Geschrieben am 23.12.2019

Bis zum Baubeginn des neuen Krankenhauses bleibt noch Zeit für Nachbesserungen

BETRIFFT: Krankenhaus Calw

Gestern hat der Kreistag den Neubau des Krankenhauses Calw beschlossen: Mit 156 Betten und ohne Neurologische Abteilung. Obwohl das sichtbare Bemühen der Kreisverwaltung, des Planungsbüros und aller in der Klinik an der Planung Beteiligten Anerkennung verdient, macht dieser Beschluss nicht richtig glücklich. Es geht einem, wie wenn man ein Hemd mit zu engem Kragen und zu kurzen Ärmeln erworben hat: Man fühlt sich nicht wohl. Diesem Unbehagen haben in der Diskussion die Ärzte Zoufaly, Plappert, Bantel und Handel Ausdruck verliehen.

Schon die Bettenzahl ist zu kurz gegriffen. Das Calwer Krankenhaus ist derzeit mit fast 180 Patienten täglich belegt. Dieses Patientenaufkommen wird noch wachsen, wenn ein neues hochmodernes Krankenhaus bereit steht und wenn der S‑Bahn-Anschluß nach Stuttgart vollzogen ist. Nach Schätzungen wird dann die Bevölkerung in Calw und den Gäugemeinden wegen der günstigen Verbindungen und wegen der Stadtflucht (Mieten!) um 6 % wachsen. Dieser Entwicklung muss Rechnung getragen werden. Die in Aussicht gestellte Aufstockung um 30 Betten würde lediglich unnötige neue Bauarbeiten und erfahrungsgemäß erhöhte Kosten nach sich ziehen.

Nur die sofortige Behandlung von Schlaganfallpatienten innerhalb der ersten Stunde kann größere Schädigungen des Gehirns verhindern. Kein Mensch aus der Calwer Region könnte verstehen, dass ein Patient mit Schlaganfall an einem hochmodernen Krankenhaus vorbei gefahren wird. Deswegen ist ein Verbleib der Neurologischen Abteilung in Calw anzustreben. Selbstverständlich muss diese Behandlung auch in Nagold vorgehalten werden. Die Entwicklung von „Stroke Units“ in allen Krankenhäusern unserer Größenordnung lässt sich nicht mehr aufhalten und passt auch gut in das von Gesundheitsminister Spahn initiierte Konzept der „Integrierten Notfallversorgung“.

Dass die Zentralsterilisation an die Orthopädische Abteilung in Calw mit dem höchsten Aufkommen an Sterilgut angebunden wird, erscheint logisch und ist umweltschonend, da unnötige Fahrten vermieden werden. Ebenso sollte die Physiotherapie in ihrem jetzigen Umfang eng an die Orthopädie angebunden werden.

Ganz wesentlich für das Gelingen des angestrebten Konzeptes ist die Einplanung eines Personalwohnheims und einer an den Schichtbetrieb angepassten Kindertagesstätte auf dem Campus. Nur durch solche sozialen Angebote lässt sich dem deutschlandweit galoppierenden Schwund von Pflegepersonal und Ärzten entgegensteuern.

Noch ist der erste Backstein für das neue Calwer Krankenhaus nicht gemauert. Es ist also noch genügend Zeit für Nachbesserungen. Die Bürgerinitiative Krankenhäuser wird deshalb Kontakt zur Kreisverwaltung und dem Planungsbüro aufnehmen.

Von Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn

In abgeänderter Version veröffentlicht im Schwarzwälder Bote,
Teil Calw und Umgebung vom 20.12.2019

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