Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 18.12.2019

Der Knopf ist dran

Calwer Kreistag hat den 63 Millionen Euro teuren Neubau des Calwer Krankenhauses auf den Weg gebracht

Am Ende war es doch noch eine schwere Geburt: Der Calwer Kreistag hat die Baufreigabe für das neue, 63 Millionen Euro teure Calwer Krankenhauses erteilt. Nach einer mehr als einstündigen Debatte war dem Ersten Landesbeamten Frank Wiehe aber der Geduldsfaden gerissen.

Kreis Calw. »Wir müssen endlich mal den Knopf dran machen. Es ist unglaublich, wie lange hier über so was diskutiert wird«, sagte ein sichtlich genervter Landratsstellvertreter, nachdem Kritik aus dem Kreistag an dem Projekt nicht abebben wollte und Kreisräte aller Couleur, unterm Beifall anwesender Mitglieder der Calwer Bürgerinitiative, weitere Nachbesserungen gefordert hatten. »In der Zeit ziehen uns andere davon«, erklärte Wiehe.

Zuvor hatte der Stuttgarter Architekt Malte Hofmeister das Projekt mit seinen 22 487 Quadratmeter Geschossfläche nochmals dem Kreistag vorgestellt. Neu aufgenommen wurde in dem 154-Betten-Haus auf Wunsch der Chefärzte der Calwer Klinik die bis dato nicht vorgesehene Kühlung der Patientenzimmer, die mit weiteren 2,7 Millionen Euro zu Buche schlägt. Damit erhöhen sich die Baukosten auf 63,6 Millionen Euro – umgerechnet 412 000 Euro pro Bett. Laut Kreiskämmerer Reusch »bundesweiter Benchmark«, also Top-Wert.

Doch genau diese Kostenkalkulation ist von mehreren Kreisräten angezweifelt worden. So auch von Otakar Zoufaly (Freie Wähler), der aber dann doch lieber den »Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach« wählte, auch wenn er in der Rückschau eine Einhäusigkeit für »wirtschaftlicher und nachhaltiger« gehalten hätte. Auch sein Fraktionskollege Martin Handel, selbst Chefarzt in der Calwer Klinik, forderte Nachbesserungen für sein Haus. Die Bettenzahl sei viel zu klein, befand er: »Da muss eine Station aufgestockt werden.« Ins selbe Horn stieß Eberhard Bantel, der unter dem Applaus der BI-Zuhörer Landrat Helmut Riegger an seine Zusage erinnerte, in Calw ein Notfallversorgungszentrum einzurichten.

Der Kreischef selbst sprach von einem »super modernen Krankenhaus«, das hier auf der Stammheimer Höhe gebaut werde und den Patienten eine bestmögliche Versorgung biete. Riegger wurde aber noch deutlicher: »Ohne den Neubau hätten wir in Calw gar nichts. Wenn wir das Thema Campus nicht so forciert hätten, weiß ich nicht, ob wir diese zwei Klinikstandorte durchgebracht hätten.«

Kritik von mehreren Seiten kam auch an der geplanten Verlagerung der zentralen Sterilgutversorgungsabteilung von Calw nach Nagold auf. Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, verteidigte diese Planungen. Dies sei eine Frage der Logistik: »Wichtig ist, dass es funktioniert.« Und in Nagold sei es baulich eben günstiger umzusetzen.

Schließlich drängte Landrat Riegger zur Abstimmung. Bei vier Enthaltungen ohne Gegenstimme wurde der Calwer Klinikneubau abgesegnet. Sein Plazet gab der Kreistag auch für die zusätzlichen 5,7 Millionen Euro, die für die Kühlung der Patientenzimmer im Nagolder Krankenhaus ausgegeben werden.

Dafür hatte der Landrat aber gute Nachrichten aus dem Sozialministerium parat. Bislang ging man bei der Klinikerweiterung in Nagold von einer 30-prozentigen Förderung des Landes aus. Diese wird, dank einer »reifen Verhandlungsleistung« der Kreisspitze, wie SPD-Kreisrat Rainer Prewo lobend befand, im ersten Bauabschnitt auf 50 Prozent aufgestockt. Heißt: Von den 44 Millionen Euro zahlt das Land nun die Hälfte. Die zehn Millionen Euro mehr, die dadurch in die Kreiskasse fließen, seien »echtem Teamwork« zu verdanken, sagte der Landrat, in Landes– und Bundesministerien bekannt für sein hartnäckiges Verhandlungsgeschick.

Doch diese guten Nachrichten hatten die Mitglieder der Calwer Bürgerinitiative nicht mehr mitbekommen, weil sie zuvor – sehr zum Ärgernis des Kreischefs – großteils den Sitzungssaal verlassen hatten: »Das finde ich nicht in Ordnung«, befand Riegger, »wenn’s um Nagold geht, interessiert’s einen nicht mehr.«

Was CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann wiederum mit der nüchternen Feststellung quittierte: »Dankbarkeit ist in der politischen Welt keine feste Kategorie.«

Manche Dinge kann man sich nur im Öffentlichen Dienst erlauben. Man staunt, dass ein amtierender Chefarzt wie Martin Handel als Kreisrat nicht als befangen vom Sitzungstisch abrücken muss, wenn es um die Zukunft der eigenen Klinik geht. Dass er sich zudem – intern wie öffentlich – als Kritiker der Calwer Klinikpläne profiliert, mag der besonderen Freiheit der Andersdenken im Kreistag geschuldet sein. In der freien Wirtschaft hätte er als Führungskraft mit dieser exponierten Haltung zum eigenen Haus ein Problem. Aber diese Geplänkel gehören mit dem Baubeschluss zum Glück der Vergangenheit an. Dass sich der Kreis mit diesen Mammutaufgaben nicht übernimmt, ist dem Landrat zu verdanken, der für Kliniken und Hessebahn zig Millionen Euro Förderung zusätzlich vom Land loseiste. Dieser Mann ist für den klammen Kreis ein Segen.

