Leserbriefe

Geschrieben am 26.08.2019

Worin liegt die Strategie?

BETRIFFT: Calwer Krankenhausdebatte

Die Fragen des Leserbriefs von Frau Kröner vom 25. Juni über die Zukunft der Calwer Klinik beschäftigen viele Menschen im Landkreis. Versuchen wir, sie vom vorliegenden Sachverhalt hier zu beantworten.

Das Krankenhaus der Großen Kreisstadt Calw bietet heute ein meiner Meinung nach hohes medizinisches Niveau, versorgt den ländlichen Raum, ist von der Bevölkerung sehr gut angenommen und gibt ihr eine gewisse Geborgenheit.

Die Städte Sindelfingen und Böblingen haben den Neubau eines Großkrankenhauses beschlossen. Es ist meines Erachtens überdimensioniert, weil es die medizinische Versorgung auch der entfernt liegenden Kreisstadt Calw mit dessen ländlichem Umfeld beansprucht. Das liegt meiner Ansicht nach im Trend der neoliberalen Profitwirtschaft auch im Gesundheitswesen.

Wie werden die diametral entgegengesetzten Interessen staatlicherseits gelöst? Das »alte« – regelmäßig sanierte – Calwer Krankenhaus sollte einschließlich seines neuen Teils mit allen modernen OP-Sälen abgerissen werden. Als Ersatz war ein Mini-Neubau mit Einschichtbetrieb von 8 bis 17 Uhr projektiert.

Eine Bürgerinitiative sowie die unerwartete Expertise von mehr als 200 Medizinern zwingen den Staat zu Zugeständnissen. Das Misstrauen gegenüber den zuständigen staatlichen Protagonisten, Landessozialminister Manne Lucha (Grüne) und den Calwer Landrat Helmut Riegger, ist groß: Öffentlich geben sie sich so, als sei durch Nachverhandlungen alles zur Zufriedenheit gelöst. Tatsächlich beobachte ich, dass sie auf wesentliche Punkte keine Antwort geben und zusätzliche Hürden aufbauen. Dabei verweise ich unter anderem auf den Leserbrief des Herrn Prokein, vom 16. Mai.

Der Landrat handelt nach eigener Aussage »strategisch und strukturell«. Worin liegt seine Strategie?

Einerseits baut Riegger das Krankenhaus in Nagold an der äußersten Kreisgrenze für derzeit rund 85 Millionen Euro aus und entzieht mit dieser Priorität Finanzmittel für eine zentrale Klinik im Kreis Calw. Der Mini-Neubau in der Stadt Calw ist mit 60 Millionen Euro gedeckelt. Warum ein neues Gebäude unter diesen Bedingungen? Mir ist keine Planung für einen Krankenhausneubau in Deutschland mit einem solchen Leistungsprofil bekannt oder auch nur denkbar.

Andererseits erkennen wir die wachsende Überalterung unserer Gesellschaft. Das ehemalige Horber Krankenhaus ist bereits heute nur noch eine geriatrische Klinik. Das neue Mini-Krankenhaus in Calw ist ausdrücklich auch für eine andere Nutzung konzipiert, die meiner Prognose nach eintritt, sobald das Sindelfinger Großklinikum seine Arbeit aufnimmt. Andernfalls müsste sich der Kreis Calw bereits heute intensiv seines geriatrischen Zukunftsproblems annehmen, was urplötzlich nicht mehr der Fall ist. Und die Stadt Sindelfingen verlässt sich mit ihren Planungsansätzen auf ihren Bürger und ehemaligen ersten Bürgermeister Riegger.

Der Abbau einer erfolgreichen Klinik lässt sich über Generationen hinaus nicht korrigieren. Die Herren Lucha und Riegger übertünchen das meiner Überzeugung nach mit den oben genannten Winkelzügen. Gleiche Lebensverhältnisse im Lande gemäß Grundgesetz und gleichzeitige Förderung von Profitgier gemäß neoliberaler Ideologie sind für mich unvereinbar.

