Presseartikel

Auf dieser Seite finden Sie Presseartikel zu den geplanten personellen Veränderungen im Krankenhaus Calw.

Geschrieben am 27.11.2017

Alles wieder am Anfang?

In Calw will man sich nicht damit abfinden, dass in der alten Klinik in absehbarer Zeit die Lichter ausgehen könnten. Jetzt steht sogar ein Bürgerbegehren im Raum. Was nun, Herr Landrat?

Kreis Calw. Der Widerstand gegen die vom Kreistag längt beschlossene, aber noch nicht umgesetzte Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft im Kreis Calw nimmt zu. 65 Calwer Ärzte stemmten sich öffentlich gegen das Konzept 2020. Und der frühere OB der Hesse-Stadt, Karl-Heinz Lehmann, denkt gar über ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Standort des Calwer Gesundheitscampus’ auf dem Stammheimer Feld nach. Was nun?

Herr Riegger, beginnt die Diskussion über die Zukunft der Kliniken jetzt wieder bei Null?

Der Kreistag hat einen eindeutigen Beschluss zur Umsetzung der Medizinkonzeption 2020 gefasst und sich für ein Plankrankenhaus an zwei Standorten ausgesprochen. Wir wollen damit gerade im ländlichen Raum eine wohnortnahe stationäre medizinische Grund– und Basisversorgung gewährleisten. Der Landkreis und der Kreistag stehen nach wie vor zur beschlossenen Krankenhausplanung. Vielleicht müssen wir aber noch intensiver über die Vorteile der Medizinkonzeption 2020 informieren.

65 Ärzte aus dem Calwer Raum haben sich in einer Anzeige gegen das Klinikkonzept 2020 ausgesprochen. Sie wollen in Calw ein Krankenhaus mit 200 Betten und einen Weiterbestand der operativen Orthopädie…

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit besteht hier eine Diskrepanz. Zunächst einmal ist es sehr zu begrüßen, dass sich die Ärzte Gedanken um die Zukunft der stationären medizinischen Versorgung ihrer Raumschaft machen. Aber im Grunde genommen verfolgen wir dasselbe Ziel: ein zukunftsfähiges Haus zur Sicherstellung der wohnortnahen Grund– und Basisversorgung in der Region Calw. Dazu gehört eine 24-Stunden-Notfallversorgung, eine Herzinfarkt– und Schlaganfallversorgung, Intensiv– und Palliativmedizin sowie die Unfallchirurgie. Hinzu kommen die Schwerpunktversorgung im Bereich der Neurologie sowie der Fortbestand der Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Standort Calw, die wir von einer Beleg– in eine Hauptabteilung umgewandelt haben. Dieses Angebot kann auch mit weniger Betten vorgehalten werden, zumal sich die Verweildauer in den Krankenhäusern insgesamt reduziert. Durch den Gesundheitscampus werden die 135 Betten des Neubaus in Calw um 60 zusätzliche Betten und Plätze des ZfP und des Nephrologischen Centrums ergänzt.

Ohne die Unterstützung der Ärzte vor Ort ist eine Klinik aber schwerlich zu betreiben. Sie weisen schließlich die Patienten ein.

Wir sind selbstverständlich an einer guten Zusammenarbeit zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten interessiert. Dies spiegelt sich auch in der Gesundheitskonferenz wider. Im Rahmen von  Bürgerversammlungen und Bürgerforen haben wir in der Vergangenheit ausführlich über die Konzeption informiert und die Notwendigkeit der Neuausrichtung dargelegt. An diesen Veranstaltungen hat auch ein Teil der Ärzteschaft teilgenommen..

Viele Calwer fragen sich: Warum kann die Klinik am bisherigen Standort – nach entsprechenden Sanierungen – in der gewohnten Struktur nicht einfach weiterbetrieben werden?

Der aktuelle Standort weist Defizite hinsichtlich der Lage, Erreichbarkeit, Topografie des Geländes, Ablauforganisation im Gebäude, Brandschutz sowie der unterschiedlichen Qualität der Bauabschnitte im Gebäude auf. Ein attraktiver und wirtschaftlicher Klinikbetrieb ist so auf Dauer nicht mehr möglich. Es müssten weitere Millionen investiert werden – allein nur um den Klinikbetrieb in Sachen Brandschutz auf Dauer aufrechterhalten zu können. Davon abgesehen wären weitere Investitionen in die medizinische Entwicklung erforderlich. Die topografischen und verkehrlichen Probleme des Standortes wären damit aber auch noch nicht gelöst. Aus diesen Gründen scheidet ein Weiterbetrieb des Krankenhauses Calw am bisherigen Standort für die Kreistagsfraktionen als Option definitiv aus. Aber ich biete Ihnen gerne einen Rundgang mit Fachleuten durch das Haus an, damit Sie sich selbst ein Bild davon machen können.

