Leserbriefe

Geschrieben am 25.01.2018

Gutachten notwendig

BETRIFFT: Krankenhaus

Die Behauptung des Landrats (der Calw meines Erachtens nach von Anfang an aufgegeben hatte) und anderer Personen, dass Calw letzten Endes ohne Krankenhaus dastehen könnte, ist meiner Meinung nach kaum glaubhaft. Denn selbst in Stuttgart gibt es sicherlich auch einige kluge Leute, die Sinn oder Unsinn einer derzeit vom Landrat und Kreistag geplanten Lösung besser einschätzen können.

Der ewig vorgeschobene, fehlende Brandschutz ist ein Manko, das beseitigt werden muss. Dies ist nicht billig, aber notwendig und machbar. Also nicht immer darüber jammern, sondern endlich entsprechend handeln!

Wenn ein »Kreistagsmitglied sehr genau Bescheid weiß«, wie zitiert, dann sollte es seine Kollegen darüber informieren, damit diese sachkundig votieren können. Die seinerzeitige Abstimmung (wie selbst miterlebt!) verlief für mich völlig unbefriedigend, weil der Landrat meiner Meinung nach die neuesten, offensichtlich positiven Daten des ominösen Gutachtens (mit düsteren Zukunftsprognosen) nicht bekannt gab – wie es seine Pflicht ist! Dies hätte allerdings ein aufgeschlossener, verantwortungsvoller Kreistag verlangen müssen sowie einen Zeitaufschub, um die aktuellsten Daten prüfen und neu bewerten zu können.

Das haben die Kreisräte sträflicherweise versäumt und haben sich (obwohl meines Erachtens nach schlecht informiert) meiner Meinung nach vom Landrat zu einer voreiligen Abstimmung drängen lassen, die deshalb meines Erachtens nach in seinem Sinne ausfiel. Die »gewählten Volksvertreter« des Kreistags sollten wissen, dass sie nicht (nur) gegenüber dem Kreischef (scheinbar) »zum Gehorsam verpflichtet« sind, sondern vielmehr verantwortlich für die Interessen der Bevölkerung, die sie deshalb gewählt hat. Das haben sie in diesem Falle – nach meiner Überzeugung – nicht getan.

Aber bei dieser elementaren, zukunftsweisenden Weichenstellung mit riesigen Investitionen für die Gesundheitsversorgung unseres großflächigen Landkreises ist sowieso zumindest ein zweites, wirklich objektives Gutachten dringend notwendig! Erst danach kann man mit gutem Gewissen weitersehen.

Von Alfred Hiller, Calw

Schwarzwäder Bote, Teil Calw vom 24.01.2018

Geschrieben am 19.01.2018

Rund 200 Betten nötig!

Das Landratsamt spricht sich in dem Bericht noch einmal für das „Konzept 3plus“ aus und verweist u.a. auf „strukturpolitische Gründe“. Damit ist wohl gemeint, dass das Krankenhaus für die betroffene Bevölkerung möglichst rasch erreichbar sein soll. In der Tat wäre es schön, wenn für Calw ein Krankenhaus „direkt vor der Tür“ erhalten bliebe. Das müsste allerdings ein Krankenhaus sein, das den heutigen Anforderungen an die „Grund– und Regelversorgung“ entspricht, in dem also Menschen mit häufigen und dringend behandlungsbedürftigen Erkrankungen rasch behandelt werden können.

Im „Konzept 3plus“ sind folgende Bettenzahlen festgeschrieben: Innere Medizin 66, Allgemeine Chirurgie 9, Unfallchirurgie/Orthopädie 23, Neurologie 25, Frauenheilkunde 10 und HNO 1. — In der Fachwelt besteht ein weitgehender Konsens, dass eine Chirurgische Klinik den Anforderungen der „Grund– und Regelversorgung“ nicht mehr gerecht werden kann, wenn sie aus weniger als 2 Spezialabteilungen mit je mindestens 40 Betten besteht (z.B. Unfallchirurgie/Orthopädie und Viszeralchirurgie). Dasselbe gilt für die Innere Medizin; hier werden entsprechend große Abteilungen für Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie oder Geriatrie benötigt. Die beiden letztgenannten Spezialisierungen kommen in Betracht, weil in ihnen das gesamte Krankheitsspektrum der Inneren Medizin behandelt wird. — Die Fächerkombinationen sind notwendig geworden, weil es Abteilungen für Allgemeine Chirurgie und Allgemeine Innere Medizin an deutschen Krankenhäusern de facto nicht mehr gibt!

