Leserbriefe

Geschrieben am 15.05.2018

Schlecht vorbereitet

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Von verschiedenen Seiten wurden wir Bürger aufgefordert, zu der in Sachen Krankenhaus so wichtigen Kreistagssitzung am 23. April ins Landratsamt Calw zu kommen. Bereits 30 Minuten vor Beginn waren alle Besucherplätze besetzt und der Zustrom der Bürger riss nicht ab. So wurden zwar in aller Eile Sitzmöglichkeiten auf dem Flur vor dem großen Saal aufgestellt, diese reichten jedoch bei Weitem nicht aus. Zudem wurde bei Beginn der Sitzung deutlich, dass von den Besuchern auf dem Flur die Reden nur bruchstückhaft und mit äußerster Anstrengung gehört werden konnten, zumal die Geräusche aus dem darunterliegenden Wartebereich der Kfz-Zulassung durch das nach oben offene Treppenhaus störten. Auch auf zweimaligen Zuruf gab es von den Organisatoren keine Bemühung, zum Beispiel durch eine Lautsprecherübertragung das Verfolgen der Reden zu ermöglichen. Kein Wunder, dass schon lange vor der entscheidenden Abstimmung die meisten Menschen frustriert gegangen waren. Sieht so Bürgerfreundlichkeit aus?

Von Christiane Schaefer, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 08.05.2018

Geschrieben am 15.05.2018

Zuhörer vergessen?

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Zuerst das Positive: Der Kreistag hat die richtige Entscheidung getroffen: Mit Vernunft und Verantwortung für den Kreis. Damit wurde den Appellen und Erwartungen der Bürgerinitiative und der allermeisten Bürger entsprochen. Warum nicht gleich so? Mit Verwunderung vernehme ich die Äußerungen des Landrats: Es gehe nicht um persönliche Interessen Einzelner, sondern um eine Versorgung für Bürger des gesamten Kreises. Das haben wir alle (aus Calw und Umgebung) doch schon immer gewollt, nicht nur kleinliches Denken für die Stadt Calw, wie unterstellt.
Es ist erfreulich, dass nun endlich Herr Riegger zu dieser Einsicht gelangt ist. Er war es doch, der schon vor mehr als zwei Jahren die erste unbefriedigende Lösung akzeptieren wollte, wobei Calw meines Erachtens nach zur unbedeutenden Durchgangsstation und Zulieferer für das »Südwest-Klinikum« in Böblingen degradiert werden sollte. Erst dadurch wurde ein vermeidbarer Unfrieden zwischen Calw und Nagold gesät: Wir Calwer sehen in Nagold keinen unliebsamen Konkurrenten, sondern wir glauben,
dass sich beide Kliniken gut ergänzen können. Das zeigt sich bereits jetzt in der Schwerpunkt-Aufteilung. Ich persönlich bin sogar überzeugt, dass Calw und Nagold nach dem geplanten Ausbau) zusammen so gut aufgestellt sind, dass das »lästige Anhängsel Klinik-Verbund Südwest« in Böblingen gar nicht mehr gebraucht wird und damit selbstständig bleiben können. So aber sind beide Kliniken zusammen praktisch hilflos und rechtlos der Willkür dieses Verbunds ausgeliefert. Frage: Wie lange kann und wird das gut gehen? Einen negativen Kritikpunkt zur Veranstaltung muss ich aber noch deutlich machen: Nämlich die schlechte Information der vielen besorgten Bürger. Deshalb haben viele enttäuschte Besucher (trotz teilweise langer Anfahrtswege) die Versammlung vorzeitig verlassen. Zwar hat der Landrat manchmal freundlich in die Runde gelächelt, aber die interessierten Zuhörer hat er vergessen. Dabei ist es doch so einfach, mittels Lautsprecher für akustisches Verständnis zu sorgen. Aber so weit ging seine Gastfreundschaft nicht – trotz seiner Einladung zur öffentlichen Kreistagssitzung. Auch das unterbrechende zeitweilige, melodische »Bim-Bam« aus der darunterliegenden Kfz-Stelle hätte man in dieser Zeit leiser oder ganz abstellen können. Schließlich gibt es auch optische Signale, die jeder normale Mensch mühelos und automatisch wahrnimmt. Aber vielleicht ist der »neue« Landrat hierbei auch noch etwas lernfähig?

