Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 09.04.2018

Neufassung der »Medizinkonzeption – Szenario 2021«

Krankenhaus — Resolution verabschiedet
Jetzt braucht es Dialog– und Kompromissbereitschaft: Die Stadt Calw will sich vor womöglich finalen Entscheidungen zur künftigen Ausrichtung des Krankenhauses Luft verschaffen. »Der Zeitplan ist viel zu knapp, um die Öffentlichkeit mitzunehmen«, sagte Oberbürgermeister Ralf Eggert am Samstag.

Calw.
Das tat der Calwer Rathauschef während der kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Gemeinderats im Bauzentrum Kömpf, die von Dutzenden Zuhörern verfolgt wurde. Dazu eingeladen waren auch Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw. Die Begeisterung und Freude über den geplanten Calwer Gesundheitscampus, für den unlängst die architektonischen Entwürfe ausgewählt wurden (wir berichteten), wird derzeit durch die Neufassung der »Medizinkonzeption – Szenario 2021« zum genannten Campus arg gedämpft.

Nicht kommuniziert
Zu groß ist die Angst, ein vollwertiges Calwer Krankenhaus zu verlieren, weil das neue Medizinkonzept 2021 entgegen der bisherigen Planungen den Verbleib der Orthopädie in Calw vorsieht sowie die Verlagerung der Neurologie an die Klinik in Nagold. Das würde bedeuten, dass es keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stundendienst mehr an sieben Tage in der Woche geben würde, sondern in Calw nur noch zu den üblichen Tages-Dienstzeiten operiert würde (siehe »Info«). »Bei den Themen Neurologie und Orthopädie wurde vieles nicht kommuniziert, deshalb sind wir aktiv geworden«, erläuterte Eggert das gemeinsame Schreiben der Stadtverwaltung und der BI an die Kreisräte, mit dem sie selbige bitten, dem veränderten Medizinkonzept nicht zuzustimmen (wir berichteten).

Chronisch unterfinanziert
Sorge bereitet auch die Zukunft der Gynäkologie, die trotz bundesweiter Vorbildqualität geschlossen werden könnte, weil sie chronisch unterfinanziert und defizitär ist. Stadt und BI sehen sie zur Versorgung junger Familien im ländlichen Raum allerdings als unverzichtbar an.

In der rund zweistündigen Sitzung machten sowohl die Vertreter der BI, unter anderem Bernd Neufang und Eberhard Bantel, als auch der OB deutlich, warum die Neufassung der Medizinkonzeption 2021 überdacht werden sollte. Diese weiche deutlich von bisherigen Zusagen des Landrats und Kreistags zur notfallmedizinischen Versorgung des nördlichen Landkreises ab. Nicht alles an dem Konzept sei schlecht, Gutes müsse man durchaus als gut bezeichnen. Die einschneidenden Veränderungen in der Notfallversorgung halten Gemeinderäte, BI und auch Zuhörer allerdings für unzumutbar. »Wir sollten uns auf die Notfallversorgung konzentrieren und die Emotionen rausnehmen, um einen richtigen, sachlichen Gesprächskanal zu finden«, betonte Eggert.

Neufang betonte, dass ohne die Ärzte, die mobilisiert hätten werden können, keine qualifizierte Stellungnahmen, etwa zu den Gutachten Oberender und GÖK, möglich gewesen wären. Schließlich wird es immer komplexer, je mehr man bei der Gesundheitsversorgung und der Krankenhausfinanzierung ins Detail geht. Die Calwer Gemeinderäte wiederum sind der BI für ihr Engagement für eine gute Gesundheitsversorgung dankbar, wie am Samstag betont wurde.

»Die Orthopädie und die Unfallchirurgie sind eine Einheit«, betonte Bantel, der jahrzehntelange Erfahrung als Notarzt besitzt. Würden die genannten Pläne umgesetzt, habe man wieder keine Vollabteilung mit Assistenzärzten sowie Ober– und Chefarzt und stehe erneut ganz am Anfang. Nicht alle Schwerpunkte dürften nach Nagold verlagert werden. Die Bevölkerung im nördlichen Landkreis habe ein Recht auf adäquate medizinische Versorgung wie jeder andere Patient im Kreis auch. Deshalb brauche es am Standort Calw eine Unfallbehandlung rund um die Uhr.

Möglichst in einem Haus
»Warum wird beim Medizinkonzept jetzt zurückgedreht? Geht es um die Kosten?«, wollte Gemeinderat Jürgen Ott wissen. Wirtschaftliche Erwägungen seien bei der jetzigen Neufassung der Konzepts denkbar, so Eggert. Außerdem werde stets angestrebt, medizinisch möglichst viel in einem Haus zu bündeln.