Ein neues Krankenhaus in Calw braucht also, um dem Versorgungsbedarf gerecht zu werden, und um ökonomisch konkurrenzfähig zu bleiben, allein für Chirurgie und Innere Medizin ca. 160 Betten und darüber hinaus weitere Betten für Neurologie, Frauenheilkunde und Intensivmedizin, also rund 200 Betten.

Das „Konzept 3plus“ kann das nicht leisten! – Das vielleicht wichtigste Argument gegen einen zu kleinen Krankenhausneubau liegt im übrigen in den ärztlichen Weiterbildungsmöglichkeiten. In Anbetracht des heutigen Ärztemangels lassen sich Assistenzärzte nur noch an Abteilungen binden, die die volle Weiterbildungsermächtigung besitzen – auch in einem weitverzweigten Klinikverbund.

Von Dr. Rolf Johnen, Calw

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018

Geschrieben am 19.01.2018

Option für eine innovative stationäre Versorgung

Es ist ein begrüßenswertes Novum, dass sich das Landratsamt im SchwaBo-Artikel vom 12.01.18 „Zentralklinik ist für den Landkreis keine Option“ inhaltlich in der Krankenhausdebatte äußert. Wie zutreffend bemerkt, untersuchte das GÖK-Gutachten 2013 die Möglichkeit, ein neues Zentralklinikum zu bauen. Wer am sog. “Bürgerforum“ teilnahm, wird sich noch an die Aussage des Gutachters erinnern, dass der Betrieb eines Zentralkrankenhauses ohne Defizite realistisch ist. Als relevantes Negativum wurde die Zinsbelastung durch das höhere Investitionskapital gegenüber dem Konzept 3 angeführt.

Was man damals noch nicht wissen konnte, ist, dass die Europäische Zentralbank zwischenzeitlich den Geldmarkt in einem Maße geflutet hat, dass Investitionskapital mit Zinsen knapp über 1 Prozent so billig ist wie noch nie. Auch für die öffentliche Hand ergibt sich daraus die Möglichkeit, sinnvolle Projekte – und dazu gehört sicherlich eine zukunftsfeste Krankenhausplanung – ohne Haushaltsschieflage zu finanzieren. Finanziell betrachtet lauten die Alternativen: Entweder auf unabsehbare Zeit durch unvermeidliche Betriebsdefizite und inadäquate Planung Geld verbrennen oder Betriebsdefizite durch eine standfeste und vor allem anforderungsgerechte Lösung vermeiden.

Wieder wird im o.g. Artikel auf den „Gesundheitscampus“ und dessen „innovatives Konzept“ hingewiesen, der jetzt erstmalig umrissartig dargestellt wird. Natürlich ist gegen eine derartige Planung nichts einzuwenden, aber sie sollte auch nicht als Nebelkerze ins Feld geführt werden, um eine unzureichende stationäre Versorgung in rosarotes Licht zu tauchen. Weder zur Behandlung einer akuten Appendizitis („Blinddarmentzündung“) noch bei komplexen Unfallverletzungen können eine psychosomatische Tagesklinik, eine Facharztansammlung oder ein AOK-Gesundheitszentrum einen Beitrag leisten. Die Kooperation dieser Einrichtungen wird längst exerziert, eine räumliche Nähe mag im einen oder anderen Fall von Vorteil sein, bleibt jedoch gegenüber einer adäquaten Grund– und Regelversorgung von untergeordneter Bedeutung.

So sind für eine medizinisch kompetente Versorgung nur zwei Optionen realistisch: Entweder es stehen jeweils eine Klinik in Calw und eine in Nagold zur Verfügung, die in Bezug auf Grund– und Regelversorgung symmetrisch aufgestellt sind, oder der Kreis beschreitet tatsächlich einen „innovativen“ Weg und schafft ein leistungsfähiges zentrales Klinikum als auch wirtschaftlich überlegene Lösung.

 Von Dr. Klaus Pichler, Zavelstein

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018

Geschrieben am 15.01.2018

Nägel mit Köpfen machen!

