Leserbriefe

Geschrieben am 10.01.2018

Nagolder Eigennutz

BETRIFFT: »Dank für die Rückendeckung des Kreistags« vom 20. Dezember

Der Landrat bedankt sich ausdrücklich bei den Mitgliedern des Calwer Kreistags für ihre Unterstützung zu dem geplanten Klinikkonzept 3plus und sieht sich natürlich in dieser Sache bestätigt und in seiner knallharten 1:1-Umsetzungsstrategie gestärkt. Es wundert den neutralen Beobachter jedoch nicht, dass die vielen Kreistagsmitglieder aus dem ›Oberamt‹ Nagold aus Eigennutz geschlossen hinter diesem Konzept stehen. Der Landrat bekräftigt in diesem Zusammenhang zwar, dass es sich hierbei ›um die Schaffung von modernen medizinischen Strukturen für den gesamten Landkreis handle’. Ich frage mich, ob es im Sinne einer Neuausrichtung der kreisweiten medizinischen Komplettversorgung richtig ist, ein Schwerpunkt-Krankenhaus am äußersten Zipfel des Kreises neu zu errichten und damit den überwiegenden Teil des restlichen Landkreises medizinisch abzuhängen. Diese sehr einseitige Festlegung kann doch kein Zukunftsprojekt für den gesamten Kreis sein. Man will rund 100 Millionen Euro in ein neues Klinikkonzept ausgeben, wohl wissend, dass keine Verbesserung, sondern eher eine Verschlechterung für die Kreissituation eintritt.

Die Orthopädiepatienten aus dem nördlichen und mittleren Kreisgebiet wären aufgrund der kürzeren Wege gezwungen, in Richtung Enzkreis oder Böblingen abzuwandern, mit der Folge, dass die besonders ertragsreichen Eingriffe somit dem Kreis Calw verloren gingen und das aktuelle Defizit von rund 7 Millionen Euro (wie viel fallen hierbei eigentlich einerseits auf Calw und andererseits auf Nagold?) tendenziell erheblich ansteigen würde. Das kann doch keine verantwortungsvolle Kreispolitik sein. Medizinischer Sachverstand wird bis jetzt unverständlicherweise im Grundsatz abgelehnt. Ich hoffe, dass jetzt noch nicht aller Tage Abend und das vorliegende Konzept nicht unumkehrbar ist, wenn doch , dann kann ich nur sagen: gute Nacht! Übrigens, eine Mehrzahl von Kreisräten hat doch erst vor ein paar Tagen ein Musterbeispiel ihrer Neutralität und Objektivität abgeliefert. Beispiel Kreisumlage. Kommunale Eigeninteressen stehen leider vielfach über den Kreisinteressen, was an der einseitigen Besetzung des Gremiums liegt und somit dem Gemeinwohl dienenden Lösungen erfolgreich verhindert werden. Diese Art von Kirchturmpolitik kann von der Allgemeinheit nicht akzeptiert werden.

Von Jochen Brackenhammer, Gechingen

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 27.12.2017

Geschrieben am 21.12.2017

Schöne Bescherung.

Als Vorsitzender des „Verein pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V“ verfolge ich die Entwicklung um die beiden Kliniken seit 14 Jahren. Ausgewiesene Experten im Verein ist es anfangs gelungen mit überzeugenden und schließlich medizinisch und wirtschaftlich erfolgreichen Konzepten das Projekt „eine Klinik an zwei Standorten“ mit Ärzten aus beiden Kliniken zu etablieren. Wir hatten anfangs in gemeinsamen Sitzungen ein offenes Ohr bei der damaligen Geschäftsführung im Klinikverbund. Mit dem Vertrauensbruch bei der Etablierung des Linksherzkatheters in Nagold und später der Entlassung führender Ärzte und des Geschäftsführers mit zu hinterfragenden Abfindungen, die die Wirtschaftlichkeit bis heute belasten, wurde der überaus konstruktive Dialog abgebrochen.

In der weiteren Entwicklung sehen wir uns in deutlich unterschiedlichen Auffassungen zum Klinikkonzept.