Henning Külz | Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 3.9.2019

Geschrieben am 05.07.2019

Folge wären Verluste

BETRIFFT: Krankenhaus

Ewald Prokein informiert uns, was schon manche ahnten und befürchteten: Im Calwer Krankenhaus (Klinikum) werde das Therapiezentrum nicht fortgeführt. Nein Auflösung, Abschaffen sei angesagt. Auch andere Abteilungen sollen geschlossen, abgebaut, verlegt oder getrennt werden. Dagegen sollte bedacht werden, dass bewährte medizinische Versorgungsangebote und Einrichtungen wie Neurologie, Hämatologie, Onkologe, Gynäkologie und eben auch das Therapiezentrum nicht beseitigt oder verlegt werden sollten. Nachteile, Schwächen, Verluste wären die Folge. Eine physiotherapeutische Nach– und Mitbehandlung im Therapiezentrum ist bei Patienten nach Gelenkersatzoperationen oder chronisch gewordenen Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat zwingend und dringend erforderlich. Dies erwarten auch die Kostenträger (Krankenkasse, Berufsgenossenschaft). Auch physiotherapeutische Gruppenbehandlungen bei werdenden und jungen Müttern mit Säuglingen werden im Therapiezentrum durchgeführt. Nicht zuletzt können Senioren mit diversen Handicaps (Behinderungen) im Therapiezentrum an den vorhandenen zahlreichen Übungsgeräten – individuell eingestellt und angepasst – Hilfe und Trainingsmöglichkeiten erfahren.

Von Hans Bernhard Römer, Calw-Hirsau
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 05.07.2019

Geschrieben am 01.07.2019

Mit ärztlicher Kompetenz gegen Konzept-Ungereimtheiten

BETRIFFT: Calwer Krankenhaus

Die Calwer Bürgerinnen und Bürger haben bei der Kreistagswahl eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Ihnen die Gesundheitsversorgung im Landkreis Calw ist und welche Bedeutung sie einem leistungsfähigen, heimatnahen Krankenhaus in Calw zumessen. Sie haben mit der Wahl von Chefarzt Martin Handel, des früheren Oberarztes Eberhard Bantel und des niedergelassenen Kardiologen Bernhard Plappert als neue Kreisräte die medizinisch-ärztliche Kompetenz im Kreistag wesentlich gestärkt. Wir können sicher sein, dass sich diese Ärzte mit ganzer Kraft für eine gute und nachhaltige medizinische Versorgung im Landkreis einsetzen, wie sie es auch in ihrer Dankes-Anzeige versprochen haben.
Die Calwer Bürger haben den ersten Schritt getan. Es ist jetzt an den Fraktionen, den zweiten Schritt zu gehen: Speziell die Krankenhausärzte Handel und Bantel haben sich mit ihrer überwältigenden Stimmenzahl bei der Wahl das demokratische Recht auf Plätze In den Aufsichtsräten sowohl der Kreiskliniken als auch der Holding des Klinikverbundes erworben. Zusätzlich sollten diese Ärzte im Aufsichtsrat Service und Therapiezentrum und im projektbegleitenden Ausschuss Krankenhaus vertreten sein.
Warum ist die Mitwirkung dieser Ärzte in den Aufsichtsräten und den Fachausschüssen so wichtig? Nach wie vor enthält das Krankenhauskonzept eine Reihe von Ungereimtheiten: So darf die Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie nicht auseinandergerissen und auf die beiden Kreiskliniken verteilt werden. Die Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie ist eine Einheit und gehört unter der Leitung von Handel ganz klar nach Calw. Ebenso muss die zentrale Sterilisation dort bleiben, wo sie am meisten gebraucht wird und rasch verfügbar sein muss, nämlich im Krankenhaus Calw. Weitere wichtige Punkte im Aufsichtsrat: Die Unterstützung und Pflege der Zweige Onkologie und Hämatologie sowie der Diabetologie in der Inneren Abteilung von Chefarzt Martin Oberhoff, die von den Oberärzten André Wolff und Michael Sander vielversprechend entwickelt wurden und die Unterstützung der Abteilungen Gynäkologie und Geburtshilfe sowie der Neurologie durch den Klinikverbund, die unter den Chefärzten Arkadiusz Praski und Dennis Schlak höchstes Niveau erreicht haben.
Das Calwer Krankenhaus ist bei der Bevölkerung der Stadt und der Region nicht zuletzt aufgrund der aufopferungsvollen Pflege gesucht und beliebt. Dieser Status muss mit Hilfe der verstärkten ärztlichen Kompetenz im Kreistag erhalten bleiben.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 29.06.2019

Geschrieben am 25.06.2019

Liebt der Landrat Calw nicht?

