Leserbriefe

Geschrieben am 25.11.2017

Den Calwern schenken

BETRIFFT: Zukunft der Krankenhäuser und »Kommt es zum Bürgerbegehren?« vom 22. November.

Karl-Heinz Lehmann initiiert ein Bürgerbegehren gegen den Neubau des Krankenhauses samt Gesundheitscampus auf dem Stammheimer Feld. Zwei Mal musste ich lesen und mir die Augen reiben, bis ich die Cleverness, ja das Geniale dieser Idee verstanden habe.

Wahrlich, die Auflösung des gordischen Knotens! Und wenn es ein schlichtes Gemüt wie ich schließlich versteht, werden es die klugen Calwer gleich dreimal verstehen. Wird es aber auch der Kreis Calw verstehen? Warum nicht? Viel Geld wäre ihm ja schon einmal gespart durch den Bauverzicht. Aber obacht, was wäre künftig mit der stationären Versorgung in Calw? Auch das löst man einfach, Karl-Heinz Lehmann lässt es im Bürgerbegehren zwar unerwähnt, aber er hat es wiederholt gesagt: Das alte Krankenhaus soll weiter betrieben werden, steht es nicht rundum gut da? Warum sollte man diese Werte beseitigen? Eventuell müsste man es baulich etwas herrichten und modernisieren. Wieder genial!

Ich würde nun, von Karl-Heinz Lehmann auf die Sprünge geholfen, noch einen Schritt weiter gehen: Der Kreis könnte das Krankenhaus den Calwern schenken! Das wäre nicht zuviel verlangt. Ja, noch weiter: Der Landkreis könnte noch einen Sanierungszuschuss dazu geben, sagen wir bis zu einer achtstelligen Summe! Sollte sich dann nicht ein, zum Beispiel privater, am Markt ausgewiesener Übernehmer finden? Herr Neufang hat mit dem Gedanken vor Jahren schon gespielt (und die Herren werden sich ja besprochen haben). Nicht zuletzt: Der Landkreis würde, obendrein, ein Bombengeschäft machen! Als Kreisrat muss ich gestehen, das wäre die Krönung des Genialen (der Kreiskämmerer kann gut rechnen!). Man muss ja nicht allein die Wünsche von Calw betrachten, man darf ja, nebenbei, auch an das Wohl des Kreises denken. Wahrscheinlich hat Karl-Heinz Lehmann, als langjähriger früherer Kreisrat, dieses alles schon weislich vorbedacht. Gratuliere.

Wäre nur noch hinzuzufügen: Die Planung fürs neue Krankenhaus samt Gesundheitscampus muss natürlich auf der Stelle gestoppt werden. Das gebietet ja schon die pure Höflichkeit gegenüber dem Bürgerbegehren.

 

Von Prof. Dr. Rainer Prewo, Nagold

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Das kann doch gar nicht sein!

BETRIFFT: Krankenhaus

Das kann doch nicht wahr sein, dass die Bürger sozusagen den Mund verboten bekommen!

Warum will Herr Eggert, dass das Leserbriefschreiben aufhört? Damit die Bevölkerung gut »schläft« und die eigentlich für das Wohl der Stadt Verantwortlichen weiter ungut fortfahren können bezüglich unseres so wichtigen Krankenhauses? Damit es niemanden mehr gibt, der verantwortlich mitdenkt? Damit sich niemand mehr um das Wohl der Bürger kümmert? Damit man mit meiner Meinung nach unrealistischen, unpassenden Vorhaben ungestört weiter agieren kann? Ist das Demokratie? Das Volk hat zu schweigen, und einige wenige handeln, egal ob sinnvoll oder nicht? Egal, ob an die notwendigen Bedürfnisse der Menschen hier gedacht wird oder nur an persönliche Ambitionen?

Gerade hörte ich wieder, dass zum Teil in unserem Krankenhaus ein drittes Bett ins Zimmer kam, weil bereits völlig belegt — und da will man noch riesig verkleinern?! Wir brauchen ein Krankenhaus mit circa 200 Betten! Die Forderung der 50 Ärzte am Samstag ist meines Erachtens nach die Forderung aller Bürger hier und dringend notwendig!

