Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 06.04.2018

Eggert und BI machen Front gegen Konzept

Calwer OB und Bürgerinitiative  verfassen Brief an Kreistagsmitglieder –  Landratsamt reagiert »irritiert«

Calws OB Ralf Eggert und die Bürgerinitiative Krankenhaus Calw wenden sich öffentlich und gemeinsam gegen die im Raum stehende Reform der Klinikkonzeption und bitten die Kreisräte in einem Brief, dem neuen Konzept nicht zuzustimmen. Im Calwer Landratsamt ist man über Eggerts Vorgehen derweil »irritiert«.

Calw.
Was genau die Irritation im Calwer Landratsamt über das Vorgehen des Calwer OB ausgelöst hat, erklärt Landkreis-Pressesprecherin Anja Härtel: »Wenn Inhalte einer nicht-öffentlichen Aufsichtsratssitzung, zu denen es noch gar keinen Beschluss gibt, öffentlich im Rahmen einer Gemeinderatssitzung und einer Pressekonferenz diskutiert werden sollen, ist dies schon sehr verwunderlich«, so Härtel. »Zumal vor dem Hintergrund, dass es sich hier nicht um ein Krankenhaus der Stadt Calw, sondern um die Kreiskliniken handelt.«
Hintergrund dieser deutlichen Aussagen seitens des Landkreises ist, dass die Mitglieder des Kreistags in dieser Woche Post bekommen haben. Unter dem Briefkopf des Oberbürgermeisters der Stadt Calw machen der Calwer OB und die Bürgerinitiative deutlich, dass sie das im Raum stehende Konzept der Verlagerung der Neurologie nach Nagold und dem Verbleib der Orthopädie in Calw – in dem Schreiben »Medizinkonzept-Szenario 2021« genannt – sehr kritisch sehen. Damit würden »wesentliche für die Notfallversorgung des nördlichen Landkreises vom Kreistag zugesagte Leistungen wegfallen«, heißt es in dem Schreiben.
Eggert und die Bürgerinitiative gehen davon aus, dass es in Zukunft in Calw keine Basis– und Unfallchirurgie im 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen geben, sondern nur noch zu den üblichen Tagesdienstzeiten operiert werden soll. Das widerspreche den bisherigen Zusagen, eine Akutklinik in Calw zu halten und sei »unzumutbar«. Deshalb fordert Eggert namens der Großen Kreisstadt und die Bürgerinitiative vom Landkreis, dass »wie bisher eine 24-stündige und an sieben Wochentagen in Calw bereitstehende unfallchirurgische Versorgung vorzuhalten ist«, wie es in dem Brief an die Kreisräte heißt.
Auch bei der Inneren Medizin sehen die Autoren des Schreibens eine eingeschränkte Behandlung von Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr; denn nur im Tagesdienst an den Werktagen (ohne Wochenende) gebe es einen Notfall-Linksherzkatheter. Deshalb fordern Stadt und Bürgerinitiative einen Notfall-Linksherzkatheter für 24 Stunden an sieben Tagen für Calw. Der sei »unverzichtbar«.
Darüber hinaus regen die Autoren des Briefs den Ausbau der Geriatrie am Standort Calw an, doch dafür sei »eine fachärztliche und stationäre neurologische Versorgung notwendig«. Daher müsse »eine neurologische Versorgung des nördlichen Landkreises und des ZfP mit seinen Patienten durch eine neurologische Präsenz am Standort Calw sichergestellt werden«, fordern Ralf Eggert und die Unterzeichner der Bürgerinitiative Axel Ulrich Roth, Eberhard Bantel, Bernd Neufang und Ewald Prokein.
Darüber hinaus bringen die Autoren auch noch die Geburtshilfe und Gynäkologie am Calwer Krankenhaus ins Spiel. Sie sei »bundesweit medizinisch herausragend erfolgreich«, heißt es in dem Brief wörtlich. Sie werde sehr gut angenommen, biete eine »herausragende Qualität und sei zur Versorgung junger Familien im ländlichen Raum unverzichtbar«. Deshalb solle der Landkreis die Gynäkologie und Geburtshilfe in Calw erhalten. Der Brief schließt mit dem Appell der Unterzeichner an die Kreisräte »im Interesse der Bürger des gesamten Landkreises« dem überarbeiteten Medizinkonzept nicht zuzustimmen.
Zu diesem Thema hat der Calwer Oberbürgermeister eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt. Sie findet am Samstag, 7. April, statt, ist öffentlich und beginnt um 12.30 Uhr im Besprechungszimmer des Bauzentrums Kömpf. Unter dem Tagesordnungspunkt »Neues Krankenhauskonzept – Die massive Reduzierung der Notfallversorgung« wollen Eggert und die BI ihre Position ausführlich erläutern.
Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 06.4.2018

Geschrieben am 03.04.2018

Der Gesundheitscampus hat jetzt ein Gesicht

Kliniken | 13-köpfige Fachjury entscheidet sich beim Komplex rund um das neue Krankenhaus Calw einstimmig für Entwurf aus Leipzig
Lange war es nur ein abstrakter Begriff, jetzt bekommt der Calwer Gesundheitscampus ein Gesicht. Jetzt ist klar, wie der Campus aussehen soll. Eine 13-köpfige, prominent besetzte Fachjury hat sich für einen Planungsentwurf eines Büros aus Leipzig mit einem Ableger in Stuttgart entschieden – und das einstimmig.