BETRIFFT: Calwer Krankenhaus
Ich würde gerne endlich erfahren, was der eigentliche Grund dafür ist, dass unser Landrat – mit Amtssitz in Calw – sowie der Kreistag die Stadt Calw nicht lieben und unserem so guten Krankenhaus möglichst alles Gute wegnehmen wollen. Vor Jahren ging es um den meiner Meinung nach hervorragenden Chefarzt Konrad Bäuerle mit seiner so prima aufgestellten Kardiologie, der nach Nagold wechseln sollte.
Und immer noch dazu viele Zuwendungen samt viel größeren Geldsummen an das Nagolder Krankenhaus. Weshalb das Ganze?
Außerdem wüsste ich gerne, weshalb schon wieder bei der künftigen Bettenzahl verringert werden soll? Unserem meiner Ansicht nach qualitativ sehr guten Krankenhaus mit derzeit 200 Betten reichen oft diese Betten nicht.
Nun sollte daraus ein neues Krankenhäuschen mit 135 Betten werden, das bald gestorben sein dürfte, weil es meiner Ansicht nach auf Dauer nicht lebensfähig wäre.
Mühsam schaffte es der Verein für unser Krankenhaus, das auf 160 Betten aufgestockt werden sollte. Und jetzt höre ich, dass diese Zahl schon wieder nach unten gedrückt werden soll. Warum denn nur?
Warum will man uns in Calw alles kaputt machen?
Ich glaube, die Calwer Bürger müssen endlich wach und aktiv werden, bevor es zu spät ist. Vielleicht dem »Verein pro Krankenhäuser Calw/Nagold« beitreten.
Irgendwo im Krankenhaus hängt jetzt ein Plan aus vom zukünftigen Krankenhäuschen hier mitten im Gewerbegebiet. Natürlich keine schöne Aussicht und Umgebung mehr. Sitzt man in der Cafeteria, hat man das Gewerbegebiet vor den Augen. Auch schrieb Ewald Prokein kürzlich in einem Leserbrief, was alles uns noch weggenommen werden soll. Auch dies lohnt sich zu überdenken.
Von Sigrid Kröner, Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 25.06.2019

Geschrieben am 20.06.2019

Kreistagswahl 2019– Eine Schlappe für viele Etablierte!

Sieht man sich die teilweise überraschenden Ergebnisse der Kreistagswahl 2019 an, so kommt man wohl zum Schluss, dass drei Themen die Bürger bewegt haben, nämlich die Sicherung der ärztlichen Versorgung im Landkreis, die Umweltfragen und die Flüchtlings– und Asylpolitik.

Ein Eckpfeiler einer zukunftsorientierten stationären Krankenversorgung hätte ein zentrales Krankenhaus zwischen Calw und Nagold sein können. Stattdessen hat die Kirchturmpolitik in Nagold gesiegt und es wird in Nagold mit hohem Aufwand das bestehende Krankenhaus saniert und in Calw soll ein neues Krankenhaus gebaut werden. Die insgesamt anfallenden Kosten übersteigen die Kosten eines Neubaus einer Zentralklinik. Nagold bleibt trotzdem ein Altbau und jedes Krankenhaus ist bezüglich der Bettenzahl an der untersten Grenze. Verfechter einer Zentralklinik in Nagold, die am Rande des Landkreises liegen würde und schon bisher zu einem hohen Prozentsatz Bürger aus den angrenzenden Landkreisen versorgt, waren insb. OB Großmann und Herr Kallfass. Sowohl OB Großmann, der bisher Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag war, als auch Herr Kallfass haben ihr persönliches Waterloo erlebt. Großmann liegt stimmenmäßig bei der CDU nur noch auf Platz 10 mit 3.758 Stimmen, Kallfass (1.234 Stimmen) hat den Einzug in den Kreistag nicht mehr geschafft.

