Leserbriefe

Geschrieben am 02.01.2020

Kreistagssitzungen am 16.12.2019 — Ein aktuelles Beispiel zur Wahrhaftigkeit von Politik und Presse

Die letzte Kreistagssitzung des Jahres 2019 und ihre journalistische Nachbetrachtung zeigt eindrucksvoll auf, wie des Volkes Wille umgesetzt werden soll.

Zum besseren Verständnis wird bewusst nochmals auf historische Entwicklung eingegangen und diese in den Grundzügen in Erinnerung gerufen. Bereits im Jahre 2004 stand die Existenz des Calwer Krankenhauses nach dem sog. Oberender-Gutachten auf dem Spiel. Danach sollten wesentliche Teile nach Nagold verlegt werden. Die Umsetzung scheiterte am Widerstand der Calwer Bevölkerung und führte letztlich zur Gründung des Vereins Pro Krankenhäuser Calw und Nagold, zu dem die BI gehört.

Es wurde später immer wieder verkündet, das derzeitige Krankenhaus in Calw kann aus Brandschutzgründen und einer nicht behebbaren Unorganik nicht mehr lange betrieben werden.

Sodann wurde zehn Jahre später das sog. GÖK-Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses Schlug für Calw ein 90-Bettenhaus vor und den Ausbau von Nagold zu einem Schwerpunktkrankenhaus. In diesem Gutachten wurde Nagold ein Gewinn von 5 Mio. € pro Jahr prophezeit. Die BI hat damals schon bewiesen, dass wesentliche Aussagen im Gutachten falsch und die Zahlen irreal waren.

Die Reaktion des Landrats war das sog. Bürgerforum, auf das sich der Landrat noch heute gebetsmühlenhaft beruft. Dieses Forum war nachweislich nicht ergebnisoffen, vielmehr wurde dort die Diskussion zur Abwehr eines Zentralkrankenhauses zwischen Calw und Nagold und eines Schwerpunktkrankenhauses in Nagold gesteuert. Ein Teilnehmer sagte dazu Folgendes: „Wir wurden am Nasenring zum gewünschten Ergebnis geführt. Keiner hat die Veranstaltung unter Protest verlassen, weil wir dies nicht für möglich hielten und das gewollte Ergebnis erst bei der Zusammenfassung so erkennbar war.“ Aufgrund des Ergebnisses der gelenkten Diskussion mit Unterstützung des sog. GÖK-Gutachten haben die Sprecher des Bürgerforums resigniert und sich vor den Karren mit der Aussage spannen lassen: „Mehr war für Calw nicht drin.“ Ein Ergebnis, das der damalige Kreisrat übernommen hat und einen entsprechenden Beschluss zur Umsetzung vor fünf Jahren fasste.

Dieses Kleinkrankenhaus wäre nicht überlebensfähig gewesen und zwangsläufig zur Portalklinik geschrumpft. Sodann wäre ein „Hauptverbandsplatz“ entstanden und die Hesse-Bahn zum „Lazarettzug“ degradiert worden. In Calw gab es dann sicherlich gelenkt von der BI erheblichen Widerstand zu diesen Plänen, denn der sog. Kliniksimulator bestätigte, dass Calw zu den wenigen Krankenhäusern in Deutschland gehört, die im Interesse der wohnortnahen Versorgung nicht aufgelöst werden können, weil ein Patient innerhalb von 30 Minuten in ein Krankenhaus erreichen können muss. Dies führte nicht nur zu mehreren Veranstaltungen der BI, sondern auch des Landrats. Die erste Veranstaltung im Landratsamt, bei der die Bürger in einen Videoraum verbannt werden sollten, musste nach Tumulten abgebrochen werden. Bei der Wiederholungsveranstaltung in Calw-Stammheim hat der Landrat dann öffentlich zugesichert, dass in Calw weiterhin an 24 Stunden und 7 Tagen in der Woche Herzinfarkte und Schlaganfälle behandelt werden können. Zur Absicherung dessen verbleibt die Orthopädie in Calw und es werden mehr Betten gebaut. Zwischenzeitlich ist der Stand 154 Betten; derzeit sind es aber bei einer tatsächlich gegeben Vollauslastung 185 Betten.

Ist es mit Blick auf die jüngste Vergangenheit verwunderlich, dass man das neue Medizinkonzept kritisch beäugt? Zutreffend hat Kreisrat Dr. Walz in der Kreistagssitzung nachgefragt, warum die Pläne in der Beschlussvorlage bei einer Vergrößerung — die zur Überprüfung notwendig ist — nicht mehr lesbar sind und ob dahinter ein System steckt.

Wie früher drängen sich wieder Zweifel an der Planung auf, denn das Haus scheint räumlich und funktional zu klein zu geraten, weswegen Optimierungen notwendig sind. Es gehört bei staatlichen Bauvorhaben zur Realität, dass die Erkenntnis zur Optimierung erst in der Bauphase entsteht, was teilweise zu beträchtlichen Kostensteigerungen führt. Diese notwendige Optimierung wurde von Dr. Plappert, dem Sprecher der CDU-Fraktion, in der Kreistagssitzung angemahnt. Die Änderung der Planung um eine Klimatisierung der Patientenzimmer in Calw und Nagold ist nämlich nicht genug. Eine berechtigte Frage ist, wie kann man in der allseits beklagten Zeit der Erderwärmung ein Zukunfts-Krankenhaus ohne Klimatisierung planen? Schließlich ist jedes Bundeswehr-Feldlazarett klimatisiert! Was völlig fehlt, sind umweltverträgliche Maßnahmen zur Energiebeschaffung nicht nur für diese Klimatisierung, sondern für den Betrieb. Hier sind insbesondere die GRÜNEN im Kreistag in Richtung einer weiteren Optimierung gefordert.

