Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 26.10.2021

Begeisterung entfachen ist das Ziel

Ärzteversorgung — Uni Tübingen und Kreis Calw starten gemeinsames Modellprojekt

Die Universität Tübingen und der Landkreis Calw spannen nun zusammen, um dem Nachwuchsmangel auf dem Landärzte-Sektor entgegenzutreten. Die Auftaktveranstaltung mit vielen wichtigen Gästen fand nun in Bad Teinach statt.

Bad Teinach-Zavelstein/Tübingen. »The next big thing«, kündigte Martin Oberhoff, stellvertretender Direktor der Kreiskliniken Calw-Nagold, vollmundig an und bediente sich dabei eines Zitates des legendären Apple-Chefs Steve Jobs. Doch der Co-Klinikdirektor präsentierte etwa nicht ein neues Smartphone oder andere bahnbrechende Technik, sondern seinen Wortbeitrag zum Landesprojekt »Modellregionen für Ärztliche Ausbildung«.

Der Mangel an Hausärzten und Ärzten allgemein im ländlichen Raum wird auch im Kreis Calw immer spürbarer. Deshalb tun sich nun Landkreis und Universität Tübingen unter besagtem Projekttitel zusammen, um sich gemeinsam mit aller Kraft gegen diesen Trend zu stemmen. Gelingen soll das, indem junge Studenten für die Arbeit in ländlichen Hausartzpraxen begeistert werden. Und zwar schon frühzeitig, wie bei der Auftaktveranstaltung deutlich wurde.

»Eine Vernetzung aller Partner ist wichtig, um die medizinische Versorgung sicherzustellen«, erklärte sodenn auch Frank Wiehe, Erster Landesbeamter im Kreis Calw der Gästeschar im Residenzsaal des Hotel Therme Teinach am Freitagmorgen. Die Lehre von der Universität raus aufs Land zu bringen, das sei der Schlüssel zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung im ländlichen Raum, zeigte sich Oberhoff überzeugt. Aktuell laufe das mit dem Stipendiaten-Programm, im Rahmen dessen bereits 16 Studenten im Kreis aktiv sind.

Jetzt soll an der Tübinger Eberhard Karls Universität das Angebot für den ländlichen Raum ausgebaut werden. Wie Stefanie Joos, Leiterin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Bildungsstätte am Neckar, erklärt, wird hierbei nicht etwa ein komplett neuer Studiengang aus der Taufe gehoben. Vielmehr soll eine sogenannte »Neigungsorientierung« mit zusätzlichen Inhalten angeboten werden. Konkret werden dann zum Beispiel Praxisphasen im Landkreis Calw absolviert oder Praktika sowie Wahlfächer angeboten. »Am Ende sollen Ärzte mit unterschiedlichen Kompetenzen herauskommen«, sagt Joos. Übrigens wurde inzwischen auch das Calwer Krankenhaus von der Tübinger Uni zum akademischen Lehrkrankenhaus erhoben – Studenten können dann hier ihre Praxisphase während des Studiums ableisten.

Einen Zwang, im ländlichen Raum nach Abschluss des Medizin-Studiums anzufangen, soll es indes nicht geben – außer bei der Landarztquote innerhalb des Stipendien-Programms, die schon in einer frühen Studienphase die angehenden Ärzte verpflichtet, später auf dem Land zu arbeiten.

Grundsätzlich ist aber das Ziel oder besser gesagt die Frage, die über allem steht: »Wie bekommen wir junge Ärzte begeistert für den ländlichen Raum?«, fragte Stephan Zipfel, Prodekan der medizinischen Fakultät der Tübinger Uni. Das, da waren sich alle einig, gelingt mit einer frühen Begeisterung für den ländlichen Raum. Viele Facetten der Medizin gebe es auch auf dem Land und im Kreis Calw – seien es die Hausärzte, die Fachärzte, der jüngst mit Spatenstich gestartete Gesundheitscampus in Calw, die beiden Kreiskliniken oder aber auch das Zentrum für Psychiatrie in Hirsau. Überall dort könne Lehre und Aus- respektive Weiterbildung stattfinden.

Gerade mit Blick auf das ZfP, wo alsbald umfangreich digitalisiert werden soll, gebe es viele Möglichkeiten. »Das kann ein Trainingsraum für Studenten werden«, überlegte Oberhoff. Ideen gibt es also genügend, allerdings werden die detaillierten Inhalte erst noch ausgearbeitet.

Die Studenten selbst kamen am Freitagmorgen ebenfalls zu Wort. Der Wunsch: Eine gute Anbindung an das lokale Gesundheitsnetzwerk, damit es auch feste Ansprechpartner gibt. Zudem ein fundamentaler Knackpunkt: die Mobilität. Nicht jeder habe ein Auto und man müsse ja auch von Tübingen in den Kreis Calw kommen, mahnten die Studenten an. Eine mögliche Lösung: Vergünstigte ÖPNV-Tickets oder gar gestellte Fahrzeuge.

Wiehe sah hier als Schlüssel vor allem die Hesse-Bahn, die die Bahnverbindung auch in Richtung Stuttgart deutlich aufwertet. Grundsätzlich sehen die Studenten aber gerade das familiäre Umfeld als Stärke im ländlichen Raum. Hier gebe es keine riesigen Einheiten wie an einer Uniklinik, sondern alles sei kleiner und dadurch überschaubarer.

Jetzt gilt es, mit »intelligenten Lösungen« dafür zu sorgen, dass diese Begeisterung noch von mehr Studenten geteilt werde, so Zipfel.

Gefördert werden diese Modellprojekte, wovon es mehrere im Land gibt, übrigens vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst. 1,5 Millionen Euro macht das Land hierfür locker. Am Ende der Veranstaltung trafen sich alle Beteiligten noch in Kleingruppen und brachten erste Ideen ein, die dem Modellprojekt Leben einhauchen sollen.

»Die Diskussionen in den Gruppen waren sehr lebhaft, es kam viel Input von den Teilnehmern. Nun geht es in die Erstellung des Lehrcurriculums, bei dem die Ergebnisse der Workshops berücksichtigt werden«, berichtete Janina Müssle, Pressesprecherin des Landratsamtes abschließend.

Von Sebastian Buck
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 23.10.2021

Geschrieben am 26.10.2021

Der schönste Ausblick im Klinikverbund

Einweihung — Der Neubau des Bettenhauses an den Nagolder Kliniken ist für Minister Lucha Teil »eines überzeugenden Konzepts«

Von einem »großen Meilenstein« und einem »Flaggschiff, das in die Zukunft segelt« war bei der Einweihung des neuen Bettenhauses für die Nagolder Kliniken die Rede. Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha sprach in seinem Grußwort von einem »überzeugenden Konzept«

Nagold. 115 Millionen Euro sind als Gesamtinvestition für die Generalsanierung und Modernisierung der Nagolder Kliniken veranschlagt – von denen rund 50 Millionen Euro auf das neue viergeschossige Bettenhaus entfallen. In gut einjähriger Bauzeit ist der Erweiterungsbau entstanden. Im nächsten Schritt folgen nun die Modernisierung und Erweiterung der Intensivstation, die Modernisierung der Operationssäle, die Sanierung der bestehenden Patientenzimmer sowie der Bau eines neuen Medizinischen Versorgungszentrums.

