Leserbriefe

Geschrieben am 15.06.2018

Brillantere Vorschläge denn je

BETRIFFT: Leserbrief von Martin Dengler vom 29. Mai und die Antwort darauf von Ewald Prokein vom 6. Juni

Noch nie habe ich brillantere städtebauliche Vorschläge zur Gestaltung des Krankenhausareals gelesen wie die der Herren Dengler und Prokein. Man muss das Unmögliche denken, um das Mögliche zu schaffen, schrieb einst Hermann Hesse, und genauso ist es.
Man nehme die stadteigenen Grundstücke unterhalb des alten Standorts zum Bau des neuen Krankenhauses, nutze das alte Areal als Campus und weit mehr auf den attraktivem Standort mit der vorhandenen Infrastruktur. Man baue eine Seilbahn vom ZOB bis zu einem höchst sinnvollen Kopfbahnhof Heumaden mit behindertengerechten Kabinen und Zustiegen. Wundervoll durch die Luft schweben, statt schimpfend im Abgastau stehen, keine Parkplatzsorgen, raum-, zeit-, lärmund geldsparend für Land und
Leute. Industrie zur Industrie, Tunnel für Fledermäuse.
Fehlt noch eine Draisine für Ausflügler und Touristen, die aus dem Raum Stuttgart über Heumaden und die bestehende Fußgängerbrücke hinab auf den alten Gleisen in die Kernstadt Calw gelangen können. Zurück per E-Antrieb oder Seilbahn. Einen genialeren Coup, alle Parteien zu befrieden, eine Menge Geld zu sparen und die Stadt Calw aufzuwerten, kann ich mir nicht vorstellen. Unmöglich?

Von Ute Steinheber, Althengstett
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 13.06.2018

Geschrieben am 13.06.2018

Noch lange nicht in trockenen Tüchern

BETRIFFT: Leserbrief »Entwicklungsmöglichkeiten auf Areal nahe Krankenhaus« vom 29. Mai

Herr Dengler hat recht, wenn er schreibt, dass die Planung und Errichtung des neuen Calwer Krankenhauses noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Deshalb ist es legitim, auch noch einmal über den Standort nachzudenken. Ein Krankenhausneubau in einem Gewerbe– und Industriegebiet erzeugt auch in mir ein ungutes Gefühl. Deshalb hatte ich bereits vor einem knappen Jahr in einem Leserbrief auf das Areal unterhalb des jetzigen Krankenhauses, auf dem sich die ehemalige Schwesternschule und drei Schwesternhäuser befinden, als alternativen Standort hingewiesen.
Die Vorteile dieses Standortes: Erstens: Das neue Krankenhaus wäre stadtnah und von den Patienten wie bisher aus allen Richtungen gut zu erreichen. Zweitens: Der Kreis hätte bei der Grundstücksbeschaffung weniger Kosten, da ihm die meisten der dort befindlichen Grundstücke ohnehin gehören. Drittens: Das Grundstück im Gewerbegebiet würde für eine Firmenansiedlung frei, die Calw ja dringend benötigt.
Viertens: Das alte Krankenhaus könnte weiter genutzt werden und die Funktion des »Gesundheits-Campus« mit allen dort konzipierten Einrichtungen übernehmen. Für die niedergelassenen Ärzte sicher der attraktivere Standort. Fünftens: Die Röntgenabteilung, das Therapiezentrum der Physiotherapie und die Verwaltung könnten ihren Standort im Altbau behalten. Zusätzlich böten sich im Altbau die Einrichtung von Kurzzeitpflegebetten und einer Palliativstation an. Insgesamt könnte durch diese Variante viel Geld gespart werden, was angesichts der Verdoppelung der Bausumme, die vor kurzem im Kreistag präsentiert wurde, nicht ganz unwichtig scheint.
Dieser Krankenhausstandort hätte bereits die bisherigen verkehrstechnischen Vorteile der Nähe des Bahnhofs und des ZOB. Hier wären, wie Herr Dengler richtig bemerkt, zusätzliche Verbesserungen möglich, wenn man die Großprojekte Krankenhaus und S-Bahn miteinander verknüpft. Warum sollte man nicht über eine Seilbahn vom ZOB zu einem gedachten Kopfbahnhof der S-Bahn in Heumaden mit Zwischenstation Krankenhaus nachdenken? Damit wäre die gesamte Tunnel– und Fledermausproblematik vom Tisch und Calw könnte seine verkehrstechnische Infrastruktur deutlich aufwerten.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 06.06.2018

