Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 16.07.2020

So eine Situation wird nicht mehr eintreten

Corona — Mitarbeiter des Calwer Krankenhauses berichten vom »Riesen-Kraftakt«, den die Pandemie mit sich gebracht hat

Eigene Räume, eigene Eingänge, sogar eigene Fahrstühle – innerhalb kürzester Zeit mussten zu Beginn der Corona-Pandemie in Krankenhäusern etliche Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Ein gewaltiger Kraftakt, auch in der Calwer Klinik. Mittlerweile ist wieder so etwas wie Normalbetrieb eingekehrt. Doch man ist vorbereitet, jederzeit wieder alles auf Anfang zu drehen.

Calw. Ob beim Einkaufen, im Bus oder in öffentlichen Gebäuden – überall herrscht Maskenpflicht, Menschen halten Abstand zueinander, wo auch immer es geht. Obwohl die Corona-Fallzahlen deutlich zurückgegangen sind, Normalität – wie man sie vor der Krise kannte – scheint vielerorts noch weit entfernt zu sein.

Das wird auch beim Betreten des Calwer Krankenhauses deutlich: Fiebermessen am Eingang, danach ein Formblatt mit Kontaktdaten ausfüllen. Notwendige Vorsichtsmaßnahmen, die wohl noch einige Zeit beibehalten werden dürften, um Personal und Patienten zu schützen. Und doch nur ein Schatten dessen, was hier, wie in unzähligen anderen Kliniken, zu Beginn der Pandemie gestemmt werden musste.

Calws Chefarzt Martin Oberhoff, Ilona Jochem, Leiterin der Zentralen Notaufnahme, Denis Döring, Leiter der Isolierstation und Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin des Kreisklinikums Calw-Nagold, gaben bei einem Besuch in der Klinik einen exklusiven Einblick in die nicht allzu ferne Vergangenheit.

Ein großes, weißes Zelt steht noch dort, wo sonst üblicherweise fast nur Fahrzeuge des Rettungsdienstes verkehren, als wir das Calwer Krankenhaus besuchen. Ein Überbleibsel der vorläufig ersten Hochphase der Pandemie – und eine der zahlreichen Maßnahmen, um potenziell Infizierte isoliert zu untersuchen und somit eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Denn dort wurden Patienten mit Verdacht auf Corona empfangen, die per Krankenwagen in die Klinik kamen. Unter anderem zwei Betten mit der Möglichkeit zur Sauerstoffversorgung der Erkrankten, Licht, Heizstrahler, Computer und EKG-Messgeräte waren hier ab Mitte März untergebracht. Direkt daneben ein separater Eingang, streng getrennt von anderen Patienten, für jene Erkrankten, die mobil waren.

Von dort aus nahm alles seinen abgeschirmten Weg: Unterlagen über ein Fenster einreichen, in Tüten verpacken, einscannen, vernichten. Wer als Mitarbeiter das Gebäude betrat, legte Schutzbrille, Maske, Handschuhe, Schutzkleidung an, bevor es zu den Patienten ging. Vom Behandlungszimmer direkt in einen den Verdachtsfällen vorbehaltenen, »infektiösen« Fahrstuhl und weiter in den vierten Stock, die eigens eingerichtete Corona-Station. Eine Station, die jedoch auch vorher keineswegs leer war: Büros von Ärzten mussten verlagert, innerhalb von 24 Stunden alte Duschen reaktiviert oder ein Bücherlager zur Umkleidekabine umfunktioniert werden. Aus zunächst vier Isolierzimmern, die es dort auch in »Normalzeiten« gibt, wurden am Ende 21; in Hoch-Zeiten waren bis zu 17 davon gleichzeitig belegt. Und gerade mal zwölf Stunden dauerte es, bis in der Intensivstation – wo die Beatmungskapazitäten übrigens verdoppelt wurden – Trennwände errichtet waren, um Betroffene zu isolieren.

Generell, so Oberhoff, habe man in »rote und orangene Zonen unterschieden«. Orange für die Dokumentation, rot für den »verseuchten Bereich«, wo tatsächlich oder vermeintlich Infizierte untersucht und behandelt wurden. »Innerhalb von drei, vier Tagen ist das alles aufgebaut worden«, berichtet der Chefarzt, der von einem »Riesen-Kraftakt« für alle Beteiligten spricht. Und beteiligt waren von den Klinikmitarbeitern praktisch alle, die nicht andernorts gebraucht wurden, und quer durch alle Berufe – von Ärzten über Pflegekräfte bis hin zu Technikern, Reinigungskräften und sogar dem Gärtner, der bei der Entsorgung kontaminierten Mülls half. Auch etliche Kollegen aus anderen Stationen meldeten sich freiwillig, um zu unterstützen.

Und während vor Ort die Umsetzung im Vordergrund stand, zerbrachen sich Krisenstäbe des Klinikverbunds, auch in Kooperation mit anderen Krankenhäusern oder dem Landratsamt, im Hintergrund den Kopf über die nötigen Schritte, tagten dutzende Male. Nicht zuletzt wurden Kooperationsverträge mit Rehakliniken geschlossen, um beispielsweise Patienten zur Weiterversorgung dorthin zu überweisen. »Nur so konnten wir auch funktionieren«, unterstreicht Oberhoff.

Erst im Rückblick, so meint Regionaldirektorin Freimuth, werde einem selbst der enorme Aufwand bewusst. Aber auch die »tolle Abstimmung« und der Zusammenhalt des ganzen Personals – praktisch rund um die Uhr und an Wochenenden. Da es »keine Blaupausen« für eine solche Situation gegeben habe, mussten individuelle Lösungen mit »viel Kreativität und Einsatz« gefunden werden.

Anders wäre man des enormen Ansturms wohl kaum Herr geworden. Denn die Verunsicherung in der Bevölkerung und selbst bei Hausärzten war vor allem anfangs groß. »Es kamen viele mit unklarem Fieber«, erzählt Notaufnahme-Leiterin Jochem. »Im Zweifel haben wir die Patienten immer hierbehalten.«

Bei vielen Maßnahmen standen dem Krankenhaus unter anderem Experten des Kommando Spezialkräfte zur Seite, die bei einer Ebola-Epidemie in Afrika Erfahrung gesammelt hatten, berichtet Oberhoff – beispielsweise, wie Schutzkleidung richtig an- und ausgezogen werden muss, um die Gefahr einer Ansteckung zu vermeiden. »Man musste wirklich jeden Handschlag überlegen«, bekräftigt Stationsleiter Döring. Ein »stringentes Vorgehen«, wie der Chefarzt es nennt, das Früchte getragen hat: Lediglich eine Mitarbeiterin habe sich während der gesamten Zeit selbst angesteckt – obwohl ständig enger Kontakt zu Infizierten bestand.

Sechs Wochen gab es nun keinen bestätigten Corona-Fall mehr im Calwer Krankenhaus, in Nagold wird seit wenigen Tagen wieder ein Covid-19-Patient stationär behandelt. »Aber es kommen täglich bis zu 15 Verdachtsfälle in allen Standorten an«, sagt Ingo Matheus, Pressesprecher des Klinikverbunds. Dennoch: »Wir bauen langsam zurück«, berichtet Oberhoff. Und sollte sich die Lage wieder ändern, stehe man in den Startlöchern: Innerhalb von 48 bis 72 Stunden, so erklärt der Chefarzt, könne der gesamte Corona-Apparat der Klinik wieder in Gang gebracht werden.

