Geschrieben am 27.07.2021

Knapp zehn Millionen Euro mehr für die Calwer Klinik

Neubau — Pandemie-bedingte Zusatzkosten vom Kreistag genehmigt / Gesamtbudget steigt auf 76,2 Millionen

Bad Herrenalb/Kreis Calw. Wer »A« sagt, muss auch »B« sagen – entsprechend glatt und mit viel Zustimmung und Lob für die Arbeit der Kreisverwaltung hat der Calwer Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung knapp zehn Millionen Euro zusätzliches Budget für den Neubau des Kreiskrankenhauses (KKH) Calw genehmigt.

Die exakt 9,861 Millionen Euro sollen für eine gegenüber den ursprünglichen Planungen erweiterte Fieberambulanz, eine Aufstockung des vierten Stocks des künftigen Neubaus, die Einrichtung zusätzlicher »Infektionszimmer« sowie »betriebsorganisatorischen Veränderungen im Neubau Kreiskrankenhaus Calw«, wie es in der Sitzungsunterlage heißt, verwendet werden.

Man müsse die Planung genau jetzt anpassen, so Landrat Helmut Riegger bei den Erläuterungen zu den Mehrausgaben, »bevor es mit dem Bau losgeht«. In die angepassten Planungen seien die Erkenntnisse »von eineinhalb Jahren Pandemie« eingeflossen, die die zusätzlichen »umfangreichen Maßnahmen« notwendig machten.

Größter Brocken der nun beschlossenen Mehrausgaben ist die Aufstockung des Westflügels des künftigen neuen Krankenhaus-Gebäudes um einen vierten Stock – was man bisher nur als eine künftige Option in den Planungen berücksichtigt hatte. Diese »Option« soll nun also direkt mit dem Neubau gleich mit umgesetzt werden, um später die komplette Station in diesem dann vierten Obergeschoss im Pandemie-Fall gegebenenfalls als eigene Infektionsstation komplett vom übrigen Haus getrennt betreiben zu können. »Einschleusung, Ausschleusung und ein Infektionsaufzug« seien dann »zur Stationstrennung möglich«, wie es in den Erläuterungen heißt. Im Regelbetrieb – also wenn nicht gerade wieder eine Pandemie-Lage herrscht – würde »die Einheit« (die Räume im vierten Stock) zur Schmerztherapie und als selbstständige geriatrische Pflegestation betrieben. Dadurch könnten Räume im ersten Obergeschoss frei werden, die dann als Nebenräume für das geplante »Ambulante Operieren« umgeplant würden. Die Bruttogeschossfläche im nun ergänzend geplanten vierten Obergeschoss würde rund 1610 Quadratmeter betragen. Die berechneten Kosten allein für dieses »Pandemiegeschoss« betragen nach aktuellen Schätzungen rund 6,175 Millionen Euro.

Eine weitere, nun mögliche zusätzliche Baumaßnahme betrifft die Erweiterung der Fieberambulanz. Dafür würde die auch bisher schon geplante zentrale Notaufnahme um feste Kapazitäten für die abgetrennte Aufnahme von hochansteckenden Fieber-Patienten erweitert. Aktuell in der Corona-Pandemie wurde das provisorisch in Zelten vor den Krankenhäusern gelöst, was nicht optimal sei.

Die im Neubau Calw notwendige Baufläche für die zusätzliche Fieberambulanz würde man aus der bisher großzügig geplanten »Rettungsdienst-Anfahrt« generieren. Durch eine Umplanung dieses Bereiches könnten insgesamt 180 Quadratmeter zusätzlicher Flächen geschaffen werden. »Im Regelfall«, also dem Normalbetrieb, würden diese Räume als Untersuchungs-/Behandlungsbereich genutzt. Im Pandemiefall könnte dieser dann einfach zur Trennung von infizierten Patienten vom Krankenhausbetrieb umstrukturiert werden. Die für die Fieberambulanz entstehenden zusätzlichen Kosten werden aktuell mit rund 840 000 Euro berechnet.