Ein gewichtiges Wort hat das Sozialministerium mitzureden. Sozialminister Manfred Lucha will Kliniken im Land unter 200 Betten schließen. Warum baut man dann in Calw eine neue Klinik mit 135 Betten? Hat eine solche Klinik Zukunft?

Sie haben Recht, die Situation für Kliniken im Ländlichen Raum ist nicht einfach. Aber die Calwer Klinik ist Bestandteil des Klinikverbunds Südwest. Dank dieser großen Einheit kann das Personal bei Engpässen in verschiedenen Häusern eingesetzt werden und es gibt standortübergreifende Aus-, Fort– und Weiterbildungskooperationen. Zudem muss der Klinikneubau Calw in direktem Zusammenhang mit dem geplanten Gesundheitscampus gesehen werden. Eine bessere Bestandsgarantie als einen mit Landesmitteln geförderten Neubau, eingebettet in einen Campus mit zahlreichen anderen Dienstleistern aus dem ambulanten, stationären und teilstationären Sektor, kann es gar nicht geben.

Welche Folgen hätte es für Calw, wenn vom beschlossenen Klinikkonzept abgewichen würde?

Die Stadt Calw kann nur insofern vom beschlossenen Konzept abweichen, als sie dem Landkreis kein Planungsrecht für den Neubau auf dem Stammheimer Feld III erteilt. In diese Richtung zielt wohl der Vorstoß zu einem Bürgerbegehren. Auch ein erfolgreiches Bürgerbegehren bedeutet aber nicht, dass das jetzige Haus noch viele Jahre weiterbetrieben wird. Im Gegenteil: Es würde dazu führen, dass es in Calw in wenigen Jahren kein Krankenhaus mehr geben wird. Denn eine zukunftsfähige medizinische Versorgung ist am derzeitigen Standort nicht gewährleistet. Wissen Sie, es haben sich auch schon andere Städte zu lange gegen ein Krankenhausprojekt gewehrt. Bestes Beispiel ist hier die Stadt Backnang, die heute kein Krankenhaus mehr hat.

Steht der Kreistag noch mehrheitlich hinter dem Konzept?

Die Medizinkonzeption 2020 wurde im Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen. Die Bekenntnisse, die ich aus den Fraktionen erhalte, sind sehr klar und eindeutig. Der Kreistag steht nach wie vor hinter der Sanierung in Nagold und dem Neubau in Calw.

Was sind die nächsten Schritte für Nagold und Calw?

Wir werden im Frühjahr 2018 mit der Sanierung in Nagold beginnen. In Calw läuft bereits seit Oktober der städtebauliche Realisierungswettbewerb für den Neubau und den Gesundheitscampus. Dieser wird im Frühjahr abgeschlossen sein. Dann geht es in die Detailplanung. Mit den Baumaßnahmen soll hier im Frühjahr 2019 begonnen werden.

Die Fragen stellte Roland Buckenmaier

Von Roland Buckenmaier,

veröffentlicht im Schwarzwälder Boten, Teil Nordschwarzwald vom 25.11.2017

 

Geschrieben am 25.11.2017

Gremium stellt sich hinter Forderungen

Die medizinische Versorgung in Calw muss garantiert bleiben: Diese Forderung unterstütze der Gemeinderat am Dienstag einstimmig.

Calw. Vor wenigen Tagen sorgte eine großformatige Anzeige in unserer Zeitung für Aufsehen. Der Inhalt:  “10 Gründe, warum das Calwer Krankenhaus in seiner jetzigen Leistungsfähigkeit erhalten bleiben muss.” 65 Ärzte aus der Region bekräftigten damit ihre Unterstützung für die Ziele der Bürgerinitiative des Vereins “Pro KrankenhäuserCalw und Nagold”. Eines der zentralen Anliegen dabei: ein Krankenhaus mit etwa  200 Betten für Calw — entweder am bisherigen Standort oder im Rahmen des geplanten Neubaus. Auf Initiative von Ihrmhild Mannsfeld (NLC) stellte der Calwer Gemeinderat sich nun geschlossen hinter diese Forderung, die medizinische Vollversorugng in Calw für die Zukunft auf demselben Level wie jetzt zu erhalten — und zwar unabhängig davon, ob gebaut wird oder nicht.

Schwarzwälder Bote vom 24.11.2017

Geschrieben am 25.11.2017

Ohne Orthopädie keine volle Unfallchirurgie

Krankenhaus — Chefärzte, Oberbürgermeister und Stadträte äußern sich zur geplanten Klinik im Stammheimer Feld

Kaum ein Thema ist in den vergangenen Jahren in Calw so heiß und intensiv diskutiert worden wie die Zukunft des Krankenhauses. Doch wie ist es wirklich darum bestellt? Chefärzte, Fraktionsvorsitzende und OB Ralf Eggert haben nun zu dieser Frage Stellung genommen.