Von Alfred Hiller, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 08.05.2018

Geschrieben am 11.05.2018

Zum Artikel von Sebastian Bernklau im Schwarzwälder Boten vom 3.5.2018 im Teil Nordschwarzwald

Dem Interview des Redakteurs Sebastian Bernklau mit vom Vorsitzenden des Kreisseniorenrats Hansjörg Hummel mit der Headline „Aus der Sicht der Älteren zu begrüßen“ muss widersprochen werden, weil Tatsachen völlig falsch wiedergegeben oder die Antworten verfälscht wurden. Die Diktion des Artikels, welcher auf der Homepage unter „Letzte Presseartikel“ hinterlegt ist, zeigt, dass Herr Bernklau wohl ein „Claqueur“ des Landrats ist. Völlig unverständlich und befremdlich war das Eingangsstatement des Landrats bei der Kreistagssitzung am 23.4.2018. Hierzu wird auch auf den Leserbrief von Dr. Ewald Prokein im Schwarzwälder Boten im Teil Calw und Umgebung vom 3.5.2018 verwiesen. Mit seinen emotionalen Ausführungen hat der Landrat die Bevölkerung der Region Calw desavouiert. Kreisrat Schwarz hat letztlich als Einziger den Landrat in seiner Rede darauf hingewiesen, dass sehr wohl öffentlich darüber zu diskutieren ist, wenn eine bestehende Klinik der Grund– und Regelversorgung entgegen den bisherigen Zusagen des Landrats faktisch in eine Tagesklinik umgewandelt werden soll. Hieran ändert auch der gebetsmühlenhaft verwendete Begriff „Gesundheitscampus“ nichts.

Der Calwer Bevölkerung, der Ärzteschaft und der Arbeit der Bürgerinitiative, die vom Landrat als beleidigend dargestellt wurde, ist es nun zu verdanken, dass der Kreistag auf Empfehlung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken Calw beschlossen hat, in Calw eine Klinik mit 24-Stunden-Versorgung zu erhalten. Dieser begrüßenswerte Grundsatzbeschluss verbunden mit dem Beschluss für einen Krankenhausneubauerhalten bedarf jedoch noch einiger Feinjustierungen, wie der ehemaligen Calwer Chefarzt Dr. Prokein zutreffend in seinem Leserbrief mit der Überschrift „Bedenkliche Lücken“ ausgeführt hat.

Nicht nachvollziehbar ist die Aussage von Herrn Hummel im vorstehend genannten Artikel von Herrn Bernklau „Es bleibt zu hoffen, dass damit die große Verunsicherung der Bevölkerung … ein Ende findet, vorausgesetzt, dass nicht wieder Querschüsse aus dem Calwer Raum dies verhindern“. Man muss bei solchen Worten unterstellen, dass dieses Zitat seine Geburt in einer Nagolder Kneipe zu später Stunde hatte. Schließlich hätte es kein Nagolder zu recht akzeptiert, wenn das dortige Krankenhaus in eine Tagesklinik umgewandelt worden wäre. Gleiches muss für Calw gelten, was der Kreisrat auch so gesehen hat.

Abschließend noch ein Hinweis: Im Nagolder Krankenhaus werden –anders als in Calw– zu einem hohen Prozentsatz Bürger aus Gemeinden außerhalb des Landkreises behandelt. Die Verluste werden aber vom Landkreis im Rahmen der Kreisumlage getragen. Kreisrat Prof. Dr. Prewo führte in der Sitzung zutreffend aus, dass der Kreis u.U. eine Chance mit dem Konzept verbaut, nämlich eine Zentralklinik zwischen Calw und Nagold. Eine Lösung, die auch von der Mehrheit der Ärzte und der BI getragen wurde. Dies war aber mit den „Nagoldern“ nicht zu machen. Somit stellt der Kreistagsbeschluss eine teure, aber salomonische Lösung zur Befriedung der Nagolder und Calwer Interessen dar.

