Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 17.09.2019

Calwer Wunder

Wer die vergangenen drei Jahrzehnte Kommunalpolitik im Kreis Calw mitverfolgt hat, musste sich auf dem Stammheimer Feld ungläubig die Augen reiben. Wer sich an die Gegenwehr der Calwer erinnert und an die Stahlgewitter, durch die Landrat Helmut Riegger und sein Vorgänger Hans-Werner Köblitz bei den Bürgerversammlungen in Stammheim gingen, der musste ernsthaft zweifeln, dass dieser Tag je kommen würde. Wer jede Zeile der sich über Jahre hinziehenden Leserbriefschlacht über das Für und Wider eines neuen Krankenhauses in Calw gelesen hat, der konnte beim besten Willen an dieses Leuchtturmprojekt, als das es heute gepriesen wird, keine Minute lang glauben. Dass nun, nach 106 Jahren, in der Hesse-Stadt wieder zu einem Spaten gegriffen worden ist, um eine neue Klinik zu bauen, kommt insofern einem Calwer Wunder gleich.

Kommentar Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019

Geschrieben am 17.09.2019

INFO zum Gesundheitscampus

Neben dem Neubau der Kliniken Calw, ausgestattet mit 150 Betten für die Grund– und Regelversorgung mit Schwerpunkt Orthopädie, umfasst der künftige Gesundheitscampus Calw eine Klinik für Psychosomatik mit 30 Betten, eine Tagesklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie mit zwölf Plätzen sowie eine psychiatrische Institutsambulanz des Zentrums für Psychiatrie Calw – Klinikum Nordschwarzwald, ein Nephrologisches Zentrum mit 25 Dialyseplätzen, eine Einrichtung für Kurzzeitpflege des DRK Kreisverbands Calw mit 30 Betten und ein Haus der Gesundheit. Dieses Haus wird die S-Immobilienvermögen Gesellschaft der Sparkasse Pforzheim Calw als Bauträger errichten und an verschiedene Haus– und Facharztpraxen, den Pflegestützpunkt des Landkreises Calw und ein Gesundheitszentrum der AOK Nordschwarzwald vermieten. Zudem sind die Errichtung eines Parkhauses und eines Hubschrauberlandeplatzes vorgesehen. Um kurze Wege in der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, werden alle Abteilungen räumlich miteinander verbunden. Ziel ist eine patientenorientierte und sektorenübergreifende Zusammenarbeit verschiedener Professionen des ambulanten Sektors sowie zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor.

Kostenpunkt des gesamten Campus: nahezu 100 Millionen Euro.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019

Geschrieben am 17.09.2019

Startschuss für 100-Millionen-Projekt

Versorgung — Spatenstich für den Klinikneubau leitet die Umsetzung des Medizinkonzepts in Calw ein

Es war ein langer Weg bis zu diesem symbolischen Akt auf dem Stammheimer Feld: Mit einem Spatenstich wurde der Startschuss gegeben für den in der Bürgerschaft über Jahrzehnte umstrittenen Klinikneubau in der Hesse-Stadt. Fast 100 Millionen Euro wird der neue Gesundheitscampus kosten, mit dem der Kreis konzeptionell neue Wege in der medizinischen Versorgung geht.

Calw. Entsprechend euphorisch wurde das Millionenprojekt, das hier in den nächsten drei Jahren auf einem sieben Hektar großen Areal entstehen wird, von den Festrednern mit Vorschusslorbeeren bedacht. Von einem »Vorbildcharakter« fürs ganze Land sprach Layla Distler vom Sozialministerium, überzeugt: »Für die Region wird hier etwas Wertvolles entstehen.« Gar »bundesweiten Modellcharakter« erkannte Jörg Noetzel, medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, gab sich ähnlich zuversichtlich: »Das wird eine Erfolgsgeschichte.«

In AOK-Chef Hermann sieht der Calwer Landrat Helmut Riegger den »Vater« dieses Gesundheitscampus. Vor Jahren, so plauderte der Kreischef aus dem Nähkästchen, habe er mit Hermann zusammengesessen, der ihm den Rat mit auf den Weg gegeben habe: »Machen Sie was Innovatives, etwas Gutes aus dem Krankenhaus. So ist die Campus-Idee entstanden.«
Kern dieser Idee ist eine sektorenübergreifende Versorgung der Patienten. Der Ansatz, hier ein Hausärztliches Primärversorgungszentrum einzurichten, war dem Sozialministerium eine Förderung von 150 000 Euro wert war. Baden– Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) lobte das Projekt im Vorfeld in den höchsten Tönen: »Der Gesundheitscampus Calw ist ein Vorzeigemodell, ein Leuchtturm für Baden-Württemberg.«

Die Klinik selbst, ausgestattet mit 150 Betten für die Grund– und Regelversorgung und dem Schwerpunkt Orthopädie, wird den Kreis Calw rund 70 Millionen Euro kosten wird. Man rechnet mit einer 50-prozentigen Förderquote.