Anscheinend brauchen wir ein Bürgerbegehren oder ähnliches, auf dass endlich umgedacht, realistisch gehandelt wird.

Viele Bürger mögen laut werden und ihre Meinung in Briefen kundtun!

Von Sigrid Kröner, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 24.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Souveränes Statement hat gefehlt

BETRIFFT: Artikel »Ohne Orthopädie keine volle Unfallchirurgie« auf der Seite Calw vom 18. November

Seit Jahren ist das Thema Krankenhaus aus der Medienlandschaft der Stadt Calw nicht mehr wegzudenken. Was wurde da schon alles gesagt und geschrieben. Wenn es drauf ankommt, dann winden sich alle wie Aale und können sich an Gesagtes gar nicht mehr oder nur schwach daran erinnern. Das hat nun ein Ende. Ein »Gemeinde/ Stadtrat« (Herr Ott) hat nun den Knüppel aus dem Sack gelassen und unmissverständlich kommuniziert: »Wir kämpfen dafür, dass Calw und das Umland künftig die selbe Versorgung hat wie bisher — und besser.« Dieses souveräne Statement hat einfach gefehlt. Jetzt muss man sich keine Sorgen mehr machen, es bleibt mindestens beim Alten und einiges Neues (gutes?) soll auch  noch dazu kommen. Mal ehrlich, verschlägt es einem da nicht die Sprache?

 

Von Thomas Krietsch, Calw-Alzenberg

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 24.11.2017

 

Geschrieben am 25.11.2017

Belastbares Konzept nötig

BETRIFFT: Artikel »Ohne Orthopädie keine volle Unfallchirurgie« auf der Seite Calw vom 18. November

Endlich hat ein investigativer Journalist des Schwarzwälder Boten es auf den Punkt gebracht: Es geht gar nicht ohne die Orthopädie in Calw, damit eine medizinische Grundversorgung der Bevölkerung rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag nicht nur internistisch, sondern auch chirurgisch, gewährleistet ist. 18000 Unterschriften der Bürgerinnen und Bürger haben dies untermauert. Es wäre noch deutlicher gewesen, hätten meiner Meinung nach nicht üble Zeitgenossen Listen verschwinden lassen. Die Chefärzte durften jetzt endlich einmal ihren medizinischen Sachverstand in die Diskussion einbringen, was ihnen meines Erachtens nach aus politischen Gründen bisher versagt blieb. Mir ist schon klar, wer dafür maßgeblich Regie führt — diejenigen aus dem oberen Nagoldtal, die am wenigsten von Medizin, aber viel von Egoismus und Lobbyismus verstehen. Diese Politik führt aber zu sächsischen Verhältnissen. Vermutlich ist ihr Credo: Wer mehr Gewerbesteuer zahlt, hat auch Anspruch auf die bessere medizinische Versorgung. Nagoldern zuzumuten, zum Beispiel 15 Kilometer in ein Zentralklinikum in der geografischen Mitte zu fahren, können sie sich offenbar nicht vorstellen. Aber man kann offensichtlich gut damit leben, wenn Calwer notfallmäßig 30 Kilometer durch die Pampa über kurvenreiche Straßen, durch innerstädtische Kreisverkehre und eine 30-Kilometer pro Stunde-Zone gekarrt werden. Eine Geburtshilfe und Gynäkologie in Nagold mit gerade mal zehn Betten wäre für sie, da bin ich mir sicher, nicht akzeptabel. Aber für Calw scheint es gut genug zu sein. Zur Erinnerung: Der Herzkatheter-Messplatz für Nagold war angeblich schon bestellt, da hat der Kreistag die Eröffnung einer Kardiologie in Nagold noch gar nicht beschlossen. Ebenso wurde jetzt das Medizin-Konzept 2020 noch hastig vor den großen Ferien durchgepaukt, obwohl eine Anpassung für eine vollstationäre chirurgische Versorgung in Calw fehlt. Diese Grundversorgung braucht aber Calw für ihr größeres Versorgungsgebiet und steht ihr zu. Dies fordert deshalb nahezu die gesamte betroffene Ärzteschaft. Der Landrat hat sich in Stammheim unter 1500 Zeugen für Calw im Rahmen des Medizinkonzepts 2020 zu einer umfassenden unfallchirurgischen Versorgung bekannt. Das darf er gern als »alternativlos« bezeichnen. Jetzt soll er endlich ein belastbares zukunftsfähiges Personalkonzept hierzu vorlegen. Dann hat er die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, auch für einen Neubau und den begleitenden »Campus«.

