Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 06.07.2018

SPD im Richtungsstreit um die Kreiskliniken

Krankenhaus — Rainer Prewo fordert neue Diskussion über Einhaus-Lösung / Kostenexplosion bedeute dauerhafte Defizite

Gehobene Streitkultur – so kann man vielleicht beschreiben, warum der SPD-Ortsverband Nagold eine interne kontroverse Diskussion über die Zukunft der Krankenhäuser Nagold und Calw kurzerhand öffentlich machte. Und die Bürger zum Mitdiskutieren einlud.

Nordschwarzwald.
Rund 40, vielleicht 50 Zuhörer waren auch tatsächlich ins Nagolder Naturfreundehaus gekommen, um sich von den beiden SPD-Kontrahenten – die Kreisräte Ursula Utters (Pro »Krankenhauskonzeption 2021«) und Rainer Prewo (Contra, Befürworter einer »Einhaus-Lösung«) – einmal ausführlich ihre jeweiligen Argumente erklären zu lassen. Und mit eigenen Fragen und Statements vielleicht selbst ein bisschen Einfluss auf den mittlerweile jahrelangen Richtungsstreit zu gewinnen.
Wobei Initiator Daniel Steinrode auch hoffte, die beispielsweise in Calw gerade heftig geführte, auch öffentliche Diskussion über die Zukunft der beiden Kreiskrankenhäuser auf diese Weise ein bisschen »intensiver« nach Nagold zu tragen. Wobei bei allen Rednern – egal ob mit SPD-Parteibuch oder ohne – im Prinzip Einigkeit darüber herrschte, dass Nagold vom aktuellen Stand der Krankenhausplanung (»Krankenhauskonzeption 2021«) mehr profitieren werde als Calw, weil schlicht mehr Abteilungen und mehr Betten langfristig hier angesiedelt sein würden als dort. Calw hätte aber dafür die Chance mit dem Medizin-Campus rund um den dort geplanten Krankenhaus-Neubau »einen großen Schritt in die Medizin-Zukunft« zu machen – wo neue, moderne Konzepte gebraucht würden, um den medizinischen Bedarf mit der Nachwuchs-Situation in der Ärzteschaft unter einen Hut zu bringen. Also eine Win-Win-Situation, könnte man meinen; von der alle profitieren. Weshalb Ursula Utters, selbst bis zum vergangenen Jahr praktizierende Allgemeinärztin in Altensteig, der Konzeption 2021 vorbehaltlos zugestimmt hat im Kreistag.
Rainer Prewo allerdings hat sich bei dieser Abstimmung enthalten; eigentlich hätte er auch offen dagegen stimmen müssen, denn aus seiner Sicht ist die Umsetzung der geplanten Konzeption »vollkommen unrealistisch« – da schon jetzt eine »massive Kostenexplosion« gegenüber ursprünglichen Planungen zu verkraften sei: Die Sanierung des Krankenhauses Nagold werde aus derzeitiger Sicht 85 statt 40 Millionen Euro kosten, der Neubau in Calw 70 statt ursprünglich 30 bis 40 Millionen; wobei das Land »nur« jeweils 50 Prozent der Kosten tragen werde, den Rest muss der Landkreis – also letztlich alle Kommunen im Kreis – aufbringen. »Damit sind dauerhaft riesige Defizite vorprogrammiert«. Und dass, obwohl man ursprünglich die Planungen zur Zukunft der Kreiskrankenhäuser aufgenommen habe, um die bereits bestehenden Defizite abzubauen.
Prewos logische Schlussfolgerung daraus: Es gelte auch jetzt noch, eine Lösung zu finden, die möglichst wenig oder keine Defizite verursache – und das könne aus seiner Sicht nur eine Einhaus-Lösung für den gesamten Kreis Calw sein; wobei für ihn die »Marktsituation« es klar mache, dass ein Standort für ein solches Haus nur in oder um Nagold liegen könnte, da nur hier ein genügend großes Einzugsgebiet (mit Herrenberg und Horb) existiere, so ein Haus auch mit der notwendigen Patientenfrequenz zu versorgen. Der Standort Calw leide da »unter der Zangenlage« zwischen Pforzheim und Böblingen/Sindelfingen, die Patientenströme von dort zu sich umleiteten.
Wobei auch Prewo, der derzeit auch Aufsichtsrat des Klinikverbunds Südwest ist, dem Betreiber der beiden Kreiskliniken, natürlich klar ist, dass solch ein Planungsansatz derzeit politisch nicht durchsetzbar ist. Ganz am Anfang der Krankenhaus-Debatte im Kreis Calw habe man solch eine Einhaus-Lösung auch einmal tatsächlich diskutiert und geprüft. Am Ende habe sich aber die Kirchturm-Politik durchgesetzt – meint: Jede Kommune im Kreis denke letztlich nur an sich selber; und will möglichst viel für sich rausschlagen, egal wie sinnvoll das aus ökonomischer oder auch strategischer Sicht sein würde.
Prewos Mahnung lautet daher: Das vor allem durch die neuen Medien wachsende Qualitätsbewusstsein der Menschen und Patienten werde zu einer »Abstimmung mit den Füßen« führen, welche Krankenhäuser und Kliniken sie für welchen Bedarf wählten. Und Häuser, die »ständig Defizit-belastest« seien – wie mutmaßlich auch künftig jene im Kreis Calw – wären als Arbeitgeber für das beste medizinische Personal weniger attraktiv als jene Häuser, die wirtschaftlich optimal geführt würden; und wo die »Politik ständig in die Krankenhausführung hinein quatsche«, so Prewo. Womit dann auch irgendwann vermutlich die Patienten wegbleiben würden – weil die natürlich dorthin gingen, wo sie das beste medizinische Personal vorfinden würden, vermutet Prewo.
Dieser »Wettbewerb der Kliniken wird immer schärfer werden«, ist Prewo sich sicher. Weshalb er eigentlich wohl dafür plädiert, doch noch einmal das ganz große Fass in der Krankenhaus-Diskussion im Kreis Calw aufzumachen – anstatt sich jetzt mit der bereits mehrfach nachgebesserten Arbeitslösung zufriedenzugeben. Weil mit zusammen mittlerweile mehr als 150 Millionen Euro Investitionssumme, die die aktuellen Planungen bereits jetzt kosten würden in der Umsetzung, »ließe sich auch ein richtig gutes Haus bauen«, das auch als Arbeitgeber langfristig für gutes medizinisches Personal attraktiv wäre.
Einwände, die Daniel Steinrode als Moderator des Abends, für berechtigt hielt, weshalb nicht nur er davon ausgeht, dass das Thema »Krankenhaus im Kreis Calw« hier nicht zum letzten Mal besprochen wurde. »Die Diskussion wird sicher heftig weitergehen.«

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 6.7.2018
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Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 6.7.2018, Seite 25

Geschrieben am 11.05.2018

»Aus Sicht der Älteren zu begrüßen«

Interview — Vorsitzender des Kreisseniorenrats nimmt Stellung zum verabschiedeten Krankenhauskonzept 2021

Kreis Calw.
Das neue Klinikkonzept steht. Doch wie sieht es eine Gruppe, die ein ganz genaues Auge auf die Gesundheitsversorgung in der Region hat, die Senioren? Wir sprachen mit Hansjörg Hummel, Vorsitzender des Kreisseniorenrats, über den Campus, demente Senioren und das geplante KSK-Absetzgelände bei Haiterbach.