 OB (Eggert, Calw) pocht auf mehr Betten“ war am 8.1.18 auf der Frontseite des „Schwarzwälder Boten“ zu lesen, ein Signal für die Kreisgremien, dass die Debatte um die Kliniken nicht vom Tisch ist. Der Druck zu einer Neuausrichtung der stationären medizinischen Versorgung hat sich über Jahrzehnte aufgebaut, vor allem auf dem Boden von Unterfinanzierung und progressiv auflaufenden Verlusten von mehreren Millionen pro Jahr, die letztlich von allen Kreisbewohnern getragen werden müssen. Schon als ich 1975 meine ärztliche Tätigkeit in Calw begann, war eine rege Diskussion um die Krankenhauslandschaft des Kreises im Gang. Mit älteren Kollegen erinnere ich mich, dass bereits Ende der 60er-Jahre unter Landrat Pfeiffer ein zentrales Krankenhaus im Raum Wildbad favorisiert wurde, aber dafür der Kreisrat nicht zu gewinnen war. Als Resultat der Debatte entstand das Krankenhaus Nagold, das 1977 in Betrieb ging. Nun hatte der Kreis zwei Krankenhäuser samt allen damit verknüpften Problemen: unwirtschaftliche Doppelstrukturen, für eine optimale Aufstellung zu knappe Fallzahlen, Konkurrenzdenken, dazu – in Calw stärker als in Nagold – ortsgebundene bauliche Schwierigkeiten. Kurz: Die Entscheidung Ende der 60er-Jahre führte zu einem Rattenschwanz äußerst kostenträchtiger Investitionen, von denen längst fest steht, dass ein Großteil „für die Katz war“. Und heute? Wieder ist ein Konzept angedacht, das enorme Investitionen erfordert, das Kernproblem aber bestenfalls zementiert. Handelt es sich nicht um einen aberwitzigen Schildbürgerstreich, nochmals ein Krankenhaus zu errichten, das vom ersten Planungsstrich her auf Defizite programmiert ist und seiner Aufgabe unmöglich gerecht werden kann? Muss sich der Kreis Calw am gleichen heißen Eisen die Finger zweimal verbrennen? Steckt in der jetzigen Bredouille nicht der Aufruf, diesmal die Sache besser zu machen? Dabei haben schon vor 50 Jahren Landrat Pfeiffer, vor 5 Jahren alle Chefärzte der Krankenhäuser Calw und Nagold, sowie 2014 das GÖK-Gutachten ein Votum abgegeben: Nur ein zentrales, alle Bereiche abdeckendes Klinikum ermöglicht langfristig einen qualitativ anforderungsgerechten Betrieb und bietet eine realistische Chance für Wirtschaftlichkeit.

 

Von Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

abgedruckt im Schwarzwälder Boten Teil Calw vom 13.1.2018

 

Geschrieben am 15.01.2018

Krankenhauscampus wird gebraucht

Wenn ein Zentralklinikum keine Option ist, dann muss für die Zwei-Häuser-Lösung für Calw deutlich mehr getan werden. Denn die geplanten 135 Betten reichen doch hinten und vorne nicht. Die Unfallchirurgie und operative Orthopädie darf in Calw auf keinen Fall auseinandergerissen werden. Denn nur zusammen ist ein tragfähiges stationäres chirurgisches Konzept möglich. Alles andere ist Geschwafel und Augenwischerei. Ich höre immer „Gesundheitscampus“. Wir brauchen aber einen Krankencampus, denn für Gesunde gibt es schon genug Angebote. Wenn man sich wirklich „ganz bewusst“ sein will, was man mit „strukturpolitischen Gründen“ meint, kann man in Calw für die Hälfte des Kreises doch nicht mit einem 135-Betten-Haus für die stationäre Versorgung Chirurgie, Innere, Gynäkologie/Geburtshilfe und Neurologie daher kommen — enthauptet, degradiert, kaputtgespart, demotiviert, den Fliehkräften ausgeliefert. Da ist es meines Erachtens nach verlogen, davon zu sprechen, „beide Krankenhausstandorte zu erhalten“. Herr Landrat, können Sie den Hirsauern, Schömbergern und Liebenzellern noch ehrlich ins Gesicht schauen?