Als Kaufmännischer Geschäftsführer im Klinikverbund Südwest freute sich Martin Loydl, zahlreiche prominente Gäste bei der Einweihung begrüßen zu können. Doch bilde das Bettenhaus eben auch ein Herzstück der Modernisierungsmaßnahmen in Nagold. Martin Loydl sprach von wegweisenden Patientenzimmern mit einem Höchstmaß an Komfort – und einer herausragenden Aussicht. Gleichzeitig seien hier auch optimale Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter geschaffen worden.

Landrat Helmut Riegger legte den Fokus auf die Neuordnung der Krankenhäuser mit einer völlig neuen Medizinstruktur im Klinikverbund – in der die Nagolder Kliniken als Schwerpunkt-Krankenhaus ausgebaut werden. Mit dem Neubau des Bettenhauses sei nun ein erster Schritt erfolgt, machte Helmut Riegger deutlich, dass die Pandemie gezeigt habe, dass die Krankenhausbetten im ländlichen Raum »dringend gebraucht werden«. Zudem habe der Landkreis in Sachen Patientenversorgung Wort gehalten, wobei der Calwer Landrat auch die »persönliche und politische Unterstützung« des Ministers für Soziales, Gesundheit und Integration nicht unerwähnt ließ. »Dieses Haus trägt die Handschrift des Ministers«, erklärte Helmut Riegger, der Manfred Lucha anschließend einen »Notfallkoffer« mit allerlei Landkreisprodukten überreichte.

Zudem erinnerte er an den Anstoß aus dem Kreis der engagierten Chefärzte, der seinerzeit »das entscheidende Signal« für eine Neuordnung war. So sei nun ein sehr gut geplanter Bau entstanden, der im Zeitplan und weitgehend im Kostenrahmen realisiert werden konnte – »was heute nicht mehr selbstverständlich ist«. Dabei sprach der Landrat auch von einem neuen Kapitel für die Patientenversorgung.

Mit den Worten »wir schließen keine Krankenhäuser, sondern nicht bedarfsgerechte Kliniken schließen sich von selbst«, leitete Minister Manfred Lucha sein Grußwort ein. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass sich durch die Pandemie der Trend verstärkt habe, dass die stationären Aufnahmen und die Verweildauer zurückgehen – während die multidisziplinäre Versorgung und Pflege zunehmen. Vor diesem Hintergrund könne man sich »Fehlallokationen« im Krankenhausbereich nicht erlauben, und Manfred Lucha betonte: »Wir brauchen am richtigen Ort das richtige Angebot«. Mit Blick auf die Investitionen im Kreis Calw hin zu einem Krankenhaus mit zwei Standorten sprach der Minister von einem »überzeugenden Konzept, dass sich durchsetzen wird«. Mit so einem »Leuchtturm« für die medizinische Versorgung im Kreis Calw müsse man den Menschen zudem zeigen, dass sie von diesem Projekt profitieren.

»Das ist mit Abstand das Krankenhaus mit dem schönsten Ausblick im Klinikverbund«, stellte der Böblinger Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende Roland Bernhard fest. Die mutige Investition sei nicht selbstverständlich, doch setze der Klinikverbund auf eine gute Zukunft der dezentralen Standorte – und darauf, die Krankenhäuser fit für die künftigen Herausforderungen zu machen. Dass die Bundespolitik im Krankenhausbereich eine andere Richtung eingeschlagen habe, ist für Roland Bernhard »keine gute Politik«, da es auch andere Gesichtspunkte als nur die Betriebswirtschaft gebe.

Wie Hubert Mörk als Ärztlicher Direktor der Kreiskliniken Calw-Nagold unterstrich, hatte der Kreistag mit seiner Entscheidung den Weg frei gemacht »für eine historische Investition« – die allerdings ohne die großzügige Förderung des Landes nicht zu stemmen gewesen wäre. Mit dem Neubau sei man gut für die Zukunft aufgestellt, wobei Mörk die größte Herausforderung der Zukunft im Fachkräftemangel bei Pflegern und Ärzten sieht. Vor diesem Hintergrund schätzte er sich glücklich, »über exzellente Chefärzte zu verfügen, die für eine medizinische Versorgung auf allerhöchstem Niveau sorgen«, und die stets in die Planungen einbezogen wurden.

Als neue »Landmarke« auf Teufels Hirnschale bezeichnete Oberbürgermeister Jürgen Großmann die Erweiterung und Modernisierung, die überdies zeige, »dass der Landkreis zu seine Entscheidung steht«. Für die Bevölkerung bilde die Maßnahme ebenso das Signal, dass »hier Bestmedizin entsteht«. Gleichzeitig zollte er allen Menschen, die im Krankenhaus arbeiten ein großes Lob: »Die Menschen wissen, was sie an ihnen haben«.

Von Uwe Priestersbach
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 18.10.2021

Geschrieben am 18.10.2021

Neuer Name, neuer Vereinszweck

Medizin — »Pro Krankenhäuser Calw und Nagold« widmet sich der Gesundheitsversorgung im Kreis

Lange hat sich der Verein »Pro Krankenhäuser Calw und Nagold« vor allem für den Calwer Klinikstandort eingesetzt. Mit Erfolg, wie er findet. Da der Gesundheitscampus Calw im Entstehen ist, ist der Vereinszweck erfüllt. Doch nun einfach aufhören, das möchten die Verantwortlichen nicht. Stattdessen soll der Vereinszweck angepasst werden.

Kreis Calw. »Zweck des Vereins ist die Förderung der flächendeckenden öffentlichen Gesundheitsversorgung im Landkreis Calw; insbesondere die nachhaltige Sicherung zweier Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung nach dem GKV-Standard mit den Standorten Calw und Nagold.« So steht es in der Satzung des Vereins »Pro Krankenhäuser Calw und Nagold«. Dieser Zweck ist nun erfüllt, könnte man meinen. Das Nagolder Krankenhaus wird für rund 85 Millionen Euro saniert und erweitert. Das Calwer Krankenhaus wird im Stammheimer Feld auf dem Areal des Gesundheitscampus für insgesamt rund 95 Millionen Euro neu errichtet.

