Geschrieben am 20.07.2020

Bürger in Planung einbinden

BETRIFFT: »Noetzel verlässt Klinikverbund« vom 21. Juni

Da gibt sich die Pressestelle des Landratsamtes aber recht zugeknöpft. In zwei dürren Mitteilungen erfährt die Öffentlichkeit, dass der medizinische Geschäftsführer Jörg Noetzel den Klinikverbund Südwest verlässt. Begründet wird dieser Schritt mit verschiedenen Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Klinikverbunds. Was das bedeutet, wird nicht näher erläutert. Geht die Öffentlichkeit die strategische Ausrichtung des Klinikverbunds überhaupt etwas an? Ich denke, ja. Insbesondere in einer so spannenden wie sensiblen Phase mit einem geplanten Krankenhausneubau mit Campus in Calw, einer begonnenen Sanierung des Nagolder Krankenhauses und einer in Planung befindlichen Großklinik auf dem Flugfeld in Böblingen. Die Krankenhäuser sind für die Bürgerinnen und Bürger da. Deshalb ist es meines Erachtens unerlässlich, die Öffentlichkeit über die zukünftige Strategieplanung zu informieren und sie in die Überlegungen mit einzubeziehen. Vielleicht würde auch eine diesbezügliche Anfrage der hiesigen Presse beim Landratsamt Klarheit bringen. Am wichtigsten erscheint mir, dass die jetzt frei werdende Position von Jörg Noetzel als medizinischem Geschäftsführer erneut mit einem Bewerber/einer Bewerberin aus dem medizinischen Fachbereich besetzt wird als Ergänzung der Doppelspitze mit dem weiterhin amtierenden kaufmännischen Geschäftsführer. Gerade bei den anstehenden großen Vorhaben in Calw und in Nagold brauchen die Ärzte und Pflegekräfte, aber auch alle anderen Dienste vor Ort, einen medizinisch geschulten Ansprechpartner in der Führungsspitze des Klinikverbunds, der ihre Verbesserungsvorschläge zur Planung versteht, ihre Sorgen über drohende Fehlplanungen ernst nimmt und beides gegenüber der Verwaltungsspitze des Kreises vertritt. Darüber hinaus hat die Corona- Epidemie allgemein zu einem Umdenken geführt und die ärztlich-medizinische Kompetenz wieder in den Mittelpunkt unseres Gesundheitswesens gerückt. Viele Akteure des Gesundheitswesens haben inzwischen verstanden, dass Krankenhäuser nicht nur nach kaufmännischen Gesichtspunkten gemanagt werden dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen der Kreisverwaltungen Calw und Böblingen und die zugehörigen Gremien dieser Erkenntnis nicht verschließen.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn

Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 18.07.2020

Hinterlassen Sie einen Kommentar

senden