Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 23.04.2018

Medizinkonzept mit 24-Stunden-Versorgung

In einer weiteren Sondersitzung hat der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw mit großer Mehrheit der Fortschreibung der verbesserten Medizinkonzeption aus dem Jahr 2015 zugestimmt. Der Calwer Gemeinderat begrüßt, dass der Aufsichtsrat das Medizinkonzept für das Calwer Krankenhaus angepasst hat und nun dem Kreistag am Montag, 23. April ein tragfähiger Entwurf vorgelegt wird.

Der Aufsichtsrat hat sich nochmals eindeutig für den Erhalt beider Kliniken im Kreis Calw ausgesprochen. So ist auch weiterhin eine wohnortnahe medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleistet. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags und des Sozialministeriums können die Planungen für die Generalsanierung der Kliniken Nagold und den Klinikneubau auf dem Stammheimer Feld in Calw mit dem angeschlossenen Gesundheitscampus fortgeführt werden. Ursprünglich hatte der von Geschäftsführer Dr. Noetzel und Landrat Helmut Riegger eingebrachte Konzeptionsentwurf den Wegfall der 24-stündigen Versorgung der Bevölkerung mit Linksherzkatheder bei Herzinfarkten und unfallchirurgischen Leistungen sowie die Schließung der Geburtshilfe aufgrund der Defizite am Kreiskrankenhaus Calw beabsichtigt. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hat sich jedoch gegen dieses Ziel ausgesprochen und beschlossen, dass das Kreiskrankenhaus Calw weiterhin eine 24-stündige Notfallversorgung erbringen soll. Der Landkreis hat sich als Träger der Kreiskliniken intensiv mit der medizinischen Situation befasst und ist dazu bereit, in die enorm wichtige medizinische Versorgung langfristig zu investieren.

Calw soll weiterhin Akut-Klinik bleiben

In einer Sondersitzung hat der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw mit großer Mehrheit der Fortschreibung der Medizinkonzeption aus dem Jahr 2015 zugestimmt. Das bedeutet, der Entwurf wurde an veränderte Gegebenheiten angepasst.

Damit ist der ursprüngliche Vorstoß von Klinikgeschäftsführer Dr. Noetzel und Landrat Helmut Riegger vom Tisch, der den Wegfall der bestehenden 24-Stunden-Versorgung des Kreiskrankenhauses Calw im Bereich der Herzinfarktversorgung, der Unfallchirurgie sowie, aufgrund der bundesweiten Defizite, auch die Schließung der Geburtshilfe in Calw bedeutet hätte. Der Aufsichtsrat hat sich dagegen ausgesprochen und mehrheitlich beschlossen, dass Calw ein Akutkrankenhaus mit einer Rund-um-die-Uhr-Behandlung von kardiologischen, neurologischen und unfallchirurgischen Fällen bleiben soll.

Die angepasste Medizinkonzeption sieht vor, dass die Neurologische Klinik inklusive Stroke Unit an den Standort Nagold verlagert wird. Am Standort Nagold wird das breite internistische Spektrum mit Kardiologie, Gastroenterologie mit onkologischer Tagesklinik sowie die Allgemein– und Viszeralchirurgie und Urologie bleiben, des Weiteren wird das unfallchirurgische Angebot erweitert.

Der künftige Calwer Gesundheitscampus
Im Krankenhaus Calw soll es neben dem neuen Gesundheitscampus auch zukünftig eine Orthopädie mit Basis-Unfallchirurgie sowie eine Basis-Bauchchirurgie im 24-Dienst geben. Die vorhandene Innere Medizin/Kardiologie mit 24-Stunden-Notfall-Herzkatheterversorgung soll um geriatrische Angebote ergänzt und erweitert werden. Weiterhin ist eine neurologische Versorgung unter anderem mit zusätzlichen Schmerzbetten gewährleistet. Die bereits seit dem Jahr 2015 bestehende und sehr erfolgreiche Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie bleibt weiterhin im stationären Angebot bestehen. Mit der guten Personalauswahl ist es gelungen, einen neuen, sogar bundesweiten Leuchtturm medizinscher Kompetenz im Landkreis Calw aufzubauen; denn CA Dr. Praski wird im Focus unter den 100 besten Gynäkologen gelistet. Künftig wird an beiden Standorten auch eine Intensivstation und Notaufnahme sowie eine OP-Bereitschaft rund um die Uhr vorgehalten.

Durch die Einbettung des Neubaus der Kliniken Calw in den geplanten Gesundheitscampus mit einer Klinik für Psychosomatik (30 Betten) und psychiatrischer Tagesklinik (12 Plätze), einem ambulanten Dialysezentrum (25 Behandlungsplätze) sowie dem Haus der Gesundheit mit Praxen, Pflegediensten und AOK-Einrichtungen ergeben sich ideale Voraussetzungen für die Verzahnung stationärer und ambulanter Angebote.

Mit der Neuordnung der Disziplinen in Calw und Nagold – die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Kreistags sowie des Sozialministeriums steht – sehen sowohl Riegger als auch Noetzel die stationäre medizinische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Calw für die Zukunft bestens aufgestellt.

Erleichterung in Calw
Die wesentlichen Hauptänderungen hat das Landratsamt mit einer Pressemitteilung kommuniziert. Der Gemeinderat ist froh, dass weiterhin in Calw ein Krankenhaus mit einem 24-Dienst vorgesehen ist, da Notfälle rund um die Uhr eintreten.

Bei der öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderats am Samstag, 7. April, wurden drei wesentliche Kernforderungen an das Medizinkonzept aufgestellt. So ist inzwischen zu begrüßen, dass im Medizinkonzept der Fortbestand der Geburtshilfe und Gynäkologie enthalten ist und die Unfallchirurgie/Orthopädie sowie die Innere Medizin/Linksherzkatheder im 24-Dienst mit Personal des Calwer Krankenhauses geleistet wird. Der Gemeinderat legt Wert darauf, dass die bisher versprochenen medizinischen Leistungen umgesetzt und beibehalten werden.