Von Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 18.12.2019

Geschrieben am 18.12.2019

Der Klimaschutz ist allgegenwärtig

Finanzen — Große Mehrheit stimmt für den Kreishaushalt 2020 / Nur AfD verwehrt die Zustimmung

Der Kreistag hat am späten Montagnachmittag den Kreishaushalt 2020 mit großer Mehrheit beschlossen. Einzig die vier AfD-Räte stimmten gegen den Etat.

Kreis Calw. Die Kreisumlage, die die Städte und Gemeinden an den Landkreis entrichten, liegt im Etat 2020 bei 30,0 Prozent, was dem Kreis Einnahmen von fast 68 Millionen Euro beschert. Die Nettokreditaufnahme liegt bei 6,5 Millionen Euro. Ursprünglich waren zehn Millionen geplant.

In ihren Haushaltsreden nahmen die Vorsitzenden der Fraktionen Stellung zum Kreishaushalt. CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann forderte in seiner Rede die Verbesserung der Mobilität im Kreis – der realen wie der virtuellen. Auf die Umsetzung der Hesse-Bahn müsse deshalb die Anbindung des südlichen Landkreises an Stuttgart über den Metropolexpress folgen, forderte Großmann, der einen Start für den Metropolexpress für das Jahr 2026 anvisiert. Ein ebenfalls wichtiger Schritt im Jahr 2020 sei die Umsetzung des Nahverkehrsplans.

Darüber hinaus visiert der Nagolder OB für den Kreis Calw eine Außenstelle der Hochschule Pforzheim nach dem Vorbild des Hochschulcampus in Freudenstadt an.

Großmann gab ein klares Bekenntnis zum Medizinkonzept für die beiden
Krankenhäuser in Calw und Nagold ab. Allerdings dürften die jährlichen Verluste der Kliniken in den kommenden Jahren die fünf Millionen Euro nicht überschreiten. Großmanns in seiner Rede vorgebrachte Forderung, im kommenden Jahr statt zwei Millionen nun 2,2 Millionen Euro für die Sanierung der Kreisstraßen auszugeben, wurde vom Kreistag abgeschmettert. Nur die CDUFraktion stimmte für diesen Vorschlag.

Der Fraktionschef der Freien Wähler, Volker Schuler, zeigte sich in seiner
Haushaltsrede mit der aktuellen Lage prinzipiell zufrieden, auch die Kreisumlage von 30 Prozent sei noch akzeptabel. Allerdings erkaufe man sich die Umsetzung der Großprojekte mit einer hohen Verschuldung. Auf diesem Gebiet sei Vorsicht geboten, Verschuldung gehe nicht unbegrenzt. Aus diesem Grund plädierte Schuler dafür, Projekte wie die Landratsamtserweiterung und die Straßenmeistereien hintereinander und nicht parallel umzusetzen.

Trotz aller prinzipiellen Zufriedenheit sieht Schuler auch nicht unerhebliche Probleme im Landkreis: angefangen vom weiter steigenden Defizit der Kliniken, über das teure Engagement in Sachen Breitband, die Versorgung mit Mobilfunk bis hin zur Ärzteversorgung. Mit dem Blick in die Zukunft mahnte Schuler mehr Engagement in Sachen Digitalisierung und Klimaschutz an – von Hybrid-Bussen und einem besseren ÖPNV bis hin zu Werbekampagnen zur Müllvermeidung. Was die Kliniken angeht, will der Ebhäuser Bürgermeister die Zügel anziehen und forderte ebenfalls ein Ende der Defizitsteigerungen.

Schuldenkurve nach oben

Dass man die gewaltige Agenda der Zukunftsinvestitionen nicht aus dem
laufenden Betrieb finanzieren kann, ist für Grünen-Fraktionschef Johannes Schwarz klar. Klar ist für Schwarz in der Folge auch, dass die Schuldenkurve des Landkreises angesichts der Großprojekte steil nach oben gehen wird. Als logische Folge daraus werde auch die Kurve der Kreisumlage ähnlich stark nach oben weisen müssen, so Schwarz. Wer dies so nicht wolle, müsse konkrete Projekte streichen. Darüber hinaus forderte Schwarz, dass man die großen Bauprojekte unter dem Motto »eines nach dem anderen« abarbeiten müsse. Einen Schwerpunkt setzte Schwarz auf ein ur-grünes Thema, den Klimaschutz. Man könne es ich im Kreistag nicht mehr erlauben, Beschlüsse zu fassen, die dem Klimaschutz entgegenwirkten, betonte Schwarz. Als Möglichkeiten, auf diesem Sektor aktiv zu werden, machte Schwarz gleich mehrere Vorschläge: Wasserstoff-Fahrzeuge für den ÖPNV, eigene Wasserstoff-Produktion mit erneuerbarer Energie oder Solar-Carports an kreiseigenen Gebäuden. Seine Reihe der Vorschläge rundete Schwarz mit der Idee einer Kreisenergiegenossenschaft ab.