Der Kreis­tag hat dem über­ar­bei­te­ten Me­di­zin­kon­zept 2021 zu­ge­stimmt. Wie sieht man beim Kreis­se­nio­ren­rat die­se nach lan­ger De­bat­te ge­trof­fe­ne Entscheidung?

Es bleibt zu hoffen, dass damit die große Verunsicherung der Bevölkerung, gerade auch der Seniorinnen und Senioren im Landkreis, ein Ende findet, vorausgesetzt, dass nicht wieder Querschüsse aus dem Raum Calw dies verhindern.

Ist der Kreisseniorenrat mit dem neuen Konzept rundum zufrieden oder gibt es Punkte, die aus Ihrer Sicht noch nicht ausreichend geregelt sind?
Als Vertreter der Interessen der Älteren unter uns, ist es dem Kreisseniorenrat wichtig, auf folgende notwendige Ergänzungen und Aspekte bei diesem Konzept hinzuweisen: Schon bei der Einweisung in die Klinik wird aufgrund der Diagnose auch die Verweildauer im Krankenhaus festgelegt. Das bedeutet vor allem für die älteren Mitbürger, dass sie entlassen werden, auch wenn ein selbstständiges Wohnen wie vor dem Krankenhausaufenthalt noch nicht wieder gegeben ist. Das ist heute schon ein Problem, weil in diesen Fällen, auch bis zum Beginn einer Reha, eine Kurzzeitpflege notwendig ist und somit einen entsprechenden Platz in einem Heim erforderlich macht, der oft nur schwer zu bekommen ist. Hier ist geplant, zumindest in Calw auf dem Gesundheitscampus 30 Betten für diese Kurzzeitpflege vorzusehen, allein, bislang fehlt dafür ein Träger. Somit ist dieses Projekt noch nicht in trockenen Tüchern und der Kreisseniorenrat muss in dieser Sache, im Rahmen der Gesundheitskonferenz und des Beirats, am Ball bleiben. Das gilt auch für eine adäquate Lösung für den Nagolder Standort des Klinikums.

Immer öfter sind ältere Mitbürger auch von Demenz betroffen. Wie sieht es eigentlich mit deren Versorgung in den neu konzipierten Kliniken aus?
In den Seniorenzentren wurde in den vergangenen Jahren viel Kreativität eingesetzt, um die Bedingungen für demente Bewohner und deren Belange so zu gestalten, damit die Würde dieses Personenkreises erhalten bleibt. Diese Konzepte gilt es zu studieren, um daraus ein machbares Konzept für das Klinikum zu erarbeiten. Heute ist die Unterbringung von Demenzpatienten im Krankenhaus bei weitem nicht bedarfsgerecht. Auch hier besteht, auf die Neuausrichtung des Klinikums an beiden Standorten bezogen, Handlungsbedarf.

Gibt es auch außerhalb des eigentlichen Klinikkonzeptes noch Themen rund um die Krankenhäuser, mit denen sich der Kreisseniorenrat aktuell und in Zukunft beschäftigt?
Für den Standort Nagold gibt es noch eine Besonderheit, die nicht akzeptabel ist. Die Klinikgebäude befinden sich unmittelbar unter den Einflugschneisen und Warteschleifen für das geplante Absetzgelände bei Haiterbach. Es gibt zwar die Intention, hier eine Verlegung zu erreichen, aber bevor keine offizielle Änderung von den zuständigen Stellen bestätigt ist, werden wir auch an diesem Thema dranbleiben.

Sind diese genannten Punkte als Kritik am gesamten Konzept zu verstehen oder als Anregungen für die Zukunft?
Das jetzt verabschiedete Medizinkonzept ist aus Sicht der Älteren sehr zu begrüßen. Es gibt aber noch ungeklärte Handlungsfelder, die dieses Konzept nicht schmälern sollen, sondern es zu einer auch im Detail durchdachten Lösung für die Bürger machen.

Die Fragen stellte Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 3.5.2018
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2018_05_03_Aus Sicht der Älteren zu begrüßen_SchwaBo_Seite 23_Sebastian Bernklau

Geschrieben am 25.04.2018

So setzen sich die Mehrkosten zusammen

Krankenhäuser — Kliniken im Kreis werden deutlich teurer als bisher bekannt / Architekten für Calwer Neubau beauftragt

Der Calwer Kreistag hat die Medizinkonzeption 2021 beschlossen, das Projekt kann in Angriff genommen werden. Doch statt 80 Millionen Euro sollen Sanierung und Neubau der Kliniken plötzlich rund 155 Millionen Euro kosten. Wir erklären, wie die Kostensteigerung zustande kommt.

Kreis Calw.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten in Sachen Krankenhausplanung getan. Erst vor wenigen Wochen wurde beispielsweise bekannt, dass die Orthopädie nun doch in Calw bleiben, die Neurologie dafür nach Nagold verlagert werden soll. Darüber hinaus wuchs die Anzahl der Betten in beiden Häusern. Und die medizinischen Leistungen wurden erweitert. Dies schlägt sich nun auch auf die Kosten nieder.

Sanierung Nagold
Nachdem der Calwer Kreistag am Montag die aktuelle Medizinkonzeption 2021 beschlossen hatte, stimmte das Gremium auch der Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Generalsanierung und Erweiterung des Krankenhauses Nagold zu. Durch die Weiterentwicklung des Konzepts seit Juli 2017 kamen zu den ursprünglich grob veranschlagten rund 40 Millionen Euro auch neue Kostenpunkte hinzu. Diese gehen aus der Sitzungsvorlage hervor.

So wird der Neubau einer größeren Intensivstation mit insgesamt 18 Betten mit nur 3 076 000 Euro zu Buche schlagen. Ferner werden die zentrale Notaufnahme im neuen Anbau erweitert sowie eine Patientenüberwachung mit acht Betten und zusätzliche Untersuchungs– und Behandlungsräume eingebaut. Dies sei wichtig, um den absehbaren zukünftigen gesetzlichen Anforderungen der Notfallversorgung gerecht zu werden. Die Kosten: 1 722 700 Euro. Beim Einbau einer onkologischen Ambulanz in die bisherigen Bereitschaftsräume im Erdgeschoss wird mit 1 186 100 Euro gerechnet.

Darüber hinaus müssen gegenüber dem Gutachten von 2014 unter anderem zusätzliche Evakuierungstreppenhäuser sowie abgeschlossene Räume für Pufferbetten wegen des Brandschutzes gebaut werden. Dafür werden rund 6 941 000 Euro fällig.

Die geplante neurologische Station sowie die Erhöhung der Bettenzahl von 256 auf 274 kostet voraussichtlich 4 110 876 Euro.