Weitere 25 Millionen Euro investieren das Zentrum für Psychiatrie, das Nephrologische Centrum, das DRK und die Sparkasse Pforzheim Calw, die ein Haus der Gesundheit baut und weitervermietet (siehe Info).

Landrat Riegger gab sich beim Spatenstich überzeugt: »Der Campus eröffnet uns ganz neue Chancen in der Patientenversorgung.« Das Besondere sei weniger die räumliche Nähe der Partner-Einrichtungen, sondern vielmehr das Versorgungskonzept, das die Gebäude mit Leben erfüllen soll: »Wir wollen hier Versorgung vom Patienten her denken. Das heißt: Was braucht der Patient, um möglichst gut versorgt zu werden.«

Angesichts der Tatsache, dass viele niedergelassene Hausärzte im Landkreis altershalber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden, denkt der Kreischef auch an die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), das zunächst an einer Hausarztpraxis angegliedert werden soll. Ziel sei es aber, so erklärte Riegger, die Zentrale dieses MVZ zukünftig auf dem Campus auf dem Stammheimer Feld anzusiedeln. Darüber hinaus sollen dezentrale Zweigpraxen im Landkreis die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sicherstellen.
Die Inbetriebnahme des Calwer Gesundheitscampus ist im Jahr 2022 vorgesehen.

Von Roland Buckenmaier
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 17.9.2019

Geschrieben am 04.09.2019

Ministerium fördert Modellprojekt am Campus

Startschuss — Bauliche Maßnahmen zur äußeren Erschließung des künftigen Campus-Areals beginnen am 2. September

Diesen Montag starten die Baumaßnahmen für die Erschließung des neuen Calwer Krankenhauses. Massive Unterstützung für das Großprojekt kommt vom Stuttgarter Sozialministerium. Im Übrigen auch für Modellprojekte innerhalb des geplanten Gesundheitscampus.

Calw. Knapp ein Jahr ist es her, seit im Zuge der Umsetzung des Medizinkonzepts zur künftigen stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw mit den vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung und Erweiterung der Kreiskliniken in Nagold begonnen wurde. Jetzt stehen auch die baulichen Maßnahmen für die äußere Erschließung des geplanten Klinikneubaus mit angeschlossenem Gesundheitscampus in Calw in den Startlöchern.

Unterstützung erfährt das vom Landkreis Calw in Zusammenarbeit mit mehreren Partnern forcierte Vorhaben durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg.
Im Rahmen eines kürzlich erfolgten Besuchs im Landratsamt Calw ließ sich Sozial– und Integrationsminister Manfred Lucha, zu dessen Ressort auch die Krankenhausplanung gehört, von Landrat Helmut Riegger den aktuellen Planungsstand des Gesundheitscampus Calw und die sich durch dessen Realisierung ergebenden Vorzüge für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in der Region erläutern.
Dank des sektorenübergreifenden Versorgungsansatzes wurde nun jüngst die im Zuge des Gesundheitscampus Calw vorgesehene Einrichtung eines hausärztlichen Primärversorgungszentrums auf Bewerbung des Landkreises vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg als eines von landesweit insgesamt vier zukunftsweisenden Modellprojekten zur Primärversorgung für eine Förderung in Höhe von 150 000 Euro ausgewählt.

In einer Pressemitteilung vom 28. August hebt das Ministerium hervor, dass mit dem Projekt neue Versorgungswege der hausärztlichen Versorgung in Calw und Umgebung geschaffen werden.
So wird ein Team von Angehörigen unterschiedlicher Gesundheitsberufe – bestehend aus Pflegekräften, medizinischen Fachangestellten und Versorgungsassistenten – aufgebaut, das sich um die kontinuierliche Versorgung und Präventionsbegleitung chronisch und mehrfach erkrankter Menschen kümmert. Auch einheitliche Versorgungspfade für häufige Erkrankungen sollen eingeführt und die Gesundheitskompetenz der Bürger insgesamt gesteigert werden.

Daher könne das in den geplanten Gesundheitscampus integrierte hausärztliche Primärversorgungszentrum Calw nach Auffassung des Ministeriums zu einer Entlastung von Krankenhäusern und der Sicherung der Gesundheitsversorgung gerade im ländlichen Raum beitragen sowie der Untersuchung der nötigen Voraussetzungen und Gegebenheiten für erfolgreiche Primärversorgungszentren dienen. Zunächst gilt es nun aber, das 6,9 Hektar umfassende künftige Campus-Areal auf dem Stammheimer Feld III in Calw zu erschließen.

Die entsprechenden baulichen Maßnahmen beginnen am Montag, 2. September. Der offizielle Spatenstich für die äußere Erschließung des Gesundheitscampus Calw folgt aus terminlichen Gründen am 16. September.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 2.9.2019

Geschrieben am 25.07.2019

Ein Wachwechsel mit gehörig Zündstoff

Kreistag — Personalie sorgt für Diskussionen im neuen Kreisgremium / Viele ausscheidende Räte von Landrat Riegger verabschiedet
Darf ein Chefarzt einer Klinik in deren Aufsichtsrat? Grünen-Kreisrat Erich Grießhaber wollte diese Frage für sich nicht so ohne weiteres mit »Ja« beantworten – und setzte damit die Initialzündung für die erste intensive Debatte im neuen Calwer Kreistag. Und das gleich in dessen konstituierender Sitzung.