Calw.
Wie soll der Calwer Gesundheitscampus aussehen, wie sich in sein Umfeld einfügen? Wie sieht die Erschließung aus? Wie löst man das Parkplatzproblem? Wie wird der Gesundheitscampus vor Lärm aus dem benachbarten Gewerbegebiet geschützt? Wie wird der Gedanke des Campus mit den Bestandteilen Krankenhaus, Nephrologie, Klinik für Psychosomatik und Haus der Gesundheit auf dem 6,5 Hektar großen Areal im Stammheimer Feld auf den Höhen über Calw umgesetzt? Und wie bekommt man das alles wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll hin?
Diese und ähnliche Fragen haben 14 renommierte Planungsbüros aus ganz Deutschland – von München über Berlin bis Leipzig – und aus Österreich und Luxemburg auf den Plan gerufen.
Diese Büros reichten ihre Planungen ein, die ein Preisgericht im Januar in der ersten Runde des vom Landkreis ausgelobten Wettbewerbs unter die Lupe nahm und den Kreis der Bewerber auf fünf reduzierte. Am Mittwoch nun setzte sich das aus Architekten, Bausachverständigen, Städteplanern sowie Vertretern aus Politik, Medizin und Verwaltung bestehende Preisgericht unter dem Vorsitz des Stuttgarter Architekten Eckart Rosenberger in den Räumlichkeiten der Calwer Firma Kissling erneut zusammen um den Sieger des Wettbewerbs zu küren – ohne zu wissen, wer welchen Vorschlag eingereicht hatte.
Diese Büros reichten ihre Planungen ein, die ein Preisgericht im Januar in der ersten Runde des vom Landkreis ausgelobten Wettbewerbs unter die Lupe nahm und den Kreis der Bewerber auf fünf reduzierte. Am Mittwoch nun setzte sich das aus Architekten, Bausachverständigen, Städteplanern sowie Vertretern aus Politik, Medizin und Verwaltung bestehende Preisgericht unter dem Vorsitz des Stuttgarter Architekten Eckart Rosenberger in den Räumlichkeiten der Calwer Firma Kissling erneut zusammen um den Sieger des Wettbewerbs zu küren – ohne zu wissen, wer welchen Vorschlag eingereicht hatte.
Am Ende fiel die Entscheidung des Preisgerichts denkbar eindeutig aus. Alle 13 Jurymitglieder entschieden sich für den Vorschlag der Bietergemeinschaft Ingenieurbüro Vogt Planungsgesellschaft in Leipzig und der HDR aus Stuttgart.
Dieser Vorschlag besteht aus fünf einzelnen, terrassierten Gebäudeteilen – zwei für das Krankenhaus, je einer für Nephrologie, Haus der Gesundheit und psychosomatische Klinik – die untereinander verbunden sind. Ein Parkhaus mit mehr als 300 Stellplätzen schirmt den Komplex teilweise vom Gewerbegebiet ab, der Rest des Campus wird mit schrägen Wällen gegen den Industrielärm abgeschirmt. Ein Großteil der Krankenzimmer liegt in Richtung freier Landschaft, ebenso ein Großteil der großzügigen Terrassen.
Jurypräsident Eckart Rosenberger, der den Siegerentwurf der Öffentlichkeit vorstellte, zeigte sich mit dem Wettbewerb und dem Ergebnis sehr zufrieden. Dass sich so viele Büros beworben haben, zeige wie besonders und attraktiv die Aufgabe eines Campus sei. Mit dem Ergebnis sei er »sehr glücklich«, sagte Rosenberger in Calw.
Auch Jörg Noetzel, medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbund Südwest, zeigte sich begeistert. »Dieser Vorschlag hat die Aufgabe brillant gelöst und ergibt ein tolles Gesamtbild«, so Noetzel. »Der jetzt ausgewählte Entwurf setzt aus unserer Sicht den Campusgedanken tatsächlich am besten um. Architektonisch fügt er sich ideal in die Landschaft ein und berücksichtigt dabei in idealer Weise die funktionalen Zusammenhänge der zukünftigen Partner, bestehend aus dem ZfP, dem Dialysezentrum, dem Haus der Gesundheit mit Praxen und AOK sowie dem Klinikgebäude«, betonte Noetzel, der hervor hob, dass man mit dem Projekt und dem Wettbewerb schon jetzt deutschlandweit für Furore gesorgt habe – was die Liste und Zahl der Bewerber zeige.
Auch Calws Oberbürgermeister Ralf Eggert hob die »perfekte« Einbettung des Komplexes in die Landschaft hervor und attestierte den Planern eine »hervorragende Arbeit«, die ihn sehr erfreue. All die Angebote des Campus so zusammen zu führen und unterzubringen, wäre am alten Standort »unmöglich« gewesen, ist Eggert überzeugt.
Auch aus Sicht der Sparkasse Pforzheim Calw, die als Investor für einen Teil des Campus auftreten wird, überzeugt der ausgewählte Entwurf. Er bringe die Anforderungen wie Wirtschaftlichkeit, gute Erschließung und Städtebau, sehr gut unter einen Hut, so Vorstandsmitglied Hans Neuweiler, der sich geradezu euphorisch zeigte. »Mit diesem Entwurf hat die Zukunft des Krankenhaus-Standortes Calw begonnen.«
Mit dieser Entscheidung ist die Sache aber noch nicht in trockenen Tüchern. Zunächst kann die Bevölkerung alle Wettbewerbsbeiträge vom 9. bis 20. April im Landratsamt unter die Lupe nehmen. Dann wird der Kreistag in einer Sondersitzung am 23. April abschließend über das Gesicht des Calwer Gesundheitscampus entscheiden.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 31.3.2018

