Leserbriefe

Geschrieben am 15.02.2018

In die »große Politik« einmischen

BETRIFFT: Artikel »Kreisrat fordert sachliche Diskussion« vom 3. Februar

Kreisrat Kante hat Recht: »So kann das nicht weitergehen.« Er hat diesen Satz bezogen auf den »riesigen Abmangel der Kliniken« von zuletzt mehr als sechs Millionen Euro. Ich beziehe diesen Satz »So kann das nicht weitergehen« auf die Entwicklung einer Gesellschaft und ihrer Politik, die anscheinend nicht mehr bereit ist, genügend Geld für die Versorgung der Kranken und die Pflege der alten Mitbürger aufzuwenden, obwohl die Steuerquellen sprudeln. Dazu muss man sich nur die Tausenden fehlenden Stellen in der Kranken– und Altenpflege, die schlechte Entlohnung der Pflegekräfte und die prekäre Lage der Hebammen vor Augen halten. Zurück zu den »Defiziten« der Krankenhäuser landauf und landab: Für mich ist es völlig klar, dass ein Krankenhaus kein Gewinn abwerfender Betrieb ist, sondern dass die Krankenhäuser und Pflegeheime von den finanziellen Mitteln der Gesellschaft, den Steuern, in ausreichendem Maß getragen werden müssen. Bei der Feuerwehr und den Schulen verhält es sich genauso. Der Blick in die Geschichte lehrt, dass es schon immer so war, seit sich im Mittelalter die Klöster der Kranken und Armen angenommen haben. Als Vorläufer des heutigen Calwer Krankenhauses wurde 1494 in Calw ein Spital für Kranke und Arme erbaut. Die finanzielle Grundlage schuf der Calwer Ludwig Braun mit einer Stiftung von 200 Florin. Damals begann die Gesellschaft, sich strukturiert um die schicksalhaft Benachteiligten zu kümmern. Und heute? Statt das Defizit zu fixieren wie das sprichwörtliche Kaninchen die Schlange, böten sich gerade für Parteien, die das Wort »Sozial« im Namen führen, vielfältige Möglichkeiten, regulierend in das kapitalgesteuerte Gesundheitswesen einzugreifen und so auch die entstehenden Defizite zu senken: Steuererhöhungen für Konzerne und Banken mit ihren irrsinnigen Boni, Rückführung der Krankenkassen auf das Solidaritätsprinzip, Einforderung der Investitionsverpflichtungen der Länder gegenüber den Kliniken und Abschaffung oder Nachbesserung des vom Bund 2003 eingeführten Vergütungssystems der DRGs (Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, SPD). Dieses Abrechnungsmodell der Krankenhausbehandlung über Fallpauschalen benachteiligt die kleineren Krankenhäuser auf dem Land und ist der Hauptgrund für die von den Kreisräten beklagten Defizite. Darüber, und wie sich die Kreisräte in die »große Politik« einmischen können, müssen wir, wie es Herr Kante vorschlägt, in Ruhe, sachlich und ohne Polemik reden.

Von Dr. Ewald Prokein Althengstett-Ottenbronn

Schwarzwälder Bote, Calw und Gäu vom 15.02.2018

Geschrieben am 09.02.2018

Bessere Lösung suchen

BETRIFFT: Artikel »Krankenhaus: OB pocht auf mehr Betten« auf der Seite Calw vom 7. Januar
Beim traditionellen Neujahrsempfang hat OB Eggert viel Erfreuliches berichtet. Besonders wichtig für die interessierten Bürger ist die Krankenhaus-Frage. Nach meiner Überzeugung und vieler Fachleute und Mediziner ist dieses Problem noch nicht wirklich gelöst. Hier ist Nachbesserung nötig, zum Beispiel auch Umbau/Neubau direkt am bestehenden Krankenhaus. Es ist sehr erfreulich, dass Herr Eggert sowohl beim kürzlich stattgefundenen Männerforum im Stadtteil Heumaden als auch jetzt wieder nachdrücklich darauf hingewiesen und gedrängt hat. Hierbei sollte auch der Gemeinderat (nicht nur teilweise) geschlossen mitmachen, um eine klare Botschaft an den voreiligen Kreistag zu senden und vor allem an den in dieser brisanten Sache meiner Meinung nach eigenwilligen Landrat. Es ist zu hoffen, dass die Kreisräte ihre damalige überlegte Zustimmung – im Sinne des Landrats – nochmals überdenken und ebenfalls eine bessere Lösung suchen, die der besorgten Bevölkerung des gesamten Landkreises Calw zugute kommt.
Von Alfred Hiller, Calw
Schwarzwälder Bote, Calw und Umgebung vom 9.02.2018