Kreis Calw. In konstituierenden Sitzungen kommunaler Gremien wie Gemeinde– oder Kreisräten werden für gewöhnlich die Räte auf ihr Amt verpflichtet und die Besetzung von Ausschüssen, Aufsichtsräten und ähnlichen Gremien geregelt.

So geschehen auch jetzt bei der allerersten Sitzung des neugewählten Calwer Kreistags. Jede Fraktion hatte sich ihre Gedanken gemacht und ihre Personalvorschläge im Vorfeld bei der Kreisverwaltung eingereicht, die diese dann zusammengefasst hatte.
Und so konnte in der Sitzung des Kreistags – mit Ausnahme der Besetzung der stellvertretenden Vorsitzenden des Kreistags – immer en bloc abgestimmt werden. Ob nun beim Umweltausschuss oder bei der Besetzung des Aufsichtsrats der Abfallwirtschaft Landkreis Calw.

Alles ging seinen gewohnten Gang. Bis die Besetzung des Aufsichtsrats der Kreiskliniken an der Reihe war. Für diesen Aufsichtsrat hatten die Freien Wähler den Calwer Chefarzt Stefan Handel vorgesehen. Ein Umstand, der dem Grünen-Kreisrat Erich Grießhaber nicht behagte: »Aus meiner Sicht ist die Besetzung eines Aufsichtsratspostens mit einem Angestellten nicht rechtens«, argumentierte Grießhaber. »Da gibt es eine Interessenskollision. Und das geht für mich nicht«, so der Grünen-Rat aus Bad Liebenzell, der deshalb eine geheime Abstimmung über die Besetzung des Klinik-Aufsichtsrats beantragte.

Volker Schuler, Fraktionschef der Freien Wähler, wollte die Sache so nicht stehen lasen. Zeigte sich »irritiert« und »enttäuscht« über den Antrag, der den bisherigen Gepflogenheiten im Gremium widerspreche. Der CDU war es bei der Personalie Handel offensichtlich auch nicht ganz so wohl. So jedenfalls ließ es Nagolds Stadtoberhaupt und Fraktionschef Jürgen Großmann durchblicken. Man habe da so seine Bedenken, meinte Großmann. Trotzdem werde die CDU den Personalvorschlag der Freien Wähler mittragen. Freie Wähler-Rat Otakar Zoufaly äußerte sein Missfallen über die Diskussion und machte deutlich, dass man auch beim Thema der Bürgermeister im Kreistag von einem Interessenkonflikt sprechen könne. Und der Konflikt habe bisher keine Konsequenzen gehabt. Bernd Walz von den Freien Wählern machte deutlich, dass die Fraktion die vorgebrachten Bedenken ebenfalls diskutiert und die Besetzung des Aufsichtsrats in einer geheimen Wahl vorgenommen habe, berichtete Walz.

Auch der Kreisverwaltung war das Thema im Vorfeld zugetragen worden. Man habe sich in dieser Sache beim Regierungspräsidium Karlsruhe rückversichert, berichtete Landrat Helmut Riegger. Und die Behörde habe gegen das Vorgehen keinerlei Bedenken geäußert. Man müsse das Thema in Zukunft sensibel handhaben und bei jeder Sitzung prüfen, ob beim Chefarzt Handel eine Befangenheit vorliege, riet SPD-Fraktionschefin Ursula Utters.

Auch wenn er die Personalie immer noch als »schwierig« erachte, zog Grießhaber seinen Antrag auf geheime Abstimmung schließlich zurück. Alle weiteren Personalentscheidungen erfolgten in der Sitzung einstimmig.

Vor der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags hatte Landrat Helmut Riegger in der letzten Sitzung des alten Rats eine Bilanz der Legislaturperiode gezogen und die ausscheidenden Kreistagsmitglieder verabschiedet. Der Kreistag habe in den vergangenen fünf Jahren »ganz entscheidende und weitreichende Beschlüsse für den Landkreis« gefasst. Man könne sagen: »Wir waren erfolgreich und können auf das Erreichte stolz sein«, so Riegger, der in diesem Zusammenhang unter anderem die Beschlüsse zu den Kliniken, zur Hesse-Bahn, das Vorgehen in der Flüchtlingsfrage, das Thema Breitband, die Aufrüstung der beruflichen Schulen, die Landratsamtserweiterung und die Forstreform erwähnte.

Den neu verpflichteten Kreisräten gab Riegger in einer kurzen Begrüßung so manches mit auf den Weg. Unter anderem – und das mit Blick auch auf die neue AfD-Fraktion – seinen Wunsch nach einem »souveränen Umgang« miteinander und dass die Sacharbeit im Vordergrund stehen solle. Trotz heftiger Debatten habe man sich in der Vergangenheit nach Abstimmungen immer noch in die Augen schauen können und die Mehrheitsmeinung akzeptiert.