 

Von Dr. Eberhard Bantel, Calw-Altburg

abgedruckt im Schwarzwälder Boten Teil Calw vom 13.1.2018

 

Geschrieben am 10.01.2018

Unsagbar abgebrüht

 »Kreistag sieht Grenzen überschritten« vom 12. Dezember 2017

Dieser »beleidigende« Vorwurf des »Altersstarrsinns« ließ angeblich das Fass der Kreisräte überfließen und ergoss sich in eine selbstgerechte Presseverlautbarung. Inhaltlich, liebe Kreisräte, schweigen Sie sich nach Hunderten von Leserbriefen über Jahre hinweg aus. Wer von vornherein mit Vorsatz aus Eigennutz oder Desinteresse etwas zerstören will, kümmert sich nicht um Fakten und Sachverstand. Sehen wir etwas genauer hin. Mit Herrn Johannes Schwarz, Grünen-Fraktionschef im Kreisrat, hatte ich vor gut zwei Jahren ein längeres Telefonat. Leider konnte er keine meiner Fragen zum Vorgehen des Kreistags in der Sache erklären, was ihn dann auch selbst nervte. Und da platzte es aus ihm zu seiner Entschuldigung heraus: »Keiner der Investoren wäre bei Erhalt des alten Krankenhauses bereit »einzusteigen«. Mit anderen Worten: »Privatisierung« (zunächst schrittweise) hat absolute Priorität. Heute erinnert sich Herr Schwarz nicht an seine Äußerung, es wäre nicht die Position der Grünen-Partei. Meines Erachtens ist es das politische Grundverständnis im Kreistag und des besonders einflussreichen Landrats, dem Herr Schwarz losgelöst von der eigenen Parteilinie erlegen ist. Wirtschaftlichkeit sehr wohl, aber Gewinn oder gar Gewinnmaximierung hat in staatlichen Betrieben, die der Lebensvorsorge der Menschen dienen, nichts zu suchen. Die Politik verkauft nicht ein Krankenhaus, sie verkauft das »Mitwirkungsrecht« der Bürger, damit vorsätzlich die Demokratie und verstößt gegen den Sinn der Verfassung. Landrat Riegger leistet einen Dienst für Frau Merkel, die politisch die Privatisierung von staatlichen Aufgaben fördert und sich die Finanzwirtschaft gewogen hält. Riegger schwimmt offensichtlich auf dieser Welle ohne jegliche Rücksicht auf die Bürgerschaft. Es ist schon traurig, wenn ein Landrat den Vorwurf dulden muss, unsagbar abgebrüht zu handeln, weil er Dinge äußert, die unsagbar abgebrüht sind.

Von Henning Külz, Calw

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten, Teil Nordschwarzwald vom 09.01.2018

 

Zu keinem Zeitpunkt

Geschrieben am 10.01.2018

Ist das wahr ?

Landrat Riegger, der noch nie eine direkte Wahl gewonnen hat, will die Calwer erpressen, wenn er sagt: “Stimmt ihr nicht zu, gibt es in Calw keine Klinik mehr!”

Er sagt immer noch, dass in Calw im Neubau Herzinfarkte, Schlaganfälle behandelt werden können und eine Gynäkologie und Unfallchirurgie betrieben werden kann. Und das mit 135 Betten! Es interessiert ihn weder die Anzeige im Schwarzwälder Boten der niedergelassenen Ärzte, noch die Pressekonferenz mit den Chefärzten, die gesagt haben, das geht so nicht.

Wenn die Gerüchte stimmen, hat die CDU vor der ersten Wahl von Riegger ihren eigenen Kandidaten fallen lassen, als Riegger versprochen haben soll, wenn ich gewählt werde, bekommt Nagold das Krankenhaus und Calw die S-Bahn. Die Fakten sprechen dafür, dass das unbestätigte Gerücht wahr ist.

Glaubt Herr Riegger wirklich, dass die Bevölkerung von Calw, Bad Liebenzell und Bad Wildbad bereit ist, das Verlustkrankenhaus in Nagold durch die Grundsteuer, aus der die Kreisumlage bezahlt wird, zu unterstützen, obwohl dieses Krankenhaus am Rande des Kreises nicht aufgesucht wird?

Von Franz Heizmann, Calw

 

Geschrieben am 10.01.2018

… zu 2 Themen: Krankenhäuser und Klimaschutz im Kreis Calw

Liebe Rundbrief– Leserinnen und –Leser,

 

zum Jahreswechsel mal wieder 30 Zeilen, über 2 Themen aus der Kreispolitik:

das eine topaktuell und hochumstritten, die Krankenhaus– Frage,  das andere meines Erachtens noch wichtiger, in der Kreispolitik aber eher ein Nischen– Thema:  Klimaschutz, ganz konkret als Aufgabe vor Ort.