SPD-Fraktionschefin Ursula Utters nahm in ihrer Haushaltsrede eines der Großprojekte des Kreises in den Blick: die Krankenhäuser. Sie wandte sich gegen politische Bestrebungen, für die Bürger nur wenige Großkrankenhäuser in den Ballungsgebieten vorzuhalten. Auch die Bevölkerung des Kreises Calw habe ein Anrecht auf gute und wohnortnahe Versorgung. Mit der Umsetzung der Pläne mache man die Kliniken im Kreis fit für die nächsten Jahrzehnte und starte mit dem Gesundheitscampus Calw dazu noch ein vielversprechendes Pilotprojekt.

Bei allen Bemühungen um das Thema Klima werde man in einem Flächenkreis wie Calw nicht auf den Straßenverkehr verzichten können, so Utters. Allerdings gelte es darauf hinzuwirken, den Kohlendioxid-armen Verkehr zu fördern und den ÖPNV zu verbessern. Das geschehe in Zukunft etwa mit dem von der SPD stets geforderten Stundentakt im Busverkehr.

Utters erneuerte die SPD-Forderung nach ausreichend bezahlbarem Wohnraum im Kreis. Das helfe den Menschen und werde auch der heimischen Wirtschaft gut tun.

Eine Premiere feierte Neu-Kreisrat Albrecht Joos, der für die FDP die Haushaltsrede halten durfte. Joos bezeichnete die 30 Prozent Kreisumlage als gutes Signal für die Kommunen, allerdings bezweifelte er, dass man in Zukunft die Umlage so niedrig werde ansetzen können – angesichts der großen Investitionen des Kreises in Hesse-Bahn und Kliniken. Deshalb ist für ihn eine »angemessene« Erhöhung der Kreisumlage in den nächsten Jahren unumgänglich. Die Nettoneuverschuldung für 2020 habe man von zehn auf 6,5 Millionen Euro drücken können, allerdings müsse man das Thema Verschuldung im Auge behalten. Auch bei der momentan günstigen Zinslage könne man nicht jedes Jahr neue Schulden machen.

Joos bekannte sich klar zu Großprojekten wie Kliniken, Hesse-Bahn und Breitband. Auch das Engagement des Landrats Helmut Riegger für den Mobilfunk sei alternativlos. Der FDP-Fraktionssprecher rief dazu auf, den Klimaschutz mit der individuellen Mobilität und der Industrie unter einen Hut zu bringen – und zwar mit Innovationen, die klimaneutrale Energie zur günstigen Energie machen.

Die ersten sieben Minuten der Haushaltsrede von AfD-Fraktionschefin Angelika Reutter hatten mit dem Kreishaushalt wenig zu tun, darauf wies Landrat Riegger in einer Intervention hin. Reutter beschäftigte sich bis zu diesem Zeitpunkt mit den finanziellen Folgen der Flüchtlingskrise und mit Thesen zum Klimawandel. Schließlich kam sie doch auf den Landkreis zu sprechen, stellte sich hinter Projekte wie Hesse-Bahn, Kliniken und Breitband und forderte, beim Land die Übernahme der Kosten für die Flüchtlingsunterbringung einzufordern. Angesichts einer schwächelnden Konjunktur und einem zu befürchtenden »einbrechenden Steueraufkommen« lehnte Reutter eine Neuverschuldung strikt ab. Aus diesem Grund stimme die AfD auch gegen den Haushalt, der 6,5 Millionen Euro neue Schulden enthält.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.12.2019

Geschrieben am 18.11.2019

Pro Krankenhäuser Calw und Nagold e.V.

Am 22.9.2019 hat sich die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw, ein Ausschuss des Vereins Pro Krankenhäuser Calw und Nagold getroffen und über die aktuelle Situation diskutiert.

Die Entscheidung des Kreistags unter der Führung von Landrat Riegger in Calw einen Klinikneubau mit dem Verbleib der Orthopädie und einer 24 Stunden Versorgung an 7 Tagen in der Woche mit etwa 150 bis 160 Betten zu bauen wird begrüßt. Damit ist die zugesagte Erstversorgung von Herzinfarkten und Schlaganfällen auch in der Zukunft gesichert. Die Umsetzung ist mit dem bereits erfolgten Spatenstich besonders hervorzuheben.

Mit der Ergänzung des Klinikneubaus um einen Gesundheitscampus zur Sicherstellung der Hausarzt– und Facharztversorgung werden zukunftsorientierte Wege beschritten. Herrn Landrat Riegger ist zu danken, dass er den Mehrwert einer sektorenübergreifenden Versorgung erkannt und damit die bundespolitische Entwicklung vorhergesehen hat. Hierbei ist die integrierte Notfallversorgung von besonderer Bedeutung.

Die Bau– und Umsetzungsphase wird zeigen, dass die jetzige Planung noch der Optimierung bedarf. Dem Personal der Kliniken in Calw ist ein besonderer Dank auszusprechen, denn „unser“ Krankenhaus ist derzeit voll ausgelastet und an der Belastungsgrenze angekommen. Es besteht die Befürchtung, die geplante Bettenzahl wird von Anfang an nicht ausreichend sein. 