Obwohl man in der vergangenen Periode viele wegweisende Entscheidungen getroffen habe, dürfe man nun im Kreistag nicht nachlassen und müsse weiter mutig die Zukunft des Landkreises planen. Als Ziele nannte der Kreischef »einen hohen Wohn– und Lebensstandard« und ein »attraktiver Wirtschaftsstandort Kreis Calw«. Das neue Signal für die neue Amtszeit des Kreistags solle der Mut zur Entscheidung sowie der Mut zur positiven Weiterentwicklung sein – und »die Bereitschaft die bisher getroffenen Beschlüsse mit Tatkraft umzusetzen«.

Nicht mehr im Kreistag vertreten sind:
CDU: Walter Beuerle, Martin Blaich, Helmut Hauser, Andreas Hölzlberger, Ulrich Kallfass, Gisela Kuhlmann
Freie Wähler: Ulrich Bünger, Ralf Eggert, Clemens Götz, Hans Kern, Norbert Mai, Bettina Mettler, Jochen Stoll, Thomas Zizmann.
SPD: Erich Klemm, Daniel Steinrode
Grüne: Wolfgang Klasen, Rita Weippert
FDP: Karl Braun, Christiane Hiller-Schmidt, Martin Lacroix

Nicht mehr im Kreistag vertreten sind:
CDU: Walter Beuerle, Martin Blaich, Helmut Hauser, Andreas Hölzlberger, Ulrich Kallfass, Gisela Kuhlmann
Freie Wähler: Ulrich Bünger, Ralf Eggert, Clemens Götz, Hans Kern, Norbert Mai, Bettina Mettler, Jochen Stoll, Thomas Zizmann.
SPD: Erich Klemm, Daniel Steinrode
Grüne: Wolfgang Klasen, Rita Weippert
FDP: Karl Braun, Christiane Hiller-Schmidt, Martin Lacroix

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.7.2019

Geschrieben am 25.07.2019

Landrat vermeldet zwei Infrastruktur-Coups

Unternehmertreff — Bund bezuschusst teilweise dreispurigen Ausbau der B 463 / Staatssekretär Bareiss setzt auf Innovation
Helmut Rieggers Leitlinie zur Verbesserung der Lage im Kreis Calw lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Infrastruktur. In der Hinsicht konnte der Calwer Landrat beim großen Unternehmertreff bei Infinex in Haiterbach mit einem Coup aufwarten. Der teilweise dreispurige Ausbau der B 463 ist in trockenen Tüchern – und Geld für den Mobilfunk gibt es auch.

Kreis Calw/Haiterbach. Für Calws Landrat Helmut Riegger ist die Lage klar. Die Unternehmen – auch die im Kreis Calw – bekommen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht die Wertschätzung, die sie verdienen. Auch deshalb lädt der Landkreis regelmäßig die Unternehmer des Kreises zu einem großen Unternehmertreff ein. In diesem Jahr war die Firma Infinex in Haiterbach Co-Gastgeber – einen Tag vor der Eröffnung ihres neuen Verwaltungsgebäudes mit dem »Infinex-Turm«.

Für die gut 250 Gäste des Unternehmertreffs hatte der Calwer Kreischef zwei besondere Nachrichten auf Lager. In seiner vom Thema Infrastruktur dominierten Ansprache konnte er gleich bei zwei Infrastruktur-Vorhaben einen Durchbruch vermelden. Zum einen beim angestrebten teilweise dreispurigen Ausbau der Bundesstraße 463 zwischen Nagold und Pforzheim. Dafür werde der Bund 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen, teilte Riegger mit. »Damit haben wir in ein paar Jahren einen besseren Anschluss an die Westtangente bei Pforzheim und damit zur A 8«, so der Landrat.

Millionenzuschüsse gibt es nach Rieggers Worten auch für ein anderes Projekt: »Für den Ausbau des Mobilfunknetzes werden wir zehn Millionen Euro Fördermittel vom Bund bekommen«, so der Kreischef. In Sachen Mobilfunk formulierte Riegger dabei nicht den 5G-Mobilfunkstandard als Ziel, sondern: »Mir würde es für die Bevölkerung reichen, wenn wir ein flächendeckendes 4G-Netz hätten.« An dieser Stelle war es für Riegger Zeit für eine Prise Sarkasmus: »Dann bauen wir eben auch noch Funkmasten.«

Diese Aussage war darauf gemünzt, dass der Landkreis auch beim Breitbandausbau das Heft des Handelns in die eigene Hand genommen hat. Da habe man 440 Kilometer Glasfaserkabel im Kreis verlegt, in neun Kommunen werde man jedes Haus mit Glasfaser versorgen. Dafür habe man allein in den vergangenen zwei Jahren 18 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land abgerufen.