Mit dieser Entwicklung sind die Mitglieder des Vereins durchaus zufrieden, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich machen. »Wir sind froh darüber, dass der Gesundheitscampus kommt«, betont Bernd Neufang. Was die Umsetzung angehe, stünden er und seine Vereins-Kollegen hinter Landrat Helmut Riegger. Das war nicht immer so: In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Konflikte gegeben. Beispielsweise hatten Vertreter des Vereins befürchtet, der Gesundheitscampus könnte eine »Mogelpackung« werden mit zu wenigen Betten und keiner ausreichenden medizinischen Versorgung für die Bevölkerung. Dass es nun doch weiterhin ein Krankenhaus in Calw geben wird, das sämtliche Bereiche – Neurolgie, Chirurgie, Geburtshilfe und mehr – abdeckt, schreiben die Mitglieder des Vereins auch sich selbst zu. Der Verein »hatte eine katalysatorische Wirkung«, ist Ewald Prokein überzeugt. Und Eberhard Bantel fügt hinzu: »Uns geht es und ging es immer um eine flächendeckende und zukunftsfähige Versorgung – stationär und ambulant.« Dafür setzen sie sich ein, betont Bantel.

Auch weiterhin? Immerhin kann man den Neubau in Calw und die Sanierung in Nagold durchaus als Zäsur, auch für den Verein »Pro Krankenhäuser«, sehen. Die eigentliche »Mission«, so Neufang, sei beendet. Aus diesem Grund wollen die Vertreter des Vereins diesen neu aufstellen. Mit neuen Zielen und einem neuen Namen, wie Neufang erklärt.

Zukünftig soll das Ganze »Bürgerinitiative (BI) Gesundheitsversorgung Kreis Calw« heißen, gibt Neufang bekannt. Im Kern soll es dem neu benannten Verein darum gehen, die stationäre und die ambulante Versorgung der Bevölkerung besser zu verzahnen. Dazu gehört laut Prokein insbesondere die Gewinnung von Pflegepersonal und Ärzten für den ländlichen Bereich, der der Kreis Calw nun mal ist. Immer mehr Ärzte finden keine Nachfolger mehr für ihre Praxen, sagt Prokein. Mit Programmen wie dem Hausärztestipendium des Landkreises soll hier Abhilfe geschaffen werden.

Wohnheim gewünscht

Doch es müssten noch weitere Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung erfolgen. Beispielsweise sollte man sich zunutze machen, so die einhellige Meinung, dass die Großstädte »aus allen Nähten platzen«, wie Bantel es formuliert. Durch die Hesse-Bahn könnte Calw als attraktive Arbeitsumgebung beworben werden. Dafür müsste man aber auch mehr Möglichkeiten für Teilzeitbeschäftigung schaffen, so Bantel weiter. Des Weiteren sollte ein Wohnheim in der Nähe des Gesundheitscampus gebaut werden.

Dazu hat die BI schon ziemlich genaue Vorstellungen: Das Wohnheim sollte, um besonders attraktiv zu sein, mehr als 200 Meter aber weniger als 500 Meter vom Krankenhaus entfernt sein, so Neufang. »Wir müssen alles dafür tun, medizinisches Personal für die Region zu gewinnen«, unterstreicht er. Und natürlich wolle man sich auch dafür einsetzen, dass der Gesundheitscampus die Außenwirkung bekommt, die er verdient hat.

Die Hauptversammlung des Vereins, bei der über die Neuerungen entschieden wird, findet am 12. November ab 19 Uhr im Calwer Rathaus statt.

Von Bianca Rousek
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 16.10.2021

Geschrieben am 11.10.2021

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen

Klinikverbund — Geschäftsführer Martin Loydl bittet um Auflösung seines Vertrags

Nordschwarzwald. Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, hat den Aufsichtsrat und die Gesellschafter gebeten, seinen bis Januar 2026 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen. Zuletzt war dieser im November 2020 verlängert worden.

»Nach 16 Jahren Tätigkeit beim Klinikverbund Südwest, davon sechs Jahre in der Position des Geschäftsführers, möchte ich mich nun neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Bis zu meinem Ausscheiden werde ich mit voller Kraft an der Weiterentwicklung des Klinikverbunds arbeiten und die von mir angestoßenen Projekte vorantreiben«, wird Loydl in einer gemeinsamen Mitteilung der Landratsämter Calw und Böblingen zitiert.

Aufsichtsratsvorsitzender Roland Bernhard, Landrat des Landkreises Böblingen, und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Riegger, Landrat des Landkreises Calw, nahmen gemeinsam Stellung: »Wir respektieren die persönliche Entscheidung Herrn Loydls und zeigen Verständnis für seinen Wunsch, sich beruflich weiterzuentwickeln. Er ist ein langjähriger, loyaler Mitarbeiter des Klinikverbundes, der seit dessen Gründung die Geschicke des KVSW in verantwortlichen Positionen mitbestimmt hat. In den sechs Jahren als Geschäftsführer hat er sich Verdienste erworben bei der operativen Leitung des Klinikverbundes sowie in der Umsetzung zahlreicher Projekte, welche die Kliniken auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten.« Der Klinikverbund Südwest sei heute hervorragend aufgestellt. Neben einem stabilen und hoch kompetenten Führungsteam seien viele Zukunftsprojekte wie die umfangreichen baulichen Modernisierungen der Kliniken und die flächendeckende Digitalisierung mit Hochdruck in der Umsetzung. 

Die Modalitäten der Vertragsauflösung sowie die Nachfolgeregelung für die Geschäftsführung des KVSW würden nun in den zuständigen Gremien ohne Zeitdruck erörtert. Der genaue Zeitpunkt des Ausscheidens Loydls stehe noch nicht fest.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 08.10.2021

Geschrieben am 30.09.2021

Das ist die neue Schwarzwald-Klinik

Spatenstich — Startschuss für Gesundheits-Campus und das neue Kreiskrankenhaus in Calw / Zwei Jahre Bauzeit geplant

Sieht man mal von Wetter ab – nur strahlende Gesichter gab’s gestern auf dem Stammheimer Feld, Robert-Bosch-/Ecke Mildred-Scheel-Straße: Spatenstich für den neuen Gesundheits-Campus und das neue Kreiskrankenhaus in Calw.

Calw. »Ein echter Meilenstein für die Region«, nannte nicht nur ein auffällig gut gelaunter Landrat Helmut Riegger dieses Ereignis. Wobei der Kreis-Chef irgendwie die ganze Zeit den Eindruck machte, als müsste er sich selber immer wieder kneifen, dass diese Vision einer maximal modernen medizinischen Versorgung jetzt tatsächlich Realität wird. Die Erschließungsarbeiten für das sechs Hektar große Campus-Gelände – liegen nach nur sechs Monaten komplett in Plan. Zwei Jahre Bauzeit sind veranschlagt. Womit die Politik – in diesem Fall der Calwer Kreistag – Wort halte, das einst mit großer Mehrheit beschlossene medizinische Konzept für den Landkreis auch wirklich in die Tat umzusetzen.