Was passiert mit der Orthopädie? Ist der geplante Klinikneubau zukunftsfähig? Und warum kann nicht alles einfach so bleiben, wie es ist? Wenn es um die Entwicklung in Sachen Calwer Krankenhaus geht, sind dies nur einige der Fragen, die bei der derzeit in großen Teilen verunsicherten Bevölkerung auftauchen. In einem Pressegespräch haben sich am Freitag Oberbürgermeister Ralf Eggert, die Fraktionsvorsitzenden Jürgen Ott (GfC), Sebastian Nothacker (CDU), Dieter Kömpf (FW) und Hugo Bott (SPD) sowie die Chefarztriege um den leitenden Chefarzt Martin Oberhoff geäußert. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wird es möglich sein, die Orthopädie in Calw zu behalten?

Kurz und knapp: Es wird sogar notwendig sein, damit Landrat Helmut Riegger das Versprechen einlösen kann, das er laut OB Eggert bei einer Informationsveranstaltung im Jahr 2015 in der Stammheimer Gemeindehalle gegeben hat. Riegger hatte damals zugesichert, dass es in Calw auch zukünftig eine umfassende unfallchirurgische Versorgung geben wird.

Der Hintergrund: Seit einer Weiterbildungsverordnung aus dem Jahr 2004 sind die Bereiche Unfallchirurgie und Orthopädie nicht mehr getrennt sondern zusammengelegt. Reine Unfallchirurgen oder reine Orthopäden werden seitdem nicht mehr ausgebildet, erklärt Martin Handel, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Calw. Über den Daumen gepeilt betreffe dies mittlerweile sämtliche Fachärzte in diesen Disziplinen, die jünger als 47 Jahre alt sind.

Frühere Unfallchirurgen wurden zuerst als Chirurgen ausgebildet, konnten also auch beispielsweise im Bauchraum der Patienten operieren und setzten erst später mit einer Weiterbildung den Schwerpunkt Unfallchirurgie oben drauf. Heute werden Unfallchirurgen kaum noch als “normale” Chirurgen ausgebildet, dafür aber zusätzlich in Orthopädie.

Im Klartext: Würde die Orthopädie in Calw wegfallen, wäre es nur noch schwer möglich, Unfallchirurgen zu bekommen, da diese – aufgrund der geänderten Ausbildung – dann gewissermaßen nur noch die Hälfte ihrer Tätigkeit (die Unfallchirurgie und Notfall-Orthopädie) ausüben könnten. Die andere Hälfte besteht aus planbaren orthopädischen Eingriffen – also dem, was häufig von der Allgemeinheit unter dem Begriff “Orthopädie” verstanden wird.

Sollte dies nicht gewährleistet werden, wäre die Folge ein unattraktiver Arbeitsplatz. Darüber hinaus könnte – ohne Orthopädie – die notwendige Ausbildung für künftige Assistenzärzte nicht mehr angeboten werden. Eine unfallchirurgische Versorgung an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr wäre dann nicht mehr möglich, da für eine solche mindestens eine permanente Stellenbesetzung von sieben Assistenzärzten und vier Oberärzten nötig ist.

Kurzum: Ohne Orthopädie in Calw gäbe es künftig auch keine umfassende unfallchirurgische Versorgung mehr vor Ort. Dies hatte Riegger jedoch zugesichert.

Im bislang vorliegenden Klinikkonzept 2020 wurde dieser Umstand noch nicht berücksichtigt. Stadtrat und OB fordern deshalb, dass dies noch geschieht.

Dass die Orthopädie auch in Nagold Einzug halten soll, ist für die Ärzte indes kein Widerspruch – sondern eher eine konsequente Fortschreibung des Gedankens “eine Klinik an zwei Standorten”.

Bedeutet “Notfallversorgung” beim geplanten neuen Krankenhaus bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen, dass der Patient nach einer Notfallbehandlung sofort in eine andere Klinik gebracht wird?

Nein. Oberhoff und Joachim Hartmann, Chefarzt für Neurologie in Calw, erklären, dass Patienten, die solcherart erkranken, auch am neuen Klinikstandort regulär aufgenommen und sowohl not– als auch vollversorgt werden.

Wird das neue Krankenhaus für Fachärzte und Assistenzärzte attraktiv sein?

Eine Frage, die Oberhoff eindeutig bejahen kann – nicht zuletzt wegen des geplanten Gesundheitscampus’, der neben 30 Betten für Psychosomatik und 25 Betten für Dialyse auch ein Ärztehaus umfassen soll. Denn: Dadurch, dass Mediziner dort sowohl im stationären Bereich als auch als niedergelassene Ärzte arbeiten können, sei das Umfeld der geplanten Klinik interessant und familienfreundlich. Und: “Wenn man quasi ›nebenher‹ zusätzlich Psychosomatik lernen kann, handelt es sich um hochattraktive Arbeitsplätze”, so der Chefarzt.

