Geschrieben am 24.04.2020

Positionspapier der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw zur Optimierung des Krankenhausneubaus im Gesundheitscampus Calw

Diese Forderungen stehen vor dem Hintergrund, dass der Landrat in der Bürgerinformationsveranstaltung in Calw-Stammheim Folgendes zugesagt hat:

  • Calw erhält ein neues Akut-Krankenhaus mit 24 Stunden Notfallversorgung an sieben Tagen mit der
  • Versorgung von Herzinfarkten und Schlaganfällen in Calw,
  • dem Verbleib der Orthopädie in Calw einschl.
  • einer Unfallchirurgie zur Behandlung von Knochenbrüchen, Schenkelhalsfrakturen und Alterstraumatologie und
  • einer Geburtshilfe/ Gynäkologie.

1. Beachtung der ökologischen Grundsätze
Der Klimawandel und die zu erwartende Erhöhung der Temperaturen bringen Veränderungen mit sich. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass beschlossen wurde, die Patientenzimmer zu klimatisieren.

Angestrebt werden sollten weitere Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Richtung von „Green Hospital“. Hierzu wird auf das Deutsche Ärzteblatt 4/2020 Seite 166 ff verwiesen.

2. Versorgungsauftrag für den Landkreis Calw
Dieser ist aufgrund der Topografie schwierig zu erfüllen. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zeigen, wie wichtig es ist, dass Krankenhäuser sowohl an den Standorten Calw und Nagold sind. Beim Ausbrechen einer Pandemie tritt der Versorgungsauftrag verstärkt in den Vordergrund, weil die Bettenkapazitäten erschöpft sind.

Dieser Versorgungsauftrag bezieht sich auch auf die Teile des Enztals, die zum Landkreis gehören. Deswegen gilt es — schon aus politischen Gründen — die medizinische Versorgung des Kreises durch seine Krankenhäuser zu optimieren. Es ist nämlich bereits Realität, dass Kliniken aus Pforzheim versuchen, im nördlichen Landkreis und im oberen Enztal in „guten Zeiten“ Patienten zu generieren. So wurde bereits erfolgreich die pulmologische Praxis in Calw als MVZ übernommen, obwohl selbiges auch durch den Klinikverbund denkbar gewesen wäre.

Hinzu kommt, dass das Sana-Krankenhaus in Bad Wildbad wohl instabil ist. Im Falle einer Schließung würde dies zu einer Veränderung der Patientenströme führen. Sodann wären weitere 50 Betten zusätzlich erforderlich, damit Patienten des oberen Enztals nicht auf Kliniken in Pforzheim und dem Enzkreis ausweichen müssen. Zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung des oberen Enztals wird ein interdisziplinäres MVZ mit einer Portalklinik der Kreiskliniken Calw-Nagold unter der Führung der Kliniken Calw gefordert. Dies auch vor dem Hintergrund, dass das chirurgische MVZ vor Jahren mit erheblichen Verlusten gescheitert ist, weil die notwendige Unterstützung durch den Klinikverbund nicht gegeben war.

Eine Veränderung der Trägerschaft erscheint auch bei der Paracelsus Klinik in Bad Liebenzell-Unterlengenhardt nicht ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass der Träger eines der beiden Pforzheimer Krankenhäuser in Schömberg ein Alterspflegeheim bauen möchte.

3. Sicherstellung der Versorgung von Herzinfarkten
Es ist eine Kardiologie mit einem Linksherzkatheter vorgesehen. Es ist notwendig und entspricht der Zusage des Landrats bei der Bürgerinformationsveranstaltung in Calw-Stammheim, dass die an 24 Stunden und 7 Tagen gewährleistet sein muss. Zur Erhaltung der vollen Funktionsfähigkeit darf das Behandlungsspektrum im elektiven Bereich zu Gunsten von Nagold nicht eingeschränkt werden. Schließlich gilt auch für Calw der Grundsatz, dass der Notfall eine Routine voraussetzt. Ansonsten könnte eine solche Einschränkung zu einem Qualitätsverlust führen. Zudem wäre die Wirtschaftlichkeit zu Gunsten von Nagold in Frage gestellt.

4. Sicherstellung der Behandlung von Schlaganfällen
Derzeit hat das Calwer Krankenhaus eine Neurologie mit Stroke-Unit. Diese wird nach Nagold verlegt.