Geschrieben am 09.02.2018

Abbau von Strukturen bereits voll im Gange

BETRIFFT: Artikel »Kreisrat fordert sachliche Diskussion« vom 3. Februar

Geschrieben am 02.02.2018

Keine Zustimmung

BETRIFFT: Calwer Krankenhaus

Der erneute Appell von mehr als 100 Ärzten und deren Forderungen an Landrat und Kreistag Calw wird sicher von einer großen Mehrheit der Bürger in jedem Punkt unterstützt. Seit dem Kreistagsbeschluss Konzept 3plus, der unter anderem für Calw den Bau eines Gesundheitscampus, die Schließung des Krankenhauses, die Verlegung diverser Fachabteilungen nach Nagold, die Reduzierung der Bettenzahl sowie die Erweiterung und Renovierung des Nagolder Krankenhauses beinhaltet, wird der Druck und Widerstand, aus allen Schichten der Bürgerschaft, gegen dieses Konzept stärker. Trotzdem besteht der Landrat weiterhin auf die eins zu eins Umsetzung des umstrittenen Konzeptes. Gleichzeitig droht er, dass es bald kein Krankenhaus in Calw mehr geben werde, falls der Gesundheitscampus nicht gebaut wird. Ferner Stuttgart das Krankenhaus schließen wird, wenn noch zwei, drei Jahre so weitergemacht werde. Dass dem nicht so ist, wird im Ärzteappell vom 20. des Monats meiner Meinung nach klargestellt. Die Überlebenschancen des Gesundheiscampus konnte den Bürgern meines Erachtens nach bisher nicht glaubhaft gemacht werden, da unter anderem die Planung, bereits im Vorfeld, einen Verlust in Millionenhöhe für den Gesundheitscampus voraussagt, welcher im Gegenzug im Nagolder Krankenhaus erwirtschaftet werden muss, obwohl auch dort in der Vergangenheit nur Verluste in Millionenhöhe zu verzeichnen waren. Kleine Krankenhäuser, gerade in Campusgröße, wurden in den vergangenen Jahren bekanntlich zusammengelegt oder geschlossen. Aus diesem Grund gibt es weder von einer Bürger– noch von einer Ärztemehrheit zu diesem Konzept eine Zustimmung und das sollte endlich von den Verantwortlichen ernstgenommen werden. Nachdem eine Einhäusigkeit, Zusammenlegung der Krankenhäuser Calw und Nagold, zu einer Großklinik, offenbar in naher Zukunft nicht zu verwirklichen ist, sollte unbedingt die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, das vorhandene Krankenhaus weiterzuführen. In dieses Haus wurden in den vergangenen Jahren laufend Millionen investiert, befindet sich in einem guten Zustand und könnte meiner Meinung nach, bei einer entsprechenden Erweiterung und Verbesserung der Parkmöglichkeiten für Krankenhausbesucher, weiterhin genutzt werden, bis es einmal zu einer Einhäusigkeit für den Kreis Calw kommt. Dadurch würde das für den Gesundheitscampus vorgesehene Areal im Gewerbegebiet Stammheim Feld für weiter Gewerbeansiedlung der Stadt Calw erhalten bleiben. Um zu einer vernünftigen Lösung in der Krankenhausfrage zu kommen, sollte in Bälde die Initiative »pro Calwer Krankenhaus« ernsthaft aktiv werden.

Von Werner Schaible, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 01.02.2018

Geschrieben am 31.01.2018

Nicht wirtschaftlich?