Er bescheinigt dem Konzept – Klinik mit Campus – einen “Modellcharakter”. Es könne das Zeug dazu haben, künftig flächendeckend angewendet zu werden, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen. Es handle sich um eine “ganz tolle Herausforderung”, ein solches Konzept auf die Beine zu stellen.

Zudem räumt er aber ein, dass es sich um einen Prozess handle, bei dem noch nicht völlig absehbar sei, wohin er sich konkret entwickle. Zunächst sei nun aber notwendig, “Rahmenbedingungen zu schaffen und dann wird es wachsen müssen”. Vorgesehen sei auf jeden Fall, sowohl die Angebote der Neurologie als auch der Gynäkologie sogar über den heutigen Stand hinaus weiterzuentwickeln.

Wird das neue Krankenhaus wirklich 135 Betten haben?

Das steht derzeit noch nicht fest. Sicher ist nur, dass ein erster Entwurf für die neue Klinik vor Jahren zunächst nur 85 Betten plus zehn Betten für Kurzzeitpflege vorsah. Mittlerweile sei man bei der Zahl 135 und mehr angekommen, erklärt Eggert. Auf eine bestimmte Zahl will der OB sich nicht festlegen, sicher ist für ihn nur, dass es am Ende so viele Betten sein müssen, dass das Konzept – inklusive aller Versprechen, die gemacht wurden (zum Beispiel Stichwort Unfallchirurgie) – eingehalten werden können. “Dafür kämpfen wir”, bekräftigt Eggert. Und Ott ergänzt: “Wir kämpfen dafür, dass Calw und das Umland künftig die selbe Versorgung hat wie bisher – und besser.” In den vergangenen Jahren, so der OB, habe man sich in Sachen Bettenanzahl immer weiter “nach oben gerobbt”. “Und wir robben weiter”, unterstreicht er.

Wenn das alte Krankenhaus erhalten bleibt – wie zukunftsfähig wird dieses sein? Bleibt die medizinische Versorgung auch künftig auf dem bisherigen Niveau?

Bleibt alles wie es ist, wird das medizinische Leistungsspektrum, das derzeit noch angeboten wird, wohl nicht aufrechterhalten werden können. Da sind die Chefärzte relativ sicher. Und auch, ob die Klinik überhaupt dauerhaft geöffnet bleiben kann, steht nicht unbedingt fest. Denn, so Oberhoff: Alte Krankenhäuser, die keine neuen Strukturen bieten können, seien in Zukunft der Gefahr einer Schließung ausgesetzt. Das geplante Krankenhaus mit Campus biete dagegen echte Chancen. “Wir können überleben, weil wir dann eine innovative Form anbieten”, ist der Mediziner überzeugt. Darüber hinaus könne das neue Krankenhaus zu einer “Ausbildungsstätte für Hausärzte” werden, von denen in den kommenden Jahren im Landkreis die Hälfte aufhören werden.

Ist das jetzt vorliegende Klinikkonzept 2020 in Stein gemeißelt? Oder kann sich daran noch etwas ändern?

In Stein gemeißelt ist bisher noch nichts. In den vergangenen Jahren hat sich vom Konzept 3+ bis zum jetzigen Klinikkonzept 2020 immer wieder etwas geändert. Und noch immer gebe es Baustellen, an denen gearbeitet werde, damit alles bestmöglich funktionieren könne; der Klinikverbund Südwest mit dem medizinischen Geschäftsführer Jörg Noetzel arbeite permanent daran, so OB Eggert. Er selbst ist grundsätzlich mit dem derzeitigen Konzept einverstanden, sagt aber auch: “Es muss schon noch ein bisschen mehr dazu kommen” – gerade in Sachen unfallchirurgischer Versorgung oder in Sachen Bettenanzahl.

Derzeit läuft der Architektenwettbewerb, wobei eine grundsätzliche Gestaltung des geplanten Krankenhauses entworfen werden soll, allerdings noch ohne Aufteilung des Gebäudes in Räume. Steht dann ein Raumkonzept, mit dem die vorgesehenen medizinischen Leistungen gewährleistet werden können, sollen mehrere dieser Architekturbüros ausgewählt werden, um das Raumkonzept auf das Gebäude zu übertragen. Wichtig dabei: Das Krankenhaus müsse so gestaltet werden, dass es erweiterungs– und umbaufähig bleibe, um mit den Anforderungen des medizinischen Fortschritts auch in den kommenden Jahrzehnten Schritt halten zu können, erklärt Oberhoff.