Die Ratsmitglieder stellten sich schließlich in einer Art Resolution einstimmig hinter Stadtverwaltung und BI. Gemeinsam bitten sie um die Erweiterung des Klinikkonzepts: In den ohnehin vorhandenen Abteilungen (Innere und Chirurgie) solle die Notfallversorgung nicht nur montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr möglich sein, wie vom Landrat zugesagt und vom Kreistag beschlossen, sondern rund um die Uhr in einer Akutklinik. Die bundesweit herausragende Gynäkologie und Geburtshilfe müssten erhalten bleiben.

Die Gemeinderäte sprachen sich ebenso einstimmig für den Vorschlag Eggerts aus, nach der Aufsichtsratssitzung der Kreiskliniken am Mittwoch das Gespräch mit Landrat Helmut Riegger zu suchen. Denn bereits am 23. April steht die Sitzung des Kreistags an, in der die Medizinkonzeption 2021 beraten und eventuell beschlossen wird.

Eggert möchte Zeit gewinnen, um wegen der Neufassung der Medizinkonzeption mit den Kreisräten zu sprechen und die Bevölkerung mit ins Boot zu holen. Für die Zukunft wünscht sich der Calwer Verwaltungschef, dass frühzeitig über solch gravierende Änderungen in der Gesundheitsversorgung im Kreis gesprochen wird.

Das neue Medizinkonzept 2021 enthält einige gravierende Änderungen:

Neurologie
Diese soll entgegen der ursprünglichen Planung dem Standort Nagold zugeordnet werden. Damit liegt laut Calwer Gemeinderat und BI Krankenhaus Calw ein Abrücken des Landrats von seinem Versprechen, »in Calw können weiterhin Schlaganfälle behandelt werden«, vor. Das Problem sei die zeitgerechte Versorgung von Schlaganfallpatienten. Hier gelte das Gleiche wie beim Herzinfarkt.

Orthopädie/Chirurgie
Die Orthopädie verbleibt anders als bisher geplant in Calw. Vorgesehen ist aber nur Alterstraumatologie, Basis-, Allgemein– und Unfallchirurgie im Tagdienst (8 bis 16 Uhr) – nicht nachts und nicht an den Wochenenden. Damit würde eine orthopädische Fachklinik entstehen, die tagsüber durch Basischirurgie ergänzt werden soll. Demnach gibt keine Basis– und Unfallchirurgie rund um die Uhr mehr. Die mit zwei Assistenzärzten ab 16 Uhr besetzte Klinik führt nach 16 Uhr und an den Wochenenden in der Regel keine Notfall-Operationen mehr aus.

Innere Medizin
Nur noch eingeschränkte Behandlung von montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr. Nur im Tagesdienst an den Werktagen gibt es einen Notfall-Linksherzkatheter. Die eingeschränkten Leistungszeiten gelten nun ebenfalls für die Gastroenterologie, Endoskopie und die Onkologie.

Gynäkologie/Geburtshilfe
Die Klinik ist gefährdet und soll wegen der chronisch defizitären Geburtshilfe geschlossen werden, sollte nicht bis Ende des Jahres ein ausgeglichenes Ergebnis unter dem Strich stehen. Der Kreistag hatte ursprünglich entschieden, das Defizit tragen zu wollen, um die Abteilung in Calw beizubehalten. Das Problem der Gewinnung von Hebammen und Ärzten ist nach Ansicht von Stadtverwaltung und BI Krankenhaus Calw stets gelöst worden und weiter lösbar.

Von Marion Selent-Witowski
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 09.4.2018

Geschrieben am 09.04.2018

OB Eggert wehrt sich

Krankenhaus — Keine Inhalte preis gegeben

Calw.
Der Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe in der Krankenhaus-Debatte Inhalte einer nicht öffentlichen Sitzung nach außen gegeben.
Wie berichtet, sagte die Landkreis-Sprecherin Anja Härtel: »Wenn Inhalte einer nichtöffentlichen Aufsichtsratssitzung, zu denen es noch gar keinen Beschluss gibt, öffentlich im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Pressekonferenz diskutiert werden sollen, ist dies schon sehr verwunderlich.«
Dies bestreitet der OB vehement. »Ich habe zu keiner Zeit auch nur in Auszügen nicht öffentliche Inhalte geteilt«, teilt Eggert mit.
Vielmehr habe das Landratsamt nach Aussage der Bürgerinitiative (BI) bereits vor einigen Wochen in einem Treffen mit der BI das neue Medizinkonzept 2021 dargelegt. Bereits im Artikel »Tauschen zwei Abteilungen den Standort?« im Schwarzwälder Bote vom 29. März sei auf das Gespräch mit der BI verwiesen worden.
Eggert macht deutlich: »Von mir hat die BI keinerlei Informationen zum Klinikkonzept 2021 erhalten. Ich bitte den Landrat und seine Pressestelle, bei aller inhaltlichen Unterschiede, doch weiterhin sachlich und bei der Wahrheit zu bleiben.«
Von Bernd Mutschler
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 07.4.2018

Geschrieben am 06.04.2018

Sondersitzung zum Thema Krankenhaus

Zu einer öffentlichen Sondersitzung in Sachen Krankenhaus kommt der Calwer Gemeinderat am Samstag zusammen.