Geschrieben am 30.05.2018

Campus-Entwicklungsmöglichkeiten auf Areal nahe Krankenhaus

BETRIFFT: Artikel »Bebauung? Nicht ohne Krankenhaus« auf der Seite Calw vom 17. Mai sowie Karikatur auf der Seite Calw vom 18. Mai

Wenn auch der Berichter und Kommentator in der Donnerstagsausgabe vom 17. Mai, dazu der Karikaturist in der Freitagsausgabe vom 18. Mai unserer Lokalzeitung gerne spötteln zur Entscheidung des Calwer Bauund Umweltausschusses, so will zumindest ich meinen tiefsten Dank dieser Zurückhaltung gegenüber zum Ausdruck bringen. Denn erstens ist das Calwer Krankenhausprozedere noch lange nicht in trockenen Tüchern und zweitens wäre es meiner Ansicht nach ein »himmelschreiender

Schildbürgerstreich « dieses inzwischen zum Calwer Eleganz-Wahrzeichen gereifte Krankenhaus von einem prinzipiell (mehrfach selbst erlebt) gesundheitsförderlich wirkenden Standort in ein immer trister werdendes Gewerbegebiet zu verlagern. Dazu kommt, dass weder Stadtrat noch Kreistag noch Hessebahn-Kämpfer es offenbar realisiert haben, dass eben die Hesse-Bahn-Strecke nordöstlich so dicht am gegenwärtigen Krankenhaus-Standort vorbeiführt, dass es eigentlich logisch erscheinen müsste, dieses auch in direkter Weise an den öffentlichen (Schienen-)Nahverkehr anzubinden.

Schaut man sich diese Konstellation auf dem Calwer Stadtplan dann noch näher an, so ist zu erkennen, dass auch eine zwar nicht billige, aber weit zukunftsfähigere, direkte Anbindung an den ZOB möglich wäre. Damit könnte dann auch die lästige Tunnel-/Fledermausproblematik vergessen werden, als auch die sehr zeitraubende »fünf-Kilometer-Schleifenfahrt « (Hirsau-Schleife mit doppelter Tälesbachquerung) samt Sanierungskosten erspart sein. Eine weitere Erkenntnis scheint mir der Stadtplan-Einblick noch darzubieten: Die bebaubaren Areale nordöstlich (und eben auch das südwestliche Investorenareal) des gegenwärtigen Krankenhaus-Standortes bieten meiner Meinung nach weit bessere »Gesundheits-Campus-Entwicklungsmöglichkeiten« als das bauwütige Verschandeln ebener Acker– und Wiesenflächen im Stammheimer Feld (dazu ja bekannt ist, dass selbst Großkliniken es durchaus effektiv zu nützen wissen, wenn Hanglagen die Chance bieten, unterschiedliche Zugangsebenen zu bieten; zum Beispiel am Tübinger Schnarrenberg).

Ich hätte hier noch manch weiteres Argument zur Krankenhaus-Standorttreue vorzubringen und möchte dies bei nächster Gelegenheit nachliefern.

Von Martin Dengler, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 29.05.2018

Geschrieben am 28.05.2018

Querschüsse?

BETRIFFT: »Aus Sicht der Älteren zu begrüßen« vom 3. Mai

Dieser Artikel ist durchaus interessant. Allerdings bin ich sehr verwundert und irritiert über die meiner Meinung nach völlig falsche Aussage von Herrn Hummel bezüglich der »Querschüsse aus dem Raum Calw«. Nur diesen Querschüssen verdankt unser Landkreis die jetzt erreichte zufriedenstellende Lösung der Klinik-Debatte.
Übrigens handelt es sich dabei um sehr begründete Appelle und Verbesserungsvorschläge von Fachleuten, Ärzten und anderen sehr engagierten Bürgern. Auch entsprechende Leserbriefe haben dazu beigetragen.
Bekanntlich wollte der Landrat bereits vor mehr als zwei Jahren die erste unzureichende Lösung anbieten und durchsetzen. Erfreulicherweise hat der Kreistag verantwortungsbewusst für den ganzen Landkreis die richtige Entscheidung getroffen. Wenn Herr Hummel auf eventuell weitere Verbesserungen hofft, so wird dies ein Wunschtraum bleiben – ohne massive Unterstützung der Bevölkerung (und vermeintlicher Querschüsse) sowie konstruktive, machbare Vorschläge.