Von Ralf Klormann

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 18.11.2017

 

Geschrieben am 24.11.2017

Wissen, dass nicht jedes kleine Krankenhaus erhalten werden kann

 Gesundheit I Frank Reuther, Vorsitzender des Marburger Bunds Baden-Württemberg, fordert sinnvollere Standortplanung des Landes

Von Alexander Kauffmann

Oberndorf. Die Diskussion um die Klinik– und Krankenhausstandorte brandet in den Gemeinden im Südwesten immer wieder auf: Wenn Kommunalpolitiker sich den Erhalt eines Standorts als ihren Erfolg ans Revers heften, eine Einrichtung geschlossen wird, die Bürger sich bei den Verantwortlichen über längere Anfahrtswege im Notfall beschweren.

Wie die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft aber auflistet, gibt es aktuell 266 Krankenhäuser im Land. Vor zehn Jahren waren es noch 296. Dieser Trend setzt sich fort: Im Landkreis Lörrach schließen sich drei Kliniken und ein kirchliches Haus zu einer Klinikgesellschaft zusammen. Die beiden Kliniken in Albstadt und Balingen sollen zu einer Zentralklinik im Zollernalbkreis fusionieren. »Wir wissen, dass leider nicht jedes kleine Krankenhaus erhalten werden kann«, sagt Frank Reuther, seit sechs Jahren Vorsitzender der Ärztevertretung Marburger Bund Baden-Württemberg, im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung.

In der Frage nach der Zukunftsfähigkeit einzelner Standorte kritisiert er: »Die Landesregierung müsste in einem moderierenden Prozess eine sinnvollere Krankenhausstrukturplanung auf die Beine stellen.« Gleichzeitig sollten »die Potenziale in den kleineren Einrichtungen ausgeschöpft werden«, zumal einfachere Eingriffe, er nennt die Entfernung von Gallensteinen als Beispiel »nicht in großen Krankenhäusern operiert werden müssen«. Und wenn schon nicht jede Einrichtung gehalten werden kann, sollte wenigstens die Verkehrsanbindung stimmen.

Auch Geld ist für ihn ein Aufregerthema: Das Land solle »hinsichtlich der Investitionsfinanzierung « zahlen, wozu es sich verpflichtet habe, sagt er trocken, und führt aus: »Die Krankenhäuser und Kliniken brauchen auskömmliche Mittel. Im Moment verstößt das Land hier gegen Verpflichtungen. Man kann sich nur wünschen, dass mehr Geld reinkommt.

« In den Notaufnahmen stellen sich immer mehr Patienten mit Problemen vor, für die sonst der Hausarzt zuständig wäre

Erneut sieht er die Politik am Drücker, wenn es um Lösungen für überfüllte Notaufnahmen im Land geht. Es sei unabdingbar, dass »hier mehr Möglichkeiten« geschaffen werden, um die Arbeit von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzte zu verzahnen. Die Hemmschwelle, sofort eine Notaufnahme aufzusuchen, sei im Vergleich zu früher stark gesunken: »Immer mehr Patienten stellen sich dort mit Problemen vor, mit denen sie eigentlich auch zu einem niedergelassenen Arzt hätten gehen können«, sagt der Oberarzt, der selbst schon in Notaufnahmen Patienten behandelt hat. Beim Marburger Bund und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird deshalb der Ruf nach Umstrukturierungen laut.

Doch der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm stellt nicht nur Forderungen. Er hat auch Lösungen parat: Der Mediziner denkt an niedergelassene Ärzte, die ihre Praxis direkt bei der Notaufnahmestelle führen. Sie könnten die leichteren Fälle behandeln und so ihre Kollegen entlasten. »Auch digitale Angebote könnten dazu beitragen, zu einem Patientenrückgang in den Notaufnahmen zu führen.«

Reif für Fernmedizin sehen sich die Patienten insgesamt offenbar aber nicht. Das macht eine Umfrage der Krankenkasse AOK klar: Nur ein Viertel der Befragten spricht sich dabei für eine Video-Sprechstunde mit ihrem Hausarzt aus. Selbst Gesundheitsapps nutzen gerade einmal neun Prozent.

Ein weiter akutes Problem sieht Reuther im Mangel an Ärzten — ein Thema, das nicht nur Baden-Württemberg betreffe. Er klagt: »Die Zahl der Studienplätze bleibt gleich, während immer mehr Ärzte benötigt werden.«

Gleichzeitig kämen nach Deutschland viele gut ausgebildete Mediziner, obwohl diese in ihrem Herkunftsland dringend benötigt würden. »Man kann nicht darauf setzen, dass ausländische Ärzte den Ärztemangel in Deutschland aufhalten werden. Hier hilft nur eine Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze um zehn Prozent«, appelliert Oberarzt Reuther .

