Geschrieben am 27.12.2019

Brief vom 23.12.2019 an Herr Buckenmaier, Schwarzwälder Bote

Sehr geehrter Herr Buckenmaier,

Ihr Kommentar zum Neubau des Krankenhauses Calw am 18.12. diesen Jahres im Schwarzwälder Boten ist mehr als verwunderlich.

Ihre Schelte auf den Öffentlichen Dienst ist völlig unangebracht, da die Realität im Krankenhaus damit gar nichts mehr zu tun hat.

Dass ein Chefarzt einer Krankenhaus-Abteilung, wie Prof. Handel, im Kreistag sitzt, haben Sie nicht abfällig zu kommentieren, denn das ist nicht Ihre Aufgabe. Die Rechtmäßigkeit seiner Wahl zum Kreisrat wurde lang und breit diskutiert. Da hätten Sie einfach besser zuhören müssen.

Es ist auch nicht seine „eigene“ Klinik, noch zieht er aus seiner Kritik irgendwelche privaten Vorteile. Insofern muss die Diskussion einer Befangenheit nicht wieder aufgewärmt werden.

Er sorgt sich einzig und allein um die ausreichende und gleichzeitig möglichst wirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung des Landkreises Calw. Da ist zum Beispiel das Thema einer zentralen Instrumentenaufbereitung am besten angesiedelt, wo auch das meiste Sterilgut-Aufkommen anfällt. Das ist eben in Calw und nicht in Nagold. Da ist eine möglichst organische, sinnhafte und wegezeitsparende Anordnung in den einzelnen Abteilungen wichtig, da dem alten Krankenhaus ja „Unorganik“, lange Wege und damit Ressourcen fressende Umstände vorgeworfen werden. Da ist die Anzahl der zur Verfügung stehenden stationären Betten auf dem Campus ein Thema, weil im 30-Minuten-Autofahrzeit-Bereich um Calw 30 % mehr Menschen leben, als um Nagold und völlig anachronistisch in Nagold doppelt so viel Betten vorgehalten werden sollen, als in Calw. In Calw werden nahezu zu 100 % Menschen aus dem eigenen Kreis betreut, im Gegensatz zu Nagold, wo es etwa 60 % sind. Außerdem wächst Calw, als größte Kommune im Kreis, bevölkerungsmäßig am schnellsten. Es ist nicht Aufgabe des Kreises Calw, Patienten aus anderen Kreisen bewusst und gewollt zu versorgen, zumal es ein Zuschuss-Geschäft ist und über die Kreisumlage am Ende von den Bürgerinnen und Bürgern im Kreis bezahlt werden muss. Da ist das Problem der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Akutversorgung rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche. Nagold ist einfach zu weit weg und verkehrstechnisch zeitfressend zu erreichen, so dass Rettungszeiten deutlich überschritten werden und Menschen um Calw einer unzumutbaren Gefährdung ausgesetzt sind. Statt eines neuen Geistes der Gemeinsamkeit für die Zukunft, der Betonung eines Krankenhauses an zwei Standorten mit gemeinsamen Schwerpunkten, spüre ich eine rückwärtsgewandte, in die Vergangenheit gerichtete und hochgehaltene Politik mit allen Schwerpunkten in Nagold einschließlich aller elektiven Eingriffe und eines möglichst defizitären Krankenhauses in Calw.

Wenn es also darum geht, muss niemand „vom Sitzungstisch abrücken“, es „profiliert“ sich damit auch niemand und es handelt sich auch nicht um ein „Problem“ einer „exponierten Haltung zum eigenen Haus“ oder um „Geplänkel“. Vielmehr handelt es sich um den reinen und gesunden Menschenverstand, den man aber oft in der Politik vermisst. Es geht auch um die Sorge einer nachhaltigen, guten Betreuung der Bevölkerung im Ländlichen Raum des Kreises insgesamt, die wenigstens der Versorgung in Ballungsgebieten näher kommt. Diesen Zielen sind alle Kreisräte verpflichtet, da sie ihr Mandat von den Kreisbewohnern erhalten haben.

Bitter stoßen mir dabei aber gewisse Vorgänge auf:

Wie konnte es angehen, dass Herr Kreisrat Walz beklagen musste, dass seine Leserbriefe im SchwaBo nicht gebracht wurden und er von Ihnen privat in diesem Zusammenhang einmal eine zornige Reaktion erhielt?

Wie konnte es sein, dass im Kreistag bereits über einen geplanten Leserbrief von Kreisrat Zoufaly geredet wurde, bevor er im Schwarzwälder Bote erschien? Woher kam die Information, dass er einen Kommentar für die Zeitung plante?

Wie konnte es sein, dass im Schwarzwälder Bote eine Abstimmung im kalten Dezember mit Kreisräten in Sommerhemden fingiert wurde, als es um die provokative Äußerung eines Kreisrats und meine Leserbriefreaktion ging: „Wenn die Calwer ihr Krankenhaus sterben sehen wollen, dann müssen sie genau so weitermachen“?

Als negativen Höhepunkt empfinde ich das zweifelhafte Statement eines Fraktionsvorsitzenden in der 1. Kreistagssitzung des neu gewählten Kreistags für die Berichterstatter des Schwarzwälder Boten, indem er lobte, dass es nur wenigen Meinungsverschiedenheiten gegeben hätte.

Dieses „Lob“ ist mehr als zweifelhaft und hat meines Erachtens ein „Gschmäckle“. Sie hätten es zurückweisen müssen, denn es impliziert meiner Meinung nach eine gewisse Nähe von Presse und Politik. Unsere Demokratie lebt aber von einem kritischen, investigativen Journalismus. In einem Leserbrief wollte ich schon einmal den Begriff „Hofberichtserstattung“ verwenden. Dies war allerdings für den Schwarzwälder Boten für die Veröffentlichung nicht akzeptabel, wofür ich ein gewisses Verständnis aufbringe, denn wer beschmutzt sich schon gern das eigene Nest.

Alles in Allem sehe ich gerade bei Ihnen eine besorgniserregende Entwicklung und hoffe, dass Sie sozusagen wieder auf den Pfad der Tugend zurückfinden.

Mit freundlichen Grüßen

Von Dr. Eberhard Bantel, Calw-Altburg

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