Wenn ein Kreisrat, der zudem noch Chefarzt und stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist, auf die Planungsmängel hinweist, dann wird er rüde in der Presse vom Hofberichterstatter Buckenmaier abgekanzelt. Es wird ihm Befangenheit unterstellt, obwohl das Regierungspräsidium dies ausdrücklich verneint hat, soweit es nicht um ihn persönlich geht. Wäre eine Befangenheit vorliegend, müsste man jedem Bürgermeister im Kreistag das Wort verbieten, wenn es um die Kreisumlage geht. Aber in dieser Frage ist dieser Personenkreis im Kreistag fast nicht zu bremsen.

Trotz der bestehenden Bedenken wurde die Vorlage zur Abstimmung gestellt, nachdem der Erste Landesbeamte Dr. Wiehe ein Ende der Diskussion gefordert hat. Man muss sich schon fragen, ob diese medienwirksame Reaktion gerechtfertigt war. Eindeutig nein, denn es werden Fakten verdreht. Man weiß heute — insb. nach den Stellungnahmen und Veranstaltungen der verpönten „besserwisserischen“ BI und den niedergelassenen Ärzten‑, die Annahmen in 2015 waren falsch und die Beschlusslage muss korrigiert werden. Eine Erkenntnis zu der man aber erst 2018 kam. Dies ist ‑entgegen der Intervention von Herrn Dr. Wiehe — beim Staat kein langer Planungs- und Entscheidungszeitraum. Die Intervention führte aber zum Erfolg, denn der Kreistag stimmte der Beschlussvorlage ohne Gegenstimmen bei vier Enthaltungen zu. Von Herrn Buckenmaier wird Dr. Wiehe ausdrücklich dafür gelobt, gelobt, weil ihm wegen der jahrelangen und langwierigen Diskussion über das Calwer Krankenhaus der „Kragen geplatzt“ ist.

Die völlig unnötigen und substanzlosen Attacken von Herrn Buckenmaier erhärtet den Slogan von der Lügenpresse. Die Presse ist nicht die vierte Gewalt in unserem Staat! Deswegen sind mehr Recherche und Objektivität von Nöten. Es spricht schon Bände, wenn der Redakteur einen Redner einer falschen Fraktion zuordnet, so wie das bei Dr. Zoufaly geschehen ist. Im Übrigen gab es in den Artikeln des Schwarzwälder Boten keinen Hinweis zur Stellungnahme von Dr. Plappert für die CDU-Fraktion. Das passte anscheinend nicht in das Konzept.

Einen solchen Journalismus, der durch die Herren Buckenmaier und S. Bernklau seit Jahren gepflegt wird, kann man schlicht nur als Gefälligkeitsjournalismus bezeichnen. Es wäre zu begrüßen, wenn die Chefredaktion des Schwarzwälder Boten die Gründe hinterfragen würde. Diese dürften ‑wie fast immer- sehr trivial sein. Schließlich berichten diese Herren fast exklusiv über Vorhaben des Landrats, des Landkreises und der Kreistagssitzungen.

Was auch noch auffiel, war das teilweise respektlose Verhalten des Klinikgeschäftsführers Loydl gegenüber den ärztlichen Kreisräten ‑einschl. seinem Chefarzt -, der arrogant und nichtsagend versuchte, Gegenargumente wegzuwischen. Fast 80 % aller Krankenhäuser haben derzeit Personalprobleme, auch die Kliniken im Klinikverbund Südwest. Der Betrieb der Krankenhäuser kann teilweise nur mittels teurer Leiharbeitskräfte sichergestellt werden. Wenn so im Innenverhältnis mit Arbeitnehmern umgegangen wird, wie es der Auftritt des kaufmännischen Geschäftsführers im Kreistag vermuten lässt, dann braucht man sich nicht verwundern, wenn Personal dem Klinikverbund den Rücken zuwendet. Der Aufsichtsrat, aber auch der Kreistag ist in Anbetracht der Verlustsituation gefordert, von der Geschäftsführung des Klinikverbunds ein Personalkonzept einzufordern, in dem die Grundsätze der Menschenführung nicht nur auf Hochglanzpapier stehen. Schließlich sind 2,5 Mio. € für Leihpersonal zu hoch.

Zur Verbesserung und Nachhaltigkeit der Personalsituation bedarf es auch Konzepte für krankenhausnahe Personalwohnungen und Kindertagesstätten, die den Schichtbetrieb eines Krankenhauses abdecken.

Noch ein weiteres Wort zu der Führung des Klinikverbunds. Dem Patienten ist es völlig egal, wer Geschäftsführer oder Personalchef ist. Ihm kommt es auf die ärztliche und pflegerische Versorgung an. Die Geschäftsführung und ihr Personal sind ein wichtiges Rad im System; aber wenn dies nicht funktioniert, entsteht Sand im Getriebe.