Von Alfred Hiller, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 24.05.2018

Geschrieben am 15.05.2018

Schlecht vorbereitet

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Von verschiedenen Seiten wurden wir Bürger aufgefordert, zu der in Sachen Krankenhaus so wichtigen Kreistagssitzung am 23. April ins Landratsamt Calw zu kommen. Bereits 30 Minuten vor Beginn waren alle Besucherplätze besetzt und der Zustrom der Bürger riss nicht ab. So wurden zwar in aller Eile Sitzmöglichkeiten auf dem Flur vor dem großen Saal aufgestellt, diese reichten jedoch bei Weitem nicht aus. Zudem wurde bei Beginn der Sitzung deutlich, dass von den Besuchern auf dem Flur die Reden nur bruchstückhaft und mit äußerster Anstrengung gehört werden konnten, zumal die Geräusche aus dem darunterliegenden Wartebereich der Kfz-Zulassung durch das nach oben offene Treppenhaus störten. Auch auf zweimaligen Zuruf gab es von den Organisatoren keine Bemühung, zum Beispiel durch eine Lautsprecherübertragung das Verfolgen der Reden zu ermöglichen. Kein Wunder, dass schon lange vor der entscheidenden Abstimmung die meisten Menschen frustriert gegangen waren. Sieht so Bürgerfreundlichkeit aus?

Von Christiane Schaefer, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 08.05.2018

Geschrieben am 15.05.2018

Zuhörer vergessen?

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Zuerst das Positive: Der Kreistag hat die richtige Entscheidung getroffen: Mit Vernunft und Verantwortung für den Kreis. Damit wurde den Appellen und Erwartungen der Bürgerinitiative und der allermeisten Bürger entsprochen. Warum nicht gleich so? Mit Verwunderung vernehme ich die Äußerungen des Landrats: Es gehe nicht um persönliche Interessen Einzelner, sondern um eine Versorgung für Bürger des gesamten Kreises. Das haben wir alle (aus Calw und Umgebung) doch schon immer gewollt, nicht nur kleinliches Denken für die Stadt Calw, wie unterstellt.
Es ist erfreulich, dass nun endlich Herr Riegger zu dieser Einsicht gelangt ist. Er war es doch, der schon vor mehr als zwei Jahren die erste unbefriedigende Lösung akzeptieren wollte, wobei Calw meines Erachtens nach zur unbedeutenden Durchgangsstation und Zulieferer für das »Südwest-Klinikum« in Böblingen degradiert werden sollte. Erst dadurch wurde ein vermeidbarer Unfrieden zwischen Calw und Nagold gesät: Wir Calwer sehen in Nagold keinen unliebsamen Konkurrenten, sondern wir glauben,
dass sich beide Kliniken gut ergänzen können. Das zeigt sich bereits jetzt in der Schwerpunkt-Aufteilung. Ich persönlich bin sogar überzeugt, dass Calw und Nagold nach dem geplanten Ausbau) zusammen so gut aufgestellt sind, dass das »lästige Anhängsel Klinik-Verbund Südwest« in Böblingen gar nicht mehr gebraucht wird und damit selbstständig bleiben können. So aber sind beide Kliniken zusammen praktisch hilflos und rechtlos der Willkür dieses Verbunds ausgeliefert. Frage: Wie lange kann und wird das gut gehen? Einen negativen Kritikpunkt zur Veranstaltung muss ich aber noch deutlich machen: Nämlich die schlechte Information der vielen besorgten Bürger. Deshalb haben viele enttäuschte Besucher (trotz teilweise langer Anfahrtswege) die Versammlung vorzeitig verlassen. Zwar hat der Landrat manchmal freundlich in die Runde gelächelt, aber die interessierten Zuhörer hat er vergessen. Dabei ist es doch so einfach, mittels Lautsprecher für akustisches Verständnis zu sorgen. Aber so weit ging seine Gastfreundschaft nicht – trotz seiner Einladung zur öffentlichen Kreistagssitzung. Auch das unterbrechende zeitweilige, melodische »Bim-Bam« aus der darunterliegenden Kfz-Stelle hätte man in dieser Zeit leiser oder ganz abstellen können. Schließlich gibt es auch optische Signale, die jeder normale Mensch mühelos und automatisch wahrnimmt. Aber vielleicht ist der »neue« Landrat hierbei auch noch etwas lernfähig?

