Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 17.11.2020

Martin Loydl im Amt bestätigt

Klinikverbund — Vertrag des Geschäftsführers verlängert

Martin Loydl ist auch zukünftig kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest.

Kreis Calw. Der Aufsichtsrat der Klinikverbund Südwest GmbH hat einstimmig beschlossen, den Vertrag mit dem bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer Martin Loydl um fünf weitere Jahre zu verlängern. »Martin Loydl ist ein ausgewiesener Krankenhausexperte mit 28 Jahren Berufserfahrung im Klinik- und Gesundheitswesen. Er ist zudem eine Führungskraft der ersten Stunde aus der Gründungszeit des Klinikverbundes Südwest im Jahre 2006«, hob der Aufsichtsratsvorsitzende der Holding, Böblingens Landrat Roland Bernhard, hervor. Die Verlängerung seines Vertrages sei nicht nur Zeichen der Wertschätzung von Loydls Arbeit in den vergangenen Jahren, sondern auch ein »starkes Signal für Konstanz« im Hinblick auf die schon laufenden Neubau- und Sanierungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von über 800 Millionen Euro bis ins Jahr 2025, erklärte Bernhard.

»Gleichsam war es uns und den Räten ein großes Anliegen, mit der Wiederwahl von Martin Loydl auch den über 5 000 Mitarbeitern diese Sicherheit und Konstanz gerade angesichts der Pandemie zu vermitteln«, unterstrich der Calwer Landrat Helmut Riegger, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Verbundes. »Das Personal in unseren Kliniken hat bereits im Frühjahr hervorragende Arbeit geleistet und ist jetzt wieder mehr denn je gefordert inmitten der zweiten Welle – da bedarf es umso mehr eines umsichtigen und erfahrenen Krisenmanagements, wie es Geschäftsführung, Regionaldirektionen sowie die ärztlichen Direktoren im Team aktuell vorleben.

« Letztere werden auch im Rahmen der neu beschlossenen Geschäftsführungsstruktur ein Mehr an Mitbestimmung erhalten: Das per Aufsichtsratsbeschluss neu geschaffene Ärztliche Direktorium wird künftig die Geschäftsführung, die Gesellschafter und den Aufsichtsrat beraten. Die Stimmen der Ärztlichen Direktoren aller sechs Standorte im Verbund (Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen) erhalten somit mehr Gewicht bei Entscheidungen zur Ausrichtung der medizinisch-ärztlichen Strategie des Klinikverbundes.

Der Posten des medizinischen Geschäftsführers wird hingegen nach dem Weggang von Jörg Noetzel im vergangenen Sommer für zwei Jahre vakant bleiben. Nach anderthalb Jahren wird der Aufsichtsrat prüfen, ob sich die neue Geschäftsführerstruktur mit einem Geschäftsführer und dem Direktorium bis dahin bewährt haben wird. Davon abhängig werde man dann endgültig festlegen, ob man zur vorherigen Tandem-Lösung mit einem kaufmännischen und einem medizinischen Geschäftsführer zurückkehren wird.

Der 50-jährige Martin Loydl war in den vergangenen Jahren maßgeblich verantwortlich für die Ausgestaltung der neuen verbundweiten Medizinkonzeption inklusive der Neubauprojektplanungen. Seine beruflichen Stationen führten den diplomierten Betriebswirt mit Schwerpunkt Krankenhauswesen von den Kreiskliniken Reutlingen über das Universitätsklinikum Tübingen 2006 zum Klinikverbund Südwest. Nach Leitungsfunktionen in der Unternehmenssteuerung, im Patientenmanagement und Finanzwesen übernahm der vierfache Familienvater zunächst die Position des Verwaltungsdirektors, 2012 dann die stellvertretende Geschäftsführung im Unternehmen und ist seit 2016 kaufmännischer Geschäftsführer der Klinikverbund Südwest GmbH mitsamt aller Tochtergesellschaften.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.11.2020

Geschrieben am 26.10.2020

Startschuss für Leuchtturmprojekt

Bau des Gesundheitscampus auf dem Stammheimer Feld hat begonnen

Spatenstich beim Calwer Gesundheitscampus: Mit einem kleinen Festakt am Rande des Stammheimer Feldes gaben die Vertreter der am Projekt beteiligten Partner einen optimistischen Ausblick auf die Zukunft der medizinischen Versorgung im Nordschwarzwald.

Calw. Landrat Helmut Riegger (CDU) betonte, man schaffe mit allen beteiligten Partnern hier nicht weniger als die Gesundheitsversorgung von morgen. Der Campus eröffne durch seinen sektorenübergreifenden Ansatz ganz neue Möglichkeiten der Patientenversorgung. Die neuen Kliniken Calw mit ihrer Grund- und Regelversorgung sowie dem Schwerpunkt Orthopädie würden den Bürgern eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau anbieten können, so Riegger. Man investiere nachhaltig in die Zukunft und sei damit Vorreiter für eine zukunftsweisende medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Zudem zeige die Coronakrise, dass die Gesundheitsversorgung mehr und mehr zum Standortfaktor werde. Man habe sich lange über die Strategie Gedanken gemacht, mit Gutachtern und Ärzten geredet und sich bewusst gegen die Empfehlung der Bertelsmannstudie entschieden, die keine Zukunft für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum sehe. Man schaffe mit dem Gesundheitscampus einen absoluten Leuchtturm mit Vorbildcharakter für ganz Baden-Württemberg, so Riegger, und freue sich jetzt auf die innere Erschließung und den Baubeginn. Der Landrat hofft, dass das Projekt Ende 2023 abgeschlossen werden könne.

Auch kritische Stimmen

Dieter Kömpf, der in Vertretung von Oberbürgermeister Florian Kling (SPD) für die Stadt Calw sprach, verwies auf den Entscheidungsprozess, der hinter allen Beteiligten läge, da es neben Befürwortern auch kritische Stimmen gab. Hier alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, sei eine Mammutaufgabe gewesen. Schon vor mehr als 20 Jahren habe er sich mit dem Thema beschäftigt und sei heute froh über das Ergebnis. Zudem sei neben dem aktuellen Plan noch Platz, weitere Ansiedlung aus dem Gesundheitsbereich zu gewährleisten.

Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, erklärte, dass gerade die Verzahnung der ambulanten und stationären Behandlung dieses Projekt ganz besonders auszeichne. Durch das Zusammenspiel von Hausärzten, Fachärzten, der ambulanten und stationären Behandlung führe zu einer einzigartigen Konstellation, die es so noch nicht gibt. Ergänzt durch fortschrittlichste und modernste Ausstattung und einem umfassenden digitalen Ansatz würde man auch die Voraussetzungen für die Akquise von bestem Fachpersonal schaffen. Ein 44-prozentiger Anteil an Einzelzimmern und die Möglichkeit, die Erfahrungen aus der aktuellen Pandemie bei Architekten und Fachplanern einfließen lassen zu dürfen, sorge auch in Zukunft dafür, dass die neuen Kliniken Calw für zukünftigen Pandemien optimal gewappnet sein werden.

Pandemiestation kommt

»Jetzt geht es endlich los. Wir haben so viele Jahre darauf gewartet«, erklärte Martin Oberhoff, Chefarzt und Leiter der Inneren Medizin der Kliniken Calw. Ihn freue es, dass in letzter Minute noch Pandemieanpassungen vorgenommen werden konnten. So werde neben einer Fieberambulanz auch eine Pandemiestation eingeplant. Im ganzen Land gelte der Gesundheitscampus als Leuchtturmprojekt. Die Politik sei orientierungslos, was die gute medizinische Versorgung im ländlichen Raum angehe. Der Gesundheitscampus sei ein Versuch, hier eine bestmögliche Lösung zu schaffen, so der Chefarzt. Für die Mitarbeiter sei es hoch interessant, da der Allgemeinmediziner sowohl im psychosomatischen Bereich als auch bei den Nephrologen Erfahrung sammeln kann. Für die Patienten läge der Vorteil auf der Hand: Mit nur einer Anlaufstelle können diese auf ein breites Spektrum an Spezialistenwissen aus den unterschiedlichsten Bereichen zurückgreifen. Wichtig sei für ihn, dass jetzt auf dem Gelände bereits die einsatzbereiten Bagger stehen, da seine Mitarbeiter schon nicht mehr daran geglaubt hätten, dass das Projekt realisiert wird.