Rund eine Viertelmilliarde Euro würde dafür an den Standorten Calw und Nagold in die jeweils geplanten Neubauten fließen, davon 150 Millionen Euro in den Calwer Gesundheits-Campus – der, da waren sich alle Festredner an einig, Vorbild werden würde nicht nur für ganz Baden-Württemberg, sondern für das ganze Land, wie die medizinischer Versorgung im ländlichen Raum zukunftsfähig gemacht werden könne. Wobei gerade auch vielfach von den Rednern die hochwertigen Arbeitsplätze gewürdigt wurden, die speziell in dem neuen »voll digitalisierten« Krankenhaus künftig den Ärzten und der Belegschaft angeboten werden könnten.

Wobei in diesem Zusammenhang durchaus auch kritische Töne von Martin Loydl, dem kaufmännischen Geschäftsführer des Klinkverbunds Südwest, als Betreiber der Calwer Kreiskliniken zu hören waren – der es »eine Fehlentscheidung« in den 1990er-Jahren nannte, damals statt bereits einem Neubau auf einen Ausbau des alten Krankenhaus-Standortes gesetzt zu haben. Dieser Fehler würde mit dem jetzt begonnen Neubau »endlich korrigiert«. Wobei Loydl ankündigte, dass man nun mit den voraussichtlich in zwei Jahren fertiggestellten Neubau »den Krankenhausbetrieb völlig neu erfinden« werde. Was zwar auch eine Herausforderung sein würde, aber Zeichen setzen solle für die bestmögliche medizinische Versorgung in Calw und dem nördlichen Landkreis.

Weshalb, das sollte Calws Oberbürgermeister Florian Kling fast ebenso gut gelaunt wie der Landrat ergänzen, das neue Krankenhaus »für die Menschen aus Calw und der ganzen Region« längst »zu einem echten Herzens-Projekt« geworden sei, auf das er sich auch ganz persönlich sehr freue, »dass es nun ernst wird!« Für Calw stelle der künftige Gesundheits-Campus zudem auch einen echten Standortfaktor dar, was auch dadurch repräsentiert werde, dass die Stadt für die Errichtung des Krankenhauses und der verschiedenen, den Hauptbau umgebenen Zusatzbauten sechs Hektar seiner raren und wertvollen Gewerbeflächen hergegeben habe. Von denen aus nun das neue Krankenhaus übrigens auch den besten »Schwarzwald-Ausblick« in der Stadt künftig haben werde, weshalb der Schultes kurzerhand zur Freunde der Festgäste proklamierte: »Das ist die neue Schwarzwald-Klinik!« Und ihr »Professor Brinkmann« (aus der gleichnamigen ZDF-Serie) in Calw heiße »Professor Oberhoff« (Martin Oberhoff ist Chefarzt der »Inneren« des Kreiskrankenhauses Calw).

Der neue Professor Brinkmann ehrenhalber nahm es jedenfalls mit Humor, wobei Oberhoff als Chefarzt der künftigen neuen Klinik auch – wieder ganz ernst – darauf verwies, dass sich gerade jetzt in der Pandemie sehr deutlich gezeigt habe, dass »die kleinen Krankenhäuser das Rückgrat« bei der Bewältigung der Pandemie-Folgen gebildet hätten. Sie hätten durchgängig deutlich mehr Intensiv-Betten zur Verfügung stellen könnten als etwa die Mega-Häuser im Land. Zudem sei es auch so, dass überall dort, wo Krankenhäuser im ländlichen Raum geschlossen würden, auch insgesamt die medizinische Versorgung verloren gehe, weil dann auch immer Haus- und Fachärzte in Richtung der noch bestehenden Kliniken abwandern würden.

Insofern sei der Gesundheits-Campus in Calw »ein echtes Leuchtturmprojekt, um das wir im ganzen Land beneidet werden«. Weil sonst kein anderer ein solches Modell dafür habe, auf welche Weise man die Zukunft die medizinische Versorgung im ländlichen Raum organisieren könnte. »Wir werden hier eine wohnortnahe hochwertige medizinische Versorgung realisieren«, wie sie daher ohne Beispiel sei.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 30.09.2021

Geschrieben am 27.07.2021

Knapp zehn Millionen Euro mehr für die Calwer Klinik

Neubau — Pandemie-bedingte Zusatzkosten vom Kreistag genehmigt / Gesamtbudget steigt auf 76,2 Millionen

Bad Herrenalb/Kreis Calw. Wer »A« sagt, muss auch »B« sagen – entsprechend glatt und mit viel Zustimmung und Lob für die Arbeit der Kreisverwaltung hat der Calwer Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung knapp zehn Millionen Euro zusätzliches Budget für den Neubau des Kreiskrankenhauses (KKH) Calw genehmigt.

Die exakt 9,861 Millionen Euro sollen für eine gegenüber den ursprünglichen Planungen erweiterte Fieberambulanz, eine Aufstockung des vierten Stocks des künftigen Neubaus, die Einrichtung zusätzlicher »Infektionszimmer« sowie »betriebsorganisatorischen Veränderungen im Neubau Kreiskrankenhaus Calw«, wie es in der Sitzungsunterlage heißt, verwendet werden.

Man müsse die Planung genau jetzt anpassen, so Landrat Helmut Riegger bei den Erläuterungen zu den Mehrausgaben, »bevor es mit dem Bau losgeht«. In die angepassten Planungen seien die Erkenntnisse »von eineinhalb Jahren Pandemie« eingeflossen, die die zusätzlichen »umfangreichen Maßnahmen« notwendig machten.

Größter Brocken der nun beschlossenen Mehrausgaben ist die Aufstockung des Westflügels des künftigen neuen Krankenhaus-Gebäudes um einen vierten Stock – was man bisher nur als eine künftige Option in den Planungen berücksichtigt hatte. Diese »Option« soll nun also direkt mit dem Neubau gleich mit umgesetzt werden, um später die komplette Station in diesem dann vierten Obergeschoss im Pandemie-Fall gegebenenfalls als eigene Infektionsstation komplett vom übrigen Haus getrennt betreiben zu können. »Einschleusung, Ausschleusung und ein Infektionsaufzug« seien dann »zur Stationstrennung möglich«, wie es in den Erläuterungen heißt. Im Regelbetrieb – also wenn nicht gerade wieder eine Pandemie-Lage herrscht – würde »die Einheit« (die Räume im vierten Stock) zur Schmerztherapie und als selbstständige geriatrische Pflegestation betrieben. Dadurch könnten Räume im ersten Obergeschoss frei werden, die dann als Nebenräume für das geplante »Ambulante Operieren« umgeplant würden. Die Bruttogeschossfläche im nun ergänzend geplanten vierten Obergeschoss würde rund 1610 Quadratmeter betragen. Die berechneten Kosten allein für dieses »Pandemiegeschoss« betragen nach aktuellen Schätzungen rund 6,175 Millionen Euro.