Geschrieben am 29.03.2018

Tauschen zwei Abteilungen den Standort?

Krankenhauskonzept — Verbleib der Orthopädie in Calw und Verlagerung der Neurologie nach Nagold stehen im Raum

Das Zukunftskonzept für die Krankenhäuser in Calw und Nagold steht möglicherweise vor einschneidenden Änderungen. Im Kreis Calw wird offenbar darüber diskutiert, die Orthopädie nun doch am Standort Calw zu belassen und dafür die Neurologie nach Nagold zu verlagern. Beschlüsse von Gremien dazu gibt es aber noch keine.

Kreis Calw.
Das bisher geltende Konzept »3+«, das auf einem inzwischen gut fünf Jahre alten Gutachten des Unternehmens »GÖK« basiert, beinhaltet die Verlagerung der Orthopädie nach Nagold und den Verbleib der Neurologie in Calw. Besonders die Verlagerung der Orthopädie von Calw nach Nagold hatte für heftige Debatten in der und um die Hesse-Stadt gesorgt.
Seit diesem Gutachten ist viel Zeit ins Land gegangen. Zeit, in der sich auf dem Medizin– und Krankenhaussektor viel getan hat. Das hat man nun offenbar zum Anlass genommen, das Konzept auf den Prüfstand zu stellen.
Ein Ergebnis davon ist nun wohl der Vorschlag, die Orthopädie am Standort Calw zu belassen und im Gegenzug den Neurologie-Schwerpunkt am Standort Nagold anzusiedeln. Für den neu zu bauenden Klinik-Standort Calw würde das – ohne Campus – eine Bettenzahl zwischen 140 und 150 zur Folge haben.
Baulich dürfte das den Landkreis Calw als Träger und die Planer nicht vor größere Probleme stellen, denn das Konzept für den Neubau der Calwer Klinik enthält ohnehin die Möglichkeit, den Bau zu erweitern. Und auch in Nagold hat man baulich noch nicht alle Pflöcke eingeschlagen.
Beim Klinikverbund Südwest mit Sitz in Sindelfingen, der an der Diskussion – vor allem an der medizinischen – maßgeblich beteiligt ist, stoßen die Überlegungen durchaus auf Gegenliebe. Vor allem die Verlagerung der Neurologie an das Schwerpunktkrankenhaus Nagold.
Hintergrund ist der enge fachliche Zusammenhang zwischen Neurologie und Gefäßchirurgie. Die führt dazu, dass Fachleute sogar dazu raten, eine Neurologie bevorzugt an den Krankenhausstandorten anzusiedeln, an denen eine ausgebaute Gefäßchirurgie vorhanden oder geplant ist. Es gibt sogar schon entsprechende Vorgaben im Gesundheitssektor – etwa von Kassen.
Und da im Krankenhaus Nagold die Gefäßchirurgie vorhanden ist und auch die Kapazitäten in der nötigen Intensivmedizin größer sind als in Calw, wäre eine Verlagerung der Neurologie nach Nagold »nicht gegen den Trend«, wie es vom Klinikverbund Südwest vielsagend heißt. Der Klinikverbund hat in dieser Woche übrigens die Mitarbeiter der beiden Krankenhäuser in Calw und Nagold über die laufende Diskussion um Neurologie und Orthopädie informiert.
Inzwischen sind auch die Ärzte aus dem Raum Calw, die zwischenzeitlich mit mehreren großflächigen und kritischen Zeitungs-Anzeigen für Aufsehen gesorgt hatten, informiert und in die Debatte eingebunden. Und sie sehen die für sie überraschende Entwicklung positiv, wie der Arzt Rolf Johnen aus Calw im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten bestätigt. Die zeitweilig ziemlich aufgeheizte Stimmungslage vor allem im Raum Calw habe sich im Zuge der neuen Entwicklung inzwischen »entspannt«, informiert Rolf Johnen. Man sei bereit, konstruktiv an der im Raum stehenden möglichen Anpassung des Klinikkonzepts mit zu arbeiten.