Hartmut Keller, Geschäftsführer der AOK Nordschwarzwald, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit bei der Planung. Als die Institution, die zukünftig für die Finanzierung des laufenden Betriebs zuständig sein wird, stehe man vollständig hinter dem innovativen Projekt. Wichtig sei ihm, dass man in Bezug auf das Krankenhaus nicht von einem Haus in Nagold und einem Haus in Calw spreche, sondern dass beide zusammen ein einheitliches Krankenhaus für die AOK darstellen, das die Versorgung im Kreis Calw sicherstelle. Durch die interdisziplinäre Ausbildung auf dem Gesundheitscampus sei die Chance auch groß, dass sich die angehenden Ärzte nach Abschluss der Ausbildung auch in der Region ansiedeln. Darüber hinaus sei ihm die Digitalisierung ein Schwerpunktthema. Es sei kaum zu glauben, dass heute noch Entlasspapiere ausgedruckt werden oder Untersuchungsergebnisse per Fax verschickt werden. Hier werden auf dem Gesundheitscampus technische Voraussetzungen geschaffen, um die Digitalisierung in allen Bereichen wesentlich voranzutreiben.

Von Michael Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 24.10.2020

Geschrieben am 02.09.2020

Corona verändert zwei Millionenprojekte

Gesundheit — Klinikverbund zieht bei Neu- und Umbau der Krankenhäuser Konsequenzen aus Pandemie / Besuch der CDU-Fraktion

Eine dreistellige Millionensumme wird in den Um- und Neubau der beiden Kreiskrankenhäuser in Nagold und Calw investiert. Beim Besuch der CDU-Kreistagsfraktion auf der Baustelle in Nagold erfuhren die Politiker, dass Corona auch auf dieses Vorhaben seinen Einfluss hat.

Mitarbeiter des Klinikverbunds Südwest informierten Mitglieder der CDU-Fraktion im Kreistag über den Stand der Bauarbeiten an den Kliniken Nagold.

Nagold. Der Klinikverbund Südwest zieht beim Umbau der Kliniken Nagold und dem Neubau des Gesundheitscampus Calw Konsequenzen aus den Erfahrungen mit der Corona-Pandemie. Es werden mehr Isolierzimmer geschaffen. Zudem wird die Zentrale Notaufnahme um eine Fieberambulanz erweitert, und es wird Vorsorge getroffen, um zusätzliche Beatmungskapazitäten schaffen zu können.

Das berichtete Benjamin Stollreiter, beim Klinikverbund Leiter Betriebsorganisation und Campusmanager, Mitgliedern der CDU-Kreistagsfraktion. Die Kommunalpolitiker waren nach Nagold gekommen, um sich über den Stand des Umbaus des Krankenhauses zu informieren. Bei dieser Gelegenheit bedankte sich Fraktionsvorsitzender Jürgen Großmann für die »hochprofessionelle Arbeit«, die während der Corona-Pandemie in den Kliniken Nagold und Calw geleistet werde. Es habe sich gezeigt, wie wichtig eine hochwertige Gesundheitsversorgung sei, die nah bei den Bürgern des Kreises ist.

Somit sei es richtig, betonte Großmann, beide Standorte attraktiv zu halten. Der Umbau in Nagold koste 85 Millionen und der Neubau des Gesundheitscampus in Calw 60 Millionen Euro. »Das ist mit Abstand die bedeutendste Investition im Kreis Calw seit Jahrzehnten, sagte der Nagolder Oberbürgermeister. Dabei sei der Campus in Calw »ein besonderes Pilotprojekt«, betonte Martin Loydl, Kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest. Die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken stehe erst am Anfang. Loydl ist überzeugt, dass sich der Campus-Gedanke auch im Umfeld anderer Kliniken sowie an den Standorten des Verbunds in Herrenberg, Leonberg und Nagold nach und nach durchsetzen werde. Durch Hilfen des Landes hätten die Zusatzkosten in Höhe von zwei Millionen Euro, die den Kliniken Calw und Nagold als Folge von Corona entstanden sind, nahezu ausgeglichen werden können. Landtagsabgeordneter und Kreisrat Thomas Blenke wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich die CDU im Landtag dafür stark gemacht habe, dass nicht, wie ursprünglich vorgesehen, nur die Unikliniken des Landes Hilfen erhalten, sondern auch die kommunalen Krankenhäuser.

Die Arbeiten, die in drei Bauabschnitten verlaufen, werden laut Stollreiter noch fünf Jahre dauern. Mit dem Ende des ersten Abschnitts sei im Juli 2022 zu rechnen. Als nächstes werde im Oktober mit dem Bau der neuen Intensivstation begonnen.

Im September wird aus Platzgründen das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) und die Gastroenterologie in eine ehemalige Arztpraxis in der Bahnhofstraße ausgelagert.

Seitens der Patienten gebe es wenig Beschwerden über den Baulärm. Dies sei auch in Zusammenhang mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 5,2 Tagen zu sehen, wie Hubert Mörk, Chefarzt und Ärztlicher Direktor in Nagold, sagte.

Stark belastet seien die Mitarbeiter, die sich allerdings auch bewusst seien, warum die umfangreichen Bauarbeiten notwendig sind.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 01.09.2020

Geschrieben am 20.08.2020

Erste Stipendiaten kehren zurück

Gesundheit — Programm soll potenzielle Hausärzte in Landkreis halten / Auch Ortsfremde gewinnen

Mit seinem Stipendiatenprogramm versucht der Landkreis Calw einem etwaigen Hausarztmangel in der Region entgegen zu wirken. Beim Besuch von Landesminister Manne Lucha wurden im Landratsamt erste Ergebnisse der Initiative vorgestellt.

Kreis Calw. »Wir haben lange für dieses Konzept gekämpft«, berichtete Martin Oberhoff, Chefarzt im Calwer Krankenhaus und Betreuer der Stipendiaten, Minister Lucha. Oberhoff hat selbst in seiner Zeit in Unterfranken das dortige Hausarztsterben miterlebt. Aus dieser Erfahrung heraus wisse er, dass es Jahre brauche, um diesem Trend entgegen zu wirken.

So sei die Idee mit dem Stipendiatenprogramm aufgekommen. Dabei bekommen die Medizinstudenten 400 Euro. Für das Stipendium kommen aber nur Studierende in Frage, die sich dazu verpflichten, entweder ihre Facharztweiterbildung im Kreis zu absolvieren oder hier mindestens vier Jahre als Allgemeinmediziner tätig zu sein. Vorrangig zielt das Stipendium auf Studierende aus dem Landkreis ab.

»Bei Leuten aus dem Landkreis steigt die Chance, dass sie nach dem Studium hier bleiben«, meinte Oberhoff. Und man brauche diese Leute. Denn überall würden Ärztehäuser gebaut, aber die Ärzte fehlten. Das Programm sei seiner Meinung nach »mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein«. Als Beweis dafür war Benjamin Eppel vor Ort. Er gehörte zum ersten Jahrgang der Stipendiaten aus dem Jahr 2015 und nun zu den ersten Absolventen. Der 31-jährige Eppel durchläuft aktuell die Facharztausbildung im Calwer Krankenhaus. Insgesamt gebe es zwölf Stipendiaten, erklärte Carolin Gutsch, die auf der Seite des Landratsamtes für das Programm zuständig ist. Jedes Jahr würden drei Stipendien ausgeschrieben. Der Bewerbungsprozess für dieses Jahr laufe aktuell noch.