Beides war Teil meiner Haushaltsrede, die ich für die Grüne Fraktion am vergangenen Montag im Kreistag halten durfte, deshalb hier jeweils Auszüge davon:

Der größte Teil des Schuldenanstiegs der kommenden Jahre geht auf die Baumaßnahmen rund um das Klinikkonzept 2020 zurück. Ich will deshalb kein Missverständnis aufkommen lassen: wir stehen zu diesen Investitionen und auch zur Kreditfinanzierung, um eine wohnortnahe medizinische Versorgung dauerhaft zu sichern. Die Details der Umsetzung sind dabei noch festzulegen. Zur aktuell wieder besonders heftigen Klinik– Debatte möchte ich abschließend in 3 Punkten Stellung beziehen, ja viel mehr 3 Appelle zum Ausdruck bringen:

 Der 1. Appell richtet sich vor allem an die Calwer:  Bei allem Verständnis für die emotionale Bindung an das heutige Krankenhaus:  „kämpft nicht um ein Gebäude, sondern um die bestmögliche, medizinische Versorgung in Eurer Stadt. Ich jedenfalls bin der festen Überzeugung, dass ein neues Krankenhaus eindeutig besser für ein langfristig tragfähiges Konzept wäre.

 Der 2. Punkt richtet sich an die vielen Kritiker, insbesondere in medizinisch– fachlicher Hinsicht: :   Glauben Sie nicht, dass der Kreistag Beratungsresistent ist und ihre Bedenken völlig in den Wind schlägt. Wir nehmen das alles ernst und zerbrechen uns die Köpfe, seit vielen Jahren und in den letzten Monaten wieder besonders intensiv. Aber erwarten sie nicht, dass wir auf jede Meinung gleich öffentlich reagieren können. Diejenigen, die am Ende entscheiden müssen, können nicht ständig ausposaunen, was aktuell diskutiert wird. Am Ende zählt nicht, wer zu welchem Zeitpunkt welche Position vertreten hat, sondern was man gemeinsam auf den Weg gebracht hat. Jamaika lässt grüßen.

Es ist nun mal ein schwieriges und sensibles Thema und es gibt dabei viele Akteure. Es ist auch nicht nur eine Frage des Geldes, sondern die Personalknappheit wird immer mehr zum bestimmenden Faktor. Deshalb richtet sich meine 3. Bitte an alle Kreisbewohner, vor allem an die verunsicherten Mitarbeiter und Patienten unserer Krankenhäuser:    wir brauchen Zeit, um die Details des Medizinkonzepts vollends festzulegen und deshalb bitte ich um Geduld. Es ist nämlich egal, ob die beste Lösung am Ende 3 Monate früher oder später in Betrieb geht. Viel wichtiger ist, dass wir die langfristig beste Lösung überhaupt finden.

Der Klimaschutz ist mein Herzensanliegen im Kreistag, keine Haushaltsrede, in der ich nicht dieses Thema aufgriff. Vor 3 und vor 2 Jahren und auch dieses Mal wieder gab es von mir initiierte Anträge. Erfreulich ist, dass es jeweils zu einer klaren Mehrheit reichte und so wird demnächst ein Klimaschutzmanager seinen Dienst antreten und auf Basis des jüngsten Haushaltsantrags wird er auch über ein Budget verfügen, um verschiedene Dinge angehen zu können.

Ob wir unser weiteres Ziel erreichen, einen Arbeitskreis “Energie und Klimaschutz” im Kreistag zu installieren (bei anderen Themen gibt’s das schon lange), weiß ich noch nicht. Dafür fanden wir jedenfalls vor 3 Jahren bei einem ersten Vorstoß nicht genug Mitstreiter. Vor diesem Hintergrund auch hier mein Statement für die Grüne Kreistagsfraktion vom Montag:   … vor ein paar Tagen sagte einer, „der Schwarz fängt immer ganz weit unten an, am Äquator und kommt dann langsam zur Kreispolitik.“ Ich weiß nicht, ob er’s nur spöttisch gemeint hat, aber in der Tat haben wir Grünen den Anspruch, auch Kommunalpolitik von den Geschehnissen rund um den ganzen Erdball zu denken und wir sind nun mal der Überzeugung, dass der Klimawandel die dramatischste Entwicklung überhaupt ist, in heutiger Zeit. Dies zu verdrängen, ist immer schwerer, eigentlich unmöglich. Und deshalb sollte Klimaschutz auf allen politisch– gesellschaftl. Ebenen oberste Priorität genießen.