Calw (msw).
Mehr als kritisch sehen der Calwer Oberbürgermeister Ralf Eggert und die Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw das im Raum stehende Konzept zur Verlagerung der Neurologie nach Nagold und zum Verbleib der Orthopädie in Calw (wir berichteten). Dadurch würden »wesentliche für die Notfallversorgung des nördlichen Landkreises vom Kreistag zugesagten Leistungen wegfallen«, heißt es in einem Brief von Eggert und BI an die Kreisräte. Das Kreisgremium soll in einer Sondersitzung am 23. April über den künftigen Calwer Gesundheitscampus abstimmen. Die Verfasser des Schreibens gehen davon aus, dass es in Calw künftig keine Basis– und Unfallchirurgie mehr an sieben Tagen geben wird, sondern nur noch zu den üblichen Tagesdienstzeiten. Mit dem Brief werden die Kreisräte gebeten, dem genannten Konzept nicht zuzustimmen. Die Sondersitzung des Calwer Gemeinderats am Samstag, 7. April, ist öffentlich und beginnt um 12.30 Uhr im Besprechungszimmer des Bauzentrums Kömpf. Unter dem Tagesordnungspunkt »Neues Krankenhauskonzept – Die massive Reduzierung der Notfallversorgung« wollen Eggert und die BI ihre Position ausführlich erläutern.

Geschrieben am 06.04.2018

Eggert und BI machen Front gegen Konzept

Calwer OB und Bürgerinitiative  verfassen Brief an Kreistagsmitglieder –  Landratsamt reagiert »irritiert«

Calws OB Ralf Eggert und die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw wenden sich öffentlich und gemeinsam gegen die im Raum stehende Reform der Klinikkonzeption und bitten die Kreisräte in einem Brief, dem neuen Konzept nicht zuzustimmen. Im Calwer Landratsamt ist man über Eggerts Vorgehen derweil »irritiert«.

Calw.
Was genau die Irritation im Calwer Landratsamt über das Vorgehen des Calwer OB ausgelöst hat, erklärt Landkreis-Pressesprecherin Anja Härtel: »Wenn Inhalte einer nicht-öffentlichen Aufsichtsratssitzung, zu denen es noch gar keinen Beschluss gibt, öffentlich im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Pressekonferenz diskutiert werden sollen, ist dies schon sehr verwunderlich«, so Härtel. »Zumal vor dem Hintergrund, dass es sich hier nicht um ein Krankenhaus der Stadt Calw, sondern um die Kreiskliniken handelt.«
Hintergrund dieser deutlichen Aussagen seitens des Landkreises ist, dass die Mitglieder des Kreistags in dieser Woche Post bekommen haben. Unter dem Briefkopf des Oberbürgermeisters der Stadt Calw machen der Calwer OB und die Bürgerinitiative deutlich, dass sie das im Raum stehende Konzept der Verlagerung der Neurologie nach Nagold und dem Verbleib der Orthopädie in Calw – in dem Schreiben »Medizinkonzept-Szenario 2021« genannt – sehr kritisch sehen. Damit würden »wesentliche für die Notfallversorgung des nördlichen Landkreises vom Kreistag zugesagte Leistungen wegfallen«, heißt es in dem Schreiben.
Eggert und die Bürgerinitiative gehen davon aus, dass es in Zukunft in Calw keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen geben, sondern nur noch zu den üblichen Tagesdienstzeiten operiert werden soll. Das widerspreche den bisherigen Zusagen, eine Akutklinik in Calw zu halten und sei »unzumutbar«. Deshalb fordert Eggert namens der Großen Kreisstadt und die Bürgerinitiative vom Landkreis, dass »wie bisher eine 24-stündige und an sieben Wochentagen in Calw bereitstehende unfallchirurgische Versorgung vorzuhalten ist«, wie es in dem Brief an die Kreisräte heißt.
Auch bei der Inneren Medizin sehen die Autoren des Schreibens eine eingeschränkte Behandlung von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr; denn nur im Tagesdienst an den Werktagen (ohne Wochenende) gebe es einen Notfall-Linksherzkatheter. Deshalb fordern Stadt und Bürgerinitiative einen Notfall-Linksherzkatheter für 24 Stunden an sieben Tagen für Calw. Der sei »unverzichtbar«.
Darüber hinaus regen die Autoren des Briefs den Ausbau der Geriatrie am Standort Calw an, doch dafür sei »eine fachärztliche und stationäre neurologische Versorgung notwendig«. Daher müsse »eine neurologische Versorgung des nördlichen Landkreises und des ZfP mit seinen Patienten durch eine neurologische Präsenz am Standort Calw sichergestellt werden«, fordern Ralf Eggert und die Unterzeichner der Bürgerinitiative Axel Ulrich Roth, Eberhard Bantel, Bernd Neufang und Ewald Prokein.
Darüber hinaus bringen die Autoren auch noch die Geburtshilfe und Gynäkologie am Calwer Krankenhaus ins Spiel. Sie sei »bundesweit medizinisch herausragend erfolgreich«, heißt es in dem Brief wörtlich. Sie werde sehr gut angenommen, biete eine »herausragende Qualität und sei zur Versorgung junger Familien im ländlichen Raum unverzichtbar«. Deshalb solle der Landkreis die Gynäkologie und Geburtshilfe in Calw erhalten. Der Brief schließt mit dem Appell der Unterzeichner an die Kreisräte »im Interesse der Bürger des gesamten Landkreises« dem überarbeiteten Medizinkonzept nicht zuzustimmen.
Zu diesem Thema hat der Calwer Oberbürgermeister eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt. Sie findet am Samstag, 7. April, statt, ist öffentlich und beginnt um 12.30 Uhr im Besprechungszimmer des Bauzentrums Kömpf. Unter dem Tagesordnungspunkt »Neues Krankenhauskonzept – Die massive Reduzierung der Notfallversorgung« wollen Eggert und die BI ihre Position ausführlich erläutern.
Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 06.4.2018