Minister Lucha betonte, dass mittlerweile mehr Allgemeinmediziner nachkämen. Es stiegen jedoch ebenfalls die Patientenzahlen, was diesen Effekt wieder schmälere. Die Zahlen zeigten aber, dass man junge Leute für den Hausarztberuf begeistern könne. Benjamin Eppel sei dafür ein Beispiel. Die Landarztquote werde die Versorgung im ländlichen Raum gewährleisten, so der Minister. Es daure aber noch, bis diese wirke. Die Umsetzung dieser Quoten-Pläne lässt aktuell aber auf sich warten.

»Wir wollen perspektivisch in Calw ein akademisches Lehrkrankenhaus sein«, verkündete Landrat Helmut Riegger. Damit steigere man die Attraktivität des Standorts noch weiter und könne vielleicht auch Absolventen ohne lokalen Bezug anziehen. Man befinde sich mit der Universität Tübingen diesbezüglich in Gesprächen. Aber die verwaltungstechnischen Mühlen mahlten dort langsam. In Nagold sei man hingegen schon akademisches Lehrkrankenhaus.

»Ich bin hier regional verbunden«, erklärte Eppel nach dem Event im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Er stamme aus Bad Liebenzell und wohne momentan im Schömberg. Studiert habe er in München und in Tübingen.

Das Stipendium sei eine tolle Sache, weil es Studenten helfe, die von zu Hause aus nicht viel Geld mitbekommen. Außerdem sei die Weiterbildung freigestellt. Man müsse nicht zwangsläufig Allgemeinmediziner werden. Als Student könne man zum Zeitpunkt, zu dem man sich auf das Stipendium bewirbt, auch noch gar nicht wissen, welche Fachrichtung man später mal einschlagen wolle.

Eppel will auf jeden Fall im engen Umkreis um Schömberg bleiben und tätig werden. Vielleicht tue er sich mit seinem Bruder zusammen, welcher als Allgemeinmediziner eine Praxis in Bad Liebenzell betreibt.

Er sehe den Kreis Calw generell als attraktiven Standort. Erstens sei die Region schön und man sei trotzdem schnell in den Zentren Karlsruhe und Stuttgart. Und zweitens sei mit Professor Oberhof jemand für die Ausbildung zuständig, der sich sehr für die angehenden Fachärzte einsetze. Dies spreche sich mittlerweile auch bei den Universitätsabgängern herum, meinte Benjamin Eppel. So könne man auch ortsfremde Leute für den Standort gewinnen.

Von Felix Biermayer
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.08.2020

Geschrieben am 17.08.2020

Ein Modell für das ganze Land

Neubau — Minister Lucha besucht Gesundheitscampus Calw / Zusammenarbeit aller Partner im Fokus

Noch ist nicht viel zu sehen. Um sich den neuen Gesundheitscampus Calw vorstellen zu können, braucht es momentan noch etwas Vorstellungskraft. Die hatte der Landesminister für Soziales und Integration Manfred Lucha (Grüne), neben viel Lob für Landrat Helmut Riegger (CDU), zu seiner Stippvisite mitgebracht.

Calw-Stammheim/Kreis Calw. »Innovativ«, »neu« und »zukunftsfähig« – so beschrieb Landrat Helmut Riegger den geplanten Gesundheitscampus und das gesundheitspolitische Konzept des Landkreises beim Besuch von Minister Lucha. Dieser hatte auf seiner Sommertour einen Halt in Calw eingelegt, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Beim eigentlichen Ort des Geschehens, den 6,9 Hektar Fläche im Stammheimer Feld III, gab es allerdings noch nicht viel zu sehen. Nur eine neu erschlossene Straße und ein paar Aufsteller ließen erahnen, was hier in rund zwei Jahren entstehen soll.

Das Konzept sei jedoch zu 95 Prozent fertig, versicherte Riegger. Er bedankte sich bei Lucha, der viel Engagement für das rund 100 Millionen Euro schwere Projekt gezeigt habe. »Das ist dein Baby«, meinte er in Luchas Richtung. Auch die gute Zusammenarbeit während der Corona-Pandemie lobte der Landrat.

Lucha sah den Gesundheitscampus als exemplarisches Beispiel für eine zukunftsfähige Gesundheitspolitik im ländlichen Raum. Der Minister lobte ebenfalls die pandemiebezogene Arbeit des Landkreises. Diese Krise habe nochmals den Stellenwert einer guten und flächendeckenden Gesundheitsversorgung vor Augen geführt.

Nach der Besichtigung vor Ort folgte ein Austausch im Landratsamt. Der Gesundheitscampus sei ein »Schmelztiegel vieler Ideen«, so Riegger. Mit einem sektorenübergreifenden Ansatz wolle man alle Parteien mitnehmen. Besonders freue er sich, dass die Ärzte das Konzept mittrügen. Engpässe wie im alten Krankenhaus gebe es am neuen Standort nicht mehr.

Lucha sah unter allen Beteiligten des Gesundheitscampus »Überzeugungstäter«. Die brauche es auch, um ein solches Projekt stemmen zu können. Ihm war besonderes wichtig, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gut gestaltet werde, die Digitalisierung konsequent umgesetzt werde und dass Krankenschwestern mehr Kompetenzen bekommen würden. Dem Krankenhauspersonal dankte er besonders für ihren Einsatz in Pandemiezeiten.

Anschließend präsentierte der kaufmännische Geschäftsführer des Eigenbetriebes Immobilien Krankenhäuser Calw und Nagold, Albrecht Reusch, das detaillierte Konzept des Gesundheitscampus. Die patientenzentrierte und intersektorale Zusammenarbeit sei der Kerngedanke. Ambulante und stationäre Versorgung, Gesundheitsförderung, Pflege, Rehabilitation, Arzneimittelversorgung und soziale Angebote sollen über gemeinsame Versorgungspfade und Digitalisierung vernetzt werden.

Im Haus der Gesundheit solle beispielsweise ein hausärztliches Primärversorgungszentrum, ein Kardiologe, Kinderarzt, Physiotherapie, eine Diabetes- und Wundambulanz, ein AOK-Gesundheitszentrum sowie ein Pflegestützpunkt des Kreises angesiedelt werden. Die Erfahrungen mit Corona hätten zudem zu Umplanungen geführt. Der Westflügel des geplanten Krankenhauses bekomme nun ein viertes Stockwerk und damit einhergehend eine Infektionsstation. Die Bettenzahl des Krankenhauses erhöhe sich damit von 154 auf 164. Ebenso seien nun mehr Betten mit Schleuse und Einzelbettzimmer vorgesehen.

Reusch hatte auch Neuigkeiten zur Generalsanierung des Nagolder Krankenhauses. Vom ersten Bauabschnitt seien 80 Prozent der Bauleistungen vergeben. Man liege hier derzeit sogar 800 000 Euro unterhalb des Budgets.

Lucha zeigte sich begeistert vom Konzept. Er verkündete zudem die Zuteilung einer Planungsrate des Landes für das Projekt in Höhe von vier Millionen Euro. Mit weiteren Fördergeldern für den Gesundheitscampus seitens des Landes sei zu rechnen. Volker Renz, technischer Geschäftsführer des Eigenbetriebes Immobilien Krankenhäuser Calw und Nagold, stellte einen Baubeginn im nächsten Frühjahr in Aussicht.