Damit Calw weiterhin für alle Fälle gerüstet ist, sind jetzt neben den Kommunalpolitikern auch die Bürger gefragt:

Machen Sie sich stark, für ein künftiges Krankenhaus mit einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Sprechen Sie die Kreisräte und den Landrat an, die mit ihrer Stimme über die Zukunft entscheiden, und kommen Sie zur Kreistagssitzung am Montag, 23. April, um 15 Uhr im Landratsamt.

Calw Journal vom 20.4.2018
Artikel Calw Journal S. 3 vom 20.4.2018

Geschrieben am 23.04.2018

Kommen Sie am Montag, den 23. April 2018, um 15 Uhr zu der Kreistagssitzung ins Landratsamt Calw.

Die Bürgerinitiative pro Krankenhäuser und die Organisatoren der „Ärzte-Appelle” begrüßen die Entscheidung des Aufsichtsrats über die medizinische Konzeption mit vorsichtigem Optimismus.

Vor der Entscheidung des Kreistags gilt es jedoch, unpräzise Formulierungen in der Presseerklärung des Landratsamtes konkret zu fassen. Es dürfen bei der Entscheidung und bei der Umsetzung der Konzeption keine Unklarheiten bleiben. Zu den ungenauen Formulierungen gehören die Begriffe „Basis-Unfallchirurgie“, „Basis-Bauchchirurgie“ und „neurologischer Dienst“. Die Umsetzung des Konzeptes muss sich an Aussagen des Landrats messen lassen, in denen er eine vollumfängliche wohnortnahe und zukunftsfähige medizinische Versorgung einschließlich der Notfalldienste versprochen hat.

Für uns ist weiterhin unverzichtbar:

O der Verbleib der Orthopädie zusammen mit dem Unfallchirurgischen Schwerpunkt in Calw
O die Bauchchirurgische Grundversorgung 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche
O die Organisation eines neurologischen Dienstes, der auch die Versorgung von Schlaganfall-Patienten in Calw 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche gewährleistet
O der Erhalt des jetzigen Status der Kardiologie mit der notfallmäßigen Herzkatheter-Versorgung von Herzinfarktpatienten 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche
O die bindende Zusage für die Weiterführung der Vollabteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Standort Calw
O die bindende Zusage für eine funktionsfähige Intensivstation, Notaufnahme und OP-Bereitschaft rund um die Uhr

Wir bitten Sie als Bürgerinnen und Bürger in Calw und der Region um Calw:
Kommen Sie am Montag, den 23. April 2018, um 15 Uhr zu der Kreistagssitzung ins Landratsamt Calw.

Helfen Sie mit, die gute Gesundheitsversorgung im Kreis zu erhalten.
Verleihen Sie durch Ihre Präsenz den Forderungen der Ärzteschaft und der Bürgerinitiative den entsprechenden Nachdruck.

Dr. E. Bantel, Dr. H. Haug, Dr. R. Johnen, Prof. B. Neufang, Dr. E. Prokein, Dr. U. Roth, Dr. H. Strasser

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Geschrieben am 16.04.2018

Versorgung rund um die Uhr geplant

Krankenhäuser — Aufsichtsrat stimmt mit großer Mehrheit für Fortschreibung der Medizinkonzeption

Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken hat entschieden: Geht es nach dem Willen des Gremiums, wird es im geplanten Calwer Krankenhaus eine 24-Stunden-Versorgung bei Schlaganfällen, Herzinfarkten und in der Unfallchirurgie geben. Am 23. April ist nun der Kreistag am Zug.

Kreis Calw.
In jüngster Zeit herrschte in Calw und Umgebung große Aufregung wegen der möglichen Zukunft der Klinik in der Hesse-Stadt. Der Grund: Das kürzlich bekannt gewordene Medizinkonzept sah für den Standort keine 24-Stunden-Versorgung bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder unfallchirurgischen Eingriffen mehr vor. Laut einer Pressemitteilung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken Calw vom Freitagnachmittag soll es diese 24-Stunden-Versorgung nun allerdings doch geben. Das bestätigte Anja Härtel, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Pressemitteilung
Wörtlich heißt es in dem Schreiben: »Die angepasste Medizinkonzeption sieht vor, dass die Neurologische Klinik inklusive Stroke Unit an den Standort Nagold verlagert wird. Das breite internistische Spektrum mit Kardiologie, Gastroenterologie mit onkologischer Tagesklinik sowie die Allgemein– und Viszeralchirurgie und Urologie bleiben erhalten. Das unfallchirurgische Angebot wird erweitert.
Im Krankenhaus Calw soll es neben dem neuen Gesundheitscampus auch zukünftig eine starke Orthopädie mit Basis-Unfallchirurgie sowie eine Basis-Bauchchirurgie geben. Die vorhandene Innere Medizin/Kardiologie mit 24-Stunden-Notfall-Herzkatheterversorgung soll um geriatrische Angebote ergänzt und erweitert werden. Weiterhin sind neben einem neurologischen Dienst unter anderem zusätzliche Schmerzbetten geplant.« Darüber hinaus bleibe die Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie »weiterhin im stationären Angebot enthalten« – eine Forderung, die ebenso wie jene nach einer 24-Stunden-Versorgung zuletzt vor allem von zahlreichen Ärzten im Kreis, der Bürgerinitiative Krankenhaus sowie Calws OB Ralf Eggert geäußert worden war.
Sowohl in Calw als auch in Nagold soll außerdem auch künftig eine Intensivstation und Notaufnahme sowie eine OP-Bereitschaft rund um die Uhr vorgehalten werden.
Diesem Konzept habe der Aufsichtsrat laut der Pressemitteilung in einer Sondersitzung in dieser Woche mit großer Mehrheit zugestimmt und sich zudem nochmals eindeutig für den Erhalt beider Kliniken im Kreis ausgesprochen.
Stimmten nun noch der Kreistag in seiner Sitzung am 23. April sowie das Sozialministerium zu, könnten die Planungen für die Sanierung der Kliniken Nagold und den Neubau auf dem Stammheimer Feld in Calw mit Gesundheitscampus fortgeführt werden.
»Ein Konzept an veränderte Gegebenheiten anzupassen, um zukunftsfähig zu bleiben, ist nur konsequent«, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger. »Die Medizinkonzeption generell in Abrede zu stellen oder weiter auf Zeit zu spielen, schadet hingegen dem Gesamtprojekt zur Neuaufstellung der stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw.«
Der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Jörg Noetzel, erläuterte laut der Meldung den Hintergrund der Anpassung: »Die Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser haben sich massiv verschärft. Mindestmengen, Qualitätsvorgaben, Mindestbesetzungen und Fachkräftemangel sind die wesentlichen Herausforderungen, die mindestens so schwer wiegen wie ökonomische Fragestellungen und uns auch noch in Zukunft beschäftigen werden. Von daher ist es wichtig, die bestehenden Angebote so zu sortieren, dass beide Häuser neben der wohnortnahen Notfallversorgung auch ein profiliertes Spektrum anbieten.«
Durch die Einbettung des Neubaus der Kliniken Calw in den geplanten Gesundheitscampus würden stationäre und ambulante Angebote verzahnt. Mit der Neuordnung der Disziplinen an den Klinikstandorten Calw und Nagold sehen sowohl Riegger als auch Noetzel die stationäre medizinische Versorgung im Landkreis Calw für die Zukunft bestens aufgestellt.