Die heutige Ausgangslage legt nahe, dass sich dieses nicht an den medizinischen Erfordernissen zur Sicherstellung einer öffentlichen Gesundheitsversorgung im östlichen Kreisgebiet orientiert, sondern nur ein Parameter im politischen Gestaltungsraum ist. Überzeugende Gegendarstellungen werden mit Totschlagargumenten wie „Kirchturmdenken“  abgetan. Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw hat akribisch und unwidersprochen nachgewiesen, dass das „GÖK-Gutachten“ in entscheidenden Details fehlerhaft ist. Es fußt ausschließlich auf den dem Gutachter zur Verfügung gestellten Daten. Sic!

Dennoch ist es die Basis für weitreichende Entscheidungen.

Eine weitere Überprüfung aus dem Landratsamt beauftragt, umschreibt das Ergebnis verklausuliert als „sehr ambitioniert“. Übersetzt heißt das „nicht zu verwirklichen.“ Bei allem Respekt vor den Kreisräten und ihren Entscheidungen, sind sie doch ihren lokalen Wählern des Vieltäler-Kreises verpflichtet, siehe Bad Herrenalb, und zumeist medizinisch fachfremd.

In der Konsequenz heißt das, dass die hervorragende und etablierte Orthopädie in Calw bleiben muss, eine neu zu bauende Klinik, an welchem Standort auch immer, eine wirtschaftlich sinnvolle Größe und medizinische Ausstattung erfordert, die aus sich heraus  primär in der Lage ist möglichst kostendeckend zu wirtschaften.

Kann man einen Neubau befürworten, der dann schon bei der Geburt am Tropf einer Subventionierungsflasche von geplanten vier Mio Euro hängt?  Das Wunschdenken gipfelt in der Annahme, dass das Schwesterhaus nach der Umstrukturierung eben dieses Minus erwirtschaftet. Kann man solch einen Irrsinn wirklich ernsthaft versuchen zu vermitteln, ja beschließen?

Der Campus ist wirtschaftlich völlig unabhängig vom Eigenbetrieb der Kreiskliniken zu sehen, er hat das Potential zur Augenwischerei und mag vielleicht lindern, aber den kranken Patienten nicht wirklich heilen. Für ein Umdenken ist es nicht zu spät, dazu bedarf es nicht zuletzt einer gewissen Größe zur Dialogbereitschaft.

Dr. Axel Roth, Unterlengenhardt

Geschrieben am 21.12.2017

Nicht alles gefallen lassen

BETRIFFT: Krankenhaus

Seit Wochen, nein, seit Monaten verfolge ich mit Interesse die Debatte über das Thema Krankenhaus. »Debatte«? Darunter versteht man ja wohl den Austausch von Argumenten Pro und Contra zu einem Sachverhalt.

Leider ist meiner Meinung nach festzustellen, dass Argumente nur von einer Seite (von den Befürwortern des Erhalts des bestehenden Krankenhauses in Calw beziehungsweise der Einrichtung eines größeren Hauses) vorgebracht werden. Dem gegenüber stehen lediglich »Basta«-Äußerungen (»beschlossen ist beschlossen, wir werden das 1:1 umsetzen« – auch wenn die Grundlagen der Beschlüsse anscheinend fragwürdig sind). Dies wird noch begleitet von einer unsäglichen Drohgebärde (»wenn ihr das nicht nehmt, was wir vorhaben, bekommt ihr gar nichts«). Das ist nicht das, was man meines Erachtens nach unter einer Politik des »Mitnehmens des Bürgers« versteht, sondern vermittelt den Eindruck, dass der Bürger als Untertan betrachtet wird (»nur wir wissen, was für euch gut ist«). Gerade diese Haltung finde ich unerträglich, denn ich glaubte, die Zeiten einer solchen Einstellung seien längst überwunden. Eher ungeduldig warte ich also auf Aussagen des Landratsamtes und/oder des Rathauses, die sich transparent und verständlich mit den vorgebrachten inhaltlichen Argumenten auseinander setzen. Andernfalls stellt sich mir die Frage, ob fehlende Argumente der Beleg dafür sind, dass die Entscheidungen nur durch Druck von anderer Seite zustande kamen, dass zum Beispiel dem Bau der Großklinik auf dem Flugfeld alle anderen Interessen untergeordnet werden müssen.