Auch die großen Infrastrukturprojekte des Kreises durften bei Rieggers Rede nicht fehlen: die Hesse-Bahn, für die man 60 Millionen Euro investiert, und die Krankenhäuser. Da werden für die Erweiterung des Nagolder Krankenhauses 85 Millionen ausgegeben und für das neue Calwer Krankenhaus samt Gesundheitscampus zusammengenommen 100 Millionen Euro.

Weiterhin kündigte der Landrat an, dass man sich im Kreis in Zukunft des Themas Klimaschutz annehmen werde. Dafür müssten aber alle politischen Akteure – von der EU über den Bund bis hin zu den Kommunen – an einem Strang ziehen.

Was die Unternehmen im Kreis angeht, wiederholte Riegger seine immer wieder hervorgehobene Linie: Er als Landrat und das Landratsamt »werden für Sie bei allen Ihren Vorhaben ein guter und verlässlicher Partner sein.«

Nachdem Co-Gastgeber Infinex-Chef Martin Hartl den Gästen sein Unternehmen und das neue Verwaltungsgebäude vorgestellt hatte, betrat der eigentliche Stargast des Abends die Bühne: Thomas Bareiss, seines Zeichens Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, verbreitete von Beginn an Optimismus in Sachen Wirtschaftslage. Er sang das hohe Lied auf die familiengeführten mittelständischen Unternehmen, bezeichnete diese als »das Pfund, auf das wir bauen können«. Hob hervor, dass Baden-Württemberg mehr »Hidden Champions« – unbekannte Firmen, die in ihrer Sparte Weltmarktführer sind – habe als die gesamte USA. Bareiss rief die Unternehmen auf, in ihrer Branche Schrittmacher zu bleiben. In Sachen Energiewende will der Unionspolitiker weniger mit Verboten und Regularien arbeiten, sondern setzt vielmehr auf die Innovationskraft von Wissenschaft und Wirtschaft.

Bekocht vom Kochclub Nordschwarzwald und bedient von Helfern des TSV Haiterbach konnten die Besucher den Unternehmertreff in Haiterbach gemütlich ausklingen lassen.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.7.2019

Geschrieben am 25.07.2019

Nagolder Chirurgie hat einen neuen Chefarzt

Personalie — Aufsichtsrat des Kreisklinikums beruft Privatdozent Daniel Kauff / Mediziner wechselt aus Mainz in den Kreis Calw
In seiner jüngsten Sitzung in dieser Woche hat der Aufsichtsrat des Kreisklinikums Calw-Nagold die Nachfolge der Chefarztposition der Klinik für Allgemein-, Viszeral– und Gefäßchirurgie mit Unfallchirurgie an den Kliniken Nagold festgelegt.

Nagold/Sindelfingen. Im Einvernehmen mit der Geschäftsführung entschied sich das Gremium für Privatdozent Daniel Kauff. Der 40-jährige Mediziner setzte sich damit im Auswahlverfahren gegen 13 Bewerber aus dem gesamten Bundesgebiet durch und wird nach jetzigem Stand bereits zum 14. Oktober 2019 seinen Dienst in Nagold antreten.
Bis dahin führt der leitende Oberarzt Kai Roy die Klinik in Nagold kommissarisch weiter. Standortübergreifend im Sinne des Verbundcharakters unterstützt zudem bis zum Herbst der Chefarzt der Böblinger Allgemeinchirurgie, Stefan Rolf Benz, die Kollegen vor Ort, um die Patientenversorgung auf gewohnt hohem Niveau zu sichern und einen nahtlosen Führungsübergang an den neuen Chefarzt zu gewährleisten.

»Mit Herrn Kauff ist es uns gelungen, einen äußerst profilierten und engagierten Viszeralchirurgen sowie menschlich tadellosen Kandidaten für die Kliniken Nagold zu gewinnen«, so der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikverbundes Südwest, Calws Landrat Helmut Riegger, am Rande der Aufsichtsratssitzung. »Die hochkarätige Nachbesetzung ist für die Patienten, aber auch für die Mitarbeiter, ein gewichtiges Zeichen zur Stärkung der wohnortnahen medizinischen Versorgung im Kreis Calw.«

»Daniel Kauff stößt im Herbst zu einem perfekten Zeitpunkt zu uns und kann die Modernisierung und Weiterentwicklung der Kliniken Nagold hin zu einem Schwerpunktversorger in den nächsten Jahren mitgestalten«, gibt der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds, Jörg Noetzel, zu bedenken. »Seine Habilitation und seine Tätigkeiten im Rahmen der für 2020 geplanten Ernennung zum außerplanmäßigen Professor tragen maßgeblich zur Weiterentwicklung des Standorts und der Nachwuchsgewinnung bei.«

