Geschrieben am 17.08.2020

Ein Modell für das ganze Land

Neubau — Minister Lucha besucht Gesundheitscampus Calw / Zusammenarbeit aller Partner im Fokus

Noch ist nicht viel zu sehen. Um sich den neuen Gesundheitscampus Calw vorstellen zu können, braucht es momentan noch etwas Vorstellungskraft. Die hatte der Landesminister für Soziales und Integration Manfred Lucha (Grüne), neben viel Lob für Landrat Helmut Riegger (CDU), zu seiner Stippvisite mitgebracht.

Calw-Stammheim/Kreis Calw. »Innovativ«, »neu« und »zukunftsfähig« – so beschrieb Landrat Helmut Riegger den geplanten Gesundheitscampus und das gesundheitspolitische Konzept des Landkreises beim Besuch von Minister Lucha. Dieser hatte auf seiner Sommertour einen Halt in Calw eingelegt, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Beim eigentlichen Ort des Geschehens, den 6,9 Hektar Fläche im Stammheimer Feld III, gab es allerdings noch nicht viel zu sehen. Nur eine neu erschlossene Straße und ein paar Aufsteller ließen erahnen, was hier in rund zwei Jahren entstehen soll.

Das Konzept sei jedoch zu 95 Prozent fertig, versicherte Riegger. Er bedankte sich bei Lucha, der viel Engagement für das rund 100 Millionen Euro schwere Projekt gezeigt habe. »Das ist dein Baby«, meinte er in Luchas Richtung. Auch die gute Zusammenarbeit während der Corona-Pandemie lobte der Landrat.

Lucha sah den Gesundheitscampus als exemplarisches Beispiel für eine zukunftsfähige Gesundheitspolitik im ländlichen Raum. Der Minister lobte ebenfalls die pandemiebezogene Arbeit des Landkreises. Diese Krise habe nochmals den Stellenwert einer guten und flächendeckenden Gesundheitsversorgung vor Augen geführt.

Nach der Besichtigung vor Ort folgte ein Austausch im Landratsamt. Der Gesundheitscampus sei ein »Schmelztiegel vieler Ideen«, so Riegger. Mit einem sektorenübergreifenden Ansatz wolle man alle Parteien mitnehmen. Besonders freue er sich, dass die Ärzte das Konzept mittrügen. Engpässe wie im alten Krankenhaus gebe es am neuen Standort nicht mehr.

Lucha sah unter allen Beteiligten des Gesundheitscampus »Überzeugungstäter«. Die brauche es auch, um ein solches Projekt stemmen zu können. Ihm war besonderes wichtig, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gut gestaltet werde, die Digitalisierung konsequent umgesetzt werde und dass Krankenschwestern mehr Kompetenzen bekommen würden. Dem Krankenhauspersonal dankte er besonders für ihren Einsatz in Pandemiezeiten.

Anschließend präsentierte der kaufmännische Geschäftsführer des Eigenbetriebes Immobilien Krankenhäuser Calw und Nagold, Albrecht Reusch, das detaillierte Konzept des Gesundheitscampus. Die patientenzentrierte und intersektorale Zusammenarbeit sei der Kerngedanke. Ambulante und stationäre Versorgung, Gesundheitsförderung, Pflege, Rehabilitation, Arzneimittelversorgung und soziale Angebote sollen über gemeinsame Versorgungspfade und Digitalisierung vernetzt werden.

Im Haus der Gesundheit solle beispielsweise ein hausärztliches Primärversorgungszentrum, ein Kardiologe, Kinderarzt, Physiotherapie, eine Diabetes- und Wundambulanz, ein AOK-Gesundheitszentrum sowie ein Pflegestützpunkt des Kreises angesiedelt werden. Die Erfahrungen mit Corona hätten zudem zu Umplanungen geführt. Der Westflügel des geplanten Krankenhauses bekomme nun ein viertes Stockwerk und damit einhergehend eine Infektionsstation. Die Bettenzahl des Krankenhauses erhöhe sich damit von 154 auf 164. Ebenso seien nun mehr Betten mit Schleuse und Einzelbettzimmer vorgesehen.

Reusch hatte auch Neuigkeiten zur Generalsanierung des Nagolder Krankenhauses. Vom ersten Bauabschnitt seien 80 Prozent der Bauleistungen vergeben. Man liege hier derzeit sogar 800 000 Euro unterhalb des Budgets.

Lucha zeigte sich begeistert vom Konzept. Er verkündete zudem die Zuteilung einer Planungsrate des Landes für das Projekt in Höhe von vier Millionen Euro. Mit weiteren Fördergeldern für den Gesundheitscampus seitens des Landes sei zu rechnen. Volker Renz, technischer Geschäftsführer des Eigenbetriebes Immobilien Krankenhäuser Calw und Nagold, stellte einen Baubeginn im nächsten Frühjahr in Aussicht.

Martin Felger stellte dem Minister die neu gegründete MVZ-Genossenschaft Calw vor. Die Genossenschaft wolle in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg Multiprofessionalität fördern. Zudem unterstütze man durch administrative Arbeiten ältere Hausärzte. Dadurch gingen diese später in den Ruhestand und die Praxen blieben länger erhalten. Schließe eine Praxis doch, kümmere sich die Genossenschaft um deren Modernisierung, um so junge Ärzte für den Weiterbetrieb zu gewinnen. So ließe sich dem Hausarztmangel im Kreis entgegensteuern.

Carolin Gutsch vom Landratsamt informierte über die neue Gesundheits- und Pflegekonferenz des Kreises. In ihr seien alle Partner des Bereiches zusammengefasst und man arbeite engagiert an der Umsetzung sowie Innovation der Konzepte. »All das steht unter dem Motto ›Gesunder Landkreis‹«, so Riegger. Die Zusammenarbeit aller Partner sei eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Auch wenn es Startschwierigkeiten gegeben habe, habe man nun ein zukunftsfähiges Modell.

»Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei«, befand Lucha. Er zeigte sich vom kooperativen und integrativen Ansatz des Landkreises überzeugt. Das Calwer Modell sei ein »Zielbild« für das ganze Land. »Ich glaube so geht’s«, fasste der Minister seine Eindrücke zusammen.

Von Felix Biermayer
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 15.08.2020

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