Die Haustechnik, die zum großen Teil noch aus dem Jahr 1977 stammt, sowie die Erneuerung der Notstromversorgung in drei bestehenden Operationssälen und das Trinkwassernetz müssen erneuert werden. Mit dieser Generalsanierung würden ein Sanierungsstau beseitigt und zukünftige Unterhaltungsmaßnahmen teilweise vorweggenommen. Kostenpunkt: 15 708 500 Euro.

Die Kostengruppen medizinische Ausstattung und Medizintechnik sowie die Außenanlagen seien bislang in keinem Gutachten berücksichtigt. Diese sind jetzt in der Berechnung enthalten und schlagen mit 5 999 000 Euro.

Im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus soll die Dialyse für 2 753 900 Euro verortet werden.

Nicht zuletzt fließt auch die erwartete Preissteigerung bis zur Fertigstellung der Gesamtmaßnahme im Jahr 2022 gegenüber der Fertigstellungsannahme 2020 mit 5 126 200 Euro in die Kalkulation mit ein.

Gesamt beläuft sich die Investitionssumme für Nagold somit auf etwa 86,1 Millionen Euro. Bei einer vorsichtigen Schätzung der möglichen Förderung in Höhe von 30 Prozent müsste der Landkreis rund 60,3 Millionen Euro tragen.

Neubau Calw
Der Kreistag beschloss darüber hinaus, die Bietergemeinschaft Ingenieurbüro Vogt Planungsgesellschaft in Leipzig und der HDR aus Stuttgart, die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für Klinik und Campus, mit der Entwurfsplanung und der Kostenberechnung für den Neubau des Krankenhauses Calw zu beauftragen. Damit sei nun auch der Startschuss für Calw gefallen, erklärte Riegger. Hier könnte bereits im Frühjahr 2019 der Spatenstich erfolgen.

Die gestiegenen Kosten für Calw hängen laut Sitzungsvorlage vor allem mit der Steigerung der Bettenanzahl zusammen. So müsse pro Krankenhausbett mit 400 000 Euro Baukosten gerechnet werden. Bei 150 Betten seien das somit 60 Millionen Euro. Hinzu kommen rund zehn Millionen Euro für Grunderwerb, Erschließung des Campusgeländes und das Parkhaus (etwa 400 Stellplätze). Damit ergibt sich ein Gesamtinvest in Calw von rund 70 Millionen Euro.

Bei einer Förderquote von 50 Prozent trägt der Landkreises 30 Millionen Euro plus nichtförderfähige Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro. Für den Campus werden übrigens nochmals 25 Millionen Euro von den Partnern investiert.

Zudem entschied der Kreistag, nach einem Projektsteuerer für den Neubau des Krankenhauses Calw zu suchen. Der Hintergrund: Da wegen des Campus insgesamt vier Investitionspartner beteiligt sind, müssen die Pläne und Bauarbeiten unter diesen Partnern abgestimmt werden. Der Landkreis darf jedoch aus rechtlichen Gründen nur die Projektsteuerung für das neue Krankenhaus übernehmen, deshalb mache es Sinn, das Projekt zentral koordinieren zu lassen.

Für den Anteil des Landkreises Calw wird mit einer Honorarsumme von rund 800 000 Euro gerechnet.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 25.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 25.4.2018, Seite 19

Geschrieben am 25.04.2018

Kreistag beschließt Medizinkonzeption 2021

Klinik-Debatte — Kosten steigen wegen zusätzlicher Betten und Leistungen um fast das Doppelte/ Spatenstich für Calwer Haus 2019?

Neubau und Campus in Calw sowie die Generalsanierung in Nagold können kommen: Bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme hat der Calwer Kreistag dem Medizinkonzept 2021 zugestimmt. Die Pläne, die nun umgesetzt werden sollen, kosten aber deutlich mehr, als ursprünglich vorgesehen.

Kreis Calw.

Das öffentliche Interesse war am Montagnachmittag groß: Etliche Bürger waren ins Calwer Landratsamt gekommen, um der Sondersitzung des Kreistags beizuwohnen. Eigentlich kein Wunder – ging es doch um nicht weniger als die Zukunft der Kliniken im Kreis Calw. Ein Thema, das seit Monaten und Jahren vor allem die Einwohner von Calw und Umgebung umtreibt.

Nun wurde das Gesamtpaket geschnürt und auf den Weg gebracht – samt der 24-Stunden-Versorgung bei Schlaganfällen, Herzinfarkten und in der Unfallchirurgie sowie des Erhalts der Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie.

Landrat Helmut Riegger nannte die Entscheidung des Kreistags, das Medizinkonzept 2021 umzusetzen, im Gespräch mit unserer Zeitung einen »Beschluss mit großer, großer Tragweite«. Zu Beginn der Sitzung des Kreistags hatte er erklärt, bei dieser Medizinkonzeption gehe es »nicht um persönliche Interessen Einzelner«, sondern um eine Versorgung für Bürger des gesamten Kreises. »Dieser Blick scheint mir gerade bei einigen in Calw manchmal abhanden gekommen zu sein«, sagte er mit Blick auf die mitunter heftige Kritik und die Debatten vor allem der vergangenen Monate. Es sei die Zeit gekommen, nach vorne zu schauen und in die Umsetzung des Konzepts einzusteigen. Der Kreistag müsse dabei unter medizinischen, finanziellen und auch strukturpolitischen Gesichtspunkten entscheiden.

Eine Einheit
Im Klartext: Im ländlichen Raum sei nicht nur auf eine angemessene Versorgung sowie stemmbare Kosten, sondern auch auf die besonderen Gegebenheiten vor Ort zu achten. Deshalb sei die politische Entscheidung für ein Krankenhaus an zwei Standorten statt an einem gefallen. Dabei betonte er einmal mehr, dass die beiden Kliniken in Calw und Nagold als Einheit und nicht als Konkurrenten betrachtet werden müsse. »Das wird von vielen immer unter den Teppich gekehrt«, so der Landrat. Nun sei es wichtig zu handeln und die Fördermittel des Sozialministeriums in Anspruch zu nehmen, bevor es andere tun.

Jörg Noetzel, der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbund Südwest, gab einen Einblick in die Medizinkonzeption 2021. Mit Blick auf Fachkräftemangel, Bestrebungen, die Krankenhauslandschaft zu konzentrieren, geforderte Fallzahlen sowie steigende Kosten, erklärte er, wie wichtig es sei, dass Kliniken Schwerpunkte und jeweils eigene Profile aufweisen müssten, um den Anforderungen gerecht werden zu können. Jene Anforderungen sowie die Rahmenbedingungen würden dabei in der Regel auf Bundes– oder Landesebene festgelegt; kommunale Träger und Gremien hätten darauf kaum oder gar keinen Einfluss. Es sei wichtig, Kompetenzen an verschiedenen Standorten zu bündeln, um diese jeweils aufzuwerten. Mit Nagold als Schwerpunktkrankenhaus sowie dem Campus in Calw könne dies gelingen. Die Bettenzahlen, die sich für Nagold auf 260 bis 270 und in Calw auf 140 bis 160 (plus weitere Betten im Rahmen des Campus) belaufen, seien derzeit noch ungefähre Größen, die sich am Bedarf der Patienten orientieren. Die genaue Ausgestaltung des neurologischen Dienstes sowie die Bandbreite der Basis-Unfallchirurgie gelte es noch genauer zu definieren.