 

Von Dr. Eberhard Bantel, Calw-Altburg

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 24.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Brauchen ein Bürgerbegehren

BETRIFFT: Krankenhaus

Bereits acht Tage nach der Hundertjahrfeier des Krankenhauses begann schon der Gärungsprozess. Frau Frank vom Krankenhausverbund ließ die Katze aus dem Sack: Es gibt keine Bestandsgarantie für das Krankenhaus Calw.

Im Hintergrund sind die Würfel schon gefallen (Nur, wie sage ich es meinem Kind?). Wie bringt man das explosive Thema auf den parlamentarischen Weg.

Interessant ist dazu noch zu lesen, wie die Fäden über sportliche Begegnungen gezogen wurden. Darüber hinaus darf man noch erinnern, die Rochade der Landesbeamten funktionierte vorbildlich: Herr Bernhard, Stellvertreter von Landrat Köblitz, Landratsamt Calw, wurde Landrat in Böblingen; Herr Rieger kam aus Böblingen und wurde Landrat in Calw. Alles demokratische Entscheidungen?

Im Dezember 2013 entschied sich der Kreistag mit dem Kompromissvorschlag »3+« für den viel gerühmten Gesundheitscampus im Stammheimer Feld. Dies war ein Bonbon für die Schließung des Krankenhauses Calw, mit fünf Gegenstimmen war auch dies eine demokratische Entscheidung.

Favorisiert wurde damals noch das Großklinikum Böblingen. Letztendlich ging das Krankenhaus Nagold mit der Übernahme der Calwer Chirurgie als Gewinner hervor.

Für Calw blieb eine Durchgangsstation als »Feldlazarett« übrig. Auch dies war wieder eine demokratische Entscheidung.

Was wollen wir uns darüber noch aufregen? Mit dieser Kenntnisnahme haben unsere Bürger diese Kreistagsmitglieder in der darauffolgenden Wahl wiedergewählt. Die Abgeordneten sehen sich bestätigt. Herr Eggert, Oberbürgermeister, mit dem Gemeinderat Calw, der Ortschaftsrat CaIw-Stammheim, sind jetzt gefordert, aus dieser vorgegebenen Situation »Gesundheitscampus« das Beste zu machen.

Herr Landrat Rieger braucht sich nach seiner Wiederwahl über eingehende Einsprüche keine Gedanken mehr machen, denn alle Entscheidungen sind durch demokratische Beschlüsse untermauert. Die Sache ist gelaufen. Vorhaltungen können die Bürger nur noch ihren gewählten Kreistagsabgeordneten machen.

Vielleicht kann man auch davon ausgehen, dass die integrierte psychosomatische Abteilung bis zur Fertigstellung des Objekts ihre Begründung findet und als notwendige Einrichtung gebraucht wird.

 

Von Erwin Ritter, Calw-Stammheim

Schwärzwälder Bote, Teile Calw vom 18.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Diskussion führt zu erheblichem Misstrauen

BETRIFFT: Klinikstruktur Calwer Bürger

In den vergangenen Wochen befassten sich viele Leserbriefe im Schwarzwälder Boten äußerst kritisch mit der Strukturreform der Kreiskliniken. Die wichtigsten Aspekte sind in der Bevölkerung hinreichend bekannt.

Die Erwartung, das Votum des Kreistages, die »3+« Lösung mit der »Minilösung« in Calw als verbindlich zu akzeptieren, war mit dem Hinweis verknüpft, bei einer Ablehnung dieses Kreistagsbeschlusses »werde Calw leer ausgehen«, so Mitglieder der Kreisverwaltung und des Kreistages.

