Leserbriefe

Geschrieben am 06.11.2017

Über Köpfe der Bürger hinweg

BETRIFFT: Krankenhaus

Diese Aussage hat mich doch sehr verwundert! Über Jahre hinweg wurde sehr viel Steuergeld in die Hand genommen um das Kreiskrankenhaus KKH) Calw zu modernisieren. Sogar mit einem Hubschrauberlandeplatz wurde es gestärkt. Und auf einmal fällt auf, dass das KKH an einem ungünstigen Standort steht und  unwirtschaftlich ist. Nagold wird mal wieder zu Lasten von Calw gestärkt. Für Calw soll es einen Neubau geben, jedoch kleiner, circa 130 Betten. Ob dieses wirtschaftlicher ist, kann niemand sagen.

Mir stellt sich die Frage, wer an einem Zwergenkrankenhaus Karriere machen kann, zumal lediglich die Grundversorgung abgedeckt wird. Ebenfalls kann man nur das Pflegepersonal bemitleiden! 48 Patienten für eine Pflegekraft bedeuten zehn Minuten Zeit pro Patient bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag. Wohl dem, der nicht in dieses Krankenhaus muss, egal ob als Patient oder Mitarbeiter. Hat man sich überhaupt mal Gedanken darüber gemacht, was diese Überlastung des Personals für Auswirkungen haben kann? Wie wäre es, den Bürger willen mehr wahrzunehmen und zu berücksichtigen? Schließlich sind es auch hier wieder unsere Steuergelder, die großzügig ausgegeben werden. Bei einem Misserfolg hat kein Entscheidungsträger Konsequenzen zu befürchten. Zu oft wird über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden! Ist das gelebte Demokratie?

 

Meike Schnabel, Calw-Stammheim

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Klinik in gutem Zustand

BETRIFFT: Krankenhaus

Wenn man dem Bericht vom 21. Oktober im Schwarzwälder Bote Glauben schenken darf, dann hat Herr Oberbürgermeister Eggert tatsächlich gesagt, dass in einem heute neu errichteten Krankenhaus »eine Pflegekraft bis zu 48 Patienten versorgen« könne. Als langjähriger Leiter eines großen Fachkrankenhauses muss ich sagen, dass diese Behauptung völlig an der medizinischen Wirklichkeit vorbei geht. Wenn unser Oberbürgermeister einen solchen Standpunkt vertritt, darf er an der Planung der medizinischen Versorgungslandschaft nicht verantwortlich beteiligt werden.

Wer viele deutsche Krankenhäuser von innen kennengelernt hat, muss zu der Feststellung kommen, dass das Calwer Krankenhaus im Vergleich zu vielen anderen Krankenhäusern in einem sehr guten baulichen Zustand ist.

Die Probleme des Brandschutzes lassen sich sicherlich mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand lösen. Wenn wir die für den Neubau eines »Behelfskrankenhauses« im Rahmen der vorliegenden Planung »3plus« benötigten Mittel — wahrscheinlich mehr als 30 Millionen Euro — in die Personalausstattung des jetzigen Krankenhauses investieren, dann kann das Calwer Krankenhaus in der jetzigen baulichen Form noch gut 20 bis 30 Jahre auf hohem medizinischem Niveau weiter arbeiten.

 

Dr. Ralf Johnen, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

War der Umbau für die Katz?

BETRIFFT: Krankenhaus

Vorab ein großes Lob an Herrn Karl-Heinz Lehmann für seine bis jetzt gesendeten Leserbriefe. Welch ein Unsinn! Sollen die am bestehenden Kreiskrankenhaus (KKH) baulichen Maßnahmen, zum Beispiel Umbau innen, zwei Parkhäuser, ein Hubschrauber– Landeplatz und noch eine auf das südliche Dach montierte Solaranlage für die Katz gewesen sein? Wenn auch für altes KKH rote Zahlen geschrieben werden?! Für Neues in kurzer Zeit »dunkelrot«! Aber wenn es einen Zuschuss gibt, dann kann man ja ohne schlechtes Gewissen Steuergelder in einen Neubau verbraten! Ob in dem Preis auch ein Parkhaus und ein Heli-Landeplatz enthalten sind, weiß noch kein Mensch. Von was träumen die Befürworter? Es gibt da mindestens zwei Herren, die nach Fertigstellung des neues Kleinlazarettes den zu vergebenden »Landes-Kreis-Verdienstkreuzorden« erhalten wollen. Hoffentlich kommen mal beide in die Lage sich unter 48 Patienten versorgen lassen zu müssen. Arme Schwester!