So konstatiere ich wie ein Kreisrat: »Man muss (als Bürger) sich selbst in der Politik nicht alles gefallen lassen.«

Hanspeter Schellhorn,| Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 21.12.2017

Geschrieben am 21.12.2017

Lösung nicht zu erkennen

BETRIFFT: Krankenhaus

Was muss ein Krankenhaus leisten können? Das die Krankenhausplanung regelnde Sozialgesetzbuch (SGB, Fünftes Buch (V), Paragraf 136c) nennt drei Kriterien:

Erstens: Die Erreichbarkeit (Minutenwerte) für die Prüfung, ob die Leistungen durch ein anderes geeignetes Krankenhaus, das die Leistungsart erbringt, ohne Zeit-Zuschlag erbracht werden können.

Zweitens: Ob und wann ein geringer Versorgungsbedarf besteht.

Drittens: Für welche Leistungen die notwendige Vorhaltungen sicherzustellen sind.

Die ersten beiden Kriterien sind klar zu beantworten: Bei der Erreichbarkeit liegt die Messlatte bei maximal 30 Minuten. Das Kriterium »geringer Versorgungsbedarf« greift in Anbetracht der Bevölkerungsgröße des Calwer Raums nicht. Daraus ergibt sich, dass eine Schließung des Krankenhauses Calw mit den gesetzlichen Vorgaben nicht vereinbar ist.

Bei Kriterium drei ist die Antwort nicht so einfach. Als Aufgabe wird eine »Grund– oder Grund– und Regelversorgung« genannt. Beides ist nicht präzise definiert. Unstrittig ist, dass Akuterkrankungen und Unfälle, bei denen der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle spielt, entsprechend den medizinischen Leitlinien behandelbar sein müssen.

Aber die Abgrenzung gegenüber hoch spezialisierten Leistungen ist schwer zu treffen. Als wesentliche Faktoren sind gewachsene Strukturen und die Qualifikation der vor Ort arbeitenden Teams zu berücksichtigen. So muss sich der Begriff »Grund– und Regelversorgung« vor allem am faktischen Leistungsvermögen orientieren, das sich bedarfsgerecht herauskristallisiert hat. Entsprechend ist die Situation in Calw zu werten. Einfach ausgedrückt: Die existierenden Einrichtungen sind in Calw Basis der bewährten stationären Grund– und Regelversorgung. Sie können nicht zerstört werden, ohne dass die Versorgung gefährdende Lücken und Schwachstellen auftreten.

Darüber darf das Schlagwort von einem »Gesundheitscampus« nicht hinwegtäuschen. Ambulante und stationäre Versorgung ergänzen sich zwar, sind aber fundamental unterschiedlich strukturiert. Ob ambulante Leistungen in Krankenhausnähe oder sonst wo angeboten werden, spielt keine wesentliche Rolle. Zu berücksichtigen ist auch, dass insbesondere spezialisierte Ärzte eine Fülle von Menschen aus dem Umland anziehen, was in hohem Maße der Belebung der Innenstadt zugutekommt.

So muss das Augenmerk weiter auf der Leistungsfähigkeit der stationären Versorgung liegen. Diese wird durch eine drastische Reduktion der Bettenzahl drastisch reduziert. Hinzu kommt, dass kleine Häuser durchweg Probleme haben, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Je geringer die Leistungsbreite ist, desto unattraktiver wird eine Stelle. Ob dies mit dem Köder einer erhöhten Vergütung oder durch nicht in regulären Beschäftigungsverhältnissen tätige sehr teure »Leihärzte« ausgeglichen werden kann, bleibt fraglich und macht wirtschaftlich keinen Sinn. Eine solide Lösung ist in diesem Konzept nicht zu erkennen.

Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 21.12.2017

Geschrieben am 20.12.2017

Nicht nur Ärzte betroffen

BETRIFFT: »Kreistag sieht Grenzen überschritten« vom 12. Dezember

Die in den Kreistag gewählten Fraktionschefs sind sich selten einig: Man muss sich in der Politik nicht alles gefallen lassen, so der Tenor des offenen Briefes über den im SchwaBo am 12. Dezember 2017 berichtet wurde. Die Empörung der Fraktionschefs ist meines Erachtens nicht angebracht. Die anstehende, schwierige Entscheidung zur Neustrukturierung der Krankenhäuser Calw und Nagold ist schließlich von großer Tragweite für mehrere Generationen. Kranke Menschen und deren Angehörige müssen — je nach Ausgang der Entscheidung — ihre gewohnte heimatliche Umgebung verlassen, lange und stauträchtige Fahrzeiten auf sich nehmen und damit wird weder den der Rekonvaleszenzbedürfnissen noch dem Umweltschutz und erst Recht nicht der Nähe zu den Kranken und Angehörigen Rechnung getragen. Der Kreistag möge insbesondere die Auswirkungen der zusätzlichen Verkehrs– und Warenströme auf den ohnehin überlasteten Strecken rund um Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart bedenken. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen einer eventuellen Verlagerung werden den ohnehin bereits geschwächten ländlichen Raum weiter nachteilig beeinflussen. Bei diversen Konversationsmaßnahmen wurde erst im Nachgang deutlich, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich bei Handwerkern, Zulieferern und Servicedienstleister verloren gingen. Nicht nur Ärzte und Pfleger sind von einer Schließung betroffen! Zu den Gewinnern könnten Taxiunternehmen, soziale Fahrdienste oder Tankstellen zählen, nicht jedoch die Umwelt und erst recht nicht die Sorgen und Nöte älterer, behinderter und kranker Menschen. Für mich als ebenfalls politisch aktiver Bürger ist es verblüffend, zu beobachten, dass die gleichen Parteien und Personen, die heute die Verrohung der politischen Sitten und den Stilverlust im gegenseitigen Umgang beklagen, in jüngster Vergangenheit weit weniger empfindlich waren, als es darum ging, den neuen politischen Wettbewerber zu diskreditieren. Die gegenüber den Mitgliedern und demokratisch gewählten Mandatsträgern der AfD erhobenen Beleidigungen waren weit schwerwiegender als die Aussage »Altersstarrsinnigkeit «. Diese angebliche Beleidigung ist dem gegenüber als »peanuts« zu bewerten.

Von Günther Schöttle, Nagold-Emmingen

 Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 19.12.2017

Geschrieben am 20.12.2017

Gespielte Entrüstung

BETRIFFT: »Kreistag sieht Grenzen überschritten« vom 12. Dezember

 Hier schlägt es »Dreizehn«! Denn: so wenig sich die Kreisräte alles gefallen lassen müssen, dürfen auch die Kreisbürger sich ein Überstülpen einer unerträglichen Krankenhaus-Planung gefallen lassen! Dazu noch: wenn Kreisräte mit gespielter Entrüstung und dem ausgestreckten Zeigefinger auf ein paar (vielleicht weil ungut formuliert) freche Leserbriefschreiber deuten, so deuten doch deren Mittelfinger und Zeigefinger und Ringfinger auf sie zurück und treffen (nicht zufällig) die Herren Kreisräte Braun, Prewo und Schuler, die unter Missachtung jeglichen Respekts, Ja! ihren Wählern (darunter manch potenzielle Klinik-Patienten) gegenüber, hämisch und zynisch formulierte Leserbriefe abdrucken ließen. Der »alte Kasten« an der Eduard-Conz-Straße hat doch sehr wohl einige Vorzüge gegenüber den neuen »Standard-Quadraten« vieler Neu-Planungen: Die als »Rückständig wegen lange Arbeitswege« verschrieenen Lang-Flur-Gebäude haben deutlich übersichtlichere Strukturen sowohl für das Personal (auf einen Blick erkenntlich was wo grad los ist), für die Patienten (ein Flur pro Station) und für die Besucher (Pforte nennt Stockwerk, Station/ Flur und Zimmernummer, fertig und klar)!!! In den Quadrat– Kliniken, wo das Pflege-Dienst-Zimmer mittig zwischen den (kurzen?) Fluren A, Bund C liegt, ist solch »Ein-Blick-Übersicht « nur mit Monitoren zu schaffen (Arme Nacht-Pfleger/innen die dann noch 48 Patienten alleinig »betreuen« müssen)! Nicht wenige Pfleger sind schon mal in der Eile auf Flur A statt B oder C gerannt und mussten (umständlich) zurück oder ums Eck rennen! Von oft (Klinik-Aufenthalt bedingt) verängstigten Patienten, die dann größere Orientierungsprobleme haben. Und die Besucher? Die müssen, wenn aus dem Aufzug tretend, erst den dort eventuell angebrachten »Flucht-Wege-Plan« studieren, damit sie wissen: wo steh ich grad und, muss ich nun links oder rechts oder geradeaus, oder gar im Kurzflur am Aufzug vorbei nach hinten??? Na ja, jüngste AOK– und andre Klinik-Planungs-Berichte lassen glauben, dass ein 135-Betten-KIinikle plus (noch nicht garantiertem) Campus kaum lang lebensfähig sein wird. Somit Calw an Böblinger Flugfeld-Großklotz-Klinik gebunden sein wird. Dort blüht uns dann laut »Report-Mainz«-Bericht vom 5. Dezember 2017 die in solchen Klötzen üblich-grausige Personal-Einspar-Politik! Aua!!!