Von Sebastian Bernklau
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 29.3.2018

Geschrieben am 23.03.2018

Land setzt auf größere Kliniken

Gesundheit — Auch kleinere Häuser wie Freudenstadt erhalten aber Hilfe

Stuttgart.
Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will vor allem größere und leistungsfähige Klinken bei Bauprojekten unterstützen. »Wir wollen heute Kliniken und Standorte fördern, die auch in 20 Jahren noch am Markt sein können«, sagte er am Dienstag. Krankenhäuser mit kleinteiligem Angebot kämen oft nie aus den roten Zahlen heraus. Wenn es Schließungen gebe, werde aber im Schulterschluss von Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung, Trägern und Land für eine weitere medizinische Versorgung – auch in Notfällen – in ambulanter Form gesorgt.
Allerdings müsse man jeden Gesundheitsstandort betrachten. »Die Region Stuttgart ist zum Beispiel überhaupt nicht vergleichbar mit der Region Freudenstadt.« Gerade im ländlichen Raum unterstütze das Land auch kleinere Krankenhäuser, weil sie für die Gesundheitsversorgung unverzichtbar seien.
AOK-Landeschef Christopher Hermann sagte: »Grundsätzlich gilt für die Krankenhausplanung im Land, dass in Baden-Württemberg nicht jedes Krankenhaus die Qualität hat, die möglich ist und benötigt wird.« Welche Folgen die Bündelung medizinischer Kompetenz haben könnte, erläuterte Hermann an einem Beispiel: Würden bei Darmkrebs-Operationen nur noch Kliniken mit mindestens 50 Fällen und zertifizierte Zentren operieren, dürften nur noch 51 der 102 Häuser im Land den Eingriff vornehmen. Die Anfahrt würde sich im Schnitt um nicht mal fünf Kilometer verlängern.
Bauprogramm geringer
Der Konzentrationsprozess hat im Südwesten schon etliche Schließungen nach sich gezogen. Die Anzahl der Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft sank von 151 im Jahr 1997 auf 92 im vergangenen Jahr.
Das Land investiert in diesem Jahr 455 Millionen Euro in den Krankenhausbau – nach 463 Millionen im Vorjahr. Davon entfallen rund 235 Millionen Euro auf acht dringliche Bauprojekte. Die höchste Summe haben die Alb-Fils-Kliniken in Göppingen mit 304 Millionen Euro beantragt. Dort ist ein Neubau mit 600 Betten vorgesehen. Weitere Ausbau-, Neubau-, Sanierungsprojekte werden in Buchenbach, Bad Friedrichshall, Karlsruhe, Ludwigsburg, Mannheim, Ostfildern und Sigmaringen unterstützt. Dass das Bauprogramm in diesem Jahr 12,5 Millionen Euro geringer ausfällt als im Vorjahr, ist laut Lucha einem Beitrag zur Haushaltskonsolidierung geschuldet. Seit 2010 seien die gesamten Mittel aber um 30 Prozent gewachsen.
Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft forderte mit Blick auf große Neubauten und die Digitalisierung der Kliniken 100 Millionen Euro mehr pro Jahr.
Von Julia Giertz
Schwarzwälder Bote, Teil Baden-Württemberg vom 21.3.2018

Geschrieben am 22.03.2018

Externe Steuerung löst keine Probleme

Krankenhaus — Kreistag vergibt bei zehn Gegenstimmen Kostencontrolling und Vertragsrecht für den Klinikumbau in Nagold

Bereits im Dezember hatte der Kreistag ein externes Kostencontrolling für den Umbau und die Erweiterung des Nagolder Krankenhauses beschlossen. Nach kontroverser Diskussion wurde diese Aufgabe jetzt vergeben.

Calw.
Die Vergabesumme liege bei mehr als 300 000 Euro, sagte Dezernent Albrecht Reusch. Auf die europaweite Ausschreibung habe es vier Bewerbungen gegeben, mit drei davon wurden Gespräche geführt, bei denen sich die Firma Stein und Partner aus München als bester Anbieter herauskristallisiert habe. Die Komplexität der Baumaßnahme stelle besondere Anforderungen an die Planer, weshalb die Beauftragung einer externen Unterstützung für das Kostencontrolling und das Vertragsrecht sinnvoll und notwendig sei, so ist es aus der Sitzungsunterlage zu entnehmen. Gänzlich gegen das externe Kostencontrolling sprach sich dagegen Kreisrat Karl Braun (FDP) aus: »Ich wiederhole mich. Wir brauchen kein Kostencontrolling. Eine externe Projektsteuerung löst unsere Probleme nicht.« Dies zeige nur das Misstrauen gegen die beteiligten Firmen. Das koste nur 300 000 Euro zusätzlich und sechs Monate Zeitverzug. Viel wichtiger wäre, dass endlich ein Medizinkonzept verabschiedet werde. »Seit 2014 machen die Leute rum«, so Braun weiter, nun werde es Zeit, dass man wisse, »was wir denn jetzt wollen«. »Trotz allem Ärger, unsere Krankenhäuser funktionieren. Wichtig ist es jetzt, dass wir als Führungsmannschaft unseren Job machen«, sagte er. Außerdem müsse man der Firma 50 000 Euro mehr bezahlen, als sie ursprünglich angeboten habe. Dies bestätigte Albrecht Reusch. Man sei zunächst von Kosten in Höhe von rund 350 000 Euro ausgegangen und der Betrag dieses Bieters sei mit 250 000 Euro eigentlich viel zu niedrig gewesen, um die nötige Unterstützung beim Controlling und Vertragswesen leisten zu können. Deshalb habe man den Anbieter gebeten, er solle seinen Betrag noch einmal überdenken, was dieser dann auch gemacht und ein neues Angebot vorgelegt habe, so Reusch. Auch Karlheinz Kistner (Freie Wähler) zeigte sich skeptisch: »Ich bin nicht sicher, ob es Sinn macht, wenn wir noch nicht einmal wissen, was wir machen«, sagte er und betonte noch einmal, dass er große Zweifel habe, »ob wir wissen, was wir machen wollen«. Über diese Äußerung zeigte sich Landrat Helmut Riegger etwas verwundert und verwies auf die Sitzungsvorlage aus einer vergangenen Kreistagssitzung, in der das Konzept für Nagold erläutert worden sei. Bei 29 Ja-Stimmen, zehn Gegenstimmen und drei Enthaltungen stimmten die Kreisräte dann mehrheitlich für die Vergabe des Kostencontrollings an die Münchner Firma.
Von Bernd Mutschler
Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 21.3.2018