Die Behandlung von Schlaganfällen in Calw muss entsprechend der Zusage des Landrats sichergestellt werden. Die beste Lösung wäre eine Stroke-Unit in Calw und Nagold. Dies auch vor dem Hintergrund, dass wie beim Herzinfarkt jede Minute zählt. Deswegen muss die Notfallversorgung an 24 Stunden und 7 Tagen gewährleistet sein.

Ein Hinweis: Früher war es auch nicht vorstellbar, dass neben Calw ein Linksherzkatheter und eine Kardiologie in Nagold betrieben wird. Im Interesse der Versorgung des ländlichen Raums zur Verkürzung der Behandlungsfristen hat sich dies als sinnvoll erwiesen. Gleiches muss für Calw bei den Schlaganfällen gelten. Möglich wäre z. B. ein Chefarzt in Nagold mit der Betreuung von Patienten in Calw durch Ärzte im Calwer Krankenhaus. Damit werden in Calw weiterhin Betten für die Behandlung von Schlaganfällen benötigt.

5. Orthopädie/Chirurgie
Die Orthopädie verbleibt in Calw, was letztlich auch ein Erfolg der Tätigkeit der BI ist. Jedoch soll in Nagold zu Lasten von Calw eine Unfallchirurgie aufgebaut werden.

Unfallchirurgie und Orthopädiechirurgie bilden eine Einheit. Deswegen wird eine Schwerpunktbildung in Nagold abgelehnt, denn sowohl Calw als auch Nagold sind im Hinblick auf die erkennbare Entwicklung der Krankenhauslandschaft nur überlebensfähig, wenn es ein Krankenhaus an zwei Standorten ist. Es ist zudem derzeitige Beschlusslage, welche auch einer Zusage des Landrats entspricht, dass in Calw eine Unfallchirurgie zur Behandlung von Knochenbrüchen, Schenkelhalsfrakturen und Alterstraumatologie verbleibt.

Möglich wäre eine Sektion Unfallchirurgie in Nagold unter der Leitung des CA für Unfall-/Orthopädiechirurgie Zur Flankierung muss die Sterilisation in Calw verbleiben und ein Therapiezentrum wäre weiterhin sinnvoll.

5.1 Therapiezentrum
Patienten werden heute unmittelbar nach der Operation mobilisiert. Viele Patienten wollen anschließend ambulant behandelt werden. Das derzeitige Angebot ist ein wesentliches Asset zur Steigerung der Akzeptanz der Calwer Orthopädiechirurgie, die einen hervorragenden — zwischenzeitlich überregionalen — Ruf hat. Daher ist die Erhaltung des Therapiezentrums — unabhängig von der Trägerschaft — anzustreben.

5.2 Neurochirurgische Operationen
Der Neurochirurg Dr. Hesse versorgt aktuell Patienten mit Bandscheibenvorfällen und knöchernen Engen an der Wirbelsäule. Diese Patienten liegen zumeist auf der Abteilung für Neurologie, gelegentlich auch auf der Orthopädie/Unfallchirurgie. Nach Umzug der Neurologie muss dafür gesorgt werden, dass Herr Hesse dann seine Patienten in vollem Umfang auch weiterhin in Calw dann auf der Orthopädie/Unfallchirurgie betreuen kann. Auch sollte erwogen werden, ihn durch ein MVC stärker ans Krankenhaus in Calw einzubinden unter Bewahrung der Patientenbetreuung in seiner bisherigen Praxis in Bad Wildbad.

6. Gynäkologie/Geburtshilfe
Von Nachteil ist, dass die Abteilung mit der Schmerztherapie geteilt werden soll. Gerade der Bereich der Geburtshilfe ist regionalpolitisch von erheblicher Bedeutung. Diese Teilung mit einer geplanten Bettenzahl von 20 Betten verhindert eine notwendige und auch sinnvolle Erhöhung der Geburtenzahlen.

Der Kreißsaal ist Bestandteil des Zentral-OP-Bereichs, was von Vorteil bei notwendigen Operationen sein kann. Ein solcher Sektio-OP-Bereich ist aber heute Standard bei allen Kreißsälen. Die geplante Entfernung zur Wochenstation wird als zu lang angesehen und führt zu einem höheren Personalbedarf.