Geschrieben am 03.04.2018

Der Gesundheitscampus hat jetzt ein Gesicht

Kliniken | 13-köpfige Fachjury entscheidet sich beim Komplex rund um das neue Krankenhaus Calw einstimmig für Entwurf aus Leipzig
Lange war es nur ein abstrakter Begriff, jetzt bekommt der Calwer Gesundheitscampus ein Gesicht. Jetzt ist klar, wie der Campus aussehen soll. Eine 13-köpfige, prominent besetzte Fachjury hat sich für einen Planungsentwurf eines Büros aus Leipzig mit einem Ableger in Stuttgart entschieden – und das einstimmig.

Calw.
Wie soll der Calwer Gesundheitscampus aussehen, wie sich in sein Umfeld einfügen? Wie sieht die Erschließung aus? Wie löst man das Parkplatzproblem? Wie wird der Gesundheitscampus vor Lärm aus dem benachbarten Gewerbegebiet geschützt? Wie wird der Gedanke des Campus mit den Bestandteilen Krankenhaus, Nephrologie, Klinik für Psychosomatik und Haus der Gesundheit auf dem 6,5 Hektar großen Areal im Stammheimer Feld auf den Höhen über Calw umgesetzt? Und wie bekommt man das alles wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll hin?
Diese und ähnliche Fragen haben 14 renommierte Planungsbüros aus ganz Deutschland – von München über Berlin bis Leipzig – und aus Österreich und Luxemburg auf den Plan gerufen.
Diese Büros reichten ihre Planungen ein, die ein Preisgericht im Januar in der ersten Runde des vom Landkreis ausgelobten Wettbewerbs unter die Lupe nahm und den Kreis der Bewerber auf fünf reduzierte. Am Mittwoch nun setzte sich das aus Architekten, Bausachverständigen, Städteplanern sowie Vertretern aus Politik, Medizin und Verwaltung bestehende Preisgericht unter dem Vorsitz des Stuttgarter Architekten Eckart Rosenberger in den Räumlichkeiten der Calwer Firma Kissling erneut zusammen um den Sieger des Wettbewerbs zu küren – ohne zu wissen, wer welchen Vorschlag eingereicht hatte.
Diese Büros reichten ihre Planungen ein, die ein Preisgericht im Januar in der ersten Runde des vom Landkreis ausgelobten Wettbewerbs unter die Lupe nahm und den Kreis der Bewerber auf fünf reduzierte. Am Mittwoch nun setzte sich das aus Architekten, Bausachverständigen, Städteplanern sowie Vertretern aus Politik, Medizin und Verwaltung bestehende Preisgericht unter dem Vorsitz des Stuttgarter Architekten Eckart Rosenberger in den Räumlichkeiten der Calwer Firma Kissling erneut zusammen um den Sieger des Wettbewerbs zu küren – ohne zu wissen, wer welchen Vorschlag eingereicht hatte.
Am Ende fiel die Entscheidung des Preisgerichts denkbar eindeutig aus. Alle 13 Jurymitglieder entschieden sich für den Vorschlag der Bietergemeinschaft Ingenieurbüro Vogt Planungsgesellschaft in Leipzig und der HDR aus Stuttgart.
Dieser Vorschlag besteht aus fünf einzelnen, terrassierten Gebäudeteilen – zwei für das Krankenhaus, je einer für Nephrologie, Haus der Gesundheit und psychosomatische Klinik – die untereinander verbunden sind. Ein Parkhaus mit mehr als 300 Stellplätzen schirmt den Komplex teilweise vom Gewerbegebiet ab, der Rest des Campus wird mit schrägen Wällen gegen den Industrielärm abgeschirmt. Ein Großteil der Krankenzimmer liegt in Richtung freier Landschaft, ebenso ein Großteil der großzügigen Terrassen.
Jurypräsident Eckart Rosenberger, der den Siegerentwurf der Öffentlichkeit vorstellte, zeigte sich mit dem Wettbewerb und dem Ergebnis sehr zufrieden. Dass sich so viele Büros beworben haben, zeige wie besonders und attraktiv die Aufgabe eines Campus sei. Mit dem Ergebnis sei er »sehr glücklich«, sagte Rosenberger in Calw.
Auch Jörg Noetzel, medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbund Südwest, zeigte sich begeistert. »Dieser Vorschlag hat die Aufgabe brillant gelöst und ergibt ein tolles Gesamtbild«, so Noetzel. »Der jetzt ausgewählte Entwurf setzt aus unserer Sicht den Campusgedanken tatsächlich am besten um. Architektonisch fügt er sich ideal in die Landschaft ein und berücksichtigt dabei in idealer Weise die funktionalen Zusammenhänge der zukünftigen Partner, bestehend aus dem ZfP, dem Dialysezentrum, dem Haus der Gesundheit mit Praxen und AOK sowie dem Klinikgebäude«, betonte Noetzel, der hervor hob, dass man mit dem Projekt und dem Wettbewerb schon jetzt deutschlandweit für Furore gesorgt habe – was die Liste und Zahl der Bewerber zeige.
Auch Calws Oberbürgermeister Ralf Eggert hob die »perfekte« Einbettung des Komplexes in die Landschaft hervor und attestierte den Planern eine »hervorragende Arbeit«, die ihn sehr erfreue. All die Angebote des Campus so zusammen zu führen und unterzubringen, wäre am alten Standort »unmöglich« gewesen, ist Eggert überzeugt.
Auch aus Sicht der Sparkasse Pforzheim Calw, die als Investor für einen Teil des Campus auftreten wird, überzeugt der ausgewählte Entwurf. Er bringe die Anforderungen wie Wirtschaftlichkeit, gute Erschließung und Städtebau, sehr gut unter einen Hut, so Vorstandsmitglied Hans Neuweiler, der sich geradezu euphorisch zeigte. »Mit diesem Entwurf hat die Zukunft des Krankenhaus-Standortes Calw begonnen.«
Mit dieser Entscheidung ist die Sache aber noch nicht in trockenen Tüchern. Zunächst kann die Bevölkerung alle Wettbewerbsbeiträge vom 9. bis 20. April im Landratsamt unter die Lupe nehmen. Dann wird der Kreistag in einer Sondersitzung am 23. April abschließend über das Gesicht des Calwer Gesundheitscampus entscheiden.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 31.3.2018

