Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 25.06.2019

Liebe Wählerinnen und Wähler!

Dr. med. Eberhard Bantel und Prof. Dr. med. Martin Handel

Liebe Wählerinnen und Wähler!

Wir haben uns sehr über die große Unterstützung durch Sie
bei der Kreistagswahl 2019 gefreut.
Wir werden uns für Sie mit ganzer Kraft insbesondere für eine gute
und nachhaltige medizinische Versorgung im Landkreis einsetzen.

Ihr Eberhard Bantel und Martin Handel

Schwarzwälder Bote, ANZEIGEN vom 22.6.2019

Geschrieben am 07.05.2019

Hausarzt-Job auf dem Land? Nein danke!

Gesundheit — Patienten-Versorgung regional sehr unterschiedlich

Freiburg. Wie weit haben Sie es bis zum Arzt? Und dauert es oft mal länger mit dem nächsten Termin? Das kann quer durch Deutschland auch damit zu tun haben, wo jemand wohnt. Denn wie engmaschig das Netz der Praxisärzte ist, unterscheidet sich je nach Region immer noch ziemlich. In der Studentenstadt Freiburg kümmern sich – rein rechnerisch – knapp 400 niedergelassene Mediziner um 100 000 Einwohner. Gut 300 Kilometer Luftlinie weiter nordöstlich, im bayerischen Landkreis Coburg, sind es dagegen nur 84,3. Dabei gibt es gerade in dünn besiedelten Gegenden akute Sorgen, ob Praxen vor Ort überhaupt erhalten bleiben. Denn viele Hausärzte sind schon älter.

Wie gut oder problematisch die Patientenversorgung in einer Region insgesamt ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Denn dazu tragen die Praxen der Kassenärzte natürlich nicht allein bei, sondern zum Beispiel auch Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen. Außerdem versorgen größere Städte zumindest beim Facharztangebot oft eine gewisse Umlandregion mit. So rangiert der Landkreis Landshut mit 87 Ärzten bezogen auf 100 000 Einwohner bei der Arztdichte bundesweit auf dem zweitletzten Platz. Die Stadt Landshut liegt dagegen mit einem Wert von 319 Ärzten sogar auf Platz acht, wie neue Zahlen des Bundesarztregisters mit Stand Ende 2018 zeigen.

Ein schlichter Unterschied nach Ost und West zeigt sich dabei nicht. Zwar ist Brandenburg bei der Arztdichte das Schusslicht aller Länder. Ebenfalls weniger als 200 niedergelassene Mediziner pro 100 000 Einwohner haben aber auch die Kassenärzte-Regionen Westfalen-Lippe, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Konkret kommt es für die Patienten darauf an, wie groß die Fläche ist, auf die sich eine bestimmte Ärztezahl verteilt. Und dann ist es entscheidend, wie gut oder dünn die Anbindung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist.

Um drohenden Mangel in bestimmten Regionen zu vermeiden, muss aus Sicht der Ärzte die Politik liefern. »Die einzig seriöse Antwort auf den Ärztemangel heißt: mehr Studienplätze«, sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es eigentlich genug Ärzte. Die seien aber gelegentlich falsch verteilt und hätten für Versicherte zumindest in manchen Fällen zu selten Sprechstunden. Die Kehrseite fehlender Praxen auf dem Land sind überlaufene Stadt-Praxen in bestimmten Vierteln. Teils werden Eltern abgewiesen, die neu einen festen Kinderarzt suchen.

Besonders im Blick steht das Netz der Hausärzte. Sie sind meist erste und häufigste Anlaufstellen für Patienten und sollten möglichst nicht so weit weg liegen. Auch hier geht die Abdeckung aber regional stark auseinander. Bundesweit spitze ist Kaufbeuren in Bayern mit 95,9 Hausärzten pro 100 000 Einwohner. Über der 90-Ärzte-Marke liegen auch Freiburg, Würzburg, Garmisch-Partenkirchen und Weimar. Von den zehn Kommunen mit der niedrigsten Hausarztdichte befinden sich dagegen allein sechs in Nordrhein-Westfalen – darunter die Großstadt Duisburg (rund 500 000 Einwohner) mit 55 Hausärzten nach diesem Verhältnis.

Ausgerechnet bei Hausärzten zeichnen sich schon seit Längerem Schwierigkeiten bei der Nachfolge ab, wenn Praxisinhaber in den Ruhestand gehen. Und Hausärzte sind im Schnitt älter als Kollegen anderer Fachrichtungen. Das größte Problem damit droht laut Statistik in Rheinland-Pfalz, das die bundesweit ältesten Hausärzte (im Schnitt 56,4 Jahre) hat – fast jeder fünfte (18,9 Prozent) ist schon älter als 65. In Westfalen-Lippe sieht es nur wenig besser aus. Dagegen hat Mecklenburg-Vorpommern die vergleichsweise jüngsten Hausärzte mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren, nur 9,3 Prozent sind über 65.

Gerade Hausärzte für das Land zu gewinnen, ist jedoch nicht leicht. Damit sich Praxen tragen, brauchen sie einen gewissen Patientenstamm. Und auch für Ärzte hängt die Entscheidung für eine Niederlassung an einem Ort an Kriterien wie Freizeitangebot, Jobs für Lebenspartner und Kinderbetreuung, wie das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung in einer Studie erläuterte. Generell gibt es eine Steuerung von Praxissitzen über Bedarfspläne. Die Bundesregierung setzt künftig auch auf zusätzliche finanzielle Anreize für Landärzte.