Eine weitere, nun mögliche zusätzliche Baumaßnahme betrifft die Erweiterung der Fieberambulanz. Dafür würde die auch bisher schon geplante zentrale Notaufnahme um feste Kapazitäten für die abgetrennte Aufnahme von hochansteckenden Fieber-Patienten erweitert. Aktuell in der Corona-Pandemie wurde das provisorisch in Zelten vor den Krankenhäusern gelöst, was nicht optimal sei.

Die im Neubau Calw notwendige Baufläche für die zusätzliche Fieberambulanz würde man aus der bisher großzügig geplanten »Rettungsdienst-Anfahrt« generieren. Durch eine Umplanung dieses Bereiches könnten insgesamt 180 Quadratmeter zusätzlicher Flächen geschaffen werden. »Im Regelfall«, also dem Normalbetrieb, würden diese Räume als Untersuchungs-/Behandlungsbereich genutzt. Im Pandemiefall könnte dieser dann einfach zur Trennung von infizierten Patienten vom Krankenhausbetrieb umstrukturiert werden. Die für die Fieberambulanz entstehenden zusätzlichen Kosten werden aktuell mit rund 840 000 Euro berechnet.

Weitere, Pandemie-bedingte Neuplanungen betreffen die Schaffung von zusätzlichen Infektionszimmern, von »Nachsorgeräumen« für das Ambulante Operieren, einem geänderten Hygienekonzept in der Gastroenterologie/Endoskopie, der Onkologie und allgemeine betriebsorganisatorische Veränderungen. So habe die bisherige Planung für das KKH Calw nach Vorgabe des Sozialministeriums »15 Prozent Infektionszimmer mit Schleuse« vorgesehen. Als »wichtigste Erkenntnis aus der Pandemie« habe aber die »Notwendigkeit zur Separierung von infizierten Patienten zum Schutz von Pflegepersonal und nicht infizierten Patienten« zu einer deutlichen Erhöhung der Zahl der »Infektionszimmer mit Schleuse« geführt, so dass nun »über alle Geschosse circa 30 Prozent dieser Räume« zur Verfügung stehen sollen. Außerdem würden die durch die Neuplanungen freiwerdenden Räume der Schmerztherapie im ersten Obergeschoss zur Nutzung als Nachsorgeräume für das geplante Ambulante Operieren umgeplant – was bisher so nicht vorgesehen gewesen sei.

In »weiteren Funktionsbereichen« würden zudem »räumliche Trennungen vorgesehen und das vorhandene Hygienekonzept mit Blick auf die Pandemie ergänzt«. Im Bereich der Gastroenterologie und Koloskopie sei außerdem eine räumliche Trennung zur Aufbereitung der Medizintechnik nach dem Eingriff ebenfalls nachträglich eingeplant worden.

Auch Gastronomieküche, Werkstattbereich und Wirtschaftshof wurden entsprechend neuer Vorgaben des Klinikverbunds Südwest angepasst. Die Kosten für diesen Teil der Planergänzungen wird aktuell mit 1,99 Millionen Euro berechnet.

Einzige kritische Kommentare aus den Reihen der Kreisräte gab es bei den mit den Pandemie-bedingten Mehrkosten gemeinsam ausgewiesenen zusätzlichen Kosten für die bereits vorher fest geplanten Verbindungsgänge vom Krankenhaus zu den Nachbargebäuden und der Dachbegrünung. Der dafür erforderliche Betrag in Höhe von rund 857 000 Euro sei bisher im Baubudget für den Gesundheitscampus enthalten gewesen, so die Erläuterungen der Verwaltung. Diese Kosten gehörten aber richtigerweise zu den Gesamtkosten des Krankenhauses.

»Das stört uns«, so Peter Schuon (FDP). Wobei Schuon angesichts der weiter steigenden Schuldenaufnahme des Landkreises für seine neuen Kliniken ebenfalls mahnte, »an die Generationsgerechtigkeit« zu denken.

Hier wies Volker Renz vom Amt für Gebäudemanagement und Liegenschaften darauf hin, dass die kreditbasierten Finanzierungen für die Krankenhaus-Neubauten auf insgesamt 30 Jahre abgeschrieben würden – was aus Verwaltungssicht bedeute, dass »die Generation, die baut, auch bezahlt«. Karl-Heinz Schaible (CDU) hatte zuvor noch wissen wollen, ob in den aktualisierten Planungen – und vor allem Kostenschätzungen – auch die aktuellen, massiven Preissteigerungen im Baubereich bereits eingerechnet seien. Renz bestätigte hier, dass man den Index 20/21 tatsächlich mit in die neuen Kostensteigerungen mit eingerechnet habe, was bedeute: »Wenn alles gut geht, klappt’s auch«, im Kostenrahmen zu bleiben.

Durch den nun beschlossenen Ausbau des vierten Obergeschosses auf dem Westflügel und die Fieberambulanz erhöht sich die Bruttogeschossfläche des künftigen KKH Calw auf nun exakt 23 976 Quadratmeter. Die Gesamtkosten steigen dabei mit den zusätzlichen Maßnahmen auf rund 76,2 Millionen Euro. Womit sich ein Kostenschlüssel von 3176,11 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche ergebe – mit dem man sich mit dem Landkreis als Bauherr »überhaupt nicht verstecken« brauche, so Landrat Riegger. Dies sei ein »immer noch hervorragender Wert«.

Von Axel H. Kunert
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.07.2021

Geschrieben am 24.03.2021

Fast übermenschlich”, was Personal leistet

Co­ro­na — Cal­wer Chef­arzt und Pfle­ge­lei­tung der Not­auf­nah­me be­rich­ten von Kran­ken­haus­all­tag im Aus­nah­me­zu­stand

Gut zwölf Mo­na­te Pan­de­mie lie­gen hin­ter den Mit­ar­bei­tern des Cal­wer Kran­ken­hau­ses, und ein Fe­bru­ar, den sie wohl lie­ber nicht er­lebt hät­ten. Ge­prägt war der ver­gan­ge­ne Mo­nat von dem mas­si­ven Co­ro­na-Aus­bruch in der Kli­nik. Mar­tin Ober­hoff und Son­ja Kapp be­rich­ten vom All­tag im Aus­nah­me­zu­stand.

Kreis Calw. 5. Fe­bru­ar 2021: Die­sen Frei­tag wer­den die Mit­ar­bei­ter des Kran­ken­hau­ses Calw so schnell nicht ver­ges­sen. An dem Frei­tag zeich­net sich ab, dass sie es mit ei­nem mas­si­ven Co­ro­na-Aus­bruch im ei­ge­nen Haus zu tun ha­ben. Die Fol­gen sind gra­vie­rend: Die sta­tio­nä­re Auf­nah­me neu­er Pa­ti­en­ten wird ge­stoppt, wer an die­sem Tag oder da­nach in Dienst war, darf sein Zu­hau­se nur noch ver­las­sen, um zur Ar­beit zu ge­hen, die Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen ste­hen eben­falls un­ter Qua­ran­tä­ne. Die Maß­nah­men sind ein­schnei­dend und ha­ben ei­nen Grund: die Sor­ge, dass für den hef­ti­gen Co­ro­na-Aus­bruch Vi­rus-Mu­ta­tio­nen ver­ant­wort­lich sein könn­ten.