Wie wichtig den Bürger die ambulante und stationäre ärztliche Versorgung ist, zeigen die Wahlergebnisse von Dr. Zoufaly stimmenmäßig auf Platz 2 (4.785) der CDU, Prof. Dr. Handel (4.468) auf Platz 2, Dr. Bantel (3.845) auf Platz 4, Dr. Walz (3.281) auf Platz 5, Dr. Jerges (3.266)auf Platz 6, Dr. Lang (3.127) auf Platz 8 jeweils bei den Freien Wählern sowie Frau Utters auf Platz 2 (2.900) bei der SPD. Damit ist klar, es ist ein Wählerauftrag alles zu tun, um die ambulante und stationäre Versorgung im Landkreis zu stabilisieren.

Das Modell der zwei Kliniken war ein politischer Kompromiss, weil eine Zentralklinik in Nagold wegen des Widerstands der Calwer nicht durchsetzbar war. Wären die Baumaßnahmen in Nagold nicht schon zu weit fortgeschritten, müsste dieser Klinikstandort zu Gunsten einer modernen Zentralklinik überdacht werden. Dies auch vor dem Hintergrund der langfristig defizitären Krankenhausstrukturen, die ihren Grund in der politisch gewollten Unterfinanzierung der Leistungen hat. Versorgt nämlich ein kommunales Krankrenhaus Patienten aus anderen Landkreisen, so führt dies zu einer Belastung des Landkreises über die Kreisumlage; gleichwohl sind diese Patienten im Hinblick auf die Fallzahlen und die Fixkostendegression notwendig.

Die Wahlergebnisse lassen hoffen und erwarten, dass der Einfluss der Ärzte ihren Niederschlag bei der Besetzung der Ausschüsse und der Aufsichtsräte des Krankenhauses, des Klinikverbunds Südwest und seiner Tochter-Gesellschaften findet. Dies war der Wählerwille!

Das Umweltbewusstsein kommt zum Ausdruck, indem die GRÜNEN nun sieben Sitze haben, während die AfD im dritten Komplex mit vier Sitzen die FDP überholt hat.

Prof. Bernd Neufang

Geschrieben am 28.05.2019

Ein großes Lob

BETRIFFT: Krankenhaus Calw

Vom 9. bis 15. April war ich im Krankenhaus in Calw – am Ende meiner Kräfte.

Die internistischen Untersuchungen bei Oberarzt Michael Sander waren sehr gewissenhaft. Einen lieben Dank dafür an ihn. Dann kam ich in die Neurologie. Unter 200 möglichen Kopfweharten, die eine zu finden, erschien fast hoffnungslos. Aber eine Neurologin war für mich ein regelrechter Glücksfall. Sie hat einen Volltreffer gelandet. Ich sage dafür jeden Tag Danke!

Ich appelliere an unsere Verantwortlichen im Kreis Calw: Ihr dürft uns unser Kreiskrankenhaus Calw niemals nehmen. Wir brauchen es dringend.

Ein großes Lob an unser Krankenhaus. Und auch an alle Schwestern der Station 32 für ihre liebevolle Pflege und für ihre Hilfsbereitschaft.

Von Hildegard Gabel, Neubulach
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 22.05.2019

Geschrieben am 28.05.2019

In einer Reihe von wichtigen Punkten nicht durchgesetzt

BETRIFFT: Krankenhausdebatte

Inzwischen hängen die Pläne für das neue Calwer Krankenhaus auf dem Flur der KH-Verwaltung öffentlich aus. Es lohnt sich für alle Bürger der Stadt Calw und der Region, diese Pläne zu studieren. Denn es ist ihr Krankenhaus, in dem sie auch zukünftig eine gute Versorgung erwarten.

Die Pläne zeigen, dass die zähe Vorarbeit der Bürgerinitiative Krankenhäuser nicht umsonst war. Auf diesem Boden konnten die Chefärzte, die Pflegedienstleitung und alle an der Ausgestaltung des neuen Krankenhauses Beteiligten, wichtige Positionen für das Calwer Krankenhaus sichern: Den Verbleib der Abteilungen Orthopädie/ Unfallchirurgie und Gynäkologie/Geburtshilfe in Calw sowie die Festschreibung der Bettenzahl auf 160. Außerdem die Zusicherung der Kreispolitik, dass sämtliche medizinische Angebote an sieben Tagen der Woche über 24 Stunden angeboten werden.