Reaktionen
Die nun bekannt gewordenen Pläne des Aufsichtsrates sorgten bei Vertretern der Anzeigenärzte sowie der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus indes für »vorsichtigen Optimismus«. So erklärte Ewald Prokein auf Nachfrage unserer Zeitung, wenn nun alles so umgesetzt werde wie vom Aufsichtsrat empfohlen, »hört sich das recht positiv an«. Eine funktionierende Notfallversorgung sowie der Erhalt der Gynäkologie komme den Zielen der BI und der Ärzte entgegen. Denn: »Wir brauchen auf jeden Fall diese 24-Stunden-Versorgung«, betonte er.
Auch Eberhard Bantel erklärte, natürlich seien BI und Ärzte zufrieden, wenn deren zentrale Forderungen umgesetzt würden. Noch immer gebe es aber die Befürchtung, dass der Kreistag das Konzept kippen könne. »Deshalb brauchen wir auch weiterhin die Unterstützung der Bevölkerung«, so Bantel. Diese solle weiterhin präsent bleiben und auch zur Kreistagssitzung am 23. April kommen, um den »Forderungen Nachdruck zu verleihen«. Dazu zähle neben der Grundversorgung auch der Erhalt der Geburtshilfe.
Calws OB Ralf Eggert zeigte sich erleichtert über die Entwicklung und sprach von einer »guten Entscheidung« sowie einem »guten Konzept«. »Ich bin froh, dass der Aufsichtsrat zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die 24-Stunden-Versorgung erhalten bleiben soll«, sagte er. Diese Art der Versorgung sei es auch, die die Bevölkerung von einem Krankenhaus erwarte. Sein Dank gelte der Geschäftsführung der Kliniken, dem Aufsichtsrat und vor allem Landrat Riegger. Auch Eggert bittet die Bürger nun, zur Kreistagssitzung zu kommen sowie mit dem Landrat und den Kreisräten in Kontakt zu treten. So könne die Bevölkerung ihr Interesse daran bekunden, »dass dieses vom Aufsichtsrat nun in langer Sitzung mehrheitlich verabschiedete Ergebnis auch umgesetzt wird«.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.4.2018, Seite 25

Geschrieben am 12.04.2018

Das sagt das Landratsamt

INFO zum Artikel »Beim Herzinfarkt zählt jede Minute« im Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018

Während BI und OB Eggert sich besorgt über die möglichen Konsequenzen der derzeitigen Medizinkonzeption äußern, zeigt man im Landratsamt durchaus Verständnis für die Hesse-Stadt. So sei es legitim, dass die Stadt Calw und der Gemeinderat Wünsche zur Ausgestaltung der Medizinkonzeption zum Ausdruck bringen. Die Entscheidungen hierzu treffe allerdings der Aufsichtsrat der Kreiskliniken und letztendlich der Kreistag. »Beide Gremien befassen sich schon seit längerer Zeit sehr intensiv mit der Thematik«, heißt es in einer Stellung des Landratsamtes. »Im Übrigen hat der Aufsichtsrat bereits vor den öffentlichen Forderungen der BI (zum Beispiel über die Anzeige im Schwarzwälder Boten vom 7. April) in seiner letzten Sitzung am 19. März verschiedene Prüfaufträge zur Ausgestaltung der Notfallversorgung an die Geschäftsführung erteilt.« Deren Ergebnisse würden in der nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung am 11. April vorgestellt.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018

Geschrieben am 12.04.2018

Beim Herzinfarkt zählt jede Minute

Medizinkonzept — BI, OB Eggert und Kardiologen fürchten drastische Einschnitte, wenn 24-Stunden-Versorgung wegfällt

Die Medizinkonzeption »Szenario 2021« für das Calwer Krankenhaus schlägt hohe Wellen. In einem Pressegespräch formulierten die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw und Ralf Eggert, Oberbürgermeister der Hesse-Stadt, nun nochmals ihre Forderungen – und schlugen auch eine Lösung vor.