War dies eine Drohung? Der beabsichtigte Abriss des aktuellen Krankenhauses stößt in der Calwer Bevölkerung auf großes Unverständnis. Das Krankenhaus wurde in der Vergangenheit äußerst kostenintensiv und aufwendig erweitert und modernisiert.

Die Bürger sehen in diesem Vorhaben zu Recht eine massive Verschwendung von Steuergeldern.

Die Aussage von OB Großmann, Nagold, anlässlich der Wahl des Landrats am 7. November 2017 — Zitat »…Ihr Ansinnen ist es, nahe an den Menschen zu sein,..« — mag für den Großraum Nagold zutreffen. Als Calwer Bürger sehe ich das anders und empfinde diese Äußerung von Herrn Großmann im Zusammenhang mit der Entscheidung zum »Krankenhausstandort Calw« als nicht zutreffend und äußerst unsensibel.

Bei der »3+«-Lösung vermisse ich den Grundsatz: Das Patientenwohl — »Patientin/Patient first« — hat absolute Priorität.

Nur wer als Betroffener oder  Angehöriger im Notfall die wohnortnahe, rasche, kompetente, medizinische Versorgung/Pflege im Calwer Krankenhaus und durch die Calwer Fach– und Hausärzte erfahren und schätzen gelernt hat, kann ermessen, wie lebensnotwendig für unsere Calwer Bevölkerung — vor allem in Notfällen — ein vollständig funktionierendes ortsnahes Krankenhaus und kompetente niedergelassene Ärzte sind.

Die Diskussion über die Strukturreform der Kliniklandschaft im Landkreis Calw und ihre beschlossene Umsetzung führten und führen in der Calwer Bevölkerung und besonders bei mir als Betroffener zu erheblichem Misstrauen.

Die Verunsicherung ist bei mir sehr groß.

Entgegen anders lautenden Aussagen von Mitgliedern der  Kreisverwaltung bei diversen Info-Veranstaltungen wird der Standort Calw nicht der Gewinner, sondern der große Verlierer der Umsetzung der Strukturreform sein.

 

Von Horst Ammann, Calw-Alzenberg

Schwarzwälder Bote, Teile Calw vom 18.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Macht viele Bürger wütend

BETRIFFT: Krankenhäuser

Das Calwer Krankenhaus ist in einem sehr guten und funktionierenden Zustand und die Mehrheit der Bürger von Calw und Umgebung wollen kein Gesundheits-Campus in Calw. Dank all denen, die sich für den Erhalt des Calwer Krankenhauses einsetzen, insbesondere Herrn Lehmann, der als Alt-OB und ehemaliger Kreisrat über große Erfahrung verfügt, gerade auch bezüglich des Calwer Krankenhauses, und sicher die richtige Einschätzung der Situation vertritt. Ich war in den letzten Wochen und Jahren in stationärer Behandlung im Calwer und Nagolder Krankenhaus und erlaube mir einen Vergleich. Die Patientenzimmer und Ausstattungen, sowie die Nasszellen im Nagolder Krankenhaus sind veraltet und sehr renovierungsbedürftig. Hingegen befinden sich die Zimmer, Ausstattungen und Nasszellen im Calwer Krankenhaus in einem Topzustand. Falls dennoch am Gebäude des Calwer Krankenhauses Erweiterungs– oder Renovierungsarbeiten anstehen sollten, dürften die hierfür erforderlichen Aufwendungen geringer sein, wie die Kosten für den Campus, der ohnehin über kurz oder lang keine Zukunft haben dürfte. Noch weniger dürften gute, qualifizierte Ärzte in einem solchen Zwergkrankenhaus für sich eine Zukunftsperspektive sehen, dem auch noch die sehr gut funktionierende Orthopädie weggenommen und dem Nagolder Krankenhaus angegliedert werden soll. Solche Planungen sind für einen unvoreingenommenen Bürger unverständlich. Noch unverständlicher ist der geplante Abriss des Calwer Krankenhauses. In dieses Krankenhaus wurden Millionen von Steuergeldern investiert. Es ist daher für die Mehrheit der Bürger von Calw nicht nachvollziehbar, daß der Landrat, eine Mehrheit der Kreisräte, der Calwer OB Eggert und viele Calwer Stadträte diesen Irrsinn befürworten. Es macht viele Bürger wütend wie von ein paar Entscheidungsträgern, fachlich fundierte Aussagen und Feststellungen, 17000 Unterschriften und Meinungen, sowie unzählige Leserbriefe missachtet und ignoriert werden. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Befürworter für den Erhalt des Calwer Krankenhauses, dem Vorschlag ‘von Herrn Lehmann, für ein Bürgerbegehren, anschließen würden.

