das bewirkt, dass sich die defekte Stelle mit Blut und Zellen aus dem Knochenmark füllt. Zum Schluss wird eine passgenaue Kollagenmatrix auf der Defektstelle fixiert. Diese besteht aus zwei Schichten: Die
obere undurchlässige Schicht dient als Schutz, die untere durchlässige Schicht fördert das Anwachsen der Zellen und damit die Neubildung von Knorpel.

Ob ein Knorpel sich gut regeneriert, hängt von vielen Faktoren ab: Das Alter des Patienten spielt eine Rolle, ebenso der Zustand des restlichen Gelenks, aber auch die Breite, Lage und Tiefe des Knorpelschadens selber. Die OP ist demnach lediglich die „Starthilfe“, die eigentliche Knorpelregeneration findet erst hinterher statt. Prof. Dr. Handel unterstreicht daher: „Vor der OP sollte ein erfahrener Arzt die Erfolgsaussichten des individuellen Falls einschätzen. Denn bis der neue Knorpel stabil ist, muss der Patient einiges an Geduld und Mitarbeit aufbringen. Eine spezielle Physiotherapie unterstützt den Heilungsprozess. Erst nach sechs Wochen darf das Gelenk wieder belastet werden, gelenkbelastende Sportarten sind frühestens nach sechs Monaten wieder möglich.“

Prof. Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in den Kliniken Calw
Kontakt: Sekretariat der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in den Kliniken Calw
Tel.: 07051 14–42001
www.klinikverbund-suedwest.de

Schwarzwälder Bote, Teil Termine & Service vom 18.10.2019

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