Kreis Calw.
Eingriffe bei Herzinfarkten, Schlaganfällen und Unfällen sollen in Calw künftig nur noch von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr möglich sein – so sieht es das neueste Medizinkonzept für die Kliniken im Kreis vor, das dieser Tage öffentlich bekannt gemacht wurde.
Bereits in der Kreistagssitzung am 23. April soll genau dieses Konzept beraten und vielleicht sogar beschlossen werden.
Ein Konzept, das an sich laut Calws OB Ralf Eggert »per se kein schlechtes« sei. Was nun noch fehle, damit es auch im nördlichen Teil des Landkreises Calw auf Gegenliebe stoße, sei überschaubar und »keine unverhältnismäßige Forderung«. Dazu gehöre unter anderem eine Versorgung, die nicht nur während des Tagesdienstes (von 8 bis 16 Uhr) sondern auch abends, nachts und am Wochenende gewährleistet werden könne. Alles, was dazu nötig sei, sei ein eigener Bereitschaftsdienst für Calw, führten Eggert sowie Bernd Neufang und Eberhard Bantel von der BI in einem Pressegespräch aus.
Notdienst nur in Nagold?
Bislang sei angedacht, lediglich in Nagold einen Bereitschaftsdienst zu unterhalten, der von dort aus sowohl für Calw als auch für Nagold zuständig wäre. Eggert fürchtet, sollte es dabei bleiben, dass dieser Notdienst dann wohl nicht nach Calw fahren werde, da sonst Nagold unbesetzt bliebe. Alternativ müsste ein betroffener Patient dann jedoch nach Nagold gebracht werden. Neufang bewertet diese mögliche Situation als verheerend. Denn: »Beim Herzinfarkt zählt jede Minute«, erklärte er.
Bantel sieht unterdessen noch eine weitere Gefahr: Sollte sich herumsprechen, dass Patienten bei Komplikationen wegen einer fehlenden 24-Stunden-Bereitschaft nach Nagold verlegt werden müssen, würden sich über kurz oder lang wahrscheinlich sowohl Patienten als auch Not– und einweisende Ärzte überlegen, ob das Calwer Krankenhaus überhaupt noch eine ausreichende Versorgung bieten könne. Vor allem Mediziner würden die Calwer Klinik dann kaum noch guten Gewissens empfehlen können.
Aber auch die Zukunft der Geburtshilfe und Gynäkologie sind der BI und Eggert ein Anliegen. Denn: Die Klinik gilt als gefährdet und soll wegen der chronisch defizitären Geburtshilfe geschlossen werden, sollte nicht bis Ende des Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis unter dem Strich stehen. Neufang betonte jedoch, dass Geburtshilfeabteilungen zwangsläufig defizitär seien. Das Krankenhaus in Herrenberg verzeichne beispielsweise rund 1200 Geburten im Jahr; dennoch fahre es etwa eine Million Euro Verlust jährlich ein. Es sei nötig, die Abteilung in Calw offen zu halten, da sonst – so hätten Geburtshelfer es errechnet – von den rund 500 Geburten (im Einzugsbereich des Calwer Krankenhauses) pro Jahr etwa 20 auf dem Weg zu einer geeigneten Klinik geschehen würden. Eggert fügte hinzu, dass zwar auch Nagold keine Geburtsabteilung mehr habe, dass die Betroffenen von dort aus jedoch schnell nach Herrenberg gelangen könnten.
Doch nicht nur die BI und Eggert fürchten, dass die Versorgung im Calwer Krankenhaus durch die derzeit bekannten Änderungen des Konzeptes schlechter werden könnte.
In einer Stellungnahme, die unserer Zeitung vorliegt, melden sich nun auch Christoph Dempe und Bernhard Plappert, niedergelassene Kardiologen in Calw, zu Wort. Ihr Urteil fällt dabei ernüchternd aus: Ein Abschied von der 24-Stunden-Bereitschaft werde eine dramatische Verschlechterung der Versorgungssituation von kardiologischen und neurologischen Patienten nach sich ziehen, erklären die Mediziner.
Der Hintergrund: Bislang hat das Calwer Krankenhaus eine Zertifizierung als Chest Pain Units (CPU) durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Eine CPU ist eine Diagnostik– und Therapieeinheit zur Versorgung von Patienten mit unklarem Brustschmerz, die bestimmten Kriterien genügen muss und somit einen gewissen Qualitätsstandard erreicht hat.
Sinkende Qualität
Sobald es jedoch keine 24-Stunden-Bereitschaft in Calw mehr gebe, verliere das Krankenhaus umgehend die CPU-Zertifizierung, erklären die Ärzte in ihrer Stellungnahme. Die Folge: Die Qualität der Herzinfarktversorgung werde nicht mehr regelmäßig überprüft und somit über kurz oder lang nicht mehr den erforderlichen Ansprüchen gerecht.
Darüber hinaus sei zu bedenken, dass eine Komplikation nach Eingriffen an den Herzkranzgefäßen (vereinfacht gesagt die Erweiterung von Herzkranzarterien und das Offenhalten mit einem Stent) eine Gerinnselbildung im Gefäß sein kann, welche sofort wieder zu beseitigen ist. Ein Transport solcher Patienten nach Nagold (sollte der Eingriff wegen der fehlenden 24-Stunden-Bereitschaft in Calw nicht mehr möglich sein) berge wegen des schlechten gesundheitlichen Zustands solcher Patienten enorme Risiken.
Nicht zuletzt sinke die Zahl der Eingriffe bei Herzinfarkten und in Folge auch sonstiger Koronareingriffe deutlich, wenn der Infarkt nicht mehr rund um die Uhr behandelt werden kann. Dieser Umstand sowie die wegfallende CPU-Zertifizierung könnten das Calwer Krankenhaus somit auch zu einem unattraktiven Arbeitsplatz machen; erfahrene Ärzte würden die Klinik dann möglicherweise verlassen oder erst gar nicht mehr als Wirkungsstätte wählen.
»Grob fahrlässig«
Werde die Zahl der geforderten Untersuchungen pro Untersucher nicht gehalten, werde das Herzkatheterlabor aber ohnehin über kurz oder lang vermutlich geschlossen. Denn: Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie als auch die Krankenkassen, so führen Dempe und Plappert aus, würden offen die Ansicht vertreten, dass nur Labore mit einer 24-Stunden-Bereitschaft notwendig und somit überlebensfähig seien.
Ähnlich verhalte es sich im Übrigen bei der Behandlung von Schlaganfällen. Auch hier müsse schnellstmöglich reagiert werden, um Hirnfunktionen retten zu können – was ebenfalls nur mit einer Versorgung rund um die Uhr möglich sei.
Für Bantel sind diese Ausführungen ein klarer Appell dafür, dass eine 24-Stunden-Bereitschaft nun mal nicht gekürzt werden könne. Und wenn führende Kardiologen dies bekräftigten und auf massive Gefahren hinwiesen, sei es seiner Meinung nach »grob fahrlässig«, eine Abschaffung des 24-Stunden-Dienstes in Erwägung zu ziehen. Man könne einem Patienten darüber hinaus auch nicht sagen »hab deinen Herzinfarkt gefälligst um 14 Uhr«.
Zudem teilt Bantel die Befürchtung von Dempe und Plappert, die Calwer Klinik könnte unter den derzeitig geplanten Bedingungen kein attraktiver Arbeitsplatz mehr sein. Und nicht nur das: Sollte es nur noch einen Bereitschaftsdienst für beide Häuser geben, könne dies bedeuten, dass – je nach Notfällen und entsprechendem Bedarf – immer eine der beiden Kliniken vernachlässigt werden müsste. Dies wiederum sei auch für Ärzte keine attraktive Berufsperspektive. Langfristig könne dies einen Verlust an qualifiziertem Personal nach sich ziehen, was dann früher oder später auch Auswirkungen auf Nagold hätte.
Neufang fügte hinzu, dass bei sinkenden Fallzahlen in Calw (was bei einem Wegfall der 24-Stunden-Bereitschaft wohl der Fall sei) auch die Weiterbildungsberechtigungen für die Mediziner vor Ort rückläufig wären. Ohne Weiterbildungen werde der Standort Calw weniger interessant für junge Ärzte – von denen sich in der Vergangenheit auch einige als Hausärzte in der Region niedergelassen hätten. Letztlich sei es somit möglich, dass auch der Hausarzt-Mangel weiter befördert werde.
Sowohl die BI als auch Eggert halten es nun für wichtig, dass der Kreistag nicht bereits am 23. April über das derzeit geplante Konzept beschließt, sondern vor einer Entscheidung die Überlegungen und Pläne den Bürgern vorzustellen. Gut sei, dass mittlerweile die BI und die Kreisärzteschaft ins Boot geholt wurden, nun gelte es aber noch, auch die Bevölkerung mitzunehmen. Erst am Ende solle der Beschluss des Kreistags stehen.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.4.2018, Seite 19