Von Alfred Hiller, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 08.05.2018

Geschrieben am 11.05.2018

Zum Artikel von Sebastian Bernklau im Schwarzwälder Boten vom 3.5.2018 im Teil Nordschwarzwald

Dem Interview des Redakteurs Sebastian Bernklau mit vom Vorsitzenden des Kreisseniorenrats Hansjörg Hummel mit der Headline „Aus der Sicht der Älteren zu begrüßen“ muss widersprochen werden, weil Tatsachen völlig falsch wiedergegeben oder die Antworten verfälscht wurden. Die Diktion des Artikels, welcher auf der Homepage unter „Letzte Presseartikel“ hinterlegt ist, zeigt, dass Herr Bernklau wohl ein „Claqueur“ des Landrats ist. Völlig unverständlich und befremdlich war das Eingangsstatement des Landrats bei der Kreistagssitzung am 23.4.2018. Hierzu wird auch auf den Leserbrief von Dr. Ewald Prokein im Schwarzwälder Boten im Teil Calw und Umgebung vom 3.5.2018 verwiesen. Mit seinen emotionalen Ausführungen hat der Landrat die Bevölkerung der Region Calw desavouiert. Kreisrat Schwarz hat letztlich als Einziger den Landrat in seiner Rede darauf hingewiesen, dass sehr wohl öffentlich darüber zu diskutieren ist, wenn eine bestehende Klinik der Grund– und Regelversorgung entgegen den bisherigen Zusagen des Landrats faktisch in eine Tagesklinik umgewandelt werden soll. Hieran ändert auch der gebetsmühlenhaft verwendete Begriff „Gesundheitscampus“ nichts.

Der Calwer Bevölkerung, der Ärzteschaft und der Arbeit der Bürgerinitiative, die vom Landrat als beleidigend dargestellt wurde, ist es nun zu verdanken, dass der Kreistag auf Empfehlung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken Calw beschlossen hat, in Calw eine Klinik mit 24-Stunden-Versorgung zu erhalten. Dieser begrüßenswerte Grundsatzbeschluss verbunden mit dem Beschluss für einen Krankenhausneubauerhalten bedarf jedoch noch einiger Feinjustierungen, wie der ehemaligen Calwer Chefarzt Dr. Prokein zutreffend in seinem Leserbrief mit der Überschrift „Bedenkliche Lücken“ ausgeführt hat.

Nicht nachvollziehbar ist die Aussage von Herrn Hummel im vorstehend genannten Artikel von Herrn Bernklau „Es bleibt zu hoffen, dass damit die große Verunsicherung der Bevölkerung … ein Ende findet, vorausgesetzt, dass nicht wieder Querschüsse aus dem Calwer Raum dies verhindern“. Man muss bei solchen Worten unterstellen, dass dieses Zitat seine Geburt in einer Nagolder Kneipe zu später Stunde hatte. Schließlich hätte es kein Nagolder zu recht akzeptiert, wenn das dortige Krankenhaus in eine Tagesklinik umgewandelt worden wäre. Gleiches muss für Calw gelten, was der Kreisrat auch so gesehen hat.

Abschließend noch ein Hinweis: Im Nagolder Krankenhaus werden –anders als in Calw– zu einem hohen Prozentsatz Bürger aus Gemeinden außerhalb des Landkreises behandelt. Die Verluste werden aber vom Landkreis im Rahmen der Kreisumlage getragen. Kreisrat Prof. Dr. Prewo führte in der Sitzung zutreffend aus, dass der Kreis u.U. eine Chance mit dem Konzept verbaut, nämlich eine Zentralklinik zwischen Calw und Nagold. Eine Lösung, die auch von der Mehrheit der Ärzte und der BI getragen wurde. Dies war aber mit den „Nagoldern“ nicht zu machen. Somit stellt der Kreistagsbeschluss eine teure, aber salomonische Lösung zur Befriedung der Nagolder und Calwer Interessen dar.