Einen Grund, nicht ins Krankenhaus zu gehen, gebe es wegen des Virus in jedem Fall nicht, betont Oberhoff, dem eine spezielle Entwicklung während der Krise Sorge bereitet: »Es sterben schätzungsweise genau so viele Leute wegen Corona wie an Corona«, mahnt er. Beispielsweise der Herzinfarkt-Patient, der zu Hause bleibe, weil er eine Infektion fürchte. Dabei gebe es, angesichts der strengen Maßnahmen, um Infizierte von anderen abzuschirmen, überhaupt keinen Anlass.

Mittlerweile laufe das Krankenhaus auch ohne Corona-Patienten »wieder unter Volllast« und sei voll belegt. »Entspannung ist nicht angesagt«, bestätigt auch Döring.

Dankbar, so erklärt Freimuth, sei man rückblickend auch für die Unterstützung, die es von allen Seiten gegeben habe. »Die Solidarität in der Bevölkerung war extrem groß«, lobt sie; auch die lokale Politik habe schnell reagiert und geholfen – nicht zuletzt hinsichtlich der Beschaffung von Schutzausrüstung, die teilweise von Bürgern an der Pforte abgegeben worden sei. Denn »es gab Momente, da wussten wir nicht, ob es die nächsten ein oder zwei Tage noch reicht«, erinnert sich Oberhoff. Zeiten, in denen niemand wusste, ob der Höhepunkt der Fallzahlen erreicht wurde, oder erst noch kommt. Mit den Bildern von Bergamo in Italien vor Augen, wo Mitarbeiter sich seinerzeit wegen fehlender Ausrüstung infizierten, eine hohe Belastung. »Da wird es einem schon anders«, gibt der Chefarzt zu. Inzwischen seien die Lager aber voll, man sei vorbereitet. »So eine Situation wird nicht mehr eintreten«, ist er zuversichtlich.

Einig sind sich alle, dass der Klinikverbund sich in dieser Situation bewährt habe. Gegenseitiges voneinander Lernen und einander Helfen oder auch gemeinsame Materialbestellungen hätten entscheidende Vorteile gebracht. Und zugleich sei deutlich geworden, welch wichtige Funktion gerade kleinen Kliniken in der Fläche bei der Bewältigung solcher Krisen zukomme; Kliniken, die in den vergangenen Jahren unter anderem wegen ihrer fehlenden Wirtschaftlichkeit in der Kritik standen – und ohne die es viel schlimmer hätte kommen können.

Eines ist Oberhoff am Ende des Gesprächs dann noch besonders wichtig: Dass das Virus, nun, da es weitgehend aus den Krankenhäusern verschwunden ist, nicht auch völlig aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet. Noch immer gelte es, vorsichtig zu sein. Und er appelliert zudem, sich in der kommenden Saison gegen Grippe impfen zu lassen. Damit die Mediziner nicht an noch mehr Fronten kämpfen müssen, sollte ein erneuter, großflächiger Corona-Ausbruch anstehen.

 Insgesamt 1135 bestätigte Corona-Fälle wurden in den vergangenen Monaten innerhalb des Klinikverbunds stationär behandelt, davon 101 in Calw und 156 in Nagold. 34 Menschen (mit einem Durchschnittsalter von 77 Jahren) starben allein in den Kliniken im Kreis Calw. Das Durchschnittsalter der dort stationär behandelten Patienten lag bei 69 Jahren.

 Auch finanziell wird die Pandemie Spuren hinterlassen. Mitte Mai hieß es in einer Sitzung des Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses des Kreistags, die Mehrkosten für den Betrieb der Krankenhäuser Calw und Nagold beliefen sich pro Monat auf rund 560 000 Euro. Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin des Kreisklinikums Calw-Nagold, gab im Gespräch mit unserer Zeitung jedoch zu bedenken, dass vieles in Sachen Kosten derzeit noch unklar sei – beispielsweise, mit welcher finanziellen Unterstützung vonseiten des Bundes gerechnet werden könne. Genaue Aussagen ließen sich insofern erst gegen Ende des Jahres treffen.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 16.07.2020

Geschrieben am 04.05.2020

Krankenhaus: BI fordert Optimierungen

Gesundheitscampus — Bürgerinitiative legt Positionspapier mit Vorschlägen vor / Calws OB Florian Kling begrüßt den Vorstoß

Knapp zwei Wochen ist es her, dass der Verwaltungsausschuss des Kreistags nach Jahren der Diskussion und Planung konkrete Baumaßnahmen für den Gesundheitscampus Calw auf den Weg gebracht hat. Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw freut sich über diesen wichtigen Schritt, sieht aber auch Optimierungsbedarf.

Calw. Es sind außergewöhnliche Zeiten: Die Corona-Pandemie hat die Welt fest im Griff, flächendeckende medizinische Versorgung ist wichtiger denn je. Die Struktur im Kreis Calw mit Krankenhäusern in Calw und Nagold bewährt sich. Das sah nicht nur der Verwaltungsausschuss des Kreistags so, der jüngst die erste Baufreigabe für den Gesundheitscampus Calw erteilte. Auch die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw bekräftigt, dass sich gerade in der Krise erwiesen habe, wie wichtig es sei, rund um die Uhr zwei Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung im Kreis zu betreiben.

»So wurde das Krankenhaus in Calw zur ersten Speerspitze des Landkreises im Kampf gegen das Corona-Virus. Die Anzahl der Erkrankungen brachte es jedoch mit sich, dass sich nun beide Krankenhäuser erfolgreich um die Patienten des Landkreises kümmern«, heißt es in einer Stellungnahme der BI. Und es sei »der Einsicht und dem Weitblick von Landrat Riegger zu verdanken, dass in Calw mit dem Gesundheitscampus und dem dazugehörenden Krankenhausneubau ein Vorzeigeobjekt entsteht«.

Nachdem Schutzmaßnahmen die Ausbreitung des Virus bremsen konnten, sei in den Krankenhäusern nun auch ein bedingter Übergang zum Regelbetrieb – also geplante Operationen und Untersuchungen – ohne Gefährdung der Patienten wieder möglich. Für Calw bedeute dies insbesondere die Wiederaufnahme der Operationstätigkeit im Bereich der Orthopädiechirurgie.

Für die künftige medizinische Versorgung im Landkreis sieht die BI jedoch Optimierungsbedarf – nicht nur in Bezug auf den Neubau in Calw, sondern auch hinsichtlich der Versorgungsstruktur. »Ein wichtiger Baustein ist in Anbetracht des Hausärztemangels der Gesundheitscampus, der nun mit Inhalten zu füllen ist«, schreibt die BI. In einem Positionspapier, das unserer Zeitung vorliegt, tragen die Verantwortlichen ihre Forderungen vor.