Geschrieben am 10.04.2018

Calw muss ein Akut-Krankenhaus bleiben

Neufassung des Medizinkonzepts zum Calwer Gesundheitscampus liegt vor

Wie der Gesundheitscampus in Calw einmal aussehen wird, ist jetzt klar (siehe unten). Die gewünschte Architektur ist gewählt. Jetzt muss es wieder um die Inhalte gehen. Den Kreisräten liegt seit Kurzem das neue Medizinkonzept 2021 vor und birgt Stoff für reichlich Diskussion. Oberbürgermeister Ralf Eggert und die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw (BI) sehen die Neufassung kritisch.

Orthopädie/ Chirurgie
Entgegen der ursprünglichen Planung bleibt die Orthopädie in Calw. Vorgesehen ist aber nur Alterstraumatologie, Basis-Allgemeinund Unfallchirurgie im Tagdienst – nicht nachts und nicht an den Wochenenden. Damit würde eine orthopädische Fachklinik entstehen, die tagsüber durch Basischirurgie ergänzt werden soll.
Das bedeutet: Es gibt keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen der Woche. Die mit zwei Assistenzärzten ab 16 Uhr besetzte Klinik führt nach 16 Uhr und an den Wochenenden in der Regel keine Notfall-Operationen mehr aus. Dies widerspricht eindeutig den bisherigen Zusagen, eine Akutklinik in Calw zu halten.
Daher fordern die Große Kreisstadt Calw und die BI: Entsprechend der Zusage des Landrats „in Calw können weiterhin Unfälle als Notfall behandelt werden“, ist wie bisher eine unfallchirurgische Versorgung rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche nötig.

Innere Medizin
Diese Abteilung wird ebenfalls abgestuft zur eingeschränkten Behandlung von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr; das heißt nur im Tagesdienst an den Werktagen gibt es einen Notfall-Linksherzkatheter. Die eingeschränkten Leistungszeiten gelten nun ebenfalls für die Basis Gastroenterologie, Endoskopie und die Onkologie. Damit rücken der Kreistag und der Landrat von ihrer Zusage ab, dass entsprechende akute Krankheitsbilder weiterhin in Calw an 24 Stunden und sieben Tage die Woche behandelt werden können.
Daher fordern die Große Kreisstadt Calw und die BI: Entsprechend der Zusage des Landrats „in Calw können weiterhin Herzinfarkte und Schlaganfälle behandelt werden“ ist ein Notfall-Linksherzkatheter rund um die Uhr für Calw unverzichtbar.

Neurologie
Diese wird entgegen der ursprünglichen Planung einschließlich Stroke-Unit dem Standort Nagold zugeordnet. Damit liegt ein Abrücken des Landrats von seinem Versprechen „in Calw können weiterhin Schlaganfälle behandelt werden“, vor. Das Problem ist die zeitgerechte Versorgung von Schlaganfallpatienten. Hier gilt das Gleiche wie beim Herzinfarkt.

