Leserbriefe

Geschrieben am 02.02.2018

Keine Zustimmung

BETRIFFT: Calwer Krankenhaus

Der erneute Appell von mehr als 100 Ärzten und deren Forderungen an Landrat und Kreistag Calw wird sicher von einer großen Mehrheit der Bürger in jedem Punkt unterstützt. Seit dem Kreistagsbeschluss Konzept 3plus, der unter anderem für Calw den Bau eines Gesundheitscampus, die Schließung des Krankenhauses, die Verlegung diverser Fachabteilungen nach Nagold, die Reduzierung der Bettenzahl sowie die Erweiterung und Renovierung des Nagolder Krankenhauses beinhaltet, wird der Druck und Widerstand, aus allen Schichten der Bürgerschaft, gegen dieses Konzept stärker. Trotzdem besteht der Landrat weiterhin auf die eins zu eins Umsetzung des umstrittenen Konzeptes. Gleichzeitig droht er, dass es bald kein Krankenhaus in Calw mehr geben werde, falls der Gesundheitscampus nicht gebaut wird. Ferner Stuttgart das Krankenhaus schließen wird, wenn noch zwei, drei Jahre so weitergemacht werde. Dass dem nicht so ist, wird im Ärzteappell vom 20. des Monats meiner Meinung nach klargestellt. Die Überlebenschancen des Gesundheiscampus konnte den Bürgern meines Erachtens nach bisher nicht glaubhaft gemacht werden, da unter anderem die Planung, bereits im Vorfeld, einen Verlust in Millionenhöhe für den Gesundheitscampus voraussagt, welcher im Gegenzug im Nagolder Krankenhaus erwirtschaftet werden muss, obwohl auch dort in der Vergangenheit nur Verluste in Millionenhöhe zu verzeichnen waren. Kleine Krankenhäuser, gerade in Campusgröße, wurden in den vergangenen Jahren bekanntlich zusammengelegt oder geschlossen. Aus diesem Grund gibt es weder von einer Bürger– noch von einer Ärztemehrheit zu diesem Konzept eine Zustimmung und das sollte endlich von den Verantwortlichen ernstgenommen werden. Nachdem eine Einhäusigkeit, Zusammenlegung der Krankenhäuser Calw und Nagold, zu einer Großklinik, offenbar in naher Zukunft nicht zu verwirklichen ist, sollte unbedingt die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, das vorhandene Krankenhaus weiterzuführen. In dieses Haus wurden in den vergangenen Jahren laufend Millionen investiert, befindet sich in einem guten Zustand und könnte meiner Meinung nach, bei einer entsprechenden Erweiterung und Verbesserung der Parkmöglichkeiten für Krankenhausbesucher, weiterhin genutzt werden, bis es einmal zu einer Einhäusigkeit für den Kreis Calw kommt. Dadurch würde das für den Gesundheitscampus vorgesehene Areal im Gewerbegebiet Stammheim Feld für weiter Gewerbeansiedlung der Stadt Calw erhalten bleiben. Um zu einer vernünftigen Lösung in der Krankenhausfrage zu kommen, sollte in Bälde die Initiative »pro Calwer Krankenhaus« ernsthaft aktiv werden.

Von Werner Schaible, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 01.02.2018

Geschrieben am 31.01.2018

Nicht wirtschaftlich?

BETRIFFT: Artikel »Zentralklinik ist für Landkreis keine Option« auf der Seite Nordschwarzwald vom 12. Januar

Wie soll man diese Wirtschaftlichkeit eigentlich verstehen? Auf der einen Seite das Nagolder Krankenhaus für eine Menge Geld sanieren, obwohl klar ist, dass man dessen schmale Gänge (zukünftige Brandschutzbestimmungen) nie verbreitern kann, dass es meines Erachtens nach also auf die Zukunft hin nicht überlebensfähig ist, sowie in Calw ein Krankenhäuschen für eine Menge Geld bauen, das meiner Meinung nach ein paar Jahre später gestorben sein wird beziehungsweise laut Krankenkassen sowieso sinnlos zu bauen.