Sowohl seine Expertise in der Viszeralchirurgie, speziellen Viszeralchirurgie, Proktologie und Onkologie im Rahmen des Darmkrebszentrums als auch seine Erfahrung in der laparoskopischen Chirurgie haben die Auswahlkommission – bestehend aus Vertretern der Geschäftsleitung, der Pflege sowie Chefärzten der Kliniken Nagold und des Verbundes – mehr als überzeugt.
»Darüber hinaus kann Herr Kauff sein Wissen und seine Erfahrung bei der onkologischen Zertifizierung in Nagold sehr gut einbringen und perspektivisch beispielsweise den Aufbau eines koloproktologischen Zentrums sowie eines Refluxzentrums vorantreiben. Mit seiner Begeisterung für die Medizin und seinem gewinnenden Wesen ist er die perfekte Wahl, um die Klinik zukunftsfähig weiter zu entwickeln.«

Kauff wechselt von der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zum Klinikverbund Südwest. Dort war er zuletzt Funktionsoberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral– und Transplantationschirurgie, Koordinator des Viszeralonkologischen Zentrums (Leber, Darm, Magen, Pankreas) sowie Lehrbeauftragter.

Sein Studium der Humanmedizin sowie die Facharztausbildung absolvierte der gebürtige Frankfurter ebenfalls in Mainz. Aktuell absolviert er zudem ein berufsbegleitendes Masterstudium in Health Business Administration. Der Facharzt für Viszeralchirurgie, spezielle Viszeralchirurgie und Proktologie ist unter anderem Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Allgemein– und Viszeralchirurgie, der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie und der Deutschen Kontinenz Gesellschaft.

Kauff ist verheiratet und hat eine einjährige Tochter.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.7.2019

Geschrieben am 25.06.2019

Liebe Wählerinnen und Wähler!

Dr. med. Eberhard Bantel und Prof. Dr. med. Martin Handel

Liebe Wählerinnen und Wähler!

Wir haben uns sehr über die große Unterstützung durch Sie
bei der Kreistagswahl 2019 gefreut.
Wir werden uns für Sie mit ganzer Kraft insbesondere für eine gute
und nachhaltige medizinische Versorgung im Landkreis einsetzen.

Ihr Eberhard Bantel und Martin Handel

Schwarzwälder Bote, ANZEIGEN vom 22.6.2019

Geschrieben am 07.05.2019

Hausarzt-Job auf dem Land? Nein danke!

Gesundheit — Patienten-Versorgung regional sehr unterschiedlich

Freiburg. Wie weit haben Sie es bis zum Arzt? Und dauert es oft mal länger mit dem nächsten Termin? Das kann quer durch Deutschland auch damit zu tun haben, wo jemand wohnt. Denn wie engmaschig das Netz der Praxisärzte ist, unterscheidet sich je nach Region immer noch ziemlich. In der Studentenstadt Freiburg kümmern sich – rein rechnerisch – knapp 400 niedergelassene Mediziner um 100 000 Einwohner. Gut 300 Kilometer Luftlinie weiter nordöstlich, im bayerischen Landkreis Coburg, sind es dagegen nur 84,3. Dabei gibt es gerade in dünn besiedelten Gegenden akute Sorgen, ob Praxen vor Ort überhaupt erhalten bleiben. Denn viele Hausärzte sind schon älter.

Wie gut oder problematisch die Patientenversorgung in einer Region insgesamt ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Denn dazu tragen die Praxen der Kassenärzte natürlich nicht allein bei, sondern zum Beispiel auch Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen. Außerdem versorgen größere Städte zumindest beim Facharztangebot oft eine gewisse Umlandregion mit. So rangiert der Landkreis Landshut mit 87 Ärzten bezogen auf 100 000 Einwohner bei der Arztdichte bundesweit auf dem zweitletzten Platz. Die Stadt Landshut liegt dagegen mit einem Wert von 319 Ärzten sogar auf Platz acht, wie neue Zahlen des Bundesarztregisters mit Stand Ende 2018 zeigen.

Ein schlichter Unterschied nach Ost und West zeigt sich dabei nicht. Zwar ist Brandenburg bei der Arztdichte das Schusslicht aller Länder. Ebenfalls weniger als 200 niedergelassene Mediziner pro 100 000 Einwohner haben aber auch die Kassenärzte-Regionen Westfalen-Lippe, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Konkret kommt es für die Patienten darauf an, wie groß die Fläche ist, auf die sich eine bestimmte Ärztezahl verteilt. Und dann ist es entscheidend, wie gut oder dünn die Anbindung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist.

Um drohenden Mangel in bestimmten Regionen zu vermeiden, muss aus Sicht der Ärzte die Politik liefern. »Die einzig seriöse Antwort auf den Ärztemangel heißt: mehr Studienplätze«, sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es eigentlich genug Ärzte. Die seien aber gelegentlich falsch verteilt und hätten für Versicherte zumindest in manchen Fällen zu selten Sprechstunden. Die Kehrseite fehlender Praxen auf dem Land sind überlaufene Stadt-Praxen in bestimmten Vierteln. Teils werden Eltern abgewiesen, die neu einen festen Kinderarzt suchen.

