Geschrieben am 21.11.2019

Nicht Alles ist in trockenen Tüchern

Medienwirksam (siehe Schwarzwälder Bote vom 17.9.2019) wurde der Spatenstich des neuen Calwer Krankenhauses gefeiert. Sehr weit sind die Baumaßnahmen seither nicht vorangekommen.  Die Planungsunterlagen sind erfreulicherweise öffentlich gemacht worden, aber die Raumplanung steht noch nicht endgültig. Ein Blick in die Pläne zeigt aber, der Neubau wird offensichtlich hinsichtlich der Bettenzahl mit 150 Betten und zu kleinen bzw. zu wenig Funktionsräumen aus Kostengründen zu klein ausfallen. Derzeit hat das Calwer Krankenhaus 184 Betten und eine Auslastungsquote von 90 bis 105 %. Dies ist auch ein Ausdruck der großen Zufriedenheit mit dem Calwer Haus. Der Blick in die Planungsunterlagen zeigt weiter, dass zwar eine modulare Erweiterung stets möglich ist, selbiges ist aber die teuerste Lösung, wie jeder Bauherr weiß.

Auch darf die Frage erlaubt sein, was durch das Krankenhaus verbunden mit dem Gesundheitscampus besser für die Calwer Bevölkerung wird. Derzeit ist aus medizinischer Sicht im Vergleich zu jetzt keine Verbesserung durch das neue Krankenhaus zu sehen. Gleichwohl kann das innovative Modell „Gesundheitscampus“ des Landrats ein Fortschritt sein, wenn es gelingt, durch die Einrichtung von Medizinischen Versorgungszentren beim neuen Krankenhaus eine weitere Verschlechterung der Hausarzt– und Facharztversorgung zu stoppen. Im Übrigen führt die Unterstützung durch das Landratsamt immer mehr dazu, freiwerdende Hausarztstellen zu besetzen, wenngleich viele Stellen unbesetzt bleiben. Eine Praxisübergabe oder Praxisgründung in der Region erfolgt aber nur dann, wenn die praktische Ausbildung schwerpunktmäßig am Calwer Krankenhaus erfolgte. Dazu ist ein voll funktionsfähiges Krankenhaus in der derzeitigen Form unabdingbar. Dies entspricht auch dem Versprechen des Landrats in der Veranstaltung in Calw-Stammheim, dass in Calw auch in der Zukunft Herzinfarkte und Schlaganfälle behandelt werden können.

Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim

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