Aber selbst bei bester Führung wird es nicht gelingen, ein Krankenhaus der allgemeinen Gesundheitsversorgung verlustfrei zuführen. Dies ist leider Ausfluss der mangelnden Vergütung durch die gesetzlichen Krankenkassen und der Nichtübernahme der notwendigen Investitionen durch Land und Bund. Folglich wird auch in der Zukunft der Landkreis Verluste in Nagold und Calw ausgleichen müssen.

Stets wird man gefragt, ob mit dem neuen Krankenhaus die Versorgung der Patienten besser wird. Für Calw gibt es keine Verbesserung der klinischen Versorgung, denn die Neurologie wird nach Nagold verlegt und das für die Orthopädie sinnvolle Therapiezentrum entfällt. Niemand hat es früher es für notwendig empfunden, dass in Calw und Nagold ein Linksherzkathedermessplatz notwendig ist. Heute redet man nicht mehr darüber, sondern es ist eine Maßnahme der wohnortnahen Versorgung. Die Verlagerung der Neurologie muss man wohl akzeptieren, aber es muss eine Lösung für Calw hinsichtlich der Schlaganfallversorgung gefunden werden, damit die vom Landrat zugesagte Akutversorgung von Schlaganfällen in Calw weiter möglich ist.

Eines wird dem Landrat uneingeschränkt attestiert, seine Idee vom Gesundheitscampus kann zukunftsführend sein. Hierauf wurde aber bereits im Leserbrief vom 19.11.2019 hingewiesen, der am 3.12.2019 auch im Schwarzwälder Boten abgedruckt wurde.

Für das neue Jahr — oder gar das neue Jahrzehnt — muss man sich für die Kliniken Calw und Nagold wünschen, dass wieder der Grundsatz „ein Krankenhaus an zwei Standorten“ gelebt wird, denn nur dann wird die magische Zahl von 400 Betten überschritten. Dies erfordert aber ein Umdenken im südlichen Landkreis, welches in Anbetracht des Um- und Erweiterungsbaus in Nagold und dem Neubau in Calw möglich sein müsste. Die dauernde Konkurrenz schadet dem Landkreis, zumal größere Gebiete im Westen des Landkreises nicht durch die beiden Kliniken in der Erstversorgung abgedeckt werden.

Der Landrat redet stets von Transparenz. Dazu gehört aber auch, dass man konstruktive Kritik nicht verteufelt, sondern mit dieser sich auseinandersetzt. Wäre das in der Vergangenheit erfolgt, dann hätte man bereits früher gemerkt, dass das GÖK-Gutachten, das Grundlage der früheren Kreistagsentscheidung war, nicht nur falsch waren, sondern auch von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird. Wen wundert es, dass die Bürger dann politikverdrossen werden.

Deswegen wird die BI weiterhin auf Optimierungen drängen, dazu gehören

  • die Absicherung der Akutbehandlung von Schlaganfällen,
  • die Vergrößerung des Neubaus von Anfang, denn eine spätere Erweiterung führt zu beträchtlichen Kostensteigerungen,
  • der Verbleib der sog. Sterilisationseinheit in Calw, weil durch den Verbleib der Orthopädie dort das meist Sterilisationsgut entsteht,
  • krankenhausnahe Personalwohnungen und
  • eine krankenhausnahe Kindertagesstätte, die den Schichtbetrieb im Krankenhaus abdeckt.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim
Stellvertretender Vorsitzender von Pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V.

Geschrieben am 30.12.2019

Leserbrief zur Veröffentlichung im Schwarzwälder Boten

Die Öffentlichkeit wurde durch den Kommentar von Herrn Roland Buckenmmaier vom 18.12.19 über den Verlauf  der Kreistagssitzung vom 16.12.19 desinformiert mit der infamen Falschmeldung, Prof. Handel’s konstruktive Anregungen zum Neubau der Klinik in Calw stünden ihm „wegen Befangenheit“ nicht zu. Werden zukünftig die Bürgermeister das Gremium geschlossen verlassen, wenn die Kreisumlage beschlossen wird?

Der Kommentator verzichtet auf die Wiedergabe der vorgebrachten Argumente zugunsten von blinder missionarischer Unterstützung der unbestritten erfolgreich agierenden Verwaltungsspitze und unterzieht abweichende Argumente seiner eigenen Inquisition. Dieses Verhalten  bewies er  u. a. durch die Unterdrückung von Leserbriefen in zahlreichen Fällen. Nach dem ethischen Standard für den Journalismus entspricht der Kommentar weder der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit noch der Wahrung der Menschenwürde. Die unzutreffende Behauptung, ein aus dem Stand mit überwältigender Mehrheit gewähltes Mitglied des Kreisrates dürfe wegen seines sozialen Status als Chefarzt oder als Angestellter des öffentlichen Dienstes seine qualifiziert sachkundige Ansicht im Kreistag wegen Befangenheit nicht vortragen, zeigt, welch fragwürdige Auffassung der Kommentator von freier Meinungsäußerung hat und trägt Merkmale von Diskriminierung.

Von Dr. med. Hans Strasser, Calw-Altburg

Geschrieben am 30.12.2019

Mehr Bodenhaftung führt zu weniger Politikverdrossenheit

Leserbrief für den Schwarzwälder Boten

Die Kreistagssitzung am 16.12.2019 und ihre journalistische Nachbetrachtung zeigt eindrucksvoll auf, wie des Volkes Wille umgesetzt werden soll. Zuerst wird der Erste Landesbeamte gelobt, weil ihm wegen der jahrelangen Diskussion über das Calwer Krankenhaus der „Kragen geplatzt“ ist. Dieses Vorgehen führte zum Erfolg, denn der Kreistag stimmte der Beschlussvorlage ohne Gegenstimmen bei vier Enthaltungen zu. War diese Reaktion gerechtfertigt? Eindeutig nein, denn vor sechs Jahren gab es schon einmal einen Kreistagsbeschluss zum Bau eines 90-Bettenhauses.