Der GKV-Spitzenverband mahnt »eine gemeinsame Anstrengung« an, um eine Versorgung auf hohem Niveau zu sichern – gerade auf dem Land, wenn Schulen, Bahnhöfe und Lebensmittelgeschäfte schon geschlossen sind. »Heute sehen sich die Organisationen der niedergelassenen Ärzte und der Kliniken zu oft als Konkurrenten um lukrative Patienten, statt Hand in Hand für deren gute Versorgung zusammenzuarbeiten«, sagt Sprecher Florian Lanz.

Unter den Städten und Landkreisen in Deutschland gibt es erhebliche Unterschiede bei der Arztdichte, also der Zahl der Ärzte berechnet auf 100 000 Einwohner.

Eine Übersicht:
Höchste Arztdichte (Städte)
Freiburg 395,3
Heidelberg 393,6
Bamberg 361,4
Würzburg 346,8
Bonn 325,6
Passau 324,3
Rosenheim 321,8
Landshut 319,3
Kassel 316,7
Münster 308

Niedrigste Arztdichte (Landkreise)
Ansbach 105,3
Amberg-Sulzbach 102,3
Neustadt a. d. Waldnaab 101
Aschaffenburg 97,9
Bamberg 95,5
Bayreuth 94
Schweinfurt 90,6
Südwestpfalz 90,2
Landshut 87,3
Coburg 84,3

Von Sascha Meyer und Jennifer Schneider
Schwarzwälder Bote, DIE DRITTE SEITE vom 4.5.2019

Geschrieben am 22.12.2018

Verbund trennt sich von Chefarzt in Nagold

Kliniken — »Unterschiedliche Auffassungen zu Qualitätsstandards« / Stefan Benz übernimmt kommissarische Leitung

Bereits Mitte November hat sich der Klinikverbund Südwest vom bisherigen Chefarzt der Nagolder Klinik für Allgemein-, Viszeral– und Gefäßchirurgie mit Unfallchirurgie getrennt. Hintergrund seien »unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf geltende interne Qualitätsstandards«.

Nagold. Im Detail soll es um »Ungereimtheiten bei der Dokumentation von Operationen« gehen, die der Chefarzt selbst am Klinikum Nagold ausgeführt haben soll, so der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, Jörg Noetzel, in einem Hintergrundgespräch mit dieser Zeitung. In einer parallel dazu verteilten schriftlichen Erklärung heißt es, der Klinikverbund Südwest lege im Sinne seiner Patienten »sehr hohe Qualitätsstandards an die Behandlungs-, aber auch Dokumentationsqualität« an.

Um diese Qualität dauerhaft zu sichern, sei ein »offener, transparenter Umgang in der Nachbetrachtung und Analyse von Fällen« unabdingbar. Die Basis dafür seien wiederum »akkurat geführte Patientenakten inklusive der zugehörigen OP-Berichte«. Gerade von der obersten medizinischen Führungsebene werde daher »ein maximales Maß an Sorgsamkeit und Kooperation erwartet«. Aufgrund der aktuellen Sachlage hätten sich bezüglich der Zusammenarbeit mit dem bisherigen Chefarzt der Chirurgie, der seit Anfang 2015 an der Nagolder Klinik beschäftigt war, »unüberbrückbare Differenzen gebildet«, so dass sich die Geschäftsführung in enger Abstimmung mit den Nagolder Chefarztkollegen gezwungen gesehen habe, »den Weg der Trennung zu gehen«. Sowohl der Betriebsrat als auch der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw gGmbH hätten sich bereits in Sondersitzungen einvernehmlich für dieses Vorgehen ausgesprochen.

Wie der medizinische Geschäftsführer im Klinikverbund Südwest, Noetzel – selbst gelernter Chirurg – dazu auf Nachfrage erläutert, würden »kritische Operationen« standardmäßig mit den verantwortlichen und beteiligten Ärzten und der Klinikleitung in Rahmen einer fachlichen Erörterung aufbereitet. Das sei das »übliche und ordentliche Vorgehen« in solchen Fällen. Die dabei vom bisherigen Chefarzt vorgelegten Dokumente hätten bei genauerer Betrachtung nicht den »erwarteten Standards« entsprochen. Die Reaktion der Klinikleitung sei »früh« und »niedrigschwellig« erfolgt, im Sinne höchster qualitativer Standards in der Patientendokumentation. Noetzel bestätigt, dass der betroffene, ehemalige Nagolder Chefarzt seine fristlose Kündigung nicht akzeptiert habe und nun ein Verfahren in dieser Sache vor dem Arbeitsgericht anhängig sei. Ein sogenannter Gütetermin, bei dem versucht wird eine einvernehmlich Einigung zwischen den Parteien herzustellen, sei bereits terminiert.

Für die Patienten ergeben sich derzeit trotz der Chefarztvakanz an der Chirurgie des Nagolder Klinikums »dank des eingespielten Teams« aktuell keinerlei Einschränkungen in dem bisherigen gewohnten und umfangreichen medizinischen Leistungsspektrum. Mit den in Nagold beschäftigten leitenden Oberärzten Armin Seeger und Kai Roy sowie den Oberärzten Hans-Peter Fischer und Adelbert Duit seien langjährige und fachlich sehr versierte Viszeral-, Unfall-, und Gefäßchirurgen mit der Patientenversorgung betraut, die die Versorgung der Patienten wie gewohnt sicherstellten. Kai Roy habe zudem seit Beginn der Vakanz der Chefarzt-Stelle die kommissarische Leitung der chirurgischen Klinik inne.