Mit seiner vorstehend zitierten Aussage hat der Vorsitzende des Kreisseniorenrats des Landkreises Calw sein Gremium diskreditiert, weswegen er über einen Rücktritt nachdenken sollte.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim

Geschrieben am 04.05.2018

Bedenkliche Lücken

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Das jahrelange zähe Ringen der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw sowie des Vereins pro Krankenhäuser Calw und Nagold um die Gesundheitsversorgung und die Krankenhauskonzeption im Kreis Calw und die Anzeigen-Appelle eines großen Teils der Ärztinnen und Ärzte des Kreises haben einen wesentlichen Beitrag zu den Ergebnissen des Kreistagsbeschlusses vom 23. April geleistet.

Dieser Tatsache hätte Landrat Riegger ruhig Rechnung tragen können. Stattdessen hat er in bekannter Weise anders denkende Bürgerinnen und Bürger gerügt, die BI des Vertrauensbruchs bezichtigt und sich selbst als Opfer persönlicher Angriffe dargestellt. Eigentlich schade. Man hätte sich sein Eingangs-Statement auch anders vorstellen können.

Was bedeutet nun der Kreistagsbeschluss für die Gesundheitsversorgung des Kreises? In jedem Fall heben sich seine Ergebnisse deutlich positiv von der Konzeption 3plus des GÖK-Gutachtens ab. Besonders der Verbleib der Orthopädie in Calw und die Notfallversorgung bei den wichtigsten akuten Erkrankungen rund um die Uhr sind zu begrüßen.

Auf der anderen Seite weist der Beschluss noch einige bedenkliche Lücken auf: So muss die untrennbare Verbindung zwischen Orthopädie und Unfallchirurgie in Form eines Schwerpunktes für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw festgeschrieben werden. Die Organisation der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten in Calw muss sauber dargelegt werden. Und das Krankenhaus Calw muss verantwortlich in die Abläufe der notfallmäßigen Magen– und Darmspiegelungen eingebunden werden. Außerdem hält die BI die Aufnahme der in Calw gut verankerten ambulanten Onkologie in die Liste der medizinischen Angebote für notwendig.

Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes, Dr. Noetzel, hat diese noch weichen Punkte angemerkt und angekündigt, ihre Lösung mit Hilfe der Fachleute vor Ort in Angriff zu nehmen. Dazu bietet die BI ihre Mithilfe an. Sie bittet darum, dass dieser Prozess mit allen interessierten Gruppen besprochen und in der Öffentlichkeit transparent behandelt wird. Auf diese Weise erscheint das Wunschziel eines gut funktionierenden Krankenhauses in Calw und einer gesicherten und guten Gesundheitsversorgung im Kreis erreichbar.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 03.05.2018

Geschrieben am 23.04.2018

Existenzielle Fragen bleiben offen

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Erfreulich ist in dem Zeitungsbericht vom 14. April die Zusage des Aufsichtrats der Kreiskliniken, dass für das Calwer Krankenhaus die »Vollversorgung rund um die Uhr« gewährleistet bleiben soll, womit das Haus weiterhin die gesetzlichen Vorschriften der Grund– und Regelversorgung zu erfüllen verspricht.

Aber die Ankündigung des Aufsichtsrats, die Chirurgische Orthopädie und eine »Basis-Unfallchirurgie« im Krankenhaus Calw zu belassen, erinnert mich an die listige Geschichte mit dem Trojanischen Pferd – ein Geschenk mit trügerischem Inhalt. Quasi als Preis dafür soll nämlich die neurologische Abteilung von Calw nach Nagold verpflanzt werden. Wie aber soll dann in Calw ohne neurologischen Sachverstand die heutzutage unabdingbare schnellstmögliche Schlaganfall-Behandlung rund um die Uhr weiterhin gewährleistet sein, wenn die neurologischen Fachkräfte nach Nagold abgezogen werden?

Zum anderen ist in dem Zeitungsbericht vom 14. April mit keinem Wort erwähnt, dass im Calwer Krankenhaus dank eines neurochirurgischen Belegarztes seit Jahren eine erfolgreiche Bandscheibenchirurgie betrieben wird. Diese setzt eine intensive prä– und postoperative neurologisch-neurochirurgische Zusammenarbeit voraus. Diese funktioniert im Calwer Krankenhaus, wie man immer wieder hört, vorzüglich. Soll das zerbrochen werden? Sollen Patienten mit operationswürdigem Bandscheibenvorfall dann wieder mit Wartezeiten in die entfernten (und wesentlich teureren) Kliniken in Tübingen und Stuttgart verlegt werden müssen?