 

Von Werner Schaible aus Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 15.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Klinikkonzept für Riegger alternativlos!

Von »zentraler Bedeutung« für die Zukunft, so Regionalökonom Koch, sei der Gesundheitssektor. Mit dem KIinikkonzept 2020 und dem geplanten Bau eines Gesundheitscampus in Calw habe man die richtige Weichenstellung vorgenommen, weil man damit stationäres und ambulantes Angebot an einem Standort vereine. Dies habe bundesweiten Modellcharakter. Koch: »Das war progressiv und vorausschauend.«

Landrat Riegger weiß indes auch um die Widerstände. Ohne das Thema Krankenhaus konkret angesprochen zu haben, sprach er in seiner Begrüßung allgemein von »zentralen Weichenstellungen, die man umsetzen muss und nicht beim kleinsten Widerstand umfallen darf.«

Später wurde er konkreter — und noch deutlicher: »Wir bauen in Calw ein neues Krankenhaus. Wenn wir’s nicht machen, gibt es in Calw kein Krankenhaus mehr. Wir können noch zwei, drei Jahre so weiter machen, dann wird Stuttgart es zumachen. Eine Alternative gibt es leider nicht.«

 

Von Roland Buckenmaier

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 18.11.2017

 

Geschrieben am 24.11.2017

Stadt muss kräftig weiterstreiten

BETRIFFT: Männerforum Heumaden zum Thema Krankenhaus

Es war ein interessanter Abend, an dem insbesondere die beiden Vertreter der Bürgerinitiative Pro Krankenhaus mit überragender fachlicher Kompetenz, Hintergrundwissen und Argumentationsstärke geglänzt haben. Pfarrer Raschko hat darauf hingewiesen, dass viele Bürger den Eindruck hätten, man werde einfach nicht mehr gehört. Müssen sie überhaupt gehört werden?

OB Eggert hat das so beantwortet: Ein Bürgerbegehren sei nicht zulässig, kritische Leserbriefe seien unerwünscht und er werde sich dafür verkämpfen, dass Calw ein funktionsfähiges Krankenhaus für die nächsten 50 oder 100 Jahre bekomme. Man solle ihm hier einfach vertrauen. Wenn man jetzt den 135-Betten-Neubau nicht akzeptiere, bestehe die Gefahr, dass man am Schluss überhaupt nichts bekomme.

In einem hat OB Eggert recht. Bürgerbegehren auf Landkreisebene sind in Baden-Württemberg nicht zulässig, ebenso wenig im kommunalen Bereich in Bezug auf die Bauleitplanung. Eindeutig zulässig ist nach der Gemeindeordnung aber ein Bürgerentscheid zum Beschluss des Calwer Gemeinderats, das Gewerbegebiet Stammheimer Feld III in ein Sondergebiet umzuwandeln. Dieser Beschluss steht noch aus. Spätestens dann sollten OB Eggert und der Gemeinderat der Calwer Bürgerschaft erklären, mit welcher Strategie und an welcher Stelle sie im Detail für ein zukunftsfähiges neues Krankenhaus noch kämpfen wollen.