155 statt 80 Millionen
Regelrecht explodiert sind mittlerweile übrigens die Kosten für das Klinikkonzept: Die Sanierung des Nagolder Hauses soll rund 85 Millionen Euro statt der angepeilten 40 Millionen kosten, der Neubau in Calw wird 70 statt 40 Millionen verschlingen. Darüber zeigte sich unter anderem Kreisrat Ulrich Bünger bestürzt. Die Baukosten seien »wie Hefeteig im Sommer auf der Fensterbank« aufgegangen. Riegger erläuterte dazu jedoch, dass bei den Investitionen, wie sie im GÖK-Gutachten aufgelistet waren, vieles nicht berücksichtigt wurde, was nun hinzugekommen sei. Damals habe man unter anderem mit nur 105 Betten für Calw kalkuliert (pro Bett sei mit Kosten von rund 400 000 Euro zu rechnen) sowie mit Drei– statt Zwei-Zimmer-Betten für Nagold. So ließen sich die gestiegenen Kosten (von rund 80 Millionen auf etwa 155 Millionen Euro gesamt) erklären. Davon würden, so Riegger, jedoch erhebliche Summen gefördert. So übernehme das Land für Nagold rund 30, für Calw bis zu 55 Prozent der Kosten.

Insgesamt werden bis zu sieben Millionen Euro pro Jahr für die Kliniken fällig. Fünf Millionen für die Tilgung der Investitionskosten samt Zinsen, ein Defizit von zwei Millionen für den Betrieb der Kliniken. Angesichts der zusätzlichen Angebote, die im Laufe der Entwicklung des Konzepts hinzugekommen seien, habe man sich von der schwarzen Null verabschieden müssen, so Noetzel.

Der Landrat sowie zahlreiche Kreisräte appellierten an die Bevölkerung, die Angebote der Kliniken künftig zu nutzen und so das Konzept zu unterstützen.

Der Zeitplan ist indes sportlich: Bereits im Frühjahr 2019, schätzt Riegger, könnte der Spatenstich für das neue Calwer Krankenhaus erfolgen.

Endlich gibt es eine Entscheidung: Der Calwer Kreistag hat beschlossen, das Medizinkonzept 2021 umzusetzen – inklusive 24-Stunden-Notfallversorgung in Calw. Sicher, die Kostensteigerung ist enorm. Mit rund 155 Millionen Euro muss knapp doppelt so viel wie ursprünglich gedacht investiert werden. Dafür sind Bettenanzahl und Leistungen an den Standorten gewachsen. Dennoch bleiben Risiken: Was, wenn sich die Rahmenbedingungen für Krankenhäuser auf Bundes– oder Landesebene ändern? Oder die Defizite steigen? Das kann heute niemand wissen. Sicher ist aber eines: Keine Entscheidung, egal wie gut durchdacht, ist risikofrei. Insofern war es richtig, die Zeit des Zauderns zu beenden und zu handeln. Nun gilt es, dass alle Beteiligten – Patienten, Politik und Klinikmitarbeiter – an einem Strang ziehen. Dann kann das Konzept zum Erfolg werden.

(rk) Neben der Medizinkonzeption 2021 stellte der Kreistag am Montagnachmittag auch weitere Weichen für die Zukunft der Kliniken. So beschloss das Gremium unter anderem, die Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Generalsanierung und Erweiterung des Nagolder Hauses zu genehmigen, einen Architekten für den Neubau der Calwer Klinik zu beauftragen sowie das Grundstück für den geplanten Gesundheitscampus zu erwerben. Darüber sowie über die Diskussionsbeiträge der Kreisräte im Einzelnen werden wir noch berichten.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.4.2018, Seite 21

Geschrieben am 23.04.2018

Medizinkonzept mit 24-Stunden-Versorgung

In einer weiteren Sondersitzung hat der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw mit großer Mehrheit der Fortschreibung der verbesserten Medizinkonzeption aus dem Jahr 2015 zugestimmt. Der Calwer Gemeinderat begrüßt, dass der Aufsichtsrat das Medizinkonzept für das Calwer Krankenhaus angepasst hat und nun dem Kreistag am Montag, 23. April ein tragfähiger Entwurf vorgelegt wird.

Der Aufsichtsrat hat sich nochmals eindeutig für den Erhalt beider Kliniken im Kreis Calw ausgesprochen. So ist auch weiterhin eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleistet. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags und des Sozialministeriums können die Planungen für die Generalsanierung der Kliniken Nagold und den Klinikneubau auf dem Stammheimer Feld in Calw mit dem angeschlossenen Gesundheitscampus fortgeführt werden. Ursprünglich hatte der von Geschäftsführer Dr. Noetzel und Landrat Helmut Riegger eingebrachte Konzeptionsentwurf den Wegfall der 24-stündigen Versorgung der Bevölkerung mit Linksherzkatheder bei Herzinfarkten und unfallchirurgischen Leistungen sowie die Schließung der Geburtshilfe aufgrund der Defizite am Kreiskrankenhaus Calw beabsichtigt. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hat sich jedoch gegen dieses Ziel ausgesprochen und beschlossen, dass das Kreiskrankenhaus Calw weiterhin eine 24-stündige Notfallversorgung erbringen soll. Der Landkreis hat sich als Träger der Kreiskliniken intensiv mit der medizinischen Situation befasst und ist dazu bereit, in die enorm wichtige medizinische Versorgung langfristig zu investieren.

Calw soll weiterhin Akut-Klinik bleiben

In einer Sondersitzung hat der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw mit großer Mehrheit der Fortschreibung der Medizinkonzeption aus dem Jahr 2015 zugestimmt. Das bedeutet, der Entwurf wurde an veränderte Gegebenheiten angepasst.

Damit ist der ursprüngliche Vorstoß von Klinikgeschäftsführer Dr. Noetzel und Landrat Helmut Riegger vom Tisch, der den Wegfall der bestehenden 24-Stunden-Versorgung des Kreiskrankenhauses Calw im Bereich der Herzinfarktversorgung, der Unfallchirurgie sowie, aufgrund der bundesweiten Defizite, auch die Schließung der Geburtshilfe in Calw bedeutet hätte. Der Aufsichtsrat hat sich dagegen ausgesprochen und mehrheitlich beschlossen, dass Calw ein Akutkrankenhaus mit einer Rund-um-die-Uhr-Behandlung von kardiologischen, neurologischen und unfallchirurgischen Fällen bleiben soll.

Die angepasste Medizinkonzeption sieht vor, dass die Neurologische Klinik inklusive Stroke Unit an den Standort Nagold verlagert wird. Am Standort Nagold wird das breite internistische Spektrum mit Kardiologie, Gastroenterologie mit onkologischer Tagesklinik sowie die Allgemein– und Viszeralchirurgie und Urologie bleiben, des Weiteren wird das unfallchirurgische Angebot erweitert.

