Geschrieben am 28.07.2022

Das neue Krankenhaus wächst und gedeiht

Gesundheitsversorgung — Diese Woche Richtfest, im Sommer 2024 soll alles bereit sein / Rund sechs Millionen Euro Mehrkosten

Vor annähernd zwei Jahren war Spatenstich, seit knapp einem Jahr wird in die Höhe gebaut, in dieser Woche steht das Richtfest an: Das neue Calwer Krankenhaus im Stammheimer Feld wächst und gedeiht, könnte man sagen. Wir geben einen Überblick über den aktuellen Stand.

Calw. Wer regelmäßig im Stammheimer Feld oder auf der B 296 zwischen Calw und Stammheim unterwegs ist, kommt in jüngster Zeit nicht umhin, beinahe täglich die Baufortschritte beim neuen Calwer Krankenhaus zu bemerken. Doch wann ist es fertig? Und was ist mit dem restlichen Gesundheitscampus? Wir haben nachgefragt.

Lange wurde geplant, inzwischen reckt sich das neue Calwer Krankenhaus stolz in den Himmel. Viel ist bereits geschehen seit dem Spatenstich im September 2020. Vor rund einem Jahr, im September 2021, begann der Hochbau, noch in dieser Woche wird das Richtfest gefeiert. »Die Rohbauarbeiten sind so gut wie abgeschlossen«, berichtet Janina Dinkelaker, Pressesprecherin des Calwer Landratsamts auf Anfrage unserer Redaktion. Als nächstes werde die »Hülle« dicht gemacht – also Dach, Fenster und Wärmedämmverbundsystem.

Ist der Bau fertig – voraussichtlich im Jahr 2024 – wird die Klinik 166 Betten für die akutstationäre Versorgung umfassen. Neben Orthopädie mit Unfallchirurgie wird es unter anderem auch eine Abteilung für Innere Medizin, eine Intensivstation, eine Notaufnahme mit 24-Stunden-OP-Bereitschaft, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie einen Hubschrauberlandeplatz geben.

Rund um das Herzstück, das Krankenhaus, entsteht der Gesundheitscampus. Geplant sind eine Klinik für Psychiatrie (Klinik für Psychosomatik mit 30 Betten, einer Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie (zwölf Plätze) und Psychiatrischer Institutsambulanz), ein Haus der Gesundheit (mit hausärztlichem Primärversorgungszentrum, Facharztpraxen (unter anderem Kinderärzte, kardiologische Praxis), AOK Gesundheitszentrum, Physiotherapie, Pflegestützpunkt, Schulungsbereich), eine Kurzzeitpflege mit 30 Plätzen des Deutschen Roten Kreuzes, ein Nephrologisches Zentrum mit 25 Dialyseplätzen und ein Parkhaus.

Wie Dinkelaker mitteilt, wurde mit den Rohbauarbeiten (Untergeschoss) für die Klinik für Psychiatrie bereits im Juni dieses Jahres begonnen.

Für das Haus der Gesundheit werde der Bauantrag voraussichtlich Anfang August eingereicht. Die Genehmigungszeit betrage ungefähr vier Monate, »entsprechend wäre Anfang 2023 der mögliche Baustart«, so die Sprecherin. Fertigstellung sei im Sommer 2024 geplant. »Das Haus der Gesundheit soll zeitgleich mit dem Krankenhaus in Betrieb gehen«, erklärt Dinkelaker.

Noch nicht ganz so konkret sieht es in Sachen Kurzzeitpflege und Nephrologisches Zentrum aus. Die beiden Einrichtungen seien aber »weiterhin geplant und wir befinden uns hierzu in Gesprächen«, gibt die Pressesprecherin bekannt.

Für das Parkhaus mit mehr als 350 Stellplätzen wiederum wird ein Baubeginn Ende des Jahres angestrebt. »Die Fertigstellung soll zeitgleich mit dem Krankenhaus im ersten Quartal 2024 erfolgen«, berichtet Dinkelaker.

So ganz im Zeitplan liegt das Projekt damit indes nicht – für einen Bau dieser Größe und angesichts der gegenwärtigen Situation im Baugewerbe allerdings keine Überraschung.

Hieß es beim Spatenstich im Oktober 2020 noch, dass das Krankenhaus Ende 2023 fertig sein soll, gehen die Verantwortlichen aktuell davon aus, die Arbeiten im ersten Quartal 2024 abzuschließen. Der Umzug von der alten in die neue Klinik ist für das zweite Quartal 2024 vorgesehen. Läuft alles wie gewünscht, sollen alle Gebäude auf dem Gesundheitscampus zeitgleich mit dem Krankenhaus den Betrieb aufnehmen.

Wie in vielen anderen Fällen dieser Tage, sei die Verzögerung auch hier Lieferengpässen »aufgrund der Corona-Krise und des Ukraine-Kriegs« sowie dem allgemeinen Materialmangel geschuldet, erklärt die Pressesprecherin.

Wie der ursprüngliche Zeitplan wird auch der angepeilte Kostenrahmen nicht gehalten werden können.

Erst im Sommer 2021 hatte der Kreistag das Budget für die Klinik um rund zehn Millionen Euro auf 76,2 Millionen Euro aufgestockt; allerdings nicht, weil die Kosten gestiegen waren, sondern um künftig besser für Pandemien gewappnet zu sein. Nun rechnet das Landratsamt allerdings mit ungefähr 82 Millionen Euro durch die Preisindexsteigerung.

Einschließlich privater Investitionen fließen rund 160 Millionen Euro in den Gesundheitscampus Calw. »Für das Krankenhaus sind 82 Millionen eingeplant, für die Außenanlagen 8,7 Millionen und für das Parkhaus 10,8 Millionen«, führt Dinkelaker aus. Hinzu kommen die Investitionen der Partner in Höhe von etwa 59 Millionen Euro.

Wie viel der tatsächlichen Kosten am Ende der Kreis tragen wird, steht indes noch nicht fest. Das Land Baden-Württemberg könnte bis zu 55 Prozent der Investitionssumme für den Krankenhausbau übernehmen. Eine genaue Summe, so die Sprecherin, stehe aktuell jedoch noch nicht fest. Das entsprechende Fördergespräch solle aber noch in diesem Jahr stattfinden.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 27.07.2022

Hinterlassen Sie einen Kommentar

senden