Geschrieben am 26.10.2020

Startschuss für Leuchtturmprojekt

Bau des Gesundheitscampus auf dem Stammheimer Feld hat begonnen

Spatenstich beim Calwer Gesundheitscampus: Mit einem kleinen Festakt am Rande des Stammheimer Feldes gaben die Vertreter der am Projekt beteiligten Partner einen optimistischen Ausblick auf die Zukunft der medizinischen Versorgung im Nordschwarzwald.

Calw. Landrat Helmut Riegger (CDU) betonte, man schaffe mit allen beteiligten Partnern hier nicht weniger als die Gesundheitsversorgung von morgen. Der Campus eröffne durch seinen sektorenübergreifenden Ansatz ganz neue Möglichkeiten der Patientenversorgung. Die neuen Kliniken Calw mit ihrer Grund- und Regelversorgung sowie dem Schwerpunkt Orthopädie würden den Bürgern eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau anbieten können, so Riegger. Man investiere nachhaltig in die Zukunft und sei damit Vorreiter für eine zukunftsweisende medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Zudem zeige die Coronakrise, dass die Gesundheitsversorgung mehr und mehr zum Standortfaktor werde. Man habe sich lange über die Strategie Gedanken gemacht, mit Gutachtern und Ärzten geredet und sich bewusst gegen die Empfehlung der Bertelsmannstudie entschieden, die keine Zukunft für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum sehe. Man schaffe mit dem Gesundheitscampus einen absoluten Leuchtturm mit Vorbildcharakter für ganz Baden-Württemberg, so Riegger, und freue sich jetzt auf die innere Erschließung und den Baubeginn. Der Landrat hofft, dass das Projekt Ende 2023 abgeschlossen werden könne.

Auch kritische Stimmen

Dieter Kömpf, der in Vertretung von Oberbürgermeister Florian Kling (SPD) für die Stadt Calw sprach, verwies auf den Entscheidungsprozess, der hinter allen Beteiligten läge, da es neben Befürwortern auch kritische Stimmen gab. Hier alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, sei eine Mammutaufgabe gewesen. Schon vor mehr als 20 Jahren habe er sich mit dem Thema beschäftigt und sei heute froh über das Ergebnis. Zudem sei neben dem aktuellen Plan noch Platz, weitere Ansiedlung aus dem Gesundheitsbereich zu gewährleisten.

Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, erklärte, dass gerade die Verzahnung der ambulanten und stationären Behandlung dieses Projekt ganz besonders auszeichne. Durch das Zusammenspiel von Hausärzten, Fachärzten, der ambulanten und stationären Behandlung führe zu einer einzigartigen Konstellation, die es so noch nicht gibt. Ergänzt durch fortschrittlichste und modernste Ausstattung und einem umfassenden digitalen Ansatz würde man auch die Voraussetzungen für die Akquise von bestem Fachpersonal schaffen. Ein 44-prozentiger Anteil an Einzelzimmern und die Möglichkeit, die Erfahrungen aus der aktuellen Pandemie bei Architekten und Fachplanern einfließen lassen zu dürfen, sorge auch in Zukunft dafür, dass die neuen Kliniken Calw für zukünftigen Pandemien optimal gewappnet sein werden.

Pandemiestation kommt

»Jetzt geht es endlich los. Wir haben so viele Jahre darauf gewartet«, erklärte Martin Oberhoff, Chefarzt und Leiter der Inneren Medizin der Kliniken Calw. Ihn freue es, dass in letzter Minute noch Pandemieanpassungen vorgenommen werden konnten. So werde neben einer Fieberambulanz auch eine Pandemiestation eingeplant. Im ganzen Land gelte der Gesundheitscampus als Leuchtturmprojekt. Die Politik sei orientierungslos, was die gute medizinische Versorgung im ländlichen Raum angehe. Der Gesundheitscampus sei ein Versuch, hier eine bestmögliche Lösung zu schaffen, so der Chefarzt. Für die Mitarbeiter sei es hoch interessant, da der Allgemeinmediziner sowohl im psychosomatischen Bereich als auch bei den Nephrologen Erfahrung sammeln kann. Für die Patienten läge der Vorteil auf der Hand: Mit nur einer Anlaufstelle können diese auf ein breites Spektrum an Spezialistenwissen aus den unterschiedlichsten Bereichen zurückgreifen. Wichtig sei für ihn, dass jetzt auf dem Gelände bereits die einsatzbereiten Bagger stehen, da seine Mitarbeiter schon nicht mehr daran geglaubt hätten, dass das Projekt realisiert wird.

Hartmut Keller, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit bei der Planung. Als die Institution, die zukünftig für die Finanzierung des laufenden Betriebs zuständig sein wird, stehe man vollständig hinter dem innovativen Projekt. Wichtig sei ihm, dass man in Bezug auf das Krankenhaus nicht von einem Haus in Nagold und einem Haus in Calw spreche, sondern dass beide zusammen ein einheitliches Krankenhaus für die AOK darstellen, das die Versorgung im Kreis Calw sicherstelle. Durch die interdisziplinäre Ausbildung auf dem Gesundheitscampus sei die Chance auch groß, dass sich die angehenden Ärzte nach Abschluss der Ausbildung auch in der Region ansiedeln. Darüber hinaus sei ihm die Digitalisierung ein Schwerpunktthema. Es sei kaum zu glauben, dass heute noch Entlasspapiere ausgedruckt werden oder Untersuchungsergebnisse per Fax verschickt werden. Hier werden auf dem Gesundheitscampus technische Voraussetzungen geschaffen, um die Digitalisierung in allen Bereichen wesentlich voranzutreiben.

Von Michael Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 24.10.2020

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