Martin Felger stellte dem Minister die neu gegründete MVZ-Genossenschaft Calw vor. Die Genossenschaft wolle in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg Multiprofessionalität fördern. Zudem unterstütze man durch administrative Arbeiten ältere Hausärzte. Dadurch gingen diese später in den Ruhestand und die Praxen blieben länger erhalten. Schließe eine Praxis doch, kümmere sich die Genossenschaft um deren Modernisierung, um so junge Ärzte für den Weiterbetrieb zu gewinnen. So ließe sich dem Hausarztmangel im Kreis entgegensteuern.

Carolin Gutsch vom Landratsamt informierte über die neue Gesundheits- und Pflegekonferenz des Kreises. In ihr seien alle Partner des Bereiches zusammengefasst und man arbeite engagiert an der Umsetzung sowie Innovation der Konzepte. »All das steht unter dem Motto ›Gesunder Landkreis‹«, so Riegger. Die Zusammenarbeit aller Partner sei eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Auch wenn es Startschwierigkeiten gegeben habe, habe man nun ein zukunftsfähiges Modell.

»Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei«, befand Lucha. Er zeigte sich vom kooperativen und integrativen Ansatz des Landkreises überzeugt. Das Calwer Modell sei ein »Zielbild« für das ganze Land. »Ich glaube so geht’s«, fasste der Minister seine Eindrücke zusammen.

Von Felix Biermayer
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 15.08.2020

Geschrieben am 16.07.2020

So eine Situation wird nicht mehr eintreten

Corona — Mitarbeiter des Calwer Krankenhauses berichten vom »Riesen-Kraftakt«, den die Pandemie mit sich gebracht hat

Eigene Räume, eigene Eingänge, sogar eigene Fahrstühle – innerhalb kürzester Zeit mussten zu Beginn der Corona-Pandemie in Krankenhäusern etliche Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Ein gewaltiger Kraftakt, auch in der Calwer Klinik. Mittlerweile ist wieder so etwas wie Normalbetrieb eingekehrt. Doch man ist vorbereitet, jederzeit wieder alles auf Anfang zu drehen.

Calw. Ob beim Einkaufen, im Bus oder in öffentlichen Gebäuden – überall herrscht Maskenpflicht, Menschen halten Abstand zueinander, wo auch immer es geht. Obwohl die Corona-Fallzahlen deutlich zurückgegangen sind, Normalität – wie man sie vor der Krise kannte – scheint vielerorts noch weit entfernt zu sein.

Das wird auch beim Betreten des Calwer Krankenhauses deutlich: Fiebermessen am Eingang, danach ein Formblatt mit Kontaktdaten ausfüllen. Notwendige Vorsichtsmaßnahmen, die wohl noch einige Zeit beibehalten werden dürften, um Personal und Patienten zu schützen. Und doch nur ein Schatten dessen, was hier, wie in unzähligen anderen Kliniken, zu Beginn der Pandemie gestemmt werden musste.

Calws Chefarzt Martin Oberhoff, Ilona Jochem, Leiterin der Zentralen Notaufnahme, Denis Döring, Leiter der Isolierstation und Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin des Kreisklinikums Calw-Nagold, gaben bei einem Besuch in der Klinik einen exklusiven Einblick in die nicht allzu ferne Vergangenheit.

Ein großes, weißes Zelt steht noch dort, wo sonst üblicherweise fast nur Fahrzeuge des Rettungsdienstes verkehren, als wir das Calwer Krankenhaus besuchen. Ein Überbleibsel der vorläufig ersten Hochphase der Pandemie – und eine der zahlreichen Maßnahmen, um potenziell Infizierte isoliert zu untersuchen und somit eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Denn dort wurden Patienten mit Verdacht auf Corona empfangen, die per Krankenwagen in die Klinik kamen. Unter anderem zwei Betten mit der Möglichkeit zur Sauerstoffversorgung der Erkrankten, Licht, Heizstrahler, Computer und EKG-Messgeräte waren hier ab Mitte März untergebracht. Direkt daneben ein separater Eingang, streng getrennt von anderen Patienten, für jene Erkrankten, die mobil waren.

Von dort aus nahm alles seinen abgeschirmten Weg: Unterlagen über ein Fenster einreichen, in Tüten verpacken, einscannen, vernichten. Wer als Mitarbeiter das Gebäude betrat, legte Schutzbrille, Maske, Handschuhe, Schutzkleidung an, bevor es zu den Patienten ging. Vom Behandlungszimmer direkt in einen den Verdachtsfällen vorbehaltenen, »infektiösen« Fahrstuhl und weiter in den vierten Stock, die eigens eingerichtete Corona-Station. Eine Station, die jedoch auch vorher keineswegs leer war: Büros von Ärzten mussten verlagert, innerhalb von 24 Stunden alte Duschen reaktiviert oder ein Bücherlager zur Umkleidekabine umfunktioniert werden. Aus zunächst vier Isolierzimmern, die es dort auch in »Normalzeiten« gibt, wurden am Ende 21; in Hoch-Zeiten waren bis zu 17 davon gleichzeitig belegt. Und gerade mal zwölf Stunden dauerte es, bis in der Intensivstation – wo die Beatmungskapazitäten übrigens verdoppelt wurden – Trennwände errichtet waren, um Betroffene zu isolieren.

Generell, so Oberhoff, habe man in »rote und orangene Zonen unterschieden«. Orange für die Dokumentation, rot für den »verseuchten Bereich«, wo tatsächlich oder vermeintlich Infizierte untersucht und behandelt wurden. »Innerhalb von drei, vier Tagen ist das alles aufgebaut worden«, berichtet der Chefarzt, der von einem »Riesen-Kraftakt« für alle Beteiligten spricht. Und beteiligt waren von den Klinikmitarbeitern praktisch alle, die nicht andernorts gebraucht wurden, und quer durch alle Berufe – von Ärzten über Pflegekräfte bis hin zu Technikern, Reinigungskräften und sogar dem Gärtner, der bei der Entsorgung kontaminierten Mülls half. Auch etliche Kollegen aus anderen Stationen meldeten sich freiwillig, um zu unterstützen.

Und während vor Ort die Umsetzung im Vordergrund stand, zerbrachen sich Krisenstäbe des Klinikverbunds, auch in Kooperation mit anderen Krankenhäusern oder dem Landratsamt, im Hintergrund den Kopf über die nötigen Schritte, tagten dutzende Male. Nicht zuletzt wurden Kooperationsverträge mit Rehakliniken geschlossen, um beispielsweise Patienten zur Weiterversorgung dorthin zu überweisen. »Nur so konnten wir auch funktionieren«, unterstreicht Oberhoff.

Erst im Rückblick, so meint Regionaldirektorin Freimuth, werde einem selbst der enorme Aufwand bewusst. Aber auch die »tolle Abstimmung« und der Zusammenhalt des ganzen Personals – praktisch rund um die Uhr und an Wochenenden. Da es »keine Blaupausen« für eine solche Situation gegeben habe, mussten individuelle Lösungen mit »viel Kreativität und Einsatz« gefunden werden.

Anders wäre man des enormen Ansturms wohl kaum Herr geworden. Denn die Verunsicherung in der Bevölkerung und selbst bei Hausärzten war vor allem anfangs groß. »Es kamen viele mit unklarem Fieber«, erzählt Notaufnahme-Leiterin Jochem. »Im Zweifel haben wir die Patienten immer hierbehalten.«

Bei vielen Maßnahmen standen dem Krankenhaus unter anderem Experten des Kommando Spezialkräfte zur Seite, die bei einer Ebola-Epidemie in Afrika Erfahrung gesammelt hatten, berichtet Oberhoff – beispielsweise, wie Schutzkleidung richtig an- und ausgezogen werden muss, um die Gefahr einer Ansteckung zu vermeiden. »Man musste wirklich jeden Handschlag überlegen«, bekräftigt Stationsleiter Döring. Ein »stringentes Vorgehen«, wie der Chefarzt es nennt, das Früchte getragen hat: Lediglich eine Mitarbeiterin habe sich während der gesamten Zeit selbst angesteckt – obwohl ständig enger Kontakt zu Infizierten bestand.