So müsse beispielsweise rund um die Uhr die Versorgung von Herzinfarkten und Schlaganfällen auch in Calw sichergestellt bleiben – bei beiden Erkrankungen zähle jede Minute. Ferner dürfe das Behandlungsspektrum der Kardiologie nicht zugunsten von Nagold eingeschränkt werden. »Schließlich gilt auch für Calw der Grundsatz, dass der Notfall eine Routine voraussetzt«, argumentiert die BI. Andernfalls könnten Qualität und Wirtschaftlichkeit leiden. Einen Kritikpunkt stellt zudem die Verlegung der Stroke-Unit zur Behandlung von Schlaganfällen nach Nagold dar. Die beste Lösung sei hier, eine solche spezialisierte Abteilung an beiden Standorten vorzuhalten – möglicherweise mit einem Chefarzt in Nagold und der Betreuung von Patienten in Calw durch Ärzte vor Ort.

Sorge bereitet der BI auch, wie der Landkreis künftig seinen Versorgungsauftrag im Enztal erfüllen kann. Dort wird ein interdisziplinäres Medizinisches Versorgungszentrum mit einer Portalklinik der Kreiskliniken Calw-Nagold unter der Führung der Kliniken Calw gefordert.

Eine Schwerpunktbildung von Unfall- und Orthopädiechirurgie »zu Lasten von Calw« in Nagold lehnt die BI ab. Stattdessen schlagen die Verantwortlichen eine Unfallchirurgie in Nagold unter der Leitung des Calwer Chefarztes vor. Zudem müsse die Sterilisation in Calw verbleiben. Auch ein Therapiezentrum, um Patienten nach Operationen zu mobilisieren, solle erhalten bleiben.

Hinsichtlich der Geburtshilfe sei es von Nachteil, dass die Abteilung mit der Schmerztherapie geteilt werden soll. Diese Teilung verhindere eine »notwendige und auch sinnvolle Erhöhung der Geburtenzahlen«. Daher gelte es, hier weitere Betten zu schaffen.

Mit Blick auf eine jederzeit wieder mögliche Pandemie fordert die BI eine Intensivstation mit mindestens acht Intensiv- sowie acht IMC-Betten (Bindeglied zwischen Intensiv- und »Normal«-Betten).

Insgesamt sieht die BI den Bedarf, die Bettenzahl für den Neubau zu erhöhen. Der Landkreis Calw verzeichne derzeit einen Bevölkerungszuwachs von sechs Prozent im Jahr. Darüber hinaus seien auch für den Fall weiterer Pandemien räumliche Reserven nötig. Es werde noch mindestens eine weitere Station gebraucht. Eine spätere Erweiterung, die modular möglich wäre, verursache dagegen erhebliche Mehrkosten. »Dies ist die Verschwendung von Steuergeldern, wenn die notwendige Erweiterung absehbar ist«, heißt es in dem Schreiben.

Da ambulante Operationen in Zukunft immer wichtiger würden, brauche es auch im Neubau einen abgetrennten Warte- und Aufenthaltsbereich für Patienten und Angehörige.

Um zudem für Personal attraktiv zu sein, fordert die BI nicht zuletzt eine eigene Kindertagesstätte, die die Besonderheiten eines Schichtbetriebs abdecken kann. Ferner sei ein Personalwohnheim notwendig.

Calws Oberbürgermeister Florian Kling begrüßt indes den Vorstoß der BI. »Damit haben wir auch aus medizinischer Sicht eine Einschätzung und einen Forderungskatalog, der im Hinblick auf den neuen Gesundheitscampus in Calw berücksichtigt werden sollte«, so Kling. In der Corona-Krise seien alle sehr froh gewesen, dass der Trend zur Zentralisierung von Krankenhäusern in Calw noch nicht angekommen sei und zudem die Anzahl der Intensivbetten in beiden Häusern verdoppelt wurden. »Ich bin dem Gesundheitsamt und dem Klinikverbund sehr dankbar, dass wir jetzt ein Gesundheitssystem haben, das derzeit als ausreichend für die Pandemie angesehen werden kann«, erklärt der OB. Es zeige sich, dass der Landkreis mit der Doppelhäusigkeit an zwei Standorten richtig gefahren sei.

Klar sei auch, »dass es nicht dazu kommen darf, dass bei medizinischen Notfällen, in denen jede Sekunde zählt, der Krankenwagen erst am nächstgelegenen Krankenhaus vorbeifahren darf, um zu einem viel weiter entfernten Krankenhaus mit Notfallausstattung fahren zu müssen«. Ausstattung und geplante Abteilungen müssten daher nochmals genau unter die Lupe genommen werden. »Hier darf es nicht allein um die Bettenzahl gehen, die durchaus sehr wichtig ist, aber vor allem auch darum, welche Patienten in diesen Betten am Ende bestmöglich behandelt werden können«, sagt Kling.

Eine attraktive medizinische Versorgung sei darüber hinaus ebenso wichtig wie attraktive Arbeitsplätze. Der OB unterstützt deshalb die Forderungen nach einem Betriebskindergarten und einem neuen Personalwohnheim. Ein Betriebskindergarten könne dabei auch Betreuungskonzepte ermöglichen, die Schichtdiensten im Krankenhaus gerecht werden können. Derzeit befinde sich die Stadt im Austausch mit dem Landratsamt, um geeignete Ideen zur Umsetzung zu erstellen.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 02.05.2020

Geschrieben am 22.04.2020

Kein besserer Zeitpunkt möglich

Kliniken — Verwaltungsausschuss des Kreistags bringt Erschließung des Gesundheitscampus Calw auf den Weg

Auch das zeigt die aktuelle Corona-Krise: Eine dezentrale Gesundheitsversorgung, wie sie der Kreis Calw derzeit mit den Neu- und Umbauten der Kreiskrankenhäuser in Nagold und Calw umsetzt, ist die bessere Strategie in Zeiten einer Pandemie. Da waren sich die Mitglieder des Verwaltungsausschusses (VWA) des Kreistags einig.

Kreis Calw. Und der hatte auf seiner jüngsten Sitzung – im weiten Rund des großen Sitzungssaals des notwendigen Sicherheitsabstands wegen – über die Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Außenanlagen und die inneren Erschließungsmaßnahmen zum Bau des Campusgeländes in Calw zu entscheiden. Knapp 8,8 Millionen Euro werden die kosten – ursprünglich veranschlagt waren dafür mal 9,2 Millionen Euro. Weshalb der einstimmige Beschluss den VWA-Mitgliedern noch mal leichter fiel als wohl sowieso schon.

Weshalb nach dem reibungslosen Beschluss Landrat Helmut Riegger ein irgendwie ebenso erleichtertes wie auch ein wenig ungläubiges »sehr gut« entfuhr angesichts der reibungslosen Zustimmung seines Gremiums. Zumal der VWA bereits zuvor ebenso eindeutig gleich zwei Millionen-Bürgschaften des Landkreises für die Kreiskliniken Calw gGmbH zugestimmt hatte. Lediglich die 12-Millionen-Bürgschaft für einen Betriebsmittelkredit, den die Kliniken in Zeiten von Corona zur Sicherstellung des Betriebs benötigten, rief eine Enthaltung bei den Räten hervor. Die Eine-Millionen-Bürgschaft für einen Investition-Kredit für ein neues MRT in Nagold (Magnetresonanztomographie) war komplett einstimmig durchgewunken worden.