Schwarzwälder Bote vom 18.11.2017,  Seite 4

Geschrieben am 24.11.2017

Land müsste viel stärker eingreifen

Gesundheit I Marburger Bund will sinnvolleren Krankenhausplan

Von Alexander Kauffmann

Oberndorf. Welche Krankenhäuser sollen geschlossen und welche weiter betrieben werden? In der Diskussion um heikle Standortfragen fordert Frank Reuther, Vorsitzender des Marburger Bundes im Südwesten, ein stärkeres Eingreifen der Landesregierung. Das Land »müsste in einem moderierenden Prozess eine sinnvollere Krankenhausstrukturplanung auf die Beine stellen«, sagte er bei einem Besuch unserer Zeitung. Gleichzeitig sollten die Potenziale der kleineren Häuser besser ausgeschöpft werden. Damit nicht genug: Das Land soll merklich mehr für die Einrichtungen zahlen. »Im Moment verstößt es hier gegen seine Verpflichtungen«, lautet der Vorwurf Reuthers. Auch wenn es um überfüllte Notaufnahmen geht, mahnt der hauptberufliche Oberarzt Konzepte von der Politik an, bei denen niedergelassene Praxen enger mit Krankenhäusern zusammenarbeiten.

Hintergrund nächster Artikel

Schwarzwälder Bote vom 18.11.2017,  Seite 1

 

Geschrieben am 13.11.2017

Für eine funktionierende Klinik

Männerforum — Fronten in der Krankenhausdiskussion offenbar nicht mehr ganz so verhärtet

Offene und klare Worte fand Oberbürgermeister Ralf Eggert beim Männerforum in Heumaden zum Reizthema Calwer Krankenhaus. Bezug nehmend auf die Leserbriefe in unserer Zeitung, mahnte Eggert eine sachliche Diskussion an, »sonst zerfleischen wir uns intern« .

Calw-Heumaden.  Den Schulterschluss mit dem OB übten Bernd Neufang und Eberhard Bantel von der Bürgerinitiative (BI) Krankenhaus Calw in dem gemeinsamen Ziel, dass es auch in Zukunft ein  funktionierendes Krankenhaus geben müsse. »Egal, ob im alten Gebäude oder einem Neubau «, so Neufang.

Dass das Thema Krankenhaus vielen Calwern unter den Nägeln brennt, zeigte das große Interesse an der Veranstaltung. Wolf gang Burkhardt vom Männerforum zählte rund 180 Teilnehmer und lobte das Küchenteam, dem »die wundersame Vermehrung« von 120 Portionen Kassler mit Sauerkraut gelang«. In seinem geistlichen Impuls forderte Pfarrer Dieter Raschko dazu auf, dem politischen Gegner mit Respekt zu begegnen und den Versuch zu wagen »einmal in die Haut des jeweils anderen « zu schlüpfen«.

Unter der Überschrift »Das Krankenhaus in Calw und die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum« gaben Neufang und Bantel einen Abriss über die Entwicklung seit 2004, als dem Oberender-Gutachten die provokante Aussage der Freien Wähler in Calw »Unser Krankenhaus — Sterben auf Raten? « sowie zahlreiche Bürgerproteste und die Gründung des Vereins »Pro Krankenhäuser Calw und Nagold« folgten. Mit der Gründung des Klinikverbunds Südwest und der Schwerpunktbildung in den Krankenhäusern Calw (Kardiologie, Neurologie) und Nagold (Bauch, Urologie) gab es eine zeitweilige Lösung. Die Einrichtung eines Linksherzkatheters in Nagold 2010 und ein Gutachten, das 2013 eine Reduzierung der Bettenzahl in Calw forderte, folgten weitere Einschnitte, die den Calwer Standort schwächten. Neufang sieht sowohl durch
die gesellschaftsrechtliche Struktur der Holding wie auch durch deren Unternehmenspolitik die Interessen Calws benachteiligt. Für den Klinikverbund Südwest sei das Krankenhaus Calw ein »Zulieferer« für die in Böblingen geplante »Flugfeldklinik«.

Neubau als Nebelkerze

Im Neubau eines Krankenhauses im Stamrnheimer Feld in Calw sieht Neufang »eine Nebelkerze«. Ein Widerspruch in sich sei die geplante Größe mit 135 Betten, während die Krankenkassen Häuser mit weniger als 200 Betten schließen wollen. Kontraproduktiv für den Erhalt der Calwer Klinik sieht Eberhard Bantel den Plan, die Orthopädie von Calw nach Nagold zu verlagern und die Zahl der Intensivbetten von acht auf vier zu kürzen: Bantel forderte, dass Calw und Nagold in der Krankenhausfrage wieder enger zusammenrücken und damit die politische Spaltung im Kreis gemindert werde.