Krankenhäuser benötigen in der heutigen Zeit zur Bindung und Gewinnung von qualifiziertem Personal im unmittelbaren Einzugsbereich nicht nur Personalwohnungen, sondern auch Kindertagesstätten. Diese müssen in der Nähe zum Krankenhaus errichtet und die Betreuungsmöglichkeiten an den Schichtdienst eines Krankenhauses angepasst sein. Erfreulich ist, dass Landrat Riegger das Problem der Personal-wohnungen beim Spatenstich bereits angesprochen hat. Die Umsetzung der Konzeption in Sachen Kindertagesstätte geht jedoch auch die Große Kreisstadt Calw an.

Die Arbeit des Vereins Pro Krankenhäuser Calw und Nagold ist nach wie vor wichtig und noch nicht abgeschlossen.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, dass die Beiträge 2018 und 2019 (je 5 €) aus Vereinfachungsgründen zusammen Mitte November abgebucht werden, soweit eine Einzugsermächtigung vorliegt. Ansonsten wird um Überweisung gebeten IBAN: DE 80 6665 0085 0000 0329 99.

Da wir vom Finanzamt Calw als gemeinnützig anerkannt sind, können Mitgliedsbeiträge und Spenden steuerlich geltend gemacht werden. Bis zu einem Betrag von 200 € gilt der Bankbeleg als Nachweis.

Calw Journal vom 08.11.2019

Geschrieben am 22.10.2019

Damit die Füße laufen wie geschmiert

Um einer Arthrose vorzubeugen, sollten Knorpelschäden im Fuß operativ behandelt werden. Ist der Schaden lokal begrenzt, lässt sich der Eingriff per Arthroskopie durchführen.

Stehen, laufen, hüpfen, sprinten, balancieren: Der menschliche Fuß mit seinen 26 Knochen und 33 Gelenken ist ein Multitalent. Dafür, dass jede Fußbewegung „wie geschmiert“ läuft, sorgt elastisches Knorpelgewebe. Es schützt die Gelenkflächen, federt Stöße ab und verhindert, dass Knochen auf Knochen reibt. Durch altersbedingte Abnutzung, aber auch durch Überlastung oder Verletzungen kann das Knorpelgewebe allerdings Schaden nehmen. Belastung und Bewegungen verursachen dann Schmerzen. Da Knorpel sehr zellarm und nicht durchblutet ist, heilt ein solcher Defekt nicht von selbst. Unbehandelt kann er langfristig zu einer Arthrose führen.

Was tun, um einer Arthrose vorzubeugen? Bei Verletzungen des Gelenkknorpels, beispielsweise nach Sportunfällen, empfiehlt Prof. Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Calw, den Knorpel mithilfe einer Operation zu reparieren: „Eine Knorpelregeneration funktioniert aber nur, wenn um den Schaden herum noch gesundes Knorpelgewebe vorhanden ist“, betont der Experte. Prof. Dr. Handel wendet z. B. bei der OP am Sprunggelenk unterschiedliche chirurgische Techniken an. „Bei kleineren Schäden, also 1 bis 2 cm², füllen wir die defekte Stelle mit einem Knorpelimplantat aus Kollagen auf“, berichtet der Chefarzt. Der Eingriff erfolgt per Arthroskopie, das heißt, es werden lediglich kleinste Schnitte angesetzt.

Prof. Handel erklärt die Vorteile einer Arthroskopie: „Im Vergleich zur offenen Gelenkoperation ist das Infektionsrisiko kleiner. Außerdem treten geringere Weichteilschwellungen auf, der Patient hat
weniger Schmerzen und ist schneller wieder fit.“ Ist die beschädigte Stelle größer und liegt im Bereich von 2 bis 6 cm², wendet Prof. Dr. Handel das sogenannte AMIC-Verfahren mit Einbringen einer
Kollagenmembran an. Dieses Verfahren wird zumeist über einen wenige Zentimeter langen Schnitt durchgeführt: Der Arzt entfernt das beschädigte Knorpelgewebe und bohrt dann kleinste Löcher in den Knochen. Das bewirkt, dass sich die defekte Stelle mit Blut und Zellen aus dem Knochenmark füllt. Zum Schluss wird eine passgenaue Kollagenmatrix auf der Defektstelle fixiert. Diese besteht aus zwei Schichten: Die
obere undurchlässige Schicht dient als Schutz, die untere durchlässige Schicht fördert das Anwachsen der Zellen und damit die Neubildung von Knorpel.