Mit seiner vorstehend zitierten Aussage hat der Vorsitzende des Kreisseniorenrats des Landkreises Calw sein Gremium diskreditiert, weswegen er über einen Rücktritt nachdenken sollte.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim

Geschrieben am 04.05.2018

Bedenkliche Lücken

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Das jahrelange zähe Ringen der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw sowie des Vereins pro Krankenhäuser Calw und Nagold um die Gesundheitsversorgung und die Krankenhauskonzeption im Kreis Calw und die Anzeigen-Appelle eines großen Teils der Ärztinnen und Ärzte des Kreises haben einen wesentlichen Beitrag zu den Ergebnissen des Kreistagsbeschlusses vom 23. April geleistet.

Dieser Tatsache hätte Landrat Riegger ruhig Rechnung tragen können. Stattdessen hat er in bekannter Weise anders denkende Bürgerinnen und Bürger gerügt, die BI des Vertrauensbruchs bezichtigt und sich selbst als Opfer persönlicher Angriffe dargestellt. Eigentlich schade. Man hätte sich sein Eingangs-Statement auch anders vorstellen können.

Was bedeutet nun der Kreistagsbeschluss für die Gesundheitsversorgung des Kreises? In jedem Fall heben sich seine Ergebnisse deutlich positiv von der Konzeption 3plus des GÖK-Gutachtens ab. Besonders der Verbleib der Orthopädie in Calw und die Notfallversorgung bei den wichtigsten akuten Erkrankungen rund um die Uhr sind zu begrüßen.

Auf der anderen Seite weist der Beschluss noch einige bedenkliche Lücken auf: So muss die untrennbare Verbindung zwischen Orthopädie und Unfallchirurgie in Form eines Schwerpunktes für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw festgeschrieben werden. Die Organisation der Akutversorgung von Schlaganfallpatienten in Calw muss sauber dargelegt werden. Und das Krankenhaus Calw muss verantwortlich in die Abläufe der notfallmäßigen Magen– und Darmspiegelungen eingebunden werden. Außerdem hält die BI die Aufnahme der in Calw gut verankerten ambulanten Onkologie in die Liste der medizinischen Angebote für notwendig.

Der Medizinische Geschäftsführer des Klinikverbundes, Dr. Noetzel, hat diese noch weichen Punkte angemerkt und angekündigt, ihre Lösung mit Hilfe der Fachleute vor Ort in Angriff zu nehmen. Dazu bietet die BI ihre Mithilfe an. Sie bittet darum, dass dieser Prozess mit allen interessierten Gruppen besprochen und in der Öffentlichkeit transparent behandelt wird. Auf diese Weise erscheint das Wunschziel eines gut funktionierenden Krankenhauses in Calw und einer gesicherten und guten Gesundheitsversorgung im Kreis erreichbar.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 03.05.2018

Geschrieben am 23.04.2018

Existenzielle Fragen bleiben offen

BETRIFFT: Klinik-Debatte

Erfreulich ist in dem Zeitungsbericht vom 14. April die Zusage des Aufsichtrats der Kreiskliniken, dass für das Calwer Krankenhaus die »Vollversorgung rund um die Uhr« gewährleistet bleiben soll, womit das Haus weiterhin die gesetzlichen Vorschriften der Grund– und Regelversorgung zu erfüllen verspricht.

Aber die Ankündigung des Aufsichtsrats, die Chirurgische Orthopädie und eine »Basis-Unfallchirurgie« im Krankenhaus Calw zu belassen, erinnert mich an die listige Geschichte mit dem Trojanischen Pferd – ein Geschenk mit trügerischem Inhalt. Quasi als Preis dafür soll nämlich die neurologische Abteilung von Calw nach Nagold verpflanzt werden. Wie aber soll dann in Calw ohne neurologischen Sachverstand die heutzutage unabdingbare schnellstmögliche Schlaganfall-Behandlung rund um die Uhr weiterhin gewährleistet sein, wenn die neurologischen Fachkräfte nach Nagold abgezogen werden?