Geschrieben am 29.03.2018

Tauschen zwei Abteilungen den Standort?

Krankenhauskonzept — Verbleib der Orthopädie in Calw und Verlagerung der Neurologie nach Nagold stehen im Raum

Das Zukunftskonzept für die Krankenhäuser in Calw und Nagold steht möglicherweise vor einschneidenden Änderungen. Im Kreis Calw wird offenbar darüber diskutiert, die Orthopädie nun doch am Standort Calw zu belassen und dafür die Neurologie nach Nagold zu verlagern. Beschlüsse von Gremien dazu gibt es aber noch keine.

Kreis Calw.
Das bisher geltende Konzept »3+«, das auf einem inzwischen gut fünf Jahre alten Gutachten des Unternehmens »GÖK« basiert, beinhaltet die Verlagerung der Orthopädie nach Nagold und den Verbleib der Neurologie in Calw. Besonders die Verlagerung der Orthopädie von Calw nach Nagold hatte für heftige Debatten in der und um die Hesse-Stadt gesorgt.
Seit diesem Gutachten ist viel Zeit ins Land gegangen. Zeit, in der sich auf dem Medizin– und Krankenhaussektor viel getan hat. Das hat man nun offenbar zum Anlass genommen, das Konzept auf den Prüfstand zu stellen.
Ein Ergebnis davon ist nun wohl der Vorschlag, die Orthopädie am Standort Calw zu belassen und im Gegenzug den Neurologie-Schwerpunkt am Standort Nagold anzusiedeln. Für den neu zu bauenden Klinik-Standort Calw würde das – ohne Campus – eine Bettenzahl zwischen 140 und 150 zur Folge haben.
Baulich dürfte das den Landkreis Calw als Träger und die Planer nicht vor größere Probleme stellen, denn das Konzept für den Neubau der Calwer Klinik enthält ohnehin die Möglichkeit, den Bau zu erweitern. Und auch in Nagold hat man baulich noch nicht alle Pflöcke eingeschlagen.
Beim Klinikverbund Südwest mit Sitz in Sindelfingen, der an der Diskussion – vor allem an der medizinischen – maßgeblich beteiligt ist, stoßen die Überlegungen durchaus auf Gegenliebe. Vor allem die Verlagerung der Neurologie an das Schwerpunktkrankenhaus Nagold.
Hintergrund ist der enge fachliche Zusammenhang zwischen Neurologie und Gefäßchirurgie. Die führt dazu, dass Fachleute sogar dazu raten, eine Neurologie bevorzugt an den Krankenhausstandorten anzusiedeln, an denen eine ausgebaute Gefäßchirurgie vorhanden oder geplant ist. Es gibt sogar schon entsprechende Vorgaben im Gesundheitssektor – etwa von Kassen.
Und da im Krankenhaus Nagold die Gefäßchirurgie vorhanden ist und auch die Kapazitäten in der nötigen Intensivmedizin größer sind als in Calw, wäre eine Verlagerung der Neurologie nach Nagold »nicht gegen den Trend«, wie es vom Klinikverbund Südwest vielsagend heißt. Der Klinikverbund hat in dieser Woche übrigens die Mitarbeiter der beiden Krankenhäuser in Calw und Nagold über die laufende Diskussion um Neurologie und Orthopädie informiert.
Inzwischen sind auch die Ärzte aus dem Raum Calw, die zwischenzeitlich mit mehreren großflächigen und kritischen Zeitungs-Anzeigen für Aufsehen gesorgt hatten, informiert und in die Debatte eingebunden. Und sie sehen die für sie überraschende Entwicklung positiv, wie der Arzt Rolf Johnen aus Calw im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten bestätigt. Die zeitweilig ziemlich aufgeheizte Stimmungslage vor allem im Raum Calw habe sich im Zuge der neuen Entwicklung inzwischen »entspannt«, informiert Rolf Johnen. Man sei bereit, konstruktiv an der im Raum stehenden möglichen Anpassung des Klinikkonzepts mit zu arbeiten.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 29.3.2018

