Geschrieben am 20.08.2020

Erste Stipendiaten kehren zurück

Gesundheit — Programm soll potenzielle Hausärzte in Landkreis halten / Auch Ortsfremde gewinnen

Mit seinem Stipendiatenprogramm versucht der Landkreis Calw einem etwaigen Hausarztmangel in der Region entgegen zu wirken. Beim Besuch von Landesminister Manne Lucha wurden im Landratsamt erste Ergebnisse der Initiative vorgestellt.

Kreis Calw. »Wir haben lange für dieses Konzept gekämpft«, berichtete Martin Oberhoff, Chefarzt im Calwer Krankenhaus und Betreuer der Stipendiaten, Minister Lucha. Oberhoff hat selbst in seiner Zeit in Unterfranken das dortige Hausarztsterben miterlebt. Aus dieser Erfahrung heraus wisse er, dass es Jahre brauche, um diesem Trend entgegen zu wirken.

So sei die Idee mit dem Stipendiatenprogramm aufgekommen. Dabei bekommen die Medizinstudenten 400 Euro. Für das Stipendium kommen aber nur Studierende in Frage, die sich dazu verpflichten, entweder ihre Facharztweiterbildung im Kreis zu absolvieren oder hier mindestens vier Jahre als Allgemeinmediziner tätig zu sein. Vorrangig zielt das Stipendium auf Studierende aus dem Landkreis ab.

»Bei Leuten aus dem Landkreis steigt die Chance, dass sie nach dem Studium hier bleiben«, meinte Oberhoff. Und man brauche diese Leute. Denn überall würden Ärztehäuser gebaut, aber die Ärzte fehlten. Das Programm sei seiner Meinung nach »mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein«. Als Beweis dafür war Benjamin Eppel vor Ort. Er gehörte zum ersten Jahrgang der Stipendiaten aus dem Jahr 2015 und nun zu den ersten Absolventen. Der 31-jährige Eppel durchläuft aktuell die Facharztausbildung im Calwer Krankenhaus. Insgesamt gebe es zwölf Stipendiaten, erklärte Carolin Gutsch, die auf der Seite des Landratsamtes für das Programm zuständig ist. Jedes Jahr würden drei Stipendien ausgeschrieben. Der Bewerbungsprozess für dieses Jahr laufe aktuell noch.

Minister Lucha betonte, dass mittlerweile mehr Allgemeinmediziner nachkämen. Es stiegen jedoch ebenfalls die Patientenzahlen, was diesen Effekt wieder schmälere. Die Zahlen zeigten aber, dass man junge Leute für den Hausarztberuf begeistern könne. Benjamin Eppel sei dafür ein Beispiel. Die Landarztquote werde die Versorgung im ländlichen Raum gewährleisten, so der Minister. Es daure aber noch, bis diese wirke. Die Umsetzung dieser Quoten-Pläne lässt aktuell aber auf sich warten.

»Wir wollen perspektivisch in Calw ein akademisches Lehrkrankenhaus sein«, verkündete Landrat Helmut Riegger. Damit steigere man die Attraktivität des Standorts noch weiter und könne vielleicht auch Absolventen ohne lokalen Bezug anziehen. Man befinde sich mit der Universität Tübingen diesbezüglich in Gesprächen. Aber die verwaltungstechnischen Mühlen mahlten dort langsam. In Nagold sei man hingegen schon akademisches Lehrkrankenhaus.

»Ich bin hier regional verbunden«, erklärte Eppel nach dem Event im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Er stamme aus Bad Liebenzell und wohne momentan im Schömberg. Studiert habe er in München und in Tübingen.

Das Stipendium sei eine tolle Sache, weil es Studenten helfe, die von zu Hause aus nicht viel Geld mitbekommen. Außerdem sei die Weiterbildung freigestellt. Man müsse nicht zwangsläufig Allgemeinmediziner werden. Als Student könne man zum Zeitpunkt, zu dem man sich auf das Stipendium bewirbt, auch noch gar nicht wissen, welche Fachrichtung man später mal einschlagen wolle.

Eppel will auf jeden Fall im engen Umkreis um Schömberg bleiben und tätig werden. Vielleicht tue er sich mit seinem Bruder zusammen, welcher als Allgemeinmediziner eine Praxis in Bad Liebenzell betreibt.

Er sehe den Kreis Calw generell als attraktiven Standort. Erstens sei die Region schön und man sei trotzdem schnell in den Zentren Karlsruhe und Stuttgart. Und zweitens sei mit Professor Oberhof jemand für die Ausbildung zuständig, der sich sehr für die angehenden Fachärzte einsetze. Dies spreche sich mittlerweile auch bei den Universitätsabgängern herum, meinte Benjamin Eppel. So könne man auch ortsfremde Leute für den Standort gewinnen.

Von Felix Biermayer
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.08.2020

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