Sechs Wochen gab es nun keinen bestätigten Corona-Fall mehr im Calwer Krankenhaus, in Nagold wird seit wenigen Tagen wieder ein Covid-19-Patient stationär behandelt. »Aber es kommen täglich bis zu 15 Verdachtsfälle in allen Standorten an«, sagt Ingo Matheus, Pressesprecher des Klinikverbunds. Dennoch: »Wir bauen langsam zurück«, berichtet Oberhoff. Und sollte sich die Lage wieder ändern, stehe man in den Startlöchern: Innerhalb von 48 bis 72 Stunden, so erklärt der Chefarzt, könne der gesamte Corona-Apparat der Klinik wieder in Gang gebracht werden.

Einen Grund, nicht ins Krankenhaus zu gehen, gebe es wegen des Virus in jedem Fall nicht, betont Oberhoff, dem eine spezielle Entwicklung während der Krise Sorge bereitet: »Es sterben schätzungsweise genau so viele Leute wegen Corona wie an Corona«, mahnt er. Beispielsweise der Herzinfarkt-Patient, der zu Hause bleibe, weil er eine Infektion fürchte. Dabei gebe es, angesichts der strengen Maßnahmen, um Infizierte von anderen abzuschirmen, überhaupt keinen Anlass.

Mittlerweile laufe das Krankenhaus auch ohne Corona-Patienten »wieder unter Volllast« und sei voll belegt. »Entspannung ist nicht angesagt«, bestätigt auch Döring.

Dankbar, so erklärt Freimuth, sei man rückblickend auch für die Unterstützung, die es von allen Seiten gegeben habe. »Die Solidarität in der Bevölkerung war extrem groß«, lobt sie; auch die lokale Politik habe schnell reagiert und geholfen – nicht zuletzt hinsichtlich der Beschaffung von Schutzausrüstung, die teilweise von Bürgern an der Pforte abgegeben worden sei. Denn »es gab Momente, da wussten wir nicht, ob es die nächsten ein oder zwei Tage noch reicht«, erinnert sich Oberhoff. Zeiten, in denen niemand wusste, ob der Höhepunkt der Fallzahlen erreicht wurde, oder erst noch kommt. Mit den Bildern von Bergamo in Italien vor Augen, wo Mitarbeiter sich seinerzeit wegen fehlender Ausrüstung infizierten, eine hohe Belastung. »Da wird es einem schon anders«, gibt der Chefarzt zu. Inzwischen seien die Lager aber voll, man sei vorbereitet. »So eine Situation wird nicht mehr eintreten«, ist er zuversichtlich.

Einig sind sich alle, dass der Klinikverbund sich in dieser Situation bewährt habe. Gegenseitiges voneinander Lernen und einander Helfen oder auch gemeinsame Materialbestellungen hätten entscheidende Vorteile gebracht. Und zugleich sei deutlich geworden, welch wichtige Funktion gerade kleinen Kliniken in der Fläche bei der Bewältigung solcher Krisen zukomme; Kliniken, die in den vergangenen Jahren unter anderem wegen ihrer fehlenden Wirtschaftlichkeit in der Kritik standen – und ohne die es viel schlimmer hätte kommen können.

Eines ist Oberhoff am Ende des Gesprächs dann noch besonders wichtig: Dass das Virus, nun, da es weitgehend aus den Krankenhäusern verschwunden ist, nicht auch völlig aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet. Noch immer gelte es, vorsichtig zu sein. Und er appelliert zudem, sich in der kommenden Saison gegen Grippe impfen zu lassen. Damit die Mediziner nicht an noch mehr Fronten kämpfen müssen, sollte ein erneuter, großflächiger Corona-Ausbruch anstehen.

 Insgesamt 1135 bestätigte Corona-Fälle wurden in den vergangenen Monaten innerhalb des Klinikverbunds stationär behandelt, davon 101 in Calw und 156 in Nagold. 34 Menschen (mit einem Durchschnittsalter von 77 Jahren) starben allein in den Kliniken im Kreis Calw. Das Durchschnittsalter der dort stationär behandelten Patienten lag bei 69 Jahren.

 Auch finanziell wird die Pandemie Spuren hinterlassen. Mitte Mai hieß es in einer Sitzung des Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses des Kreistags, die Mehrkosten für den Betrieb der Krankenhäuser Calw und Nagold beliefen sich pro Monat auf rund 560 000 Euro. Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin des Kreisklinikums Calw-Nagold, gab im Gespräch mit unserer Zeitung jedoch zu bedenken, dass vieles in Sachen Kosten derzeit noch unklar sei – beispielsweise, mit welcher finanziellen Unterstützung vonseiten des Bundes gerechnet werden könne. Genaue Aussagen ließen sich insofern erst gegen Ende des Jahres treffen.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 16.07.2020

Geschrieben am 04.05.2020

Krankenhaus: BI fordert Optimierungen

Gesundheitscampus — Bürgerinitiative legt Positionspapier mit Vorschlägen vor / Calws OB Florian Kling begrüßt den Vorstoß

Knapp zwei Wochen ist es her, dass der Verwaltungsausschuss des Kreistags nach Jahren der Diskussion und Planung konkrete Baumaßnahmen für den Gesundheitscampus Calw auf den Weg gebracht hat. Die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw freut sich über diesen wichtigen Schritt, sieht aber auch Optimierungsbedarf.

Calw. Es sind außergewöhnliche Zeiten: Die Corona-Pandemie hat die Welt fest im Griff, flächendeckende medizinische Versorgung ist wichtiger denn je. Die Struktur im Kreis Calw mit Krankenhäusern in Calw und Nagold bewährt sich. Das sah nicht nur der Verwaltungsausschuss des Kreistags so, der jüngst die erste Baufreigabe für den Gesundheitscampus Calw erteilte. Auch die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw bekräftigt, dass sich gerade in der Krise erwiesen habe, wie wichtig es sei, rund um die Uhr zwei Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung im Kreis zu betreiben.

»So wurde das Krankenhaus in Calw zur ersten Speerspitze des Landkreises im Kampf gegen das Corona-Virus. Die Anzahl der Erkrankungen brachte es jedoch mit sich, dass sich nun beide Krankenhäuser erfolgreich um die Patienten des Landkreises kümmern«, heißt es in einer Stellungnahme der BI. Und es sei »der Einsicht und dem Weitblick von Landrat Riegger zu verdanken, dass in Calw mit dem Gesundheitscampus und dem dazugehörenden Krankenhausneubau ein Vorzeigeobjekt entsteht«.

Nachdem Schutzmaßnahmen die Ausbreitung des Virus bremsen konnten, sei in den Krankenhäusern nun auch ein bedingter Übergang zum Regelbetrieb – also geplante Operationen und Untersuchungen – ohne Gefährdung der Patienten wieder möglich. Für Calw bedeute dies insbesondere die Wiederaufnahme der Operationstätigkeit im Bereich der Orthopädiechirurgie.

Für die künftige medizinische Versorgung im Landkreis sieht die BI jedoch Optimierungsbedarf – nicht nur in Bezug auf den Neubau in Calw, sondern auch hinsichtlich der Versorgungsstruktur. »Ein wichtiger Baustein ist in Anbetracht des Hausärztemangels der Gesundheitscampus, der nun mit Inhalten zu füllen ist«, schreibt die BI. In einem Positionspapier, das unserer Zeitung vorliegt, tragen die Verantwortlichen ihre Forderungen vor.