Ob ein Knorpel sich gut regeneriert, hängt von vielen Faktoren ab: Das Alter des Patienten spielt eine Rolle, ebenso der Zustand des restlichen Gelenks, aber auch die Breite, Lage und Tiefe des Knorpelschadens selber. Die OP ist demnach lediglich die „Starthilfe“, die eigentliche Knorpelregeneration findet erst hinterher statt. Prof. Dr. Handel unterstreicht daher: „Vor der OP sollte ein erfahrener Arzt die Erfolgsaussichten des individuellen Falls einschätzen. Denn bis der neue Knorpel stabil ist, muss der Patient einiges an Geduld und Mitarbeit aufbringen. Eine spezielle Physiotherapie unterstützt den Heilungsprozess. Erst nach sechs Wochen darf das Gelenk wieder belastet werden, gelenkbelastende Sportarten sind frühestens nach sechs Monaten wieder möglich.“

Prof. Dr. Martin Handel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in den Kliniken Calw
Kontakt: Sekretariat der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in den Kliniken Calw
Tel.: 07051 14–42001
www.klinikverbund-suedwest.de

Schwarzwälder Bote, Teil Termine & Service vom 18.10.2019

Geschrieben am 15.10.2019

Krankenhaus Calw von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetespatienten geeignet“ zertifiziert

Diabetes ist eine weit verbreitete Volkskrankheit. Dank der Zertifizierung „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“ kann das Krankenhaus Calw nun Diabetiker hochkompetent versorgen.

Fast jeder vierte Patient im Krankenhaus hat die Diagnose Diabetes“, weiß Oberarzt und Diabetologe Dr. Michael Sander. Um diesen Patienten künftig eine hoch spezialisierte Behandlung anbieten zu können, arbeitete der Calwer Diabetologe mit Erfolg an der Zertifizierung des Hauses durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft.
In regelmäßigen Fortbildungen hat Dr. Sander gemeinsam mit der Diabetesberaterin Christl Treibert das Pflegepersonal in allen Aspekten der Diabetes-Diagnostik und Therapiemöglichkeiten unterrichtet. Inzwischen arbeiten auf jeder Station mindestens zwei Vollzeitkräfte mit einer Diabetes-Weiterbildung. Auch Schulungen für die Ärzte des Hauses führte das Diabetes-Team durch, so dass das ärztliche Personal
in Fragen der Diabetologie hochkompetent agieren kann. Handlungsempfehlungen findet es im Intranet: „Alles hat eine klare Struktur, es gibt Leitlinien, an die man sich hält. Patienten mit entgleisten Blutzuckerwerten werden im Behandlungsteam umfassend besprochen und ein individueller Behandlungsplan entwickelt.“
Nach genau festgelegten Standards überprüft das Personal die Medikamente der Diabetiker, achtet auf Nebenerkrankungen wie Bluthochdruck, Herz– und Nierenerkrankungen oder chronische Wunden. Ziel ist es, den Patienten ganzheitlich und individuell zu versorgen. Um dies zu erreichen, erzählt Dr. Sander, wurden die Pflegekräfte durch das Diabetes-Team in den vergangenen drei Jahren intensiv geschult, denn: „Sie sind häufig die ersten Ansprechpartner für die Patienten, geben Hilfestellung beim Messen des Blutzuckers und beim Spritzen von Insulin.“ Nur gut eingestellte Blutzuckerwerte ermöglichen eine bessere Heilung von Wunden und Infektionen sowie eine geringere Komplikationsrate, zum Beispiel bei Herzinfarkten und Schlaganfällen.
Um ein bestmögliches Selbstmanagement des Patienten zu erreichen, bekommt er hilfreiche Unterstützung an die Hand – von der Eingangsschulung bei Neuerkrankungen über die Ernährungsberatung bis hin zur onlinebasierten Schulung am Tablet. „Besorgt haben wir zwei iPads mit finanzieller Unterstützung des Krankenhausfördervereins „ganz nah““, erzählt Dr. Sander. Die onlinebasierte Schulung ergänzt die persönliche Patientenschulung im Haus und hilft das erworbene Wissen der Patienten zu vertiefen. Dank der einfachen Bedienung kann jeder Patient, ob jung oder alt, spielend mit dem Gerät umgehen.
Das intensive Schulungsprogramm führt zu besseren Therapieergebnissen und weniger Komplikationen. Die umfassenden Diabeteskenntnisse haben bei den Mitarbeitern zu einer noch besseren Wahrnehmung der Probleme von Diabetespatienten geführt. Das Diabetes-Team möchte künftig noch besser werden: Es plant bereits weitere Schulungen für das Personal des Klinikverbunds Südwest. Zum Ziel gesetzt hat es sich zudem eine verbesserte Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten.

Dr. med. Michael Sander ist Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin und Facharzt für Diabetologie in den Kliniken Calw.
Kontakt: Sekretariat der Abteilung für Innere Medizin
Tel.: 07051 14–42102
www.klinikverbund-suedwest.de

Schwarzwälder Bote, Teil Termine & Service vom 4.10.2019

Geschrieben am 17.09.2019

Calwer Wunder

Wer die vergangenen drei Jahrzehnte Kommunalpolitik im Kreis Calw mitverfolgt hat, musste sich auf dem Stammheimer Feld ungläubig die Augen reiben. Wer sich an die Gegenwehr der Calwer erinnert und an die Stahlgewitter, durch die Landrat Helmut Riegger und sein Vorgänger Hans-Werner Köblitz bei den Bürgerversammlungen in Stammheim gingen, der musste ernsthaft zweifeln, dass dieser Tag je kommen würde. Wer jede Zeile der sich über Jahre hinziehenden Leserbriefschlacht über das Für und Wider eines neuen Krankenhauses in Calw gelesen hat, der konnte beim besten Willen an dieses Leuchtturmprojekt, als das es heute gepriesen wird, keine Minute lang glauben. Dass nun, nach 106 Jahren, in der Hesse-Stadt wieder zu einem Spaten gegriffen worden ist, um eine neue Klinik zu bauen, kommt insofern einem Calwer Wunder gleich.