Standortübergreifend im Sinne des Verbundcharakters im Klinikverbund Südwest unterstütze zudem momentan der Chefarzt der Böblinger Allgemeinchirurgie, Stefan Rolf Benz, im Rahmen einer wöchentlichen Visite die Kollegen in Nagold. Als ehemaliger Chefarzt am Nagolder Klinikum und Vorgänger des jetzt geschassten Klinikleiters genieße Benz »sowohl bei den Mitarbeitern als auch Patienten nach wie vor einen exzellenten Ruf«.

In den Aufsichtsratsgremien wurde daher aktuell darüber beraten, Benz in der weiteren Übergangszeit die kommissarische Leitung der Nagolder Chirurgie zu übertragen. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw gGmbH habe diesem Vorgehen bereits in der vergangenen Woche zugestimmt. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Böblingen gGmbH hat dem Vorgehen am Mittwoch einstimmig seinen Segen erteilt.

Unabhängig davon sei geplant, die vakante Stelle des Chefarztes an der Nagolder Chirurgie in Absprache mit dem Aufsichtsratsgremium möglichst zeitnah neu zu besetzen.

Was, so Jörg Noetzel, aber nicht so ganz einfach werden dürfte. Nach dem Weggang von Stefan Rolf Benz als Chefarzt der Nagolder Chirurgie Anfang 2014 war diese Position schon einmal längere Zeit vakant. Damals gelang es erst im zweiten Anlauf, einen Nachfolger für Benz, »der große Fußstapfen hier hinterlassen hat« (Noetzel), zu finden. Ein designierter Chefarztkandidat aus einem ersten Bewerberauswahlverfahren hatte dem Klinikverbund Südwest damals kurz vor Amtsantritt überraschend einen Korb gegeben. Letztlich blieb die Stelle schon damals ein Jahr lang unbesetzt. Die Klinik für Allgemein-, Viszeral– (»innere Organe«) und Gefäßchirurgie mit Unfallchirurgie in Nagold hat im Jahr 2017 insgesamt 2882 stationäre Patienten behandelt sowie 11782 ambulante Behandlungskontakte.

Die Hochrechnungen für das aktuelle Jahr bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen, mit knapp 3000 stationären und rund 12 000 ambulanten Behandlungen. Zum Vergleich: Insgesamt hatten die Kliniken Nagold 2017 knapp 11 000 stationäre Patienten sowie rund 51 000 ambulante Behandlungen.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 20.12.2018

Geschrieben am 06.12.2018

Kreisklinken rutschen weiter ins Minus

Haushalt — Geschäftsjahr 2017 schließt mit einem Fehlbetrag von 7,44 Millionen Euro

Die Summe hat Sprengkraft: Mehr als 7,44 Millionen Euro muss der Kreis Calw für den Betrieb seiner beiden Krankenhäuser für das Jahr 2017 zuschießen. Ein Betrag, der den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses (VWA) des Calwer Kreistags ordentlich Bauchschmerzen bereitete.

Kreis Calw. Die Tendenz bei den Verlustübernahmen für die Kliniken durch den allgemeinen Kreishaushalt zeigt deutlich nach oben: Im Jahr 2016 lag der Fehlbetrag mit rund 5,79 Millionen Euro zwar auch schon sehr hoch, aber noch deutlich niedriger als im Folgejahr. Weshalb die Kreisräte im VWA, darunter allein sieben Bürgermeister, »Erläuterungsbedarf« in der jüngsten öffentlichen VWA-Sitzung anmeldeten, wie es beispielsweise Volker Schuler (FWV-Fraktionssprecher) formulierte.

Wobei unter anderem Dietmar Fischer (CDU) auch klarstellte, dass die Kritik an der finanziellen Lage und der fehlenden »positiven Entwicklung« bei den Kreiskliniken auf keinen Fall die ärztliche Versorgung in Frage stelle. Was später in der Sitzung auch Jürgen Großmann (CDU-Fraktionssprecher) aufgriff: »Wir sollten unsere Krankenhäuser nicht schlechter reden als sie sind.« Der Landkreis habe eine eigene medizinische Konzeption auf den Weg gebracht, was »vor fünf Jahren uns keiner geglaubt« hätte.

Allerdings bildeten die Zahlen diesen positiven Trend noch nicht ab.

Laut Martin Loydl, Kaufmännischer Geschäftsführer im Klinikverbund Südwest, spiegelt der hohe Fehlbetrag für die beiden Calwer Kreiskliniken unter anderem einen »Sondereffekt« wider: Man habe in Abstimmung mit dem begleitenden Wirtschaftsprüfer kurzfristig 1,5 Millionen Euro zusätzlich in die Risiko-Vorsorge stecken müssen als Konsequenz aus jüngsten Urteilen des Bundessozialgerichts zur Leistungsdokumentation. Allerdings gebe es auch eine »grundsätzliche Unterfinanzierung« der Kosten der beiden Kliniken in Millionenhöhe.

Ursache dafür seien zum Beispiel einseitige Kürzungen von eingereichten Rechnungen durch die Leistungsträger (Krankenkassen): Auf vier Millionen Euro hätten sich hier mittlerweile die Außenstände der Calwer Kreiskliniken summiert, allein 1,9 Millionen Euro offene Forderungen gebe es gegenüber der AOK. »Wir kämpfen hier wirklich um jeden Euro«, so Loydl.

Hinzu komme aktuell »eine Klagewelle vor den Sozialgerichten«, deren Auswirkungen auf die Kostensituation man noch nicht abschätzen könne. Loydl wies aber auch darauf hin, dass man insgesamt aber eigentlich eine positive Entwicklung der Kreiskliniken vorweisen könne, auch wenn sich das nicht im Betriebsergebnis widerspiegle.