Auf der anderen Seite aber soll es nicht wirtschaftlich sein, diese meines Erachtens nach wohl auf die Zukunft gesehen sinnlos verbrauchten Gelder zusammenzutun samt einem zur Zeit noch sehr billigen Kredit und ein für die Bevölkerung immer noch erreichbares Zentralkrankenhaus zu bauen?

Und wieso verlautet vom Landratsamt, das sei laut Gutachten von 2013 nicht wirtschaftlich, wenn damals dort gesagt wurde, dass dies durchaus möglich sei, ohne Defizit?

Mir fällt Shakespeare ein: »Es ist was faul im Staate Dänemark«, vielleicht auch hier bei uns. Langsam denke ich, dass man einfach nicht will, um stattdessen das wenig sinnvolle Konzept 3plus durchzusetzen, egal was die Betroffenen, die Bürger sagen. Aber warum nur? Wer spielt da eine bisher uns noch unbekannte Rolle? Am Ende noch Versprechen? Oder gar Geschenke? Wie anders soll man es denn verstehen?

Von Sigrid Kröner, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 30.01.2018

Geschrieben am 31.01.2018

Vertrauen beschädigt

BETRIFFT: Artikel »Zentralklinik ist für Landkreis keine Option« auf der Seite Nordschwarzwald vom 12. Januar

Das Landratsamt schreibt in einer Stellungnahme, man habe sich 2015 »ganz bewusst« – auch aus »strukturpolitischen« Gründen – für zwei Klinikstandorte (Nagold und Calw) entschieden.

Die Landratsbeschlüsse haben meines Erachtens nach »strukturell« »bewusst« zu folgenden Fakten geführt: Der Landrat hat die Nachbarkreise Sindelfingen/Böblingen und Freudenstadt bedient – zu Lasten der Großen Kreisstadt Calw und ihrem gesamten Umfeld. Ein gewaltiger Schaden für diesen ländlichen Raum hinsichtlich Wirtschaft und Lebensqualität. Die Klinik Nagold im Randgebiet des Kreises Calw deckt Horb (Kreis Freudenstadt) ab; das bestehende Krankenhaus in Calw muss weichen, meiner Meinung nach nicht, weil es teilweise noch alte Bausubstanz hat, sondern weil dessen Baugrund für Investoren interessant ist und es wirtschaftlich dem neuen Klinikum in Sindelfingen/Böblingen im Wege steht.

Die Neubauklinik in Calw ist meines Erachtens nach eine vorsätzlich geplante Totgeburt. Die Einnahmen und Ausgaben während des Betriebes stehen in untragbarem Ungleichgewicht.

Zusätzlich gibt die Neubauklinik im Verbund mit dem Campus Teile ihres restlich noch verbliebenen Leistungsprofils an die Privatwirtschaft ab, damit ein Investor überhaupt Interesse am Campus zeigt: Privatisierung durch die Hintertür, die der Architekt Johannes Schwarz in seinem Leserbrief vom 10. Januar nicht sehen kann. »Blinde Kreisräte sind des Landrats Lust und… dem Kreistag sein Tod.

« Ernsthaft: Wer die Sachdiskussion – meiner Meinung nach amts– und machtmissbräuchlich – verhindert oder mit Schlagworten wie »Innovation« Kompetenzchaos einrichtet, meines Erachtens nach zum Zwecke der Vortäuschung eines angeblich zukünftig funktionierenden Krankenhausbetriebes, der beschädigt das Vertrauen in die Demokratie im hautnahen persönlichen Bereich des Bürgers. Trump in den USA oder die AfD in Deutschland sind nicht vom Himmel gefallen sondern Ergebnis verspielten Vertrauens von Politik und Staat. Rücksichtsloser Kapital-Liberalismus gepaart mit Verflechtung von Wirtschaft und Staatsführung und praktiziert nach dem Motto »Ich zuerst« bekommt keinem Land gut.