Ist jetzt alles gut? Leider nicht. Trotz größtem Engagement konnten sich die Planer gegenüber dem Klinikverbund und den Kreisgremien in einer Reihe von wichtigen Punkten nicht durchsetzen: So soll meiner Meinung nach völlig unnötig die zentrale Sterilisationseinheit von Calw nach Nagold verlegt werden. Ebenso die Abteilung Neurologie, obwohl die demografische Entwicklung und die Neuaufstellung der Abteilung ihren Erhalt in Calw rechtfertigen.

Die gegenüber dem Jetzt-Zustand deutlich geschrumpfte Physiotherapie ist nicht mehr im KH integriert und verliert ihre Ambulanz. Die Caféteria schaut ins Industriegebiet statt ins Nagoldtal. Vergebens sucht man auf dem Campus nach dringend benötigtem Wohnraum für das Pflegepersonal oder einen Kindergarten für die im Krankenhaus tätigen jungen Familien.

Geschuldet sind die jetzt sichtbar werdenden Schwachstellen der strikten Festschreibung von 60 Millionen Euro für das neue Calwer Krankenhaus, wo hingegen in Nagold für die dort versuchte Sanierung des Altbaus widerspruchslos 85 Millionen Euro geplant sind.

Was können wir tun? Weiterhin höchste Wachsamkeit von uns allen gegenüber der Planumsetzung durch Klinikverbund und Kreisgremien.

Achtsamkeit bei der Kommunalwahl: Mit der Kandidatur eines amtierenden Chefarztes und eines früheren Oberarztes der Klinik sowie eines niedergelassenen Arztes haben die Bürger die Chance, die ärztliche Kompetenz im Kreistag mit besonderem Blick auf das Krankenhaus weiter deutlich zu stärken.

Von Dr. Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 16.05.2019

Geschrieben am 03.05.2019

Kreistagswahl 2019 Wahlbezirk Calw

Das erfreuliche vorweg: Alle Fraktionen im Kreistag stehen im Wahlkampf hinter der beschlossenen Krankenhauskonzeption, wonach in Calw ein Krankenhaus der Vollversorgung mit ca 160 Betten unter Verbleib mit Kliniken für Innere Medizin, Orthopädie/Unfallchirurgie und Gynäkologie sowie einem Gesundheitscampus alsbald gebaut werden soll.
Der Anfang der Diskussion sah aber anders aus, in Calw sollte eine Portalklinik entstehen. Dass dieses Konzept nicht umgesetzt werden konnte, verdanken wir dem Engagement vieler Bürger aus Calw und der Region.
Bedauerlich ist, dass Calw in den nächsten Jahren nicht durch den Oberbürgermeister im Kreistag vertreten sein wird.
Zur Umsetzung des beschlossenen Krankenhausmodells bedarf es medizinischer Sachverstand im Kreistag.
Wir freuen uns, dass für den Wahlbezirk Calw
• Dr. med. Eberhard Bantel, ehemals Oberarzt am Klinikum Calw (Freie Wähler),
• Prof. Dr. med. Martin Handel, Chefarzt am Klinikum Calw (Freie Wähler) und
• Dr. med. Bernhard Plappert, Kardiologe (CDU)
für den Kreistag kandidieren.

Prof. Bernd Neufang Dr. med. Ewald Prokein
Sprecher der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw
Verein Pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V.

Geschrieben am 01.08.2018

Warum Tritt Prewo nach?