Gynäkologie/Geburtshilfe
Mit der guten Personalauswahl ist es gelungen, einen neuen, sogar bundesweiten Leuchtturm medizinscher Kompetenz im Landkreis Calw aufzubauen; denn CA Dr. Praski wird im Focus unter den 100 besten Gynäkologen gelistet werden. Trotzdem ist die Klinik gefährdet und soll wegen der chronisch defizitären Geburtshilfe geschlossen werden, sollte nicht bis Ende des Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis unter dem Strich stehen. Der Kreistag hatte aber entschieden das Defizit tragen zu wollen, um die Abteilung in Calw beizubehalten.
Forderung der Großen Kreisstadt Calw und der BI: Diese Klinik ist zur guten Versorgung junger Familien im ländlichen Raum unverzichtbar. Sie ist bundesweit medizinisch herausragend erfolgreich. Sie wird sehr gut angenommen und bietet eine herausragende Qualität. Das Problem der Gewinnung von Hebammen und Ärzten wurde stets gelöst und ist auch in der Zukunft lösbar. Es ist unverständlich, dass wegen der Tatsache, dass bundesweit Geburtshilfen nur defizitär betrieben werden können, keine Kinder mehr im Krankenhaus Calw geboren werden sollen.

Geriatrie
Ein positiver Aspekt: Die Geriatrie soll in Calw auf– beziehungsweise ausgebaut werden. Der Ausbau der Kompetenz zur Versorgung älterer Patienten vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist eine gute Entwicklung. Aber: Für die Geriatrie ist eine fachärztliche und stationäre neurologische Versorgung notwendig.

Machen Sie sich stark für eine gute medizinische Versorgung in Calw!
Damit Calw weiterhin für alle Fälle gerüstet ist, sind jetzt neben den Kommunalpolitikern auch die Bürger gefragt:
Machen Sie sich stark, für ein künftiges Krankenhaus mit einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Sprechen Sie die Kreisräte und den Landrat an, die mit ihrer Stimme über
die Zukunft entscheiden, und kommen Sie zur Kreistagssitzung am Montag, 23. April, um 15 Uhr im Landratsamt.

Calw Journal vom 06.4.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Artikel Calw Journal S. 3 vom 06.4.2018

Geschrieben am 09.04.2018

Neufassung der »Medizinkonzeption – Szenario 2021«

Krankenhaus — Resolution verabschiedet
Jetzt braucht es Dialog– und Kompromissbereitschaft: Die Stadt Calw will sich vor womöglich finalen Entscheidungen zur künftigen Ausrichtung des Krankenhauses Luft verschaffen. »Der Zeitplan ist viel zu knapp, um die Öffentlichkeit mitzunehmen«, sagte Oberbürgermeister Ralf Eggert am Samstag.

Calw.
Das tat der Calwer Rathauschef während der kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Gemeinderats im Bauzentrum Kömpf, die von Dutzenden Zuhörern verfolgt wurde. Dazu eingeladen waren auch Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw. Die Begeisterung und Freude über den geplanten Calwer Gesundheitscampus, für den unlängst die architektonischen Entwürfe ausgewählt wurden (wir berichteten), wird derzeit durch die Neufassung der »Medizinkonzeption – Szenario 2021« zum genannten Campus arg gedämpft.

Nicht kommuniziert
Zu groß ist die Angst, ein vollwertiges Calwer Krankenhaus zu verlieren, weil das neue Medizinkonzept 2021 entgegen der bisherigen Planungen den Verbleib der Orthopädie in Calw vorsieht sowie die Verlagerung der Neurologie an die Klinik in Nagold. Das würde bedeuten, dass es keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stundendienst mehr an sieben Tage in der Woche geben würde, sondern in Calw nur noch zu den üblichen Tages-Dienstzeiten operiert würde (siehe »Info«). »Bei den Themen Neurologie und Orthopädie wurde vieles nicht kommuniziert, deshalb sind wir aktiv geworden«, erläuterte Eggert das gemeinsame Schreiben der Stadtverwaltung und der BI an die Kreisräte, mit dem sie selbige bitten, dem veränderten Medizinkonzept nicht zuzustimmen (wir berichteten).

Chronisch unterfinanziert
Sorge bereitet auch die Zukunft der Gynäkologie, die trotz bundesweiter Vorbildqualität geschlossen werden könnte, weil sie chronisch unterfinanziert und defizitär ist. Stadt und BI sehen sie zur Versorgung junger Familien im ländlichen Raum allerdings als unverzichtbar an.

In der rund zweistündigen Sitzung machten sowohl die Vertreter der BI, unter anderem Bernd Neufang und Eberhard Bantel, als auch der OB deutlich, warum die Neufassung der Medizinkonzeption 2021 überdacht werden sollte. Diese weiche deutlich von bisherigen Zusagen des Landrats und Kreistags zur notfallmedizinischen Versorgung des nördlichen Landkreises ab. Nicht alles an dem Konzept sei schlecht, Gutes müsse man durchaus als gut bezeichnen. Die einschneidenden Veränderungen in der Notfallversorgung halten Gemeinderäte, BI und auch Zuhörer allerdings für unzumutbar. »Wir sollten uns auf die Notfallversorgung konzentrieren und die Emotionen rausnehmen, um einen richtigen, sachlichen Gesprächskanal zu finden«, betonte Eggert.

Neufang betonte, dass ohne die Ärzte, die mobilisiert hätten werden können, keine qualifizierte Stellungnahmen, etwa zu den Gutachten Oberender und GÖK, möglich gewesen wären. Schließlich wird es immer komplexer, je mehr man bei der Gesundheitsversorgung und der Krankenhausfinanzierung ins Detail geht. Die Calwer Gemeinderäte wiederum sind der BI für ihr Engagement für eine gute Gesundheitsversorgung dankbar, wie am Samstag betont wurde.