Sollte der Neubau wider Erwarten doch durchgeführt werden, dann könnte man doch das bestehende KKH als Betreutes-Alters-Pflegeheim umfunktionieren. Wäre doch alles vorhanden. Jedes Zimmer hat Dusche mit WC, TV– und Telefonanschlüsse, auch gibt es Sauerstoff für frische Luft. Hätten auch eine wunderbare Aussicht zum Landrat und Calw. Auch der Heli-Landeplatz wäre sinnvoll für die Anlieferung und Abtransport von Heimbewohnern. Zum Schluss noch einen Gruß an Herrn Schäuble oder seinen Nachfolger. Wie wäre es, die Einkommensteuer um ein Prozent zu senken und dafür Krankenkassenbeiträge entsprechend anzupassen, um die maroden Kliniken durch höhere Leistungen unterstützen zu können. Müssten dann bestimmt weniger geschlossen werden. Auch private Klinikbetreiber hätten einen Vorteil davon.

 

Kurt Ehmert, Calw

Schwarzwälder Bote, Teile Calw vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Gehen wir auf die Barrikaden

BETRIFFT: Artikel und Leserbriefe zum Thema Calwer Krankenhaus vom 28. Oktober

Bürgerfreundlich kommt die frühe Chance der Mitgestaltung und Neunutzung des Krankenhausareals daher. Doch wir sollten uns nicht täuschen lassen. Warum gehen wir Calwer Kreisbürger nicht massenhaft auf die Straße wie die Katalanen? Sind wir schon zu alt, zu müde. zu resigniert? Wir brauchen weder die Hermann-Hesse-Bahn noch einen neuen Gesundheitscampus. Hier werden Millionen hart erarbeiteter Steuergelder in den Sand gesetzt, für wen oder was? Für Bahnliebhaber, Grund– und Bodenspekulanten, für die Grundbedürfnisse der Menschen blinde Politiker? Schicke Villen in Bestlage, dafür großzügige Flure für die Massenpflege auf dem Campus, damit dort auch Roboter auffahren können? Was für ein Deal. Die Damen Gisela Volz und Helga Engl haben es in ihren Leserbriefen vom 28. Oktober bereits deutlich ausgedrückt: Die Politiker haben wirklich nichts verstanden. Deshalb ein klares Nein von Gemeinderäten und Kreisräten. Mein Aufruf an die Bürgerinitiative: Gehen wir auf die Barrikaden, auf die Straßen für unser altbewährtes Calwer Krankenhaus! Ich bin dabei.

 

Ute Steinheber, Althengstett

Schwarzwälder Borte, Teil Calw vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Ansicht ist unrealistisch

BETRIFFT: Krankenhäuser

Verwunderlich und bemerkenswert, wenn besondere Zahlengrößen ins Spiel kommen. Beim alten bisherigen Krankenhaus (Klinikum) haben sich 17.000 Menschen mit ihren Unterschriften für den Erhalt bekannt. Eine beachtliche Zahl der Befürworter. Die zweite Zahl, die hinterfragt werden muss, ist die genannte Patientengröße von 48 (!), die im Campus von einer Pflegekraft zu versorgen, betreuen. zu pflegen möglich sei. Diese Größe wird sogar als Fortschritt beschrieben, dank der günstigeren baulichen Gegebenheiten. Diese Ansicht ist unrealistisch. Eine so große Patientenzahl kann im Normalbetrieb niemals von nur einer Pflegkraft gut versorgt werden und ist weder Standard noch von den Kostenträgern so gedacht. Das schadet der Qualität einer Einrichtung. Eine Pflegekraft ist nicht nur am Krankenbett mit der Pflege, sondern auch bei Besprechungen mit den Ärzten und bei der Übergabe und der beachtlichen Dokumentation beschäftigt. Der Empfehlung zumindest ein neues neutrales Gutachten erstellen zu lassen. wäre zu prüfen.

Auch sollte bis zur Fertigstellung des Großklinikums auf dem Flugfeld in Böblingen auf jeden Fall unsrer bisheriges Klinikum in Calw fortbestehen und zur Patientenversorgung vor Ort erhalten bleiben. Es wird gebraucht und geschätzt, gelobt und von den Patienten und Ärzten, die ja Patienten zuweisen, angenommen.