Zum anderen ist in dem Zeitungsbericht vom 14. April mit keinem Wort erwähnt, dass im Calwer Krankenhaus dank eines neurochirurgischen Belegarztes seit Jahren eine erfolgreiche Bandscheibenchirurgie betrieben wird. Diese setzt eine intensive prä– und postoperative neurologisch-neurochirurgische Zusammenarbeit voraus. Diese funktioniert im Calwer Krankenhaus, wie man immer wieder hört, vorzüglich. Soll das zerbrochen werden? Sollen Patienten mit operationswürdigem Bandscheibenvorfall dann wieder mit Wartezeiten in die entfernten (und wesentlich teureren) Kliniken in Tübingen und Stuttgart verlegt werden müssen?

Es bleiben also, meine ich, weitere existenzielle Fragen um die Zukunft des Calwer Krankenhauses offen. Dem Kreisrat wünsche ich bei seiner Sitzung am 23. April weise Entscheidungen. Und die Bevölkerung ist aufgerufen, ihn dabei durch Anwesenheit zu unterstützen.

Von Dr. Hermann Wulzinger, Bad Teinach-Zavelstein
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 21.04.2018

Geschrieben am 17.04.2018

Schafft’s die Kuh vom Eis?

Betrifft: Klinik-Debatte

Als sich am Freitagabend, 13.4.18, die immer noch vom Geist des Hippokratischen Eids bewegten Ruheständler der Calwer Ärzte trafen, pendelte die Stimmung zwischen Resignation und Rebellion. Zu einem fast hörbaren Aufatmen führte der Bericht des SchwaBo vom folgenden Morgen: der Aufsichtsrat der Kreiskliniken habe sich zu einer Beibehaltung der 24-Stunden-Versorgung bei akuten internistischen Erkrankungen durch Infarkte und akuten Bauchproblemen sowie von Schlaganfällen, Unfällen und zur Beibehaltung von Geburtshilfe und Gynäkologie in Calw durchgerungen. Doch bleiben trotz dieser verheißungsvollen Wende Fragen und Enttäuschungen zurück.

Enttäuschung über die beschädigte Verlässlichkeit einer ganzen Reihe von Zusicherungen seitens der Gremien im Verlauf der Debatte. Unsere Gesellschaft braucht nicht nur die verlässliche Schule und verlässliche Öffnungszeiten von Dienststellen der öffentlichen Hand. Sie braucht auch dringend eine verlässliche zeitgerecht erreichbare stationäre Krankienversorgung. Vor allem braucht sie verlässliche Aussagen ihrer Entscheidungsträger. Nur dadurch findet Vertrauen eine Basis.

Enttäuschung bleibt zurück über das komplette Abtauchen der politischen Parteien. Keine hat sich der Problematik gestellt, keine sich positioniert. Und enttäuschend ist seit Jahren das dazu passende Mantra der hohen Politik, durch notorische Unterfinanzierung ohne Rücksicht auf Verluste die Bettenzahlen zur reduzieren.
Enttäuschend ist das Verhalten der „Gesundheitskassen“. Hohe Rücklagen sind offenbar wichtiger als der Einsatz für unverzichtbare Strukturen zur Bewältigung von krankheitsbedingten Schicksalsschlägen.

Es enttäuscht auch, dass die Jahrhundert-Chance des Kreises Calw zur Schaffung einer qualitativ und finanziell zukunftsfesten zentralen Einrichtung nicht wahrgenommen wird. Diese Chance wird sich in überschaubaren Zeiträumen kein zweites Mal bieten.

Nun hat die Kuh auf dem Eis immerhin mal in die richtige Richtung geäugt. So bleibt uns die Hoffnung, dass am 23.4.18 auch der Kreisrat herzhaft am Strick zieht, um das renitente Biest richtig zu dirigieren. Damit dieses nicht erneut auf Abwege gerät, ist dringend geboten, dass die Bürger des Raums Calw durch Präsenz bei der Sitzung 15 Uhr im Landratsamts sich den Vorgang nicht entgehen lassen.

Von Dr. Klaus Pichler, Zavelstein