»Die Orthopädie und die Unfallchirurgie sind eine Einheit«, betonte Bantel, der jahrzehntelange Erfahrung als Notarzt besitzt. Würden die genannten Pläne umgesetzt, habe man wieder keine Vollabteilung mit Assistenzärzten sowie Ober– und Chefarzt und stehe erneut ganz am Anfang. Nicht alle Schwerpunkte dürften nach Nagold verlagert werden. Die Bevölkerung im nördlichen Landkreis habe ein Recht auf adäquate medizinische Versorgung wie jeder andere Patient im Kreis auch. Deshalb brauche es am Standort Calw eine Unfallbehandlung rund um die Uhr.

Möglichst in einem Haus
»Warum wird beim Medizinkonzept jetzt zurückgedreht? Geht es um die Kosten?«, wollte Gemeinderat Jürgen Ott wissen. Wirtschaftliche Erwägungen seien bei der jetzigen Neufassung der Konzepts denkbar, so Eggert. Außerdem werde stets angestrebt, medizinisch möglichst viel in einem Haus zu bündeln.

Die Ratsmitglieder stellten sich schließlich in einer Art Resolution einstimmig hinter Stadtverwaltung und BI. Gemeinsam bitten sie um die Erweiterung des Klinikkonzepts: In den ohnehin vorhandenen Abteilungen (Innere und Chirurgie) solle die Notfallversorgung nicht nur montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr möglich sein, wie vom Landrat zugesagt und vom Kreistag beschlossen, sondern rund um die Uhr in einer Akutklinik. Die bundesweit herausragende Gynäkologie und Geburtshilfe müssten erhalten bleiben.

Die Gemeinderäte sprachen sich ebenso einstimmig für den Vorschlag Eggerts aus, nach der Aufsichtsratssitzung der Kreiskliniken am Mittwoch das Gespräch mit Landrat Helmut Riegger zu suchen. Denn bereits am 23. April steht die Sitzung des Kreistags an, in der die Medizinkonzeption 2021 beraten und eventuell beschlossen wird.

Eggert möchte Zeit gewinnen, um wegen der Neufassung der Medizinkonzeption mit den Kreisräten zu sprechen und die Bevölkerung mit ins Boot zu holen. Für die Zukunft wünscht sich der Calwer Verwaltungschef, dass frühzeitig über solch gravierende Änderungen in der Gesundheitsversorgung im Kreis gesprochen wird.

Das neue Medizinkonzept 2021 enthält einige gravierende Änderungen:

Neurologie
Diese soll entgegen der ursprünglichen Planung dem Standort Nagold zugeordnet werden. Damit liegt laut Calwer Gemeinderat und BI Krankenhaus Calw ein Abrücken des Landrats von seinem Versprechen, »in Calw können weiterhin Schlaganfälle behandelt werden«, vor. Das Problem sei die zeitgerechte Versorgung von Schlaganfallpatienten. Hier gelte das Gleiche wie beim Herzinfarkt.

Orthopädie/Chirurgie
Die Orthopädie verbleibt anders als bisher geplant in Calw. Vorgesehen ist aber nur Alterstraumatologie, Basis-, Allgemein– und Unfallchirurgie im Tagdienst (8 bis 16 Uhr) – nicht nachts und nicht an den Wochenenden. Damit würde eine orthopädische Fachklinik entstehen, die tagsüber durch Basischirurgie ergänzt werden soll. Demnach gibt keine Basis– und Unfallchirurgie rund um die Uhr mehr. Die mit zwei Assistenzärzten ab 16 Uhr besetzte Klinik führt nach 16 Uhr und an den Wochenenden in der Regel keine Notfall-Operationen mehr aus.

Innere Medizin
Nur noch eingeschränkte Behandlung von montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr. Nur im Tagesdienst an den Werktagen gibt es einen Notfall-Linksherzkatheter. Die eingeschränkten Leistungszeiten gelten nun ebenfalls für die Gastroenterologie, Endoskopie und die Onkologie.

Gynäkologie/Geburtshilfe
Die Klinik ist gefährdet und soll wegen der chronisch defizitären Geburtshilfe geschlossen werden, sollte nicht bis Ende des Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis unter dem Strich stehen. Der Kreistag hatte ursprünglich entschieden, das Defizit tragen zu wollen, um die Abteilung in Calw beizubehalten. Das Problem der Gewinnung von Hebammen und Ärzten ist nach Ansicht von Stadtverwaltung und BI Krankenhaus Calw stets gelöst worden und weiter lösbar.

Von Marion Selent-Witowski
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 09.4.2018

Geschrieben am 09.04.2018

OB Eggert wehrt sich

Krankenhaus — Keine Inhalte preis gegeben

Calw.
Der Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe in der Krankenhaus-Debatte Inhalte einer nicht öffentlichen Sitzung nach außen gegeben.
Wie berichtet, sagte die Landkreis-Sprecherin Anja Härtel: »Wenn Inhalte einer nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung, zu denen es noch gar keinen Beschluss gibt, öffentlich im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Pressekonferenz diskutiert werden sollen, ist dies schon sehr verwunderlich.«
Dies bestreitet der OB vehement. »Ich habe zu keiner Zeit auch nur in Auszügen nicht öffentliche Inhalte geteilt«, teilt Eggert mit.
Vielmehr habe das Landratsamt nach Aussage der Bürgerinitiative (BI) bereits vor einigen Wochen in einem Treffen mit der BI das neue Medizinkonzept 2021 dargelegt. Bereits im Artikel »Tauschen zwei Abteilungen den Standort?« im Schwarzwälder Bote vom 29. März sei auf das Gespräch mit der BI verwiesen worden.
Eggert macht deutlich: »Von mir hat die BI keinerlei Informationen zum Klinikkonzept 2021 erhalten. Ich bitte den Landrat und seine Pressestelle, bei aller inhaltlichen Unterschiede, doch weiterhin sachlich und bei der Wahrheit zu bleiben.«
Von Bernd Mutschler
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 07.4.2018

Geschrieben am 06.04.2018

Sondersitzung zum Thema Krankenhaus

Zu einer öffentlichen Sondersitzung in Sachen Krankenhaus kommt der Calwer Gemeinderat am Samstag zusammen.