Kommentar Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019

Geschrieben am 17.09.2019

INFO zum Gesundheitscampus

Neben dem Neubau der Kliniken Calw, ausgestattet mit 150 Betten für die Grund– und Regelversorgung mit Schwerpunkt Orthopädie, umfasst der künftige Gesundheitscampus Calw eine Klinik für Psychosomatik mit 30 Betten, eine Tagesklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie mit zwölf Plätzen sowie eine psychiatrische Institutsambulanz des Zentrums für Psychiatrie Calw – Klinikum Nordschwarzwald, ein Nephrologisches Zentrum mit 25 Dialyseplätzen, eine Einrichtung für Kurzzeitpflege des DRK Kreisverbands Calw mit 30 Betten und ein Haus der Gesundheit. Dieses Haus wird die S-Immobilienvermögen Gesellschaft der Sparkasse Pforzheim Calw als Bauträger errichten und an verschiedene Haus– und Facharztpraxen, den Pflegestützpunkt des Landkreises Calw und ein Gesundheitszentrum der AOK Nordschwarzwald vermieten. Zudem sind die Errichtung eines Parkhauses und eines Hubschrauberlandeplatzes vorgesehen. Um kurze Wege in der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, werden alle Abteilungen räumlich miteinander verbunden. Ziel ist eine patientenorientierte und sektorenübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Professionen des ambulanten Sektors sowie zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor.

Kostenpunkt des gesamten Campus: nahezu 100 Millionen Euro.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019

Geschrieben am 17.09.2019

Startschuss für 100-Millionen-Projekt

Versorgung — Spatenstich für den Klinikneubau leitet die Umsetzung des Medizinkonzepts in Calw ein

Es war ein langer Weg bis zu diesem symbolischen Akt auf dem Stammheimer Feld: Mit einem Spatenstich wurde der Startschuss gegeben für den in der Bürgerschaft über Jahrzehnte umstrittenen Klinikneubau in der Hesse-Stadt. Fast 100 Millionen Euro wird der neue Gesundheitscampus kosten, mit dem der Kreis konzeptionell neue Wege in der medizinischen Versorgung geht.

Calw. Entsprechend euphorisch wurde das Millionenprojekt, das hier in den nächsten drei Jahren auf einem sieben Hektar großen Areal entstehen wird, von den Festrednern mit Vorschusslorbeeren bedacht. Von einem »Vorbildcharakter« fürs ganze Land sprach Layla Distler vom Sozialministerium, überzeugt: »Für die Region wird hier etwas Wertvolles entstehen.« Gar »bundesweiten Modellcharakter« erkannte Jörg Noetzel, medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, gab sich ähnlich zuversichtlich: »Das wird eine Erfolgsgeschichte.«

In AOK-Chef Hermann sieht der Calwer Landrat Helmut Riegger den »Vater« dieses Gesundheitscampus. Vor Jahren, so plauderte der Kreischef aus dem Nähkästchen, habe er mit Hermann zusammengesessen, der ihm den Rat mit auf den Weg gegeben habe: »Machen Sie was Innovatives, etwas Gutes aus dem Krankenhaus. So ist die Campus-Idee entstanden.«
Kern dieser Idee ist eine sektorenübergreifende Versorgung der Patienten. Der Ansatz, hier ein Hausärztliches Primärversorgungszentrum einzurichten, war dem Sozialministerium eine Förderung von 150 000 Euro wert war. Baden– Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) lobte das Projekt im Vorfeld in den höchsten Tönen: »Der Gesundheitscampus Calw ist ein Vorzeigemodell, ein Leuchtturm für Baden-Württemberg.«

Die Klinik selbst, ausgestattet mit 150 Betten für die Grund– und Regelversorgung und dem Schwerpunkt Orthopädie, wird den Kreis Calw rund 70 Millionen Euro kosten wird. Man rechnet mit einer 50-prozentigen Förderquote.

Weitere 25 Millionen Euro investieren das Zentrum für Psychiatrie, das Nephrologische Centrum, das DRK und die Sparkasse Pforzheim Calw, die ein Haus der Gesundheit baut und weitervermietet (siehe Info).

Landrat Riegger gab sich beim Spatenstich überzeugt: »Der Campus eröffnet uns ganz neue Chancen in der Patientenversorgung.« Das Besondere sei weniger die räumliche Nähe der Partner-Einrichtungen, sondern vielmehr das Versorgungskonzept, das die Gebäude mit Leben erfüllen soll: »Wir wollen hier Versorgung vom Patienten her denken. Das heißt: Was braucht der Patient, um möglichst gut versorgt zu werden.«

Angesichts der Tatsache, dass viele niedergelassene Hausärzte im Landkreis altershalber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden, denkt der Kreischef auch an die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), das zunächst an einer Hausarztpraxis angegliedert werden soll. Ziel sei es aber, so erklärte Riegger, die Zentrale dieses MVZ zukünftig auf dem Campus auf dem Stammheimer Feld anzusiedeln. Darüber hinaus sollen dezentrale Zweigpraxen im Landkreis die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sicherstellen.
Die Inbetriebnahme des Calwer Gesundheitscampus ist im Jahr 2022 vorgesehen.