Umso erfreulicher, dass wir auch im Kreis Calw vorankommen. Der Klimaschutzmanager tritt im nächsten Monat seinen Dienst an und vor diesem Hintergrund unser Antrag für ein Klimaschutzbudget, dem dankenswerterweise alle Fraktionen zugestimmt haben. Wer übrigens auf die Internetseiten sämtlicher Nachbarlandkreise schaut, erkennt, dass wir da erheblichen Nachholbedarf haben. Insofern mein wiederholtes Werben, darüber hinaus auch einen Arbeitskreis „Energie und Klimaschutz“ im Kreistag zu installieren.

Wer’s genau in voller Länge lesen will, dem hängt als PDF die komplette Rede an. Neben dem eigentlichen Streitthema um die Kreisumlage geht es noch um die 3-spurige Nagoldtalbundesstraße, um Flüchtlingskrise und Integration, sowie um sozialen Wohnungsbau. Bei Letzterem erhielt ich völlig unerwartet Zwischenapplaus — vor allem aus der Freien Wähler– Fraktion — für die Kritik an der ablehnenden Haltung der Kreisbaugenossenschaft.

Soweit für heute, ich wünsche Frohe Feiertage und ein Gutes Neues in 2018

 Grüße von Johannes  — “Joe“ —  Schwarz

 

Guten Tag Herr Schwarz,

dass Sie in Ihrem Engagement als Kreisrat an ausgewählte Mitbürger ein Schreiben richten ist zu begrüßen.
Ich möchte dazu ein paar Anmerkungen machen.

Als Mitglied der Bürgerinitiative und Vorsitzender des “Verein pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V.” liegt mein besonderes Augenmerk selbstredend auf dem zukünftigen medizinischen Versorgungskonzept unserer Gemeinden.

Ihre Formulierung zum Schuldenanstieg lässt bei mir den Eindruck entstehen, dass Sie diesen als alternativlos in Bezug auf die geplanten Baumaßnahmen ansehen. Der Umbau in Nagold, in einem danach immer noch rückständigen Baukörper und Raumkonzept, und das bei laufendem Klinikbetrieb, ist deutlich teurer als ein Neubau. Nach mindestens acht Jahren Umbau ist man wieder am Anfang einer Neuaufstellung und das Geld verschwendet.
Nicht eingerechnet sind die Verluste aus dem medizinischen Betrieb, welche sich zwangsläufig ergeben werden, Beeinträchtigungen immaterieller Art, welche sich durch die Baustelle ergeben, Lärm, Verkehr usw.

Ich finde es bedauerlich, dass Sie floskelhaft bleiben und feststellen, “Die Details der Umsetzung sind dabei noch festzulegen”.

In diesem Zusammenhang ist es verwunderlich oder gewollt? , dass die einzelnen Kliniken im Verbund ihre Ergebnisrechnung nach außen unterschiedlich darstellen was die Verluste angeht. Ich meine damit die Deckungsbeiträge, die im Falle Calw ein verzerrtes Bild der medizinischen Leistungskraft abgeben.

Ihren ersten Appell unterschreibe ich fast vorbehaltlos, mit Ausnahme der Fehleinschätzung die Calwer kämpften für ein Gebäude. Sie fürchten zu Recht um das mit diesem Haus verbundene Versorgungsspektrum mit Schwerpunkten und das aus der Erfahrung mit dem Verlust der Kardiologie und Gefährdung der Geburtshilfe am Standort.

Im Punkt zwei irritiert mich die “Wir” Schreibweise, da erwarte ich mir von einem Kreistagsmitglied, das sich so an die Bürger wendet, eine klare Positionierung. Wenn Sie einen Jamaikavergleich heranziehen, dann ist das wohl „gemerkelt“.

Ich sehe es so, dass der Landrat mit seiner Zusage die Öffentlichkeit in den Prozess zur Umgestaltung der Krankenhauslandschaft mit einzubeziehen und transparent zu machen, eine Bringschuld eingegangen ist.
Dieser ist er nicht nachgekommen und nun wundert er sich und auch Sie offensichtlich, wenn ich das so lese, dass sich darüber heftiger Unmut breit macht.

Deshalb ist auch Ihre dritte Anmerkung und Bitte völlig daneben, still zu halten. Ein Kreistag ist dem Wohl der örtlichen Bürger verpflichtet. Der Klinikverbund hat das tragische Manko des Ungleichgewichtes der Stimmrechtsanteile der einzelnen Häuser und kann Kreis übergreifend zu seinem wirtschaftlichen Vorteil agieren. Was erschwerend hinzukommt und in der augenblicklichen Debatte vollkommen aus dem Gesichtsfeld geraten ist, es wird de facto auch die medizinische Struktur der Satelliten maßgeblich beeinflusst.