Geschrieben am 23.03.2018

Land setzt auf größere Kliniken

Gesundheit — Auch kleinere Häuser wie Freudenstadt erhalten aber Hilfe

Stuttgart.
Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will vor allem größere und leistungsfähige Klinken bei Bauprojekten unterstützen. »Wir wollen heute Kliniken und Standorte fördern, die auch in 20 Jahren noch am Markt sein können«, sagte er am Dienstag. Krankenhäuser mit kleinteiligem Angebot kämen oft nie aus den roten Zahlen heraus. Wenn es Schließungen gebe, werde aber im Schulterschluss von Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung, Trägern und Land für eine weitere medizinische Versorgung – auch in Notfällen – in ambulanter Form gesorgt.
Allerdings müsse man jeden Gesundheitsstandort betrachten. »Die Region Stuttgart ist zum Beispiel überhaupt nicht vergleichbar mit der Region Freudenstadt.« Gerade im ländlichen Raum unterstütze das Land auch kleinere Krankenhäuser, weil sie für die Gesundheitsversorgung unverzichtbar seien.
AOK-Landeschef Christopher Hermann sagte: »Grundsätzlich gilt für die Krankenhausplanung im Land, dass in Baden-Württemberg nicht jedes Krankenhaus die Qualität hat, die möglich ist und benötigt wird.« Welche Folgen die Bündelung medizinischer Kompetenz haben könnte, erläuterte Hermann an einem Beispiel: Würden bei Darmkrebs-Operationen nur noch Kliniken mit mindestens 50 Fällen und zertifizierte Zentren operieren, dürften nur noch 51 der 102 Häuser im Land den Eingriff vornehmen. Die Anfahrt würde sich im Schnitt um nicht mal fünf Kilometer verlängern.
Bauprogramm geringer
Der Konzentrationsprozess hat im Südwesten schon etliche Schließungen nach sich gezogen. Die Anzahl der Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sank von 151 im Jahr 1997 auf 92 im vergangenen Jahr.
Das Land investiert in diesem Jahr 455 Millionen Euro in den Krankenhausbau – nach 463 Millionen im Vorjahr. Davon entfallen rund 235 Millionen Euro auf acht dringliche Bauprojekte. Die höchste Summe haben die Alb-Fils-Kliniken in Göppingen mit 304 Millionen Euro beantragt. Dort ist ein Neubau mit 600 Betten vorgesehen. Weitere Ausbau-, Neubau-, Sanierungsprojekte werden in Buchenbach, Bad Friedrichshall, Karlsruhe, Ludwigsburg, Mannheim, Ostfildern und Sigmaringen unterstützt. Dass das Bauprogramm in diesem Jahr 12,5 Millionen Euro geringer ausfällt als im Vorjahr, ist laut Lucha einem Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geschuldet. Seit 2010 seien die gesamten Mittel aber um 30 Prozent gewachsen.
Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft forderte mit Blick auf große Neubauten und die Digitalisierung der Kliniken 100 Millionen Euro mehr pro Jahr.
Von Julia Giertz
Schwarzwälder Bote, Teil Baden-Württemberg vom 21.3.2018

Geschrieben am 22.03.2018

Externe Steuerung löst keine Probleme

Krankenhaus — Kreistag vergibt bei zehn Gegenstimmen Kostencontrolling und Vertragsrecht für den Klinikumbau in Nagold

Bereits im Dezember hatte der Kreistag ein externes Kostencontrolling für den Umbau und die Erweiterung des Nagolder Krankenhauses beschlossen. Nach kontroverser Diskussion wurde diese Aufgabe jetzt vergeben.