Die Qua­ran­tä­ne trifft ge­nau die, die seit zwölf Mo­na­ten al­les ge­ben, um die Pan­de­mie zu be­kämp­fen. Die Kran­ken­haus­mit­ar­bei­ter. Zwölf Mo­na­te, in de­nen al­les »sehr, sehr gut ge­gan­gen« sei, wie Mar­tin Ober­hoff, der ärzt­li­che Di­rek­tor und Chef­arzt der Kli­nik für In­ne­re Me­di­zin, be­tont. Man ha­be ge­dacht, das En­de der zwei­ten Wel­le sei er­reicht. »Und dann kommt es zu so ei­nem Aus­bruch.

«72 Mit­ar­bei­ter und zehn Pa­ti­en­ten wer­den laut Kli­nik­ver­bund Süd­west, zu dem das Cal­wer Kran­ken­haus ge­hört, po­si­tiv ge­tes­tet wäh­rend des Aus­bruchs. Al­ler­dings las­se sich ge­ra­de bei Letz­te­ren nicht sa­gen, ob sie sich tat­säch­lich in der Kli­nik an­ge­steckt ha­ben, oder bei­spiels­wei­se in­fi­ziert ein­ge­lie­fert wur­den, er­klärt Pres­se­spre­cher In­go Ma­theus.

Selbst wenn man von ins­ge­samt 83 aus­geht, ist der Aus­bruch von den Zah­len her für Mar­tin Ober­hoff ver­gleich­bar mit de­nen in an­de­ren Kli­ni­ken. Nur, dass in Calw die Sor­ge vor Mu­ta­tio­nen da­zu­kam. Am En­de war sie un­be­grün­det, ein Hin­weis auf Ver­än­de­run­gen des Vi­rus fand sich nicht. Als die Stadt Calw in Ab­stim­mung mit dem Kreis-Ge­sund­heits­amt die Qua­ran­tä­ne ver­häng­te, war das al­ler­dings noch un­klar.

Für das oh­ne­hin am Li­mit ar­bei­ten­de Kli­nik­per­so­nal fühl­te sie sich an wie ei­ne per­sön­li­che Be­stra­fung, er­in­nert sich Mar­tin Ober­hoff. Not­wen­dig sei sie trotz­dem ge­we­sen. Auch Alex­an­dra Frei­muth, die Re­gio­nal­di­rek­to­rin des Kreis­kli­ni­kums Calw-Nagold im Kli­nik­ver­bund Süd­west, spricht von ei­ner »ho­hen psy­chi­schen Be­las­tung, auch für die Fa­mi­li­en«. Doch das Ziel war, ei­nen Schutz­wall auf­zu­bau­en.

Der ärzt­li­che Di­rek­tor be­schreibt die Zu­sam­men­ar­beit mit den Be­hör­den im Kreis als sehr gut: »So ist es auch ge­lun­gen, dass man sehr, sehr schnell den Aus­bruch be­en­den konn­te.

«Seit An­fang Ja­nu­ar, dem Be­ginn der so­ge­nann­ten zwei­ten Co­ro­na-Wel­le, sind in Calw 98 in­fi­zier­te Pa­ti­en­ten be­han­delt wor­den. An Weih­nach­ten, be­rich­tet der Chef­arzt, wa­ren es so­gar 17 Co­vid-Pa­ti­en­ten gleich­zei­tig ge­we­sen, und das in dem klei­nen Haus mit 191 Bet­ten. Zum Ver­gleich blickt Mar­tin Ober­hoff nach Tü­bin­gen. In der dor­ti­gen Uni­kli­nik mit nach ei­ge­nen An­ga­ben 1585 Bet­ten sei­en es zur sel­ben Zeit 30 ge­we­sen.

Ge­ra­de in der In­ten­siv­sta­ti­on hat das Kli­nik­per­so­nal täg­lich vor Au­gen, was das Vi­rus an­rich­ten kann – eben nicht nur bei Äl­te­ren. Die in Calw be­han­del­ten Co­vid-Pa­ti­en­ten wa­ren zwi­schen 31 und 98 Jah­ren alt. »Na­tür­lich hat je­der Angst«, sagt Mar­tin Ober­hoff. Dies nicht nur um sich sel­ber, son­dern um die Fa­mi­lie zu Hau­se oder die El­tern. »Wir wis­sen auch, dass ganz jun­ge Pa­ti­en­ten ganz, ganz schwer an Co­ro­na er­kran­ken und auch ster­ben kön­nen.« Der Um­gang mit In­fek­ti­ons­krank­hei­ten ge­hö­re für me­di­zi­ni­sches Per­so­nal zwar da­zu, aber nor­ma­ler­wei­se nicht in der Mas­se oder Dich­te wie seit Be­ginn der Pan­de­mie.

Son­ja Kapp ist die Pfle­ge­lei­tung der Not­auf­nah­me. Die­se wie­der­um be­treut die Fie­be­ram­bu­lanz. Mit Co­ro­na hat sie es al­so je­den Tag zu tun. Und selbst wäh­rend des Auf­nah­me­stopps war das Kran­ken­haus für Not­fäl­le im­mer an­fahr­bar. Um al­les zu be­wäl­ti­gen, das be­tont sie im­mer wie­der, geht nur we­gen des sehr gu­ten Zu­sam­men­halts im Team. Ge­ra­de im Aus­nah­me­zu­stand sei die­ser ex­trem wich­tig ge­we­sen, er­zählt sie.

Da­zu kom­men die Schutz­maß­nah­men, die im Cal­wer Kran­ken­haus seit Pan­de­mie­be­ginn ge­trof­fen und im­mer wie­der ver­stärkt wor­den sind: »Wir wuss­ten, dass das, was wir tun, hy­gie­nisch ein­wand­frei ist«, meint Son­ja Kapp. In dem Zu­sam­men­hang nen­nen sie und Ober­hoff die Hy­gie­ne­fach­kraft am Stand­ort, Ol­ga Ort­mann. Sie ha­be »mit den schlimms­ten Job« seit Be­ginn der Pan­de­mie, er­läu­tert der Me­di­zi­nier, ha­be Tag und Nacht mit­ge­kämpft und sei 24 Stun­den am Tag er­reich­bar. Was Ort­mann, die Teams der Not­auf­nah­me, der Pan­de­mie- und In­ten­siv­sta­ti­on, aber auch das üb­ri­ge Per­so­nal ge­leis­tet ha­ben, dar­über sagt Mar­tin Ober­hoff: »Es ist fast über­mensch­lich, das über so ei­nen lan­gen Zeit­raum durch­zu­hal­ten.« Die An­span­nung un­ter den Mit­ar­bei­tern sei im­mer noch sehr hoch. Vie­le wür­den an­ge­sichts der Dau­er­be­las­tung un­ter Schlaf­stö­run­gen lei­den.