 

Dr. Hans Bernhard Römer Calw-Hirsau

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 2.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Krankenhaus überlebensfähig

BETRIFFT: „Alter Standort nicht zu halten“

Bei dieser Überschrift vermisse ich ein großes Fragezeichen. Es ist enttäuschend. dass selbst im Calwer Gemeinderat die berechtigte Kritik der Neuen Liste Calw keine Unterstützung fand. Und mit der Meinung eines Ratsmitglieds bezüglich Verweis auf den fragwürdigen Beschluss des Kreistags und eines anderen Mitglieds, man solle keine erneute Debatte beginnen, lachen es sich diese Herren zu leicht. Wenn man weiß, wie seltsam der damalige Beschluss des Kreistags zustande kam (wie selbst miterlebt!), dann kann man sich nur wundern.

So wurden die Kreisräte vom Landrat mit einem fest entschlossenen Antrag geradezu überrumpelt und zu einer voreiligen Abstimmung gedrängt. Und das, obwohl der Kreistag offensichtlich über die neueste, überraschenderweise sehr positive finanzielle Entwicklung der Krankenhaussituation gar nicht richtig informiert war! Ganz im Gegensatz zu den bisherigen düsteren Prognosen des ominösen Gutachtens!

Die Kreisräte hätten natürlich zumindest einen Zeitaufschub verlangen müssen, um das aktuellste Ergebnis zu prüfen und danach die völlig veränderte Sachlage — zu Gunsten des Calwer Hauses — neu zu bewerten! Das hätte jede aufgeweckte Schulklasse von ihrem »Lehrer« gefordert!

Nicht so der Kreistag. Zwar haben sich einige Kreisräte zu Wort gemeldet und »mutig« eine kurze oder längere Rede gehalten — aber nur im Sinne des Landrats. wohl um sich nicht unbeliebt zu machen. Zu einer notwendigen Kritik am Ansinnen des Landrats hat sich niemand getraut und alle haben brav ihrem Vorredner zugestimmt.

Ich — als parteiloser Mitbürger — frage mich: Haben die Kreisräte die große Bedeutung ihrer Entscheidung (und voreiligen Zustimmung) nicht richtig erkannt? Schließlich geht es um die Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte. Mindestens ein Vierteljahrhundert! Da muss man/frau sich doch mehr Gedanken machen! Mir kommt es so vor, als ob man versuchen will, auf einem wackeligen Untergrund (dem Gutachten) ein dauerhaftes Gebäude zu errichten.

Das kann doch nicht gut gehen. Nach einer kürzlichen Veröffentlichung einer Studie des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung ist das Calwer Krankenhaus durchaus überlebensfähig!

Wenn man schlauerweise die vorgesehenen Euro-Millionen anstatt für eine kleine Ersatz– Klinik viel besser verwendet für einen Neubau am bestehenden Calwer Haus — verbunden mit modernster Medizin-Technik — und gleichzeitig das Nagolder Haus entsprechend »aufrüstet«. dann ist die gesundheitliche Versorgung des ganzen Landkreises so gut gesichert. Dass man sich dem Klinikverbund Südwest weder anschließen noch unterordnen muss. Um hilflos und rechtlos dessen künftige Entscheidungen ertragen zu müssen!

Grundsätzlich gilt: Nicht das klein karierte Denken »CaIw oder Nagold«, sondern beide Krankenhäuser zusammen sind. beziehungsweise werden mit diesen Maßnahmen stark und leistungsfähig genug, um selbstständig zu bleiben! Das ist doch ein sehr erstrebenswertes Ziel! Darüber sollten alle Verantwortlichen (auch der Landrat) mal ernsthaft und gründlich nachdenken — und nicht gleich aufgeben, zum Nachteil der Bevölkerung.

 

Alfred Hiller, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 30.10.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Bürgerwille zählt nich

BETRIFFT: „Alter Standort nicht zu halten“

Diese Aussage hat mich doch sehr verwundert! Über Jahre hinweg wurde sehr viel (Steuer) Geld in die Hand genommen um das Kreiskrankenhaus (KKH) Calw zu modernisieren, sogar mit einem Hubschrauberlandeplatz wurde es gestärkt. Und auf einmal fällt auf, dass das KKH an einem ungünstigen Standort steht und unwirtschaftlich ist. Nagold wird mal wieder zu Lasten von Calw gestärkt. Für Calw soll es einen Neubau geben, jedoch kleiner, circa 130 Betten. Ob dieses wirtschaftlicher ist, kann niemand sagen. Mir stellt sich die Frage, wer an einem Zwergenkrankenhaus Karriere machen kann, zumal lediglich die Grundversorgung abgedeckt wird. Ebenfalls kann man nur das Pflegepersonal bemitleiden! 48 Patienten für eine Pflegekraft bedeuten zehn Minuten Zeit pro Patient bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag. Wohl dem, der nicht in dieses Krankenhaus muss, egal ob als Patient oder Mitarbeiter. Hat man sich überhaupt mal Gedanken darüber gemacht, was diese Überlastung des Personals für Auswirkungen haben kann? Wie wäre es, den Bürgerwillen mehr wahrzunehmen und zu berücksichtigen? Schließlich sind es auch hier wieder unsere Steuergelder, die großzügig ausgegeben werden. Bei einem Misserfolg hat kein Entscheidungsträger Konsequenzen zu befürchten. Zu oft wird über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden! Ist das gelebte Demokratie?