Es bleiben also, meine ich, weitere existenzielle Fragen um die Zukunft des Calwer Krankenhauses offen. Dem Kreisrat wünsche ich bei seiner Sitzung am 23. April weise Entscheidungen. Und die Bevölkerung ist aufgerufen, ihn dabei durch Anwesenheit zu unterstützen.

Von Dr. Hermann Wulzinger, Bad Teinach-Zavelstein
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 21.04.2018

Geschrieben am 17.04.2018

Schafft’s die Kuh vom Eis?

Betrifft: Klinik-Debatte

Als sich am Freitagabend, 13.4.18, die immer noch vom Geist des Hippokratischen Eids bewegten Ruheständler der Calwer Ärzte trafen, pendelte die Stimmung zwischen Resignation und Rebellion. Zu einem fast hörbaren Aufatmen führte der Bericht des SchwaBo vom folgenden Morgen: der Aufsichtsrat der Kreiskliniken habe sich zu einer Beibehaltung der 24-Stunden-Versorgung bei akuten internistischen Erkrankungen durch Infarkte und akuten Bauchproblemen sowie von Schlaganfällen, Unfällen und zur Beibehaltung von Geburtshilfe und Gynäkologie in Calw durchgerungen. Doch bleiben trotz dieser verheißungsvollen Wende Fragen und Enttäuschungen zurück.

Enttäuschung über die beschädigte Verlässlichkeit einer ganzen Reihe von Zusicherungen seitens der Gremien im Verlauf der Debatte. Unsere Gesellschaft braucht nicht nur die verlässliche Schule und verlässliche Öffnungszeiten von Dienststellen der öffentlichen Hand. Sie braucht auch dringend eine verlässliche zeitgerecht erreichbare stationäre Krankienversorgung. Vor allem braucht sie verlässliche Aussagen ihrer Entscheidungsträger. Nur dadurch findet Vertrauen eine Basis.

Enttäuschung bleibt zurück über das komplette Abtauchen der politischen Parteien. Keine hat sich der Problematik gestellt, keine sich positioniert. Und enttäuschend ist seit Jahren das dazu passende Mantra der hohen Politik, durch notorische Unterfinanzierung ohne Rücksicht auf Verluste die Bettenzahlen zur reduzieren.
Enttäuschend ist das Verhalten der „Gesundheitskassen“. Hohe Rücklagen sind offenbar wichtiger als der Einsatz für unverzichtbare Strukturen zur Bewältigung von krankheitsbedingten Schicksalsschlägen.

Es enttäuscht auch, dass die Jahrhundert-Chance des Kreises Calw zur Schaffung einer qualitativ und finanziell zukunftsfesten zentralen Einrichtung nicht wahrgenommen wird. Diese Chance wird sich in überschaubaren Zeiträumen kein zweites Mal bieten.

Nun hat die Kuh auf dem Eis immerhin mal in die richtige Richtung geäugt. So bleibt uns die Hoffnung, dass am 23.4.18 auch der Kreisrat herzhaft am Strick zieht, um das renitente Biest richtig zu dirigieren. Damit dieses nicht erneut auf Abwege gerät, ist dringend geboten, dass die Bürger des Raums Calw durch Präsenz bei der Sitzung 15 Uhr im Landratsamts sich den Vorgang nicht entgehen lassen.