Bei den Erträgen habe man 2017 »deutlich zulegen« können – von 79,93 Millionen Euro in 2016 auf 83,02 Millionen Euro bis Ende 2017. Und auch im laufenden Jahr sei man »mit über 500 000 Euro über Plan«.

»Wir sind auf dem richtigen Weg«, attestierte den auch Landrat Helmut Riegger. Manko in der Betriebsführung der Kreiskliniken sei: »Wir hängen am Tropf der Kassen« und der Entscheidungen im Gesundheitsbereich und Bund und Land.

Allein 50 Prozent der 7,44 Millionen Euro Defizit, die für 2017 aus dem Kreishaushalt finanziert werden müssten, entsprächen der Höhe der Zinsen und Abschreibungen (auf die Klinik-Immobilien), die eigentlich komplett (und nicht nur teilweise) von Land zu finanzieren seien. Das diesen Pflichten aber flächendeckend nicht nachkomme.

Letztlich stimmte der Verwaltungsausschuss dem Jahresabschluss für das Jahr 2017 für die Kreiskliniken Calw (gGmbH) und der Übernahme des Fehlbetrags von 7,44 Millionen Euro bei einer Enthaltung zu. Ein in der Gesellschaft trotzdem noch verbleibender, endgültiger Fehlbetrag von rund 143 000 Euro soll zudem aus den noch bestehenden Rücklagen gedeckt werden.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 5.12.2018

Geschrieben am 16.10.2018

Neuer Chefarzt für die Neurologie

Medizin | Dennis Schlak im Amt / Aus Tübingen in die Hessestadt

Calw. Der Aufsichtsrat der Kreiskliniken Calw gGmbH hat sich vor wenigen Wochen für Dr. Dennis Schlak als neuen Chefarzt der Klinik für Neurologie am Krankenhaus Calw entschieden.

Der 41-Jährige wechselte zum Oktober vom Universitätsklinikum Tübingen, wo er zuletzt als Oberarzt der Neurologie sowie Leiter der neurochirurgischen Intensivstation tätig war, an das Kreisklinikum Calw-Nagold und trat dort die Nachfolge von Joachim Hartmann an.

»Ich freue mich, dass wir mit Herrn Schlak einen ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Neurologie für die Patientenversorgung im Landkreis Calw gewinnen konnten«, so Helmut Riegger, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender, über Schlaks Dienstantritt.

Der Facharzt für Neurologie begann seine Medizinerkarriere mit dem Studium der Humanmedizin in Omsk (Russland) sowie Bonn und kam vor elf Jahren vom Klinikum Lemgo-Lippe an die Neurologische Klinik der Universität Tübingen.

»Mit seinen dort erworbenen klinischen Schwerpunkten vaskuläre Neurologie, Intensivmedizin, Notfallversorgung und der Neuroonkologie deckt Schlak das gesamte Spektrum der neurologischen Versorgung ab«, unterstrich Jörg Noetzel, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, die Qualifikationen des neuen Chefarztes. »Wir sind sehr froh, dass wir mit Herrn Schlak einen hoch qualifizierten Experten für Schlaganfallmedizin und das gesamte Feld der Neurologie auf universitärem Niveau gewinnen konnten.« Schlak übernimmt künftig die Gesamtverantwortung für die Schlaganfallversorgung des gesamten Einzugsgebietes des Klinikums Calw-Nagold.

Neben Schlaganfällen behandelt das Team der Calwer Neurologie auch alle Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems.

Zu den Erkrankungen des peripheren Nervensystems gehören unter anderem die Polyneuropathie, Nervenlähmungen bandscheiben­bedingte Nervenkompressionssyndrome, Nervenwur­zelentzündungen und Myasthenie. Krankheiten des zentralen Nervensystems sind Multiple Sklerose, Parkinson, Demenz, Epilepsie, Gleichge­wichtsstörungen und auch Schwindel, Kopf­schmerzen und Rückenmarks­krankheiten wie die Syringomyelie. Bewegungsstörungen wie Schiefhals und andere Dystonien sind ebenfalls neurologische Krankheiten, die in Calw behandelt werden können.

Die Neurologie ist dafür mit den neuesten medizinischen Geräten ausgestattet, wie etwa einem digitalen EEG-System zur Messung der Hirnströme im Wachzustand und nach Schlafentzug, Neurografie und Myografie zur Messung von Nervenleitfähigkeit und Muskelströmen, evozierte Potenziale zur Messung der Funktion der Sehnerven, der Hörnerven und der Gefühlsnerven, Doppler– und Duplexsonographie zur Messung des Blutflusses in den Schlagadern des Halses und im Kopf oder auch der Möglichkeit zur Nervenwasseruntersuchung mittels Lumbalpunktion mit Sprottekanüle.

Zur neurologischen Klinik gehört außerdem seit 2009 der Bad Wildbader Neu­rochirurg Robert Hesse, der jährlich weit über 200 mikrochirurgische Eingriffe an der Wirbelsäule bei Band­scheibenvorfall, lumbaler Spinalkanalstenose oder Tumor vor Ort durchführt, und künftig eng mit Dennis Schlak kooperieren wird.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 16.10.2018

Geschrieben am 11.09.2018

Zentrale Plattform eingerichtet

Kliniken — Neue Website informiert über das Medizinkonzept

Kreis Calw. Ab sofort berichten die Kreisverwaltung und der Klinikverbund Südwest unter www.medizinkonzept-kreis-calw.de über die Umsetzung des Medizinkonzepts im Landkreis Calw

Im April dieses Jahres hat der Calwer Kreistag einen wegweisenden Beschluss gefasst und das Medizinkonzept zur künftigen stationären medizinischen Versorgung im Landkreis Calw auf den Weg gebracht. Damit bekannte er sich – entgegen des bundesweiten Trends – zum Erhalt eines Plankrankenhauses an zwei Standorten. Während das Krankenhaus in Nagold grundsaniert und erweitert wird, sieht das nachhaltige Konzept für Calw einen Klinikneubau mit angeschlossenem Gesundheitscampus auf dem Stammheimer Feld III vor. Um die Öffentlichkeit über Hintergründe und Fort-schritt des Vorhabens zu informieren, hat die Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Klinikverbund Südwest eine neue Internetseite erarbeitet, die ab sofort unter www.medizinkonzept-kreis-calw.de abrufbar ist.