Der künftige Calwer Gesundheitscampus
Im Krankenhaus Calw soll es neben dem neuen Gesundheitscampus auch zukünftig eine Orthopädie mit Basis-Unfallchirurgie sowie eine Basis-Bauchchirurgie im 24-Dienst geben. Die vorhandene Innere Medizin/Kardiologie mit 24-Stunden-Notfall-Herzkatheterversorgung soll um geriatrische Angebote ergänzt und erweitert werden. Weiterhin ist eine neurologische Versorgung unter anderem mit zusätzlichen Schmerzbetten gewährleistet. Die bereits seit dem Jahr 2015 bestehende und sehr erfolgreiche Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie bleibt weiterhin im stationären Angebot bestehen. Mit der guten Personalauswahl ist es gelungen, einen neuen, sogar bundesweiten Leuchtturm medizinscher Kompetenz im Landkreis Calw aufzubauen; denn CA Dr. Praski wird im Focus unter den 100 besten Gynäkologen gelistet. Künftig wird an beiden Standorten auch eine Intensivstation und Notaufnahme sowie eine OP-Bereitschaft rund um die Uhr vorgehalten.

Durch die Einbettung des Neubaus der Kliniken Calw in den geplanten Gesundheitscampus mit einer Klinik für Psychosomatik (30 Betten) und psychiatrischer Tagesklinik (12 Plätze), einem ambulanten Dialysezentrum (25 Behandlungsplätze) sowie dem Haus der Gesundheit mit Praxen, Pflegediensten und AOK-Einrichtungen ergeben sich ideale Voraussetzungen für die Verzahnung stationärer und ambulanter Angebote.

Mit der Neuordnung der Disziplinen in Calw und Nagold – die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kreistags sowie des Sozialministeriums steht – sehen sowohl Riegger als auch Noetzel die stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Calw für die Zukunft bestens aufgestellt.

Erleichterung in Calw
Die wesentlichen Hauptänderungen hat das Landratsamt mit einer Pressemitteilung kommuniziert. Der Gemeinderat ist froh, dass weiterhin in Calw ein Krankenhaus mit einem 24-Dienst vorgesehen ist, da Notfälle rund um die Uhr eintreten.

Bei der öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats am Samstag, 7. April, wurden drei wesentliche Kernforderungen an das Medizinkonzept aufgestellt. So ist inzwischen zu begrüßen, dass im Medizinkonzept der Fortbestand der Geburtshilfe und Gynäkologie enthalten ist und die Unfallchirurgie/Orthopädie sowie die Innere Medizin/Linksherzkatheder im 24-Dienst mit Personal des Calwer Krankenhauses geleistet wird. Der Gemeinderat legt Wert darauf, dass die bisher versprochenen medizinischen Leistungen umgesetzt und beibehalten werden.

Damit Calw weiterhin für alle Fälle gerüstet ist, sind jetzt neben den Kommunalpolitikern auch die Bürger gefragt:

Machen Sie sich stark, für ein künftiges Krankenhaus mit einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Sprechen Sie die Kreisräte und den Landrat an, die mit ihrer Stimme über die Zukunft entscheiden, und kommen Sie zur Kreistagssitzung am Montag, 23. April, um 15 Uhr im Landratsamt.

Calw Journal vom 20.4.2018
Artikel Calw Journal S. 3 vom 20.4.2018

Geschrieben am 23.04.2018

Kommen Sie am Montag, den 23. April 2018, um 15 Uhr zu der Kreistagssitzung ins Landratsamt Calw.

Die Bürgerinitiative pro Krankenhäuser und die Organisatoren der „Ärzte-Appelle” begrüßen die Entscheidung des Aufsichtsrats über die medizinische Konzeption mit vorsichtigem Optimismus.

Vor der Entscheidung des Kreistags gilt es jedoch, unpräzise Formulierungen in der Presseerklärung des Landratsamtes konkret zu fassen. Es dürfen bei der Entscheidung und bei der Umsetzung der Konzeption keine Unklarheiten bleiben. Zu den ungenauen Formulierungen gehören die Begriffe „Basis-Unfallchirurgie“, „Basis-Bauchchirurgie“ und „neurologischer Dienst“. Die Umsetzung des Konzeptes muss sich an Aussagen des Landrats messen lassen, in denen er eine vollumfängliche wohnortnahe und zukunftsfähige medizinische Versorgung einschließlich der Notfalldienste versprochen hat.

Für uns ist weiterhin unverzichtbar:

O der Verbleib der Orthopädie zusammen mit dem Unfallchirurgischen Schwerpunkt in Calw
O die Bauchchirurgische Grundversorgung 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche
O die Organisation eines neurologischen Dienstes, der auch die Versorgung von Schlaganfall-Patienten in Calw 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche gewährleistet
O der Erhalt des jetzigen Status der Kardiologie mit der notfallmäßigen Herzkatheter-Versorgung von Herzinfarktpatienten 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche
O die bindende Zusage für die Weiterführung der Vollabteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Standort Calw
O die bindende Zusage für eine funktionsfähige Intensivstation, Notaufnahme und OP-Bereitschaft rund um die Uhr

Wir bitten Sie als Bürgerinnen und Bürger in Calw und der Region um Calw:
Kommen Sie am Montag, den 23. April 2018, um 15 Uhr zu der Kreistagssitzung ins Landratsamt Calw.

Helfen Sie mit, die gute Gesundheitsversorgung im Kreis zu erhalten.
Verleihen Sie durch Ihre Präsenz den Forderungen der Ärzteschaft und der Bürgerinitiative den entsprechenden Nachdruck.

Dr. E. Bantel, Dr. H. Haug, Dr. R. Johnen, Prof. B. Neufang, Dr. E. Prokein, Dr. U. Roth, Dr. H. Strasser

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Geschrieben am 16.04.2018

Versorgung rund um die Uhr geplant

Krankenhäuser — Aufsichtsrat stimmt mit großer Mehrheit für Fortschreibung der Medizinkonzeption

Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hat entschieden: Geht es nach dem Willen des Gremiums, wird es im geplanten Calwer Krankenhaus eine 24-Stunden-Versorgung bei Schlaganfällen, Herzinfarkten und in der Unfallchirurgie geben. Am 23. April ist nun der Kreistag am Zug.