Von Henning Külz, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 30.01.2018

 

Geschrieben am 29.01.2018

Das geringste Übel

BETRIFFT: Klinikkonzept im Kreis Calw

Als Branchenfremder erlaube ich mir einen einfachen Meinungsbeitrag in der Klinikdebatte, die nun gefühlt ins sechste Jahr geht.

1. Die Einhäusigkeit scheint langfristig das geringste Übel zu sein. Gerade hat der Zollernalbkreis beschlossen, sowohl Balingen als auch Albstadt aufzugeben und in der Mitte ein Großklinikum zu realisieren, nachdem schon vor zehn Jahren Hechingen geschlossen wurde. Villingen-Schwenningen hat vor zwölf Jahren – bislang mit Erfolg – dasselbe gemacht. In der Struktur kann sich doch der Kreis Calw (weitflächig, ländlich, wenige Einwohner) hier vergleichen. Man darf den Kreistagen in Balingen und Villingen-Schwenningen vielleicht auch die nötige Urteilsfähigkeit zutrauen. Somit drängt sich die Einhäusigkeit auf.

2. Auf das Grundproblem hat der Landrat keinen Einfluss. Der Gesundheitsfonds hortet im Moment 21 Milliarden Euro. Dies hat mit »schwarzer Null« nichts mehr zu tun. Die Guthaben des Gesundheitsfonds sind natürlich die Defizite der Leistungserbringer wie Kliniken, Arztpraxen und Apotheker durch Sparen auf Kosten der Leistungserbringer. Hier kann nur die Bundespolitik nachsteuern, aber wir haben ja keinen Gesundheitsminister.

3. Die Logik der Betriebswirtschaft ist bei Krankenhäusern sowieso fragwürdig. Möchte man sich wirklich mehr Patienten, also ein Volk von Kranken wünschen?

4. Der buchhalterische Verschiebebahnhof zwischen Standort Nagold und Standort Calw überzeugt nicht. Dies zeigt gerade ein anderes Feld der Sozialpolitik. Die Rentenreformen früherer Jahre haben zwar als Ergebnis, dass die Rentenversicherung »eiserne Reserven« auffüllt. Heißt freilich auch, dass das untere Viertel der Rentner plötzlich mit Wohngeldanspruch dasteht. Der Erfolg der Rentenversicherung ist also weitgehend auf Kosten der Wohngeldkasse erkauft. 5. Ich sehe schon Landrat Riegger vor mir, wie er in wenigen Jahren gewohnt selbstbewusst seinen Schwenk in der Krankenhauspolitik den Menschen erläutern wird. Wie wenn es im Januar 2018 nicht erkennbar gewesen wäre.

Von Markus Heim, Nagold

Schwarzwälder Bote, Teil Calw und Gäu vom 27.01.2018

Geschrieben am 25.01.2018

Appell an Kreistag

Geschrieben am 25.01.2018

Gutachten notwendig

BETRIFFT: Krankenhaus

Die Behauptung des Landrats (der Calw meines Erachtens nach von Anfang an aufgegeben hatte) und anderer Personen, dass Calw letzten Endes ohne Krankenhaus dastehen könnte, ist meiner Meinung nach kaum glaubhaft. Denn selbst in Stuttgart gibt es sicherlich auch einige kluge Leute, die Sinn oder Unsinn einer derzeit vom Landrat und Kreistag geplanten Lösung besser einschätzen können.

Der ewig vorgeschobene, fehlende Brandschutz ist ein Manko, das beseitigt werden muss. Dies ist nicht billig, aber notwendig und machbar. Also nicht immer darüber jammern, sondern endlich entsprechend handeln!