Von Martin Dengler, Calw-Stammheim

 Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 16.12.2017

Geschrieben am 20.12.2017

Wer ohne Gespielte Sünde ist….

BETRIFFT: Klinikdebatte

Seit Anbeginn verfolge ich als Fachfremde die öffentlich ausgetragene Diskussion um den Klinikstandort Calw. Dass sich »in diesem Land Politik und der Umgang miteinander verändert haben«, mag ich als einzige Erklärung für eine sich zunehmend verschärfende Klinikdebatte nicht so recht hinnehmen. Auf der einen Seite ist es in der Tat nicht von der Hand zu weisen, dass die fortwährenden verbalen Spitzfindigkeiten der Gegnerseite der Sache nicht mehr dienlich sind. Andererseits nehme ich auf Seiten der Politik ein teilweise hartnäckiges Ignorieren von Empfehlungen der Calwer Ärzteschaft wahr. Dies stellt für mich ebenfalls ein Zeugnis fehlenden Respekts dar.

Vor diesem Hintergrund reicht es meines Erachtens nicht länger aus, einen »veränderten Umgang miteinander« lediglich zu beklagen. Vielmehr sehe ich die Zeit reif, sich zu fragen, welchen Ausweg es aus diesem Dilemma geben könnte: In meinem gewöhnlichen menschlichen Dasein versuche ich Konflikte im offenen Gespräch miteinander zu lösen. Vielleicht wäre es auch im scheinbar endlosen Calwer Krankenhauskonflikt eine Möglichkeit, nicht mehr länger übereinander sondern stattdessen wieder mehr miteinander zu sprechen. Ein beiderseitiges Besinnen auf die Sache und eine ergebnisoffenere Neuausrichtung der Debatte wären von großer Bedeutung. Schließlich geht es um nicht weniger als die Arbeitsplatzsicherung der Beschäftigten im Calwer Krankenhaus und um die medizinische Versorgung der Bürger im Landkreis Calw der Zukunft!

Fragt sich nur, wer bereit ist, den ersten Schritt zu gehen…

Von Daniela Kusterer, Calw-Heumaden

 Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 16.12.2017

Geschrieben am 19.12.2017

Kein Wort zum Inhalt

BETRIFFT: »Kreistag sieht Grenzen überschritten« vom 12. Dezember nach dem ALLES oder NICHTS Prinzip

Erst nachdem die öffentlich sehr sachlich geführte Auseinandersetzung über die Krankenhausplanung von Bürgern mit einer etwas schärferen Wortwahl geführt wurde, reagierte der Kreistag auf die kritischen Anmerkungen. Dabei haben sich die Fraktionsvorsitzenden in dem Artikel leider nur zur Form der Kritik und mit keiner Silbe zum Inhalt geäußert. Die Bedeutung der Veröffentlichung wird bildlich eindrucksvoll herausgehoben mit den meist halbärmlig abstimmenden Kreisräten, was bei dieser Jahreszeit nach einem manipulierten Bild aussieht. Meines Wissens fand eine Abstimmung gar nicht statt und somit wäre das Bild im Zusammenhang mit dem Text irreführend.