Besonders im Blick steht das Netz der Hausärzte. Sie sind meist erste und häufigste Anlaufstellen für Patienten und sollten möglichst nicht so weit weg liegen. Auch hier geht die Abdeckung aber regional stark auseinander. Bundesweit spitze ist Kaufbeuren in Bayern mit 95,9 Hausärzten pro 100 000 Einwohner. Über der 90-Ärzte-Marke liegen auch Freiburg, Würzburg, Garmisch-Partenkirchen und Weimar. Von den zehn Kommunen mit der niedrigsten Hausarztdichte befinden sich dagegen allein sechs in Nordrhein-Westfalen – darunter die Großstadt Duisburg (rund 500 000 Einwohner) mit 55 Hausärzten nach diesem Verhältnis.

Ausgerechnet bei Hausärzten zeichnen sich schon seit Längerem Schwierigkeiten bei der Nachfolge ab, wenn Praxisinhaber in den Ruhestand gehen. Und Hausärzte sind im Schnitt älter als Kollegen anderer Fachrichtungen. Das größte Problem damit droht laut Statistik in Rheinland-Pfalz, das die bundesweit ältesten Hausärzte (im Schnitt 56,4 Jahre) hat – fast jeder fünfte (18,9 Prozent) ist schon älter als 65. In Westfalen-Lippe sieht es nur wenig besser aus. Dagegen hat Mecklenburg-Vorpommern die vergleichsweise jüngsten Hausärzte mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren, nur 9,3 Prozent sind über 65.

Gerade Hausärzte für das Land zu gewinnen, ist jedoch nicht leicht. Damit sich Praxen tragen, brauchen sie einen gewissen Patientenstamm. Und auch für Ärzte hängt die Entscheidung für eine Niederlassung an einem Ort an Kriterien wie Freizeitangebot, Jobs für Lebenspartner und Kinderbetreuung, wie das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung in einer Studie erläuterte. Generell gibt es eine Steuerung von Praxissitzen über Bedarfspläne. Die Bundesregierung setzt künftig auch auf zusätzliche finanzielle Anreize für Landärzte.

Der GKV-Spitzenverband mahnt »eine gemeinsame Anstrengung« an, um eine Versorgung auf hohem Niveau zu sichern – gerade auf dem Land, wenn Schulen, Bahnhöfe und Lebensmittelgeschäfte schon geschlossen sind. »Heute sehen sich die Organisationen der niedergelassenen Ärzte und der Kliniken zu oft als Konkurrenten um lukrative Patienten, statt Hand in Hand für deren gute Versorgung zusammenzuarbeiten«, sagt Sprecher Florian Lanz.

Unter den Städten und Landkreisen in Deutschland gibt es erhebliche Unterschiede bei der Arztdichte, also der Zahl der Ärzte berechnet auf 100 000 Einwohner.

Eine Übersicht:
Höchste Arztdichte (Städte)
Freiburg 395,3
Heidelberg 393,6
Bamberg 361,4
Würzburg 346,8
Bonn 325,6
Passau 324,3
Rosenheim 321,8
Landshut 319,3
Kassel 316,7
Münster 308

Niedrigste Arztdichte (Landkreise)
Ansbach 105,3
Amberg-Sulzbach 102,3
Neustadt a. d. Waldnaab 101
Aschaffenburg 97,9
Bamberg 95,5
Bayreuth 94
Schweinfurt 90,6
Südwestpfalz 90,2
Landshut 87,3
Coburg 84,3

Von Sascha Meyer und Jennifer Schneider
Schwarzwälder Bote, DIE DRITTE SEITE vom 4.5.2019

Geschrieben am 22.12.2018

Verbund trennt sich von Chefarzt in Nagold

Kliniken — »Unterschiedliche Auffassungen zu Qualitätsstandards« / Stefan Benz übernimmt kommissarische Leitung

Bereits Mitte November hat sich der Klinikverbund Südwest vom bisherigen Chefarzt der Nagolder Klinik für Allgemein-, Viszeral– und Gefäßchirurgie mit Unfallchirurgie getrennt. Hintergrund seien »unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf geltende interne Qualitätsstandards«.

Nagold. Im Detail soll es um »Ungereimtheiten bei der Dokumentation von Operationen« gehen, die der Chefarzt selbst am Klinikum Nagold ausgeführt haben soll, so der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Jörg Noetzel, in einem Hintergrundgespräch mit dieser Zeitung. In einer parallel dazu verteilten schriftlichen Erklärung heißt es, der Klinikverbund Südwest lege im Sinne seiner Patienten »sehr hohe Qualitätsstandards an die Behandlungs-, aber auch Dokumentationsqualität« an.