Aber das war für die VWA-Mitglieder auch eher »Pflicht« an diesem Nachmittag. Die Kür: Nach den Jahren der Diskussion und der Planungen nun echte und konkrete Baumaßnahmen für den Gesundheitscampus Calw auf den Weg zu bringen. Und die erste echte Baufreigabe dafür zu erteilen. Zitat Riegger — angesichts der aktuellen Corona-Krise: »Wir hätten dafür keinen besseren Zeitpunkt erwischen können.« Wobei die Dimensionen des Projekts, das im Detail Volker Renz – im Landratsamt stellvertretender Abteilungsleiter für Gebäudemanagement und Liegenschaften – vorstellte, auch wahrlich beeindruckend sind: Rund 65 000 Quadratmeter Grundfläche gilt es zu erschließen. Die Tiefbauarbeiten allein etwa wurden mit Kosten von gut 2,8 Millionen Euro brutto berechnet. Geländemodellierung, Erdarbeiten, Wasser- und Stromversorgung, Entwässerung, Breitband, Straßen, Wege, Plätze, Beleuchtung und Bepflanzung schlagen mit noch mal rund sechs Millionen Euro brutto zu Buche.

Wobei am Ende der Landkreis – also der Steuerzahler – diese Summe nicht komplett allein tragen werde. Anteile dieser Summe würden mit dem Verkauf der Grundstücke an die jeweiligen Projektpartner refinanziert. Weshalb der VWA mit seinem Beschluss – an dieser Stelle ausdrücklich stellvertretend für den Kreistag – auch dem Verkauf von entsprechenden Teilflächen an die Campus-Partner zustimmte. Der Kaufpreis dafür werde 33 Euro je Quadratmeter (zuzüglich aller von der Stadt Calw im Rahmen des Ankaufs der Flächen entstandenen Aufwendungen) betragen.

Hinzu kämen noch »die vom Landkreis bezahlte Grunderwerbsteuer, die Kosten für die Durchführung des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs, der Abwasserbeitrag, Baukostenzuschuss Wasser und ein anteiliger Erschließungsbeitrag sowie die Vermessungskosten« – so der Wortlaut der Sitzungsvorlage im VWA.

Wie viele Kosten letztlich aber konkret beim Landkreis verbleiben werden für Erschließung und Gestaltung der Außenanlagen, das blieb einstweilen offen. Weshalb Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann (CDU) schon mal vorsorglich in seiner Stellungnahme als erprobter Kommunalplaner darauf hinwies, dass man nach dem Erschließungsrecht bis zu 95 Prozent aller solcher Erschließungskosten auf die späteren Nutzer würde abwälzen können. Auch wollte Großmann sichergestellt wissen, dass sämtliche Parkplätze des Gesundheitscampus – geplant sind 425 Stellflächen im Parkhaus und auf den Freiflächen – im Besitz der Kreiskliniken blieben. Und nicht etwa anteilig in das Eigentum der Projektpartner übergingen. Er bitte da »um Klarstellung« in den weiteren Gesprächen und Planungen, so Großmann.

Eine Nachfrage von Ebhausen Bürgermeister Volker Schuler (FWV) ebenfalls zum geplanten Campus-Parkhaus stellte klar, dass dieses tatsächlich für alle späteren Nutzer des Geländes gedacht sei – nicht nur für das eigentliche Kreiskrankenhaus selbst. Und Schulers weitere Nachfrage zum Thema Dachbegrünung und möglichen Installationen von Photovoltaikanlagen auf den späteren Campus-Gebäuden offenbarte, dass mit der Realisierung des Gesundheitscampus auch reichlich Optionen für eine künftige Weiterentwicklung des Geländes geschaffen würden. Denn Photovoltaik mache, so Gebäudemanager Volker Renz, auf dem Dach des späteren Parkhauses durchaus Sinn – auf dem Klinikgebäude selbst eher nicht. Denn das aus zwei Teilen bestehende, spätere Kreiskrankenhaus sei im »rechten« Gebäudeteil zu nah am späteren Hubschrauberlandeplatz; da bestünde die Gefahr von »Spiegeleffekten«, die die Piloten irritieren könnten. Und für den »linken« Gebäudeteil schaffe man ausdrücklich die Option, es später einmal um weitere Stockwerke aufzustocken – was doch irgendwie aufhorchen ließ.

Zumal es auch Nagolds OB Großmann noch wichtig war festzustellen, dass es reichlich »Reserveflächen« um den ja nicht gerade kleinen Gesundheitscampus herum gebe – was die Zukunftsfähigkeit des Projekts sichere. Womit Großmann ungewöhnlicherweise die absolut gleiche Wortwahl nutzte wie anschließend SPD-Kreisratskollegin Ursula Utters, die ebenfalls ausdrücklich die »Zukunftsfähigkeit« der Planungen des Gesundheitscampus würdigte. Vor allem auch wiederum vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise. Denn, auch das an diesem Nachmittag ein mehrfach gehörtes Statement im VWA, nach der Pandemie werde niemand mehr hierzulande von einem »weiteren Bettenabbau« im Gesundheitswesen reden können. Eher vom Gegenteil.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 22.04.2020

Geschrieben am 22.04.2020

Freude über das gute Miteinander

Corona-Krise — Rund 20 Medizin-Studenten helfen den Ärzten im Calwer Krankenhaus

Aufgrund des grassierenden Coronavirus und der daraus resultierenden Mehrbelastung des Klinikpersonals sind seit Mitte März etwa 20 Studenten, davon sieben Stipendiaten, im Calwer Krankenhaus im Einsatz.

Kreis Calw. Ob in der Notaufnahme, auf den Normalstationen oder in der jüngst eingerichteten Fieberambulanz, in der Corona-Verdachtsfälle getestet werden: Derzeit helfen etwa 20 Studenten im Calwer Krankenhaus dort, wo sie gebraucht werden. Sie sind in verschiedenen Bereichen und Stationen des Krankenhauses tätig. Morgens beginnt der Arbeitstag mit der täglichen Frühbesprechung. Anschließend helfen sie bei der Blutabnahme. Bei Bedarf werden auch intravenöse Zugänge für Infusionen und Medikamente gelegt. Daraufhin folgt die Visite der Patienten mit den Stations- und Oberärzten.

Darüber hinaus besteht für die Studenten oft auch die Möglichkeit, bei Untersuchungen und Eingriffen den erfahrenen Ärzten über die Schulter zu schauen. Auch bei der Anfertigung von Arztbriefen werden die Ärzte von den rund 20 Medizin-Studenten unterstützt, denen wiederum das junge Ärzteteam rund um Chefarzt Martin Oberhoff mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die gut 20 Studenten sind als Springer über den Klinikverbund Südwest angestellt und werden für Ihren Hilfseinsatz entlohnt. In ihrem Medizinstudium sind sie unterschiedlich weit vorangeschritten. Manche befinden sich noch im zweiten Studiensemester, andere befinden sich bereits im zehnten Semester. Zwar studieren viele an baden-württembergischen Universitäten, so etwa in Tübingen, Freiburg oder Ulm. Unter den 20 Helfern sind aber auch Studenten aus dem Ausland vertreten, so zum Beispiel aus dem ungarischen Budapest oder aus dem kroatischen Split. Auswärtige Helfer sind im Schwesternwohnheim des Krankenhauses untergebracht. Der Großteil der Helfer kommt aber ursprünglich aus dem Landkreis Calw.

Den aktuellen, mehrwöchigen Einsatz können sich die Studenten an ihren Universitäten später noch als Praktikum, von denen im Studium einige verpflichtend vorgeschrieben sind, anrechnen lassen.