Dieses Kleinkrankenhaus wäre nicht überlebensfähig gewesen und zwangsläufig zur Portalklinik geschrumpft. Heute weiß man — insb. nach den Stellungnahmen und Veranstaltungen der BI und den niedergelassenen Ärzten — , die damaligen Annahmen waren falsch und die Beschlusslage muss korrigiert werden. Eine Erkenntnis zu der man aber erst 2018 kam. Dies ist — entgegen der Intervention von Herrn Wiehe — beim Staat kein langer Planungs- und Entscheidungszeitraum.

Ist es mit Blick auf die jüngste Vergangenheit da verwunderlich, dass man das neue Medizinkonzept kritisch beäugt? Wie damals drängen sich wieder Zweifel auf, denn das Haus scheint räumlich und funktional zu klein zu geraten, weswegen Optimierungen notwendig sind. Es ist systemimmanent bei staatlichen Bauvorhaben, dass die Erkenntnis zur Optimierung erst in der Bauphase erkannt wird, was teilweise zu beträchtlichen Kostensteigerungen führt. Wenn darauf ein Kreisrat, der zudem noch Chefarzt und stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist, hinweist, dann wird er rüde in der Presse abgekanzelt. Es wird ihm Befangenheit unterstellt, obwohl das Regierungspräsidium dies ausdrücklich verneint hat, soweit es nicht um ihn persönlich geht. Wäre eine Befangenheit vorliegend, müsste man jedem Bürgermeister im Kreistag das Wort verbieten, wenn es um die Kreisumlage geht. Aber in dieser Frage ist dieser Personenkreis im Kreistag fast nicht zu bremsen.

Was auch noch auffiel, war das teilweise respektlose Verhalten des Klinikgeschäftsführers gegenüber den ärztlichen Kreisräten — einschl. seinem Chefarzt — , der arrogant und nichtssagend versuchte Gegenargumente wegzuwischen.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim
Veröffentlicht am 04.01.2020 im Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung

Geschrieben am 30.12.2019

Leserbrief bezüglich des Berichtes „Der Knopf ist dran“ vom 18.12.19

Anscheinend sei Dankbarkeit in der politischen keine feste Kategorie. Wofür sollte ich  der politischen Ebene dankbar sein? Fakt ist, dass die Kliniken in Calw und Nagold, laut GKV-Kliniksimulator aufgrund der geographischen und topographischen Lage, Bestandschutz haben. Dass der Landrat die neue Klinik in dieser Form, einschließlich Campus, auf den Weg brachte, war vor fünf Jahren noch undenkbar. Sollte das Projekt wie geplant, sogar in erweiterbarer Form, in Betrieb gehen, verdient es tatsächlich meinen Respekt. Allerdings erwarte ich, dass der Landrat sein Versprechen einlöst und die Neurologie in Calw bleibt. Dieses hat er in Stammheim vor über 1000 Bürgern gegeben. Derzeit werden in beiden Häusern jährlich mehrere hundert Schlaganfälle behandelt. Durch die neuen politischen Vorgaben darf in Zukunft ein Schlaganfall nur noch in einer Stroke Unit behandelt werden. Das würde bedeuten, dass im Notfall lange Wege nach Nagold verpflichtend werden, wobei doch anscheinend jede Sekunde zählt. So eine Politik ist für Bürger im ländlichen Raum respektlos. Wir müssen uns wehren und uns nicht wie ein Ochse am Nasenring durch die Arena ziehen lassen. Selbstverständlich könnte die Stroke Unit in beiden Häusern vorgehalten werden. Schließlich ist es eigentlich ein Haus. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass im südlichen Teil des Kreises eine beträchtliche Zahl aus den Nachbarkreisen Freudenstadt, Böblingen und Tübingen im Nagolder Haus behandelt wird. Selbstverständlich nehmen diese Menschen den kürzesten Weg in die nächste Klinik. Jedoch muss das Defizit der Häuser durch die Kreisumlage, also durch die Bürger des Kreises finanziert werden. Es wäre schon paradox, dass die nördlichen Kreisbürger bezahlen, aber durch diese Weichenstellung erheblich gefährdet würden. Defizite entstehen, da die Politik katastrophale Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen geschaffen hat. Eines von vielen Beispielen ist die Geburt eines Menschen. Diese verursacht in der Regel immer Verluste für jedes Krankenhaus. Für mich ist das ein Skandal.         