Um diese Qualität dauerhaft zu sichern, sei ein »offener, transparenter Umgang in der Nachbetrachtung und Analyse von Fällen« unabdingbar. Die Basis dafür seien wiederum »akkurat geführte Patientenakten inklusive der zugehörigen OP-Berichte«. Gerade von der obersten medizinischen Führungsebene werde daher »ein maximales Maß an Sorgsamkeit und Kooperation erwartet«. Aufgrund der aktuellen Sachlage hätten sich bezüglich der Zusammenarbeit mit dem bisherigen Chefarzt der Chirurgie, der seit Anfang 2015 an der Nagolder Klinik beschäftigt war, »unüberbrückbare Differenzen gebildet«, so dass sich die Geschäftsführung in enger Abstimmung mit den Nagolder Chefarztkollegen gezwungen gesehen habe, »den Weg der Trennung zu gehen«. Sowohl der Betriebsrat als auch der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw gGmbH hätten sich bereits in Sondersitzungen einvernehmlich für dieses Vorgehen ausgesprochen.

Wie der medizinische Geschäftsführer im Klinikverbund Südwest, Noetzel – selbst gelernter Chirurg – dazu auf Nachfrage erläutert, würden »kritische Operationen« standardmäßig mit den verantwortlichen und beteiligten Ärzten und der Klinikleitung in Rahmen einer fachlichen Erörterung aufbereitet. Das sei das »übliche und ordentliche Vorgehen« in solchen Fällen. Die dabei vom bisherigen Chefarzt vorgelegten Dokumente hätten bei genauerer Betrachtung nicht den »erwarteten Standards« entsprochen. Die Reaktion der Klinikleitung sei »früh« und »niedrigschwellig« erfolgt, im Sinne höchster qualitativer Standards in der Patientendokumentation. Noetzel bestätigt, dass der betroffene, ehemalige Nagolder Chefarzt seine fristlose Kündigung nicht akzeptiert habe und nun ein Verfahren in dieser Sache vor dem Arbeitsgericht anhängig sei. Ein sogenannter Gütetermin, bei dem versucht wird eine einvernehmlich Einigung zwischen den Parteien herzustellen, sei bereits terminiert.

Für die Patienten ergeben sich derzeit trotz der Chefarztvakanz an der Chirurgie des Nagolder Klinikums »dank des eingespielten Teams« aktuell keinerlei Einschränkungen in dem bisherigen gewohnten und umfangreichen medizinischen Leistungsspektrum. Mit den in Nagold beschäftigten leitenden Oberärzten Armin Seeger und Kai Roy sowie den Oberärzten Hans-Peter Fischer und Adelbert Duit seien langjährige und fachlich sehr versierte Viszeral-, Unfall-, und Gefäßchirurgen mit der Patientenversorgung betraut, die die Versorgung der Patienten wie gewohnt sicherstellten. Kai Roy habe zudem seit Beginn der Vakanz der Chefarzt-Stelle die kommissarische Leitung der chirurgischen Klinik inne.

Standortübergreifend im Sinne des Verbundcharakters im Klinikverbund Südwest unterstütze zudem momentan der Chefarzt der Böblinger Allgemeinchirurgie, Stefan Rolf Benz, im Rahmen einer wöchentlichen Visite die Kollegen in Nagold. Als ehemaliger Chefarzt am Nagolder Klinikum und Vorgänger des jetzt geschassten Klinikleiters genieße Benz »sowohl bei den Mitarbeitern als auch Patienten nach wie vor einen exzellenten Ruf«.

In den Aufsichtsratsgremien wurde daher aktuell darüber beraten, Benz in der weiteren Übergangszeit die kommissarische Leitung der Nagolder Chirurgie zu übertragen. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw gGmbH habe diesem Vorgehen bereits in der vergangenen Woche zugestimmt. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Böblingen gGmbH hat dem Vorgehen am Mittwoch einstimmig seinen Segen erteilt.

Unabhängig davon sei geplant, die vakante Stelle des Chefarztes an der Nagolder Chirurgie in Absprache mit dem Aufsichtsratsgremium möglichst zeitnah neu zu besetzen.

Was, so Jörg Noetzel, aber nicht so ganz einfach werden dürfte. Nach dem Weggang von Stefan Rolf Benz als Chefarzt der Nagolder Chirurgie Anfang 2014 war diese Position schon einmal längere Zeit vakant. Damals gelang es erst im zweiten Anlauf, einen Nachfolger für Benz, »der große Fußstapfen hier hinterlassen hat« (Noetzel), zu finden. Ein designierter Chefarztkandidat aus einem ersten Bewerberauswahlverfahren hatte dem Klinikverbund Südwest damals kurz vor Amtsantritt überraschend einen Korb gegeben. Letztlich blieb die Stelle schon damals ein Jahr lang unbesetzt. Die Klinik für Allgemein-, Viszeral– (»innere Organe«) und Gefäßchirurgie mit Unfallchirurgie in Nagold hat im Jahr 2017 insgesamt 2882 stationäre Patienten behandelt sowie 11782 ambulante Behandlungskontakte.

Die Hochrechnungen für das aktuelle Jahr bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen, mit knapp 3000 stationären und rund 12 000 ambulanten Behandlungen. Zum Vergleich: Insgesamt hatten die Kliniken Nagold 2017 knapp 11 000 stationäre Patienten sowie rund 51 000 ambulante Behandlungen.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.12.2018