Wenn ein »Kreistagsmitglied sehr genau Bescheid weiß«, wie zitiert, dann sollte es seine Kollegen darüber informieren, damit diese sachkundig votieren können. Die seinerzeitige Abstimmung (wie selbst miterlebt!) verlief für mich völlig unbefriedigend, weil der Landrat meiner Meinung nach die neuesten, offensichtlich positiven Daten des ominösen Gutachtens (mit düsteren Zukunftsprognosen) nicht bekannt gab – wie es seine Pflicht ist! Dies hätte allerdings ein aufgeschlossener, verantwortungsvoller Kreistag verlangen müssen sowie einen Zeitaufschub, um die aktuellsten Daten prüfen und neu bewerten zu können.

Das haben die Kreisräte sträflicherweise versäumt und haben sich (obwohl meines Erachtens nach schlecht informiert) meiner Meinung nach vom Landrat zu einer voreiligen Abstimmung drängen lassen, die deshalb meines Erachtens nach in seinem Sinne ausfiel. Die »gewählten Volksvertreter« des Kreistags sollten wissen, dass sie nicht (nur) gegenüber dem Kreischef (scheinbar) »zum Gehorsam verpflichtet« sind, sondern vielmehr verantwortlich für die Interessen der Bevölkerung, die sie deshalb gewählt hat. Das haben sie in diesem Falle – nach meiner Überzeugung – nicht getan.

Aber bei dieser elementaren, zukunftsweisenden Weichenstellung mit riesigen Investitionen für die Gesundheitsversorgung unseres großflächigen Landkreises ist sowieso zumindest ein zweites, wirklich objektives Gutachten dringend notwendig! Erst danach kann man mit gutem Gewissen weitersehen.

Von Alfred Hiller, Calw

Schwarzwäder Bote, Teil Calw vom 24.01.2018

Geschrieben am 19.01.2018

Rund 200 Betten nötig!

Das Landratsamt spricht sich in dem Bericht noch einmal für das „Konzept 3plus“ aus und verweist u.a. auf „strukturpolitische Gründe“. Damit ist wohl gemeint, dass das Krankenhaus für die betroffene Bevölkerung möglichst rasch erreichbar sein soll. In der Tat wäre es schön, wenn für Calw ein Krankenhaus „direkt vor der Tür“ erhalten bliebe. Das müsste allerdings ein Krankenhaus sein, das den heutigen Anforderungen an die „Grund– und Regelversorgung“ entspricht, in dem also Menschen mit häufigen und dringend behandlungsbedürftigen Erkrankungen rasch behandelt werden können.

Im „Konzept 3plus“ sind folgende Bettenzahlen festgeschrieben: Innere Medizin 66, Allgemeine Chirurgie 9, Unfallchirurgie/Orthopädie 23, Neurologie 25, Frauenheilkunde 10 und HNO 1. — In der Fachwelt besteht ein weitgehender Konsens, dass eine Chirurgische Klinik den Anforderungen der „Grund– und Regelversorgung“ nicht mehr gerecht werden kann, wenn sie aus weniger als 2 Spezialabteilungen mit je mindestens 40 Betten besteht (z.B. Unfallchirurgie/Orthopädie und Viszeralchirurgie). Dasselbe gilt für die Innere Medizin; hier werden entsprechend große Abteilungen für Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie oder Geriatrie benötigt. Die beiden letztgenannten Spezialisierungen kommen in Betracht, weil in ihnen das gesamte Krankheitsspektrum der Inneren Medizin behandelt wird. — Die Fächerkombinationen sind notwendig geworden, weil es Abteilungen für Allgemeine Chirurgie und Allgemeine Innere Medizin an deutschen Krankenhäusern de facto nicht mehr gibt!

Ein neues Krankenhaus in Calw braucht also, um dem Versorgungsbedarf gerecht zu werden, und um ökonomisch konkurrenzfähig zu bleiben, allein für Chirurgie und Innere Medizin ca. 160 Betten und darüber hinaus weitere Betten für Neurologie, Frauenheilkunde und Intensivmedizin, also rund 200 Betten.