Der Studenten-Dienstplan sieht für die Helfer fünf Arbeitstage pro Woche vor, wobei sie jeden Tag etwa acht Stunden lang eingesetzt werden. Darüber hinaus unterstützen die Studenten die Ärzteschaft auch in Spätschichten sowie an Wochenenden und Feiertagen. Bei akutem Bedarf helfen sie auch mal in der Pflege aus.

»Das volle Programm eben«, meint der 24-jährige Jakob Böttinger aus Neuhengstett. Und das findet er, der im siebten Semester an der Universität Ulm studiert, auch gut so, weil er dadurch nämlich einen »guten Einblick in den realen Klinikalltag und die spätere Arbeitsbelastung« erhält.

»Der persönliche Kontakt mit den Patienten gefällt mir sehr. Und gleichzeitig beeindruckt mich die Vielfalt der unterschiedlichen medizinischen Bereiche«, berichtet Jakob Böttinger weiter. »Genau! Die Medizin wird nie langweilig, und bietet so viele Möglichkeiten. Jeder hat in unterschiedlichen Aufgaben seine Stärken, aber als Team ergänzen wir uns super«, ergänzt der 22-jährige Stipendiat Dominik Orth aus Althengstett, der im sechsten Semester an der Universität Tübingen studiert.

Die beiden ehemaligen Absolventen des Stammheimer Maria-von-Linden-Gymnasiums Jakob Böttinger und Dominik Orth sind zwei der etwa 20 Helfer im Calwer Krankenhaus und kamen bei ihren Einsätzen schon jetzt zu der Erkenntnis, dass eine offene und gute Kommunikation »sowohl mit den Patienten als auch unter Kollegen« ausschlaggebend für einen gelungenen Klinikalltag sei. Besonders freuen sich die beiden über »die wertschätzende Aufnahme in das Ärzteteam«, die sie nicht nur motiviere, sondern ihnen auch positive Ausblicke für das spätere Arbeitsleben gebe. »Gerade auch der Einblick in administrative und organisatorische Zusammenhänge ist sonst eher selten«, meint Jakob Böttinger. Gleichzeitig bekommen die Helfer laut Böttinger aber auch die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen in der Praxis anzuwenden. »Mit großem Vertrauen der betreuenden Ärzte« dürfen die Medizinstudenten auch viele Aufgaben eigenständig durchführen, wie die beiden Stipendiaten deutlich machen. Die angehenden Ärzte haben vor, die Mediziner im Krankenhaus so lange zu unterstützen, bis die Universitäten wieder den Betrieb aufnehmen und sie an ihre Studienorte zurückkehren.

Von Selim Gezener
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.04.2020

Geschrieben am 18.12.2019

Der Knopf ist dran

Calwer Kreistag hat den 63 Millionen Euro teuren Neubau des Calwer Krankenhauses auf den Weg gebracht

Am Ende war es doch noch eine schwere Geburt: Der Calwer Kreistag hat die Baufreigabe für das neue, 63 Millionen Euro teure Calwer Krankenhauses erteilt. Nach einer mehr als einstündigen Debatte war dem Ersten Landesbeamten Frank Wiehe aber der Geduldsfaden gerissen.

Kreis Calw. »Wir müssen endlich mal den Knopf dran machen. Es ist unglaublich, wie lange hier über so was diskutiert wird«, sagte ein sichtlich genervter Landratsstellvertreter, nachdem Kritik aus dem Kreistag an dem Projekt nicht abebben wollte und Kreisräte aller Couleur, unterm Beifall anwesender Mitglieder der Calwer Bürgerinitiative, weitere Nachbesserungen gefordert hatten. »In der Zeit ziehen uns andere davon«, erklärte Wiehe.

Zuvor hatte der Stuttgarter Architekt Malte Hofmeister das Projekt mit seinen 22 487 Quadratmeter Geschossfläche nochmals dem Kreistag vorgestellt. Neu aufgenommen wurde in dem 154-Betten-Haus auf Wunsch der Chefärzte der Calwer Klinik die bis dato nicht vorgesehene Kühlung der Patientenzimmer, die mit weiteren 2,7 Millionen Euro zu Buche schlägt. Damit erhöhen sich die Baukosten auf 63,6 Millionen Euro – umgerechnet 412 000 Euro pro Bett. Laut Kreiskämmerer Reusch »bundesweiter Benchmark«, also Top-Wert.

Doch genau diese Kostenkalkulation ist von mehreren Kreisräten angezweifelt worden. So auch von Otakar Zoufaly (Freie Wähler), der aber dann doch lieber den »Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach« wählte, auch wenn er in der Rückschau eine Einhäusigkeit für »wirtschaftlicher und nachhaltiger« gehalten hätte. Auch sein Fraktionskollege Martin Handel, selbst Chefarzt in der Calwer Klinik, forderte Nachbesserungen für sein Haus. Die Bettenzahl sei viel zu klein, befand er: »Da muss eine Station aufgestockt werden.« Ins selbe Horn stieß Eberhard Bantel, der unter dem Applaus der BI-Zuhörer Landrat Helmut Riegger an seine Zusage erinnerte, in Calw ein Notfallversorgungszentrum einzurichten.

Der Kreischef selbst sprach von einem »super modernen Krankenhaus«, das hier auf der Stammheimer Höhe gebaut werde und den Patienten eine bestmögliche Versorgung biete. Riegger wurde aber noch deutlicher: »Ohne den Neubau hätten wir in Calw gar nichts. Wenn wir das Thema Campus nicht so forciert hätten, weiß ich nicht, ob wir diese zwei Klinikstandorte durchgebracht hätten.«

Kritik von mehreren Seiten kam auch an der geplanten Verlagerung der zentralen Sterilgutversorgungsabteilung von Calw nach Nagold auf. Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, verteidigte diese Planungen. Dies sei eine Frage der Logistik: »Wichtig ist, dass es funktioniert.« Und in Nagold sei es baulich eben günstiger umzusetzen.

Schließlich drängte Landrat Riegger zur Abstimmung. Bei vier Enthaltungen ohne Gegenstimme wurde der Calwer Klinikneubau abgesegnet. Sein Plazet gab der Kreistag auch für die zusätzlichen 5,7 Millionen Euro, die für die Kühlung der Patientenzimmer im Nagolder Krankenhaus ausgegeben werden.

Dafür hatte der Landrat aber gute Nachrichten aus dem Sozialministerium parat. Bislang ging man bei der Klinikerweiterung in Nagold von einer 30-prozentigen Förderung des Landes aus. Diese wird, dank einer »reifen Verhandlungsleistung« der Kreisspitze, wie SPD-Kreisrat Rainer Prewo lobend befand, im ersten Bauabschnitt auf 50 Prozent aufgestockt. Heißt: Von den 44 Millionen Euro zahlt das Land nun die Hälfte. Die zehn Millionen Euro mehr, die dadurch in die Kreiskasse fließen, seien »echtem Teamwork« zu verdanken, sagte der Landrat, in Landes- und Bundesministerien bekannt für sein hartnäckiges Verhandlungsgeschick.