Was laut Son­ja Kapp hilft, ist der Aus­tausch in­ner­halb des Teams. So war das auch wäh­rend des Co­ro­na-Aus­bruchs. »Wir ha­ben ver­sucht, uns so ein klei­nes, gal­li­sches Dorf ein­zu­rich­ten.« Sie be­rich­tet von Vi­deo­an­ru­fen nach Fei­er­abend und von Ku­chen, die Pri­vat­leu­te für sie ge­ba­cken ha­ben – »Ges­ten, die uns das Le­ben er­leich­tert ha­ben«.

Die Mit­ar­bei­ter der Fie­be­ram­bu­lanz ha­ben wäh­rend des Aus­bruchs das ge­sam­te Per­so­nal auf Co­ro­na ge­tes­tet. Das hät­ten sie als »krass« er­lebt. Plötz­lich so vie­le po­si­ti­ve Test­ergeb­nis­se bei Kol­le­gen, das war laut Son­ja Kapp ei­ne »emo­tio­na­le Her­aus­for­de­rung«.

Über­haupt spie­len Tests ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le im Kran­ken­haus­all­tag. Im Kli­nik­ver­bund Süd­west wur­den im März 2020 noch 2000 Co­ro­na­tests an Mit­ar­bei­tern und Pa­ti­en­ten vor­ge­nom­men, im ver­gan­ge­nen Fe­bru­ar wa­ren es be­reits 18 000.

In Calw ma­chen in­zwi­schen al­le neu­en Pa­ti­en­ten ei­nen PCR- und ei­nen Schnell­test. An­schlie­ßend gibt es re­gel­mä­ßig wei­te­re Schnell­tests, die Mit­ar­bei­ter wer­den wö­chent­lich ge­tes­tet.

Au­ßer­dem ha­ben die Er­fah­run­gen in der Pan­de­mie so­gar Aus­wir­kun­gen auf den Neu­bau des Cal­wer Kran­ken­haus: Dort wird es künf­tig et­wa ei­ne gro­ße Pan­de­mie­sta­ti­on und Platz für ei­ne Fie­be­ram­bu­lanz ge­ben, be­rich­tet Mar­tin Ober­hoff. »Der Neu­bau ist ziem­lich pan­de­mie­si­cher.« Denn das es noch ein­mal 100 Jah­re bis zur nächs­ten Pan­de­mie dau­ert, das glaubt der Me­di­zi­ner nicht.

Für ihn zeigt sich ge­ra­de jetzt der Vor­teil de­zen­tra­ler Struk­tu­ren, al­so klei­ner Häu­ser wie dem in Calw. Wür­den al­le Co­ro­na-Pa­ti­en­ten in die Tü­bin­ger Uni­kli­nik ein­ge­lie­fert, gin­ge dort gar nichts mehr, meint Ober­hoff. An­ders­her­um pro­fi­tier­te das Cal­wer Kran­ken­haus von der Sa­na-Kli­nik in Bad Wild­bad und dem Pa­ra­cel­sus-Kran­ken­haus in Un­ter­len­gen­hardt. »Die ha­ben uns Pa­ti­en­ten ab­ge­nom­men.«

In­zwi­schen herrscht im Kran­ken­haus der Hes­se-Stadt wie­der »Nor­mal­be­trieb«, so­weit dies eben geht, und es ist voll be­legt. Die War­te­lis­ten für Ein­grif­fe sind lang, es gibt ei­ni­ges nach­zu­ho­len. Im Ver­gleich zum Jahr 2019, als 78 000 Pa­ti­en­ten in den Häu­sern des Kli­nik­ver­bunds be­han­delt wor­den wa­ren, wa­ren es 2020 le­dig­lich 69 000. Das zeigt, dass vie­le den Gang ins Kran­ken­haus wäh­rend Co­ro­na scheu­en. Ih­re Be­schwer­den al­ler­dings ha­ben sie trotz­dem. Auch des­halb ist es Alex­an­dra Frei­muth wich­tig, zu sa­gen: »Wir ver­sor­gen na­tür­lich Co­vid-Pa­ti­en­ten, aber auch al­le an­dern.« Und die könn­ten oh­ne Sor­ge ins Kran­ken­haus kom­men.

Wer­den­de El­tern tun dies of­fen­bar. Sie sor­gen in Co­ro­na-Zei­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes für po­si­ti­ve stei­gen­de Zah­len. So ka­men 2020 im Cal­wer Kran­ken­haus trotz Co­ro­na mehr Kin­der zur Welt als noch 2019, näm­lich 558 Ba­bys. Im Jahr zu­vor wa­ren es 478 ge­we­sen. Und die­ser An­stieg, er­gänzt Mar­tin Ober­hoff, hal­te un­ver­än­dert an – was um­so er­freu­li­cher ist an­ge­sichts eben­falls stei­gen­der Co­ro­na­zah­len stei­gen.

Von Verena Parage
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 24.03.2021

Geschrieben am 05.03.2021

För­der­zu­sa­ge für den Neu­bau des Kran­ken­hau­ses Calw

Die Lan­des­re­gie­rung hat am 2. März das Lan­des­kran­ken­haus­bau­pro­gramm 2021 be­schlos­sen. Der Ge­sund­heits­cam­pus Calw mit dem Neu­bau des Cal­wer Kran­ken­hau­ses ist mit ei­ner An­trags­sum­me von 68 Mil­lio­nen Eu­ro auf­ge­nom­men wor­den. Wel­cher För­der­satz zum Tra­gen kommt, das hei­ßt, wel­chen An­teil der ge­nann­ten Bau­kos­ten das Land über­nimmt, wird noch Ge­gen­stand von Ver­hand­lun­gen sein. Ak­tu­ell lau­fen auf dem Cam­pus­ge­län­de Er­schlie­ßungs­maß­nah­men. Der Bau­an­trag für den Neu­bau des Kran­ken­hau­ses ist in­zwi­schen ein­ge­reicht und der­zeit lau­fen die Werk­pla­nun­gen da­für. Wei­te­re Be­stand­tei­le des Cal­wer Ge­sund­heits­cam­pus sind ein Ge­bäu­de für das ZfP (Zen­trum für Psych­ia­trie), das Haus der Ge­sund­heit, ei­ne Kurz­zeit­pfle­ge des DRK und ein Park­haus. Die­se be­fin­den sich in der Ent­wurfs­pha­se zur Vor­be­rei­tung der Bau­an­trä­ge und die­se wer­den nach Fer­tig­stel­lung bei der Stadt Calw als zu­stän­di­ge un­te­re Bau­rechts­be­hör­de ein­ge­reicht.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 05.03.2021

Geschrieben am 08.12.2020

Pragmatisches und sachorientiertes Handeln gefordert

Freie Wähler — Martin Handel als Landtagskandidat für Kreis Calw nominiert / Werner Greule Ersatzkandidat

Calw-Holzbronn. Bei ihrer Nominierungsveranstaltung in Holzbronn haben die Mitglieder der Freien Wähler Landesvereinigung BW aus dem Wahlkreis Calw ihre Kandidaten für die Landtagswahl am 14. März 2021 gewählt.