Für die Gynäkologie sollten in Anbetracht der vorstehenden Ausführungen weiter Betten geschaffen und die Sicherstellung der Viszeralchirurgie gewährleistet sein.

7. Intensivmedizin/Anästhesie
Die Funktionsfähigkeit des Krankenhauses erfordert eine Intensivstation mit mindestens 8 Intensivbetten im Hinblick auf eine jederzeit wieder mögliche Pandemie und 8 IMC-Betten. Im Hinblick auf die große Anzahl der orthopädischen Operationen, die neurochirurgischen Operationen und Operationen im Bereich der Geburtshilfe und Gynäkologie ist eine Besetzung durch einen Chefarzt zwingend notwendig.

8. Erhöhung der Bettenzahl
Das Krankenhaus mit 184 Betten ist zwischen 90 und 105 % mehr als voll ausgelastet. Der Landkreis Calw hat derzeit einen Bevölkerungszuwachs von 6 % im Jahr. Besonders stark ist der Bevölkerungszuwachs in den Gemeinden östlich von Calw; aber auch in den östlichen Stadtteilen. Berücksichtigt man die möglichen Veränderungen in Bad Wildbad, so ist diese Bettenzahl nicht ausreichend.

Die Globalisierung erhöht das Risiko einer Pandemie signifikant, wie die aktuelle Situation der COVID-19-Pandemie zeigt. Bricht eine Pandemie aus, so wird eine weitaus höhere Bettenzahl in Krankenhäusern benötigt. Eine Erfahrung dieser Pandemie ist, dass die Bildung von Vorräten für Krisen sträflich vernachlässigt wurde, obwohl es valide Studien zu den Auswirkungen einer Pandemie gab. Deswegen sind räumliche Reserven zu schaffen.

Unter Berücksichtigung der vorstehenden Argumente ist die derzeit geplante Bettenzahl von Anfang an zu gering, obwohl die Neurologie nach Nagold verlagert wird. Es wird gefordert, dass von Anfang an, noch mindestens eine weitere Station gebaut wird. Eine Erweiterung, die modular möglich wäre, verursacht erhebliche Mehrkosten. Dies ist die Verschwendung von Steuergeldern, wenn die notwendige Erweiterung absehbar ist.

9. Ambulante Operationen
Bedingt durch den medizinischen Fortschritt wird das ambulante Operieren immer wichtiger und ist ein wesentlicher Bestandteil der operativen Abteilungen eines Krankenhauses. Dies bedingt, dass im Neubau — so wie es bisherigen Gebäude der Fall ist — ein angemessener, abgetrennter Warte- und Aufenthaltsbereich für die Patienten sowie Angehörigen (z. B. Eltern kleiner Kinder) mit Toilette, Umkleide, Dusche und abschließbarem Schrankbereich sowie Stellplatz für ein Bett und Stühle, vor und nach einer ambulanten Operation zur Verfügung stehen müssen. Hierfür ist derzeit Raum für 6 Patienten täglich vorhanden. In Zukunft werden wegen zunehmender Forderung der Durchführung von Operationen unter ambulanten Bedingungen eher 8 Plätze erforderlich sein.

10. Kindertagesstätte
Die Gesetzesänderung zwingt die Krankenhäuser dazu, den Bestand an Pflegepersonal aufzustocken. Die Gewinnung und Bindung von Pflegepersonal, das überwiegend weiblich ist, erfordert in der heutigen Zeit besondere Maßnahmen. Hierzu gehört eine Kindertagesstätte, welche die Besonderheiten eines Schichtbetriebs abdeckt. Mit einer Kindertagesstätte ist es u. U. auch möglich Personal, das sich bisher der Kindererziehung widmet, zu reaktivieren.

Dies sollte eine Betriebskindertagesstätte sein. Ein Bedarf besteht auch beim Kommando Spezialkräfte.

Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw unterstützt zusammen mit dem Verein „Familienfreundliches Calw“ alle Maßnahmen zur Gründung einer Kindertagesstätte.

11. Personalwohnheim
Ein solches ist notwendig. Die Bemühungen dahin gehend werden von der BI unterstützt.

Calw, den 23.4.2020

Für den Verein Pro Krankenhäuser Calw und Nagold
Bürgerinitiative Krankenhaus Calw

Dr. Eberhard Bantel             Prof. Bernd Neufang            Dr. Ewald Prokein

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