Das „Konzept 3plus“ kann das nicht leisten! – Das vielleicht wichtigste Argument gegen einen zu kleinen Krankenhausneubau liegt im übrigen in den ärztlichen Weiterbildungsmöglichkeiten. In Anbetracht des heutigen Ärztemangels lassen sich Assistenzärzte nur noch an Abteilungen binden, die die volle Weiterbildungsermächtigung besitzen – auch in einem weitverzweigten Klinikverbund.

Von Dr. Rolf Johnen, Calw

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018

Geschrieben am 19.01.2018

Option für eine innovative stationäre Versorgung

Es ist ein begrüßenswertes Novum, dass sich das Landratsamt im SchwaBo-Artikel vom 12.01.18 „Zentralklinik ist für den Landkreis keine Option“ inhaltlich in der Krankenhausdebatte äußert. Wie zutreffend bemerkt, untersuchte das GÖK-Gutachten 2013 die Möglichkeit, ein neues Zentralklinikum zu bauen. Wer am sog. “Bürgerforum“ teilnahm, wird sich noch an die Aussage des Gutachters erinnern, dass der Betrieb eines Zentralkrankenhauses ohne Defizite realistisch ist. Als relevantes Negativum wurde die Zinsbelastung durch das höhere Investitionskapital gegenüber dem Konzept 3 angeführt.

Was man damals noch nicht wissen konnte, ist, dass die Europäische Zentralbank zwischenzeitlich den Geldmarkt in einem Maße geflutet hat, dass Investitionskapital mit Zinsen knapp über 1 Prozent so billig ist wie noch nie. Auch für die öffentliche Hand ergibt sich daraus die Möglichkeit, sinnvolle Projekte – und dazu gehört sicherlich eine zukunftsfeste Krankenhausplanung – ohne Haushaltsschieflage zu finanzieren. Finanziell betrachtet lauten die Alternativen: Entweder auf unabsehbare Zeit durch unvermeidliche Betriebsdefizite und inadäquate Planung Geld verbrennen oder Betriebsdefizite durch eine standfeste und vor allem anforderungsgerechte Lösung vermeiden.

Wieder wird im o.g. Artikel auf den „Gesundheitscampus“ und dessen „innovatives Konzept“ hingewiesen, der jetzt erstmalig umrissartig dargestellt wird. Natürlich ist gegen eine derartige Planung nichts einzuwenden, aber sie sollte auch nicht als Nebelkerze ins Feld geführt werden, um eine unzureichende stationäre Versorgung in rosarotes Licht zu tauchen. Weder zur Behandlung einer akuten Appendizitis („Blinddarmentzündung“) noch bei komplexen Unfallverletzungen können eine psychosomatische Tagesklinik, eine Facharztansammlung oder ein AOK-Gesundheitszentrum einen Beitrag leisten. Die Kooperation dieser Einrichtungen wird längst exerziert, eine räumliche Nähe mag im einen oder anderen Fall von Vorteil sein, bleibt jedoch gegenüber einer adäquaten Grund– und Regelversorgung von untergeordneter Bedeutung.

So sind für eine medizinisch kompetente Versorgung nur zwei Optionen realistisch: Entweder es stehen jeweils eine Klinik in Calw und eine in Nagold zur Verfügung, die in Bezug auf Grund– und Regelversorgung symmetrisch aufgestellt sind, oder der Kreis beschreitet tatsächlich einen „innovativen“ Weg und schafft ein leistungsfähiges zentrales Klinikum als auch wirtschaftlich überlegene Lösung.

 Von Dr. Klaus Pichler, Zavelstein

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Calw am 18.1.2018

Geschrieben am 15.01.2018

Nägel mit Köpfen machen!