BETRIFFT: Artikel »Zentralklinik ist für Landkreis keine Option« auf der Seite Nordschwarzwald vom 12. Januar

Wie soll man diese Wirtschaftlichkeit eigentlich verstehen? Auf der einen Seite das Nagolder Krankenhaus für eine Menge Geld sanieren, obwohl klar ist, dass man dessen schmale Gänge (zukünftige Brandschutzbestimmungen) nie verbreitern kann, dass es meines Erachtens nach also auf die Zukunft hin nicht überlebensfähig ist, sowie in Calw ein Krankenhäuschen für eine Menge Geld bauen, das meiner Meinung nach ein paar Jahre später gestorben sein wird beziehungsweise laut Krankenkassen sowieso sinnlos zu bauen.

Auf der anderen Seite aber soll es nicht wirtschaftlich sein, diese meines Erachtens nach wohl auf die Zukunft gesehen sinnlos verbrauchten Gelder zusammenzutun samt einem zur Zeit noch sehr billigen Kredit und ein für die Bevölkerung immer noch erreichbares Zentralkrankenhaus zu bauen?

Und wieso verlautet vom Landratsamt, das sei laut Gutachten von 2013 nicht wirtschaftlich, wenn damals dort gesagt wurde, dass dies durchaus möglich sei, ohne Defizit?

Mir fällt Shakespeare ein: »Es ist was faul im Staate Dänemark«, vielleicht auch hier bei uns. Langsam denke ich, dass man einfach nicht will, um stattdessen das wenig sinnvolle Konzept 3plus durchzusetzen, egal was die Betroffenen, die Bürger sagen. Aber warum nur? Wer spielt da eine bisher uns noch unbekannte Rolle? Am Ende noch Versprechen? Oder gar Geschenke? Wie anders soll man es denn verstehen?

Von Sigrid Kröner, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 30.01.2018

Geschrieben am 31.01.2018

Vertrauen beschädigt

BETRIFFT: Artikel »Zentralklinik ist für Landkreis keine Option« auf der Seite Nordschwarzwald vom 12. Januar

Das Landratsamt schreibt in einer Stellungnahme, man habe sich 2015 »ganz bewusst« – auch aus »strukturpolitischen« Gründen – für zwei Klinikstandorte (Nagold und Calw) entschieden.

Die Landratsbeschlüsse haben meines Erachtens nach »strukturell« »bewusst« zu folgenden Fakten geführt: Der Landrat hat die Nachbarkreise Sindelfingen/Böblingen und Freudenstadt bedient – zu Lasten der Großen Kreisstadt Calw und ihrem gesamten Umfeld. Ein gewaltiger Schaden für diesen ländlichen Raum hinsichtlich Wirtschaft und Lebensqualität. Die Klinik Nagold im Randgebiet des Kreises Calw deckt Horb (Kreis Freudenstadt) ab; das bestehende Krankenhaus in Calw muss weichen, meiner Meinung nach nicht, weil es teilweise noch alte Bausubstanz hat, sondern weil dessen Baugrund für Investoren interessant ist und es wirtschaftlich dem neuen Klinikum in Sindelfingen/Böblingen im Wege steht.

Die Neubauklinik in Calw ist meines Erachtens nach eine vorsätzlich geplante Totgeburt. Die Einnahmen und Ausgaben während des Betriebes stehen in untragbarem Ungleichgewicht.

Zusätzlich gibt die Neubauklinik im Verbund mit dem Campus Teile ihres restlich noch verbliebenen Leistungsprofils an die Privatwirtschaft ab, damit ein Investor überhaupt Interesse am Campus zeigt: Privatisierung durch die Hintertür, die der Architekt Johannes Schwarz in seinem Leserbrief vom 10. Januar nicht sehen kann. »Blinde Kreisräte sind des Landrats Lust und… dem Kreistag sein Tod.

« Ernsthaft: Wer die Sachdiskussion – meiner Meinung nach amts– und machtmissbräuchlich – verhindert oder mit Schlagworten wie »Innovation« Kompetenzchaos einrichtet, meines Erachtens nach zum Zwecke der Vortäuschung eines angeblich zukünftig funktionierenden Krankenhausbetriebes, der beschädigt das Vertrauen in die Demokratie im hautnahen persönlichen Bereich des Bürgers. Trump in den USA oder die AfD in Deutschland sind nicht vom Himmel gefallen sondern Ergebnis verspielten Vertrauens von Politik und Staat. Rücksichtsloser Kapital-Liberalismus gepaart mit Verflechtung von Wirtschaft und Staatsführung und praktiziert nach dem Motto »Ich zuerst« bekommt keinem Land gut.