Ich rufe in Erinnerung, dass nach der Vorstellung des “GÖK” Gutachtens Sie gerade mal eine Woche Zeit hatten das Gutachten zu lesen und sich eine Meinung zu bilden, um dann abzustimmen. Die medizinisch beschlagenen Fachleute in der BI haben Tage damit zugebracht die Ergebnisse zu analysieren, auf Plausibilität und Konsequenzen hin zu überprüfen und haben gravierende Mängel aufgedeckt. Trotzdem wurde es abgesegnet. So bildet man kein Vertrauen.

Der Bürger ist zu Recht misstrauisch, es ist an der Verwaltung dieses wieder herzustellen! Es sollte möglich sein in einen Dialog zu kommen. Die Verhärtung, wie sie auch in der Zeitung zu lesen ist, wird zum Nachteil aller gereichen. Zur Klarheit soll noch gesagt werden, dass die Bürgerinitiative weder das ins Gerede gekommene Bürgerbegehren initiiert hat, noch sich mit dessen bekannt gewordenen Inhalt identifiziert. Es ist nachvollziehbar, dass sich Bürger, wenn sie den Eindruck gewinnen mussten dass ihr Anliegen kein Gehör findet, versuchen sich mit ihren Mitteln politisch zu artikulieren.

Ich teile Ihre Auffassung, dass jetzt der Zeitpunkt ist sich vorbehaltlos mit allen Argumenten, ob Standort, Standorte, Umbau, Neubau, Ein-Zweihäusigkeit und die vorzuhaltenden medizinischen Leistungen sowie die damit einher gehenden jeweiligen wirtschaftlichen Aspekten neu zu befassen und zu gewichten. Und ich zitiere Sie gerne, wenn Sie sagen:” Es ist nämlich egal, ob die beste Lösung am Ende 3 Monate früher oder später in Betrieb geht. Viel wichtiger ist, dass wir die langfristig beste Lösung finden”.

Ich kann Ihnen versichern, dass sich die BI einem konstruktiven Miteinander nicht verschließt, das bessere Argument soll zum Zuge kommen.

Vielen Dank für Ihre Arbeit, welche Sie ehrenamlich leisten!

Mit den besten Wünschen für das kommende Jahr,

Dr. Axel Roth
 

 

 

 

Geschrieben am 10.01.2018

Nagolder Eigennutz

BETRIFFT: »Dank für die Rückendeckung des Kreistags« vom 20. Dezember

Der Landrat bedankt sich ausdrücklich bei den Mitgliedern des Calwer Kreistags für ihre Unterstützung zu dem geplanten Klinikkonzept 3plus und sieht sich natürlich in dieser Sache bestätigt und in seiner knallharten 1:1-Umsetzungsstrategie gestärkt. Es wundert den neutralen Beobachter jedoch nicht, dass die vielen Kreistagsmitglieder aus dem ›Oberamt‹ Nagold aus Eigennutz geschlossen hinter diesem Konzept stehen. Der Landrat bekräftigt in diesem Zusammenhang zwar, dass es sich hierbei ›um die Schaffung von modernen medizinischen Strukturen für den gesamten Landkreis handle’. Ich frage mich, ob es im Sinne einer Neuausrichtung der kreisweiten medizinischen Komplettversorgung richtig ist, ein Schwerpunkt-Krankenhaus am äußersten Zipfel des Kreises neu zu errichten und damit den überwiegenden Teil des restlichen Landkreises medizinisch abzuhängen. Diese sehr einseitige Festlegung kann doch kein Zukunftsprojekt für den gesamten Kreis sein. Man will rund 100 Millionen Euro in ein neues Klinikkonzept ausgeben, wohl wissend, dass keine Verbesserung, sondern eher eine Verschlechterung für die Kreissituation eintritt.