Einstimmig stimmten die sie für Martin Handel aus Calw als Kandidat und für Werner Greule aus Holzbronn als Ersatzkandidaten. Beide gehen gemeinsam als Team in den Wahlkampf und wollen sich bei ihrer politischen Arbeit ergänzen. Ziel der Freien Wähler sei es, nun erstmals auf Landesebene anzutreten und in den Landtag Baden-Württemberg einzuziehen.

Martin Handel ist seit 2011 Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Vereinigung setze sich der 50-jährige (verheiratet, drei Kinder) gebürtige Stuttgarter, der jetzt in Calw wohnt, als Gesundheitsexperte seit 2019 im Kreistag für die wohnortnahe medizinische Versorgung ein. Seit mehreren Jahren arbeite er auch im Arbeitskreis Medizinisch-Pflegerische Versorgung des Landkreises mit und sei Vorstandsmitglied der Kreisärzteschaft Calw. Nach der erfolgreichen Erweiterung der geplanten Baumaßnahmen in Calw und Nagold möchte er nun auf Landesebene auf eine Verbesserung des Krankenhauswesens und der medizinischen sowie pflegerischen Versorgung hinwirken.

An seiner Seite steht der viele Jahre lang für den Ortsteil Holzbronn im Calwer Gemeinderat engagierte Werner Greule (verheiratet, 62 Jahre, drei Kinder), Industriemeister-Metall in passiver Altersteilzeit. Er ist seit 2002 Vorsitzender der Freien Wähler Stadtverband Calw. Außerdem ist er im Ausschuss des Fördervereins der Stadt und Jugendkapelle Calw sowie im Kreisbauernverband Calw als landwirtschaftlicher Ortsobmann von Holzbronn aktiv.

Sein großes Anliegen sei ‚den Standort Baden-Württemberg mit seinem traditionell starken Mittelstand und Handwerk für die Zukunft zu sichern.

Beide sehen die Freien Wähler im Landtag als echte Alternative der bürgerlichen Mitte, welche pragmatisches, sachorientiertes Handeln an Stelle von Parteiideologie bei der Lösung aktueller und zukünftiger Probleme einbringen soll.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 08.12.2020

Geschrieben am 17.11.2020

Martin Loydl im Amt bestätigt

Klinikverbund — Vertrag des Geschäftsführers verlängert

Martin Loydl ist auch zukünftig kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest.

Kreis Calw. Der Aufsichtsrat der Klinikverbund Südwest GmbH hat einstimmig beschlossen, den Vertrag mit dem bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer Martin Loydl um fünf weitere Jahre zu verlängern. »Martin Loydl ist ein ausgewiesener Krankenhausexperte mit 28 Jahren Berufserfahrung im Klinik- und Gesundheitswesen. Er ist zudem eine Führungskraft der ersten Stunde aus der Gründungszeit des Klinikverbundes Südwest im Jahre 2006«, hob der Aufsichtsratsvorsitzende der Holding, Böblingens Landrat Roland Bernhard, hervor. Die Verlängerung seines Vertrages sei nicht nur Zeichen der Wertschätzung von Loydls Arbeit in den vergangenen Jahren, sondern auch ein »starkes Signal für Konstanz« im Hinblick auf die schon laufenden Neubau- und Sanierungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von über 800 Millionen Euro bis ins Jahr 2025, erklärte Bernhard.

»Gleichsam war es uns und den Räten ein großes Anliegen, mit der Wiederwahl von Martin Loydl auch den über 5 000 Mitarbeitern diese Sicherheit und Konstanz gerade angesichts der Pandemie zu vermitteln«, unterstrich der Calwer Landrat Helmut Riegger, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Verbundes. »Das Personal in unseren Kliniken hat bereits im Frühjahr hervorragende Arbeit geleistet und ist jetzt wieder mehr denn je gefordert inmitten der zweiten Welle – da bedarf es umso mehr eines umsichtigen und erfahrenen Krisenmanagements, wie es Geschäftsführung, Regionaldirektionen sowie die ärztlichen Direktoren im Team aktuell vorleben.

« Letztere werden auch im Rahmen der neu beschlossenen Geschäftsführungsstruktur ein Mehr an Mitbestimmung erhalten: Das per Aufsichtsratsbeschluss neu geschaffene Ärztliche Direktorium wird künftig die Geschäftsführung, die Gesellschafter und den Aufsichtsrat beraten. Die Stimmen der Ärztlichen Direktoren aller sechs Standorte im Verbund (Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen) erhalten somit mehr Gewicht bei Entscheidungen zur Ausrichtung der medizinisch-ärztlichen Strategie des Klinikverbundes.

Der Posten des medizinischen Geschäftsführers wird hingegen nach dem Weggang von Jörg Noetzel im vergangenen Sommer für zwei Jahre vakant bleiben. Nach anderthalb Jahren wird der Aufsichtsrat prüfen, ob sich die neue Geschäftsführerstruktur mit einem Geschäftsführer und dem Direktorium bis dahin bewährt haben wird. Davon abhängig werde man dann endgültig festlegen, ob man zur vorherigen Tandem-Lösung mit einem kaufmännischen und einem medizinischen Geschäftsführer zurückkehren wird.

Der 50-jährige Martin Loydl war in den vergangenen Jahren maßgeblich verantwortlich für die Ausgestaltung der neuen verbundweiten Medizinkonzeption inklusive der Neubauprojektplanungen. Seine beruflichen Stationen führten den diplomierten Betriebswirt mit Schwerpunkt Krankenhauswesen von den Kreiskliniken Reutlingen über das Universitätsklinikum Tübingen 2006 zum Klinikverbund Südwest. Nach Leitungsfunktionen in der Unternehmenssteuerung, im Patientenmanagement und Finanzwesen übernahm der vierfache Familienvater zunächst die Position des Verwaltungsdirektors, 2012 dann die stellvertretende Geschäftsführung im Unternehmen und ist seit 2016 kaufmännischer Geschäftsführer der Klinikverbund Südwest GmbH mitsamt aller Tochtergesellschaften.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 14.11.2020