Von Dr. Klaus Pichler, Zavelstein

Geschrieben am 16.04.2018

Medizinkonzept 2021 muss endgültig in Versenkung verschwinden

BETRIFFT: Krankenhaus-Debatte

Das vom Calwer Landratsamt vor 14 Tagen noch nachdrücklich vertretene »Medizinkonzept 2021« ist nach dem Beschluss des Aufsichtsrats der Kreiskliniken offenbar vom Tisch. Was dieses Medizinkonzept 2021 in der Praxis für die Bürger bedeutet hätte, hat Klaus Pichler in seinem eindrucksvollen Leserbrief vom 12. April deutlich gemacht.
Die in der Sondersitzung des Calwer Gemeinderats vom 7. April erhobene Forderung der Stadt, dass in Calw weiterhin rund um die Uhr Herzinfarkte und Schlaganfälle behandelt werden müssen, erscheint in der Nachbetrachtung mehr als berechtigt. Schlaganfälle und Herzinfarkte werden sich auch künftig nicht zu vorgegebenen Uhrzeiten ereignen. Aus statistischer Sicht finden sie besonders häufig während des Schlafs, an Wochenenden und im Zeitraum von 22 bis 24 Uhr statt, also außerhalb der im Medizinkonzept 2021 angedachten Aktivzeiten des neuen Calwer Krankenhauses.
Erfreulich ist die Äußerung von Landrat Helmut Riegger, dass es nur konsequent sei, ein Konzept an veränderte Gegebenheiten anzupassen, um zukunftsfähig zu bleiben. Offenbar ist damit auch sein immer wieder geäußerter Standpunkt vom Tisch, dass das vom Kreistag beschlossene Medizinkonzept 3plus Ein-zu-eins umgesetzt werde. Man darf daran erinnern, dass gerade diese starre Haltung viele Leserbriefe und vehemente Gegenmeinungen herausgefordert hat. Jetzt muss nur noch der Kreistag entscheiden, ob auch er den veränderten Gegebenheiten folgt. Es wird nach dem Aufsichtsratsbeschluss schwer werden, der Bevölkerung noch den Sinn eines neuen Calwer Krankenhauses zu vermitteln, dessen Inanspruchnahme zu Zeiten des höchsten Bedarfs gar nicht möglich wäre. Das Medizinkonzept 2021 muss deshalb endgültig in der Versenkung verschwinden.
Und um eines werden die Kreisräte auch nicht herumkommen: Sie schulden der Bevölkerung und den vielen Medizinern, die sich zu Wort gemeldet haben, am 23. April Transparenz und Rechenschaft darüber, dass das zu beschließende neue Medizinkonzept tragfähig ist, weil in diesem auch alle Einwände der vielen Ärzte berücksichtigt wurden, die sich zu Wort gemeldet haben. Nur dann wird wirklich Ruhe in der Diskussion einkehren.

Von Gottfried Müller, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Gäu vom 16.04.2018

Geschrieben am 09.04.2018

Berichterstattung des SchwaBo

Die tägliche Zeitungsbeilage „Calw“ des SchwaBo mit ihren Leserbriefen erscheint nur in Calw und Umgebung, aber nicht den anderen Teilen des Kreises Calw. „Alle“ Kreisräte sind es, die über die Zukunft der beiden Krankenhäuser in Calw und Nagold entscheiden und jeder von ihnen sollte darüber zumindest auch über die Zeitung „umfassend“ informiert sein. Allerdings nur bei „höchster Brisanz“ druckt der SchwaBo einen Leserbrief im Beilagenteil „Nordschwarzwald“ — also für alle im Kreis Calw — ab. M. E. leider ein permanentes Tor für Manipulationen des Landrats, Informationen unterschiedlich zu lancieren. Ein Beispiel:

Am 12. März haben der Stellvertreter des Landrats und der ärztliche Geschäftsführer des Klinikverbunds fünf Ärzten aus dem Raum Calw ein in Ansätzen positiv bewertetes Konzept
vorgetragen, was der Arzt Rolf Jonen am 23. März gegenüber dem SchwaBo als „positive Entwicklung“ begrüßt hat. Darauf Bezug nehmend schreibt der SchwaBo am 29. März in der Zeitungsbeilage „Nordschwarzwald“ u. a. ausführlich in Variationen über die angebliche Entspannung beim Calwer Protest. Dass der Landrat den Ärzten das Konzept umgehend unter den Füßen wieder weggezogen hat, steht da nicht.

Von „Entspannung“ keine Spur! Die meisten Kreisräte und Bürger im Kreis Calw kennen nicht die Gegendarstellungen in den Leserbriefen der Ärzte Eberhard Bantel und Rolf Jonen vom 4.4.2018. Die stehen nur in der Zeitungsbeilage „Calw“ (ohne „höchste Brisanz“).

Von Henning Külz, Calw

Geschrieben am 09.04.2018

Nichts ist alternativlos.

Will man das Krankenhausproblem innerhalb der Calwer Kreisgrenzen lösen, so bleiben die beiden bekannten Möglichkeiten einer Zentralklinik oder zwei Vollkliniken in Nagold und Calw. Allerdings hat der Kreis Calw den Geburtsfehler, dass überall und alles aus ihm auseinanderstrebt.