Weitere, Pandemie-bedingte Neuplanungen betreffen die Schaffung von zusätzlichen Infektionszimmern, von »Nachsorgeräumen« für das Ambulante Operieren, einem geänderten Hygienekonzept in der Gastroenterologie/Endoskopie, der Onkologie und allgemeine betriebsorganisatorische Veränderungen. So habe die bisherige Planung für das KKH Calw nach Vorgabe des Sozialministeriums »15 Prozent Infektionszimmer mit Schleuse« vorgesehen. Als »wichtigste Erkenntnis aus der Pandemie« habe aber die »Notwendigkeit zur Separierung von infizierten Patienten zum Schutz von Pflegepersonal und nicht infizierten Patienten« zu einer deutlichen Erhöhung der Zahl der »Infektionszimmer mit Schleuse« geführt, so dass nun »über alle Geschosse circa 30 Prozent dieser Räume« zur Verfügung stehen sollen. Außerdem würden die durch die Neuplanungen freiwerdenden Räume der Schmerztherapie im ersten Obergeschoss zur Nutzung als Nachsorgeräume für das geplante Ambulante Operieren umgeplant – was bisher so nicht vorgesehen gewesen sei.

In »weiteren Funktionsbereichen« würden zudem »räumliche Trennungen vorgesehen und das vorhandene Hygienekonzept mit Blick auf die Pandemie ergänzt«. Im Bereich der Gastroenterologie und Koloskopie sei außerdem eine räumliche Trennung zur Aufbereitung der Medizintechnik nach dem Eingriff ebenfalls nachträglich eingeplant worden.

Auch Gastronomieküche, Werkstattbereich und Wirtschaftshof wurden entsprechend neuer Vorgaben des Klinikverbunds Südwest angepasst. Die Kosten für diesen Teil der Planergänzungen wird aktuell mit 1,99 Millionen Euro berechnet.

Einzige kritische Kommentare aus den Reihen der Kreisräte gab es bei den mit den Pandemie-bedingten Mehrkosten gemeinsam ausgewiesenen zusätzlichen Kosten für die bereits vorher fest geplanten Verbindungsgänge vom Krankenhaus zu den Nachbargebäuden und der Dachbegrünung. Der dafür erforderliche Betrag in Höhe von rund 857 000 Euro sei bisher im Baubudget für den Gesundheitscampus enthalten gewesen, so die Erläuterungen der Verwaltung. Diese Kosten gehörten aber richtigerweise zu den Gesamtkosten des Krankenhauses.

»Das stört uns«, so Peter Schuon (FDP). Wobei Schuon angesichts der weiter steigenden Schuldenaufnahme des Landkreises für seine neuen Kliniken ebenfalls mahnte, »an die Generationsgerechtigkeit« zu denken.

Hier wies Volker Renz vom Amt für Gebäudemanagement und Liegenschaften darauf hin, dass die kreditbasierten Finanzierungen für die Krankenhaus-Neubauten auf insgesamt 30 Jahre abgeschrieben würden – was aus Verwaltungssicht bedeute, dass »die Generation, die baut, auch bezahlt«. Karl-Heinz Schaible (CDU) hatte zuvor noch wissen wollen, ob in den aktualisierten Planungen – und vor allem Kostenschätzungen – auch die aktuellen, massiven Preissteigerungen im Baubereich bereits eingerechnet seien. Renz bestätigte hier, dass man den Index 20/21 tatsächlich mit in die neuen Kostensteigerungen mit eingerechnet habe, was bedeute: »Wenn alles gut geht, klappt’s auch«, im Kostenrahmen zu bleiben.

Durch den nun beschlossenen Ausbau des vierten Obergeschosses auf dem Westflügel und die Fieberambulanz erhöht sich die Bruttogeschossfläche des künftigen KKH Calw auf nun exakt 23 976 Quadratmeter. Die Gesamtkosten steigen dabei mit den zusätzlichen Maßnahmen auf rund 76,2 Millionen Euro. Womit sich ein Kostenschlüssel von 3176,11 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche ergebe – mit dem man sich mit dem Landkreis als Bauherr »überhaupt nicht verstecken« brauche, so Landrat Riegger. Dies sei ein »immer noch hervorragender Wert«.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.07.2021

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