»Mit dieser Internetpräsenz haben wir eine zentrale Plattform in modernem Design geschaffen, auf der Bürger, Anwohner und andere Interessierte umfassende Informationen zur Entwicklung und Umsetzung des Medizinkonzepts im Landkreis Calw finden. Zudem werden dort die häufigsten Fragen zum Konzept beantwortet, Bilder und Dokumente zum Download bereitgestellt, anstehende Veranstaltungen angekündigt und eine direkte Kontaktmöglichkeit zum zuständigen Ansprechpartner im Landratsamt Calw geboten«, erläutert Landrat Helmut Riegger die Vorzüge der Website.

Für Jörg Noetzel, den medizinischen Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, steht hierbei eines klar im Fokus: »Uns ist es wichtig, dass die Bürger die fortlaufenden Weiterentwicklungen der baulichen Fortschritte und damit ihrer Gesundheitsversorgung begleiten können und idealerweise frühzeitig wissen, wo wir mit den Projekten stehen und was gerade läuft. Entscheidend ist, dass die Patientinnen und Patienten sich bei uns in den Kliniken Calw und Nagold bestens aufgehoben fühlen – auch während der Neubau– und Umbauphase.« Entsprechend dem Projektfortschritt wird der neue Internetauftritt kontinuierlich weiterentwickelt und aktualisiert.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 11.9.2018

Geschrieben am 11.09.2018

Die Methode löst Skepsis aus

Kliniken — Neues Ranking zählt Calw und Nagold zu den Siegern

Kreis Calw. Das F.A.Z.-Institut und die PR-Agentur Faktenkontor aus Hamburg haben ein neues deutschlandweites Krankenhausranking veröffentlicht. Von mehr als 1900 untersuchten Häusern wurden 417 Sieger ausgezeichnet, darunter auch Calw und Nagold. Dabei landete Calw auf Rang 369 und Nagold auf Rang 416.

Trotz aller Zufriedenheit, es mit den Häusern ins Ranking geschafft zu haben, sieht man das neue Ranking beim Klinikverbund Südwest etwas skeptisch und kritisch. Hintergrund ist die Methode, die die beiden Organisationen angewendet haben. Zum einen haben sie die bundesweit einheitlichen Qualitätsberichte aller Kliniken verwendet und sie mit den Einträgen von Bewertungsportalen im Internet kombiniert – allerdings nur von drei ausgewählten Portalen. Zusätzlich habe man kleine Fachkliniken mit großen Maximalversorgern in einen Topf geworfen.

Bei so einem Vorgehen müsse dann aber klar sein, dass es bei dem Ranking nicht allein um die Qualität einer Klinik gehe, sondern besonders um die Zufriedenheit der Kunden, betonte Jörg Noetzel, der medizinische Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Trotzdem habe man das Ranking mit »Die besten Krankenhäuser in Deutschland« überschrieben. »Die verwendete Formulierung klingt mindestens missverständlich«, so Noetzel. »Passender wäre eher ›Die beliebtesten Krankenhäuser in Deutschland‹ gewesen.«

Dass Qualität nicht zwingend wichtigstes Kriterium bei dem Ranking gewesen sei, zeige auch das Abschneiden so mancher renommierter Häuser. So landete die Uniklinik Freiburg auf Rang 334, die Uniklinik Ulm gar auf Rang 381 – mehr als zehn Plätze hinter Calw. Auch die Uniklinik Heidelberg liegt auf Rang 370 noch hinter Calw. Das Uniklinikum Dresden schaffte es beim jüngsten – etablierten – Klinikranking der Zeitschrift »Focus« deutschlandweit auf Platz drei. Beim F.A.Z.-Institut schaffte es die Klinik überhaupt nicht ins Ranking. »Da kann man sich schon fragen, was es mit einer solchen Rangliste auf sich hat«, meint Noetzel mit Blick auf die F.A.Z.-Untersuchung.

Trotzdem werde man das Abschneiden – auch das der anderen Kliniken im Verbund, die gar nicht gelistet sind – zum Anlass nehmen, um sich zu hinterfragen, denn auch die in diesem Ranking abgefragte Beliebtheit spiele für ein Krankenhaus eine nicht unwichtige Rolle – nicht nur mit Blick auf die Patienten, sondern auch auf die Personalgewinnung.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 7.9.2018

Geschrieben am 06.07.2018

SPD im Richtungsstreit um die Kreiskliniken

Krankenhaus — Rainer Prewo fordert neue Diskussion über Einhaus-Lösung / Kostenexplosion bedeute dauerhafte Defizite

Gehobene Streitkultur – so kann man vielleicht beschreiben, warum der SPD-Ortsverband Nagold eine interne kontroverse Diskussion über die Zukunft der Krankenhäuser Nagold und Calw kurzerhand öffentlich machte. Und die Bürger zum Mitdiskutieren einlud.