Die Orthopädiepatienten aus dem nördlichen und mittleren Kreisgebiet wären aufgrund der kürzeren Wege gezwungen, in Richtung Enzkreis oder Böblingen abzuwandern, mit der Folge, dass die besonders ertragsreichen Eingriffe somit dem Kreis Calw verloren gingen und das aktuelle Defizit von rund 7 Millionen Euro (wie viel fallen hierbei eigentlich einerseits auf Calw und andererseits auf Nagold?) tendenziell erheblich ansteigen würde. Das kann doch keine verantwortungsvolle Kreispolitik sein. Medizinischer Sachverstand wird bis jetzt unverständlicherweise im Grundsatz abgelehnt. Ich hoffe, dass jetzt noch nicht aller Tage Abend und das vorliegende Konzept nicht unumkehrbar ist, wenn doch , dann kann ich nur sagen: gute Nacht! Übrigens, eine Mehrzahl von Kreisräten hat doch erst vor ein paar Tagen ein Musterbeispiel ihrer Neutralität und Objektivität abgeliefert. Beispiel Kreisumlage. Kommunale Eigeninteressen stehen leider vielfach über den Kreisinteressen, was an der einseitigen Besetzung des Gremiums liegt und somit dem Gemeinwohl dienenden Lösungen erfolgreich verhindert werden. Diese Art von Kirchturmpolitik kann von der Allgemeinheit nicht akzeptiert werden.

Von Jochen Brackenhammer, Gechingen

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 27.12.2017

Geschrieben am 21.12.2017

Schöne Bescherung.

Als Vorsitzender des „Verein pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V“ verfolge ich die Entwicklung um die beiden Kliniken seit 14 Jahren. Ausgewiesene Experten im Verein ist es anfangs gelungen mit überzeugenden und schließlich medizinisch und wirtschaftlich erfolgreichen Konzepten das Projekt „eine Klinik an zwei Standorten“ mit Ärzten aus beiden Kliniken zu etablieren. Wir hatten anfangs in gemeinsamen Sitzungen ein offenes Ohr bei der damaligen Geschäftsführung im Klinikverbund. Mit dem Vertrauensbruch bei der Etablierung des Linksherzkatheters in Nagold und später der Entlassung führender Ärzte und des Geschäftsführers mit zu hinterfragenden Abfindungen, die die Wirtschaftlichkeit bis heute belasten, wurde der überaus konstruktive Dialog abgebrochen.

In der weiteren Entwicklung sehen wir uns in deutlich unterschiedlichen Auffassungen zum Klinikkonzept.

Die heutige Ausgangslage legt nahe, dass sich dieses nicht an den medizinischen Erfordernissen zur Sicherstellung einer öffentlichen Gesundheitsversorgung im östlichen Kreisgebiet orientiert, sondern nur ein Parameter im politischen Gestaltungsraum ist. Überzeugende Gegendarstellungen werden mit Totschlagargumenten wie „Kirchturmdenken“  abgetan. Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw hat akribisch und unwidersprochen nachgewiesen, dass das „GÖK-Gutachten“ in entscheidenden Details fehlerhaft ist. Es fußt ausschließlich auf den dem Gutachter zur Verfügung gestellten Daten. Sic!

Dennoch ist es die Basis für weitreichende Entscheidungen.

Eine weitere Überprüfung aus dem Landratsamt beauftragt, umschreibt das Ergebnis verklausuliert als „sehr ambitioniert“. Übersetzt heißt das „nicht zu verwirklichen.“ Bei allem Respekt vor den Kreisräten und ihren Entscheidungen, sind sie doch ihren lokalen Wählern des Vieltäler-Kreises verpflichtet, siehe Bad Herrenalb, und zumeist medizinisch fachfremd.

In der Konsequenz heißt das, dass die hervorragende und etablierte Orthopädie in Calw bleiben muss, eine neu zu bauende Klinik, an welchem Standort auch immer, eine wirtschaftlich sinnvolle Größe und medizinische Ausstattung erfordert, die aus sich heraus  primär in der Lage ist möglichst kostendeckend zu wirtschaften.

Kann man einen Neubau befürworten, der dann schon bei der Geburt am Tropf einer Subventionierungsflasche von geplanten vier Mio Euro hängt?  Das Wunschdenken gipfelt in der Annahme, dass das Schwesterhaus nach der Umstrukturierung eben dieses Minus erwirtschaftet. Kann man solch einen Irrsinn wirklich ernsthaft versuchen zu vermitteln, ja beschließen?

Der Campus ist wirtschaftlich völlig unabhängig vom Eigenbetrieb der Kreiskliniken zu sehen, er hat das Potential zur Augenwischerei und mag vielleicht lindern, aber den kranken Patienten nicht wirklich heilen. Für ein Umdenken ist es nicht zu spät, dazu bedarf es nicht zuletzt einer gewissen Größe zur Dialogbereitschaft.

Dr. Axel Roth, Unterlengenhardt