Die Bevölkerung legt aber auch Wert auf den Inhalt der Diskussion. Eine neue Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Deutschen Krankenhausinstituts DKI stellt fest, dass Kommunalpolitiker im Aufsichtsrat von Krankenhäusern eine wirtschaftliche Leistungserbringung erschweren, zum Beispiel weil sie Prestigeziele verfolgen (siehe auch Deutsches Ärzteblatt 47 vom 27.11.17, S. A 2188). Unter diesem Gesichtspunkt muss trotz der angekündigten 1:1 Umsetzung und Forderung nach »Ende der Debatte« die Diskussion über die Krankenhausplanung weitergehen.

Dr. Hans Strasser, Calw-Altburg

 

Geschrieben am 19.12.2017

Demokratie erarbeiten

Betrifft: Klinikdebatte

Wenn die Calwer ihr Krankenhaus sterben sehen wollen, dann müssen sie genau so weiter machen“. Diesen Satz aus dem Munde des Kreisrates Karl Braun hört man in abgewandelter Form seit geraumer Zeit von vielen Kreisräten und auch vom Landrat des Kreises Calw. Der Satz erinnert an die Ansprache eines Vaters an sein Kind: „Wenn du deinen Spinat nicht auf isst, dann bekommst du eben gar nichts“. Der Satz entstammt dem pädagogischen Rüstzeug des vorvorletzten Jahrhunderts, ist aber in seiner Aktualität anscheinend ungebrochen. Es lohnt sich deswegen, einen Blick zurück auf die gesellschaftspolitische Entwicklung unseres Landes zu machen:

Das deutsche Volk hat zu einem Teil nach dem 2. Weltkrieg, zum anderen Teil ab 1989 die Chance erhalten, unter Anleitung der Westmächte Demokratie zu erlernen. Dieser Lernprozess ist schwierig und langwierig und wir stecken noch mitten drin. Demokratie fällt nicht vom Himmel. Sie muß erarbeitet werden.

Die Bürgerinnen und Bürger der Region Calw haben sich aufgemacht, ein Stück dieses Demokratiegedankens zu verwirklichen. Sie versuchen sachlich und mit demokratischem Handwerkszeug die Umstrukturierung der Gesundheitsversorgung des Kreises Calw mit zu bestimmen. Dazu gehört ein genügend großes und leistungsstarkes Krankenhaus mit der Orthopädie und den übrigen funktionsfähigen Abteilungen in Calw, wie es bisher Bestand hatte. Was ist daran so frevelhaft, dass den Calwer Bürgern deswegen von gewählten Volksvertretern aus dem Kreistag ständig mit dem Verlust ihres Krankenhauses gedroht wird?

Liegt es an einem unterschiedlichen Demokratieverständnis? Der Landrat versucht, das Klinikkonzept mit den Bürgerforen in Schömberg und Schönbronn demokratisch zu bemänteln. Zum einen hatten daran lediglich einige hundert Bürger teilgenommen. Zum anderen wurde in Schönbronn eine offene Diskussion über eine Neustrukturierung der Kliniken nicht zugelassen. Wir durften uns lediglich zu den Modalitäten des einen oder anderen Konzeptes äußern. Deswegen hat einer der Bürgersprecher mit hoher Reputation sein Amt als Sprecher des Forums niedergelegt. Diese in höchstem Maße undemokratische Bürger-Manipulation bildet auch heute noch den Grundstock für den folgenden nahezu einstimmigen Kreistagsbeschluss für 3plus und das fest zementierte Vorangehen des Landrats mit der 1:1-Umsetzung. Er lässt alle fachlichen und demokratisch sachlichen Argumente gegen das Konzept wie ein Prellbock abprallen. Außerdem: Ist für die Abgeordneten nach der Wahl Schluss mit der Verantwortung gegenüber dem Wählerwillen? Ist der Beschluss etwa in Stein gemeisselt? Oder sollten sie nicht besser auf 18 000 Bürgerstimmen, viele Leserbriefargumente, die Meinungsäußerung der Ärzte und das Votum des Calwer Gemeinderates eingehen und diesen Beschluss revidieren?