Nordschwarzwald.
Rund 40, vielleicht 50 Zuhörer waren auch tatsächlich ins Nagolder Naturfreundehaus gekommen, um sich von den beiden SPD-Kontrahenten – die Kreisräte Ursula Utters (Pro »Krankenhauskonzeption 2021«) und Rainer Prewo (Contra, Befürworter einer »Einhaus-Lösung«) – einmal ausführlich ihre jeweiligen Argumente erklären zu lassen. Und mit eigenen Fragen und Statements vielleicht selbst ein bisschen Einfluss auf den mittlerweile jahrelangen Richtungsstreit zu gewinnen.
Wobei Initiator Daniel Steinrode auch hoffte, die beispielsweise in Calw gerade heftig geführte, auch öffentliche Diskussion über die Zukunft der beiden Kreiskrankenhäuser auf diese Weise ein bisschen »intensiver« nach Nagold zu tragen. Wobei bei allen Rednern – egal ob mit SPD-Parteibuch oder ohne – im Prinzip Einigkeit darüber herrschte, dass Nagold vom aktuellen Stand der Krankenhausplanung (»Krankenhauskonzeption 2021«) mehr profitieren werde als Calw, weil schlicht mehr Abteilungen und mehr Betten langfristig hier angesiedelt sein würden als dort. Calw hätte aber dafür die Chance mit dem Medizin-Campus rund um den dort geplanten Krankenhaus-Neubau »einen großen Schritt in die Medizin-Zukunft« zu machen – wo neue, moderne Konzepte gebraucht würden, um den medizinischen Bedarf mit der Nachwuchs-Situation in der Ärzteschaft unter einen Hut zu bringen. Also eine Win-Win-Situation, könnte man meinen; von der alle profitieren. Weshalb Ursula Utters, selbst bis zum vergangenen Jahr praktizierende Allgemeinärztin in Altensteig, der Konzeption 2021 vorbehaltlos zugestimmt hat im Kreistag.
Rainer Prewo allerdings hat sich bei dieser Abstimmung enthalten; eigentlich hätte er auch offen dagegen stimmen müssen, denn aus seiner Sicht ist die Umsetzung der geplanten Konzeption »vollkommen unrealistisch« – da schon jetzt eine »massive Kostenexplosion« gegenüber ursprünglichen Planungen zu verkraften sei: Die Sanierung des Krankenhauses Nagold werde aus derzeitiger Sicht 85 statt 40 Millionen Euro kosten, der Neubau in Calw 70 statt ursprünglich 30 bis 40 Millionen; wobei das Land »nur« jeweils 50 Prozent der Kosten tragen werde, den Rest muss der Landkreis – also letztlich alle Kommunen im Kreis – aufbringen. »Damit sind dauerhaft riesige Defizite vorprogrammiert«. Und dass, obwohl man ursprünglich die Planungen zur Zukunft der Kreiskrankenhäuser aufgenommen habe, um die bereits bestehenden Defizite abzubauen.
Prewos logische Schlussfolgerung daraus: Es gelte auch jetzt noch, eine Lösung zu finden, die möglichst wenig oder keine Defizite verursache – und das könne aus seiner Sicht nur eine Einhaus-Lösung für den gesamten Kreis Calw sein; wobei für ihn die »Marktsituation« es klar mache, dass ein Standort für ein solches Haus nur in oder um Nagold liegen könnte, da nur hier ein genügend großes Einzugsgebiet (mit Herrenberg und Horb) existiere, so ein Haus auch mit der notwendigen Patientenfrequenz zu versorgen. Der Standort Calw leide da »unter der Zangenlage« zwischen Pforzheim und Böblingen/Sindelfingen, die Patientenströme von dort zu sich umleiteten.
Wobei auch Prewo, der derzeit auch Aufsichtsrat des Klinikverbunds Südwest ist, dem Betreiber der beiden Kreiskliniken, natürlich klar ist, dass solch ein Planungsansatz derzeit politisch nicht durchsetzbar ist. Ganz am Anfang der Krankenhaus-Debatte im Kreis Calw habe man solch eine Einhaus-Lösung auch einmal tatsächlich diskutiert und geprüft. Am Ende habe sich aber die Kirchturm-Politik durchgesetzt – meint: Jede Kommune im Kreis denke letztlich nur an sich selber; und will möglichst viel für sich rausschlagen, egal wie sinnvoll das aus ökonomischer oder auch strategischer Sicht sein würde.
Prewos Mahnung lautet daher: Das vor allem durch die neuen Medien wachsende Qualitätsbewusstsein der Menschen und Patienten werde zu einer »Abstimmung mit den Füßen« führen, welche Krankenhäuser und Kliniken sie für welchen Bedarf wählten. Und Häuser, die »ständig Defizit-belastest« seien – wie mutmaßlich auch künftig jene im Kreis Calw – wären als Arbeitgeber für das beste medizinische Personal weniger attraktiv als jene Häuser, die wirtschaftlich optimal geführt würden; und wo die »Politik ständig in die Krankenhausführung hinein quatsche«, so Prewo. Womit dann auch irgendwann vermutlich die Patienten wegbleiben würden – weil die natürlich dorthin gingen, wo sie das beste medizinische Personal vorfinden würden, vermutet Prewo.
Dieser »Wettbewerb der Kliniken wird immer schärfer werden«, ist Prewo sich sicher. Weshalb er eigentlich wohl dafür plädiert, doch noch einmal das ganz große Fass in der Krankenhaus-Diskussion im Kreis Calw aufzumachen – anstatt sich jetzt mit der bereits mehrfach nachgebesserten Arbeitslösung zufriedenzugeben. Weil mit zusammen mittlerweile mehr als 150 Millionen Euro Investitionssumme, die die aktuellen Planungen bereits jetzt kosten würden in der Umsetzung, »ließe sich auch ein richtig gutes Haus bauen«, das auch als Arbeitgeber langfristig für gutes medizinisches Personal attraktiv wäre.
Einwände, die Daniel Steinrode als Moderator des Abends, für berechtigt hielt, weshalb nicht nur er davon ausgeht, dass das Thema »Krankenhaus im Kreis Calw« hier nicht zum letzten Mal besprochen wurde. »Die Diskussion wird sicher heftig weitergehen.«