Doch diese guten Nachrichten hatten die Mitglieder der Calwer Bürgerinitiative nicht mehr mitbekommen, weil sie zuvor – sehr zum Ärgernis des Kreischefs – großteils den Sitzungssaal verlassen hatten: »Das finde ich nicht in Ordnung«, befand Riegger, »wenn’s um Nagold geht, interessiert’s einen nicht mehr.«

Was CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann wiederum mit der nüchternen Feststellung quittierte: »Dankbarkeit ist in der politischen Welt keine feste Kategorie.«

Manche Dinge kann man sich nur im Öffentlichen Dienst erlauben. Man staunt, dass ein amtierender Chefarzt wie Martin Handel als Kreisrat nicht als befangen vom Sitzungstisch abrücken muss, wenn es um die Zukunft der eigenen Klinik geht. Dass er sich zudem – intern wie öffentlich – als Kritiker der Calwer Klinikpläne profiliert, mag der besonderen Freiheit der Andersdenken im Kreistag geschuldet sein. In der freien Wirtschaft hätte er als Führungskraft mit dieser exponierten Haltung zum eigenen Haus ein Problem. Aber diese Geplänkel gehören mit dem Baubeschluss zum Glück der Vergangenheit an. Dass sich der Kreis mit diesen Mammutaufgaben nicht übernimmt, ist dem Landrat zu verdanken, der für Kliniken und Hessebahn zig Millionen Euro Förderung zusätzlich vom Land loseiste. Dieser Mann ist für den klammen Kreis ein Segen.

Von Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 18.12.2019

Geschrieben am 18.12.2019

Der Klimaschutz ist allgegenwärtig

Finanzen — Große Mehrheit stimmt für den Kreishaushalt 2020 / Nur AfD verwehrt die Zustimmung

Der Kreistag hat am späten Montagnachmittag den Kreishaushalt 2020 mit großer Mehrheit beschlossen. Einzig die vier AfD-Räte stimmten gegen den Etat.

Kreis Calw. Die Kreisumlage, die die Städte und Gemeinden an den Landkreis entrichten, liegt im Etat 2020 bei 30,0 Prozent, was dem Kreis Einnahmen von fast 68 Millionen Euro beschert. Die Nettokreditaufnahme liegt bei 6,5 Millionen Euro. Ursprünglich waren zehn Millionen geplant.

In ihren Haushaltsreden nahmen die Vorsitzenden der Fraktionen Stellung zum Kreishaushalt. CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann forderte in seiner Rede die Verbesserung der Mobilität im Kreis – der realen wie der virtuellen. Auf die Umsetzung der Hesse-Bahn müsse deshalb die Anbindung des südlichen Landkreises an Stuttgart über den Metropolexpress folgen, forderte Großmann, der einen Start für den Metropolexpress für das Jahr 2026 anvisiert. Ein ebenfalls wichtiger Schritt im Jahr 2020 sei die Umsetzung des Nahverkehrsplans.

Darüber hinaus visiert der Nagolder OB für den Kreis Calw eine Außenstelle der Hochschule Pforzheim nach dem Vorbild des Hochschulcampus in Freudenstadt an.

Großmann gab ein klares Bekenntnis zum Medizinkonzept für die beiden
Krankenhäuser in Calw und Nagold ab. Allerdings dürften die jährlichen Verluste der Kliniken in den kommenden Jahren die fünf Millionen Euro nicht überschreiten. Großmanns in seiner Rede vorgebrachte Forderung, im kommenden Jahr statt zwei Millionen nun 2,2 Millionen Euro für die Sanierung der Kreisstraßen auszugeben, wurde vom Kreistag abgeschmettert. Nur die CDUFraktion stimmte für diesen Vorschlag.

Der Fraktionschef der Freien Wähler, Volker Schuler, zeigte sich in seiner
Haushaltsrede mit der aktuellen Lage prinzipiell zufrieden, auch die Kreisumlage von 30 Prozent sei noch akzeptabel. Allerdings erkaufe man sich die Umsetzung der Großprojekte mit einer hohen Verschuldung. Auf diesem Gebiet sei Vorsicht geboten, Verschuldung gehe nicht unbegrenzt. Aus diesem Grund plädierte Schuler dafür, Projekte wie die Landratsamtserweiterung und die Straßenmeistereien hintereinander und nicht parallel umzusetzen.

Trotz aller prinzipiellen Zufriedenheit sieht Schuler auch nicht unerhebliche Probleme im Landkreis: angefangen vom weiter steigenden Defizit der Kliniken, über das teure Engagement in Sachen Breitband, die Versorgung mit Mobilfunk bis hin zur Ärzteversorgung. Mit dem Blick in die Zukunft mahnte Schuler mehr Engagement in Sachen Digitalisierung und Klimaschutz an – von Hybrid-Bussen und einem besseren ÖPNV bis hin zu Werbekampagnen zur Müllvermeidung. Was die Kliniken angeht, will der Ebhäuser Bürgermeister die Zügel anziehen und forderte ebenfalls ein Ende der Defizitsteigerungen.

Schuldenkurve nach oben

Dass man die gewaltige Agenda der Zukunftsinvestitionen nicht aus dem
laufenden Betrieb finanzieren kann, ist für Grünen-Fraktionschef Johannes Schwarz klar. Klar ist für Schwarz in der Folge auch, dass die Schuldenkurve des Landkreises angesichts der Großprojekte steil nach oben gehen wird. Als logische Folge daraus werde auch die Kurve der Kreisumlage ähnlich stark nach oben weisen müssen, so Schwarz. Wer dies so nicht wolle, müsse konkrete Projekte streichen. Darüber hinaus forderte Schwarz, dass man die großen Bauprojekte unter dem Motto »eines nach dem anderen« abarbeiten müsse. Einen Schwerpunkt setzte Schwarz auf ein ur-grünes Thema, den Klimaschutz. Man könne es ich im Kreistag nicht mehr erlauben, Beschlüsse zu fassen, die dem Klimaschutz entgegenwirkten, betonte Schwarz. Als Möglichkeiten, auf diesem Sektor aktiv zu werden, machte Schwarz gleich mehrere Vorschläge: Wasserstoff-Fahrzeuge für den ÖPNV, eigene Wasserstoff-Produktion mit erneuerbarer Energie oder Solar-Carports an kreiseigenen Gebäuden. Seine Reihe der Vorschläge rundete Schwarz mit der Idee einer Kreisenergiegenossenschaft ab.

SPD-Fraktionschefin Ursula Utters nahm in ihrer Haushaltsrede eines der Großprojekte des Kreises in den Blick: die Krankenhäuser. Sie wandte sich gegen politische Bestrebungen, für die Bürger nur wenige Großkrankenhäuser in den Ballungsgebieten vorzuhalten. Auch die Bevölkerung des Kreises Calw habe ein Anrecht auf gute und wohnortnahe Versorgung. Mit der Umsetzung der Pläne mache man die Kliniken im Kreis fit für die nächsten Jahrzehnte und starte mit dem Gesundheitscampus Calw dazu noch ein vielversprechendes Pilotprojekt.

Bei allen Bemühungen um das Thema Klima werde man in einem Flächenkreis wie Calw nicht auf den Straßenverkehr verzichten können, so Utters. Allerdings gelte es darauf hinzuwirken, den Kohlendioxid-armen Verkehr zu fördern und den ÖPNV zu verbessern. Das geschehe in Zukunft etwa mit dem von der SPD stets geforderten Stundentakt im Busverkehr.