Von Rosi Schaber Matias, Calw
Veröffentlicht am 03.01.2020 im Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung

Geschrieben am 27.12.2019

Absolut gerechtfertigt

BETRIFFT: Krankenhaus

Die Kreistagssitzung mit der Baufreigabe für das neue Calwer Krankenhaus ließ einen demokratischen Prozess erkennen, der allerdings nicht jedem gefiel. Vor allem der Erste Landesbeamte Frank Wiehe hatte die sich über die sechs Jahre hinziehende Entscheidungsfindung heftig moniert. Zurück in das Jahr 2013: Damals votierte der Kreistag für das GÖK- Gutachten- Konzept 3 plus. Dieses sah in Calw einen Krankenhausneubau mit 95 Betten und Baukosten von 30 Millionen Euro vor. Die Orthopädie sollte nach Nagold verlagert werden. Allen Fachleuten war klar, dass dieses Minikrankenhaus keine Überlebenschance hatte und allenfalls zur Portalklinik für die umliegenden Krankenhäuser taugte. Die Gesundheitsversorgung der Region um Calw schien damals auf das Schwerste bedroht. Nicht zuletzt durch die beharrliche Arbeit der Bürgerinitiative mit vielen Gesprächen auch mit der Kreisverwaltung, durch 18 000 Unterschriften der Bürgerschaft, durch Bürgerversammlungen im Landratsamt und in der Stammheimer Gemeindehalle und durch den geschlossenen Einsatz der Kreisärzteschaft entstand letztlich das Konzept 20/21. Auch wenn dieses Konzept noch Mängel aufweist, zeigt sich doch eine eindeutig positive Entwicklung gegenüber 2013: Eine Bettenzahl von jetzt 156 Betten, der Verbleib der Orthopädie in Calw und die Sicherung der Behandlung von Herzinfarkten und Schlaganfällen rund um die Uhr. Damit ist der sechsjährige Entwicklungsprozess zum Wohl der Gesundheitsversorgung des nördlichen Landkreises absolut gerechtfertigt. Zur Berichterstattung: Haben tatsächlich nur Mitglieder der BI zu den kritischen Anmerkungen einiger Abgeordneter Beifall geklatscht? War dem Kommentator in seiner Kolumne nicht klar, dass Chefarzt Martin Handel nur dann als befangen gilt, wenn es um seine persönlichen Interessen innerhalb seiner Dienststelle geht und dass das Regierungspräsidium Karlsruhe zur Frage der Befangenheit eindeutig Stellung genommen hat? Zuletzt möchte ich dem unfairen »Nachruf« von Landrat Helmut Riegger und dem Vorwurf an die Mitglieder der BI, sie hätten kein Interesse an der Entwicklung des Nagolder Krankenhauses, klar entgegentreten. Die BI pro Krankenhäuser Calw und Nagold setzt sich für eine optimale Gesundheitsversorgung im gesamten Landkreis ein.

Von Ewald Prokein, Ottenbronn
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 27.12.2019

Geschrieben am 27.12.2019

Brief vom 23.12.2019 an Herr Buckenmaier, Schwarzwälder Bote

Sehr geehrter Herr Buckenmaier,

Ihr Kommentar zum Neubau des Krankenhauses Calw am 18.12. diesen Jahres im Schwarzwälder Boten ist mehr als verwunderlich.

Ihre Schelte auf den Öffentlichen Dienst ist völlig unangebracht, da die Realität im Krankenhaus damit gar nichts mehr zu tun hat.

Dass ein Chefarzt einer Krankenhaus-Abteilung, wie Prof. Handel, im Kreistag sitzt, haben Sie nicht abfällig zu kommentieren, denn das ist nicht Ihre Aufgabe. Die Rechtmäßigkeit seiner Wahl zum Kreisrat wurde lang und breit diskutiert. Da hätten Sie einfach besser zuhören müssen.

Es ist auch nicht seine „eigene“ Klinik, noch zieht er aus seiner Kritik irgendwelche privaten Vorteile. Insofern muss die Diskussion einer Befangenheit nicht wieder aufgewärmt werden.

Er sorgt sich einzig und allein um die ausreichende und gleichzeitig möglichst wirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung des Landkreises Calw. Da ist zum Beispiel das Thema einer zentralen Instrumentenaufbereitung am besten angesiedelt, wo auch das meiste Sterilgut-Aufkommen anfällt. Das ist eben in Calw und nicht in Nagold. Da ist eine möglichst organische, sinnhafte und wegezeitsparende Anordnung in den einzelnen Abteilungen wichtig, da dem alten Krankenhaus ja „Unorganik“, lange Wege und damit Ressourcen fressende Umstände vorgeworfen werden. Da ist die Anzahl der zur Verfügung stehenden stationären Betten auf dem Campus ein Thema, weil im 30-Minuten-Autofahrzeit-Bereich um Calw 30 % mehr Menschen leben, als um Nagold und völlig anachronistisch in Nagold doppelt so viel Betten vorgehalten werden sollen, als in Calw. In Calw werden nahezu zu 100 % Menschen aus dem eigenen Kreis betreut, im Gegensatz zu Nagold, wo es etwa 60 % sind. Außerdem wächst Calw, als größte Kommune im Kreis, bevölkerungsmäßig am schnellsten. Es ist nicht Aufgabe des Kreises Calw, Patienten aus anderen Kreisen bewusst und gewollt zu versorgen, zumal es ein Zuschuss-Geschäft ist und über die Kreisumlage am Ende von den Bürgerinnen und Bürgern im Kreis bezahlt werden muss. Da ist das Problem der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Akutversorgung rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche. Nagold ist einfach zu weit weg und verkehrstechnisch zeitfressend zu erreichen, so dass Rettungszeiten deutlich überschritten werden und Menschen um Calw einer unzumutbaren Gefährdung ausgesetzt sind. Statt eines neuen Geistes der Gemeinsamkeit für die Zukunft, der Betonung eines Krankenhauses an zwei Standorten mit gemeinsamen Schwerpunkten, spüre ich eine rückwärtsgewandte, in die Vergangenheit gerichtete und hochgehaltene Politik mit allen Schwerpunkten in Nagold einschließlich aller elektiven Eingriffe und eines möglichst defizitären Krankenhauses in Calw.