Auch der OB will mehr als 135 Betten. »Aber dafür brauche ich Sie«, warb Eggert im Männerforum um Unterstützung: »Ich will das, was ich jetzt kriegen kann und für mehr kämpfen.« Nicht zukunftsfahig sei der Wunsch am alten Standort festzuhalten. Man habe Leerstände und die Brandschutzvorgaben könnten nicht erfüllt werden. Eggert: »Wir dürfen nicht den Fehler machen, alles zu wollen und am Ende mit leeren Händen dazustehen.«

Trendwende zu sehen

Auch wenn nach wie vor verhärtete Positionen deutlich wurden, hinterließ die Diskussion im Männerforum den Eindruck, dass es möglich sein könnte, in der öffentlichen Wahrnehmung zum Streitthema Calwer Krankenhaus eine Trendwende herbeizuführen. So sagte Wolfgang Kömpf, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Gemeinderat: »Wir müssen sehen, was machbar ist und die Fundamentalopposition aufgeben.« Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, den Krankenhausstandort Calw zu erhalten.
Von Annette Selter-Gehring

Schwarzwälder Bote, Teil Calw vom 13.11.2017

Geschrieben am 13.11.2017

Gesundheitscampus macht Schritt nach vorne

Klinik — Projektpartner beantworten Architekten Fragen zum Realisierungswettbewerb

Calw. Der Gesundheitscampus hat im Calwer Landratsamt einen weiteren Schritt Richtung Realisierung gemacht.

Im Rahmen des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs zur Gestaltung des Gesundheitscampus Calw stieg dort ein Kolloquium, bei dem 14 renommierte Architekturbüros aus Deutschland, Österreich und Luxemburg die Gelegenheit nutzten, um Fragen zur Auslobung des Wettbewerbs zu stellen.

Dabei ging es unter anderem um die Raum– und Funktionsprogramme des Klinikneubaus und der anderen Einrichtungen des geplanten Gesundheitscampus auf dem Stammheimer Feld III in Calw.

Weitere Schwerpunkte waren die äußere und innere Erschließung des Geländes sowie formale Bedingungen des Wettbewerbsverfahrens. Die Fragen wurden von den jeweiligen Campuspartnern und von Andreas Quentin, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Verkehr der Stadt Calw, beantwortet. Auch die anwesenden Fach– und Sachpreisrichter beteiligten sich an der intensiven Diskussion.

Die vertretenen Architekturbüros waren für das Angebot des Kolloquiums dankbar und kündigten an, dass sie die erhaltenen Antworten in die anstehenden Planungen einfließen lassen werden. Im Anschluss an das Kolloquium folgte eine gemeinsame Besichtigung des Baufelds auf dem Stammheimer Feld III.

»Dass wir 14 angesehene Architekturbüros mit einer hervorragenden Expertise im Krankenhausbau für die Teilnahme am Wettbewerb zur Realisierung des Gesundheitscampus Calw gewinnen konnten bestätigt, dass  es sich um ein innovatives und zukunftsfcihiges Projekt handelt«, freute sich Landrat Helmut Riegger. »Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr spannende Auswahl an Gestaltungsvorschlägen erhalten werden«, so Riegger weiter.

Die Preisgerichtssitzung ist auf den 28. März 2018 terminiert. Vom 9. bis 13. April 2018 werden die Wettbewerbsergebnisse im Landratsamt öffentlich ausgestellt.

Auf dem 6,5 Hektar großen Gesundheitscampus Calw sollen ergänzend zum neuen Krankenhaus ein Nephrologisches Centrum mit 25 Dialyseplätzen, ein Zentrum für Psychiatrie mit einer Klinik für Psychosomatik (30 Betten), einer Tagesklinik für Kinderund Jugendpsychiatrie (12 Plätze) und einer Psychiatrischen Institutsambuianz sowie ein »Haus der Gesundheit« entstehen. Letzteres wird die S-lmmobilienvermögen Gesellschaft der Sparkasse Pforzheim Calw als Bauträger errichten und an verschiedene Praxen, eine Kardiologie, den Pflegestützpunkt sowie auch an ein AOK– und ein PORT-Gesundheitszentrum vermieten.

Die Idee, einen Gesundheitscampus mit mehreren separaten, aber räumlich verbundenen Gesundheitseinrichtungen rund um den Klinikneubau auf dem Stammheimer Feld in Calw zu etablieren, entstand aufbauend auf den Planungen zum Neubau des Calwer Krankenhauses während der Erarbeitung der Medizinkonzeption 2020. Ziel ist eine patientenzentrierte und intersektorale Zusammenarbeit verschiedener Professionen des ambulanten Sektors sowie zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor.

Dieses Konzept wird sowohl vom baden-württembergischen Sozialministerium als auch von der AOK BadenWürttemberg ausdrücklich unterstützt.

Der Landkreis investiert rund 36 Millionen Euro für den Klinikneubau (ohne Parkplätze und Außenanlagen), die anderen Partner insgesamt rund 20 Millionen Euro für die angegliederten Einrichtungen.