So müsse beispielsweise rund um die Uhr die Versorgung von Herzinfarkten und Schlaganfällen auch in Calw sichergestellt bleiben – bei beiden Erkrankungen zähle jede Minute. Ferner dürfe das Behandlungsspektrum der Kardiologie nicht zugunsten von Nagold eingeschränkt werden. »Schließlich gilt auch für Calw der Grundsatz, dass der Notfall eine Routine voraussetzt«, argumentiert die BI. Andernfalls könnten Qualität und Wirtschaftlichkeit leiden. Einen Kritikpunkt stellt zudem die Verlegung der Stroke-Unit zur Behandlung von Schlaganfällen nach Nagold dar. Die beste Lösung sei hier, eine solche spezialisierte Abteilung an beiden Standorten vorzuhalten – möglicherweise mit einem Chefarzt in Nagold und der Betreuung von Patienten in Calw durch Ärzte vor Ort.

Sorge bereitet der BI auch, wie der Landkreis künftig seinen Versorgungsauftrag im Enztal erfüllen kann. Dort wird ein interdisziplinäres Medizinisches Versorgungszentrum mit einer Portalklinik der Kreiskliniken Calw-Nagold unter der Führung der Kliniken Calw gefordert.

Eine Schwerpunktbildung von Unfall- und Orthopädiechirurgie »zu Lasten von Calw« in Nagold lehnt die BI ab. Stattdessen schlagen die Verantwortlichen eine Unfallchirurgie in Nagold unter der Leitung des Calwer Chefarztes vor. Zudem müsse die Sterilisation in Calw verbleiben. Auch ein Therapiezentrum, um Patienten nach Operationen zu mobilisieren, solle erhalten bleiben.

Hinsichtlich der Geburtshilfe sei es von Nachteil, dass die Abteilung mit der Schmerztherapie geteilt werden soll. Diese Teilung verhindere eine »notwendige und auch sinnvolle Erhöhung der Geburtenzahlen«. Daher gelte es, hier weitere Betten zu schaffen.

Mit Blick auf eine jederzeit wieder mögliche Pandemie fordert die BI eine Intensivstation mit mindestens acht Intensiv- sowie acht IMC-Betten (Bindeglied zwischen Intensiv- und »Normal«-Betten).

Insgesamt sieht die BI den Bedarf, die Bettenzahl für den Neubau zu erhöhen. Der Landkreis Calw verzeichne derzeit einen Bevölkerungszuwachs von sechs Prozent im Jahr. Darüber hinaus seien auch für den Fall weiterer Pandemien räumliche Reserven nötig. Es werde noch mindestens eine weitere Station gebraucht. Eine spätere Erweiterung, die modular möglich wäre, verursache dagegen erhebliche Mehrkosten. »Dies ist die Verschwendung von Steuergeldern, wenn die notwendige Erweiterung absehbar ist«, heißt es in dem Schreiben.

Da ambulante Operationen in Zukunft immer wichtiger würden, brauche es auch im Neubau einen abgetrennten Warte- und Aufenthaltsbereich für Patienten und Angehörige.

Um zudem für Personal attraktiv zu sein, fordert die BI nicht zuletzt eine eigene Kindertagesstätte, die die Besonderheiten eines Schichtbetriebs abdecken kann. Ferner sei ein Personalwohnheim notwendig.

Calws Oberbürgermeister Florian Kling begrüßt indes den Vorstoß der BI. »Damit haben wir auch aus medizinischer Sicht eine Einschätzung und einen Forderungskatalog, der im Hinblick auf den neuen Gesundheitscampus in Calw berücksichtigt werden sollte«, so Kling. In der Corona-Krise seien alle sehr froh gewesen, dass der Trend zur Zentralisierung von Krankenhäusern in Calw noch nicht angekommen sei und zudem die Anzahl der Intensivbetten in beiden Häusern verdoppelt wurden. »Ich bin dem Gesundheitsamt und dem Klinikverbund sehr dankbar, dass wir jetzt ein Gesundheitssystem haben, das derzeit als ausreichend für die Pandemie angesehen werden kann«, erklärt der OB. Es zeige sich, dass der Landkreis mit der Doppelhäusigkeit an zwei Standorten richtig gefahren sei.

Klar sei auch, »dass es nicht dazu kommen darf, dass bei medizinischen Notfällen, in denen jede Sekunde zählt, der Krankenwagen erst am nächstgelegenen Krankenhaus vorbeifahren darf, um zu einem viel weiter entfernten Krankenhaus mit Notfallausstattung fahren zu müssen«. Ausstattung und geplante Abteilungen müssten daher nochmals genau unter die Lupe genommen werden. »Hier darf es nicht allein um die Bettenzahl gehen, die durchaus sehr wichtig ist, aber vor allem auch darum, welche Patienten in diesen Betten am Ende bestmöglich behandelt werden können«, sagt Kling.

Eine attraktive medizinische Versorgung sei darüber hinaus ebenso wichtig wie attraktive Arbeitsplätze. Der OB unterstützt deshalb die Forderungen nach einem Betriebskindergarten und einem neuen Personalwohnheim. Ein Betriebskindergarten könne dabei auch Betreuungskonzepte ermöglichen, die Schichtdiensten im Krankenhaus gerecht werden können. Derzeit befinde sich die Stadt im Austausch mit dem Landratsamt, um geeignete Ideen zur Umsetzung zu erstellen.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 02.05.2020

Geschrieben am 22.04.2020

Kein besserer Zeitpunkt möglich

Kliniken — Verwaltungsausschuss des Kreistags bringt Erschließung des Gesundheitscampus Calw auf den Weg

Auch das zeigt die aktuelle Corona-Krise: Eine dezentrale Gesundheitsversorgung, wie sie der Kreis Calw derzeit mit den Neu- und Umbauten der Kreiskrankenhäuser in Nagold und Calw umsetzt, ist die bessere Strategie in Zeiten einer Pandemie. Da waren sich die Mitglieder des Verwaltungsausschusses (VWA) des Kreistags einig.

Kreis Calw. Und der hatte auf seiner jüngsten Sitzung – im weiten Rund des großen Sitzungssaals des notwendigen Sicherheitsabstands wegen – über die Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Außenanlagen und die inneren Erschließungsmaßnahmen zum Bau des Campusgeländes in Calw zu entscheiden. Knapp 8,8 Millionen Euro werden die kosten – ursprünglich veranschlagt waren dafür mal 9,2 Millionen Euro. Weshalb der einstimmige Beschluss den VWA-Mitgliedern noch mal leichter fiel als wohl sowieso schon.

Weshalb nach dem reibungslosen Beschluss Landrat Helmut Riegger ein irgendwie ebenso erleichtertes wie auch ein wenig ungläubiges »sehr gut« entfuhr angesichts der reibungslosen Zustimmung seines Gremiums. Zumal der VWA bereits zuvor ebenso eindeutig gleich zwei Millionen-Bürgschaften des Landkreises für die Kreiskliniken Calw gGmbH zugestimmt hatte. Lediglich die 12-Millionen-Bürgschaft für einen Betriebsmittelkredit, den die Kliniken in Zeiten von Corona zur Sicherstellung des Betriebs benötigten, rief eine Enthaltung bei den Räten hervor. Die Eine-Millionen-Bürgschaft für einen Investition-Kredit für ein neues MRT in Nagold (Magnetresonanztomographie) war komplett einstimmig durchgewunken worden.

Aber das war für die VWA-Mitglieder auch eher »Pflicht« an diesem Nachmittag. Die Kür: Nach den Jahren der Diskussion und der Planungen nun echte und konkrete Baumaßnahmen für den Gesundheitscampus Calw auf den Weg zu bringen. Und die erste echte Baufreigabe dafür zu erteilen. Zitat Riegger — angesichts der aktuellen Corona-Krise: »Wir hätten dafür keinen besseren Zeitpunkt erwischen können.« Wobei die Dimensionen des Projekts, das im Detail Volker Renz – im Landratsamt stellvertretender Abteilungsleiter für Gebäudemanagement und Liegenschaften – vorstellte, auch wahrlich beeindruckend sind: Rund 65 000 Quadratmeter Grundfläche gilt es zu erschließen. Die Tiefbauarbeiten allein etwa wurden mit Kosten von gut 2,8 Millionen Euro brutto berechnet. Geländemodellierung, Erdarbeiten, Wasser- und Stromversorgung, Entwässerung, Breitband, Straßen, Wege, Plätze, Beleuchtung und Bepflanzung schlagen mit noch mal rund sechs Millionen Euro brutto zu Buche.