Wenn es also darum geht, muss niemand „vom Sitzungstisch abrücken“, es „profiliert“ sich damit auch niemand und es handelt sich auch nicht um ein „Problem“ einer „exponierten Haltung zum eigenen Haus“ oder um „Geplänkel“. Vielmehr handelt es sich um den reinen und gesunden Menschenverstand, den man aber oft in der Politik vermisst. Es geht auch um die Sorge einer nachhaltigen, guten Betreuung der Bevölkerung im Ländlichen Raum des Kreises insgesamt, die wenigstens der Versorgung in Ballungsgebieten näher kommt. Diesen Zielen sind alle Kreisräte verpflichtet, da sie ihr Mandat von den Kreisbewohnern erhalten haben.

Bitter stoßen mir dabei aber gewisse Vorgänge auf:

Wie konnte es angehen, dass Herr Kreisrat Walz beklagen musste, dass seine Leserbriefe im SchwaBo nicht gebracht wurden und er von Ihnen privat in diesem Zusammenhang einmal eine zornige Reaktion erhielt?

Wie konnte es sein, dass im Kreistag bereits über einen geplanten Leserbrief von Kreisrat Zoufaly geredet wurde, bevor er im Schwarzwälder Bote erschien? Woher kam die Information, dass er einen Kommentar für die Zeitung plante?

Wie konnte es sein, dass im Schwarzwälder Bote eine Abstimmung im kalten Dezember mit Kreisräten in Sommerhemden fingiert wurde, als es um die provokative Äußerung eines Kreisrats und meine Leserbriefreaktion ging: „Wenn die Calwer ihr Krankenhaus sterben sehen wollen, dann müssen sie genau so weitermachen“?

Als negativen Höhepunkt empfinde ich das zweifelhafte Statement eines Fraktionsvorsitzenden in der 1. Kreistagssitzung des neu gewählten Kreistags für die Berichterstatter des Schwarzwälder Boten, indem er lobte, dass es nur wenigen Meinungsverschiedenheiten gegeben hätte.

Dieses „Lob“ ist mehr als zweifelhaft und hat meines Erachtens ein „Gschmäckle“. Sie hätten es zurückweisen müssen, denn es impliziert meiner Meinung nach eine gewisse Nähe von Presse und Politik. Unsere Demokratie lebt aber von einem kritischen, investigativen Journalismus. In einem Leserbrief wollte ich schon einmal den Begriff „Hofberichtserstattung“ verwenden. Dies war allerdings für den Schwarzwälder Boten für die Veröffentlichung nicht akzeptabel, wofür ich ein gewisses Verständnis aufbringe, denn wer beschmutzt sich schon gern das eigene Nest.

Alles in Allem sehe ich gerade bei Ihnen eine besorgniserregende Entwicklung und hoffe, dass Sie sozusagen wieder auf den Pfad der Tugend zurückfinden.

Mit freundlichen Grüßen

Von Dr. Eberhard Bantel, Calw-Altburg

Geschrieben am 23.12.2019

Bis zum Baubeginn des neuen Krankenhauses bleibt noch Zeit für Nachbesserungen

BETRIFFT: Krankenhaus Calw

Gestern hat der Kreistag den Neubau des Krankenhauses Calw beschlossen: Mit 156 Betten und ohne Neurologische Abteilung. Obwohl das sichtbare Bemühen der Kreisverwaltung, des Planungsbüros und aller in der Klinik an der Planung Beteiligten Anerkennung verdient, macht dieser Beschluss nicht richtig glücklich. Es geht einem, wie wenn man ein Hemd mit zu engem Kragen und zu kurzen Ärmeln erworben hat: Man fühlt sich nicht wohl. Diesem Unbehagen haben in der Diskussion die Ärzte Zoufaly, Plappert, Bantel und Handel Ausdruck verliehen.

Schon die Bettenzahl ist zu kurz gegriffen. Das Calwer Krankenhaus ist derzeit mit fast 180 Patienten täglich belegt. Dieses Patientenaufkommen wird noch wachsen, wenn ein neues hochmodernes Krankenhaus bereit steht und wenn der S‑Bahn-Anschluß nach Stuttgart vollzogen ist. Nach Schätzungen wird dann die Bevölkerung in Calw und den Gäugemeinden wegen der günstigen Verbindungen und wegen der Stadtflucht (Mieten!) um 6 % wachsen. Dieser Entwicklung muss Rechnung getragen werden. Die in Aussicht gestellte Aufstockung um 30 Betten würde lediglich unnötige neue Bauarbeiten und erfahrungsgemäß erhöhte Kosten nach sich ziehen.

Nur die sofortige Behandlung von Schlaganfallpatienten innerhalb der ersten Stunde kann größere Schädigungen des Gehirns verhindern. Kein Mensch aus der Calwer Region könnte verstehen, dass ein Patient mit Schlaganfall an einem hochmodernen Krankenhaus vorbei gefahren wird. Deswegen ist ein Verbleib der Neurologischen Abteilung in Calw anzustreben. Selbstverständlich muss diese Behandlung auch in Nagold vorgehalten werden. Die Entwicklung von „Stroke Units“ in allen Krankenhäusern unserer Größenordnung lässt sich nicht mehr aufhalten und passt auch gut in das von Gesundheitsminister Spahn initiierte Konzept der „Integrierten Notfallversorgung“.