 OB (Eggert, Calw) pocht auf mehr Betten“ war am 8.1.18 auf der Frontseite des „Schwarzwälder Boten“ zu lesen, ein Signal für die Kreisgremien, dass die Debatte um die Kliniken nicht vom Tisch ist. Der Druck zu einer Neuausrichtung der stationären medizinischen Versorgung hat sich über Jahrzehnte aufgebaut, vor allem auf dem Boden von Unterfinanzierung und progressiv auflaufenden Verlusten von mehreren Millionen pro Jahr, die letztlich von allen Kreisbewohnern getragen werden müssen. Schon als ich 1975 meine ärztliche Tätigkeit in Calw begann, war eine rege Diskussion um die Krankenhauslandschaft des Kreises im Gang. Mit älteren Kollegen erinnere ich mich, dass bereits Ende der 60er-Jahre unter Landrat Pfeiffer ein zentrales Krankenhaus im Raum Wildbad favorisiert wurde, aber dafür der Kreisrat nicht zu gewinnen war. Als Resultat der Debatte entstand das Krankenhaus Nagold, das 1977 in Betrieb ging. Nun hatte der Kreis zwei Krankenhäuser samt allen damit verknüpften Problemen: unwirtschaftliche Doppelstrukturen, für eine optimale Aufstellung zu knappe Fallzahlen, Konkurrenzdenken, dazu – in Calw stärker als in Nagold – ortsgebundene bauliche Schwierigkeiten. Kurz: Die Entscheidung Ende der 60er-Jahre führte zu einem Rattenschwanz äußerst kostenträchtiger Investitionen, von denen längst fest steht, dass ein Großteil „für die Katz war“. Und heute? Wieder ist ein Konzept angedacht, das enorme Investitionen erfordert, das Kernproblem aber bestenfalls zementiert. Handelt es sich nicht um einen aberwitzigen Schildbürgerstreich, nochmals ein Krankenhaus zu errichten, das vom ersten Planungsstrich her auf Defizite programmiert ist und seiner Aufgabe unmöglich gerecht werden kann? Muss sich der Kreis Calw am gleichen heißen Eisen die Finger zweimal verbrennen? Steckt in der jetzigen Bredouille nicht der Aufruf, diesmal die Sache besser zu machen? Dabei haben schon vor 50 Jahren Landrat Pfeiffer, vor 5 Jahren alle Chefärzte der Krankenhäuser Calw und Nagold, sowie 2014 das GÖK-Gutachten ein Votum abgegeben: Nur ein zentrales, alle Bereiche abdeckendes Klinikum ermöglicht langfristig einen qualitativ anforderungsgerechten Betrieb und bietet eine realistische Chance für Wirtschaftlichkeit.

 

Von Dr. Klaus Pichler, Bad Teinach-Zavelstein

abgedruckt im Schwarzwälder Boten Teil Calw vom 13.1.2018

 

Geschrieben am 15.01.2018

Krankenhauscampus wird gebraucht

Wenn ein Zentralklinikum keine Option ist, dann muss für die Zwei-Häuser-Lösung für Calw deutlich mehr getan werden. Denn die geplanten 135 Betten reichen doch hinten und vorne nicht. Die Unfallchirurgie und operative Orthopädie darf in Calw auf keinen Fall auseinandergerissen werden. Denn nur zusammen ist ein tragfähiges stationäres chirurgisches Konzept möglich. Alles andere ist Geschwafel und Augenwischerei. Ich höre immer „Gesundheitscampus“. Wir brauchen aber einen Krankencampus, denn für Gesunde gibt es schon genug Angebote. Wenn man sich wirklich „ganz bewusst“ sein will, was man mit „strukturpolitischen Gründen“ meint, kann man in Calw für die Hälfte des Kreises doch nicht mit einem 135-Betten-Haus für die stationäre Versorgung Chirurgie, Innere, Gynäkologie/Geburtshilfe und Neurologie daher kommen — enthauptet, degradiert, kaputtgespart, demotiviert, den Fliehkräften ausgeliefert. Da ist es meines Erachtens nach verlogen, davon zu sprechen, „beide Krankenhausstandorte zu erhalten“. Herr Landrat, können Sie den Hirsauern, Schömbergern und Liebenzellern noch ehrlich ins Gesicht schauen?

 

Von Dr. Eberhard Bantel, Calw-Altburg

abgedruckt im Schwarzwälder Boten Teil Calw vom 13.1.2018