Schwarzwälder Bote, Teil Nordschwarzwald vom 12.11.2017

Geschrieben am 10.11.2017

Krankenhaus Thema beim Männerforum

Es treibt die Menschen in Calw um: die Frage nach der medizinischen Versorgung durch das Krankenhaus in Calw.

Calw-Heumaden. Das Männerforum Heumaden lädt ein, sich am Freitag, 10. November, ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus über die Zukunft des Krankenhauses und die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu informieren. Referenten sind Eberhard Bantel und Bernd Neufang von der Bürgerinitiative Krankenhaus Calw.

Neufang wird die strukturelle Seite erläutern: Wie ist das Krankenhaus in den Verbund eingegliedert und welche Konsequenzen hat dies für die Menschen im Calwer Raum. Bei der Topographie der Region ist es nicht einfach, eine gute und schnelle Gesundheitsversorgung zu sichern. Was bedeutet es, wenn man nicht mehr in 30 Minuten sein Krankenhaus erreicht? Planungen leben von Prognosen. Allerdings sind kritische Befragungen ebenso wichtig, um zu bewerten, ob Prognosen der Realität nahe kommen. Wie stark dürfen wirtschaftliche Faktoren ausschlaggebend sein, um einen Plan zur medizinischen Versorgung aufzustellen? Werden tatsächlich Kosten reduziert durch das vorliegende Konzept — und auf wessen Kosten? Was bedeuten Schließungen und Verlagerungen von Abteilungen für die Gesundheitsversorgung und die Entwicklung der Stadt? Solche und andere Fragen behandeln die beiden Vertreter der Bürgerinitiative, die mit nahezu 18 000 Unterschriften für den Erhalt der Orthopädie bei ihrem Engagement unterstützt wird.

Schwarzwälder Bote, Calwer Teil vom 4.11.2017

Geschrieben am 10.11.2017

Marburger Bund reagiert auf Kliniksterben

Das Kliniksterben ruft den Marburger Bund auf den Plan. Die Ärztegewerkschaft fordert klarere Vorgaben für Investitionen in Krankenhäuser.

Berlin. Bund und Länder müssten endlich einen Weg finden, wie der tatsächliche Investitionskosten bedarf der Krankenhäuser verbindlich gedeckt werde, erklärte der Marburger Bund am Donnerstag in Berlin. Erforderlich sei eine gesetzlich verankerte Mindestförderung für den Substanzerhalt und die Investition in bedarfsgerechte Strukturen. Die jährliche Preisfindung auf Landesebene müsse eine volle finanzielle Abdeckung der Tariflohnsteigerungen ermöglichen. Dazu müssten Tarifergebnisse als wirtschaftliche Kosten zur die Abdeckung von Personalkosten anerkannt werden, so die Ärzte-Vertretung.

Schwarzwälder Bote, Politikteil vom 03.11.2017

Geschrieben am 06.11.2017

Kliniken beklagen Kürzungen

Studie -  Sozialminister setzt auf weitere Konzentration: bald unter 200 Krankenhäuser?

Immer mehr Patienten im Land werden in immer weniger Kliniken behandelt. Das zeigt die aktuelle Krankenhausstatistik. Und der Strukturwandel geht auch in Zukunft weiter.

Immer weniger Krankenhäuser in Baden-Württemberg versorgen immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit. Zu diesem Ergebnis kommt das Statistisch Landesamt in seinem Jahresbericht. Demzufolge wurden im vergangenen Jahr 2,17 Millionen Patienten in Kliniken vollstationär behandelt. Das sind 27.000 mehr als im Jahr zuvor (plus 1,2 Prozent). Verantwortlich dafür seien der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt, erklärt Annette Baumer, Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG).

Aktuell gibt es demnach 266 Krankenhäuser. Vor zehn Jahren waren es noch 296. Dieser Trend setzt sich fort: Im Kreis Lörrach schließen sich drei Kreiskliniken und ein kirchliches Haus als Klinikgesellschaft in einem geplanten Neubau zusammen. Die bei den Kliniken in Albstadt und Balingen sollen zu einer Zentralklinik im Zollernalbkreis fusionieren.

Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) indes hat prognostiziert, in zehn, 15 Jahren werde die Zahl der Kliniken auf 200 sinken. Der Südwesten habe zu viele kleine Einrichtungen und zu wenig Spezialisierungen.

Zu diesem Schluss kommt auch der aktuelle Krankenhaus Rating Report des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Dort wird der jährliche Investitionsbedarf für die Kliniken im Land auf 650 Millionen Euro beziffert. Für die neuen Baumaßnahmen sind im Etatentwurf 2018/2019 laut Sozialministerium 487,8 Millionen Euro für beide Jahre eingeplant.

>Thema des Tages

 

Von Carola Fuchs, Oberndorf

Schwarzwälder Bote, Titelseite vom 2.11.2017