Calw (msw).
Mehr als kritisch sehen der Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert und die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw das im Raum stehende Konzept zur Verlagerung der Neurologie nach Nagold und zum Verbleib der Orthopädie in Calw (wir berichteten). Dadurch würden »wesentliche für die Notfallversorgung des nördlichen Landkreises vom Kreistag zugesagten Leistungen wegfallen«, heißt es in einem Brief von Eggert und BI an die Kreisräte. Das Kreisgremium soll in einer Sondersitzung am 23. April über den künftigen Calwer Gesundheitscampus abstimmen. Die Verfasser des Schreibens gehen davon aus, dass es in Calw künftig keine Basis– und Unfallchirurgie mehr an sieben Tagen geben wird, sondern nur noch zu den üblichen Tagesdienstzeiten. Mit dem Brief werden die Kreisräte gebeten, dem genannten Konzept nicht zuzustimmen. Die Sondersitzung des Calwer Gemeinderats am Samstag, 7. April, ist öffentlich und beginnt um 12.30 Uhr im Besprechungszimmer des Bauzentrums Kömpf. Unter dem Tagesordnungspunkt »Neues Krankenhauskonzept – Die massive Reduzierung der Notfallversorgung« wollen Eggert und die BI ihre Position ausführlich erläutern.

Geschrieben am 06.04.2018

Eggert und BI machen Front gegen Konzept

Calwer OB und Bürgerinitiative  verfassen Brief an Kreistagsmitglieder –  Landratsamt reagiert »irritiert«

Calws OB Ralf Eggert und die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw wenden sich öffentlich und gemeinsam gegen die im Raum stehende Reform der Klinikkonzeption und bitten die Kreisräte in einem Brief, dem neuen Konzept nicht zuzustimmen. Im Calwer Landratsamt ist man über Eggerts Vorgehen derweil »irritiert«.

Calw.
Was genau die Irritation im Calwer Landratsamt über das Vorgehen des Calwer OB ausgelöst hat, erklärt Landkreis-Pressesprecherin Anja Härtel: »Wenn Inhalte einer nicht-öffentlichen Aufsichtsratssitzung, zu denen es noch gar keinen Beschluss gibt, öffentlich im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Pressekonferenz diskutiert werden sollen, ist dies schon sehr verwunderlich«, so Härtel. »Zumal vor dem Hintergrund, dass es sich hier nicht um ein Krankenhaus der Stadt Calw, sondern um die Kreiskliniken handelt.«
Hintergrund dieser deutlichen Aussagen seitens des Landkreises ist, dass die Mitglieder des Kreistags in dieser Woche Post bekommen haben. Unter dem Briefkopf des Oberbürgermeisters der Stadt Calw machen der Calwer OB und die Bürgerinitiative deutlich, dass sie das im Raum stehende Konzept der Verlagerung der Neurologie nach Nagold und dem Verbleib der Orthopädie in Calw – in dem Schreiben »Medizinkonzept-Szenario 2021« genannt – sehr kritisch sehen. Damit würden »wesentliche für die Notfallversorgung des nördlichen Landkreises vom Kreistag zugesagte Leistungen wegfallen«, heißt es in dem Schreiben.
Eggert und die Bürgerinitiative gehen davon aus, dass es in Zukunft in Calw keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen geben, sondern nur noch zu den üblichen Tagesdienstzeiten operiert werden soll. Das widerspreche den bisherigen Zusagen, eine Akutklinik in Calw zu halten und sei »unzumutbar«. Deshalb fordert Eggert namens der Großen Kreisstadt und die Bürgerinitiative vom Landkreis, dass »wie bisher eine 24-stündige und an sieben Wochentagen in Calw bereitstehende unfallchirurgische Versorgung vorzuhalten ist«, wie es in dem Brief an die Kreisräte heißt.
Auch bei der Inneren Medizin sehen die Autoren des Schreibens eine eingeschränkte Behandlung von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr; denn nur im Tagesdienst an den Werktagen (ohne Wochenende) gebe es einen Notfall-Linksherzkatheter. Deshalb fordern Stadt und Bürgerinitiative einen Notfall-Linksherzkatheter für 24 Stunden an sieben Tagen für Calw. Der sei »unverzichtbar«.
Darüber hinaus regen die Autoren des Briefs den Ausbau der Geriatrie am Standort Calw an, doch dafür sei »eine fachärztliche und stationäre neurologische Versorgung notwendig«. Daher müsse »eine neurologische Versorgung des nördlichen Landkreises und des ZfP mit seinen Patienten durch eine neurologische Präsenz am Standort Calw sichergestellt werden«, fordern Ralf Eggert und die Unterzeichner der Bürgerinitiative Axel Ulrich Roth, Eberhard Bantel, Bernd Neufang und Ewald Prokein.
Darüber hinaus bringen die Autoren auch noch die Geburtshilfe und Gynäkologie am Calwer Krankenhaus ins Spiel. Sie sei »bundesweit medizinisch herausragend erfolgreich«, heißt es in dem Brief wörtlich. Sie werde sehr gut angenommen, biete eine »herausragende Qualität und sei zur Versorgung junger Familien im ländlichen Raum unverzichtbar«. Deshalb solle der Landkreis die Gynäkologie und Geburtshilfe in Calw erhalten. Der Brief schließt mit dem Appell der Unterzeichner an die Kreisräte »im Interesse der Bürger des gesamten Landkreises« dem überarbeiteten Medizinkonzept nicht zuzustimmen.
Zu diesem Thema hat der Calwer Oberbürgermeister eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt. Sie findet am Samstag, 7. April, statt, ist öffentlich und beginnt um 12.30 Uhr im Besprechungszimmer des Bauzentrums Kömpf. Unter dem Tagesordnungspunkt »Neues Krankenhauskonzept – Die massive Reduzierung der Notfallversorgung« wollen Eggert und die BI ihre Position ausführlich erläutern.
Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 06.4.2018