Von Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019

Geschrieben am 04.09.2019

Ministerium fördert Modellprojekt am Campus

Startschuss — Bauliche Maßnahmen zur äußeren Erschließung des künftigen Campus-Areals beginnen am 2. September

Diesen Montag starten die Baumaßnahmen für die Erschließung des neuen Calwer Krankenhauses. Massive Unterstützung für das Großprojekt kommt vom Stuttgarter Sozialministerium. Im Übrigen auch für Modellprojekte innerhalb des geplanten Gesundheitscampus.

Calw. Knapp ein Jahr ist es her, seit im Zuge der Umsetzung des Medizinkonzepts zur künftigen stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw mit den vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung und Erweiterung der Kreiskliniken in Nagold begonnen wurde. Jetzt stehen auch die baulichen Maßnahmen für die äußere Erschließung des geplanten Klinikneubaus mit angeschlossenem Gesundheitscampus in Calw in den Startlöchern.

Unterstützung erfährt das vom Landkreis Calw in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern forcierte Vorhaben durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg.
Im Rahmen eines kürzlich erfolgten Besuchs im Landratsamt Calw ließ sich Sozial– und Integrationsminister Manfred Lucha, zu dessen Ressort auch die Krankenhausplanung gehört, von Landrat Helmut Riegger den aktuellen Planungsstand des Gesundheitscampus Calw und die sich durch dessen Realisierung ergebenden Vorzüge für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region erläutern.
Dank des sektorenübergreifenden Versorgungsansatzes wurde nun jüngst die im Zuge des Gesundheitscampus Calw vorgesehene Einrichtung eines hausärztlichen Primärversorgungszentrums auf Bewerbung des Landkreises vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg als eines von landesweit insgesamt vier zukunftsweisenden Modellprojekten zur Primärversorgung für eine Förderung in Höhe von 150 000 Euro ausgewählt.

In einer Pressemitteilung vom 28. August hebt das Ministerium hervor, dass mit dem Projekt neue Versorgungswege der hausärztlichen Versorgung in Calw und Umgebung geschaffen werden.
So wird ein Team von Angehörigen unterschiedlicher Gesundheitsberufe – bestehend aus Pflegekräften, medizinischen Fachangestellten und Versorgungsassistenten – aufgebaut, das sich um die kontinuierliche Versorgung und Präventionsbegleitung chronisch und mehrfach erkrankter Menschen kümmert. Auch einheitliche Versorgungspfade für häufige Erkrankungen sollen eingeführt und die Gesundheitskompetenz der Bürger insgesamt gesteigert werden.

Daher könne das in den geplanten Gesundheitscampus integrierte hausärztliche Primärversorgungszentrum Calw nach Auffassung des Ministeriums zu einer Entlastung von Krankenhäusern und der Sicherung der Gesundheitsversorgung gerade im ländlichen Raum beitragen sowie der Untersuchung der nötigen Voraussetzungen und Gegebenheiten für erfolgreiche Primärversorgungszentren dienen. Zunächst gilt es nun aber, das 6,9 Hektar umfassende künftige Campus-Areal auf dem Stammheimer Feld III in Calw zu erschließen.

Die entsprechenden baulichen Maßnahmen beginnen am Montag, 2. September. Der offizielle Spatenstich für die äußere Erschließung des Gesundheitscampus Calw folgt aus terminlichen Gründen am 16. September.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 2.9.2019

Geschrieben am 25.07.2019

Ein Wachwechsel mit gehörig Zündstoff

Kreistag — Personalie sorgt für Diskussionen im neuen Kreisgremium / Viele ausscheidende Räte von Landrat Riegger verabschiedet
Darf ein Chefarzt einer Klinik in deren Aufsichtsrat? Grünen-Kreisrat Erich Grießhaber wollte diese Frage für sich nicht so ohne weiteres mit »Ja« beantworten – und setzte damit die Initialzündung für die erste intensive Debatte im neuen Calwer Kreistag. Und das gleich in dessen konstituierender Sitzung.

Kreis Calw. In konstituierenden Sitzungen kommunaler Gremien wie Gemeinde– oder Kreisräten werden für gewöhnlich die Räte auf ihr Amt verpflichtet und die Besetzung von Ausschüssen, Aufsichtsräten und ähnlichen Gremien geregelt.

So geschehen auch jetzt bei der allerersten Sitzung des neugewählten Calwer Kreistags. Jede Fraktion hatte sich ihre Gedanken gemacht und ihre Personalvorschläge im Vorfeld bei der Kreisverwaltung eingereicht, die diese dann zusammengefasst hatte.
Und so konnte in der Sitzung des Kreistags – mit Ausnahme der Besetzung der stellvertretenden Vorsitzenden des Kreistags – immer en bloc abgestimmt werden. Ob nun beim Umweltausschuss oder bei der Besetzung des Aufsichtsrats der Abfallwirtschaft Landkreis Calw.

Alles ging seinen gewohnten Gang. Bis die Besetzung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken an der Reihe war. Für diesen Aufsichtsrat hatten die Freien Wähler den Calwer Chefarzt Stefan Handel vorgesehen. Ein Umstand, der dem Grünen-Kreisrat Erich Grießhaber nicht behagte: »Aus meiner Sicht ist die Besetzung eines Aufsichtsratspostens mit einem Angestellten nicht rechtens«, argumentierte Grießhaber. »Da gibt es eine Interessenskollision. Und das geht für mich nicht«, so der Grünen-Rat aus Bad Liebenzell, der deshalb eine geheime Abstimmung über die Besetzung des Klinik-Aufsichtsrats beantragte.