Calw.
Die Vergabesumme liege bei mehr als 300 000 Euro, sagte Dezernent Albrecht Reusch. Auf die europaweite Ausschreibung habe es vier Bewerbungen gegeben, mit drei davon wurden Gespräche geführt, bei denen sich die Firma Stein und Partner aus München als bester Anbieter herauskristallisiert habe. Die Komplexität der Baumaßnahme stelle besondere Anforderungen an die Planer, weshalb die Beauftragung einer externen Unterstützung für das Kostencontrolling und das Vertragsrecht sinnvoll und notwendig sei, so ist es aus der Sitzungsunterlage zu entnehmen. Gänzlich gegen das externe Kostencontrolling sprach sich dagegen Kreisrat Karl Braun (FDP) aus: »Ich wiederhole mich. Wir brauchen kein Kostencontrolling. Eine externe Projektsteuerung löst unsere Probleme nicht.« Dies zeige nur das Misstrauen gegen die beteiligten Firmen. Das koste nur 300 000 Euro zusätzlich und sechs Monate Zeitverzug. Viel wichtiger wäre, dass endlich ein Medizinkonzept verabschiedet werde. »Seit 2014 machen die Leute rum«, so Braun weiter, nun werde es Zeit, dass man wisse, »was wir denn jetzt wollen«. »Trotz allem Ärger, unsere Krankenhäuser funktionieren. Wichtig ist es jetzt, dass wir als Führungsmannschaft unseren Job machen«, sagte er. Außerdem müsse man der Firma 50 000 Euro mehr bezahlen, als sie ursprünglich angeboten habe. Dies bestätigte Albrecht Reusch. Man sei zunächst von Kosten in Höhe von rund 350 000 Euro ausgegangen und der Betrag dieses Bieters sei mit 250 000 Euro eigentlich viel zu niedrig gewesen, um die nötige Unterstützung beim Controlling und Vertragswesen leisten zu können. Deshalb habe man den Anbieter gebeten, er solle seinen Betrag noch einmal überdenken, was dieser dann auch gemacht und ein neues Angebot vorgelegt habe, so Reusch. Auch Karlheinz Kistner (Freie Wähler) zeigte sich skeptisch: »Ich bin nicht sicher, ob es Sinn macht, wenn wir noch nicht einmal wissen, was wir machen«, sagte er und betonte noch einmal, dass er große Zweifel habe, »ob wir wissen, was wir machen wollen«. Über diese Äußerung zeigte sich Landrat Helmut Riegger etwas verwundert und verwies auf die Sitzungsvorlage aus einer vergangenen Kreistagssitzung, in der das Konzept für Nagold erläutert worden sei. Bei 29 Ja-Stimmen, zehn Gegenstimmen und drei Enthaltungen stimmten die Kreisräte dann mehrheitlich für die Vergabe des Kostencontrollings an die Münchner Firma.
Von Bernd Mutschler
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 21.3.2018