Geschrieben am 05.02.2018

Ärzte-Appell: Initiatoren begrüßen Angebot Krankenhaus

Dia­log mit Ver­wal­tung und Kli­nik­ver­bund soll zu Ver­bes­se­run­gen führen
Kreis Calw.
Rund zehn Tage ist es her, dass Pressemitteilungen der Calwer Kreisverwaltung sowie des Klinikverbundes Südwest bei vielen Menschen für Aufsehen sorgten: Beide hatten in einer öffentlichen Stellungnahme Gesprächsbereitschaft in Sachen Zukunft der Krankenhaussituation im Kreis Calw signalisiert. Sie reagierten damit auf eine Anzeige, die zuvor in unseren Lokalteilen Calw und Nagold erschienen war. Darin fordern mehr als 100 Ärzte aus der Region verschiedene Änderungen am geplanten Klinikkonzept, um die Zukunft des Standortes Calw zu sichern. Mit diesen Unterzeichnern sowie den niedergelassenen Ärzten soll es zu einem »konstruktiven und verantwortungsvollen Dialog« kommen, wie es die Kreisverwaltung formulierte. Der Klinikverbund bekundete darüber hinaus seinen Willen, zur weiteren Ausgestaltung der Medizinkonzeption insbesondere mit der Kreisärzteschaft intensiv Gespräche zu führen.
Chance der Entwicklung
Nun haben sich die Initiatoren des Ärzte-Appells (Eberhard Bantel, Heimo Haug, Rolf Johnen, Ewald Prokein und Hans Strasser) zu Wort gemeldet – und nochmals unterstrichen, dass sie beide Gesprächsangebote begrüßen. Auch sie sehen in der Weiterführung des Dialogs mit beiden Institutionen die Chance, das bestehende Konzept einer wohnortnahen stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung für die Bürger im Landkreis Calw zu verbessern und zukunftsfähig weiter zu entwickeln.
Den Initiatoren liegt in der Diskussion besonders die Festlegung auf medizinische Sachverhalte, medizinische Abläufe und gesundheitspolitische Zusammenhänge am Herzen. In diesem Kontext werde auch zu klären sein, was die Kreisverwaltung unter der Gewährleistung einer »medizinischen Notfall– und Basisversorgung« verstehe. Schließlich sei es bislang Konsens gewesen, dass in den beiden Krankenhäusern des Kreises eine optimale medizinische Versorgung der Bürger im Sinne der Grund– und Regelversorgung vorgehalten werde.
Die Initiatoren des Ärzte-Appells erwarten außerdem, dass sich im Zuge der weiteren öffentlichen Diskussion über die Gesundheitsversorgung im Landkreis auch der Kreistag erneut mit der Thematik auseinandersetzen werde.
Abschließend betonen Bantel, Haug, Johnen, Prokein und Strasser, dass sie die Gesprächsangebote der Kreisverwaltung und des Klinikverbundes annehmen und sich – möglichst unter Einbeziehung der gewählten Vertreter der Kreisärzteschaft – um Gesprächstermine mit beiden Institutionen bemühen werden.
Von Ralf Klormann
Schwarzwälder Bote, Nordschwarzwald vom 03.02.2018

 

Geschrieben am 03.02.2018

Kreisrat fordert sachliche Diskussion

Althengstett/Calw. Diese Gelegenheit wollte Lothar Kante nicht verstreichen lassen: Der Althengstetter Gemeinde– und Kreisrat (SPD) nutzte in der jüngsten Ratssitzung seine Haushaltsrede, um auf das Thema Krankenhausversorgung einzugehen: »Das ist eigentlich ein Kreisthema, von dem Althengstett aber unmittelbar, auch haushaltswirksam, betroffen ist«.