Leider wird das politische Handeln immer wieder von der von verschiedenen Seiten gestreuten Drohkulisse »Vogel friss oder stirb« bestimmt. »Wenn ihr das nicht akzeptiert, bekommt ihr gar nichts.« Und sie zeigt Wirkung. Wenn diese Drohung ernst gemeint ist, dann ist damit belegt, dass der Krankenhausneubau in Calw für das neue Klinikkonzept völlig ohne Bedeutung ist. Bestätigt wird diese Annahme meines Erachtens nach schon jetzt dadurch, dass weder der Klinikverbund Südwest noch der Landkreis Calw im Hinblick auf Bettenzahl und medizinische Kompetenzen des Calwer Neubaus weitere Zugeständnisse machen.

Unbeirrt von allen Argumenten schreibt das Landratsamt vielmehr jetzt den Architektenwettbewerb aus, ohne den Grundsatzbeschluss des Gemeinderats überhaupt erst abzuwarten: Wenn aber Betten und Orthopädie mit allen Konsequenzen erst einmal nach Nagold verlagert sind, kann das Rad nicht mehr zurückgedreht werden. Die Stadt muss deshalb weiter für ihr Krankenhaus streiten, kräftig sogar, und vor dem Gemeinderatsbeschluss entsprechende Ergebnisse erzielen. Danach wird jedes weitere Bemühen um ein zukunftsfähiges Calwer Krankenhaus  ohne Wirkung bleiben und die Ankündigung von OB Eggert, sich weiter dafür zu verkämpfen, ebenfalls eine Nebelkerze.

Von Gottfried Müller, Calw-Heumaden

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 17.11.2017

Geschrieben am 24.11.2017

Der ländliche Raum wird vernachlässigt!

BETRIFFT: Der ländliche Raum wird vernachlässigt!

Der grüne Sozialministers Lucha verkündete bereits im Januar 2016, dass jedes fünfte Krankenhaus geschlossen werden kann. Diese schließbaren Krankenhäuser befinden fast alle im ländlichen Raum. Nunmehr prognostiziert er eine weitere Schließung von über 66 Krankenhäusern in den nächsten 15 Jahren (siehe Schwarzwälder Bote vom 2.11.2017) und fordert weitere zentrale Großkliniken. Die Schaffung weiterer Mega-Kliniken ist jedoch nicht nur unter Kostengesichtspunkten ein Irrweg, weil sich die defizitäre Grundstruktur nicht ändert, solange nach höchst zweifelhaften Fallpauschalen abgerechnet und der Staat seiner Verpflichtung zur Tragung der Investitionskosten nicht nachkommt. Die Größe der Klinik beseitigt nämlich nicht die finanziellen Probleme, wie das neue Großklinikum Winnenden zeigt.

Solche Kliniken, in denen auch die üblichen Leiden behandelt werden sollen, werden von den Patienten kritisch gesehen, denn dieser findet sich schon aufgrund der Klinikgröße nicht zurecht, er bekommt oftmals aufgrund der Personalsituation, die im Kostendruck und der gegebenen Anonymität begründet ist, nicht die entsprechende pflegerische Zuwendung. Dieser Mangel kann auch durch Besuche durch Angehörige nicht gemindert werden, weil diese einen sehr weiten Weg zur Klinik haben. Deswegen fühlt sich insb. der ältere Patient als „Nummer“. Damit sind solche Krankenhäuser kein Ort der Steigerung der Lebensqualität und Daseinsfürsorge für die Bevölkerung im ländlichen Raum.

Es könnte auch anders gehen, als Kliniken im ländlichen Raum zu schließen, denn weitere Kliniken der Maximalversorgung werden nicht benötigt. Solche Kliniken sind die hochspezialisierten landeseigenen Universitätskliniken und die bestehenden Großkrankenhäuser in den Ballungszentren. Die „kleineren“ Kliniken in der „Fläche“, die in der Bevölkerung –anders als bei den Politikern– eine hohe Akzeptanz haben, gehören durch elektive Spezialabteilungen ergänzt, um eine „Grundauslastung“ und Senkung der Fixkosten  zu gewährleisten. So wie es einen Landbewohner zugemutet werden kann, 40 oder mehr Kilometer zum nächsten Krankenhaus zu fahren und er als Risiko seines Wohnens u.U. beim einem Nottransport verstirbt, ist es einem städtischen Einwohner zumutbar, für geplante Eingriffe ein modernes und ruhig gelegenes Krankenhaus in der Fläche aufzusuchen.