Von Henning Külz, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 30.01.2018

 

Geschrieben am 29.01.2018

Das geringste Übel

BETRIFFT: Klinikkonzept im Kreis Calw

Als Branchenfremder erlaube ich mir einen einfachen Meinungsbeitrag in der Klinikdebatte, die nun gefühlt ins sechste Jahr geht.

1. Die Einhäusigkeit scheint langfristig das geringste Übel zu sein. Gerade hat der Zollernalbkreis beschlossen, sowohl Balingen als auch Albstadt aufzugeben und in der Mitte ein Großklinikum zu realisieren, nachdem schon vor zehn Jahren Hechingen geschlossen wurde. Villingen-Schwenningen hat vor zwölf Jahren – bislang mit Erfolg – dasselbe gemacht. In der Struktur kann sich doch der Kreis Calw (weitflächig, ländlich, wenige Einwohner) hier vergleichen. Man darf den Kreistagen in Balingen und Villingen-Schwenningen vielleicht auch die nötige Urteilsfähigkeit zutrauen. Somit drängt sich die Einhäusigkeit auf.

2. Auf das Grundproblem hat der Landrat keinen Einfluss. Der Gesundheitsfonds hortet im Moment 21 Milliarden Euro. Dies hat mit »schwarzer Null« nichts mehr zu tun. Die Guthaben des Gesundheitsfonds sind natürlich die Defizite der Leistungserbringer wie Kliniken, Arztpraxen und Apotheker durch Sparen auf Kosten der Leistungserbringer. Hier kann nur die Bundespolitik nachsteuern, aber wir haben ja keinen Gesundheitsminister.

3. Die Logik der Betriebswirtschaft ist bei Krankenhäusern sowieso fragwürdig. Möchte man sich wirklich mehr Patienten, also ein Volk von Kranken wünschen?

4. Der buchhalterische Verschiebebahnhof zwischen Standort Nagold und Standort Calw überzeugt nicht. Dies zeigt gerade ein anderes Feld der Sozialpolitik. Die Rentenreformen früherer Jahre haben zwar als Ergebnis, dass die Rentenversicherung »eiserne Reserven« auffüllt. Heißt freilich auch, dass das untere Viertel der Rentner plötzlich mit Wohngeldanspruch dasteht. Der Erfolg der Rentenversicherung ist also weitgehend auf Kosten der Wohngeldkasse erkauft. 5. Ich sehe schon Landrat Riegger vor mir, wie er in wenigen Jahren gewohnt selbstbewusst seinen Schwenk in der Krankenhauspolitik den Menschen erläutern wird. Wie wenn es im Januar 2018 nicht erkennbar gewesen wäre.

Von Markus Heim, Nagold

Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Gäu vom 27.01.2018

Geschrieben am 25.01.2018

Appell an Kreistag

Geschrieben am 25.01.2018

Gutachten notwendig

BETRIFFT: Krankenhaus

Die Behauptung des Landrats (der Calw meines Erachtens nach von Anfang an aufgegeben hatte) und anderer Personen, dass Calw letzten Endes ohne Krankenhaus dastehen könnte, ist meiner Meinung nach kaum glaubhaft. Denn selbst in Stuttgart gibt es sicherlich auch einige kluge Leute, die Sinn oder Unsinn einer derzeit vom Landrat und Kreistag geplanten Lösung besser einschätzen können.

Der ewig vorgeschobene, fehlende Brandschutz ist ein Manko, das beseitigt werden muss. Dies ist nicht billig, aber notwendig und machbar. Also nicht immer darüber jammern, sondern endlich entsprechend handeln!

Wenn ein »Kreistagsmitglied sehr genau Bescheid weiß«, wie zitiert, dann sollte es seine Kollegen darüber informieren, damit diese sachkundig votieren können. Die seinerzeitige Abstimmung (wie selbst miterlebt!) verlief für mich völlig unbefriedigend, weil der Landrat meiner Meinung nach die neuesten, offensichtlich positiven Daten des ominösen Gutachtens (mit düsteren Zukunftsprognosen) nicht bekannt gab – wie es seine Pflicht ist! Dies hätte allerdings ein aufgeschlossener, verantwortungsvoller Kreistag verlangen müssen sowie einen Zeitaufschub, um die aktuellsten Daten prüfen und neu bewerten zu können.