 

Flott dahin formuliert: Wenn man die Berichterstattung und die Leserbriefe in den vergangenen Monaten verfolge, werde klar, dass eine Versachlichung der Diskussion dringend geboten sei. »Bei aller Unterschiedlichkeit der Interessen über alle Fraktionen hinweg, ich kenne niemanden im Kreistag, der etwas anderes will, als eine wohnortnahe, qualitativ leistungsfähige Notfallversorgung einschließlich einer guten klinischen Grundversorgung für die Bevölkerung im Kreis Calw«, äußerte sich Kante. Wer – wie geschehen – mit flott dahin formulierten Zahlen polemisch pauschal unterstelle, die im Kreistag seien blind, hätten nichts verstanden, würden Millionen Steuergelder in den Sand setzen, um Grund– und Bodenspekulanten zu begünstigen, der mache es sich wirklich zu einfach.

 

»Wer die Vorstellung verbreitet, das Calwer Krankenhaus sei doch ›altbewährt‹, das kann man praktisch so lassen, den verweise ich auf den riesigen Abmangel der Kliniken. Es waren zuletzt wieder über sechs Millionen Euro, und die Prognose zeigt nicht, dass es weniger wird.« Althengstett sei allein dafür mit mindestens 350 000 Euro dabei, den millionenschweren Investitionsbedarf noch nicht einmal berücksichtigt. »Das kann ich nicht als ›bewährt‹ bezeichnen, hier muss es heißen, so kann das nicht weitergehen«, betonte der Gemeinde– und Kreisrat. Es sei sehr zu begrüßen, wenn Bürger sich mit der Materie sachlich auseinandersetzen, sich informieren und dann konstruktive Anregungen in die Diskussion einwerfen.

 

Das optimale Klinikmodell zu entwerfen, sei alles andere als trivial. Es gehe nicht ohne Kompromisse, einen Königsweg gebe es nicht. Man hat sich laut Kante nach langer Debatte bewusst für ein Krankenhaus an zwei Standorten entschieden. Es seien bisher keine neuen Erkenntnisse hinzugekommen, die eine Rolle rückwärts rechtfertigen würden. »Das Medizinkonzept 2020 ist kein Konstrukt, das über Nacht entstanden ist oder fahrlässig schlampig zusammengestrickt wurde.« Es beinhalte eine Reihe zukunftsweisender Innovationen, die man laut Kante nicht kleinreden sollte.

 

Es gebe bei wichtigen Fragen noch Klärungsbedarf, möglicherweise Mängel am Modell, ganz sicher Risiken. »An Verbesserungen muss man weiterarbeiten, in Ruhe, sachlich und ohne Polemik. Denn die gute Arbeit, die in unseren Kliniken geleistet wird, darf durch die Diskussionen keinen Schaden nehmen«, betonte Kante.