 

Meike Schnabel, Calw-Stammheim

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 30.10.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Einschnitte zwangsläufig

BETRIFFT: Krankenhaus

Wir haben verstanden! So lautet der neue Slogan der Politiker in Berlin. Was in der Aussage fehlt, ist das Wort »nicht«. Gleiches gilt für unseren Landkreis und seine Verwaltung.

Wenn die Flüchtlingspolitik bundespolitisch von zentraler Bedeutung ist, so ist es für die Region Calw die Krankenhausfrage. Gleichwohl verkündet der Landrat über einen Bericht im Schwarzwälder Bote, dass das neue Krankenhaus im Jahre 2020 noch in Betrieb genommen würde.

Zur Realität: Es gibt noch nicht mal einen Bauplan! Von der Planung bis zur Inbetriebnahme eines Krankenhauses ist ein Zeitraum von mindestens fünf Jahren notwendig.Warum dann die Ankündigung eines solchen Termins? Dies erinnert an die großspurige Verkündung der Inbetriebnahme der Hesse-Bahn im Jahre 2018. Auch hier hat der Landrat sowohl die Probleme als auch die Befindlichkeiten der betroffenen Bevölkerung und Gemeinden (insbesondere im Landkreis Böblingen) ignoriert.

Noch ein Problem: Das bisher voll belegte Calwer Krankenhaus hat derzeit fast 200 Betten und überdurchschnittlich kurze Liegezeiten.

Der geplante Neubau soll aber nur 135 Betten haben. Damit sind Einschnitte in der medizinischen Versorgung der Calwer Bevölkerung zwangsläufig. Hinzu kommt, dass nach der Auffassung der AOK Baden-Württemberg aber Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten nicht überlebensfähig sind und seien deswegen mittelfristig zu schließen.

Der geplante Neubau soll zudem eine nur teilfunktionsfähige Intensivstation erhalten. Wie soll dann die Behandlung von Herzinfarkten und Schlaganfällen ohne Qualitätsverlust gesichert sein? Werden hier der Calwer Bevölkerung weitere Bären auf gebunden?

Helga Engl, Calw-Hirsau

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 29.10.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Wer nicht kämpft hat verloren

BETRIFFT: Krankenhaus

Es hat sich ganz schnell und kann jeden treffen: eine kleine Unachtsamkeit, ein Missgeschick — schon ist am Sonntagvormittag das Sprunggelenk gebrochen. Was folgt: Notarzt, Ambulanz, Notaufnahme, Röntgen, OP. Wenn man wieder zu sich kommt, merkt man, was alles fehlt — von der Zahnbürste bis zum Nachthemd, von der Brille bis zum Handy. Klar — wer hat schon für so einen Fall alles griffbereit, zumal dann, wenn man mit gebrochenem Fuß im Treppenhaus liegt? Alles kein Problem — es gibt gewiss jemandem im Umfeld, der einem die fehlenden Utensilien schnell ins Krankenhaus nachliefert und vielleicht sogar ein zweites Mal anrückt, wenn man erst einmal den Schlüssel übergeben und die einzelnen Fundorte erklärt hat. Noch — denn jetzt fahrt man ja nur ins Krankenhaus nach Calw. Aber später? Wenn es hier nur noch eine Schmalspur-Außenstelle gibt, dann müssen die hilfreichen Assistenten nach Pforzheim, Nagold oder Böblingen fahren — alles kein Problem?

Außer Nähe, einem für Patienten wie Angehörige unschätzbaren Wert an sich, geht uns Calwern aber noch viel mehr verloren: fachliche Kompetenz — ein Krankenhaus trägt schließlich weit über die Stadtgrenzen hinaus zum Ruf einer Großen Kreisstadt bei: werde ich zukünftig tatsächlich auch nur drei Stunden nach dem Unfall operiert und so erstklassig behandelt und umsorgt, dass ich nach vier Tagen stationär entlassen werden kann? Und was ist mit den Arbeitsplätzen? Sonst immer das Hauptargument, wenn es um Standortfragen geht! Da wundert es schon, wie lammfromm unsere Interessenvertreter sich einer, vermeintlich »alternativlosen« Option gebeugt haben!