Kreis Calw.
In jüngster Zeit herrschte in Calw und Umgebung große Aufregung wegen der möglichen Zukunft der Klinik in der Hesse-Stadt. Der Grund: Das kürzlich bekannt gewordene Medizinkonzept sah für den Standort keine 24-Stunden-Versorgung bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder unfallchirurgischen Eingriffen mehr vor. Laut einer Pressemitteilung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken Calw vom Freitagnachmittag soll es diese 24-Stunden-Versorgung nun allerdings doch geben. Das bestätigte Anja Härtel, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Pressemitteilung
Wörtlich heißt es in dem Schreiben: »Die angepasste Medizinkonzeption sieht vor, dass die Neurologische Klinik inklusive Stroke Unit an den Standort Nagold verlagert wird. Das breite internistische Spektrum mit Kardiologie, Gastroenterologie mit onkologischer Tagesklinik sowie die Allgemein– und Viszeralchirurgie und Urologie bleiben erhalten. Das unfallchirurgische Angebot wird erweitert.
Im Krankenhaus Calw soll es neben dem neuen Gesundheitscampus auch zukünftig eine starke Orthopädie mit Basis-Unfallchirurgie sowie eine Basis-Bauchchirurgie geben. Die vorhandene Innere Medizin/Kardiologie mit 24-Stunden-Notfall-Herzkatheterversorgung soll um geriatrische Angebote ergänzt und erweitert werden. Weiterhin sind neben einem neurologischen Dienst unter anderem zusätzliche Schmerzbetten geplant.« Darüber hinaus bleibe die Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie »weiterhin im stationären Angebot enthalten« – eine Forderung, die ebenso wie jene nach einer 24-Stunden-Versorgung zuletzt vor allem von zahlreichen Ärzten im Kreis, der Bürgerinitiative Krankenhaus sowie Calws OB Ralf Eggert geäußert worden war.
Sowohl in Calw als auch in Nagold soll außerdem auch künftig eine Intensivstation und Notaufnahme sowie eine OP-Bereitschaft rund um die Uhr vorgehalten werden.
Diesem Konzept habe der Aufsichtsrat laut der Pressemitteilung in einer Sondersitzung in dieser Woche mit großer Mehrheit zugestimmt und sich zudem nochmals eindeutig für den Erhalt beider Kliniken im Kreis ausgesprochen.
Stimmten nun noch der Kreistag in seiner Sitzung am 23. April sowie das Sozialministerium zu, könnten die Planungen für die Sanierung der Kliniken Nagold und den Neubau auf dem Stammheimer Feld in Calw mit Gesundheitscampus fortgeführt werden.
»Ein Konzept an veränderte Gegebenheiten anzupassen, um zukunftsfähig zu bleiben, ist nur konsequent«, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger. »Die Medizinkonzeption generell in Abrede zu stellen oder weiter auf Zeit zu spielen, schadet hingegen dem Gesamtprojekt zur Neuaufstellung der stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw.«
Der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Jörg Noetzel, erläuterte laut der Meldung den Hintergrund der Anpassung: »Die Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser haben sich massiv verschärft. Mindestmengen, Qualitätsvorgaben, Mindestbesetzungen und Fachkräftemangel sind die wesentlichen Herausforderungen, die mindestens so schwer wiegen wie ökonomische Fragestellungen und uns auch noch in Zukunft beschäftigen werden. Von daher ist es wichtig, die bestehenden Angebote so zu sortieren, dass beide Häuser neben der wohnortnahen Notfallversorgung auch ein profiliertes Spektrum anbieten.«
Durch die Einbettung des Neubaus der Kliniken Calw in den geplanten Gesundheitscampus würden stationäre und ambulante Angebote verzahnt. Mit der Neuordnung der Disziplinen an den Klinikstandorten Calw und Nagold sehen sowohl Riegger als auch Noetzel die stationäre medizinische Versorgung im Landkreis Calw für die Zukunft bestens aufgestellt.

Reaktionen
Die nun bekannt gewordenen Pläne des Aufsichtsrates sorgten bei Vertretern der Anzeigenärzte sowie der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus indes für »vorsichtigen Optimismus«. So erklärte Ewald Prokein auf Nachfrage unserer Zeitung, wenn nun alles so umgesetzt werde wie vom Aufsichtsrat empfohlen, »hört sich das recht positiv an«. Eine funktionierende Notfallversorgung sowie der Erhalt der Gynäkologie komme den Zielen der BI und der Ärzte entgegen. Denn: »Wir brauchen auf jeden Fall diese 24-Stunden-Versorgung«, betonte er.
Auch Eberhard Bantel erklärte, natürlich seien BI und Ärzte zufrieden, wenn deren zentrale Forderungen umgesetzt würden. Noch immer gebe es aber die Befürchtung, dass der Kreistag das Konzept kippen könne. »Deshalb brauchen wir auch weiterhin die Unterstützung der Bevölkerung«, so Bantel. Diese solle weiterhin präsent bleiben und auch zur Kreistagssitzung am 23. April kommen, um den »Forderungen Nachdruck zu verleihen«. Dazu zähle neben der Grundversorgung auch der Erhalt der Geburtshilfe.
Calws OB Ralf Eggert zeigte sich erleichtert über die Entwicklung und sprach von einer »guten Entscheidung« sowie einem »guten Konzept«. »Ich bin froh, dass der Aufsichtsrat zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die 24-Stunden-Versorgung erhalten bleiben soll«, sagte er. Diese Art der Versorgung sei es auch, die die Bevölkerung von einem Krankenhaus erwarte. Sein Dank gelte der Geschäftsführung der Kliniken, dem Aufsichtsrat und vor allem Landrat Riegger. Auch Eggert bittet die Bürger nun, zur Kreistagssitzung zu kommen sowie mit dem Landrat und den Kreisräten in Kontakt zu treten. So könne die Bevölkerung ihr Interesse daran bekunden, »dass dieses vom Aufsichtsrat nun in langer Sitzung mehrheitlich verabschiedete Ergebnis auch umgesetzt wird«.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.4.2018
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Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.4.2018, Seite 25

Geschrieben am 12.04.2018

Das sagt das Landratsamt

INFO zum Artikel »Beim Herzinfarkt zählt jede Minute« im Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018

Während BI und OB Eggert sich besorgt über die möglichen Konsequenzen der derzeitigen Medizinkonzeption äußern, zeigt man im Landratsamt durchaus Verständnis für die Hesse-Stadt. So sei es legitim, dass die Stadt Calw und der Gemeinderat Wünsche zur Ausgestaltung der Medizinkonzeption zum Ausdruck bringen. Die Entscheidungen hierzu treffe allerdings der Aufsichtsrat der Kreiskliniken und letztendlich der Kreistag. »Beide Gremien befassen sich schon seit längerer Zeit sehr intensiv mit der Thematik«, heißt es in einer Stellung des Landratsamtes. »Im Übrigen hat der Aufsichtsrat bereits vor den öffentlichen Forderungen der BI (zum Beispiel über die Anzeige im Schwarzwälder Boten vom 7. April) in seiner letzten Sitzung am 19. März verschiedene Prüfaufträge zur Ausgestaltung der Notfallversorgung an die Geschäftsführung erteilt.« Deren Ergebnisse würden in der nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung am 11. April vorgestellt.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018

Geschrieben am 12.04.2018

Beim Herzinfarkt zählt jede Minute

Medizinkonzept — BI, OB Eggert und Kardiologen fürchten drastische Einschnitte, wenn 24-Stunden-Versorgung wegfällt

Die Medizinkonzeption »Szenario 2021« für das Calwer Krankenhaus schlägt hohe Wellen. In einem Pressegespräch formulierten die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw und Ralf Eggert, Oberbürgermeister der Hesse-Stadt, nun nochmals ihre Forderungen – und schlugen auch eine Lösung vor.