Geschrieben am 05.02.2018

Ärzte-Appell: Initiatoren begrüßen Angebot Krankenhaus

Dia­log mit Ver­wal­tung und Kli­nik­ver­bund soll zu Ver­bes­se­run­gen führen
Kreis Calw.
Rund zehn Tage ist es her, dass Pressemitteilungen der Calwer Kreisverwaltung sowie des Klinikverbundes Südwest bei vielen Menschen für Aufsehen sorgten: Beide hatten in einer öffentlichen Stellungnahme Gesprächsbereitschaft in Sachen Zukunft der Krankenhaussituation im Kreis Calw signalisiert. Sie reagierten damit auf eine Anzeige, die zuvor in unseren Lokalteilen Calw und Nagold erschienen war. Darin fordern mehr als 100 Ärzte aus der Region verschiedene Änderungen am geplanten Klinikkonzept, um die Zukunft des Standortes Calw zu sichern. Mit diesen Unterzeichnern sowie den niedergelassenen Ärzten soll es zu einem »konstruktiven und verantwortungsvollen Dialog« kommen, wie es die Kreisverwaltung formulierte. Der Klinikverbund bekundete darüber hinaus seinen Willen, zur weiteren Ausgestaltung der Medizinkonzeption insbesondere mit der Kreisärzteschaft intensiv Gespräche zu führen.
Chance der Entwicklung
Nun haben sich die Initiatoren des Ärzte-Appells (Eberhard Bantel, Heimo Haug, Rolf Johnen, Ewald Prokein und Hans Strasser) zu Wort gemeldet – und nochmals unterstrichen, dass sie beide Gesprächsangebote begrüßen. Auch sie sehen in der Weiterführung des Dialogs mit beiden Institutionen die Chance, das bestehende Konzept einer wohnortnahen stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung für die Bürger im Landkreis Calw zu verbessern und zukunftsfähig weiter zu entwickeln.
Den Initiatoren liegt in der Diskussion besonders die Festlegung auf medizinische Sachverhalte, medizinische Abläufe und gesundheitspolitische Zusammenhänge am Herzen. In diesem Kontext werde auch zu klären sein, was die Kreisverwaltung unter der Gewährleistung einer »medizinischen Notfall– und Basisversorgung« verstehe. Schließlich sei es bislang Konsens gewesen, dass in den beiden Krankenhäusern des Kreises eine optimale medizinische Versorgung der Bürger im Sinne der Grund– und Regelversorgung vorgehalten werde.
Die Initiatoren des Ärzte-Appells erwarten außerdem, dass sich im Zuge der weiteren öffentlichen Diskussion über die Gesundheitsversorgung im Landkreis auch der Kreistag erneut mit der Thematik auseinandersetzen werde.
Abschließend betonen Bantel, Haug, Johnen, Prokein und Strasser, dass sie die Gesprächsangebote der Kreisverwaltung und des Klinikverbundes annehmen und sich – möglichst unter Einbeziehung der gewählten Vertreter der Kreisärzteschaft – um Gesprächstermine mit beiden Institutionen bemühen werden.
Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Nordschwarzwald vom 03.02.2018

 

Geschrieben am 03.02.2018

Kreisrat fordert sachliche Diskussion

Althengstett/Calw. Diese Gelegenheit wollte Lothar Kante nicht verstreichen lassen: Der Althengstetter Gemeinde– und Kreisrat (SPD) nutzte in der jüngsten Ratssitzung seine Haushaltsrede, um auf das Thema Krankenhausversorgung einzugehen: »Das ist eigentlich ein Kreisthema, von dem Althengstett aber unmittelbar, auch haushaltswirksam, betroffen ist«.

 

Flott dahin formuliert: Wenn man die Berichterstattung und die Leserbriefe in den vergangenen Monaten verfolge, werde klar, dass eine Versachlichung der Diskussion dringend geboten sei. »Bei aller Unterschiedlichkeit der Interessen über alle Fraktionen hinweg, ich kenne niemanden im Kreistag, der etwas anderes will, als eine wohnortnahe, qualitativ leistungsfähige Notfallversorgung einschließlich einer guten klinischen Grundversorgung für die Bevölkerung im Kreis Calw«, äußerte sich Kante. Wer – wie geschehen – mit flott dahin formulierten Zahlen polemisch pauschal unterstelle, die im Kreistag seien blind, hätten nichts verstanden, würden Millionen Steuergelder in den Sand setzen, um Grund– und Bodenspekulanten zu begünstigen, der mache es sich wirklich zu einfach.

 

»Wer die Vorstellung verbreitet, das Calwer Krankenhaus sei doch ›altbewährt‹, das kann man praktisch so lassen, den verweise ich auf den riesigen Abmangel der Kliniken. Es waren zuletzt wieder über sechs Millionen Euro, und die Prognose zeigt nicht, dass es weniger wird.« Althengstett sei allein dafür mit mindestens 350 000 Euro dabei, den millionenschweren Investitionsbedarf noch nicht einmal berücksichtigt. »Das kann ich nicht als ›bewährt‹ bezeichnen, hier muss es heißen, so kann das nicht weitergehen«, betonte der Gemeinde– und Kreisrat. Es sei sehr zu begrüßen, wenn Bürger sich mit der Materie sachlich auseinandersetzen, sich informieren und dann konstruktive Anregungen in die Diskussion einwerfen.

 

Das optimale Klinikmodell zu entwerfen, sei alles andere als trivial. Es gehe nicht ohne Kompromisse, einen Königsweg gebe es nicht. Man hat sich laut Kante nach langer Debatte bewusst für ein Krankenhaus an zwei Standorten entschieden. Es seien bisher keine neuen Erkenntnisse hinzugekommen, die eine Rolle rückwärts rechtfertigen würden. »Das Medizinkonzept 2020 ist kein Konstrukt, das über Nacht entstanden ist oder fahrlässig schlampig zusammengestrickt wurde.« Es beinhalte eine Reihe zukunftsweisender Innovationen, die man laut Kante nicht kleinreden sollte.

 

Es gebe bei wichtigen Fragen noch Klärungsbedarf, möglicherweise Mängel am Modell, ganz sicher Risiken. »An Verbesserungen muss man weiterarbeiten, in Ruhe, sachlich und ohne Polemik. Denn die gute Arbeit, die in unseren Kliniken geleistet wird, darf durch die Diskussionen keinen Schaden nehmen«, betonte Kante.

Von Marion Selent-Witowski

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 3.2.2018