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 6.7.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 6.7.2018, Seite 25

Geschrieben am 11.05.2018

»Aus Sicht der Älteren zu begrüßen«

Interview — Vorsitzender des Kreisseniorenrats nimmt Stellung zum verabschiedeten Krankenhauskonzept 2021

Kreis Calw.
Das neue Klinikkonzept steht. Doch wie sieht es eine Gruppe, die ein ganz genaues Auge auf die Gesundheitsversorgung in der Region hat, die Senioren? Wir sprachen mit Hansjörg Hummel, Vorsitzender des Kreisseniorenrats, über den Campus, demente Senioren und das geplante KSK-Absetzgelände bei Haiterbach.

Der Kreis­tag hat dem über­ar­bei­te­ten Me­di­zin­kon­zept 2021 zu­ge­stimmt. Wie sieht man beim Kreis­se­nio­ren­rat die­se nach lan­ger De­bat­te ge­trof­fe­ne Entscheidung?

Es bleibt zu hoffen, dass damit die große Verunsicherung der Bevölkerung, gerade auch der Seniorinnen und Senioren im Landkreis, ein Ende findet, vorausgesetzt, dass nicht wieder Querschüsse aus dem Raum Calw dies verhindern.

Ist der Kreisseniorenrat mit dem neuen Konzept rundum zufrieden oder gibt es Punkte, die aus Ihrer Sicht noch nicht ausreichend geregelt sind?
Als Vertreter der Interessen der Älteren unter uns, ist es dem Kreisseniorenrat wichtig, auf folgende notwendige Ergänzungen und Aspekte bei diesem Konzept hinzuweisen: Schon bei der Einweisung in die Klinik wird aufgrund der Diagnose auch die Verweildauer im Krankenhaus festgelegt. Das bedeutet vor allem für die älteren Mitbürger, dass sie entlassen werden, auch wenn ein selbstständiges Wohnen wie vor dem Krankenhausaufenthalt noch nicht wieder gegeben ist. Das ist heute schon ein Problem, weil in diesen Fällen, auch bis zum Beginn einer Reha, eine Kurzzeitpflege notwendig ist und somit einen entsprechenden Platz in einem Heim erforderlich macht, der oft nur schwer zu bekommen ist. Hier ist geplant, zumindest in Calw auf dem Gesundheitscampus 30 Betten für diese Kurzzeitpflege vorzusehen, allein, bislang fehlt dafür ein Träger. Somit ist dieses Projekt noch nicht in trockenen Tüchern und der Kreisseniorenrat muss in dieser Sache, im Rahmen der Gesundheitskonferenz und des Beirats, am Ball bleiben. Das gilt auch für eine adäquate Lösung für den Nagolder Standort des Klinikums.

Immer öfter sind ältere Mitbürger auch von Demenz betroffen. Wie sieht es eigentlich mit deren Versorgung in den neu konzipierten Kliniken aus?
In den Seniorenzentren wurde in den vergangenen Jahren viel Kreativität eingesetzt, um die Bedingungen für demente Bewohner und deren Belange so zu gestalten, damit die Würde dieses Personenkreises erhalten bleibt. Diese Konzepte gilt es zu studieren, um daraus ein machbares Konzept für das Klinikum zu erarbeiten. Heute ist die Unterbringung von Demenzpatienten im Krankenhaus bei weitem nicht bedarfsgerecht. Auch hier besteht, auf die Neuausrichtung des Klinikums an beiden Standorten bezogen, Handlungsbedarf.

Gibt es auch außerhalb des eigentlichen Klinikkonzeptes noch Themen rund um die Krankenhäuser, mit denen sich der Kreisseniorenrat aktuell und in Zukunft beschäftigt?
Für den Standort Nagold gibt es noch eine Besonderheit, die nicht akzeptabel ist. Die Klinikgebäude befinden sich unmittelbar unter den Einflugschneisen und Warteschleifen für das geplante Absetzgelände bei Haiterbach. Es gibt zwar die Intention, hier eine Verlegung zu erreichen, aber bevor keine offizielle Änderung von den zuständigen Stellen bestätigt ist, werden wir auch an diesem Thema dranbleiben.

Sind diese genannten Punkte als Kritik am gesamten Konzept zu verstehen oder als Anregungen für die Zukunft?
Das jetzt verabschiedete Medizinkonzept ist aus Sicht der Älteren sehr zu begrüßen. Es gibt aber noch ungeklärte Handlungsfelder, die dieses Konzept nicht schmälern sollen, sondern es zu einer auch im Detail durchdachten Lösung für die Bürger machen.

Die Fragen stellte Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 3.5.2018
(Hier können Sie den Artikel downloaden.)
2018_05_03_Aus Sicht der Älteren zu begrüßen_SchwaBo_Seite 23_Sebastian Bernklau

Geschrieben am 25.04.2018

So setzen sich die Mehrkosten zusammen

Krankenhäuser — Kliniken im Kreis werden deutlich teurer als bisher bekannt / Architekten für Calwer Neubau beauftragt

Der Calwer Kreistag hat die Medizinkonzeption 2021 beschlossen, das Projekt kann in Angriff genommen werden. Doch statt 80 Millionen Euro sollen Sanierung und Neubau der Kliniken plötzlich rund 155 Millionen Euro kosten. Wir erklären, wie die Kostensteigerung zustande kommt.