Volker Schuler, Fraktionschef der Freien Wähler, wollte die Sache so nicht stehen lasen. Zeigte sich »irritiert« und »enttäuscht« über den Antrag, der den bisherigen Gepflogenheiten im Gremium widerspreche. Der CDU war es bei der Personalie Handel offensichtlich auch nicht ganz so wohl. So jedenfalls ließ es Nagolds Stadtoberhaupt und Fraktionschef Jürgen Großmann durchblicken. Man habe da so seine Bedenken, meinte Großmann. Trotzdem werde die CDU den Personalvorschlag der Freien Wähler mittragen. Freie Wähler-Rat Otakar Zoufaly äußerte sein Missfallen über die Diskussion und machte deutlich, dass man auch beim Thema der Bürgermeister im Kreistag von einem Interessenkonflikt sprechen könne. Und der Konflikt habe bisher keine Konsequenzen gehabt. Bernd Walz von den Freien Wählern machte deutlich, dass die Fraktion die vorgebrachten Bedenken ebenfalls diskutiert und die Besetzung des Aufsichtsrats in einer geheimen Wahl vorgenommen habe, berichtete Walz.

Auch der Kreisverwaltung war das Thema im Vorfeld zugetragen worden. Man habe sich in dieser Sache beim Regierungspräsidium Karlsruhe rückversichert, berichtete Landrat Helmut Riegger. Und die Behörde habe gegen das Vorgehen keinerlei Bedenken geäußert. Man müsse das Thema in Zukunft sensibel handhaben und bei jeder Sitzung prüfen, ob beim Chefarzt Handel eine Befangenheit vorliege, riet SPD-Fraktionschefin Ursula Utters.

Auch wenn er die Personalie immer noch als »schwierig« erachte, zog Grießhaber seinen Antrag auf geheime Abstimmung schließlich zurück. Alle weiteren Personalentscheidungen erfolgten in der Sitzung einstimmig.

Vor der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags hatte Landrat Helmut Riegger in der letzten Sitzung des alten Rats eine Bilanz der Legislaturperiode gezogen und die ausscheidenden Kreistagsmitglieder verabschiedet. Der Kreistag habe in den vergangenen fünf Jahren »ganz entscheidende und weitreichende Beschlüsse für den Landkreis« gefasst. Man könne sagen: »Wir waren erfolgreich und können auf das Erreichte stolz sein«, so Riegger, der in diesem Zusammenhang unter anderem die Beschlüsse zu den Kliniken, zur Hesse-Bahn, das Vorgehen in der Flüchtlingsfrage, das Thema Breitband, die Aufrüstung der beruflichen Schulen, die Landratsamtserweiterung und die Forstreform erwähnte.

Den neu verpflichteten Kreisräten gab Riegger in einer kurzen Begrüßung so manches mit auf den Weg. Unter anderem – und das mit Blick auch auf die neue AfD-Fraktion – seinen Wunsch nach einem »souveränen Umgang« miteinander und dass die Sacharbeit im Vordergrund stehen solle. Trotz heftiger Debatten habe man sich in der Vergangenheit nach Abstimmungen immer noch in die Augen schauen können und die Mehrheitsmeinung akzeptiert.

Obwohl man in der vergangenen Periode viele wegweisende Entscheidungen getroffen habe, dürfe man nun im Kreistag nicht nachlassen und müsse weiter mutig die Zukunft des Landkreises planen. Als Ziele nannte der Kreischef »einen hohen Wohn– und Lebensstandard« und ein »attraktiver Wirtschaftsstandort Kreis Calw«. Das neue Signal für die neue Amtszeit des Kreistags solle der Mut zur Entscheidung sowie der Mut zur positiven Weiterentwicklung sein – und »die Bereitschaft die bisher getroffenen Beschlüsse mit Tatkraft umzusetzen«.

Nicht mehr im Kreistag vertreten sind:
CDU: Walter Beuerle, Martin Blaich, Helmut Hauser, Andreas Hölzlberger, Ulrich Kallfass, Gisela Kuhlmann
Freie Wähler: Ulrich Bünger, Ralf Eggert, Clemens Götz, Hans Kern, Norbert Mai, Bettina Mettler, Jochen Stoll, Thomas Zizmann.
SPD: Erich Klemm, Daniel Steinrode
Grüne: Wolfgang Klasen, Rita Weippert
FDP: Karl Braun, Christiane Hiller-Schmidt, Martin Lacroix

Nicht mehr im Kreistag vertreten sind:
CDU: Walter Beuerle, Martin Blaich, Helmut Hauser, Andreas Hölzlberger, Ulrich Kallfass, Gisela Kuhlmann
Freie Wähler: Ulrich Bünger, Ralf Eggert, Clemens Götz, Hans Kern, Norbert Mai, Bettina Mettler, Jochen Stoll, Thomas Zizmann.
SPD: Erich Klemm, Daniel Steinrode
Grüne: Wolfgang Klasen, Rita Weippert
FDP: Karl Braun, Christiane Hiller-Schmidt, Martin Lacroix

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.7.2019