Kreis Calw.
Eingriffe bei Herzinfarkten, Schlaganfällen und Unfällen sollen in Calw künftig nur noch von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr möglich sein – so sieht es das neueste Medizinkonzept für die Kliniken im Kreis vor, das dieser Tage öffentlich bekannt gemacht wurde.
Bereits in der Kreistagssitzung am 23. April soll genau dieses Konzept beraten und vielleicht sogar beschlossen werden.
Ein Konzept, das an sich laut Calws OB Ralf Eggert »per se kein schlechtes« sei. Was nun noch fehle, damit es auch im nördlichen Teil des Landkreises Calw auf Gegenliebe stoße, sei überschaubar und »keine unverhältnismäßige Forderung«. Dazu gehöre unter anderem eine Versorgung, die nicht nur während des Tagesdienstes (von 8 bis 16 Uhr) sondern auch abends, nachts und am Wochenende gewährleistet werden könne. Alles, was dazu nötig sei, sei ein eigener Bereitschaftsdienst für Calw, führten Eggert sowie Bernd Neufang und Eberhard Bantel von der BI in einem Pressegespräch aus.
Notdienst nur in Nagold?
Bislang sei angedacht, lediglich in Nagold einen Bereitschaftsdienst zu unterhalten, der von dort aus sowohl für Calw als auch für Nagold zuständig wäre. Eggert fürchtet, sollte es dabei bleiben, dass dieser Notdienst dann wohl nicht nach Calw fahren werde, da sonst Nagold unbesetzt bliebe. Alternativ müsste ein betroffener Patient dann jedoch nach Nagold gebracht werden. Neufang bewertet diese mögliche Situation als verheerend. Denn: »Beim Herzinfarkt zählt jede Minute«, erklärte er.
Bantel sieht unterdessen noch eine weitere Gefahr: Sollte sich herumsprechen, dass Patienten bei Komplikationen wegen einer fehlenden 24-Stunden-Bereitschaft nach Nagold verlegt werden müssen, würden sich über kurz oder lang wahrscheinlich sowohl Patienten als auch Not– und einweisende Ärzte überlegen, ob das Calwer Krankenhaus überhaupt noch eine ausreichende Versorgung bieten könne. Vor allem Mediziner würden die Calwer Klinik dann kaum noch guten Gewissens empfehlen können.
Aber auch die Zukunft der Geburtshilfe und Gynäkologie sind der BI und Eggert ein Anliegen. Denn: Die Klinik gilt als gefährdet und soll wegen der chronisch defizitären Geburtshilfe geschlossen werden, sollte nicht bis Ende des Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis unter dem Strich stehen. Neufang betonte jedoch, dass Geburtshilfeabteilungen zwangsläufig defizitär seien. Das Krankenhaus in Herrenberg verzeichne beispielsweise rund 1200 Geburten im Jahr; dennoch fahre es etwa eine Million Euro Verlust jährlich ein. Es sei nötig, die Abteilung in Calw offen zu halten, da sonst – so hätten Geburtshelfer es errechnet – von den rund 500 Geburten (im Einzugsbereich des Calwer Krankenhauses) pro Jahr etwa 20 auf dem Weg zu einer geeigneten Klinik geschehen würden. Eggert fügte hinzu, dass zwar auch Nagold keine Geburtsabteilung mehr habe, dass die Betroffenen von dort aus jedoch schnell nach Herrenberg gelangen könnten.
Doch nicht nur die BI und Eggert fürchten, dass die Versorgung im Calwer Krankenhaus durch die derzeit bekannten Änderungen des Konzeptes schlechter werden könnte.
In einer Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt, melden sich nun auch Christoph Dempe und Bernhard Plappert, niedergelassene Kardiologen in Calw, zu Wort. Ihr Urteil fällt dabei ernüchternd aus: Ein Abschied von der 24-Stunden-Bereitschaft werde eine dramatische Verschlechterung der Versorgungssituation von kardiologischen und neurologischen Patienten nach sich ziehen, erklären die Mediziner.
Der Hintergrund: Bislang hat das Calwer Krankenhaus eine Zertifizierung als Chest Pain Units (CPU) durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Eine CPU ist eine Diagnostik– und Therapieeinheit zur Versorgung von Patienten mit unklarem Brustschmerz, die bestimmten Kriterien genügen muss und somit einen gewissen Qualitätsstandard erreicht hat.
Sinkende Qualität
Sobald es jedoch keine 24-Stunden-Bereitschaft in Calw mehr gebe, verliere das Krankenhaus umgehend die CPU-Zertifizierung, erklären die Ärzte in ihrer Stellungnahme. Die Folge: Die Qualität der Herzinfarktversorgung werde nicht mehr regelmäßig überprüft und somit über kurz oder lang nicht mehr den erforderlichen Ansprüchen gerecht.
Darüber hinaus sei zu bedenken, dass eine Komplikation nach Eingriffen an den Herzkranzgefäßen (vereinfacht gesagt die Erweiterung von Herzkranzarterien und das Offenhalten mit einem Stent) eine Gerinnselbildung im Gefäß sein kann, welche sofort wieder zu beseitigen ist. Ein Transport solcher Patienten nach Nagold (sollte der Eingriff wegen der fehlenden 24-Stunden-Bereitschaft in Calw nicht mehr möglich sein) berge wegen des schlechten gesundheitlichen Zustands solcher Patienten enorme Risiken.
Nicht zuletzt sinke die Zahl der Eingriffe bei Herzinfarkten und in Folge auch sonstiger Koronareingriffe deutlich, wenn der Infarkt nicht mehr rund um die Uhr behandelt werden kann. Dieser Umstand sowie die wegfallende CPU-Zertifizierung könnten das Calwer Krankenhaus somit auch zu einem unattraktiven Arbeitsplatz machen; erfahrene Ärzte würden die Klinik dann möglicherweise verlassen oder erst gar nicht mehr als Wirkungsstätte wählen.
»Grob fahrlässig«
Werde die Zahl der geforderten Untersuchungen pro Untersucher nicht gehalten, werde das Herzkatheterlabor aber ohnehin über kurz oder lang vermutlich geschlossen. Denn: Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie als auch die Krankenkassen, so führen Dempe und Plappert aus, würden offen die Ansicht vertreten, dass nur Labore mit einer 24-Stunden-Bereitschaft notwendig und somit überlebensfähig seien.
Ähnlich verhalte es sich im Übrigen bei der Behandlung von Schlaganfällen. Auch hier müsse schnellstmöglich reagiert werden, um Hirnfunktionen retten zu können – was ebenfalls nur mit einer Versorgung rund um die Uhr möglich sei.
Für Bantel sind diese Ausführungen ein klarer Appell dafür, dass eine 24-Stunden-Bereitschaft nun mal nicht gekürzt werden könne. Und wenn führende Kardiologen dies bekräftigten und auf massive Gefahren hinwiesen, sei es seiner Meinung nach »grob fahrlässig«, eine Abschaffung des 24-Stunden-Dienstes in Erwägung zu ziehen. Man könne einem Patienten darüber hinaus auch nicht sagen »hab deinen Herzinfarkt gefälligst um 14 Uhr«.
Zudem teilt Bantel die Befürchtung von Dempe und Plappert, die Calwer Klinik könnte unter den derzeitig geplanten Bedingungen kein attraktiver Arbeitsplatz mehr sein. Und nicht nur das: Sollte es nur noch einen Bereitschaftsdienst für beide Häuser geben, könne dies bedeuten, dass – je nach Notfällen und entsprechendem Bedarf – immer eine der beiden Kliniken vernachlässigt werden müsste. Dies wiederum sei auch für Ärzte keine attraktive Berufsperspektive. Langfristig könne dies einen Verlust an qualifiziertem Personal nach sich ziehen, was dann früher oder später auch Auswirkungen auf Nagold hätte.
Neufang fügte hinzu, dass bei sinkenden Fallzahlen in Calw (was bei einem Wegfall der 24-Stunden-Bereitschaft wohl der Fall sei) auch die Weiterbildungsberechtigungen für die Mediziner vor Ort rückläufig wären. Ohne Weiterbildungen werde der Standort Calw weniger interessant für junge Ärzte – von denen sich in der Vergangenheit auch einige als Hausärzte in der Region niedergelassen hätten. Letztlich sei es somit möglich, dass auch der Hausarzt-Mangel weiter befördert werde.
Sowohl die BI als auch Eggert halten es nun für wichtig, dass der Kreistag nicht bereits am 23. April über das derzeit geplante Konzept beschließt, sondern vor einer Entscheidung die Überlegungen und Pläne den Bürgern vorzustellen. Gut sei, dass mittlerweile die BI und die Kreisärzteschaft ins Boot geholt wurden, nun gelte es aber noch, auch die Bevölkerung mitzunehmen. Erst am Ende solle der Beschluss des Kreistags stehen.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018
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Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018, Seite 19