Dass die Zentralsterilisation an die Orthopädische Abteilung in Calw mit dem höchsten Aufkommen an Sterilgut angebunden wird, erscheint logisch und ist umweltschonend, da unnötige Fahrten vermieden werden. Ebenso sollte die Physiotherapie in ihrem jetzigen Umfang eng an die Orthopädie angebunden werden.

Ganz wesentlich für das Gelingen des angestrebten Konzeptes ist die Einplanung eines Personalwohnheims und einer an den Schichtbetrieb angepassten Kindertagesstätte auf dem Campus. Nur durch solche sozialen Angebote lässt sich dem deutschlandweit galoppierenden Schwund von Pflegepersonal und Ärzten entgegensteuern.

Noch ist der erste Backstein für das neue Calwer Krankenhaus nicht gemauert. Es ist also noch genügend Zeit für Nachbesserungen. Die Bürgerinitiative Krankenhäuser wird deshalb Kontakt zur Kreisverwaltung und dem Planungsbüro aufnehmen.

Von Ewald Prokein, Althengstett-Ottenbronn

In abgeänderter Version veröffentlicht im Schwarzwälder Bote,
Teil Calw und Umgebung vom 20.12.2019

Geschrieben am 21.11.2019

Nicht Alles ist in trockenen Tüchern

Medienwirksam (siehe Schwarzwälder Bote vom 17.9.2019) wurde der Spatenstich des neuen Calwer Krankenhauses gefeiert. Sehr weit sind die Baumaßnahmen seither nicht vorangekommen.  Die Planungsunterlagen sind erfreulicherweise öffentlich gemacht worden, aber die Raumplanung steht noch nicht endgültig. Ein Blick in die Pläne zeigt aber, der Neubau wird offensichtlich hinsichtlich der Bettenzahl mit 150 Betten und zu kleinen bzw. zu wenig Funktionsräumen aus Kostengründen zu klein ausfallen. Derzeit hat das Calwer Krankenhaus 184 Betten und eine Auslastungsquote von 90 bis 105 %. Dies ist auch ein Ausdruck der großen Zufriedenheit mit dem Calwer Haus. Der Blick in die Planungsunterlagen zeigt weiter, dass zwar eine modulare Erweiterung stets möglich ist, selbiges ist aber die teuerste Lösung, wie jeder Bauherr weiß.

Auch darf die Frage erlaubt sein, was durch das Krankenhaus verbunden mit dem Gesundheitscampus besser für die Calwer Bevölkerung wird. Derzeit ist aus medizinischer Sicht im Vergleich zu jetzt keine Verbesserung durch das neue Krankenhaus zu sehen. Gleichwohl kann das innovative Modell „Gesundheitscampus“ des Landrats ein Fortschritt sein, wenn es gelingt, durch die Einrichtung von Medizinischen Versorgungszentren beim neuen Krankenhaus eine weitere Verschlechterung der Hausarzt- und Facharztversorgung zu stoppen. Im Übrigen führt die Unterstützung durch das Landratsamt immer mehr dazu, freiwerdende Hausarztstellen zu besetzen, wenngleich viele Stellen unbesetzt bleiben. Eine Praxisübergabe oder Praxisgründung in der Region erfolgt aber nur dann, wenn die praktische Ausbildung schwerpunktmäßig am Calwer Krankenhaus erfolgte. Dazu ist ein voll funktionsfähiges Krankenhaus in der derzeitigen Form unabdingbar. Dies entspricht auch dem Versprechen des Landrats in der Veranstaltung in Calw-Stammheim, dass in Calw auch in der Zukunft Herzinfarkte und Schlaganfälle behandelt werden können.

Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim
Veröffentlicht
am 03.12.2019 im Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung

Geschrieben am 23.09.2019

Interessen der Bürger dürfen nicht außer Betracht bleiben

BETRIFFT: Kommentar »Calwer Wunder« auf der Seite Nordschwarzwald vom 17.09.2019

Nicht unkommentiert kann der Kommentar von Roland Buckenmaier vom 17.9.2019 bleiben. Er beschreibt die Aktionen der Bürgerschaft der Region Calw als „Stahlgewitter“ für die Landräte. Zur Historie: Der Kampf um das Calwer Krankenhaus begann bereits im Jahre 2004. Ohne den Widerstand der Bürgerschaft würde es in Calw kein Krankenhaus mehr geben, allenfalls eine Portalklinik, die keinen Bestand gehabt hätte.

Was nun mit dem Spatenstich gefeiert wurde, ist die zweitbeste Lösung. Die Beste wäre ein Zentralkrankenhaus zwischen der Kreisstadt Calw und Nagold gewesen. Das war aber mit der Nagolder Hautevolee nicht zu machen, denn wenn es um die Stadt geht, ist ‑anders als bei geschäftlichen Aktivitäten- die Offenheit nicht gegeben.

Herrn Buckenmaier ist insoweit beizupflichten, dass die verschiedenen Veranstaltungen — insb. in der Halle in Stammheim — und Leserbriefe für die Kreis- und Lokalpolitiker nicht vergnügungssteuerpflichtig waren. Sie haben aber aufgezeigt, in einer modernen Demokratie können und dürfen die Interessen der Bürger nicht außer Betracht bleiben. Dies zeigen die die derzeitigen Aktionen der Jugend deutlich, welche nun die Politiker zum Handeln zwingen.