Es wäre deswegen an der Zeit, dass sich die Minister Lucha und der für den ländlichen Raum zuständige Minister Hauk von der CDU mal darüber unterhalten, wie der ländliche Raum durch Erhaltung der regionalen Krankenhäuser gestärkt werden kann. Der Einsatz von mehr Rettungsfahrzeugen ist keine Lösung zumal bisher schon oft die gesetzlichen Rettungszeiten nicht eingehalten werden und es zudem zu wenige Notärzte gibt. Im Übrigen führen längere Wege schon aufgrund des Zeitfaktors zu exponentieller Risikosteigerung, denn beim Herzinfarkt und Schlaganfall zählt jede Minute. Ein weiteres Krankenhaussterben im ländlichen Raum wird daher zu einer noch größeren Politikverdrossenheit mit den bekannten und von den Volksparteien nicht gewollten Reaktionen führen.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim

 

Der Leserbrief wurde in Absprache mit dem Verfasser aus Platzgründen am 17.11.2017 im Schwarzwälder Boten Seite 7 in folgender Fassung abgedruckt:

 

Minister auf Irrweg

 BETRIFFT: »Kliniken .beklagen Kürzungen« vom 2. November auf der Titelseite

Der grüne Sozialminister Manfred Lucha prognostiziert eine weitere Schließung von über 66 Krankenhäusern in den nächsten 15 Jahren und fordert weitere zentrale Großkliniken. Die Schaffung weiterer Mega-Kliniken ist jedoch nicht nur unter Kostengesichtspunkten ein Irrweg, weil sich die defizitäre Grundstruktur nicht ändert, solange nach höchst zweifelhaften Fallpauschalen abgerechnet und der Staat seiner Verpflichtung, die Investitionskosten zu tragen, nicht nachkommt. Die Größe der Klinik beseitigt nämlich nicht die finanziellen Probleme, wie das neue Großklinikum Winnenden zeigt.

Solche Kliniken, in denen auch die üblichen Leiden behandelt werden sollen, werden von den Patienten kritisch gesehen, denn diese finden sich schon aufgrund der Klinikgröße nicht zurecht. Sie bekommen oftmals aufgrund der Personalsituation, die im Kostendruck und der gegebenen Anonymität begründet ist, nicht die entsprechende pflegerische Zuwendung. Dieser Mangel kann auch durch Besuche von Angehörigen nicht gemindert werden, weil diese einen sehr weiten Weg zur Klinik haben. Deswegen fühlt sich besonders der ältere Patient als »Nummer«. Damit sind solche Krankenhäuser kein Ort der Steigerung der Lebensqualität und Daseinsfürsorge für die Bevölkerung im ländlichen Raum.

Weitere Kliniken der Maximalversorgung werden nicht benötigt. Solche Kliniken sind die hochspezialisierten landeseigenen Universitätskliniken und die Großkrankenhäuser in den Ballungszentren. Die »kleineren« Kliniken in der »Fläche«, die in der Bevölkerung — anders als bei Politikern — eine hohe Akzeptanz haben, gehören durch Spezialabteilungen ergänzt, um eine »Grundauslastung« und Senkung der Fixkosten zu gewährleisten. So wie es einem Landbewohner zugemutet werden kann, 40 oder mehr Kilometer zum nächsten Krankenhaus zu fahren und er als Risiko seines Wohnens unter Umständen bei einem Nottransport verstirbt, ist es einem städtischen Einwohner zumutbar, für Eingriffe ein modernes und ruhig gelegenes Krankenhaus in der Fläche aufzusuchen.

Es wäre an der Zeit, dass sich Lucha und der für den ländlichen Raum zuständige Minister Peter Hauk von der CDU darüber unterhalten, wie der ländliche Raum durch Erhaltung der regionalen Krankenhäuser gestärkt werden kann.

Von Prof. Bernd Neufang, Ostelsheim

 Schwarzwälder Bote, Teil Calw, Seite 7 vom 17.11.2017