Die Aktion von Prof. Dr .Prewo, dem ehemaligen OB von Nagold irritiert, wenn er nun wieder ein Zentralklinikum fordert. Die BI hat stets ein Zentralklinikum räumlich zwischen Calw und Nagold favorisiert. Der politische Wille war aber ein anderer, nämlich zwei Klinikstandorte (Calw und Nagold). Es ist ein schlechter Stil, wenn man vor der Abstimmung Bedenken gegen die Beschlussvorlage äußert (“der Kreis vergibt eine Chance”), sich bei der Abstimmung im Kreistag über das Klinikkonzept aber enthält. Kreisrat Schwarz, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN, hat ein Zentralklinikum zwischen Calw und Nagold ebenfalls favorisiert. Dem Vernehmen nach soll aber Prof. Dr. Prewo seine Zusage diesen Vorschlag zu unterstützen aus lokalpolitischen Gründen zurückgezogen haben. Es ist unverständlich, wenn Prof. Dr. Prewo nun “nachtritt” und eine Zentralklinik in Nagold (am Rande des Landkreises) fordert. Verkannt wird, dass in Nagold zu einem hohen Prozentsatz Patienten aus den Landkreisen Böblingen und Freudenstadt behandelt werden. Gleichwohl schreibt auch Nagold rote Zahlen, die über die Kreisumlage ausgeglichen werden. Wie soll einem Bürger aus dem nördlichen Landkreis erklärt werden, dass er über die Kreisumlage medizinische Behandlungen in einem Krankenhaus, das er nie aufsuchen wird, finanzieren soll? Diese Antwort bleibt Prof. Dr. Prewo schuldig.
Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim

Geschrieben am 09.07.2018

Wiederaufnahme der Krankenhausdebatte?

BETRIFFT: Artikel “SPD im Richtungsstreit um die Kreiskliniken” von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 6.7.2018

Mit runden Augen entnahm ich am vergangenen Freitag (6.7.18) dem SchwaBo, dass der SPD-Ortsverband Nagold und insbesondere Kreisrat Prewo eine neue Diskussion über eine Einhaus-Lösung zur Krankenhaus-Planung fordert und die Bürger zum Mitdiskutieren einlädt. Ja, war da in den vergangenen Jahren nicht irgendetwas? War die Zündschnur überlang, dass jetzt, nachdem „der Käs gefressen ist“, zum Nachdenken und Disputieren aufgerufen wird? Schließlich fasste der Kreisrat am 23.4.18 den Beschluss, das Medizinkonzept 2015 umzusetzen, was somit derzeit Recht und Gesetz bedeutet. Patienten wie medizinisches Personal können – so die Zusagen eingehalten werden – damit leben, obwohl die Schwächen des Konstrukts ins Auge springen. In zahlreichen Beiträgen wurde darauf hingewiesen. Von einer neu aufzunehmenden Debatte kann somit nicht die Rede sein, wohl aber – vielleicht – zu einer Fortsetzung der vorausgegangenen. In dieser wurde auch sehr eindrücklich das Kostenargument beleuchtet: Ein Argument unter vielen, die nachdrücklich für die Einhäusigkeit sprechen. Der Druck der Sachargumente war es wohl, die Herrn Prewo und die SPD zum jetzigen Schritt veranlassten, eine Rolle rückwärts zu testen. Dennoch: Die verplanten (und vermutlich nicht ausreichenden)155 Millionen sind noch nicht unrettbar versenkt, noch könnte theoretisch ein Befreiungsschlag erfolgen. Die Zeit der Kleinkliniken ist in jeder Hinsicht abgelaufen, und die Chance für eine zukunftsfähige Lösung mit einer zentralen leistungsfähigen Einrichtung wurde sehenden Auges verdödelt. Das Narrativ von „einer Klinik an zwei Standorten“ hat nie funktioniert und kann auch im Klinikalltag nicht funktionieren. Auch das Mantra vom „Krankenhauscampus“ als wundersame Lösung der Probleme einer suffizienten stationären Versorgung kann nicht durch Wiederholungen überzeugen: Einen „Krankenhauscampus“ mit Gynäkologie/Geburtshilfe, Dialyse, Radiologie/Röntgen, Cardiologie haben wir in Calw seit Jahren. Natürlich wären zusätzliche Angebote möglich und Patientenwege mögen dadurch gelegentlich verkürzt werden. Aber die geographischen Standorte sind wenig relevant und könnten auch einem Zentralklinikum zugeordnet werden. Allerdings, verehrter Herr Prewo, es ist es schon reichlich denkwürdig, einerseits „Kirchturmpolitik“ zu geißeln und andererseits zu fordern, dass ein zentrales Spital „nur in oder um Nagold“ liegen könne. Als altgedientem lokalpolitischem Streitross ist Ihnen zweifellos klar, dass die Vertiefung von Gräben in einer derartigen Debatte kaum weiterhilft. Kompromissfähigkeit, Einbindung der anderen Hauptbetroffenen mit Brückenbau, wären signifikant überzeugender.

Von Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein