Geschrieben am 22.04.2020

Freude über das gute Miteinander

Corona-Krise — Rund 20 Medizin-Studenten helfen den Ärzten im Calwer Krankenhaus

Aufgrund des grassierenden Coronavirus und der daraus resultierenden Mehrbelastung des Klinikpersonals sind seit Mitte März etwa 20 Studenten, davon sieben Stipendiaten, im Calwer Krankenhaus im Einsatz.

Kreis Calw. Ob in der Notaufnahme, auf den Normalstationen oder in der jüngst eingerichteten Fieberambulanz, in der Corona-Verdachtsfälle getestet werden: Derzeit helfen etwa 20 Studenten im Calwer Krankenhaus dort, wo sie gebraucht werden. Sie sind in verschiedenen Bereichen und Stationen des Krankenhauses tätig. Morgens beginnt der Arbeitstag mit der täglichen Frühbesprechung. Anschließend helfen sie bei der Blutabnahme. Bei Bedarf werden auch intravenöse Zugänge für Infusionen und Medikamente gelegt. Daraufhin folgt die Visite der Patienten mit den Stations- und Oberärzten.

Darüber hinaus besteht für die Studenten oft auch die Möglichkeit, bei Untersuchungen und Eingriffen den erfahrenen Ärzten über die Schulter zu schauen. Auch bei der Anfertigung von Arztbriefen werden die Ärzte von den rund 20 Medizin-Studenten unterstützt, denen wiederum das junge Ärzteteam rund um Chefarzt Martin Oberhoff mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die gut 20 Studenten sind als Springer über den Klinikverbund Südwest angestellt und werden für Ihren Hilfseinsatz entlohnt. In ihrem Medizinstudium sind sie unterschiedlich weit vorangeschritten. Manche befinden sich noch im zweiten Studiensemester, andere befinden sich bereits im zehnten Semester. Zwar studieren viele an baden-württembergischen Universitäten, so etwa in Tübingen, Freiburg oder Ulm. Unter den 20 Helfern sind aber auch Studenten aus dem Ausland vertreten, so zum Beispiel aus dem ungarischen Budapest oder aus dem kroatischen Split. Auswärtige Helfer sind im Schwesternwohnheim des Krankenhauses untergebracht. Der Großteil der Helfer kommt aber ursprünglich aus dem Landkreis Calw.

Den aktuellen, mehrwöchigen Einsatz können sich die Studenten an ihren Universitäten später noch als Praktikum, von denen im Studium einige verpflichtend vorgeschrieben sind, anrechnen lassen.

Der Studenten-Dienstplan sieht für die Helfer fünf Arbeitstage pro Woche vor, wobei sie jeden Tag etwa acht Stunden lang eingesetzt werden. Darüber hinaus unterstützen die Studenten die Ärzteschaft auch in Spätschichten sowie an Wochenenden und Feiertagen. Bei akutem Bedarf helfen sie auch mal in der Pflege aus.

»Das volle Programm eben«, meint der 24-jährige Jakob Böttinger aus Neuhengstett. Und das findet er, der im siebten Semester an der Universität Ulm studiert, auch gut so, weil er dadurch nämlich einen »guten Einblick in den realen Klinikalltag und die spätere Arbeitsbelastung« erhält.

»Der persönliche Kontakt mit den Patienten gefällt mir sehr. Und gleichzeitig beeindruckt mich die Vielfalt der unterschiedlichen medizinischen Bereiche«, berichtet Jakob Böttinger weiter. »Genau! Die Medizin wird nie langweilig, und bietet so viele Möglichkeiten. Jeder hat in unterschiedlichen Aufgaben seine Stärken, aber als Team ergänzen wir uns super«, ergänzt der 22-jährige Stipendiat Dominik Orth aus Althengstett, der im sechsten Semester an der Universität Tübingen studiert.

Die beiden ehemaligen Absolventen des Stammheimer Maria-von-Linden-Gymnasiums Jakob Böttinger und Dominik Orth sind zwei der etwa 20 Helfer im Calwer Krankenhaus und kamen bei ihren Einsätzen schon jetzt zu der Erkenntnis, dass eine offene und gute Kommunikation »sowohl mit den Patienten als auch unter Kollegen« ausschlaggebend für einen gelungenen Klinikalltag sei. Besonders freuen sich die beiden über »die wertschätzende Aufnahme in das Ärzteteam«, die sie nicht nur motiviere, sondern ihnen auch positive Ausblicke für das spätere Arbeitsleben gebe. »Gerade auch der Einblick in administrative und organisatorische Zusammenhänge ist sonst eher selten«, meint Jakob Böttinger. Gleichzeitig bekommen die Helfer laut Böttinger aber auch die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen in der Praxis anzuwenden. »Mit großem Vertrauen der betreuenden Ärzte« dürfen die Medizinstudenten auch viele Aufgaben eigenständig durchführen, wie die beiden Stipendiaten deutlich machen. Die angehenden Ärzte haben vor, die Mediziner im Krankenhaus so lange zu unterstützen, bis die Universitäten wieder den Betrieb aufnehmen und sie an ihre Studienorte zurückkehren.

Von Selim Gezener
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.04.2020

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