Kann es sein, dass ganz andere Faktoren, die mit dem Krankenhaus an sich gar nichts zu tun haben, dabei eine Rolle spielen? Zum Beispiel die Aussicht auf die Vermarktung einer Immobilie, die tatsächlich la-Lage ist? Als in meiner Mobilität eingeschränkte Patientin erfreue ich mich am Blick über die Stadt, am Klang der Glocken, an den Alltagsgeräuschen aus der Schule und dem Kindergarten, die zu mir herauf dringen — auch das ist eine Form von Teilhabe, mit der es im Gewerbegebiet wohl vorbei sein wird. Auch der Verdacht auf einen politischen »Deal« drängt sich auf: Calw bekommt die Hermann Hesse Bahn, Nagold das Kompetenzzentrum Krankenhaus. Zu abwegig? Vielleicht – aber solche Ideen keimen halt auf, wenn einen die Argumente nicht überzeugen.

Warum setzen sich unsere gewählten Interessenvertreter nicht mit allem Nachdruck für den Standort Calw ein? Den leider nur wenigen, die es tun, sei an dieser Stelle gedankt. Wer kämpft, kann verlieren — wer nicht kämpft, hat schon verloren.

 

Dr. Gisela Volz, Calw-Hirsau

Schwarzwälder Bote, Teile Calw vom 29.10.2017

Geschrieben am 27.10.2017

Ohne baldiges Umdenken drohen historische Fehler

 

BETRIFFT: Krankenhaus

Achtung, Achtung, das Sprachrohr des Landrats, OB Eggert, hat wieder geredet. Er hat die Pläne zum Krankenhäusle im Bauausschuss der Stadt erläutert. Ich würde mir wünschen, dass er im gleichen Umfang die Interessen seiner Bürgerinnen und Bürger mit 17.000 Unterschriften darstellt. Aber darauf warten wir alle vergebens.

Leider musste ich die letzten Wochen in unserem Krankenhaus in Calw und in der Uni-Klinik in Tübingen verbringen. Neben·sehr guter Behandlung konnte ich viele Gespräche mit dem Personal hier und in Tübingen führen.

Dies führte dazu, dass ich weiter für unser Krankenhaus kämpfen werde, weil ich festgestellt habe, dass der Stadt und der Bevölkerung soviel Sand in die Augen gestreut wird, dass sie die Realität nicht mehr sehen sollen. Alle befragten Fachleute, bis auf eine einzige Ausnahme, sind einhellig der Meinung, dass ein Krankenhäusle mit 120 Betten heute keine Überlebenschance hat und so wird Calw künftig einen Gesundheitscampus ohne Krankenhaus haben!

Niemand versteht, warum nicht zusätzlich ein neutrales Gutachten von Sachverständigen eingeholt wird. Das ist so gewollt vom Landkreis und müsste aber zu einer Forderung der Stadt werden.

Den Äußerungen von Herrn Eggert ist zu entnehmen, dass das Krankenhäusle so gestaltet wird, dass eine Pflegekraft 48 Patienten betreuen kann, dann sollte einmal einer der Entscheider bei der Stadt auf einer solchen Station liegen und feststellen, dass gar keine Pflegekraft vorhanden ist, weil jede von mir befragte Schwester dies für völlig ausgeschlossen hält und niemand als Pflegepersonal sich dort bewerben wird. Also ein weiteres Todesurteil für das Krankenhäusle.

Die Äußerungen des OB zum jetzigen Krankenhaus sind unglaublich und fatal und könnten, wenn man nur einen kleinen Teil des Geldes, das für das neue Krankenhäusle vorgesehen ist. in die Hand nimmt, behoben werden. Dann könnte man das Gewerbegebiet Stammheimer Feld dort erweitern, wo es richtig ist und müsste nicht riesige Waldflächen für ein neues Gewerbegebiet opfern. Man hätte damit auch die auf die dortigen Gewerbetreibenden und die Kleingartenkolonie zukommenden gewaltigen Auflagen wegen der Krankenhausnähe beseitigt. In Kürze können die Wähler in der Stadt feststellen: An ihren Taten werden die Verantwortlichen OB und Gemeinderat gemessen.

Ich bin überzeugt, dass die Organe der Stadt Calw einen historischen Fehler begehen, wenn nicht bald ein Umdenken erfolgt.

 

OB a. D. Karl-Heinz Lehmann, Calw

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 27.10.2017