Von Marion Selent-Witowski

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 3.2.2018

Geschrieben am 25.01.2018

Alle signalisieren Gesprächsbereitschaft

Krankenhaus-Debatte — Landratsamt und Klinikverbund melden sich zum Aufschrei von mehr als 100 Ärzten zu Wort
Der Aufschrei von mehr als 100 Ärzten, die sich für eine funktionstüchtige stationäre Krankenhausversorgung im Kreis Calw einsetzen, sorgte in der vergangenen Woche für großes Aufsehen. Nun melden sich Landratsamt und Klinikverbund zu Wort – und signalisieren Gesprächsbereitschaft.
Kreis Calw. In einer Pressemitteilung der Calwer Landkreisverwaltung wehrt diese sich gegen öffentliche Vorwürfe, die Kreistagsbeschlüsse zur Zukunft der Kliniken im Kreis würden die zukünftige stationäre Versorgung der Calwer Bevölkerung gefährden – »und mahnt zur Sachlichkeit in der Diskussion um das vom Kreistag im Jahr 2015 verabschiedete Medizinkonzept für ein Plankrankenhaus an den beiden Standorten Calw und Nagold«. Die Verwaltung reagiert damit auf eine Anzeige, die am Samstag in unseren Lokalteilen Calw und Nagold erschienen war. Darin fordern mehr als 100 Ärzte aus der Region verschiedene Änderungen am geplanten Klinikkonzept, um die Zukunft des Standortes Calw zu sichern. Das Landratsamt »Wir stellen mit Sorge und Befremden fest, dass die öffentliche Diskussion über die zukünftige Krankenhausplanung im Landkreis Calw zunehmend geprägt ist von plakativen Aussagen und Halbwahrheiten, die nicht der Aufklärung dienen, sondern eher zur Verunsicherung in der Bevölkerung führen«, heißt es aus dem Landratsamt. Es werde der Eindruck erweckt, die Landkreisverwaltung handle hinsichtlich der Krankenhausplanung möglicherweise rechtswidrig. Ziel des vom Kreistag 2015 verabschiedeten Medizinkonzepts sei es jedoch, gerade die wohnortnahe stationäre medizinische Notfall– und Basisversorgung zu gewährleisten. »Dieses Zusammenspiel spezieller und hoch spezialisierter Behandlungsleistungen ist kein Alleingang des Landkreises Calw, sondern mit dem Klinikverbund Südwest, den Krankenkassen und mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg abgestimmt«, wird in dem Schreiben betont. Das Projekt des Gesundheitscampus werde von den Beteiligten ausdrücklich begrüßt und habe bundesweit Modellcharakter. »Wir sind offen für kritische Beiträge, weil wir sie als Auftrag verstehen, unser Konzept der wohnortnahen stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Calw zu verbessern und zukunftsfähig weiter zu entwickeln«, signalisiert die Verwaltung Gesprächsbereitsschaft – und ruft dazu auf, »einen konstruktiven und verantwortungsvollen Dialog« zum Medizinkonzept mit den Verantwortlichen zu beginnen. Zur oft kritisierten geplanten Reduzierung der Bettenzahl in Calw erklärt die Kreisverwaltung, dass die Kliniken Calw und Nagold nicht gesondert, sondern als ein Plankrankenhaus betrachtet werden müssten. Dieses eine Haus an zwei Standorten habe nach den derzeitigen Planungen zusammen 359 Betten. Damit werde man dem Versorgungsbedarf gerecht. Auch die Ausbildung von qualifiziertem Personal sei in Zukunft möglich, »Dank der standortübergreifenden Zusammenarbeit im Klinikverbund« und den standortübergreifenden Fachzentren. Die chirurgische Versorgung werde im Rahmen der Facharztkompetenz »Allgemeinchirurgie« auch in Zukunft gewährleistet. Der Klinikverbund Doch nicht nur das Calwer Landratsamt, auch der Klinikverbund Südwest meldete sich am Dienstag mit einer Pressemitteilung zur aktuellen Debatte zu Wort. So erklärt Jörg Noetzel, medizinischer Geschäftsführer und selbst Chirurg, man dürfe bei der Diskussion, die »möglicherweise sehr von verständlicherweise geäußerten Befürchtungen und Meinungen geprägt ist«, eines nicht vergessen: Der Klinikverbund wolle »langfristig möglichst wohnortnah für exzellente Qualität in Pflege und Medizin sorgen« – und das trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Herausforderungen seien unter anderem eine Mindestanzahl an Operationen, kommende Anforderungen eines aktuell diskutierten Notfallkonzeptes oder die Gewinnung von Fachkräften. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, sei der Klinikverbund gegründet worden, in dem sich die Einrichtungen gegenseitig helfen und über das gemeinsame medizinische Angebot abstimmen könnten. Dies bringe mehr Erfolg, als sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Folglich sei das Gesamtergebnis des Verbundes entscheidend, das somit der wohnortnahen Versorgung »durch Unterstützung der kleineren Standorte und gegenseitiger Patientenzuweisung an die jeweiligen spezialisierten Zentren« diene, heißt es in der Mitteilung. Die vom Kreistag beschlossene Medizinkonzeption habe genau dieses Ziel. Der Campus-Gedanke sei eine zukunftsweisende Möglichkeit, um die ambulant-stationäre Verzahnung weiterzuentwickeln und in Zeiten des Ärztemangels Gesundheitsangebote »auch für die Leistungserbringer durch eine Bündelung der Kompetenzen und die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur bei gleichzeitig räumlicher Nähe attraktiver zu machen«. Derzeit gebe es stets neue Herausforderungen, die von der Gesundheitspolitik auf Bundesebene auferlegt würden. Es gelte daher, sich auf neue Strukturen einzustellen. Die Umsetzung der Modernisierungsmaßnahmen für die Krankenhäuser Calw und Nagold seien auf einem guten Weg; auch die Mitarbeiter habe man in die Planungen eingebunden. In Nagold laufe bereits die detaillierte Entwurfsplanung. Für den Neubau Calw sei das Architektenauswahlverfahren in Gange, »um dem Anspruch der Patienten nach einer zukunftsorientierten Medizin – aber auch den berechtigten Anforderungen der Mitarbeiter nach modernen, leistungsfähigen und damit attraktiven Arbeitsplätzen – weiterhin gerecht zu werden«, unterstreicht das Schreiben des Verbunds. »Anknüpfend daran möchten wir in einem nächsten Schritt für die Konkretisierung der weiteren inhaltlichen Ausgestaltung der Medizinkonzeption auch in den intensiven Dialog mit den niedergelassenen Ärzten, hier insbesondere mit der Kreisärzteschaft treten«, betont Noetzel. Für zukunftsfähige Strukturen sei es nötig, sowohl niedergelassene Ärzte als auch künftige Patienten sowie Krankenkassen und Politik einzubinden. Abschließend wird in der Mitteilung schließlich vor allem eines nochmals betont: Die Grundproblematik liege »nicht in der Lokalpolitik, nicht in den Gemeinden, nicht in den Landkreisen und auch nicht im Verbund, sondern in den schwierigen Rahmenbedingungen für Kliniken bundes– und landesweit«, der sich alle gemeinsam stellen müssten. Die Ärzte Dass sowohl Klinikverbund als auch Landratsamt zum Dialog bereits seien, bewerten Eberhard Bantel, Ewald Prokein, Hans Strasser und Rolf Johnen, die Initiatoren der Anzeigen-Aktion, indes äußerst positiv. »Das war genau unser Bemühen: ins Gespräch zu kommen«, unterstreichen die Ärzte. Das Konzept 3plus gehe einfach an der medizinischen Realität vorbei; eine Klinik mit 135 Betten sei nicht nachhaltig. Und ihnen sei es sehr wichtig, eben die medizinischen Aspekte geltend zu machen. Die Anzeige habe im Übrigen für einiges Aufsehen in der Bevölkerung gesorgt. Dies sei bereits von mehreren Kreisräten bestätigt worden.