Utters erneuerte die SPD-Forderung nach ausreichend bezahlbarem Wohnraum im Kreis. Das helfe den Menschen und werde auch der heimischen Wirtschaft gut tun.

Eine Premiere feierte Neu-Kreisrat Albrecht Joos, der für die FDP die Haushaltsrede halten durfte. Joos bezeichnete die 30 Prozent Kreisumlage als gutes Signal für die Kommunen, allerdings bezweifelte er, dass man in Zukunft die Umlage so niedrig werde ansetzen können – angesichts der großen Investitionen des Kreises in Hesse-Bahn und Kliniken. Deshalb ist für ihn eine »angemessene« Erhöhung der Kreisumlage in den nächsten Jahren unumgänglich. Die Nettoneuverschuldung für 2020 habe man von zehn auf 6,5 Millionen Euro drücken können, allerdings müsse man das Thema Verschuldung im Auge behalten. Auch bei der momentan günstigen Zinslage könne man nicht jedes Jahr neue Schulden machen.

Joos bekannte sich klar zu Großprojekten wie Kliniken, Hesse-Bahn und Breitband. Auch das Engagement des Landrats Helmut Riegger für den Mobilfunk sei alternativlos. Der FDP-Fraktionssprecher rief dazu auf, den Klimaschutz mit der individuellen Mobilität und der Industrie unter einen Hut zu bringen – und zwar mit Innovationen, die klimaneutrale Energie zur günstigen Energie machen.

Die ersten sieben Minuten der Haushaltsrede von AfD-Fraktionschefin Angelika Reutter hatten mit dem Kreishaushalt wenig zu tun, darauf wies Landrat Riegger in einer Intervention hin. Reutter beschäftigte sich bis zu diesem Zeitpunkt mit den finanziellen Folgen der Flüchtlingskrise und mit Thesen zum Klimawandel. Schließlich kam sie doch auf den Landkreis zu sprechen, stellte sich hinter Projekte wie Hesse-Bahn, Kliniken und Breitband und forderte, beim Land die Übernahme der Kosten für die Flüchtlingsunterbringung einzufordern. Angesichts einer schwächelnden Konjunktur und einem zu befürchtenden »einbrechenden Steueraufkommen« lehnte Reutter eine Neuverschuldung strikt ab. Aus diesem Grund stimme die AfD auch gegen den Haushalt, der 6,5 Millionen Euro neue Schulden enthält.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.12.2019

Geschrieben am 18.11.2019

Pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V.

Am 22.9.2019 hat sich die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw, ein Ausschuss des Vereins Pro Krankenhäuser Calw und Nagold getroffen und über die aktuelle Situation diskutiert.

Die Entscheidung des Kreistags unter der Führung von Landrat Riegger in Calw einen Klinikneubau mit dem Verbleib der Orthopädie und einer 24 Stunden Versorgung an 7 Tagen in der Woche mit etwa 150 bis 160 Betten zu bauen wird begrüßt. Damit ist die zugesagte Erstversorgung von Herzinfarkten und Schlaganfällen auch in der Zukunft gesichert. Die Umsetzung ist mit dem bereits erfolgten Spatenstich besonders hervorzuheben.

Mit der Ergänzung des Klinikneubaus um einen Gesundheitscampus zur Sicherstellung der Hausarzt- und Facharztversorgung werden zukunftsorientierte Wege beschritten. Herrn Landrat Riegger ist zu danken, dass er den Mehrwert einer sektorenübergreifenden Versorgung erkannt und damit die bundespolitische Entwicklung vorhergesehen hat. Hierbei ist die integrierte Notfallversorgung von besonderer Bedeutung.

Die Bau- und Umsetzungsphase wird zeigen, dass die jetzige Planung noch der Optimierung bedarf. Dem Personal der Kliniken in Calw ist ein besonderer Dank auszusprechen, denn „unser“ Krankenhaus ist derzeit voll ausgelastet und an der Belastungsgrenze angekommen. Es besteht die Befürchtung, die geplante Bettenzahl wird von Anfang an nicht ausreichend sein. 

Krankenhäuser benötigen in der heutigen Zeit zur Bindung und Gewinnung von qualifiziertem Personal im unmittelbaren Einzugsbereich nicht nur Personalwohnungen, sondern auch Kindertagesstätten. Diese müssen in der Nähe zum Krankenhaus errichtet und die Betreuungsmöglichkeiten an den Schichtdienst eines Krankenhauses angepasst sein. Erfreulich ist, dass Landrat Riegger das Problem der Personal-wohnungen beim Spatenstich bereits angesprochen hat. Die Umsetzung der Konzeption in Sachen Kindertagesstätte geht jedoch auch die Große Kreisstadt Calw an.

Die Arbeit des Vereins Pro Krankenhäuser Calw und Nagold ist nach wie vor wichtig und noch nicht abgeschlossen.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, dass die Beiträge 2018 und 2019 (je 5 €) aus Vereinfachungsgründen zusammen Mitte November abgebucht werden, soweit eine Einzugsermächtigung vorliegt. Ansonsten wird um Überweisung gebeten IBAN: DE 80 6665 0085 0000 0329 99.

Da wir vom Finanzamt Calw als gemeinnützig anerkannt sind, können Mitgliedsbeiträge und Spenden steuerlich geltend gemacht werden. Bis zu einem Betrag von 200 € gilt der Bankbeleg als Nachweis.

Calw Journal vom 08.11.2019

Geschrieben am 22.10.2019

Damit die Füße laufen wie geschmiert

Um einer Arthrose vorzubeugen, sollten Knorpelschäden im Fuß operativ behandelt werden. Ist der Schaden lokal begrenzt, lässt sich der Eingriff per Arthroskopie durchführen.

Stehen, laufen, hüpfen, sprinten, balancieren: Der menschliche Fuß mit seinen 26 Knochen und 33 Gelenken ist ein Multitalent. Dafür, dass jede Fußbewegung „wie geschmiert“ läuft, sorgt elastisches Knorpelgewebe. Es schützt die Gelenkflächen, federt Stöße ab und verhindert, dass Knochen auf Knochen reibt. Durch altersbedingte Abnutzung, aber auch durch Überlastung oder Verletzungen kann das Knorpelgewebe allerdings Schaden nehmen. Belastung und Bewegungen verursachen dann Schmerzen. Da Knorpel sehr zellarm und nicht durchblutet ist, heilt ein solcher Defekt nicht von selbst. Unbehandelt kann er langfristig zu einer Arthrose führen.

Was tun, um einer Arthrose vorzubeugen? Bei Verletzungen des Gelenkknorpels, beispielsweise nach Sportunfällen, empfiehlt Prof. Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Calw, den Knorpel mithilfe einer Operation zu reparieren: „Eine Knorpelregeneration funktioniert aber nur, wenn um den Schaden herum noch gesundes Knorpelgewebe vorhanden ist“, betont der Experte. Prof. Dr. Handel wendet z. B. bei der OP am Sprunggelenk unterschiedliche chirurgische Techniken an. „Bei kleineren Schäden, also 1 bis 2 cm², füllen wir die defekte Stelle mit einem Knorpelimplantat aus Kollagen auf“, berichtet der Chefarzt. Der Eingriff erfolgt per Arthroskopie, das heißt, es werden lediglich kleinste Schnitte angesetzt.