Die Bürger der Region Calw machen nichts falsch! Sie dürfen und müssen weiter machen, ihre demokratischen Rechte weiter wahr nehmen und sich nicht von haltlosen Drohungen aus Politikermund einschüchtern lassen. Nur so werden sie die ihnen zustehende optimale Gesundheitsversorgung erhalten.

Von Dr. Ewald Prokein, Ottenbronn

 Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 16.12.2017

Geschrieben am 15.12.2017

Qualität ist entscheidend

BETRIFFT: Krankenhaus

Die Diskussion um die medizinisch-stationäre Versorgung kommt nicht zur Ruhe. Sie darf auch nicht zur Ruhe kommen, werden doch Weichen für eine unübersehbar lange Zeit gestellt. Es geht um einen zentralen Bestandteil der Daseinsvorsorge: die Krankenhäuser des Landkreises.

Laut SchwaBo vom 12. Dezember kündigt der Kreistag einen offenen Brief zur Krankenhausdebatte an. Sofern dieser sachlich zu den komplexen Fragen Stellung bezieht, wäre der Schritt zu begrüßen. Der bisherige Eindruck geht eher dahin, dass berechtigte Bedenken nicht erkennbar zur Kenntnis genommen werden.

Das sogenannte Bürgerforum hat vor drei Jahren eine Antwort auf die Frage versucht, ob hinreichende Versorgung in einem gegenüber dem Ist-Zustand wesentlich kleineren Haus zu leisten ist. Weit überwiegend setzte sich dieses aus Vertretern zusammen, die zwar das Bemühen einte, (unter Zeitdruck) zu einem Votum zu kommen, die aber ganz überwiegend weder über Sachkenntnisse noch Erfahrungen im medizinischen Versorgungswesen verfügten. So entstand die Chimäre »3 plus«. Der Alternativ-Entwurf Nr. 2 hätte einen Ersatz der bestehenden Häuser in Calw und Nagold durch ein zentrales Klinikum auf einer Wiese über der Nagold zwischen den beiden Städten bedeutet. Im Hinblick auf Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zweifellos die Lösung, die allen Zielvorstellungen am ehesten gerecht würde. Wie sich in der Debatte zeigt, wird die Tragfähigkeit der Lösung »3 plus« beziehungsweise — wie vom Kreistag beschlossen — dem »Konzept 2020« von politischen Entscheidungsträgern und Betroffenen vor Ort fundamental unterschiedlich eingeschätzt.

Dass praktisch alle Ärzte im Raum Calw das »Konzept 2020« ablehnen, ist nicht mit der Ahnungslosigkeit des gemeinen Bürgers, noch mit überbordenden Eigeninteressen zu erklären. Jeder von ihnen war über Jahre, oft Jahrzehnte Glied des Versorgungssystems. So bündelt sich in dieser Gruppe ein hohes Maß von Expertise und sie ist von Eigeninteressen frei.

Ohne in die Details zu gehen, muss klar festgestellt werden, dass die Vorhaltung einer Versorgung in Innerer Medizin (mit Kardiologie und Gastroenterologie), Chirurgie (mit Unfallchirurgie und zumindest Akutchirurgie bei Baucherkrankungen), Neurologie mit Stroke-Unit, Gynäkologie plus Geburtshilfe und die dafür notwendigen »Hilfs«-Disziplinen Anästhesie und Intensivstation eine Mindestgröße voraussetzen, unterhalb der ein Routinebetrieb über 24 Stunden an 365 Tagen faktisch nicht möglich ist. Dagegen bleibt der Standort zweitrangig und muss nach Praktikabilität und Finanzierbarkeit festgelegt werden. Darin ist den Gremien freie Hand zu lassen. Optionen sollten keinesfalls reduziert, sondern offen gehalten werden. In erster Linie sind Verfügbarkeit und Qualität der Versorgung entscheidend und beide stehen in engem Zusammenhang zur Kapazität.

Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

 Schwarzwälder Bote, Teil vom