Wobei am Ende der Landkreis – also der Steuerzahler – diese Summe nicht komplett allein tragen werde. Anteile dieser Summe würden mit dem Verkauf der Grundstücke an die jeweiligen Projektpartner refinanziert. Weshalb der VWA mit seinem Beschluss – an dieser Stelle ausdrücklich stellvertretend für den Kreistag – auch dem Verkauf von entsprechenden Teilflächen an die Campus-Partner zustimmte. Der Kaufpreis dafür werde 33 Euro je Quadratmeter (zuzüglich aller von der Stadt Calw im Rahmen des Ankaufs der Flächen entstandenen Aufwendungen) betragen.

Hinzu kämen noch »die vom Landkreis bezahlte Grunderwerbsteuer, die Kosten für die Durchführung des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs, der Abwasserbeitrag, Baukostenzuschuss Wasser und ein anteiliger Erschließungsbeitrag sowie die Vermessungskosten« – so der Wortlaut der Sitzungsvorlage im VWA.

Wie viele Kosten letztlich aber konkret beim Landkreis verbleiben werden für Erschließung und Gestaltung der Außenanlagen, das blieb einstweilen offen. Weshalb Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann (CDU) schon mal vorsorglich in seiner Stellungnahme als erprobter Kommunalplaner darauf hinwies, dass man nach dem Erschließungsrecht bis zu 95 Prozent aller solcher Erschließungskosten auf die späteren Nutzer würde abwälzen können. Auch wollte Großmann sichergestellt wissen, dass sämtliche Parkplätze des Gesundheitscampus – geplant sind 425 Stellflächen im Parkhaus und auf den Freiflächen – im Besitz der Kreiskliniken blieben. Und nicht etwa anteilig in das Eigentum der Projektpartner übergingen. Er bitte da »um Klarstellung« in den weiteren Gesprächen und Planungen, so Großmann.

Eine Nachfrage von Ebhausen Bürgermeister Volker Schuler (FWV) ebenfalls zum geplanten Campus-Parkhaus stellte klar, dass dieses tatsächlich für alle späteren Nutzer des Geländes gedacht sei – nicht nur für das eigentliche Kreiskrankenhaus selbst. Und Schulers weitere Nachfrage zum Thema Dachbegrünung und möglichen Installationen von Photovoltaikanlagen auf den späteren Campus-Gebäuden offenbarte, dass mit der Realisierung des Gesundheitscampus auch reichlich Optionen für eine künftige Weiterentwicklung des Geländes geschaffen würden. Denn Photovoltaik mache, so Gebäudemanager Volker Renz, auf dem Dach des späteren Parkhauses durchaus Sinn – auf dem Klinikgebäude selbst eher nicht. Denn das aus zwei Teilen bestehende, spätere Kreiskrankenhaus sei im »rechten« Gebäudeteil zu nah am späteren Hubschrauberlandeplatz; da bestünde die Gefahr von »Spiegeleffekten«, die die Piloten irritieren könnten. Und für den »linken« Gebäudeteil schaffe man ausdrücklich die Option, es später einmal um weitere Stockwerke aufzustocken – was doch irgendwie aufhorchen ließ.

Zumal es auch Nagolds OB Großmann noch wichtig war festzustellen, dass es reichlich »Reserveflächen« um den ja nicht gerade kleinen Gesundheitscampus herum gebe – was die Zukunftsfähigkeit des Projekts sichere. Womit Großmann ungewöhnlicherweise die absolut gleiche Wortwahl nutzte wie anschließend SPD-Kreisratskollegin Ursula Utters, die ebenfalls ausdrücklich die »Zukunftsfähigkeit« der Planungen des Gesundheitscampus würdigte. Vor allem auch wiederum vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise. Denn, auch das an diesem Nachmittag ein mehrfach gehörtes Statement im VWA, nach der Pandemie werde niemand mehr hierzulande von einem »weiteren Bettenabbau« im Gesundheitswesen reden können. Eher vom Gegenteil.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 22.04.2020

Geschrieben am 22.04.2020

Freude über das gute Miteinander

Corona-Krise — Rund 20 Medizin-Studenten helfen den Ärzten im Calwer Krankenhaus

Aufgrund des grassierenden Coronavirus und der daraus resultierenden Mehrbelastung des Klinikpersonals sind seit Mitte März etwa 20 Studenten, davon sieben Stipendiaten, im Calwer Krankenhaus im Einsatz.

Kreis Calw. Ob in der Notaufnahme, auf den Normalstationen oder in der jüngst eingerichteten Fieberambulanz, in der Corona-Verdachtsfälle getestet werden: Derzeit helfen etwa 20 Studenten im Calwer Krankenhaus dort, wo sie gebraucht werden. Sie sind in verschiedenen Bereichen und Stationen des Krankenhauses tätig. Morgens beginnt der Arbeitstag mit der täglichen Frühbesprechung. Anschließend helfen sie bei der Blutabnahme. Bei Bedarf werden auch intravenöse Zugänge für Infusionen und Medikamente gelegt. Daraufhin folgt die Visite der Patienten mit den Stations- und Oberärzten.

Darüber hinaus besteht für die Studenten oft auch die Möglichkeit, bei Untersuchungen und Eingriffen den erfahrenen Ärzten über die Schulter zu schauen. Auch bei der Anfertigung von Arztbriefen werden die Ärzte von den rund 20 Medizin-Studenten unterstützt, denen wiederum das junge Ärzteteam rund um Chefarzt Martin Oberhoff mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Die gut 20 Studenten sind als Springer über den Klinikverbund Südwest angestellt und werden für Ihren Hilfseinsatz entlohnt. In ihrem Medizinstudium sind sie unterschiedlich weit vorangeschritten. Manche befinden sich noch im zweiten Studiensemester, andere befinden sich bereits im zehnten Semester. Zwar studieren viele an baden-württembergischen Universitäten, so etwa in Tübingen, Freiburg oder Ulm. Unter den 20 Helfern sind aber auch Studenten aus dem Ausland vertreten, so zum Beispiel aus dem ungarischen Budapest oder aus dem kroatischen Split. Auswärtige Helfer sind im Schwesternwohnheim des Krankenhauses untergebracht. Der Großteil der Helfer kommt aber ursprünglich aus dem Landkreis Calw.

Den aktuellen, mehrwöchigen Einsatz können sich die Studenten an ihren Universitäten später noch als Praktikum, von denen im Studium einige verpflichtend vorgeschrieben sind, anrechnen lassen.

Der Studenten-Dienstplan sieht für die Helfer fünf Arbeitstage pro Woche vor, wobei sie jeden Tag etwa acht Stunden lang eingesetzt werden. Darüber hinaus unterstützen die Studenten die Ärzteschaft auch in Spätschichten sowie an Wochenenden und Feiertagen. Bei akutem Bedarf helfen sie auch mal in der Pflege aus.

»Das volle Programm eben«, meint der 24-jährige Jakob Böttinger aus Neuhengstett. Und das findet er, der im siebten Semester an der Universität Ulm studiert, auch gut so, weil er dadurch nämlich einen »guten Einblick in den realen Klinikalltag und die spätere Arbeitsbelastung« erhält.