Landrat Riegger hat diese Entwicklung zur Kenntnis genommen und reagiert. Mit Weitblick hat er sich nun dafür eingesetzt, dass nicht nur ein Krankenhaus mit 24-Stundenversorgung an 7 Tagen in der Woche mit einem Schwerpunkt Orthopädie in Calw gebaut, sondern dieses in einer Art „Leuchtturmprojekt“ durch einen Gesundheitscampus ergänzt wird. Dieser Gesundheitscampus soll auch die dringend benötigte hausärztliche Versorgung sicherstellen. Erfreulich ist, man denkt nun auch darüber nach, dieses Projekt um Personalwohnungen zu ergänzen.

Erstaunlich ist, dass weder der Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag, der Nagolder OB Großmann, noch der Ärztliche Direktor aus Nagold Prof. Dr. Mörk beim Spatenstich zugegen waren.

Trotzdem: „Ende gut, alles gut?“ Nicht ganz, denn die Umsetzung der Planung wird zeigen, dass es noch Optimierungspotenzial gibt. Es muss auch noch sichergestellt werden, dass entsprechend der Zusage des Landrats nicht nur Herzinfarkte, sondern auch Schlaganfälle in Calw behandelt werden können.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 26.09.2019

Geschrieben am 26.08.2019

Worin liegt die Strategie?

BETRIFFT: Calwer Krankenhausdebatte

Die Fragen des Leserbriefs von Frau Kröner vom 25. Juni über die Zukunft der Calwer Klinik beschäftigen viele Menschen im Landkreis. Versuchen wir, sie vom vorliegenden Sachverhalt hier zu beantworten.

Das Krankenhaus der Großen Kreisstadt Calw bietet heute ein meiner Meinung nach hohes medizinisches Niveau, versorgt den ländlichen Raum, ist von der Bevölkerung sehr gut angenommen und gibt ihr eine gewisse Geborgenheit.

Die Städte Sindelfingen und Böblingen haben den Neubau eines Großkrankenhauses beschlossen. Es ist meines Erachtens überdimensioniert, weil es die medizinische Versorgung auch der entfernt liegenden Kreisstadt Calw mit dessen ländlichem Umfeld beansprucht. Das liegt meiner Ansicht nach im Trend der neoliberalen Profitwirtschaft auch im Gesundheitswesen.

Wie werden die diametral entgegengesetzten Interessen staatlicherseits gelöst? Das »alte« – regelmäßig sanierte – Calwer Krankenhaus sollte einschließlich seines neuen Teils mit allen modernen OP-Sälen abgerissen werden. Als Ersatz war ein Mini-Neubau mit Einschichtbetrieb von 8 bis 17 Uhr projektiert.

Eine Bürgerinitiative sowie die unerwartete Expertise von mehr als 200 Medizinern zwingen den Staat zu Zugeständnissen. Das Misstrauen gegenüber den zuständigen staatlichen Protagonisten, Landessozialminister Manne Lucha (Grüne) und den Calwer Landrat Helmut Riegger, ist groß: Öffentlich geben sie sich so, als sei durch Nachverhandlungen alles zur Zufriedenheit gelöst. Tatsächlich beobachte ich, dass sie auf wesentliche Punkte keine Antwort geben und zusätzliche Hürden aufbauen. Dabei verweise ich unter anderem auf den Leserbrief des Herrn Prokein, vom 16. Mai.

Der Landrat handelt nach eigener Aussage »strategisch und strukturell«. Worin liegt seine Strategie?

Einerseits baut Riegger das Krankenhaus in Nagold an der äußersten Kreisgrenze für derzeit rund 85 Millionen Euro aus und entzieht mit dieser Priorität Finanzmittel für eine zentrale Klinik im Kreis Calw. Der Mini-Neubau in der Stadt Calw ist mit 60 Millionen Euro gedeckelt. Warum ein neues Gebäude unter diesen Bedingungen? Mir ist keine Planung für einen Krankenhausneubau in Deutschland mit einem solchen Leistungsprofil bekannt oder auch nur denkbar.

Andererseits erkennen wir die wachsende Überalterung unserer Gesellschaft. Das ehemalige Horber Krankenhaus ist bereits heute nur noch eine geriatrische Klinik. Das neue Mini-Krankenhaus in Calw ist ausdrücklich auch für eine andere Nutzung konzipiert, die meiner Prognose nach eintritt, sobald das Sindelfinger Großklinikum seine Arbeit aufnimmt. Andernfalls müsste sich der Kreis Calw bereits heute intensiv seines geriatrischen Zukunftsproblems annehmen, was urplötzlich nicht mehr der Fall ist. Und die Stadt Sindelfingen verlässt sich mit ihren Planungsansätzen auf ihren Bürger und ehemaligen ersten Bürgermeister Riegger.

Der Abbau einer erfolgreichen Klinik lässt sich über Generationen hinaus nicht korrigieren. Die Herren Lucha und Riegger übertünchen das meiner Überzeugung nach mit den oben genannten Winkelzügen. Gleiche Lebensverhältnisse im Lande gemäß Grundgesetz und gleichzeitige Förderung von Profitgier gemäß neoliberaler Ideologie sind für mich unvereinbar.

Henning Külz | Calw
Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Umgebung vom 3.9.2019