Kreis Calw.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren und Monaten in Sachen Krankenhausplanung getan. Erst vor wenigen Wochen wurde beispielsweise bekannt, dass die Orthopädie nun doch in Calw bleiben, die Neurologie dafür nach Nagold verlagert werden soll. Darüber hinaus wuchs die Anzahl der Betten in beiden Häusern. Und die medizinischen Leistungen wurden erweitert. Dies schlägt sich nun auch auf die Kosten nieder.

Sanierung Nagold
Nachdem der Calwer Kreistag am Montag die aktuelle Medizinkonzeption 2021 beschlossen hatte, stimmte das Gremium auch der Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Generalsanierung und Erweiterung des Krankenhauses Nagold zu. Durch die Weiterentwicklung des Konzepts seit Juli 2017 kamen zu den ursprünglich grob veranschlagten rund 40 Millionen Euro auch neue Kostenpunkte hinzu. Diese gehen aus der Sitzungsvorlage hervor.

So wird der Neubau einer größeren Intensivstation mit insgesamt 18 Betten mit nur 3 076 000 Euro zu Buche schlagen. Ferner werden die zentrale Notaufnahme im neuen Anbau erweitert sowie eine Patientenüberwachung mit acht Betten und zusätzliche Untersuchungs– und Behandlungsräume eingebaut. Dies sei wichtig, um den absehbaren zukünftigen gesetzlichen Anforderungen der Notfallversorgung gerecht zu werden. Die Kosten: 1 722 700 Euro. Beim Einbau einer onkologischen Ambulanz in die bisherigen Bereitschaftsräume im Erdgeschoss wird mit 1 186 100 Euro gerechnet.

Darüber hinaus müssen gegenüber dem Gutachten von 2014 unter anderem zusätzliche Evakuierungstreppenhäuser sowie abgeschlossene Räume für Pufferbetten wegen des Brandschutzes gebaut werden. Dafür werden rund 6 941 000 Euro fällig.

Die geplante neurologische Station sowie die Erhöhung der Bettenzahl von 256 auf 274 kostet voraussichtlich 4 110 876 Euro.

Die Haustechnik, die zum großen Teil noch aus dem Jahr 1977 stammt, sowie die Erneuerung der Notstromversorgung in drei bestehenden Operationssälen und das Trinkwassernetz müssen erneuert werden. Mit dieser Generalsanierung würden ein Sanierungsstau beseitigt und zukünftige Unterhaltungsmaßnahmen teilweise vorweggenommen. Kostenpunkt: 15 708 500 Euro.

Die Kostengruppen medizinische Ausstattung und Medizintechnik sowie die Außenanlagen seien bislang in keinem Gutachten berücksichtigt. Diese sind jetzt in der Berechnung enthalten und schlagen mit 5 999 000 Euro.

Im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus soll die Dialyse für 2 753 900 Euro verortet werden.

Nicht zuletzt fließt auch die erwartete Preissteigerung bis zur Fertigstellung der Gesamtmaßnahme im Jahr 2022 gegenüber der Fertigstellungsannahme 2020 mit 5 126 200 Euro in die Kalkulation mit ein.

Gesamt beläuft sich die Investitionssumme für Nagold somit auf etwa 86,1 Millionen Euro. Bei einer vorsichtigen Schätzung der möglichen Förderung in Höhe von 30 Prozent müsste der Landkreis rund 60,3 Millionen Euro tragen.

Neubau Calw
Der Kreistag beschloss darüber hinaus, die Bietergemeinschaft Ingenieurbüro Vogt Planungsgesellschaft in Leipzig und der HDR aus Stuttgart, die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für Klinik und Campus, mit der Entwurfsplanung und der Kostenberechnung für den Neubau des Krankenhauses Calw zu beauftragen. Damit sei nun auch der Startschuss für Calw gefallen, erklärte Riegger. Hier könnte bereits im Frühjahr 2019 der Spatenstich erfolgen.

Die gestiegenen Kosten für Calw hängen laut Sitzungsvorlage vor allem mit der Steigerung der Bettenanzahl zusammen. So müsse pro Krankenhausbett mit 400 000 Euro Baukosten gerechnet werden. Bei 150 Betten seien das somit 60 Millionen Euro. Hinzu kommen rund zehn Millionen Euro für Grunderwerb, Erschließung des Campusgeländes und das Parkhaus (etwa 400 Stellplätze). Damit ergibt sich ein Gesamtinvest in Calw von rund 70 Millionen Euro.

Bei einer Förderquote von 50 Prozent trägt der Landkreises 30 Millionen Euro plus nichtförderfähige Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro. Für den Campus werden übrigens nochmals 25 Millionen Euro von den Partnern investiert.

Zudem entschied der Kreistag, nach einem Projektsteuerer für den Neubau des Krankenhauses Calw zu suchen. Der Hintergrund: Da wegen des Campus insgesamt vier Investitionspartner beteiligt sind, müssen die Pläne und Bauarbeiten unter diesen Partnern abgestimmt werden. Der Landkreis darf jedoch aus rechtlichen Gründen nur die Projektsteuerung für das neue Krankenhaus übernehmen, deshalb mache es Sinn, das Projekt zentral koordinieren zu lassen.

Für den Anteil des Landkreises Calw wird mit einer Honorarsumme von rund 800 000 Euro gerechnet.

Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 25.4.2018
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Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 25.4.2018, Seite 19