»Der persönliche Kontakt mit den Patienten gefällt mir sehr. Und gleichzeitig beeindruckt mich die Vielfalt der unterschiedlichen medizinischen Bereiche«, berichtet Jakob Böttinger weiter. »Genau! Die Medizin wird nie langweilig, und bietet so viele Möglichkeiten. Jeder hat in unterschiedlichen Aufgaben seine Stärken, aber als Team ergänzen wir uns super«, ergänzt der 22-jährige Stipendiat Dominik Orth aus Althengstett, der im sechsten Semester an der Universität Tübingen studiert.

Die beiden ehemaligen Absolventen des Stammheimer Maria-von-Linden-Gymnasiums Jakob Böttinger und Dominik Orth sind zwei der etwa 20 Helfer im Calwer Krankenhaus und kamen bei ihren Einsätzen schon jetzt zu der Erkenntnis, dass eine offene und gute Kommunikation »sowohl mit den Patienten als auch unter Kollegen« ausschlaggebend für einen gelungenen Klinikalltag sei. Besonders freuen sich die beiden über »die wertschätzende Aufnahme in das Ärzteteam«, die sie nicht nur motiviere, sondern ihnen auch positive Ausblicke für das spätere Arbeitsleben gebe. »Gerade auch der Einblick in administrative und organisatorische Zusammenhänge ist sonst eher selten«, meint Jakob Böttinger. Gleichzeitig bekommen die Helfer laut Böttinger aber auch die Möglichkeit, ihr erlerntes Wissen in der Praxis anzuwenden. »Mit großem Vertrauen der betreuenden Ärzte« dürfen die Medizinstudenten auch viele Aufgaben eigenständig durchführen, wie die beiden Stipendiaten deutlich machen. Die angehenden Ärzte haben vor, die Mediziner im Krankenhaus so lange zu unterstützen, bis die Universitäten wieder den Betrieb aufnehmen und sie an ihre Studienorte zurückkehren.

Von Selim Gezener
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.04.2020

Geschrieben am 18.12.2019

Der Knopf ist dran

Calwer Kreistag hat den 63 Millionen Euro teuren Neubau des Calwer Krankenhauses auf den Weg gebracht

Am Ende war es doch noch eine schwere Geburt: Der Calwer Kreistag hat die Baufreigabe für das neue, 63 Millionen Euro teure Calwer Krankenhauses erteilt. Nach einer mehr als einstündigen Debatte war dem Ersten Landesbeamten Frank Wiehe aber der Geduldsfaden gerissen.

Kreis Calw. »Wir müssen endlich mal den Knopf dran machen. Es ist unglaublich, wie lange hier über so was diskutiert wird«, sagte ein sichtlich genervter Landratsstellvertreter, nachdem Kritik aus dem Kreistag an dem Projekt nicht abebben wollte und Kreisräte aller Couleur, unterm Beifall anwesender Mitglieder der Calwer Bürgerinitiative, weitere Nachbesserungen gefordert hatten. »In der Zeit ziehen uns andere davon«, erklärte Wiehe.

Zuvor hatte der Stuttgarter Architekt Malte Hofmeister das Projekt mit seinen 22 487 Quadratmeter Geschossfläche nochmals dem Kreistag vorgestellt. Neu aufgenommen wurde in dem 154-Betten-Haus auf Wunsch der Chefärzte der Calwer Klinik die bis dato nicht vorgesehene Kühlung der Patientenzimmer, die mit weiteren 2,7 Millionen Euro zu Buche schlägt. Damit erhöhen sich die Baukosten auf 63,6 Millionen Euro – umgerechnet 412 000 Euro pro Bett. Laut Kreiskämmerer Reusch »bundesweiter Benchmark«, also Top-Wert.

Doch genau diese Kostenkalkulation ist von mehreren Kreisräten angezweifelt worden. So auch von Otakar Zoufaly (Freie Wähler), der aber dann doch lieber den »Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach« wählte, auch wenn er in der Rückschau eine Einhäusigkeit für »wirtschaftlicher und nachhaltiger« gehalten hätte. Auch sein Fraktionskollege Martin Handel, selbst Chefarzt in der Calwer Klinik, forderte Nachbesserungen für sein Haus. Die Bettenzahl sei viel zu klein, befand er: »Da muss eine Station aufgestockt werden.« Ins selbe Horn stieß Eberhard Bantel, der unter dem Applaus der BI-Zuhörer Landrat Helmut Riegger an seine Zusage erinnerte, in Calw ein Notfallversorgungszentrum einzurichten.

Der Kreischef selbst sprach von einem »super modernen Krankenhaus«, das hier auf der Stammheimer Höhe gebaut werde und den Patienten eine bestmögliche Versorgung biete. Riegger wurde aber noch deutlicher: »Ohne den Neubau hätten wir in Calw gar nichts. Wenn wir das Thema Campus nicht so forciert hätten, weiß ich nicht, ob wir diese zwei Klinikstandorte durchgebracht hätten.«

Kritik von mehreren Seiten kam auch an der geplanten Verlagerung der zentralen Sterilgutversorgungsabteilung von Calw nach Nagold auf. Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, verteidigte diese Planungen. Dies sei eine Frage der Logistik: »Wichtig ist, dass es funktioniert.« Und in Nagold sei es baulich eben günstiger umzusetzen.

Schließlich drängte Landrat Riegger zur Abstimmung. Bei vier Enthaltungen ohne Gegenstimme wurde der Calwer Klinikneubau abgesegnet. Sein Plazet gab der Kreistag auch für die zusätzlichen 5,7 Millionen Euro, die für die Kühlung der Patientenzimmer im Nagolder Krankenhaus ausgegeben werden.

Dafür hatte der Landrat aber gute Nachrichten aus dem Sozialministerium parat. Bislang ging man bei der Klinikerweiterung in Nagold von einer 30-prozentigen Förderung des Landes aus. Diese wird, dank einer »reifen Verhandlungsleistung« der Kreisspitze, wie SPD-Kreisrat Rainer Prewo lobend befand, im ersten Bauabschnitt auf 50 Prozent aufgestockt. Heißt: Von den 44 Millionen Euro zahlt das Land nun die Hälfte. Die zehn Millionen Euro mehr, die dadurch in die Kreiskasse fließen, seien »echtem Teamwork« zu verdanken, sagte der Landrat, in Landes- und Bundesministerien bekannt für sein hartnäckiges Verhandlungsgeschick.

Doch diese guten Nachrichten hatten die Mitglieder der Calwer Bürgerinitiative nicht mehr mitbekommen, weil sie zuvor – sehr zum Ärgernis des Kreischefs – großteils den Sitzungssaal verlassen hatten: »Das finde ich nicht in Ordnung«, befand Riegger, »wenn’s um Nagold geht, interessiert’s einen nicht mehr.«

Was CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann wiederum mit der nüchternen Feststellung quittierte: »Dankbarkeit ist in der politischen Welt keine feste Kategorie.«

Manche Dinge kann man sich nur im Öffentlichen Dienst erlauben. Man staunt, dass ein amtierender Chefarzt wie Martin Handel als Kreisrat nicht als befangen vom Sitzungstisch abrücken muss, wenn es um die Zukunft der eigenen Klinik geht. Dass er sich zudem – intern wie öffentlich – als Kritiker der Calwer Klinikpläne profiliert, mag der besonderen Freiheit der Andersdenken im Kreistag geschuldet sein. In der freien Wirtschaft hätte er als Führungskraft mit dieser exponierten Haltung zum eigenen Haus ein Problem. Aber diese Geplänkel gehören mit dem Baubeschluss zum Glück der Vergangenheit an. Dass sich der Kreis mit diesen Mammutaufgaben nicht übernimmt, ist dem Landrat zu verdanken, der für Kliniken und Hessebahn zig Millionen Euro Förderung zusätzlich vom Land loseiste. Dieser Mann ist für den klammen Kreis ein Segen.

Von Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 18.12.2019