 

Von Ralf Klormann

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Nordschwarzwald am 24.1.2018

Geschrieben am 15.01.2018

Zentralklinik ist für Landkreis keine Option

Gesundheit — Calwer Landratsamt bekennt sich zur beschlossenen Zwei-Häuser-Lösung und verteidigt den Gesundheitscampus Das Calwer Landratsamt hat sich in einem Schreiben klar von der Möglichkeit eines Zentralklinikums im Kreis Calw distanziert. Das hatte die Bürgerinitiative pro Krankenhäuser ins Spiel gebracht. Die von der Initiative geäußerte Kritik am Gesundheitscampus Calw weist der Landkreis zurück.

Kreis Calw. Ein Zentralklinikum für den Kreis Calw? Ganz neu ist der von der Bürgerinitiative pro Krankenhäuser Calw und Nagold geäußerte Vorschlag nicht. Bereits das GÖK-Gutachten von 2013, aus dem das beschlossene Konzept »3plus« entstand, untersuchte die Möglichkeit, ein neues Zentralklinikum für den Kreis Calw zu bauen. Die Gutachter stuften ein solches Vorhaben damals allerdings als unwirtschaftlich ein. Bei Kreistag und Landkreisverwaltung setzte sich die Meinung durch, beide Krankenhausstandorte zu erhalten, die Klinik in Nagold zu sanieren und in Calw einen Neubau mit angegliedertem Gesundheitscampus zu errichten. Diese Meinung manifestierte sich schließlich in einem Beschluss des Calwer Kreistags im Jahr 2015. Einen Grund, von dieser Linie abzuweichen und wieder die Option Zentralklinikum zu verfolgen, sieht man im Calwer Landratsamt nicht. Man habe sich 2015 »ganz bewusst« – auch aus strukturpolitischen Gründen – für zwei Klinikstandorte entschieden, schreibt das Landratsamt in einer Stellungnahme zur jüngsten Entwicklung im Rahmen der Krankenhausdebatte. Im Übrigen hätten sich auch die vom Landkreis seinerzeit initiierten Bürgerforen für den Erhalt beider Krankenhausstandorte Calw und Nagold ausgesprochen, heißt es in dem Schreiben. Auch der Kreistag habe sich erst jüngst wieder klar positioniert. So hätten sich die Vorsitzenden aller Fraktionen am 18. Dezember 2017 noch einmal ausdrücklich für die beschlossene Krankenhausplanung und gegen ein Zentralkrankenhaus ausgesprochen, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises. In der weist das Landratsamt auch alle Kritik am Gesundheitscampus zurück, der rund um den Klinikneubau im Stammheimer Feld in Calw entstehen soll. Dieser Campus weise ein »innovatives Konzept« auf und sei beileibe kein »Fachärztehaus« sondern vereinige verschiedene, aber räumlich verbundene Gesundheitseinrichtungen. Der Campus soll unter anderem eine Klinik für Psychosomatik mit 30 Betten, eine Tagesklinik für Kinder– und Jugendpsychiatrie mit zwölf Plätzen, ein nephrologisches Zentrum mit 25 Dialyseplätzen sowie ein Haus der Gesundheit mit Facharztpraxen, ein AOK-Gesundheitszentrum, den Pflegestützpunkt des Landkreises Calw sowie voraussichtlich auch eine Kurzzeitpflege umfassen. Ziel des Campus sei eine »verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen des ambulanten Sektors sowie zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor«, so das Landratsamt. Dieses Konzept sei mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg und den Krankenkassen abgestimmt und werde dort ausdrücklich begrüßt. In seiner Reaktion informiert der Landkreis Calw noch einmal über die Investitionen, die rund um die beiden Krankenhäuser getätigt werden. Nach derzeitigem Planungsstand investiert der Landkreis Calw für die Sanierung der Klinik in Nagold 38 Millionen Euro, für den Neubau des Klinikums in Calw rund 36 Millionen Euro. Die am Gesundheitscampus beteiligten Partner investieren gemeinsam nochmals rund 20 Millionen Euro. Das Land wird sich an den Kosten des Neubaus in Calw nach Angaben des Landratsamts voraussichtlich mit einer Förderquote von 45 Prozent beteiligen.

Von Sebastian Bernklau

Veröffentlicht im Schwarzwälder Boten Teil Nordschwarzwald am 12.1.2018

 

Geschrieben am 10.01.2018

Initiative bringt Zentralklinikum ins Spiel

Krankenhausdebatte — Vorwurf: Modell 2020 sichert nicht Grund– und Regelversorgung