Strukturpolitisch wäre es sinnvoll, über die Kreisgrenzen Calws hinaus mit Sindelfingen/-Böblingen
sowie Freudenstadt gemeinsam an der Krankenhausplanung zu arbeiten. Die Kliniken in Sifi/Böbl. und Nagold sind zu weit entfernt von der Stadt Calw und Umfeld. Und die Campus-Konstruktion ist außerstande, die wohnortnahe Patientenversorgung Calws sicherzustellen, was über 100 Ärzte inhaltlich unbestritten öffentlich begründet haben.

Warum muss das noch nicht gebaute Großklinikum in Böblingen dort auf das Flugfeld gesetzt werden?

Es sollte näher zur Kreisgrenze von Calw rücken. Z. B. nach Schafhausen nördlich der Bahnschleife.
Gerade wird ein Tunnel zur Umgehung von Darmsheim fertig und man kommt barrierefrei in 20 Autominuten von Sifi/Böbl. nach Schafhausen — und ebenso barrierefrei über die B 295 in 30 Autominuten von Calw aus. Und die vergleichsweise am äußersten Zipfel des Kreises Calw liegende Klinik in Nagold versorgt für den Kreis Freudenstadt weiterhin die Stadt Horb.

Ein Großklinikum bei Schafhausen wäre ein Kristallisationsprojekt zur wirtschaftlichen Entwicklung Sindelfingen/Böblingens und dessen westlich gelegenen ländlichen Raumes. Es entspannt die Zukunfts– probleme der Ballungszentren. Sind die „Kirchturminteressen“ in Sifi/Böbl. zu groß, bleibt folgerichtig
nur ein voll funktionsfähiges Krankenhaus auch am Standort Calw.

Von Henning Külz, Calw

Geschrieben am 06.04.2018

Reaktion auf den Artikel: „Eggert und BI machen Front gegen Konzept“ Schwarzwälder Bote vom 6.4.18

Die Bevölkerung in und um Calw ist schon seit Jahren über das Landratsamt sehr „irritiert“. In beispielloser Raffinesse hätte allem Anschein nach am 19.3.18 im Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw gGmbH das Klinikkonzept-Szenario 2021 durchgepaukt und am selben Tag noch in geheimer Sitzung vom Kreistag abgesegnet werden sollen. Im Sozialministerium des Landes und in der Zentrale der Landes-AOK wartete man vermutlich schon genüsslich darauf, wie die Vasallen ihr Werk wohl verrichten würden. Aufrechte Kreisräte haben dies offensichtlich verhindert. Ihnen sei Dank. Denn jetzt sickert durch, was Herr Landrat Riegger unter „strukturpolitischen Gründen“ anscheinend versteht, nämlich politisch den weiteren Struktur-Abbau des Krankenhauses Calw hin zu einer Portalklinik mit Herzkatheter und Operationen maximal bis zum Dienstschluss um 16 Uhr und ab Freitag-Mittag Verlegung der restlichen Patientinnen und Patienten in umliegende Krankenhäuser und Einrichtungen, damit die Pforten bis Montag in der Frühe möglichst geschlossen gehalten werden können. Herrn Landrat braucht es um die eigene Person nicht bange zu sein, denn er ist ja tagsüber in Calw, zu ungünstigen Zeiten aber in Sindelfingen bestens versorgt. Die Bürgerinnen und Bürger in und um Calw bleiben da in ihrem Schicksal schlechter zurück. Zu all dem scheint er, der sich einst für eine Geburtshilfe in Calw stark gemacht hat, völlig ein zu knicken, denn die Frauenabteilung wird bis Jahresende „beobachtet“ und dann soll, je nach wirtschaftlichem Ergebnis, über ihr Weiterbestehen beraten werden. Dabei gibt es in ganz Deutschland keine auskömmlich finanzierte Geburtshilfe. Das Kreiskrankenhaus Herrenberg darf anscheinend trotz 1200 Geburten eine Million Euro Verlust machen, ohne dass es jemand aufregt. So sieht die Doppelmoral des Klinikverbundes Südwest aus. Bitte lasst euch dies alles nicht gefallen und geht mit auf die Straße!

Von Dr. med. Eberhard Bantel, Calw-Altburg