Das haben die Kreisräte sträflicherweise versäumt und haben sich (obwohl meines Erachtens nach schlecht informiert) meiner Meinung nach vom Landrat zu einer voreiligen Abstimmung drängen lassen, die deshalb meines Erachtens nach in seinem Sinne ausfiel. Die »gewählten Volksvertreter« des Kreistags sollten wissen, dass sie nicht (nur) gegenüber dem Kreischef (scheinbar) »zum Gehorsam verpflichtet« sind, sondern vielmehr verantwortlich für die Interessen der Bevölkerung, die sie deshalb gewählt hat. Das haben sie in diesem Falle – nach meiner Überzeugung – nicht getan.

Aber bei dieser elementaren, zukunftsweisenden Weichenstellung mit riesigen Investitionen für die Gesundheitsversorgung unseres großflächigen Landkreises ist sowieso zumindest ein zweites, wirklich objektives Gutachten dringend notwendig! Erst danach kann man mit gutem Gewissen weitersehen.

Von Alfred Hiller, Calw

Schwarzwäder Bote, Teil Calw vom 24.01.2018

Geschrieben am 19.01.2018

Rund 200 Betten nötig!

Das Landratsamt spricht sich in dem Bericht noch einmal für das „Konzept 3plus“ aus und verweist u.a. auf „strukturpolitische Gründe“. Damit ist wohl gemeint, dass das Krankenhaus für die betroffene Bevölkerung möglichst rasch erreichbar sein soll. In der Tat wäre es schön, wenn für Calw ein Krankenhaus „direkt vor der Tür“ erhalten bliebe. Das müsste allerdings ein Krankenhaus sein, das den heutigen Anforderungen an die „Grund– und Regelversorgung“ entspricht, in dem also Menschen mit häufigen und dringend behandlungsbedürftigen Erkrankungen rasch behandelt werden können.

Im „Konzept 3plus“ sind folgende Bettenzahlen festgeschrieben: Innere Medizin 66, Allgemeine Chirurgie 9, Unfallchirurgie/Orthopädie 23, Neurologie 25, Frauenheilkunde 10 und HNO 1. — In der Fachwelt besteht ein weitgehender Konsens, dass eine Chirurgische Klinik den Anforderungen der „Grund– und Regelversorgung“ nicht mehr gerecht werden kann, wenn sie aus weniger als 2 Spezialabteilungen mit je mindestens 40 Betten besteht (z.B. Unfallchirurgie/Orthopädie und Viszeralchirurgie). Dasselbe gilt für die Innere Medizin; hier werden entsprechend große Abteilungen für Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie oder Geriatrie benötigt. Die beiden letztgenannten Spezialisierungen kommen in Betracht, weil in ihnen das gesamte Krankheitsspektrum der Inneren Medizin behandelt wird. — Die Fächerkombinationen sind notwendig geworden, weil es Abteilungen für Allgemeine Chirurgie und Allgemeine Innere Medizin an deutschen Krankenhäusern de facto nicht mehr gibt!

Ein neues Krankenhaus in Calw braucht also, um dem Versorgungsbedarf gerecht zu werden, und um ökonomisch konkurrenzfähig zu bleiben, allein für Chirurgie und Innere Medizin ca. 160 Betten und darüber hinaus weitere Betten für Neurologie, Frauenheilkunde und Intensivmedizin, also rund 200 Betten.

Das „Konzept 3plus“ kann das nicht leisten! – Das vielleicht wichtigste Argument gegen einen zu kleinen Krankenhausneubau liegt im übrigen in den ärztlichen Weiterbildungsmöglichkeiten. In Anbetracht des heutigen Ärztemangels lassen sich Assistenzärzte nur noch an Abteilungen binden, die die volle Weiterbildungsermächtigung besitzen – auch in einem weitverzweigten Klinikverbund.

Von Dr. Rolf Johnen, Calw

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018