Geschrieben am 10.04.2018

Calw muss ein Akut-Krankenhaus bleiben

Neufassung des Medizinkonzepts zum Calwer Gesundheitscampus liegt vor

Wie der Gesundheitscampus in Calw einmal aussehen wird, ist jetzt klar (siehe unten). Die gewünschte Architektur ist gewählt. Jetzt muss es wieder um die Inhalte gehen. Den Kreisräten liegt seit Kurzem das neue Medizinkonzept 2021 vor und birgt Stoff für reichlich Diskussion. Oberbürgermeister Ralf Eggert und die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw (BI) sehen die Neufassung kritisch.

Orthopädie/ Chirurgie
Entgegen der ursprünglichen Planung bleibt die Orthopädie in Calw. Vorgesehen ist aber nur Alterstraumatologie, Basis-Allgemeinund Unfallchirurgie im Tagdienst – nicht nachts und nicht an den Wochenenden. Damit würde eine orthopädische Fachklinik entstehen, die tagsüber durch Basischirurgie ergänzt werden soll.
Das bedeutet: Es gibt keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen der Woche. Die mit zwei Assistenzärzten ab 16 Uhr besetzte Klinik führt nach 16 Uhr und an den Wochenenden in der Regel keine Notfall-Operationen mehr aus. Dies widerspricht eindeutig den bisherigen Zusagen, eine Akutklinik in Calw zu halten.
Daher fordern die Große Kreisstadt Calw und die BI: Entsprechend der Zusage des Landrats „in Calw können weiterhin Unfälle als Notfall behandelt werden“, ist wie bisher eine unfallchirurgische Versorgung rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche nötig.

Innere Medizin
Diese Abteilung wird ebenfalls abgestuft zur eingeschränkten Behandlung von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr; das heißt nur im Tagesdienst an den Werktagen gibt es einen Notfall-Linksherzkatheter. Die eingeschränkten Leistungszeiten gelten nun ebenfalls für die Basis Gastroenterologie, Endoskopie und die Onkologie. Damit rücken der Kreistag und der Landrat von ihrer Zusage ab, dass entsprechende akute Krankheitsbilder weiterhin in Calw an 24 Stunden und sieben Tage die Woche behandelt werden können.
Daher fordern die Große Kreisstadt Calw und die BI: Entsprechend der Zusage des Landrats „in Calw können weiterhin Herzinfarkte und Schlaganfälle behandelt werden“ ist ein Notfall-Linksherzkatheter rund um die Uhr für Calw unverzichtbar.

Neurologie
Diese wird entgegen der ursprünglichen Planung einschließlich Stroke-Unit dem Standort Nagold zugeordnet. Damit liegt ein Abrücken des Landrats von seinem Versprechen „in Calw können weiterhin Schlaganfälle behandelt werden“, vor. Das Problem ist die zeitgerechte Versorgung von Schlaganfallpatienten. Hier gilt das Gleiche wie beim Herzinfarkt.

Gynäkologie/Geburtshilfe
Mit der guten Personalauswahl ist es gelungen, einen neuen, sogar bundesweiten Leuchtturm medizinscher Kompetenz im Landkreis Calw aufzubauen; denn CA Dr. Praski wird im Focus unter den 100 besten Gynäkologen gelistet werden. Trotzdem ist die Klinik gefährdet und soll wegen der chronisch defizitären Geburtshilfe geschlossen werden, sollte nicht bis Ende des Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis unter dem Strich stehen. Der Kreistag hatte aber entschieden das Defizit tragen zu wollen, um die Abteilung in Calw beizubehalten.
Forderung der Großen Kreisstadt Calw und der BI: Diese Klinik ist zur guten Versorgung junger Familien im ländlichen Raum unverzichtbar. Sie ist bundesweit medizinisch herausragend erfolgreich. Sie wird sehr gut angenommen und bietet eine herausragende Qualität. Das Problem der Gewinnung von Hebammen und Ärzten wurde stets gelöst und ist auch in der Zukunft lösbar. Es ist unverständlich, dass wegen der Tatsache, dass bundesweit Geburtshilfen nur defizitär betrieben werden können, keine Kinder mehr im Krankenhaus Calw geboren werden sollen.

Geriatrie
Ein positiver Aspekt: Die Geriatrie soll in Calw auf– beziehungsweise ausgebaut werden. Der Ausbau der Kompetenz zur Versorgung älterer Patienten vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist eine gute Entwicklung. Aber: Für die Geriatrie ist eine fachärztliche und stationäre neurologische Versorgung notwendig.

Machen Sie sich stark für eine gute medizinische Versorgung in Calw!
Damit Calw weiterhin für alle Fälle gerüstet ist, sind jetzt neben den Kommunalpolitikern auch die Bürger gefragt:
Machen Sie sich stark, für ein künftiges Krankenhaus mit einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Sprechen Sie die Kreisräte und den Landrat an, die mit ihrer Stimme über
die Zukunft entscheiden, und kommen Sie zur Kreistagssitzung am Montag, 23. April, um 15 Uhr im Landratsamt.

Calw Journal vom 06.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Artikel Calw Journal S. 3 vom 06.4.2018