Prof. Handel erklärt die Vorteile einer Arthroskopie: „Im Vergleich zur offenen Gelenkoperation ist das Infektionsrisiko kleiner. Außerdem treten geringere Weichteilschwellungen auf, der Patient hat
weniger Schmerzen und ist schneller wieder fit.“ Ist die beschädigte Stelle größer und liegt im Bereich von 2 bis 6 cm², wendet Prof. Dr. Handel das sogenannte AMIC-Verfahren mit Einbringen einer
Kollagenmembran an. Dieses Verfahren wird zumeist über einen wenige Zentimeter langen Schnitt durchgeführt: Der Arzt entfernt das beschädigte Knorpelgewebe und bohrt dann kleinste Löcher in den Knochen. Das bewirkt, dass sich die defekte Stelle mit Blut und Zellen aus dem Knochenmark füllt. Zum Schluss wird eine passgenaue Kollagenmatrix auf der Defektstelle fixiert. Diese besteht aus zwei Schichten: Die
obere undurchlässige Schicht dient als Schutz, die untere durchlässige Schicht fördert das Anwachsen der Zellen und damit die Neubildung von Knorpel.

Ob ein Knorpel sich gut regeneriert, hängt von vielen Faktoren ab: Das Alter des Patienten spielt eine Rolle, ebenso der Zustand des restlichen Gelenks, aber auch die Breite, Lage und Tiefe des Knorpelschadens selber. Die OP ist demnach lediglich die „Starthilfe“, die eigentliche Knorpelregeneration findet erst hinterher statt. Prof. Dr. Handel unterstreicht daher: „Vor der OP sollte ein erfahrener Arzt die Erfolgsaussichten des individuellen Falls einschätzen. Denn bis der neue Knorpel stabil ist, muss der Patient einiges an Geduld und Mitarbeit aufbringen. Eine spezielle Physiotherapie unterstützt den Heilungsprozess. Erst nach sechs Wochen darf das Gelenk wieder belastet werden, gelenkbelastende Sportarten sind frühestens nach sechs Monaten wieder möglich.“

Prof. Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in den Kliniken Calw
Kontakt: Sekretariat der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in den Kliniken Calw
Tel.: 07051 14–42001
www.klinikverbund-suedwest.de

Schwarzwälder Bote, Teil Termine & Service vom 18.10.2019

Geschrieben am 15.10.2019

Krankenhaus Calw von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetespatienten geeignet“ zertifiziert

Diabetes ist eine weit verbreitete Volkskrankheit. Dank der Zertifizierung „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“ kann das Krankenhaus Calw nun Diabetiker hochkompetent versorgen.

Fast jeder vierte Patient im Krankenhaus hat die Diagnose Diabetes“, weiß Oberarzt und Diabetologe Dr. Michael Sander. Um diesen Patienten künftig eine hoch spezialisierte Behandlung anbieten zu können, arbeitete der Calwer Diabetologe mit Erfolg an der Zertifizierung des Hauses durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft.
In regelmäßigen Fortbildungen hat Dr. Sander gemeinsam mit der Diabetesberaterin Christl Treibert das Pflegepersonal in allen Aspekten der Diabetes-Diagnostik und Therapiemöglichkeiten unterrichtet. Inzwischen arbeiten auf jeder Station mindestens zwei Vollzeitkräfte mit einer Diabetes-Weiterbildung. Auch Schulungen für die Ärzte des Hauses führte das Diabetes-Team durch, so dass das ärztliche Personal
in Fragen der Diabetologie hochkompetent agieren kann. Handlungsempfehlungen findet es im Intranet: „Alles hat eine klare Struktur, es gibt Leitlinien, an die man sich hält. Patienten mit entgleisten Blutzuckerwerten werden im Behandlungsteam umfassend besprochen und ein individueller Behandlungsplan entwickelt.“
Nach genau festgelegten Standards überprüft das Personal die Medikamente der Diabetiker, achtet auf Nebenerkrankungen wie Bluthochdruck, Herz- und Nierenerkrankungen oder chronische Wunden. Ziel ist es, den Patienten ganzheitlich und individuell zu versorgen. Um dies zu erreichen, erzählt Dr. Sander, wurden die Pflegekräfte durch das Diabetes-Team in den vergangenen drei Jahren intensiv geschult, denn: „Sie sind häufig die ersten Ansprechpartner für die Patienten, geben Hilfestellung beim Messen des Blutzuckers und beim Spritzen von Insulin.“ Nur gut eingestellte Blutzuckerwerte ermöglichen eine bessere Heilung von Wunden und Infektionen sowie eine geringere Komplikationsrate, zum Beispiel bei Herzinfarkten und Schlaganfällen.
Um ein bestmögliches Selbstmanagement des Patienten zu erreichen, bekommt er hilfreiche Unterstützung an die Hand – von der Eingangsschulung bei Neuerkrankungen über die Ernährungsberatung bis hin zur onlinebasierten Schulung am Tablet. „Besorgt haben wir zwei iPads mit finanzieller Unterstützung des Krankenhausfördervereins „ganz nah““, erzählt Dr. Sander. Die onlinebasierte Schulung ergänzt die persönliche Patientenschulung im Haus und hilft das erworbene Wissen der Patienten zu vertiefen. Dank der einfachen Bedienung kann jeder Patient, ob jung oder alt, spielend mit dem Gerät umgehen.
Das intensive Schulungsprogramm führt zu besseren Therapieergebnissen und weniger Komplikationen. Die umfassenden Diabeteskenntnisse haben bei den Mitarbeitern zu einer noch besseren Wahrnehmung der Probleme von Diabetespatienten geführt. Das Diabetes-Team möchte künftig noch besser werden: Es plant bereits weitere Schulungen für das Personal des Klinikverbunds Südwest. Zum Ziel gesetzt hat es sich zudem eine verbesserte Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten.

Dr. med. Michael Sander ist Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin und Facharzt für Diabetologie in den Kliniken Calw.
Kontakt: Sekretariat der Abteilung für Innere Medizin
Tel.: 07051 14–42102
www.klinikverbund-suedwest.de

Schwarzwälder Bote, Teil Termine & Service vom 4.10.2019

Geschrieben am 17.09.2019

Calwer Wunder

Wer die vergangenen drei Jahrzehnte Kommunalpolitik im Kreis Calw mitverfolgt hat, musste sich auf dem Stammheimer Feld ungläubig die Augen reiben. Wer sich an die Gegenwehr der Calwer erinnert und an die Stahlgewitter, durch die Landrat Helmut Riegger und sein Vorgänger Hans-Werner Köblitz bei den Bürgerversammlungen in Stammheim gingen, der musste ernsthaft zweifeln, dass dieser Tag je kommen würde. Wer jede Zeile der sich über Jahre hinziehenden Leserbriefschlacht über das Für und Wider eines neuen Krankenhauses in Calw gelesen hat, der konnte beim besten Willen an dieses Leuchtturmprojekt, als das es heute gepriesen wird, keine Minute lang glauben. Dass nun, nach 106 Jahren, in der Hesse-Stadt wieder zu einem Spaten gegriffen worden ist, um eine neue Klinik zu bauen, kommt insofern einem Calwer Wunder gleich.

Kommentar Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019